Epicure in Paris

Bei all dem Hype um die Sterne-Rekorde in Japan und die angesagten Küchentrends in Skandinavien, geht die Hauptstadt der Grande Nation beinahe etwas vergessen. Dabei ist das kulinarische Angebot in Paris schier grenzenlos. Ganze zehn Restaurants werden in der Stadt der Liebe mit 3-Sternen ausgezeichnet. Dazu kommen unzählige Lokale mit zwei, respektive einem Stern. Zudem ist die wunderschöne französische Hauptstadt nur ein paar Zugstunden von der Schweiz entfernt. Mit dem TGV erreicht man die Metropole ab Basel innerhalb dreier Stunden und sieht dabei die malerische Landschaft mit 350 Stundenkilometer am Zugfenster vorbei ziehen.

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Eines dieser zehn Spitzenrestaurants ist das Epicure im legendären Hotel Le Brisol (zu unserem Bericht). Hier kocht der 51-jährige Eric Frechon. Aufgewachsen im Norden von Frankreich, war er schon in jungen Jahren überzeugt, eines Tages ein Koch zu werden. In den 80er Jahren zog es ihn nach Paris, wo er 1985 im Le Bristol anheuerte. 1996 eröffnete er im 19. Arrondissement sein eigenes Restaurant und kehrte kurz vor der Jahrtausendwende zurück ins 5-Sterne-Hotel, wo er im darauffolgenden Jahr als Küchenchef, gleich mit seinem ersten Stern ausgezeichnet wurde. 2001 kam der Zweite, 2009, nachdem er ein Jahr lang den „Hoffnungsträger“-Status trug, folgte mit dem dritten Stern der kulinarische Ritterschlag.

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Das Epicure kennt keine freien Tage. Das Restaurant empfängt die Gäste an 365 Tage im Jahr, jeweils zum Mittag- und Abendessen. Um diese Öffnungszeiten stemmen zu können sind 35 Köche angestellt, wovon immer circa 25 pro Service in der grossen Küche stehen. Der Aufwand ist riesig und kann natürlich nur mit den Mitteln eines finanzstarken Spitzenhotels gestemmt werden.

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Auf den Besuch bei Eric Frechon freuen wir uns schon seit Wochen. Entsprechend überpünktlich haben wir uns vor der noch verschlossenen Restauranttür eingefunden. Während wir auf den bequemen Sesseln warten, erinnern wir uns nochmals an die unvergessliche Aussicht, die wir noch vor wenigen Stunden vom Eiffelturm geniessen durften und stellen uns die Frage, welches Erlebnis sich wohl länger in unsere Erinnerung einbrennen wird – die atemberaubende Aussicht oder das nun bevorstehende Menü. Der Appetit ist auf jeden Fall gross. Es hat sich gelohnt, mit Scheuklappen zurück ins Hotel zu laufen, um nicht in die Versuchung der hochstehenden Patisserie zu kommen, die hier in Paris überall aus den Schaufenstern der Confiserien lacht.

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Pünktlich um 19 Uhr öffnet sich die verspiegelte Tür. Die Empfangsdame dahinter begrüsst uns mit einem freundlichen „Bonsoir“, prüft unsere Reservation und begleitet uns an den Vierertisch in der Restaurantmitte. Alle 16 Tische im lichtdurchfluteten Raum sind elegant gedeckt. Das Interieur ist hell, freundlich und einladend. Erst vor wenigen Jahren wurde das Epicure von Pierre-Yves Rochon neu gestaltet. Bis zum Umbau trug das Restaurant den gleichen Namen wie das Hotel und das Setting war dunkel und streng. Kein Vergleich zum jetzigen Ambiente. Schön ist auch der Blick direkt in den  Hotelgarten. An warmen Sommertagen werden die grossen Fensterflügel geöffnet, damit die warme Brise das Restaurant durchflutet.

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Das 3-Sterne-Restaurant bietet allerhöchsten Komfort. Der Service ist von Beginn weg sehr präsent. Dabei werden wir überrascht, wie professionell aber dennoch locker und pointiert humorvoll, mit den Gästen umgegangen wird. Das erste Klischee vom verstaubten, steifen Restaurant können wir schon mal überzeugt von der imaginären „Pariser-Vorurteil-Liste“ streichen. Jetzt kommt einer der vielen Sommeliers an unseren Tisch und erkundigt sich nach unseren Apéro Wünschen. Unsere Wahl fällt auf ein Glas Rosé Champagner aus dem Hause Bollinger – eine hervorragende Wahl.

