El Club Allard in Madrid (Spanien)

Gemäss unserer Strassenkarte müssten wir direkt vor dem Lokal stehen. Doch das ‚El Club Allard‘ scheint wie vom Erdboden verschluckt. Wir sind nicht die Einzigen auf der Suche nach dem 2 Sterne Restaurant. Zwei japanische Touristen, bewaffnet mit Google Maps, fragen uns ebenfalls nach dem Weg. In diesem Moment öffnet sich hinter uns eine Tür und ein älterer Herr bittet uns herein.

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In der Tat, auf das, in einem denkmalgeschützten Jugendstilbau untergebrachte Restaurant, macht von Aussen kein einziges Schild aufmerksam. Erst hier im Treppenhaus, prangt an der ersten weissen Tür, das Logo des Restaurants. Dahinter begrüsst uns die freundliche Empfangsdame und führt uns in das helle und schlichte Restaurant. Die Decke ist hoch, ein grosser Spiegel hängt am Ende des Saals. Obwohl bereits 21 Uhr ist, sitzen erst an zwei Tischen Gäste – üblich in Spanien, denn hier öffnen die Restaurants nicht vor halb Neun.

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Unser runder Tisch, der ganz hinten im Restaurant steht, wackelt. Ungewohnt für ein Restaurant, das vom Guide Michelin 4 Bestecke für den Komfort attestiert bekommt. Aber wir sind nun mal in Spanien und da übersehen wir auch gerne den dezenten Rotweinfleck auf dem weissen Leinentuch, der sich bis heute offensichtlich erfolgreich gegen das Waschmittel zu wehren wusste. Die etwas lieblos zusammengebastelte Speisekarte erhalten wir in englischer Sprache – wie übrigens in jedem besuchten Restaurant in der spanischen Hauptstadt – Tapas Bars inklusive.

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Auch das Serviceteam ist der englischen Sprache mächtig. Allen voran der gut gelaunte Maître. Trotzdem sind wir uns sicher, dass wir uns soeben verhört haben müssen. Denn nachdem er uns eine kleine Glasschale mit luftiger Mayonnaise auf den Tisch stellt, fordert er uns auf, die vor uns liegende Visitenkarte darin zu dippen. Und so nehmen wir die aus Esspapier bestehende Karte und ziehen sie durch die Crème. Geschmacklich gibt’s da nicht viel zu berichten und so ist das Ganze nicht mehr als ein Gag. Wir hoffen inständig, dass der Abend beim kreativen Chefkoch Diego Guerrero, nicht ausschliesslich aus solchen Gerichten besteht.

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Der Meister tritt nun höchstpersönlich an unseren Tisch und nimmt die Bestellung entgegen. Zur Auswahl stehen drei Menüs. Wobei sich diese ausschliesslich bei der Anzahl der Vorspeisen unterscheiden. Wir wählen das umfangreichste Menü „Revolución“ in 12 Gängen und sind gespannt auf die Künste des quirligen Küchenchefs.

Bereits wenige Augenblicke später, geht es dann auch schon los mit dem ersten Teil der Snacks-Trilogie:

Game truffle with Foie and mushrooms [5/10]

In einer Plexiglasbowle erreicht uns dieses Bijou. Wir haben beinahe ein schlechtes Gewissen dieses Kunstwerk zu zerstören, die kulinarische Neugier überwiegt dann aber  doch. Wir werden von einem sehr feinen Pilz/Trüffel-Praliné in Form eines schwarzen Trüffels belohnt. Der Geschmack ist harmonisch und sehr gut balanciert. Die darunter liegenden Späne aus Leber sollten das Gericht kontrastieren, sind jedoch leider hoffnungslos versalzen.

Übrigens, wenn man das Geschirr anhebt wird der darunterliegende Rauch mit Eukalyptusgeschmack freigesetzt. Was im Restaurant ‚The Fat Duck‚ beim einten Gericht Sinn machte, wirkt hier eher deplatziert.

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Brot

Die offerierten Brote sind allesamt frisch und sehr knusprig. Geschmacklich unterscheiden sie sich nur geringfügig voneinander.

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Mini Babybel of Camembert truffée [5/10]

Anders als seine namensgebende Vorlage, muss dieses Babybel vor dem Verzehr nicht aus seiner Paraffinhülle befreit werden, sondern kann samt der hauchdünnen Gelatineschicht genossen werden. Im Innern erwartet uns eine sehr liebliche crèmige Füllung – um Welten besser als das Original.

