Gault-Millau Schweiz 2014

*** Den Bericht über den Gault-Millau 2015 findet ihr hier ***

Die Auszeichnung „Koch des Jahres“ von Gault-Millau geht in diesem Jahr nach Basel und wird zum ersten Mal an eine Frau verliehen. Sie heisst Tanja Grandits ist 42 Jahre jung und kocht seit fünf Jahren im Restaurant Stucki. Gleichzeitig erhält die sympathische Spitzenköchin auch den hochverdienten 18. Punkt. Nach dem 2. Michelin Stern im letzten Jahr, sind nun all unsere Forderungen vom Besuch vor zwei Jahren erfüllt.

Tanja_3Der „Aufsteiger des Jahres“ in der Deutschschweiz ist Christian Kuchler vom Restaurant Hirschen in Eglisau. In der Westschweiz heisst der „Aufsteiger des Jahres“ Pierre-André Ayer und kocht im Restaurant Le Pérolles in Fribourg. Im Tessin kann sich Othmar Schlegel vom Restaurant Locanda Barbarossa in Ascona als „Aufsteiger des Jahres“ nennen. Gault-Millau ist ein hervorragender Talentscout. Deshalb ist die Auszeichnung „Entdeckung des Jahres“ immer besonders spannend. Heuer geht die Auszeichnung „Entdeckung des Jahres“ Deutschschweiz an Manuel Reichenbach vom Restaurant Casa Tödi in Trun. Die Westschweizer „Entdeckung des Jahres“ heisst Christophe Pacheco vom Restaurant Le Berceau des Sens in Lausanne.

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Gericht von Tanja Grandits im Restaurant Stucki in Basel

Chefredakteur Chef Urs Heller und seine 45 Test-Esser reisten auch in diesem Jahr durch die ganze Schweiz (und Liechtenstein) und präsentieren ihre 860 besten Restaurants. Jedes Lokal wird im 580 Seiten umfassenden Guide detailliert beschrieben und erhält eine Wertung zwischen 12 – 19 Punkte – wobei 19 die Höchstnote symbolisiert.

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Gericht von Tanja Grandits im Restaurant Stucki in Basel

Auch in diesem Jahr gibt es an der Spitze keine Mutationen. Mit dem Schauenstein, Fischerzunft, Didier de Courten, l’Hotel de Ville, L’Ermitage und Domaine de Châteauvieux gibt es sechs Restaurants in dieser Kategorie.

Wir gratulieren allen 856 Gault-Millau Restaurants zu den erhaltenen Punkten.

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Anbei die Liste aller Restaurant mit 17 – 19 Gault-Millau Punkten. Die restlichen Restaurants findet ihr im Gault-Millau Guide Schweiz 2014 ab sofort im Buchhandel. ISBN 978-3-86244-491-5

Hier findet ihr die offizielle Pressemitteilung mit allen Neueinsteiger und Aufsteiger.

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Crissier VD – De L’Hotel De Ville – Benoît Violier
Fürstenau GR – Schauenstein – Andreas Caminada
Satigny GE – Domaine de Châteauvieux – Philippe Chevrier / Damine Coche
Schaffhausen SH – Rheinhotel Fischerzunft – André Jaeger
Sierre VS – Didier de Courten – Didier de Courten
Vufflens-le-Château VD – L’Ermitage – Bernard Ravet / Guy Ravet

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Ascona TI – Locanda Barbarossa – Othmar Schlegel 
Basel BS – Cheval Blanc – Peter Knogl
Basel BS – Stucki – Tanja Grandits
Brent VD – Le Pont de Brent – Stéphane Décotterd
Cossonay VD – Le Cerf – Carlo Crisci
Fribourg FR – Le Pérolles – Pierre-André Ayer
Ftan GR – L’Autezza – Martin Göschel
Genf GE – Le Chat Botté – Dominique Gauthier
Gstaad BE – Chesery – Robert Speth
Gstaad BE – Sommet – Marcus G. Lindner
Küsnacht ZH – Rico’s Kunststuben – Rico Zandonella
Lausanne VD – Anne-Sophie Pic – Guillaume Raineix / Anne-S. Pic
Le Noirmont JU – Georges Wenger  – Georges Wenger
La Punt GR – Bumanns Chesa Pirani – Daniel Bumann
Saas-Fee VS – Waldhotel Fletschhorn – Markus Neff
Samnaun GR – Homann’s Restaurant – Daniel & Horst Homann
St.Moritz-Champfèr GR – Talvo by Dalsass – Martin Dalsass
Steinen SZ – Adelboden – Franz Wiget
Thörigen BE – Löwen – Nik Gygax
Uetikon am See ZH – Wirtschaft zum Wiesengrund – H.P. Hussong
Vevey VD – Denis Martin – Denis Martin
Wigoltingen TG – Taverne zum Schäfli – Wolfgang Kuchler
Zürich ZH – The Restaurant – Heiko Nieder