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Um uns herum füllen sich die Tische sukzessive. Ein Blick auf die Herren zeigt, dass man sich hier ausnahmslos an den Dresscode hält, welcher ein Jackett verlangt – die Krawatte muss nur optional getragen werden.

Häppchen [9/10]

Nun werden die ersten Häppchen geschickt. Das, mit Erbsen grün gefärbte Mousse von der weissen Spargel, zeigt schon mal eindrücklich, auf was wir uns heute Abend freuen dürfen. Das Aroma ist kräftig, die Geschmäcker sind klar herausgearbeitet. Wir versinken förmlich in dem kleinen Porzellan.

Anschliessend widmen wir uns dem Gamba-Lolli. Einmal im Mund verbreitet sich im Gaumen ein betörender Duft nach den Weiten des Ozeans. Dazu gesellt sich die knusprige Textur, von dem mit Sepia gefärbten Puffreis.

Dank den Auster-Chips bleiben wir geschmacklich im Meer und staunen wiederum über den hervorragenden Geschmack und der extremen Frische. Dazu serviert Frechon ein wunderbares Mousse, sowie ein Haus von Petersilie, welche den Austerngeschmack gekonnt unterstreicht.

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Noch immer vom überzeugenden Auftakt begeistert, reicht man uns die Speisekarte in englischer Sprache. Wir blättern uns durch die etwas lieblos eingeklebten Seiten. Die einzelnen Speisen lesen sich äusserst spannend, weshalb wir am liebsten jedes Gericht bestellen würden. Dass dies nicht möglich ist liegt nicht nur am Volumen, sondern auch an den finanziellen Mitteln, denn die Preise sind (wie erwartet und in Paris üblich) sehr hoch. Schon alleine die Vorspeisen schlagen mit mindestens 80 € zu Buche. Zum Glück bietet man den Gästen mit dem Menü für 295 € eine gute Alternative an. Dieses vereint verschiedene Vorspeisen und Hauptgänge von der Karte, zu einer sieben-gängigen Abfolge. Darunter sind auch einige Gerichte, die auf der Karte mit einer Vogelfeder markiert sind. Hier handelt es sich um Eric Frechons Signature-Dishes.

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Brot

Nachdem wir das Menü bestellt haben, präsentiert man uns eine abwechslungsreiche und sehr überzeugende Brotauswahl. Dazu reicht man uns sowohl ungesalzene, als auch eine tolle, gesalzene Butter und einen atemberaubenden (!) Speck-Gugelhopf, welcher mit richtig viel Butter und Fleisch zubereitet wurde.

Bis jetzt war der Abend perfekt: Ein wunderschönes Restaurant, ein tolles Ambiente, ein hochstehender Service, ein schöner Tropfen im Glas und ausgezeichnete kulinarische Vorboten. Es darf gerne so weitergehen.

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Amuse Bouche: Eggplant, Sesam, Yoghurt, Gelée, Mint [8/10]

Das kleine, etwas unscheinbare Amuse Bouche entschleunigt uns etwas, indem es unsere volle sensorische Konzentration für sich beansprucht. Wir lassen uns darauf ein und werden von einem sehr harmonischen Zusammenspiel von lieblichen Aromen belohnt. In der Summe ein leiser, aber wichtiger Akkord, um unsere Gaumen für das Kommende zu justiert.

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Macaronis Farcis [10/10]

Imposant dann der erste Gang, welcher sich als absolutes Highlight entpuppt. Kaum ist die kleine Cloche angehoben, entfaltet sich am ganzen Tisch ein himmlischer Duft nach Trüffel. In der Tellermitte liegen drei Macaronis, gefüllt mit Trüffel, Artischocken und Entenleber. Das Ganze wurde mit Parmesan überbacken und mit einem der besten uns jemals servierten Jus serviert. Das Gericht ist süffig und so richtig zum reinknieen. Auch wenn wir uns den Lebergeschmack noch etwas markanter wünschen, bleibt das Gericht grossartig und wird von uns minutenlang zelebriert und ehrwürdig verspiesen.

