Lampart’s in Hägendorf

Die Oltenerstrasse, im solothurnischen Hägendorf, ist stark befahren. Hier kreuzen sich täglich tausende Menschen, die von einem Ort zum anderen hasten. Man kann sich kaum vorstellen, dass nur gerade ein Steinwurf von hier entfernt, eines der schönsten und gemütlichsten Restaurants der Schweiz steht. Dieser Ort ist der pure Kontrast zur stressigen Strasse. Hier haben Anni und Reto Lampart ein Refugium für Gaumen und Seele geschaffen.

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Seitdem das Paar vor 10 Jahren vom Winterthurer Taggenberg nach Hägendorf zog, steckte es viel Herzblut in die schöne Remise aus dem 19. Jahrhundert. Anni Lampart ist nicht nur für das Serviceteam und den Weinkeller zuständig, sondern zeigt sich auch für die Pâtisserie verantwortlich. Ihr Ehemann Reto leitet die fünfköpfige Küchenbrigade.

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Wir freuen uns schon lange auf den Besuch bei den beiden Vollblutgastronomen. An einem kühlen Dezemberabend ist es dann endlich soweit. Dank den ausgiebigen Schneefällen der letzten Tage, finden wir das Restaurant in einem wunderschönen, weissen Setting vor. Bereits von Aussen wirkt das steinerne Landgut sehr romantisch und einladend.

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Wir gehen den kurzen Weg, der vom Parkplatz zum Restaurant führt, laufen an den weihnachtlich beleuchteten Tannen vorbei und kommen direkt vor dem schönen Steinhaus zum stehen. Durch die Fensterscheiben beobachten wir Gäste, die fröhlich um einen grossen Tisch sitzen und genüsslich tafeln. Wir sind ausgesprochen glücklich, dass wir die Szenerie nicht nur von hier Aussen beobachten müssen, sondern bald daran teilnehmen dürfen. Beim Betreten des Restaurants wird uns eine grosse Portion Freundlichkeit und Wärme entgegengebracht. Wir fühlen uns augenblicklich Willkommen.

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Wir geniessen den Apéro in der Lounge. Ein angenehmer Duft von würzigen Zigarren liegt hier in der Luft. Die Decke ist hoch, die Einrichtung für unseren Geschmack etwas gar vielseitig. Wir erhalten den Platz vor dem Fenster und bekommen einen Blick auf die weisse Landschaft vor dem Haus.

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Aus einer grossformatigen Karte, wählen wir die kulinarische Reise. Neben einer kleinen à la carte Auswahl, finden wir auch zwei Menüs, die hier Sinfonien genannt werden. Wir entscheiden uns für das „plaisir“ mit den vollen 8 Gängen.

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Zu einem perfekten Auftakt fehlt uns jetzt eigentlich nur noch etwas zu knabbern. Unser unausgesprochener Wunsch wird umgehend erhört.

Apéro-Häppchen  [-/10]

– Nordseekrabbe auf hausgemachtem Brotchip mit Thymianmayonnaise
– Gebratenes Sot’ly-laisse mit Safran-Couscous und Limes-Creme-fraiche
– Bauch vom Mangalitzaschwein aus Ennetbürgen mit Apfelchutney

Die servierte Trilogie ist frisch und abwechslungsreich. Da sie geschmacklich eher zurückhaltend ist, macht sich bei uns noch keine Begeisterung breit. Das grosse Geschmacksfeuerwerk hat man sich offensichtlich für später aufgehoben – hoffentlich.

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Nach und nach verschwinden die restlichen Gäste aus der Lounge. Mit ihnen auch der Service. So sitzen wir auf einmal ganz alleine da. Da unsere Gläser bereits seit längerem leer sind und die Häppchen den Hunger (zum Glück) noch nicht gestillt haben, machen wir uns auf die Suche nach jemandem, der uns ins eigentliche Restaurant führt. Beim Eingang werden wir fündig. Eine freundliche Dame führt uns die Treppe hoch, direkt in den eigentlichen Speiseraum. Jeder einzelne Tisch ist besetzt – der Service hat alle Hände voll zu tun und wir sehen es ihm nach, dass man uns soeben etwas gar lange hat sitzen lassen.