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Anières GE – De Floris – Claude Legras
Arbon TG – Römerhof – August Minikus
(August Minikus kocht jetzt in Freienberg)
Ascona TI – Ecco – Rolf Fliegauf
Bad Ragaz SG – Äbtestube – Roland Schmid
Bern BE – Meridiano – Jan Leimbach
Bern BE – Schöngrün – Werner Rothen
Burgdorf BE – Emmenhof – Werner Schürch
Chardonne VD – Le Montagne – David Tarnowski
Crans-Montana VS – L’Ours – Franck Reynaud
Davos GR – Amrein’s Seehofstübli – Armin Amrein
Eglisau ZH – Gasthof Hirschen La Passion  – Christian Kuchler
Escholzmatt LU – Rössli (Jägerstübli) – Stefan Wiesner
Euthal am Sihlsee SZ – Bürgi’s Burehof – Werner Bürgi
Flüh SO – Zur Säge – Felix Suter
Freidorf TG – Mammertsberg – August Minikus
Fribourg-Bourguillon FR – Des Trois Tours – Alain Baechler
Genf GE – Bayview – Michel Roth
Hägendorf SO – Lampart’s – Reto Lampart
Hurden SZ – Zum Adler – Markus Gass
Lauerz SZ – Rigiblick – Tony Schmidig 
Lausanne VD – La Table d’Edgard – Edgar Bovier
Mels SG – Schlüssel (Nidbergstube) – Seppi Kalberer
Montreux-Clarens VD – L’Ermitage – Etienne Krebs
Nebikon LU – Adler – Raphael Tuor-Wismer
Neuchâtel NE – La Maison du Prussien – Jean-Yves Drevet (Neu 16 Punkte)
Orsières VS – Les Alpes – Samuel Destaing
Rehetobel AR – Gasthaus Zum Gupf – Walter Klose
Riedholz SO – le feu ( Attisholz ) – Jörg Slaschek
Saint-Blaise NE – Au Bocca – Claude Frôté
Scheunenberg BE – Sonne – Kurt Mösching
Sion VS – Restaurant Damien Germanier – Damien Germanier
Solothurn SO – Zum Alten Stephan – Andreas Zaugg
St. Gallen SG – Jägerhof – Vreni Giger
St. Moritz GR – Da Vittorio – Enrico und Roberto Cerea
St. Moritz GR – Cà d’Oro – Matthias Schmidberger 
St. Pelagiberg TG – St. Pelagius – Ruedi Brander
Triesen (Liechtenstein) – Schatzmann – Klaus Schatzmann
Trimbach SO – Traube – Arno Sgier
Vouvry VS – Auberge de Vouvry – Martial Braendle
Yvorne VD – La Roseraie – Christophe Rod
Zürich ZH – Mesa – Antonio Colaianni
Zürich ZH – Pavillon – Laurent Eperon
Zürich ZH – Sein – Martin Surbeck / Ken Nakano

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Tanja Grandits ist „Koch des Jahres 2014“

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Auch alle sechs 19 Punkte Chefs waren anwesend. Hier Benoît Violier aus Crissier

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Jörg Slaschek wurde als „Cigarman of the year“ ausgezeichnet.