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Morilles Blondes [10/10]

Etwas schnell – nur gerade elf Minuten nachdem uns der vorherige Gang serviert wurde, erreichen uns die zweite Vorspeise. Zwei mächtige Morcheln liegen auf dem Teller. Diese sind mit geräuchertem Schinken und Kalbsmilken gefüllt. Der Geschmack dieser Kombination ist gewaltig – ein Hochgenuss erster Güte. Dazu gesellt sich wiederum eine meisterhafte Sauce, die mit Vin Jaune aus dem Jura verfeinert wurde. Für die moderne Präsentation (ein weiteres Vorurteil dass es zu streichen gilt) sorgt der grüner Sponge aus Brunnenkresse. Ein powervolles und absolut geniales Gericht.

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Merlan de ligne de Saint-Gilles Croix-de-vie [10/10]

Der Merlan ist in Frankreich ein weit verbreiteter, aber wenig angesehener Salzwasserfisch. Frechon hat den Fisch schon vor Jahren auf seine Karte genommen, um seinen Landsleuten zu demonstrieren, dass man auch aus dem „einfachen“ Fisch etwas Grosses schaffen kann. Dazu hat er den Merlan schonend gegart und anschliessend auf etwas Spinat gebettet. Darüber gibt es ein himmlisches, hauchdünnes Mandelgebäck, welches nicht nur so aussieht, sondern auch verführerisch danach schmeckt. Abgerundet wird das Gericht von einem äusserst raffinierten Dressing von Curry und Péquillos – einer Chili Art. Die Dosierung der Schärfe ist dabei so perfekt, dass sie den Fisch elegant begleitet, aber in keiner Art und Weise von ihm ablenkt. Wiederum grossartig!

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Pigeon de Bresse [10/10]

Im Hauptgang serviert man uns eine Taube aus der Bresse, welche wie vom Chef empfohlen, medium-rare zubereitet ist. Wir probieren zuerst von der Sauce, die uns wiederum völlig in ihren Bann zieht. Das braune Elexier ist extrem vielschichtig und schon für sich alleine ein Highlight. Auch der wundervolle Vogel begeistern. Dieser ist perfekt gebraten und hat eine wunderbar knusprige Textur von Pinienkernen und einer angenehmen Süsse vom Honig, welche wiederum meisterhaft subtil ins Gericht eingeflochten ist. Für den würzigen Kontrast sorgt der Fenchel mit Kreuzkümmel.

Als separates Highlight, serviert man uns eine grossarte Frühlingsrolle mit Geschmortem von der Taube. Wunderbar knusprig, frisch und intensiv im Geschmack – sensationell.

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Käse

Vom gut sortierten Käsewagen, bestellen wir uns eine schöne Auswahl und erhalten dazu ein delikates Früchtebrot sowie getrocknete Früchte.

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Pré-Dessert [7/10]

Der Gruss vom Chefpâtissier Laurent Jeannin setzt ein erstes Ausrufezeichen. Ein cremiges Glace, auf einem fruchtigen Cassisspiegel.

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Citron de Menton [9/10]

Die französische Stadt Menton liegt zwischen Monaco und Italien und ist berühmt für ihre Zitronen. Jeannin zaubert daraus ein fulminantes Dessert, in der Form einer solchen Zitrusfrucht. Anders als der Anblick vermuten lässt, ist die Hülle nicht aus hartem Zucker, sondern hat dieselbe Konsistenz wie das Sorbet im Innern und ist dadurch perfekt zu essen. Das Sorbet ist schlicht fantastisch. Die enthaltenen kandierten Zitronenstücke setzen dem Ganzen die Krone auf. Ein konzeptionell simples Dessert, welches traumhaft intensiv schmeckt und wunderbar leicht ist.

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Chocolat du Perou [8/10]

Die Kakaobohne wird stilvoll serviert. Am Tisch wird der obere Deckel abgehoben und der Blick auf das eigentliche Schokoladendessert freigesetzt. Der Name ist hier Programm. Es ist ein charaktervolles, kräftiges Schokoladendessert mit verschiedenen Texturen. Für das Gegengewicht sorgen vereinzelte Zitronen-Gras-Intermezzos, welche geschickt in die Kakao-Bohne eingearbeitet wurden. Dies ist ein sehr geschmacksvolles, angenehm fruchtiges und wiederum wunderschön inszeniertes Dessert.

