Yoshi in Monaco

Für den ersten Abend im Fürstentum, haben wir einen Tisch im japanischen Restaurant Yoshi reserviert. Das Lokal wird vom Spitzenkoch Joël Robuchon betreut und ist im imposanten Hotel Metropol untergebracht. Der langgezogene Èntrance zum 5-Sterne-Haus ist eindrücklich. Rechts vom eigentlichen Hoteleingang findet man eine unscheinbare Holztür. Daneben prangt ein kleines Schild, welches diskret auf das japanische Restaurant aufmerksam macht. Noch bevor wir die Türe erreichen, öffnet sich diese wie von Geisterhand.

yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_1 yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_2

Dahinter wartet eine schwarz gekleidete Dame, die uns herzlich begrüsst und in das kleine Restaurant begleitet. Dabei gehen wir an einer kleinen Bar vorbei, welche direkt an die einsehbare Küche grenzt. Das komplette Serviceteam und ein Teil der Küchenbrigade hat sich dahinter besammelt und begrüsst uns mit einem motivierten „Bonsoir!“. Wir fühlen uns auf Anhieb sehr wohl, auch wenn die Platzverhältnisse eher an die berühmte Sardinenbüchse erinnern. Die Sitzbank erreicht man zum Beispiel nur, indem jemand vom Service den quadratischen Holztisch etwas zur Seite kippt. Auch die schweren Polstersessel lassen sich ohne fremde Hilfe nicht verrücken. Zum Glück ist der aufmerksame Service aber immer zur Stelle und hilft mit einem geduldigen Lächeln.

yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_3 yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_24

Die Musik ist laut. Anstelle von sanften japanischen Klängen, berieselt man die Gäste mit einer austauschbaren elektronischen Musik, wie man sie von unzähligen Lounges her kennt. Trotz des auffällig zuvorkommenden Service, wissen wir schon jetzt, dass das Yoshi nicht zu der Art Restaurants gehört, in denen man nach dem Essen gerne noch etwas länger sitzen bleibt. Wir sind aber nicht zum entspannen hierher gekommen, sondern weil die Küche ausgezeichnet sein muss. Dafür bürgt nicht nur der Michelin-Stern, sondern auch der Schweizer Spitzenwinzer Daniel Gantenbein, der uns das Lokal mit Nachdruck empfohlen hat.

yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_4 yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_5

Auf der Speisekarte stehen zwei Menüs, viele à la carte Gerichte, sowie diverse Sushi und Sashimi Combos. Wir entscheiden uns für das Menü, für stolze 199 €. Der Preis ist eine Ansage. Sogar das grosse Menü im 2-Sterne-Restaurant Joël Robuchon, welches ebenfalls hier im luxuriösen Metropole untergebracht ist, wird zum selben Preis offeriert. Aber man ist ja schliesslich nicht jeden Tag in Monaco. So ordern wir auch gleich den empfohlenen Haus-Coktail aus Martini und Granny Smith, welcher stilvoll in einem goldenen Schüttelbecher serviert wird (24 €).

yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_7

yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_6 yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_10

.

Dazu erhalten wir als Häppchen, in Sesam eingelegte Gurken.

Diese schmecken überraschend vielversprechend. Das Gemüse ist knackig frisch und die Sauce rassig und trotzdem harmonisch. Unsere Vorfreude steigt.

yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_8

.

Shake [8/10]

Der erste Gang setzt dann gleich ein erstes grosses Ausrufezeichen. Der Lachs ist ausgezeichnet und beeindruckend elegant abgeschmeckt. On top thront eine Nocke feinsten Kaviars, welcher mit dem Fisch unglaublich gut harmoniert. Wir sind begeistert.

yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_9

.

Foa Gura to Unagi [8/10]

Sowohl der Aal als auch die Foie Gras gehören zu den delikatesten Geschmacksträgern. In Kombination haben wir das noch nie serviert bekommen. Umso gespannter sind wir auf das geschmackliche Ergebnis dieses Mille-feuilles.