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Tanja Grandits, ihr Mann René Graf und das ganze Stucki-Team

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Kleine Häppchen zum Apéro. Hier eine geniale Auster à la Grandits

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Mister Gault-Millau Urs Heller überreicht die Auszeichnung an Othmar Schlegel

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Aufsteiger des Jahres Christian Kuchler Christian (neu 17 Punkte) mit seinem Vater Wolfgang der selber auf 18 Punkte Niveau kocht

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„Aufsteiger des Jahres“ in der Westschweiz: Pierre-André Ayer aus Fribourg

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„Entdeckung des Jahres“ Manuel Reichenbach aus Trun

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„Aufsteiger des Jahres“ im Tessin: Othmar Schlegel vom Hotel Castello del Sole in Ascona

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Das Medieninteresse war gross. Hier ist TeleBasel im Gespräch mit Andreas Caminada

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19 Punkte Chef André Jaeger mit seiner Partnerin Jana Zwesper

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Tanja Grandits in Action. Gefeiert wird erst nach dem Service.

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El Celler de Can Roca in Girona (Spanien)

Nun stehen wir also vor dem „besten Restaurant der Welt“, dem El Celler de Can Roca in Girona. Diese Auszeichnung ist für einen Gastronom Fluch und Segen zugleich. Segen weil man sich für die nächsten Monate und Jahre keine Sorgen um den Buchungsstand machen muss – Fluch weil die Erwartungen der weltweit angereisten Gäste unglaublich hoch sind.

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Wir haben uns zum Glück mit der besagten Liste lange genug auseinandergesetzt um zu wissen, dass wir heute Abend vielmehr im „angesagteste Restaurant“ der Welt speisen und nicht zwingend im Besten. Entsprechend erwarten wir nicht per se unser bestes Esserlebnis – auch wenn wir selbstverständlich nichts dagegen einzuwänden hätten.

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Unsere Reservation ist bereits zehn Monate alt. Damals, noch vor der bekanntgabe der Rangliste, war es wesentlich einfacher an einen Tisch zu kommen. Heute ist das Restaurant nach eigenen Angaben elf Monate im Voraus ausgebucht.

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Unser Auto parkieren wir direkt hinter dem grossen Anwesen. Auf der anderen Strassenseite sehen wir das ehemalige Restaurant. Da wirkten die drei Roca Brüder seit 1986, bevor man vor sechs Jahren in dieses neue, moderne Gebäude umzog. Die Biografie von Joan, Josep und dem jüngsten Bruder Jordi ist eine Erfolgsgeschichte. Im Zentrum steht der älteste Sohn Joan, der mit seiner Brigade seit 2009 mit 3 Michelin Sternen ausgezeichnet wird. Unterstütz wird er von Jordi, der seinen grossen Bruder als Pâtissier mit süssen Kreationen unterstützt. Bruder Josep kümmert sich indessen als Sommelier um die 2’800 Positionen umfassende Weinkarte.

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Vor dem Restauranteingang ist eine gemütliche Lounge eingerichtet. Hier würden wir jetzt wohl sitzen, hätten die dunklen Wolken nicht vor ein paar Stunden den ersten Regen seit Wochen nach Girona gebracht. Uns solls recht sein, harmonieren heisse Sommertage und Fine Dining sowieso nicht miteinander.

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Hinter der hölzernen Restauranttür treffen wir auf einen strahlend weissen Raum. Die Dame hinter dem Desk prüft unsere Reservation und begleitet uns dann in den Speiseraum. Dieser ist um eine dreieckige Verglasung gebaut in der hohe Bäume stehen. Die Architektur ist nicht zufällig. Denn vieles dreht sich hier um die Zahl Drei – drei Brüder, drei Weinkarten, drei Beine im Logo und auch die drei Steine, die auf jedem der sehr gut beleuchteten Tische, liegen. Das restliche Licht ist gedämpft. Unserer Meinung nach die perfekte Lichtwahl für ein Restaurant, in dem die Gerichte die Hauptrolle spielen.

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Die gereichte Speisekarte offenbart uns die zwei Möglichkeiten für heute Abend. Das Menu „Degustacio“ sowie das umfangreichere Menu „Festival“. Die Wahl fällt – man ist ja schliesslich nicht jeden Tag hier – auf das Grössere der beiden. Nun fährt ein Sommelier, es ist nicht der Chef Josep (dieser kümmert sich gerade um eine Gruppe Japaner, die im VIP-Bus angereist sind), einen kleinen Holzwagen an unseren Tisch. Darin finden wir jeweils ein Buch (!) für Weissweine, Rotweine und Champagner. Extrem umfangreich, wir würden gerne stundenlang darin blättern, doch dafür ist weder Zeit, noch genügend Platz auf unserem Tisch, denn in der Zwischenzeit steht darauf ein kleiner Olivenbaum…

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Caramelized Olive [5/10]

Ein Evergreen hier im Restaurant. Am Baum hängen grüne Oliven. Diese sind knusprig caramelisiert und offenbaren im Innern eine herzhafte Anchovie-Füllung. Ein netter Einstieg in den Abend.