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Friandises [10/10]

Die Friandises werden in einem futuristischen Wagen präsentiert. Dieser erinnert eher an ein avantgardistisches spanisches Restaurant, als ein klassisch französisches. Dass wir in Paris im Epicure sitzen, offenbart sich alsbald wir die erste Süssigkeit probieren. Es sind Marshmallows. Normalerweise gibt es nichts Weiteres dazu zu sagen, denn wirklich gut schmecken die nie. Hier zaubert uns die Pâtisserie-Equipe, dank einem richtig guten Birnenaroma, aber nochmals ein Lächeln auf die Lippen. Getoppt wird das von den besten uns jemals servierten Caramels, sowie tollem Nougat. Das Highlight sind aber die Macarons. Wir lieben die bunten Winzlinge seit Jahren und haben deshalb schon etliche Varianten probiert. Aber so gute, so frische, so geschmacksvolle wie hier, haben wir bis anhin noch nie gegessen. Unvergesslich!

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Fazit: Das Epicure gehört zur absoluten Spitzenliga. Das Restaurant ist geschmacksvoll eingerichtet, es herrscht eine wundervolle Atmosphäre und die Küche schickt einen brillanten Gang nach dem Anderen. Wir haben uns gefühlt wie im Schlaraffenland und hätten am liebsten für immer weiter gegessen. Dies ist nicht nur den hervorragenden Gerichten zu verdanken, sondern auch an der Abwechslung in Frechons Küche. Noch selten, dass uns ein solch facettenreiches Menü serviert wurde bei dem jeder Gang auf andere Weise begeisterte.

Ein grosses Kompliment geht auch an das hervorragende Serviceteam. Dieses war äusserst aufmerksam und zuvorkommend. Dabei hatte es immer Platz für einen kleinen Witz oder einen lockeren Spruch. Kein Anzeichen von Hochnäsigkeit oder irgendwelchen Allüren. Im Gegenteil, das Epicure bietet seinen Gästen sowohl kulinarisch als auch vom Service ein sensationelles Gesamterlebnis. Dem Epicure ist es dann auch zu verdanken, dass wir – kaum zu Hause angekommen – gleich die nächste Möglichkeit suchten um nach Paris zu reisen, denn das Fernweh war so gross wie noch nie.

Menü: Das Menü in sieben Gängen wird für 295 € angeboten. Dazu gibt es im Voraus Häppchen, ein Amuse Bouche sowie ein Pré Dessert und Friandises. Alternativ gibt es auch eine schöne à la carte Auswahl. Die Vorspeisen und Hauptgänge kosten im schnitt 80 -100 €

Zeit: Der Hochgenuss – vom ersten Häppchen bis zum letzten Macaron dauerte 4 Stunden.

Weine: Die Weinkarte ist riesig. Auf Wunsch serviert man auch eine Weinbegleitung. Diese hat keinen fixen Preis,sondern wird je nach Wein anders verrechnet. Wir haben knapp 90 € bezahlt.

Riesling, Cuvée François Alphonse, Domaine Kientzler 2008
Bordeaux, „S“ de Suduiraut 2010
Clos Nicrosi, Côteaux du Cap Corse 2010
Côtes du Marmandais, „Le Vignoble d’Elian“, Elian Da Ros 2008
Porto Tawny 10 ans, Niepoort
Vin de Paille, Domaine Berthet Bondet 2008

Online: Das Epicure hat zwar keine eigene Website, jedoch bietet die Hotelseite die wichtigsten Informationen. Zudem hat Eric Frechon einen eigenen Webauftritt.

Bewertung: Gourmör O10 / Michelin M3

Sonderauszeichnung:  Top-Service, hier kann man die Seele so richtig baumeln lassen

(Besucht im April 2014)

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La Vetta in Arosa

Das Tschuggen Grand Hotel gehört zu den besten Hotels der Alpen. Die wunderschöne Bergoase sucht ihresgleichen und mit dem einzigartigen Tschuggen-Express erreicht man die Pisten und Wanderwege schneller und bequemer, als in jedem anderen Hotel. Selbstverständlich dass ein Haus dieser Klasse seinen Gästen auch eine hochstehende Kulinarik anbietet. Mit dem La Vetta, zu Deutsch die Spitze, hat man seit drei Jahren gar das einzige Gourmetrestaurant mit Michelin Stern im Umkreis von einer Autostunde. Der Düsseldorfer Uwe Seegert erkochte den begehrten Macaron damals. Nachdem es ihn kurz darauf nach Schönried ins Ermitage zog, übernahm Tobias Jochim den Chefposten und verteidigte den Stern erfolgreich.