Unser Tisch steht leicht erhöht. Von hier hat man einen wunderbaren Blick über das Restaurant. Wir verlieben uns augenblicklich in das Bijou. Das ‚Lampart’s‘ gehört für uns, zusammen mit dem ‚Schloss Schauenstein‚, zu den schönsten Restaurants die wir bis heute besucht haben. Wir schätzen die grosszügigen Abständen zwischen den Tischen und die sehr gemütliche Atmosphäre.

Brot

Die Brotauswahl ist zum Niederknien. Zwei Mal am Tag werden die rund zehn Sorten frisch gebacken. Das Silser und das Tomatenbrot sind besonders toll. Jedes Mal wenn die freundliche Dame mit dem Brotkorb an unserem Tisch steht, würden wir gerne nochmals zugreifen. Doch im Hinblick auf das umfangreiche Menü, müssen wir uns etwas in Zurückhaltung üben.

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Das Menü startet mit einem Amuse Bouche:

Filet vom Saibling aus dem Neuenburger See mit gepickelten Eierschwämmli und Blumenkohlcrème [6/10]

So muss ein Saibling schmecken – wunderbar gegart, harmonisch im Geschmack. Auch die beiden Begleitkomponenten unterstützen den Fisch gekonnt, ohne zu stark von dessen Eigengeschmack abzulenken.

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Filet von Ennetbürger Limousin Kalb, Castaing Entenleber, Topinambur, Haselnüsse [5/10]

Der erste Gang der Sinfonie, lässt uns etwas ratlos zurück. Die Terrine ist fein, ihr fehlt aber ein konträrer Akteur, zum Beispiel in Form von Säure oder Süsse. Der Brückenschlag zum etwas gar faden Tatar, gelingt ebenfalls nur bedingt. Viel besser gefallen uns die Crème von der Topinambur und die getrocknete Scheiben dieser Wurzelknolle. Auch das gepfefferte Carpaccio bringt etwas Spannung in die sonst eher unaufgeregte Komposition.

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Zander aus dem Murtensee, Champagnerkraut Petersiliensaft, gepuffter Quinoa, Hagebutte [7/10]

Während sich beim vorherigen Gang die verschiedenen Elemente nicht zu einem Gesamtbild zusammenfügen konnten, gelingt das beim Zander vorzüglich. Die Geschmäcker sind spannend und abwechslungsreich. Der Fisch von sehr guter Qualität, bietet Dank der krossen Haut und dem gepufften Quinoa, eine süffig knusprige Textur. Unterstrichen wird das Ganze von einem tollen Champagnerkraut, welches sich sehr harmonisch ins Gericht einfügt.

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Gambero rosso, schwarzer Rettich, frischer Wasabi, Yuzu, Jakobsmuschel von Mont Saint Michel, Grapefruit [8/10]

Das erste grosse Ausrufezeichen am heutigen Abend! Die Qualität der spanischen Gambero rosso und der Jakobsmuschel ist so überragend, dass man die beiden Produkte beinahe roh serviert. Toll was die Küchenbrigade aus solch ausgezeichneten Produkten zaubert! Spannende Begleiter sind Pfeffer, frischer Wasabi und Yuzu-Saft! Ein ganz starkes Gericht!

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Bar de Ligne aus der Bretagne, Kohlrabi, Misoessenz und Gemüse [8/10]

Da knüpft auch der nächste Gang an. Vorgestern um diese Zeit schwamm der Wolfsbarsch noch in den Gewässern vor der Küste der Bretagne, jetzt liegt er perfekt zubereitet auf unserem Teller. Er spielt die Hauptrolle in diesem japanisch inspirierten Gericht, welches von einer wunderschönen Misoessenz begleitet wird. In den subtilen Aromen, kann der Fisch sein Aroma wunderbar entfalten. Der rassige Chili, der Tofu und die knackigen Kohlrabi runden das Gericht ab.