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The World [6/10]

Weiter geht es mit einer kulinarischen Weltreise. Diese führt uns in sieben Länder, welche kürzlich von den Rocca-Brüdern bereist wurden. Beeindruckend, jedes der Häppchen ist geschmacklich eindeutig dem jeweiligen Land zuzuordnen.

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Crispy Shrimp // Carpano bombon // Zucchini’s omelette  [5/10]

Vier weitere Snacks werden serviert. Im Gegensatz zur vorherigen Weltreise, haben diese thematisch keinen Zusammenhang. Sehr gut gefällt uns der Zuccini-Ravioli, aber auch der knusprige Garnelen-Cracker überzeugt mit seiner puristischen Art. Die Kaktusblüte mit Zitrus-Gelée und die hauchdünnen Pralinen, mit der unangenehmen Füllung, sind da weniger erinnerungswürdig.

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Truffled bonbon // Truffled brioche [7/10]

Weiter geht es mit Kreationen vom Perigord- und Albatrüffel. Den Schwarzen gibt es als knuspriges Bonbon, den Weissen, verpackt in einem tollen Gebäck, als himmlische Füllung.

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Brot

Nach den Snacks wird uns eine umfangreiche Brotauswahl angeboten. Das Brioche ist besonders gut, aber auch das Rotwein-Brot ist ein Genuss. Durch das eher hohe Tempo des bevorstehenden Menüs, werden wir aber nicht gross zum Brotessen kommen.

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Vegetable stock with sprotus, flowers, leaves und fruits [-/10]

Das erste Gericht aus dem eigentlichen Menü lässt und etwas besorgt zurück. Die zu Gelée verarbeitete Gemüsebouillon geriet zu salzig und das wenige Gemüse auf dem Teller ist geschmacklich total langweilig. Hier fehlt es offensichtlich an Intensität und Qualität.

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Elderflower infusion, cherries with Amaretto, gingered cherris and smoked eel [7/10]

Das zweite Gericht ist nicht nur optisch viel ansprechender, sondern auch geschmacklich um Längen besser. Eine sehr erfrischende, runde Kombination, mit fruchtig-bitteren Elementen. Herausragend der geräucherte Aal, welcher sich überraschend gut ins Gericht einfügt und diesem den letzten Kick gibt.

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White asparagus and truffle viennetta [6/10]

Uns erinnert die Präsentation zwar eher an einen Käse als an das „Viennetta“ (ein Eisprodukt von Unilever) aber egal, Hauptsache der Geschmack stimmt – und das tut er ohne Zweifel. Das Spargelaroma ist äusserst intensiv – so wie man es leider nur ganz selten schmeckt.

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Charcoal-grilles cheeks of sardine with green sauce [-/10]

Die gut zubereiteten Sardinen liegen in einer dickflüssigen Kräutersauce. Dem Gericht fehlt jegliche Raffinesse und ist dann auch gleich wieder vergessen. Wir würden dieser Teller dann auch eher in einer kleinen spanischen Taverne erwarten, als hier im 3 Sterne Restaurant.

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Salad of Sea Anemone, Razor-Clam, Royal Cucumber and Seaweed in escabèche [8/10]

Eben noch puristisch, wird es nun um einiges komplexer. Mit einer überdimensionalen Pinzette verkosten wir verschiedene, dünn aufgeschnittene Häppchen aus dem Meer. Unten im Schälchen stossen wir auf eine ausgezeichnete Sauce, welche mit den Meeresfrüchten hervorragend korrespondiert und dem Gericht einen asiatischen Touch verleiht. Alles ist äusserst geschmacksvoll und harmonisch.

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A whole Prawn [5/10]

Bereits bei den Snacks hatte die Garnele eine kurze Vorstellung, jetzt kommt ihr grosser Auftritt. Die zwei Schwänze sind roh und köstlich im Aroma. Dazu reicht man einen Sponge aus Plankton. Die Beine und der Kopf der Garnele sind knusprig frittiert und können deshalb ebenfalls verzehrt werden – eine witzige, aber geschmacksneutrale Erfahrung.