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Das stilvolle Interieur verdankt das La Vetta dem kreativen Innenarchitekten Carlo Rampazzi. Der Tessiner hat auch dem restlichen Hotel vor einigen Jahren eine neue Optik verpasst. Das Restaurant ist gemütlich und heimelig – auch wenn die Platzverhältnisse recht knapp sind. Wir erhalten einen Tisch in einer kleinen Nische. Von hier hat man nicht nur einen schönen Überblich auf das vollbesetzte Restaurant, sondern auch einen grosszügigen Abstand zum nächsten Tisch.

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Wie die anderen Gäste, verbrachten auch wir den ganzen Tag in der wunderschönen Aroser Natur und sind entsprechend hungrig. Zum Glück beginnt der Abend hier nicht wie üblich mit dem Überreichen der Speisekarte, sondern startet gleich mit der Brotauswahl um den Heisshunger zu stillen. Zu den erst auf Nachfrage annoncierten Brötchen, reicht man uns mit Kräutern verfeinertes Olivenöl, Butter und Salzflocken.

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Auf der anschliessend gereichten Speisekarte finden wir drei verschiedene 6 gängige Menüs. Der Gast hat die Wahl und darf aus den drei Speisefolgen frei kombinieren. Die Preise sind überraschend moderat. Mit 139 Franken für das grosse Menü zählt das La Vetta gar zu den günstigsten Sternerestaurants der Schweiz.

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Zum Apéro serviert man uns auf einem dunklen Speckstein eine geräucherte Bergkartoffel mit Aroser Sauerrahm und Osietra Kaviar sowie ein Kohlrabi-Tortellini mit gebeiztem schottischem Wildlachs [-/10] eine nette Einstimmung, die auch sehr gut zum prickelnden Champagner aus dem Hause Bollinger passt.

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Als Amuse Bouche folgt ein Gamsfilet mit Spitzkohl, Apfel und Belper Knolle [-/10]. Das Fleisch ist butterzart und wird von harmonischen Säurenoten begleitet.

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Anschliessend schickt die fünfköpfige Küchenbrigade den ersten Gang unseres Menüs:

Jakobsmuscheln – Avocado – Gurke – Miso-Grapefruit [5/10]

Die wunderbare Muschel wird nicht nur als hauchdünnes Carpaccio serviert, sondern auch als feines Tatar. Am meisten überzeugt uns die halbierte, heiss angebratene Variante. Sie hat diesen unverwechselbaren Duft, der uns geistig an die Küste der Normandie versetzt. Die süsse Miso und die cremigen Avocadotupfer runden das Gericht ab. Dazu serviert uns die Chef de Service, Assunta Amitrano, einen hervorragenden Sauvignon Blanc aus dem Hause Donatsch (unser Bericht über das Weingut).

 

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Emmentaler Milchkalb & Gänseleber – Rande konfiert & Eis [8/10]

Das Gericht ist nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich äusserst opulent. Im Mittelpunkt steht ein fein geschnittenes Tatar mit einer wunderbaren Dijon-Senf-Note. Darauf thront ein cremiger Gänseleber-Taler mit einem perfektem Schmelz. Komplettiert wird das Ganze durch die erdig-süsse Rande in verschiedenen Zubereitungsarten. Egal wie man mit der Gabel über den Teller streift, es stellt sich bei jedem Bissen ein absoluter Hochgenuss ein. Wir sind begeistert!

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Taube – Portwein – Feige – Malz – Pistazien – Kohlrabi [6/10]

Nach dem geschmacklichen Power-Gang wirkt das nächste Gericht geradezu puristisch. In dessem Zentrum steht eine perfekt zubereitete Taube mit zwei wuchtigen Saucen mit viel Tiefgang und Geschmack. Abgerundet wird das Ganze mit etwas dünn aufgeschnittenem Kohlrabi und Pistaziencrumble. Uns gefällt sowohl das schmackhafte Gericht in seiner Einfachheit, als auch die Intelligenz der Küche, sich hier auf das Wesentliche zu fokussieren und die Geschmacksrezeptoren auf den nächsten Höhenflug einzustimmen.

