Schauenstein in Fürstenau

Der Bündner Koch Andreas Caminada hat in seiner noch jungen Kochkarriere bereits vieles erreicht wovon seine älteren Berufskollegen schon lange träumen. Der heute 34 jährige absolvierte bis 1996 seine Kochlehre im Hotel Signina im benachbarten Laax. Damals galt seine Begeisterung aber mehr dem Wintersport als dem Kochen. Caminada gehört nicht zu den Köchen die schon als kleines Kind diesen Beruf erlernen wollten weil sie es zum Beispiel in der Küche gemütlich fanden oder sie der Geruch nach Mamas Hackbraten faszinierte. Er war eines der Kinder das richtig anpacken konnte und auch sein Sackgeld mit harter Arbeit während den Sommerferien verdiente. Kochen war bis zu seiner Lehre kein Thema und so war der Milchreis das einzige Gericht welches der sympathische Koch vor seiner Ausbildung zubereiten konnte.

Auch nach der bestandenen Prüfung hatte Caminada noch keine Ambitionen jemals auf hohem Niveau zu kochen. Diese Leidenschaft sollte ihn erst während einem Sprachaufenthalt in Kanada packen. Dort lernte er nämlich einen Comestible kennen. Dieser war von Caminada so begeistert, dass er ihn in die Welt der Gourmet Gastronomie einführte. Der junge Caminada war rasch Feuer und Flamme als er sah was in seinem Beruf alles möglich war. Wieder in der Heimat zurück heuerte er bei grossen Köchen an. Er absolvierte Stages bei Lumpp (Bareiss in Baiersbronn), Hanspeter Hussong (Wirtschaft zum Wiesengrund in Uetikon) sowie bei dem inzwischen verstorbenen Beat Bolliger im Walserhof in Klosters.

Bereits nach wenigen Jahren (2003) hat er mit seiner damaligen Partnerin Sieglinde Zottmaier das Schloss Schauenstein im neun Seelendorf Fürstenau gepachtet. Schon bald mauserte sich das Restaurant zum hoch gehandelten Insider-Tipp. Und dies war der Anfang seines kometenhaften Aufstiegs:

2004 – Gault-Millau „Entdeckung des Jahres 2005“
2006 – Michelin vergibt den 1. Stern
2007 – Michelin vergibt den 2. Stern / Gault-Millau „Koch des Jahres 2008“
2008 – Michelin Aspirant für den 3. Stern
2009 – Gault-Millau „Koch des Jahres 2010“ sowie den 19. Punkt
2010 – der Ritterschlag durch Michelin, den 3. Stern für den erst 33 jährigen Andreas Caminada.

Da Caminada optisch auch als Kleidermodel durchgehen könnte und er in den Interviews immer sehr sympathisch und natürlich rüber kommt avancierte er auch schnell zum Werbeliebling. So nahm ihn Ringier (u.a. Herausgeber des Gault-Millau) unter Vertrag, V-Zug, Audi sowie das Schweizer Fernsehen für eine Image Kampagne. Auch für die Lebensmittelabteilung von Globus hat er an Weihnachten 2008 eine eigene Linie (in der eigenen Küche produziert) kreiert. Ab und zu steht er auch an einem fremden Herd (z.B. Ikarus in Salzburg im 2009) doch am liebsten (und auch fast immer) steht er persönlich hinter seinem Herd im Schloss Schauenstein.

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Wir waren sehr gespannt auf unseren zweiten Besuch. Der Erste lag fast zwei Jahre zurück. Damals arbeiteten neben Caminada lediglich drei weitere Köche und ein Pâtissier in der Küche. Diesmal ist seine Brigade etwas grösser – Caminada wird nun von fünf Köchen und einem Pâtissier in der kleinen Schlossküche unterstützt. Restaurationsleiter Oliver Friedrich hat ebenfalls zwei zusätzliche Mitarbeiter erhalten und leitet nun ein sechsköpfiges Team. Mit den Mitarbeitern in der Administration sowie den zuständigen für die sechs Hotelzimmer ergibt das ein Team von 23 Mitarbeitern. Dagegen stehen neun Tische an denen pro Abend etwa 26 Gäste bedient werden.

Das Auto konnten wir gleich vor dem im 17. Jahrhundert erbauten Schloss abstellten. Danach liefen wir ein paar Schritte durch den kleinen Schlossgarten, schnell die kurze Treppe hoch und standen dann vor einer schweren Holztür. Nachdem wir diese geöffnet hatten trat auch schon das erste freundliche Gesicht auf uns zu. Réceptionistin Bettina Rosenkranz hiess uns auf Schauenstein herzlich willkommen.