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Amontillado-steamed langoustine, bisque velouté and Jerez caramel [7/10]

Der Kaisergranat wird vor unseren Augen mit etwas Sherry geräuchert. Das Krustentier ist wiederum von hervorragender Qualität, die Kombination mit dem Likörwein ist sehr gelungen. Ausgezeichnet ist auch die wunderbare Consommé.

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Grilled sole with black and white garlic, parsley juice and lemon [5/10]

Die Seezunge ist perfekt zubereitet und verfügt über ein köstliches Eigenaroma. Daneben hat es eine diagonale Zeichnung von Petersilie und zweierlei Knoblauch. Die Kombination würde bestimmt sehr gut mit dem Fisch harmonieren, doch leider ist sie geschmacklich so dezimiert, dass man davon fast gar nichts schmeckt. Schade um das Potential.

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Cod with miso and hazelnutz [7/10]

Auch der Kabeljau ist von sehr guter Qualität und gekonnt zubereitet. Dazu serviert man uns eine tolle Miso, mit wunderbarem Haselnussgeschmack. Der Pfefferschaum ist gewagt und hat Potential zu irritieren – uns hat er gefallen, besonders weil er der ansonsten sehr harmonischen Komposition Ecken und Kanten verleiht.

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Charcoal-grilles lamb breast fillet and sweetbreads with eggplant, coffee and liquorice [8/10]

Ein wunderbarer Holzkohleduft zieht durchs Restaurant. Wir erhalten einen kleinen Rost an den Tisch. Darauf wird etwas Lammfleisch fertig gegart. Dieses hat eine krosse Haut und einen tollen Geschmack. Auch die Kombination von der Aubergine und der Lamm-Milke ist eine Offenbahrung. Als Krönung wird dazu eine Sauce mit Tiefe und Charakter gereicht.

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Pigeon parfait and onion, curry-caramelized walnuts, juniper, orange peel and herbs [9/10]

Mit dem Hauptgang – der von der Portionsgrösse nicht als solcher zu erkennen ist – wird dann das Highlight das heutigen Abends serviert. Eine unglaublich harmonische, elegant-geschmacksintensive Kombination mit einer wilden Taube im Mittelpunkt, welche auf einem exzellenten Parfait thront. Hervorragend!

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Sourdough ice cream with cocoa pulb, fried lychee and sherry cvinegar macaró [6/10]

Auf dem Bild nicht zu erkennen, bewegt sich das kleine Dessert vor uns rhytmisch auf und ab. Das süsse Häppchen ist wunderbar knusprig und erfrischend. Wegen den vielen Vorschusslorbeeren für Pâtissier Jordi, erhoffen wir uns aber bei den weiteren Süssigkeiten doch noch eine markante Steigerung.

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A fragrance adapted: Shalimar by Guerlain [7/10]

Unsere Hoffnungen wurden erhöhrt. Das zweite Dessert, bei der ein Parfum nachgekocht wurde, ist um ein vielfaches eindrücklicher. Wir freuen uns dann auch wie abwechslungsreich das Ganze schmeckt und staunen am Ende, als dieses tatsächlich als „Shalimar“ von „Guerlain“ erkennbar ist. Überpüfen lässt sich das, in dem man am parfümierten Kartonhut riecht.

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Chai cream with blood orange, vanille, mango and roses Viola [5/10]

Das dritte Dessert ist dann wieder weniger komplex. Uns gefallen die klaren Aromen, obwohl wir uns einen fulminanteren Abschluss erhofft haben.

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Friandises [6/10]

Der Wagen mit den Friandises wird an unseren Tisch gerollt. Da die Beleuchtung darauf nicht besonders gut ist, überlassen wir die Auswahl der Petitessen der freundlichen Servicemitarbeiterin. Die süssen Häppchen sind frisch und abwechslungsreich im Geschmack. Unvergessliche Kreationen sind aber nicht dabei.