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Simmentaler Rind I – Ochsenschwanz – Grünkohl – Beef-Jerky – Gerste gepufft – geschmorte Urkarotte [6/10]

Einen solchen Höhenflug stellt das Simmentaler Rind dar. Das edle Tier steht gleich in zwei Varianten auf der Karte – wir bestellten Beide. Den Auftakt macht der geschmorte Ochsenschwanz, an einem erneut richtig starken Jus. Der getrocknete Grünkohl dient nicht nur der Dekoration, sondern bereichert mit seinem eigenwilligen Aroma das Geschmacksbild. Für die knusprige Textur ist die gepuffte Gerste verantwortlich. Wie intensiv Rüebli schmecken können, werden in diesem tollen Gericht ebenfalls eindrücklich demonstriert.

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Simmentaler Rind II – Entrecôte – Mark – Erdnuss – Schwarztee – Süsskartoffel [-/10]

Auch der zweite Auftritt des hochwertigen Rinds überzeugt, auch wenn dieser mit der vorherige Komposition nicht mithalten kann. Dazu fehlt die Spannung. Vor allem die Süsskartoffel dominiert das Gericht zu stark. Applaus gibt es wiederum für die charaktervolle Sauce und das wunderbare Mark – eine Delikatesse, die es leider viel zu selten auf die Teller schafft.

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Die Gerichte sind perfekt portioniert. So bleibt auch noch Platz für den süssen Abschluss. Darauf eingestimmt werden wir durch ein pré Dessert von Staudensellerie Granité mit Grapefruit Espuma [-/10]. Dies ist eine gewagte aber sehr feine Kombination, welche die Brücke zwischen den salzigen und den süssen Gerichten mit Bravour schlägt.

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Dreierlei Blutorange – Zitronenthymiancréme – Cashewnussglace [7/10]

Die Cashewnuss-Glace ist schlicht eine Granate. Zusammen mit den caramelisierten Nüssen entsteht auf dem Teller eine wunderbar süsse Marriage. Dazu gesellt sich mit der Blutorange ein fruchtig-saurer Gegenpart. Ein würdiger Abschluss eines sehr überzeugenden Menüs.

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Friandises [8/10]

Zum anschliessenden Espresso serviert man uns eine schöne Auswahl an ausgezeichneten Friandises. Jede einzelne Petitesse überzeugt mit einem kräftigen Aroma.

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Das Service-Team: Milan Biri, Jennifer Wappler, Assunta Amitrano (Chef de Service), Mikela Sigrist, Jan-Andre Jans.

la_vetta_tschuggen_grand_hotel_tobias_jochim_20Die Küchenbrigade: Dirk Schied (Sous Chef), Moritz Braunwarth, Matthias Beutel,
Tobias Jochim (Chef / Executive Chef), Matthias Baumgartner

Fazit: Wer das schöne Arosa besucht, sollte sich einen Besuch im La Vetta auf jeden Fall einplanen. In stilvoller und ungezwungener Atmosphäre serviert die Küchencrew um Tobias Jochim sehr überzeugende Menüs. Gearbeitet wird mit hochwertigen Produkten und einem gelungenen Mix aus Tradition und Avantgarde. Das Ergebnis sind spannende Kombinationen, geschmacksvolle Teller und charaktervolle Saucen.

Die engagierte Chef de Service Assunta Amitrano, machte ebenfalls einen tollen Job. Sie war sehr präsent und unterstützte ihr internationales Serviceteam auch mal wenn es Probleme mit der deutschen Sprache gab. Auch die selektionierte Weinbegleitung verdient ein Lob. Jeder Tropfen war akkurat auf das zu begleitende Gericht abgestimmt. Amitrano hat Arosa in der Zwischenzeit leider verlassen. Es bleibt zu hoffen, dass man bis zum Start der Sommersaison einen geeigneten Nachfolger findet.

Menü: Zur Auswahl stehen drei verschiedene Menüs – eines davon komplett vegetarisch. Jeder Gast am Tisch kann zwischen diesen drei Speisefolgen frei kombinieren. 6 Gerichte mit Häppchen, Amuse, pré Dessert und Friandises werden zu sehr fairen 139 Franken serviert. 5 Gänge kosten 124 Franken, 4 Gänge 109 Franken, 3 Gänge 94 Franken und 2 Gerichte nach Wahl 79 Franken.