Schon der erste Bissen lässt unsere Pupillen vergrössern. Die Foie gras schmilzt förmlich auf der Zunge, gibt den himmlischen Geschmack frei und wird vom intensiven Aal flankiert. Eine atemberaubende Marriage. Daumen hoch!

yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_11

.

Sushi [8/10]

Jetzt wird ein hölzerner Wagen an unseren Tisch gerollt – Auftritt des Sushi-Meisters. Dieser raffelt frischen Wasabi auf den Teller, giesst selbstgemachte Sojasauce ins Porzellan-Töpfchen und bereitet vor unseren Augen Nigiri zu. Präzise sitzt jeder Handgriff. Wir sind gespannt ob sich dieser Aufwand auch geschmacklich ausbezahlt.

Die Frage wird bereits durch den wunderbaren Duft nach frischem Fisch beantwortet. Dazu ein toller, sehr geschmeidiger Reis. Das Ganze tunken wir vorsichtig in der wunderbaren Sojasauce. Diese ist viel raffinierter als die wuchtige Variante von „Kikkoman“. Im Ganzen ein wunderbares Erlebnis, mit einem einzigen Nachteil: Mit diesem Erlebnis im Hinterkopf, werden wir wohl beim nächsten 08/15-Sushi keine grosse Freude mehr entwickeln können.

yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_12 yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_13

.

Ebi Shinjo [8/10]

Mit einer tollen Seetang-Suppe geht es weiter. Typisch japanisch sind die Geschmäcker äusserst dezent, aber wunderbar rund und schmackhaft. Einzig die Zwiebel wirkt darin etwas untypisch, passt aber sehr gut dazu. Die ausgezeichnete Scampi-Praliné ist eine Wucht. Eine wahrlich ausgezeichnete Suppe.

yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_14 yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_15

.

Ghindara [9/10]

Als Fischgang erhalten wir einen perfekt zubereiteten Kohlenfisch. Dieser wurde mit Miso mariniert, welches durch die Hitze leicht caramelisiert wurde – ein absoluter Traum. Auch die Kohlrabi-Sauce ist exzellent. Noch während der letzte Bissen nachhallt, unterhalten wir uns ernsthaft, wann wir die erste Reise nach Japan in Angriff nehmen. Der Wunsch ins Land der aufgehenden Sonne zu reisen war noch nie so gross wie nach diesem Gericht.

yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_16 yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_17

.

Wagyu no Kasane Yaki // Rice // Miso Shiru [6/10]

Die nächsten drei Gänge auf der Menükarte werden zusammen serviert. Auf dem Hauptteller liegen Wagyu-Steaks, welche mit einem Hauch frischem Trüffel gefüllt sind. Dazu erhalten wir einen intensiven Jus und eine ausgeklügelte Wasabi Sauce. Das Fleisch ist toll – nur schade, dass eines der drei Stücke zäh ist [6/10]. Der gebratene Reis in der Schale geriet indessen viel zu trocken [-/10]. Viel besser ist die ausgezeichnete Miso mit Pilzen und Algen [7/10].

yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_20 yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_19 yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_18

.

Mikan [8/10]

Mit dem Hauptgang haben wir das Menü geistig bereits abgehakt, denn in einem asiatischen Restaurant haben wir bis jetzt noch nie eine überzeugende Patisserie angetroffen. Doch wir haben die Rechnung ohne den französischen Einfluss von Robuchon gemacht. Denn hier serviert man uns ein ausgezeichnetes Dessert mit einer wunderbar süss-herben Mandarinen Note und atemberaubend frischen Meringues-Hüppchen. Die ganze Komposition ist sehr leicht, cremig und frisch und somit ein würdiger Abschluss eines ausgezeichneten Menüs.

yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_22

.