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Entrecôte von „Natural Black Angus-Rind“ aus Kansas, Jus mit Ochsenschwanz Brioche mit Zwiebeln, Schwarzwurzel, Bohnen [9/10]

Mit dem Hauptgang wird das Highlight des Abends serviert. Die Komposition begeistert uns in all ihren Facetten. Im Mittelpunkt steht das geniale und aromatische Fleisch aus Kansas. Klar einer der eindrücklichsten Fleischsorten die uns jemals aufgetischt wurden. Zum einen beeindruckt uns der Eigengeschmack, zum anderen die perfekte Zubereitung. Wunderbar auch der Ochsenschwanz-Jus der am Tisch über das Gericht geträufelt wird. Als kleines Supplement serviert man uns ein kleines, toll gewürztes, Hackbällchen.

Als Gegenpool zu den fleischigen Aromen, setzt man auf die Zwiebel. Es macht Spass sich durch die vielfältigen und spannenden Variationen zu essen – gerade das Brioche ist unbeschreiblich. Ein grossartiger Teller!

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Berg Vacherin vom Bachtel, „Original Schlorziflade“ [8/10]

Nochmals ein Duo das brilliert: Ein wunderbar crémiger Vacherin und ein beeindruckender, leicht warmer „Schlorziflade“ – eine Spezialität aus dem Appenzell. Die Kombination ist himmlisch, der Goût erstklassig.

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Pré-Dessert [8/10]

Bis auf den etwas gar weichen Bananenchip, gibt es für diesen „Bananensplit à la Lampart’s“ nur begeisternde Worte. Das vollmundige Bananenaroma und die hochwertige Schokolade machen definitiv Lust auf mehr. Wir sind nach diesem pré Dessert sehr froh, dass wir keines der beiden Desserts aus dem Menü gestrichen haben und uns nun auf zwei weitere Köstlichkeiten aus der Pâtisserie freuen dürfen.

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Petit Fours [8/10]

Etwas überraschend werden uns die Petit Fours, noch vor den beiden Desserts serviert. Die Auswahl ist sehr abwechslungsreich und hochwertig. Wir geniessen Häppchen für Häppchen und erfreuen uns an der liebevollen Zubereitung und den genussvollen Aromen.

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Cheese Cake, Creme brûlée, Gewürzorangen, Mandarinensorbet [7/10]

Für die erste Nachspeise setzt man auf verschiedene Zitrusfrüchte und schafft so ein sehr erfrischendes Dessert – genau das Richtige, nach einem solchen Menü. Es macht Spass sich mit dem Löffel durch die verschiedenen Elemente zu tasten und abwechslungsreiche Aromen zu schmecken.

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Mandelparfait, Rumtopf, Baumkuchen [6/10]

Der zweite Streich aus der Pâtisserie ist zwar nicht mehr so vielseitig, schmeckt uns aber ebenfalls sehr gut. Vor allem der im Mittelpunkt stehende Baumkuchen. Die Beeren sind für unseren Geschmack einen Tick zu sauer. Modern der Pistazien-Sponge – auch wenn dieser fast ausschliesslich die optischen Erwartungen befriedigt.

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Pralinen

Zum Abschluss wird uns eine wunderschöne Pralinenselektion offeriert. Nur schade, dass wir angehalten werden, uns für eine Einzige zu entscheiden. Diese macht jedoch definitiv Lust auf mehr.

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Fazit: Was Anni und Reto Lampart aus dieser Remise geschaffen haben ist einzigartig. Noch Wochen später kreisen unsere Gedanken um diesen wunderschönen Ort. Zum einen aufgrund der kulinarischen Leistungen, zum anderen wegen der eindrücklichen Atmosphäre die im ganzen Haus herrscht. Dies ist nicht nur der stilvollen Einrichtung zu verdanken, sondern zum Grossteil dem hervorragenden Service. Dieser ist nicht nur sehr fachkundig, sondern auch herzlich, zuvorkommend und motiviert. Hinter all dem steht das passionierte Gastgeberpaar, das auch noch zur späten Stunde die letzten Gäste persönlich verabschieden.