Zeit: Das grosse Menü wurde uns in knapp 3 Stunden serviert.

Weine: Die Weinauswahl ist umfangreich. Die angebotene Weinbegleitung intelligent zusammengestellt. Folgende Begleitung wurde mit 96 Franken verrechnet:

Sauvignon Blanc 2012, Weingut Donatsch, Schweiz
Louis Roederer Demi Sec, Frankreich
Pinot Noir 2010, Weingut A. Pelezzatti, Schweiz
PI CA DO 2010, Weingut Donatsch, Schweiz
S 88 2011, Weingut Stäger, Schweiz

Online: Das Restaurant hat zwar keine eigene Website, jedoch eine Kategorie auf der Hotelwebsite. Hier findet man neben den Öffnungszeiten auch das aktuelle Menü und die Weinkarte.

Wertung: Gourmör O6 / Michelin M1 / Gault-Millau GM15
Sonderauszeichnung:  Schöne Zigarren-Lounge vorhanden

(Besucht im Februar 2014)

Heimberg in Zermatt

Nächste Woche ist es soweit, am 30. Mai eröffnet der renomierte Spitzenkoch Marcus G. Lindner im St. Gallischen Uznach sein eigenes Restaurant Der Kunsthof. Da der 18-Punkte Chef weiterhin die Gastronomie im Luxushotel The Alpina in Gstaad leitet, hat er den Küchenchefposten in Uznach seinem österreichischen Landsmann Christian Geisler übergeben. Lindner kennt den erst 29-Jährigen seit der gemeinsamen Zeit im Mesa in Zürich. Geisler war damals sein Sous-Chef. Zusammen kochten sie das Lokal an der Weinbergstrasse, bis an die Spitze der Zürcher Gastronomie. Nachdem es Lindner nach Gstaad zog, übernahm Geisler seinen ersten Chefposten im Heimberg in Zermatt.

Dort, am Fusse des Matterhorns hat er das chice Restaurant drei Saisons lang geleitet. Er und sein Team verwöhnten während den Wintermonaten die Gäste auf höchstem Niveau. 2012 wurde seine Küche von Michelin mit einem Stern ausgezeichnet. Wir haben das Team an einem der letzten Abenden in Zermatt besucht und können bereits vorweg nehmen, dass sich Gourmets im Unterland auf einen äusserst talentierten Chef freuen dürfen.

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Das Heimberg versteckt sich in einer kleinen Seitengasse. Hinter dem Eingang trifft man auf eine Bar, mit freiem Blick in die offene Küche. Dort wird gebrutzelt und mit grösster Konzentration angerichtet. Im oberen Stock wartet der gemütliche Speiseraum – ein wunderschönes Werk des Zermatter Innenarchitekten Heinz Julen, in welches wir uns augenblicklich verlieben. Genau so einmalig wie die Optik, ist auch das kulinarische Konzept. Hier im Heimberg gibt es nämlich keine Speisekarte. Der Gast startet mit einer Überraschungs-Vorspeise und entscheidet sich danach, ob er eine Zweite möchte, oder bereits den Hauptgang wünscht.

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Vorweg erhalten wir einen Baumstammabschnitt auf den Tisch. Darauf finden wir, neben essbarem „Sägemehl“, ein mit Spinat gefülltes Kissen, sowie geräucherten Fisch zwischen zwei hauchdünnen Plättchen. Der Auftakt ist vielversprechend. Die Häppchen sind nicht nur wunderbar frisch, sondern auch stark im Aroma. Wir spüren, dass heute ein grosser Abend werden könnte. Und tatsächlich, nach einem interessanten Amuse Bouche mit Rotkohl kontrastiertem Lamm, serviert man uns ein erstes grosses Highlight, in dessen Zentrum ein glasig gegarter Lachs mit seinem Rogen steht. Dazu serviert man Fenchel und molekular verarbeitete Tomaten, Basilikum und Crème fraiche. Es ist absolut beeindruckend, wie klar die Aromen herausgearbeitet sind und welch Symbiose dadurch auf dem Teller entsteht – ausgezeichnet.