Friandises [7/10]

Zum Schluss werden wir noch von unscheinbaren aber auszeichneten Friandieses überrascht. Beim Wasabi-Macaron hat man die perfekte Balance zwischen Schärfe und Süsse gefunden. Auch das Honig-Mandarinen Gelée und die tolle Crème zaubern uns zum Abschluss noch einmal ein Lächeln ins Gesicht.

Beim Verlassen des Restaurants gibt man uns zudem einen feinen Zitronenkuchen mit nach Hause.

yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_23 yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_25yoshi_monte_carlo_monaco_robuchon_metropole_21

.

Fazit: Dass wir uns noch während des Menüs ernsthaft über eine Reise nach Japan unterhielten, sagt eigentlich alles über die hervorragende Leistung der Yoshi-Brigade. Ob Sushi in einer noch nie gegessenen Qualität, spannende Kombinationen, wie die mit Aal und Foie gras oder der atemberaubende Kabeljau, lassen uns noch heute begeistert an den Abend im Fürstentum zurück denken. Jedes einzelne Gericht bestach mit wunderbaren Aromen und einer eleganten Balance. Die Küche hat sehr viel Power und ist äusserst schmackhaft.

Weniger gut gefallen haben uns die laute Musik, die engen Platzverhältnisse und der sehr hohe Preis. 199 Euro ist sehr viel Geld. Vor allem wenn man bereits nach zwei Stunden die Rechnung vor sich liegen hat. Deshalb muss jeder für sich entscheiden, ob er mit dem gelben Schein lieber einen 3 Sterner besucht und dort während fünf Stunden das grosse Menü geniesst oder im Yoshi eine kurze kulinarische Reise nach Japan bevorzugt. Den Preis ausgeklammert, können wir das Yoshi uneingeschränkt empfehlen.

.

Menü: Am Abend werden zwei Menüs angeboten. Das Grosse (wie oben beschrieben) kostet 199 €, das Kleinere wird mit 139 € berechnet. Auch ein umfassendes à la carte Angebot steht zur Verfügung. Sushi-Fans wählen von der separaten Karte. Hier findet ihr die Speisekarte die bei unserem Besuch auslag.

Zeit: Das grosse Degustationsmenü wurde innerhalb 2 Stunden serviert.

Wein: Eine Weinkarte liegt zwar auf, doch wir wählten zum Menü verschiedene Tees.

Online: Die Website des Hotels ist etwas dürftig. Auch das aktuelle Menü fehlt dort.

Wertung: Gourmör O8 / Michelin M1

(Besucht im Oktober 2013)

I Castagni in Vigevano (Italien)

Wegen Staus rund um Mailand dauert unsere Fahrt nach Monaco länger als geplant. Wir stehen nun vor der Entscheidung, ob wir bis ins Fürstentum durchfahren und dort kurz vor Mitternacht eintreffen, oder ob wir alternativ die nächste Ausfahrt nehmen, gemütlich dinieren und erst am nächsten Morgen weiterreisen. Die Wahl fällt aufs Abendessen und so greifen wir zum „la guida Michelin Italia 2013“ und schauen, ob es hier nach Mailand eine geeignete Adresse, für einen spontanen Zwischenstopp gibt. Der Zufall will es, dass nur 20 Autominuten entfernt ein Sterne-Restaurant auf uns wartet. Es ist zwar Samstagabend, trotzdem riskieren wir es, ohne Reservation dahin zu fahren. Wir informieren unser Navigationsgerät und begeben uns vertrauensvoll in die Hände der Michelin-Inspektoren.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_1

Nach einer Viertelstunde befinden wir uns auf einer engen Landstrasse. Die Abstände zwischen den einzelnen Häuser werden immer grösser. Zudem zieht ein mystischer Nebel auf. Wir sind fest überzeugt, dass wir uns verfahren haben, wollen aber die verbleibenden drei Minuten weiter fahren. Und tatsächlich, aus dem Nichts taucht auf einmal ein hübsches Anwesen auf. Obwohl der kleine Zeiger auf unserer Uhr auf die Acht zeigt, sind alle Parkfelder vor dem Restaurant verwaist. Vor der Holztüre prangt eine Tafel von „Jeunes Restaurateurs d’Europe“, drinnen brennt Licht. Hinter den grossen Fenstern erspähen wir weiss aufgedeckte Tische. Wir versuchen die grüne Restauranttür zu öffnen – diese ist aber verschlossen. Wir betätigen die Klingel und hören von innen Schritte auf uns zukommen.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_3