Kulinarisch kommt man hier in Hägendorf voll auf seine Kosten. Sehr hochwertige Produkte bilden die Basis auf die Reto Lampart und seine Brigade aufbauen. Dabei gefallen uns die abwechslungsreichen Kompositionen genau so gut, wie die eher puristischen Gerichte. Dabei wird kein Aufwand geschaut. Bereits um in den Genuss einer vergleichbaren Brotauswahl zu kommen, muss man weit reisen. Das Gleiche gilt für die wunderschöne Pralinen- und Petit Fours Auswahl. Dabei schafft man es, dass man trotz den vielen Leckereien, das Restaurant zwar wohl gesättigt, aber trotzdem mit einem guten Gefühl verlässt.

Ein geniales Menü, welches auf hervorragenden Produkten basiert, ein vorbildlicher Service und eines der schönsten Restaurants der Schweiz, machen das ‚Lampart’s‘ zu einem Ort der besonderen Art. Wir vermissten das Haus schon nach wenigen Tagen und freuen uns schon jetzt, bald wieder einmal nach Hägendorf zu reisen, um in die wunderschöne Welt von Anni und Reto Lampart eintauchen zu dürfen.

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Menü: Zur Auswahl stehen zwei Menüs „Sinfonie plaisir“ in 5 bis 8 Gängen (Fr. 175.- bis Fr. 235.-) und das vegetarische „Sinfonie naturelle“ in 5 Gängen zu Fr. 155.-. Dazu serviert man Häppchen, ein Amuse Bouche, ein pré Dessert sowie Petit Fours und Pralinen. Seit ein paar Wochen bietet man zudem für 295 Franken das ganz grosse Menü „Concerto grosso“ an. Dazu kombiniert man die beiden Menüs und serviert 13 Gänge. Alle Gerichte aus den Menüs kann man auch à la carte bestellen. Fünf zusätzliche Hauptgänge ergänzen diese Auswahl.

Wein:  Neben einer riesigen Auswahl an Flaschenweinen, bietet man auch eine Weinbegleitung an:

2011 Fiano Vignolella, Rebsorte: 100 % Fiano, Cantine Barone, Kampanien
2010 Gavi di Gavi Rovereto DOCG Vigna Vecchia – Castellari Bergaglio
2011 Pinot blanc de Dardagny, Domaine Les Hutins, Genf
2010 Chardonnay, Cuvaison Estate, Carneros, Napa Valley
2009 Tignanello Sangiovese, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Tenuta Antinori, Toskana
2010 Eiswein Welschriesling Johannes Zillinger, Niederösterreich
2010 Malvoisie Flétrie, Pinot Gris, Rouvinez, Sierre

Online: Auf der schönen Website vermissen wir das aktuelle Menü. Dafür erhält man in einem Video einen ersten Eindruck vom Restaurant.

Wertung: Gourmör O8 / Michelin M2 / Gault-Millau GM17

Sonderauszeichnungen: krone   Fumoir vorhanden

(Besucht im Dezember 2012)

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3 Gedanken zu “Lampart’s in Hägendorf

  1. Hallo Herr Meier und Lukas,
    ich finde dies auf jeden Fall auch schade, aber der Grund dafür ist, dass die Sulfate nach einer gewissen Lagerzeit sich verändern und den Magen belasten. Dies kann den Appetit verdrängen, welches sehr schade wäre.

  2. Ich kann mich dem Kommentar von Lukas betr. dem Alter des Tignanello nur anschliessen, auch wenn er mit vier jahren gut gerechnet hat. Nehmen wir einmal an dass er im September/Oktober 2009 geerntet wurde, dann war beim Zeitpunkt des „Genusses“ drei Jahre und vielleicht drei Monate jung…
    Mit besten Grüssen
    Walter Meier

  3. Wow das Lampart’s tönt echt wahnsinnig gut! Das macht gleich selbst einmal Lust, da einmal vorbei zu schauen! Nur schade, dass sich dieser Trend immer noch hält, die Weine viel zu jung zu trinken. Einen 4-jährigen Tignanello – echt schade.
    Kein Vorwurf an das Restaurant. Das findet man leider auf jeder Karte und im Offenausschank jedes guten Restaurants… Aber Leute warum wollt ihr das? Das schmeckt doch nicht.

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