An diesem Abend stemmte sich der Sommer nochmals gegen den anstehenden Herbst und dank diesen warmen Temperaturen durften wir den Apéro auf der Terrasse geniessen. Und hier genossen wir nicht nur die schöne Aussicht sondern vor allem die Herzlichkeit der Mitarbeiter. Jeder Wunsch wurde erfüllt und Solche Wünsche hat man ein paar wenn man zu viert Essen geht. Der Eine mag keinen Fisch und die Dame keine Innereien – alles überhaupt kein Problem, man werde uns gerne etwas anderes Zubereiten (als Fairness gegenüber der Küche hatten wir unsere Änderungen im Voraus angemeldet und bekamen so bereits die angepassten Menükarten gereicht).

Noch ein Zeichen von Gastfreundschaft: Bevor man uns die Häppchen servierte fragte man bei uns nach ob jemand keine Entenleber mag, denn dies hätte man sich beim letzten Besuch notiert – wir staunten über diese Professionalität.

Apéro-Häppchen [10/10]

Die meisten Restaurants verstehen unter „Apéro-Häppchen“ Salzstängeli und gesalzene Erdnüsse. Gourmet-Restaurants werden kreativer und servieren kleine Häppchen in Form von frittierten Sardinen, kleinen Käseküchlein oder sonstigen kleinen Happen. Anders bei Caminada; er misst diesem ersten Auftritt einen sehr hohen Stellenwert ein und zeigt dem Gast gleich von Beginn weg was er und sein Team drauf haben. So blieben uns auch die Häppchen von unserem 2009er Besuch in bester Erinnerung. Auch dieses Mal war alles super frisch und auf sehr hohem Niveau.

Der Algenkräcker mit Saibling und Rauchfisch bildete gleich das Highlight – unglaublich frisch, wunderbare Aromen – absolut genial!

Die Gänseleber mit Holunderblüte stand dem in nichts nach – ebenfalls ein Traum!

Der etwas salzigen Gazpacho stahl klar der tolle Crouton die Show – dieser war richtig schön buttrig.

Tapioka, Zwiebel, Parmesan war ebenfalls ein überzeugender Auftakt. Aber mehr wegen dem tollen Zwiebel- und Parmesan Geschmack als wegen den Tapioka. Diese hatten bereits im The Restaurant im Dolder keinen Eigengeschmack.

Der einzige banale Happen war der Churros mit einer tollen Curry-Sauce. Der belanglose spanische Klassiker passte nicht zu den restlichen Happen welche geschmacklich bereits mehr zu bieten hatten als viele Restaurants den ganzen Abend.

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Nachdem wir den Auftakt so richtig genossen hatten und die Sonne sich langsam hinter die Berge schob wurden wir an unseren Tisch begleitet. Diesmal hat man uns einen der fünf Tische im vorderen Raum parat gemacht. Der Raum wirkt sehr einladend und heimelig. Neben dem schönen Holz dominiert eine modische Lampe. Die Tische haben einen sehr angenehmen Abstand. Obwohl es mit uns zwei Vierergruppen im Raum hatte war die Lautstärke extrem angenehm.

Auf dem Tisch stand pro Gast ein Kärtchenhalter. Darauf legte man uns zu jedem Gang und Wein ein Kärtchen auf dem die Details des Servierten standen. Ein interessanter Einfall da man so immer wieder auf die Karte lugen konnte wenn man bei einer Zubereitungsart nicht sicher war. Diese Kärtchen haben wir am Ende noch mit auf den Heimweg bekommen.

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Nun wurde uns das hausgemachte Brot in einem schwarzen Stoffsack serviert. Dazu gab es zweierlei Butter, einmal mit und einmal ohne Salz. Das Brot war schön warm und richtig genial im Geschmack! An den knusprigen Stellen hatte man sogar das Gefühl man beisse in einen Kuchen! Die Butter und das Brot wurden nach den ersten Amuse Bouches ausgetauscht. Dass man uns nach der Hälfte des Abends die Wassergläser durch Neue ersetze fand ich noch in Ordnung, aber frisches Brot weg zu schmeissen ist in meinen Augen ein ökologischer Schwachsinn. Es hätte absolut gereicht die eine Butter wieder aufzufüllen.