Eine Signora öffnet die schwere Tür und bittet uns herein. Die Frage ob wir über eine Reservation verfügen, verneinen wir. Nach kurzem studieren der Buchungsliste erhalten wir die erlösende Nachricht, dass sie uns den letzten freien Tisch anbieten kann. Wir jubeln innerlich und begeben uns mit viel Hunger und Durst in den noch leeren Speisesaal.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_7i_castagni_vigevano_enrico_gerli_5

Auf dem Tisch liegt die Speisekarte mit einem à la carte-Angebot und vier verschiedenen Menüs zu je 56 €. Bei dem attraktiven Preis entscheiden wir uns ohne zu zögern für das Degustationsmenü – inklusive der Weinbegleitung für zusätzliche 14 €.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_2i_castagni_vigevano_enrico_gerli_4

Während sich in den nächsten Minuten die Tische um uns herum alle füllen, erhalten wir auf einem silbernen Löffel ein erstes Häppchen:

Oliven Crispi

Optisch erinnern uns die kleinen Nuggets an die Choco Pops von Kellogg’s. Von der Textur sind sie tatsächlich damit vergleichbar, schmecken aber nicht süss sondern herb nach Oliven.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_6

.

Brot

Das angebotene Gebäck rückt Italiens Brotkultur in kein gutes Licht. Die Brötchen sind extrem trocken und ausdruckslos. Einzig das aufgeschnittene Brot und die Cracker sind akzeptabel.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_8

.

Amuse [-/10]

Als Amuse Boche erhalten wir zwei Sardinenfilets auf etwas Randensalat. Die Kombination ist willkürlich und frei von jeglicher Spannung. Wir werden dann auch das Gefühl nicht los, dass der Koch hier spontan etwas zusammenstellen musste und dabei den Kühlschrank öffnete und diese beiden Zutaten darin entdeckte. Diese Vermutung bekräftigte sich zudem, da die Gäste um uns herum ein anderes Amuse-Gueule serviert bekommen. Dies liegt vielleicht aber auch daran, dass sie à la carte wählten und nicht das Menü orderten.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_9

.

Petto d’anitra marinato ed affumicato da noi a caldo con insalata di pere antiche piemontesi e fettina di fegato grasso affumicato [-/10]

Uninspiriert geht es weiter. Die aufgeschnittene Entenbrust hat zwar ein ansprechendes, rauchiges Aroma, die Tranchen können aber mit dem schlecht geschliffenen Messer unmöglich zerschnitten werden. Die Entenleber obendrauf versagt komplett. Sie schmeckt total wässrig.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_10

.

Crema Parmentier di porcini,uovo fondente,finferli padellati e Parmigiano cremoso [5/10]

Mit dem nächsten Gang erreicht uns ein erste Hoffnungsschimmer. Die Pfifferlingsuppe ist fein, der Parmesan sorgt für die Würze und eine knusprige Textur.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_11

.

Risotto di Carnaroli Riserva San Massimo con porri verza zucca curry e pezzetti di gamberi [6/10]

Nochmals eine Steigerung bringt das sämige Risotto. Viel besser kann man das nicht  machen. Der Reis ist perfekt im Biss und verfügt über ein wunderbar herbstliches Aroma.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_12

.