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Jordi und Joan Roca

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Fazit: Die Roca Brüder servierten uns vier Stunden lang köstliche Kreationen. Bis auf ein paar wenige Durchhänger, war das „Menü Festival“ auf sehr hohem Niveau und beinhaltete hochwertige Produkte. Trotzdem, die Frage ob dies nun das beste Essen unseres Lebens war, lässt sich eindeutiger verneinen als erhofft. Denn dafür fehlten die Spitzengerichte, Speisen an die man sich noch Monate später erinnert.

Doch auch wenn dies kein Menü für die Ewigkeit war, genossen wir einen wunderbaren Abend in einem gemütlichen Restaurant mit gutem Service und einer abwechslungsreichen Küche. Wer in der Gegend ist und Glück hat einen Tisch zu bekommen, sollte das Abenteuer El Celler de Can Roca unbedingt eingehen. Eine eigene Reise nach Girona lohnt sich indessen nicht – da gibt es auf dem Weg dahin bessere Adressen.

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Menü: Ein à la carte Angebot gibt es nicht. Dafür zwei Menüs. Das Menü Degustacio für 140 € sowie das umfangreichere Menu Festival für 175 €.

Zeit: Das Menü wurde in gemütlichen 4 Stunden serviert

Wein: Neben einer riesigen Auswahl an Flaschenweinen bietet man auch eine Weinbegleitung an.  Diese kostet 85 €, respektive 55 € beim kleinen Menü.

Unsere Weinbegleitung:

Albert i Noya Cave El Celler Brut D.O. Cava
Blanc 5.7 12 D.O. Conca de Barberà
Marcel Lapierre 11 A.O.C. Morgon
Joh. Jos. Prüm Kabinet 09 V.D.P. Mosel-Saar-Ruwer
Cobero 12 Vi de Taula de Liebana
Domaine Valette 08 Magnum A.O.C. Viré-Clessé
Viña Tondonia Blanc 98 D.O.Ca. Rioja
Pedra de Guix 10 D.O.Qa. Priorat
Josep Pardet Estinguells 09 Magnum D.O. Costers Del Segre
Pedro Balda Cosecha 10 D.O.Ca. Rioja
Idus 09 D.O. Qa. Priorat
Ariyanas 07 Naturalment Dolç D.O. Malaga
Càligo Esencia Vi de boira
Dolç Mataró D.O. Alella

Online: Die Website ist schön gestaltet. Leider fehlen Informationen zum aktuellen Menü und dem Preis.

Wertung: Gourmör O7 / Michelin M3

Besucht im Juli 2013

Weingut Donatsch in Malans

An einem heissen Sommermorgen begeben wir uns auf den Weg in das mit knapp 2‘200 Einwohner, älteste Weinbaugebiet der Bündnerherrschaft, nach Malans. Umgeben von zahlreichen Reben, erreichen wir das beschauliche Dorf. Ein Wegweiser weist uns die Richtung zu einem der besten Schweizer Winzer. Schon bald prangt ein grosses Schild mit Barriques und dem zweifachen Pinot Noir Weltmeister Martin Donatsch an einer grauen Hausmauer – wir sind angekommen.

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Wir nehmen den Eingang zur Winzerstube Zum Ochsen, welche im Jahr 1926 erbaut wurde. Hier werden hungrige und durstige Gäste bewirtet. Zum heimeligen Restaurant gehört ebenfalls eine beeindruckende, begehbare Vinothek mit zahlreichen Spitzenweine, mehrheitlich aus Frankreich (Bordeaux und Burgund), zu sehr fairen Preisen.

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Martin Donatsch begrüsst uns mit einem breiten Lächeln, er freut sich offensichtlich uns seine Passion näher zu bringen. Er führt uns zu einer Treppe die uns hinunter in sein Reich führt. In der angenehm kühlen Umgebung angekommen, springt uns direkt eine beeindruckende Chateau Mouton Rotschild-Sammlung ins Auge. Die Vermutung, nicht nur bei einem Winzer, sondern bei einem absoluten Weinfreak zu sein, scheint bestätigt.