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Langustine; gebeizt, roh, gebraten / Basilikum; Mousse / Limone – Yuzu [9/10]

Der erste Gruss aus der Küche begeisterte zuerst unseren Geruchssinn. Nur selten riecht man so frische Meerestiere auf einem Teller. Danach erfreute sich das Auge über die schöne Komposition. Doch Gourmets kennen das Problem der vielen kleinen Punkte und Schäumchen welche zwar hübsch aussehen aber für den Geschmack keine Bereicherung sind. Ganz anders hier (und bei allen folgenden Gängen) jedes Element auf dem Teller machte absolut Sinn, schmeckte intensiv und leistete seinen Beitrag für das grosse Ganze.

Zum Beispiel diese gebratene Langustine mit dem wunderbaren Geschmack. Dieses Krustentier lag zusätzlich noch roh, in Form von Tatar, auf dem Teller. Bei dieser Zubereitungsart schmeckt man oft nur ganz wenig vom Tier – doch Caminada hat auch das im Griff und beweist, dass man mit dem richtigen Abschmecken (Estragon) einen grossen Genuss bieten kann.

Übrigens ein gutes Beispiel um zu zeigen, dass alle Elemente Sinn machen ist der unscheinbare Kreis unten auf dem Teller. Diese Crème schmeckte wunderbar nach Limone und zwar in der genau richtigen Dosierung. Das bedeutet, dass der Geschmack nicht zu stark war um damit den Goût der Languste zu torpedieren aber auch nicht zu schwach um zur Nebensächlich degradiert zu werden.

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Forelle; leicht gegart / Blumenkohl; Cous Cous, Mousse / Rote Beete; mariniert, knusprig / Grapefruit – Kohlrabi [10/10]

Die erste Sternstunde des Abends wurde in Form eines zweiten Grusses aus der Küche serviert.

Die Spielereien mit der Rande waren absolut spitzenmässig und delikat. Das Randen-Plättchen konnte man sich langsam auf der Zunge zergehen lassen und dabei träumen. Auch die restlichen Randen-Variationen brachten den Gaumen so nah an das rote Gemüse wie sonst nie – ein unglaubliches Erlebnis. Ähnliches erreichte auch der Blumenkohl in verschiedenen Formen – rein, intensiv und unvergesslich. Die Forelle aus der Region wurde durch die starken Mitspieler fast zum Nebendarsteller. Doch Dank der sanften Zubereitung (garen) zerging er förmlich auf der Zunge und war ebenfalls ein Genuss.

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Schinken; Beignet, Schaum / Senf; Eis, Vinaigrette / Kabissalat [8/10]

Wir staunten nicht schlecht als uns sogar ein drittes (!) Amuse Bouche serviert wurde. Und diese waren allesamt auf dem Niveau (Grösse und Kreativität) einer normalen Vorspeise! Trotzdem wäre es hier sicher empfehlenswert wenn man dies dem Gast vorher ankündigen würde. Es ist nämlich schade wenn das erste Glas Wein bereits leer ist aber nochmals ein Gruss serviert wird.

Bei dieser Speck- und Senf Kreationen gefiel mir das Pommery-Senf Eis am besten – es hatte einen schönen intensiven Geschmack. Aber auch die Vermischung zwischen dem Schinken, Senf und Kabis funktionierte sehr, sehr gut! Ein toller Gang wenn auch nicht mehr ganz so überzeugend wie die ersten Beiden.

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Gänseleber; Terrine, Eis, Crème brûlée [10/10]

Ein Blick auf die Uhr überrascht uns sehr, denn die ersten beiden Stunden waren wie im Fluge vergangen. Nun war es an der Zeit für den ersten Gang; respektive den ersten von zwei zusätzliche Überraschungsgänge die man für einen Aufpreis von 65 Franken ordern konnte.

Das Geld war absolut gut investiert denn diese Gänselebervariation war nicht nur das Highlight des Abends sondern gehört auch zu den besten Gerichten die ich jemals essen durfte. Es gab ein perfektes Gänseleber-Eis welches auf kleinen Apfel-Stückchen lag (Säure). Das Eis war aber nicht etwa gefroren sondern ’nur‘ sehr kalt. Somit schmolz es nicht nur traumhaft auf der Zunge sondern konnte auch sein volles Aroma entfalten. Eine weitere Zubereitungsform war die Créme Brûle. Caminada dosierte die Süsse perfekt und machte auch dieses Element absolut unvergesslich. Ebenfalls ein Traum die Leber-Terrine mit einem Hauch von schwarzer Schokolade – zum sterben gut!