Bollito e „bagnetto“ verde nostra versione:raviolini del plin ripieni di bollito di fassone al sugo di piccole verdure e pomodorini secchi, salsa di „bagnetto di prezzemolo“ [-/10]

Die Steilvorlage des Risottos können die selbstgemachten Pasta nicht verwerten. Das geschmorte Fleisch ist zwar delikat, die Teigtaschen sind aber zu klein, weshalb das Fleisch/Teig-Verhältnis klar Richtung letzterem kippt und das Ganze an Power verliert.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_13

.

Pancia di vitello arrostita lentamente, purè di sedano rapa,  salsa alla „California“, mosto ridotto [-/10]

Der Kalbsbauch ist fein und der Jus kräftig. Alles in allem bleibt das Ganze aber äusserst eindimensional. Spätestens nach dem dritten Bissen hat man genug davon. Auch weil der Fettanteil grösser ist als das Fleisch.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_14

.

Wir dürfen nun zwischen Käse und Dessert wählen und entscheiden uns für einen süssen Abschluss:

„Monolite“ di cioccolato fondente su crumble di mandorle amare e gelatina di pesche sciroppate di Volpedo [-/10]

Optisch ist der Schokoladen-Monolith nett, geschmacklich kommt aber auch das Dessert nicht über ein okay hinaus. Das Schokoladenmousse geriet so mastig, dass man spätestens nach der Hälfte genug hat. Es fehlt auch klar an Abwechslung und Kontrasten. Dies ist nach dem Hauptgang und der Leber bereit der dritte Teller der nicht leergegessen wieder abgeräumt wird.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_15

.

Friandises [5/10]

Zum kräfitgen Espresso serviert man uns vier verschiedene Petitessen welche allesamt sehr fein sind.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_16

.

.

Fazit: Entweder hatten wir an diesem Abend Pech oder das I Castagni ist ein à la carte Restaurant und keines für grosse Menüs. Mit dem heute servierten Degustationsmenü begeistert man jedenfalls keine Gäste. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb die vielen (Stamm-) Gäste um uns herum ausnahmslos den à la carte Gerichten den Vorzug gaben. Diese sahen dann auch tatsächlich aufwendiger aus. So wurde zum Beispiel der Dessert-Monolith am Nachbarstisch mit drei zusätzlichen Komponenten serviert.

Das Lokal ist gemütlich und hell. Der Service ist etwas reserviert und bei vollem Restaurant unterbesetzt. Deshalb sah man immer mal wieder Gäste die ihren Wein selber nachschenkten oder leere Teller die etwas gar lange auf den Tischen standen. Dafür waren die Preise äusserst fair kalkuliert.

Menü: Neben der grossen à la carte Auswahl, bietet man auch ein 6 gängiges Degustationsmenü für 56 € an. Zusätzlich wird ein Amuse Bouche sowie Frandises und zum Star ein kleines Häppchen serviert.

Zeit: Das Degustationsmenü wurde in angenehmen 3,5 Stunden serviert.

Wein: Für 14 € bietet man eine „Weinbegleitung“ an. Dabei wird jeweils ein Weiss- und Rotwein zu den verschiedenen Gerichten serviert. Alternativ kann man auch von der ausführlichen Weinkarte wählen.

Unsere Weinbegleitung:

Sauvignon sull’Aia 2012 Az. Agricola Mutti
Bricco Sturnel 2003 o.p. Az. Agricola Bellaria

Online: Die Website basiert – noch als eine der wenigen im Netz – komplett auf Flash. Man findet darauf viele Informationen, die aktuelle Speisekarten und einige Fotos.