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Den ersten Stopp machen wir in einem alten Torkel. Hier erfahren wir interessantes über die Weinregion und die Geschichte des Weingutes. Die Donatschs haben schon in der Vergangenheit nicht auf neue Trends gewartet, sondern diese gleich selbst gesetzt. So pflanzte zum Beispiel Martins Vater Thomas Donatsch schon Chardonnay Reben an, als diese in der Region noch verboten waren. Er war auch einer der ersten Winzer in der Schweiz, der Barriques für den Ausbau einsetzte. Erhalten hat er diese von der prestigeträchtigen Domaine de la Romanée-Conti im Burgund, in welchem der Rebensaft aus der Lage La Tâche ausgebaut wurden.

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Wir wechseln durch einen unterirdischen Gang die Strassenseite und betreten den Raum mit den in Fässern schlummernden Weine. Die Gläser und Flaschen, welche für die Degustation vorbereitet sind, stehen stolz auf einem alten, grossen Fass. Die jährliche Produktion des 4,5 Hektar grossen Gutes beläuft sich auf durchschnittlich 30’000 Flaschen. Für dieses Volumen müssen zusätzliche Trauben von ausgesuchten Parzellen, dazugekauft werden. Zirka die Hälfte der Menge ist Pinot Noir.

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75 Prozent der kompletten Produktion wird an die Schweizer Spitzengastronomie verkauft. Martin und Thomas sind selber passionierte Gourmets. Es gibt fast kein Sternerestaurant, dass die beiden noch nicht besucht haben. So ist es für die beiden auch wichtig, dass ihre Weine zum Essen passen und ein schönes Gericht bereichern.

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Wir sind sehr gespannt auf die Tropfen und greiffen zum ersten Glas. Der Auftakt macht der fruchtige Pinot Blanc (Weissburgunder), welcher nicht nur als Apéritif, sondern auch als Essbegleiter einen guten Partner abgibt.

Weiter geht es mit etwas nicht Alltäglichem. Das Weingut Donatsch ist mit 0,5 Hektaren der autochthonen Rebsorte, der Completer bepflanzt. Diese Traubensorte ist eine Schweizer Spezialität! Sie ist nur rar angebaut, in der Region Malans sind es gerade mal zwei Hektaren. Martin Donatsch will sich darum kümmern, dass sich diese fast verloren gegangene Sorte wieder bei uns wohlfühlt. Er entschied sich den typisch hohen Säuregehalt des Completers mit einer Restsüsse zu kombinieren (ähnlich wie beim Ausbau einer Spätlese). Die im Jahrgang 2011 enthaltenen 115 Oechsle erweisen sich als gute Kombination, die Säure wird dadurch sehr gut gebändigt. Die hohen 14,5 % Alkoholvolumen sind nicht markant spürbar, vielmehr besticht der Wein durch nussige Aromen und würde bestimmt hervorragend zu einem gereiften Sbrinz passen. Mit der Completer hat man hier noch viel vor. Geplant ist die Erweiterung der Bepflanzung, denn das Echo der Kundschaft sei äusserst positiv. Auch jenes aus dem Ausland. So hat auch bereits das 2 Sterne Restaurant Noma aus Kopenhangen in Malans angeklopft und um eine Belieferung gebeten. Eigentlich beliefert Donatsch nur Restaurants in der Schweiz, für das angesagte Noma will man aber eine Ausnahme machen. Wir sind gespannt wie sich der Wein entwickelt. Potenzial zu einem Klassiker zu werden ist vorhanden.

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Trotzdem, der Export wird nicht angestrebt. Die Hauptkundschaft soll weiterhin in der Schweiz sein und man will auch in Zukunft die treue Kundschaft in der Eidgenossenschaft zuerst bedienen.

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Eine weitere Sorte in Donatschs Portfolio ist der Chardonnay, neben Pinot Noir und Pinot Blanc die dritte Burgundertraube. Verkauft wird sie unter drei verschiedenen Labels; „Tradition“, „Passion“ und „Unique“. Wobei der Name „Tradition“ für den „einfachsten“ Chardonnay steht und der „Unique“ mit den besten Trauben ausgebaut wird. Bereits im Rebberg werden die qualitativ besten Trauben aussortiert, der davon gewonnene Ertrag ist in erster Linie Anwärter für das weisse Topprodukt. Eine weitere, letzte Selektion erfolgt im Fass, gerade mal die Menge von 2 Fässer (beim Pinot sind es 4-6 Fässer), (300 Flaschen pro Fass) erhalten schlussendlich den Zuspruch für den „Unique“ und bleiben bis zur Abfüllung in neuen Barriques. Jeder „Unique“-Jahrgang erhält einen prominenten Paten. Beim aktuellen Jahrgang 2011 ist dies die Rollstuhl-Athletin Edith Hunkeler.