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Thunfisch; Röllchen, gebraten, mariniert / Gurke; Relish, Salat / Avocado; Crème [8/10]

Das optische Highlight des Abends. Geschmacklich jedoch waren für mich die verschiedenen Tunas zu wenig ausgewogen. Uneingeschränkt überzeugen konnte mich lediglich die absolut tolle Tatar-Variante. Die Gurken waren für mein Empfinden etwas überproportioniert. Dafür war es umso erfrischender und passte gut zu diesem warmen Tag.

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Eierschwämmli / Kartoffel; Crème brûlée / Rind; Carpaccio, Tatar / Wachtelei [10/10]

Das Kartoffel Créme Brûle ist ein Signature Dish von Caminada und ist bereits seit Jahren auf seiner Karte – jeweils mit anderen Begleitern. Mal Trüffel oder Morcheln oder wie heute mit den ersten Eierschwämmchen. Wie schon beim letzten Mal waren wir sprachlos über diesen Geschmack – einfach toll dieses Aroma und die super Konsistenz. Wahrlich ein Traum!

Vor lauter Kartoffelgeschmack vergisst man fast das Fleisch. Zu Unrecht wie uns das unglaublich toll abgeschmeckte Tatar gleich danach bewies – ein toller Genuss!

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Bretonischer Hummer / Karotte; eingelegt, Purée / Wassermelone [10/10]

Der zweite Überraschungsgang war ein Hummer und zwar mit Abstand der Beste den ich jemals essen durfte. Meistens schmeckt dieses Krustentier zu fad und sogar etwas gummig. Ganz anders dieses edle Stück aus der Bretagne. Es war super frisch, perfekt zubereitet und hatte einen tollen intensiven Geschmack – richtig genial! Auch die restlichen Komponente (Wassermelone, Karotte) und der tolle Fond machen diesen Gang unvergesslich.

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Heilbutt; konfiert / Frühlingslauch / Erbse – Pak Choi / Estragoncrème [9/10]

Eigentlich hatte ich vom Heilbutt nicht viel erwartet. Zu oft wurde mir schon ein eher belangloser Fisch vor dem Hauptgang serviert. Doch Caminadas Crew gibt sich keine Blösse und zaubert auch hier ein absolut tolles Gericht. Der super zubereitete Fisch mit schönem Aroma lag an einer wunderbaren und intensiven Estragoncrème (geschmacklich wie eine Sauce Bernaise). Dazu gab es knackiges Pak Choi und Lauch. Die leichte Süsse von den Erbsen passte ebenfalls.

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Bündner Lamm; gebraten / Tomate; getrocknet, konfiert, roh / Peperoniröllchen / Harissa [10/10]

Das Lamm aus der Region ist nicht nur sehr zart sondern wurde auch in eine knusprige Marinade gepackt. Dazu gab es eine rassige Harissa-Sauce. Die Tomaten und Peperoni waren wiederum absolut spitze und eine grosse Bereicherung – jedes Element war anders in der Zubereitung und im Geschmack. Die unscheinbare Kartoffel-Créme war übrigens ein Highlight für sich!

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Käse

Andeerer Traum; Salsiz
Val Lumnezia Alpkäse 2010; Feigensenf
Val Lumnezia Alpkäse 2008; Preiselbeeren
Formagella; Apfelterrine
Suferser Ziegenkäse; Oliventapenade

Jetzt wäre die Zeit für den Auftritt eines gut sortierten Käsewagens gekommen, doch diesen gibt es auf Schauenstein leider nicht. Stattdessen gab es einen Tellerservice mit einer Auswahl von regionalen Käsen. Jeder davon wurde mit einer anderen Begleitung serviert von Salsiz über Senf bis zu einer Oliventapenade. Dazu wurde ein Stück Panforte gereicht sowie Birnenbrot.

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Erdbeere; Sorbet, Meringue / Himbeere; mariniert, gefüllt / Haselnuss; Japonaise / Mascarpone – Caramel [8/10]

Nach den vielen Amuse Bouches waren wir etwas überrascht, dass uns jetzt kein Pré-Dessert offeriert wurde. Handumkehrt standen wieder dreierlei Geschirr auf dem Tisch wovon ein Einzelnes in einem anderen Restaurant auch als Pré-Dessert durchgegangen wäre.