Wertung: Gourmör O0 / Michelin M1

(Besucht im Oktober 2013)

Highlights des Jahres 2013

Ein spannendes Jahr neigt sich dem Ende zu. Wir blicken zurück und lassen die letzten 12 Monate kulinarisch Revue passieren. Doch zuerst wagen wir einen Blick Voraus. Denn im neuen Jahr haben wir wieder einiges geplant. Gleich zu Beginn gehen wir in die Berge. Im Februar reisen wir nach Arosa. Im März geht es ins kulinarische Winterparadies Zermatt – keine Schweizer Wintersportdestination hat mehr Gault-Millau Punkte, als das schöne Dorf am Fusse des Matterhorns. Im April geht es für ein paar Tage nach Paris. Im Herbst steht der längst überfällige Besuch beim Schweizer 3-Sterne-Koch, Benoît Violier an. Dazwischen gibt es weitere Berichte über die besten Restaurants, aussergewöhnliche Hotels und die talentiertesten Winzer. In diesem Jahr haben wir über 30 Sternerestaurants besucht. Gerne stellen wir euch unsere Highlights vor:

koch

Anne-Sophie Pic in Lausanne

Weil… er uns das beste Menü des Jahres zubereitete. Die Zusammenarbeit mit seiner berühmten Chefin harmoniert perfekt. Das Ergebnis sind elegante, extrem schmackhafte Gerichte die uns noch Monate später, beim Gedanken daran, ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Merci Monsieur Raineix.

.

Anni_und_reto_lampart_gastgeber_des_jahres_2013_haegendorf

Lampart’s in Hägendorf

Weil… wir uns in den letzten 12 Monaten in keinem anderen Restaurant so wohl fühlten wie hier. Anni und Reto Lampart sind die geborenen Gastgeber und stecken unglaublich viel Herzblut in ihr wunderschönes Restaurant – dieses gehört klar zu den schönsten und gemütlichsten Lokalen in der Schweiz.

.

sommelier

Cheval Blanc in Basel

Weil… uns Christoph Kokemoor die spannendste und am besten aufs Menü abgestimmte Weinbegleitung kredenzte. Kokemoors Begeisterung für die verschiedenen Erzeugnisse ist riesig. Ebenso sein Fachwissen. Seine Gäste lässt er gerne daran teilhaben.

.

hoffnungsträgerWeil… Markus Arnold nicht nur äusserst kreativ, sondern auch extrem ehrgeizig ist. Im Restaurant Meridiano in Bern hat er uns mit einem virtuosen Menü begeistert. In den letzten Monaten hat er in Bern ein Pop-Up Restaurant betrieben, welches jeden Abend ausgebucht war. Wir sind überzeugt, dass wir in Zukunft noch sehr viel von ihm hören werden. Nun geht er aber erstmal auf Reisen, erst Ende 2014 wird Arnold ein neues Projekt starten. Wir sind äusserst gespannt darauf.

.

. Menü-des-Jahres

 

Brotauswahl: Lampart’s in Hägendorf

Weil… allein schon die beeindruckende Brotauswahl einen Besuch in Hägendorf wert ist. Abwechslungsreiches und schmackhaftes Gebäck, wie könnte ein Menü besser starten?

lamparts_haegendorf_09 .

Häppchen: Joghurt Krokant mit Kaviar / Rote Bete Macaron – Cheval Blanc in Basel

Weil… sich diese beiden Häppchen als wahre Geschmacksbomben entpuppten und das fulminante Menü von Peter Knogl sehr geschmacksvoll einläuteten. 1_cheval_blanc_trois_rois_basel_peter_knogl .

Amuse Bouche: Ferra from Lémon, Yoghurt, Caviar France – Anne-Sophie Pic in Lausanne

Weil… wir noch heute beim Anblick des Fotos diesen traumhaften Geschmack im Gaumen haben. Grandios. anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_13

.

Erste Vorspeise: Saibling – Ciabatta – Weinbergschnecken – L’Autezza in Ftan

Weil… der subtile Eigengeschmack der Schnecken pointiert herausgearbeitet war und man uns dazu ein intensives Schnecken-Süppchen servierte. Der tolle Saibling im Knuspermantel setzte dann noch das Ausrufezeichen dahinter. autezza_ftan_paradies_martin_goeschel_11 .

Zweite Vorspeise: Ceviche von der Gelbflossenmakrele mit Süsskartoffelcreme und Limettenvinaigrette – Brenners Park-Restaurant in Baden-Baden (D)

Weil… man hier ein unglaublich tolles Geschmacksbild zeichnete. Hochwertige Produkte, eine angenehme Säure, süsse Elemente und in der Summe extrem harmonisch – genial. brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_8b .