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Die Frage des passionierten Maître Danny Neynaber, ob wir noch eine weitere Vorspeise wünschen, beantworten wir mit einem überzeugenden Ja. Dieses Prozedere wiederholen wir in den nächsten Stunden noch ein paar Mal und kommen so in den Genuss von Sot-l’y-laisse an herzhaftem Geflügelfond – in einer Petrischale servierten Wels, flankiert von Rhabarber und Joghurt – perfekt zubereitetes Kalb mit tollem Kürbis – sowie einer alpinen Version des Surf and Turf mit Zander und einem charaktervollen Schwein an delikaten Pfifferlingen.

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Bei der fünften Frage entscheiden wir uns für den Hauptgang. Das eindrucksvolle Rind, begleitet mit köstlichem Bärlauch und den ersten Spargeln, beendet das Menü mit einem Paukenschlag. Wiederum werden wir von satten Aromen und einem perfekt zubereiteten Gericht verwöhnt. Auf die kleine Käseselektion folgt als pré Dessert ein Snowball mit Tanne, Holunder und Zitrone. Dieser hat zwar einen interessanten Goût, ist aber in der Summe viel zu eisig und kalt um geniessbar zu sein. Entschädigt werden wir dann aber vom eigentlichen Dessert mit feinstem Nougat, welches von Himbeeren begleitet wird. Dafür hat Geisler nochmals in die alchemistische Trickkiste gegriffen. Das Ergebnis, ein ausgezeichnetes Dessert mit wunderbarem Geschmack, welches trotz moderner Zubereitungsmethoden, ohne Effekthasscherei auskommt.

heimberg_zermatt_christian_geisler_20Die Küchenbrigade: Ingo Pappenberg, Simon Fraundorfer, Mitja Birlo (Sous-Chef), Christian Geisler (Chef), Ilion Schenker, Nelson Rodrigues, Herminio Teles

 

Fazit: Christian Geisler ist ein ausgezeichneter Koch mit vielen Ideen und einer eigenen Handschrift. Seine Küche ist präzis und stark auf den Geschmack fokussiert. Da er fast die komplette Crew vom Heimberg in den Kunsthof zügelt, darf sich Uznach auf ein grossartiges Restaurant freuen. Schade nur, dass der Chef an der Front, Danny Neynaber den Weg nicht mitgeht. Er wechselte in die Rüsterei nach Zürich. Er ist ein hervorragender Gastgeber und mit viel Elan und Begeisterung am Werk. Zum Glück hat man aber auch hier einen Ersatz gefunden. Christian Magner, ehemaliger Sommelier im Mesa, übernimmt den wichtigen Posten in Uznach. Wir sind äusserst gespannt auf den Start des Kunsthof und wünschen allen Beteiligten viel Erfolg. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass man auch im wunderschönen Heimberg einen geeigneten Nachfolger findet – das einmalige Ambiente hätte dies auf jeden Fall verdient.

Website Der Kunsthof in Uznach
Website Heimberg in Zermatt

Wertung: Gourmör O8 / Michelin M1 / Gault-Millau GM16
Sonderauszeichnungen: Hier fühlt man sich besonders wohl    Fumoir vorhanden

(Besucht im März 2014)

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_5Airbread – Spinat / Rauchfisch – Grissini

heimberg_zermatt_christian_geisler_6Lammfilet / Rotkohl / Meerrettich

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_8Lachs / Fenchel / Basilikum / Crème fraiche

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_9Sot-l`y-laisse / Gelbe Rübe / Schnittlauch

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_10Wels / Topinambur / Rhabarber / Joghurt

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_11Kalb / Kürbis / Lattich

heimberg_zermatt_christian_geisler_12Zander/ Schwein/ Pfifferling

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_13Rind/ Bärlauch/ Spargel

heimberg_zermatt_christian_geisler_14Käse Auswahl

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_15Snowball (Tanne, Holunder, Zitrone)

heimberg_zermatt_christian_geisler_16Nougat/ Himbeere/ Essig

heimberg_zermatt_christian_geisler_17Friandises

heimberg_zermatt_christian_geisler_18 Apfel / Rucola

heimberg_zermatt_christian_geisler_19 Danny Neynaber, Arvid Polivka, Patrick Just, Karina Zirm, Stefanie Fischer, Evelyn Weiss (von oben links nach unten rechts)