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Der zweitbeste Rebensaft wird dann für die „Passion“-Linie verwendet. Der Ausbau erfolgt zu je einem Drittel im neuen Eichenfass, im einmalig verwendeten Fass und in zweijähigen Fässern. Martin Donatsch mag keine fetten, cremigen Chardonnays, dies wiederspiegelt er in seinen Kreationen. Sie glänzen mit Eleganz und Komplexität, das Holz ist gut eingebunden. Die Qualität der Trauben steht im Vordergrund und die Holznoten sind gute Nebendarsteller.

Beim letzten Weisswein der Runde handelt es sich um eine Assemblage aus Chardonnay und Sauvignon Blanc, den „Chardignon“. Dieser hebt sich klar von der anderen Weinstilistik ab. Das Bukett ist verspielt und exotisch. Kein Wein für die grosse Tafel, sondern etwas für unkomplizierte Momente. Laut Donatsch ein Wein der eher das jüngere Klientel anspricht.

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Wir wechseln zu Rot, dem Pinot Noir – der Burgundertraube schlechthin. Wie beim Chardonnay werden die Pinots unter den drei Labels angeboten, wobei auch hier der „Unique“ als Flagschiff gilt. Der Ausbau erfolgt ebenfalls im gleichen Stil. Zuerst erhalten wir ein Glas des „Passion“. Mit diesem Wein hat es Donatsch geschafft den „Prix Champion du Monde“ zweimal in Folge zu gewinnen. Sieger wird, wer mit drei Jahrgängen und einer konstant ausgezeichneten Qualität die Jury überzeugen kann. Donatsch konnte diese Auszeichnung als erster Schweizer überhaupt gleich zwei Mal gewinnen!

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Mit dem „Unique“ präsentiert er uns dann das Highlight der Runde. Eine wahrliche Bereicherung für den Schweizer Weinbau. Ein spitzen Pinot, der mit einem spannenden Bukett und einem langen Abgang zum Träumen einlädt. Für uns nochmals eine klare Steigerung zum „Passion“. Ein nicht ganz alltäglicher Pinot, halt irgendwie Donatsch-Style.

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Wir wechseln die Bühne und treten in einen natürlich kühlen Raum, in dem zahlreiche Flaschen vergangener Jahrgänge liegen. Martin Donatsch reicht uns seinen „Föhnbeerenauslese“ Pinot Gris. Dieser Dessertwein trumpft mit der, durch die späte Lese gewonnene Süsse. Der Wein schmeckt nach Aprikose und Honig und hat einen exotischen Touch. Bestimmt ein perfekter Begleiter zu verschiedene Foie Gras Gerichten.

Zu guter Letzt zeigt uns Martin Donatsch einmal mehr sein Können. Der Pinot Vintage, im Portwein ähnlichen Stil, gefällt durch seine süsslich, geschmacksintensiven Noten und einem spannenden, langen Abgang. Der mit Käse zu einem feinen Abendessen, aber auch jetzt bei unserem Besuch, einen tollen Schlusspunkt setzt.

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Die Weine von Donatsch sind durch und durch von hervorragender Qualität. Erfrischend der Pinot Blanc, spannend der Completer mit seiner Restsüsse, edel der Chardonnay „Passion“ sowie die beiden spitzen-Pinots „Passion“ und „Unique“. Wie Thomas Donatsch schön sagt: „Es bringt nichts, sich auf Weine zu konzentrieren wo man weiss, dass es Tausend bessere gibt, wir machen das, wo wir überzeugt sind zu den Besten zu gehören!“

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Thomas und Martin Donatsch

Verkostete Weine:
Pinot Blanc 2012
Chardonnay „Passion“ 2012
Cuvée Blanc „Chardignon“ 2012
Completer 2011
Pinot Noir „Passion“ 2011
Pinot Noir „Unique“ 2010
Pinot Gris „Föhnbeerenauslese“ 2011
Pinot Vintage 2011

Das Highlight:
Pinot Noir „Unique“ 2010

Bezugsquellen:
Ochsen Malans
Weinkeller Riegger AG