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Butter fish „Tapa“ [7/10]

Mit dem Abschluss der Snacktrilogie, serviert man uns auch ein erstes kulinarisches Highlight. Präsentiert wird dieses auf einer violetten Duftkerze. Zuoberst thront ein Stück perfekt gegarter Butterfish auf einer hauchdünnen Algenscheibe. Mit unserem Löffel durchbrechen wir diese Scheibe, worauf sich der Fisch und die Teile des Plättchens, mit der darunter liegenden Misosuppe vermählen. Die Suppe ist richtig toll und ergänzt sich hervorragend mit den beiden anderen, subtilen Komponenten.

Butter fish "Tapa"

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Mushrooms and seasonal vegetables „papillote“ [6/10]

Die Inszenierung der Suppe ist gewöhnungsbedürftig und erinnert uns irgendwie an Leichensäcke aus der letzten „Tatort“ Folge. Geschmacklich kann die Consommé jedoch überzeugen. Bereits beim aufschneiden der Tüte wird ein wunderbarer Duft nach frischem Gemüse freigesetzt. Zur Verfeinerung hobelt man uns frischen Salz von einem Salzzapfen über das Gericht. Die Suppe ist toll, hat einen sehr spannenden und lieblichen Geschmack und ist zudem rassig im Goût.

Mushrooms and seasonal vegetables "papillote"

Mushrooms and seasonal vegetables "papillote"

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Wir nerven uns über die extrem zackige Menüabfolge. Was bei den Snacks noch einigermassen in Ordnung war, stört nun. Zwischen den einzelnen Gerichten vergehen keine 5 Minuten. Auch jetzt wird der nächste Gang bereits neben unseren Tisch gefahren, obwohl wir die Suppe noch nicht vollständig ausgelöffelt haben…

Smoked barbel on saffron bouillon, sea urchin, coconut air and banana crab [6/10]

Der charaktervolle Safransud bildet das Fundament von diesem überzeugenden Gericht. Dazu gesellt sich eine köstliche Rotbarbe und der knusprige „Banana Crab“ – eine getrocknete Bananenscheibe, welche in Krabbensaft getränkt und anschliessend getrocknet wurde. Kompliment für das schöne Gesamtbild welches man mit den unterschiedlichen Aromen hier schafft. Da sehen wir auch gerne über den geschmackslosen Kokosnus-Air hinweg.

Smoked barbel on saffron bouillon, sea urchin, coconut air and banana crab

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Egg with bread and pancetta served over a light potato cream sauce [-/10]

Dieses Gericht wird mit: „This is one of our Signature dishes – an egg“ annonciert. Stirnrunzelnd schneiden wir es in zwei Hälften und beobachten wie das Eigelb ausläuft. Was wiederum interessant inszeniert ist, kommt geschmacklich nicht über ein „ok“ hinaus. Es schmeckt nach Eigelb, knusprigem Brot und Butter.

Egg with bread and pancetta served over a light potato cream sauce

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Funghiformis tentacles with Wasabi Mayonnaise [7/10]

Mit dem nächsten Gericht geht es wieder stark aufwärts. Der mit Sepiatinte gefärbte Pilz schmeckt nicht nur vorzüglich, sondern hat auch eine süffige Konsistenz. Leichte Wasaby- und Knoblauch-Noten sorgen für die nötige Spannung. Ein durch und durch tolle Komposition die richtig Spass macht.

Funghi formis tentacles with Wasabi Mayonnaise

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Halibut with Korean marinade [6/10]

Weiter geht es mit einem perfekt zubereiteter Heilbutt, in einem genussvollen Jus auf Sojabasis. Auf dem Grund liegen kleine Wasabikügelchen, welche beim zerplatzten am Gaumen eine leichte Schärfe freisetzen. Daumen hoch – auch dieses Gericht überzeugt.

Halibut with Korean marinade

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Araiz Bresse Pigeon roasted „a la minute“ and served over truffled rice [7/10]

Beim Hauptgang steht ein tolles Grundprodukt aus der Bresse im Mittelpunkt. Aber nicht nur die wunderbare Taube begeistert, sondern auch das himmlische, im Taubensaft gebratene Reis, welches darunter liegt. Auch die restliche Komposition überzeugt und wirkt dabei überraschend leicht.

Araiz Bresse Pigeon roasted "a la minute" and served over truffled rice

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Hendrick’s gin tonic with cucumber and rose petals [5/10]

Als pré-dessert reicht man uns einen Gin Tonic der anderen Art. Wir werden aufgefordert das Arrangement zu zerbrechen und ein paar Minuten ruhen zu lassen. Danach werde sich der Geschmack mit der Gurke darunter vermählen. Uns gefällt dieser erfrischende Zwischengang überraschend gut – auch wegen den paar zusätzlichen Minuten Verschnaufpause die wir dadurch gewinnen.