Dritte Vorspeise: Milchkalbsbries mit Erdnusskrokant und Artischockencrème – Cheval Blanc in Basel

Weil… hier Peter Knogl auf eindrückliche Art und Weise demonstrierte was man aus der oft verschmähten Kalbsmilke geniales zaubern kann. Zusammen mit dem tollen Jus und der gekonnt eingesetzten Erdnuss, ist dies ein wahrlich himmlisches Gericht. 6_cheval_blanc_trois_rois_basel_peter_knogl .

Vierte Vorspeise: Creme von der Gänsestopfleber mit schwarzem Trüffel, Apfel und FeigeBrenners Park-Restaurant in Baden-Baden (D)

Weil… jeder Bissen ein anderes Geschmackskbild offenbarte und dabei immer das hochwertige Produkt im Vordergrund stand. brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_9 .

Erster Hauptgang: Coastal Turbot – Anne-Sophie Pic in Lausanne

Weil… dies DAS Highlight des Jahres war. Einfach grandios. Der Steinbutt war von allerbester Qualität und perfekt zubereitet. Dazu servierte man genialen Tomaten und eine atemberaubende Sauce. Unvergesslich! anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_16 .

Zweiter Hauptgang: Entrecôte von “Natural Black Angus-Rind” aus Kansas, Jus mit Ochsenschwanz Brioche mit Zwiebeln, Schwarzwurzel, Bohnen – Lampart’s in Hägendorf

Weil… man hier nicht nur auf ein herausragendes Grundprodukt setzte, sondern dieses um eine spannenden Zwiebelvariation bereicherte. Die hervorragende Sauce war eine Klasse für sich. 7b_lamparts_haegendorf_reto_lampart .

Erstes Dessert: The Fishbowl – El Club Allard in Madrid (E)

Weil… das Fischglas nicht nur sehr liebevoll gestaltet war, sondern auch geschmacklich begeisterte. Mit Abstand das süffigste Dessert 2013 – wir wären mit unserem Löffel gerne noch stundenlang durch das kleine Aquarium getaucht.

The Fishbowl

.

Zweites Dessert: Strawberry and Gruyère Cream – Anne-Sophie Pic in Lausanne

Weil… wir noch selten ein solch schmackhaftes und elegantes Dessert serviert bekommen haben. Die Balance zwischen der Créme und der Frucht ist excellent. Das knusprige Merengue setzt dem Ganzen die Krone auf. anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_22 .

Friandises – Anne-Sophie Pic in Lausanne

Weil… man mit den drei Petitessen eindrücklich demonstrierte, dass nicht die Masse, sondern die Klasse zählt. So war jedes einzelne kleine Häppchen ein Hochgenuss das jede noch so grosse Friandises-Armada in den Schatten stellte. anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_23 .

Produkt des Jahres: Die Taube – Fast kein Gourmet-Menü, dass nicht ohne diesen Vogel auskam. Dank abwechslungsreichen Variationen, blieb aber jedes Tauben-Gericht interessant. taube

.

Übersicht aller 2013 bewerteten Restaurants:

O10

Anne-Sophie Pic in Lausanne

.

O9

Brenners Park-Restaurant in Baden-Baden (Deutschland)
Cheval Blanc in Basel

.

O8

L’Autezza in Ftan
Lampart’s in Hägendorf

.

O7

Ecco in Ascona
El Celler De Can Roca in Girona (Spanien)
KunstHof in Uznach

.

O6

L’Atelier Gourmand in Sierre
El Club Allard in Madrid in Madrid (Spanien)
Quique Dacosta in Dénia (Spanien)

.

O5

MAD in Ischgl (Österreich)

.

O0

Da Vittorio – St. Moritz in St. Moritz
Denis Martin in Vevey