Hendrick's gin tonic with cucumber and rose petals

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The Fishbowl [9/10]

Nun erreicht uns eines der schönsten Desserts überhaupt. Wir sehen einen Fisch in einer Fischbowle mit Wasser (Schaum), Korallen, Algen und einer Muschel. Mit dem ersten Löffel wird dann auch unsere Befürchtung zerschlagen, dass dieses Dessert nur optische Ansprüche befriedigt. Der Geschmack ist nämlich sehr abwechslungsreich und himmlisch. Von fruchtig bis schokoladig erlebt man in diesem Aquarium alles. Wir sind begeistert.

The Fishbowl

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Poché Egg [-/10]

Das zweite Dessert offenbart schonungslos, dass man diese Balance zwischen Optik und Geschmack nicht immer Griff hat. Denn ausser der sehr stilvollen Präsentation kann das in Schokolade gehüllte Milchreis nicht begeistern. Lediglich die braun gefärbte weisse Schokolade gefällt uns, der Rest ist fad und nichtssagend. Auch das fruchtige Eigelb ist viel zu knapp dosiert – der Goût nach Mango inexistent.

So schnell sind wir wieder auf dem Boden: erst vor drei Minuten (!) tauchten wir unsere Löffel überglücklich durchs „Aquarium“ und sitzen jetzt deprimiert vor diesem belanglosen Ei. Die Situation wird durch das Auftragen der „Fish Bowle“ am Nachbarstisch nur noch unerträglicher.

Poché Egg

Poché Egg

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Friandises [-/10]

Auch die Friandises sind aufwendig in Szene gesetzt. Dass man hier wiederum auf den Trockeneis-Effekt setzt, zeugt nicht gerade von Originalität. Anstelle hätten wir ein paar gute, süsse Häppchen klar bevorzugt. Hier auf der Glasplatte gefallen uns lediglich die braunen Nuggets die uns ans Magenbrot erinnern. Der grosse Budda-Kopf und die vielen kleinen, weissen Sternchen sind aus Zucker, extrem hart und dadurch ungeniessbar. Weniger Show dafür mehr Substanz wäre hier wünschenswert.

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Sympathisch, jeder Gast erhält das Menü in schriftlicher Form mit nach Hause.

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Fazit: Wir erlebten im ‚El Club Allard‘ einen schönen, aber auch sehr hastigen Abend. Schade, dass man hier das kulinarische Programm in weniger als 2 Stunden (!) runterspult. So hatten wir des Öfteren den letzten Bissen noch im Mund, während uns bereits der nächste Teller serviert wurde. Das war auch der Grund, weshalb wir, mit drei halb vollen Weissweingläsern auf dem Tisch, beim Sommelier die Weinbegleitung unterbrechen mussten.

Die Speisen sind sehr kreativ in Szene gesetzt. Das Handwerk und der Detailgrad begeistern. Noch selten haben wir solch fantasievolle Kreationen vor uns liegen gehabt. Während einige Gerichte auch gleich die kulinarischen Erwartungen erfüllten, gab es auch Speisen bei denen es mehr um die Show als um den Genuss ging. Das „Ei-Dessert“ oder das „Eigelb im Brot“ dienen als gute Beispiele dafür. Eigentlich schade, denn die schön inszenierten Gerichte hätten auch geschmacklich mehr Tiefgang verdient. Vor allem weil die meisten Speisen schon seit Monaten oder gar Jahren 1:1 auf der Karte stehen und man diese geschmacklich entsprechend verfeinern könnte.

Nichtsdestotrotz, auch wenn der Geschmack der Inszenierung oft hinterherhinkt, haben wir hier sehr gut gegessen und da das ‚El Club Allard‘ äusserst zugängliche Speisen serviert, wird die Mehrheit bestimmt Gefallen am Gebotenen finden. Wer in der spanischen Hauptstadt auf der Suche nach kulinarischen Höhenflügen ist, wird hier aber nicht ganz glücklich.

Menü: Zur Auswahl stehen drei verschiedene Überraschungsmenüs. Diese unterscheiden sich lediglich im Umfang. Das kleinste Menü kostet 86 €, das mittlere 98 € und das grösste 115 €.

Wein: Neben der Weinkarte bietet man auch eine Weinbegleitung an. Wegen dem enormen Tempo beim servieren der Speisen, ordert man am besten nur fünf Gläser.

Online: Die Website ist übersichtlich und bietet schöne Fotos von den Gerichten.

Wertung: Gourmör O6 / Michelin M2

(Besucht im Dezember 2012)

3 Gedanken zu “El Club Allard in Madrid (Spanien)

  1. War auch im Club El Allard im Oktober 2012 und hatte das gleiche Menü. Kann mich Deiner Einschätzung voll und ganz anschliessen.

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