Der süsse Abschluss war beim letzten Besuch die einzige Schwachstelle. Heuer konnte man sich klar steigern und uns ein würdiges Dessert servieren. Wir genossen die tollen Haselnuss Japonaise und die wunderbare Caramel-Mascarpone-Créme. Dennoch konnte das Dessert nicht auf dem gleich hohen Niveau mithalten auf welchem viele der vorherigen Gerichte waren. Es war zwar super fein und abwechslungsreich, aber doch zu wenig ein Wow-Erlebnis. Gestört haben mich die leicht angelaufene Schokolade (direkt aus dem Kühlschrank?) und die absolut unreifen und dadurch sauren Walderdbeeren.

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Man fragte uns freundlich wo wir den Kaffee und die Friandises geniessen möchten; am Tisch, auf der Terrasse oder in einem der oberen Zimmer? Also liefen wir die Schlosstreppe hoch und bestaunten die beiden Räume. Im Ersten steht eine kleine Bar. Hier drin werden die Gäste bei schlechtem Wetter mit den Apéro-Häppchen verwöhnt, ein schöner und gemütlicher Raum. Wir entschieden uns aber für die Zigarren Lounge mit eigenem Humidor um noch eine Zigarre zu geniessen.

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Friandises [9/10]

Fruchtgelées / Lollies; After Eight, Brause / Pralinen; Orange, Zitrone, Caipirinha, Croquant / Marshmallows / Panna Cotta, Kirsch / Schokolade; Macarons, Schnitte / Passionsfrucht Mango

Absolut genial war die Schokoladen-Schnitte sowie das Macaron welches seine Sprüngli-Geschwister absolut alt aussehen lässt. Beim Praline gefiel mir die Version mit Croquant. Das Panna Cotta war sehr leicht und passte gut zum Abschluss. Der ganze Rest, also zum Beispiel die Gelées oder die Marshmellows waren witzig konnten mich aber bereits beim letzten Besuch nicht begeistern.

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Bevor wir das Restaurant verliessen erhielten wir alle noch eine kleine Tasche mit drei Knabbereien sowie einem kleinen Büchlein in dem die gesammelten Karten aufbewahrt waren sowie ein paar Bilder vom Schloss beinhalteten. Daneben hatte es noch viele leere Seiten die man zu Hause mit eigenen Fotos ausfüllen konnte.

Fazit: Andreas Caminada und sein Schauenstein Team haben uns 6 1/2 Stunden (!) lang auf höchstem Niveau nach Strich und Faden verwöhnt. Das Menü war grossartig in der Zubereitung, Präsentation und vor allem im Geschmack – der 3.  Michelin Stern (der einzige neue in Europa in diesem Jahr) ist absolut verdient. Ebenfalls richtig toll ist der Umfang des Menüs. Während andere Restaurants stur die 5 Gänge runterspulen zieht man hier alle Register und zündet bereits zum Apéro ein Feuerwerk. Zudem überraschte man uns mit drei genialen Amuse Bouches welche auch klar als einzelne Gänge verkauft werden könnten. Und dann noch ein Schlussbouquet zur späten Stunde welches man ungestresst irgendwo im Schloss geniessen konnte. Die 249 Franken fürs grosse Menü (respektive 314.- mit den zwei zusätzlichen Überraschungsgängen) sind absolut fair kalkuliert.

Ebenfalls ein grosses Kompliment geht an den sehr sympathischen Restaurationsleiter Oliver Friedrich. Der Deutsche stiess vor gut zwei Jahren zum Team und strotzt nur so von Enthusiasmus und weiss was Gastfreundschaft heisst. Friedrich ist zwar kein gelernter Sommelier hat sich aber schon ein sehr grosses Wissen angeeignet. Zudem betreut er die umfangreiche Weinkaurte autonom – sein Chef kümmert sich lieber um die passenden Gerichte. Die schwarz gekleidete Servicebrigade ist sehr professionell, zurückhaltend sowie locker und natürlich. Zudem agieren sie äusserst unauffällig – ich habe nicht einmal bemerkt, dass mein letzter Bissen Brot weggetragen wurde.

Dazu kommt die charmante und freundliche Art von Andreas Caminada wenn er zur später Stunde an den Tisch kommt und fragt ob es fein war. Er ist ein grossartiger Chef und eine immense Bereicherung für die ganze Gastro-Szene in der Schweiz. Er ist zwar souveräner in den Interviews geworden aber immer noch gleich bescheiden wie vor sieben Jahren als er noch als Insider-Tipp galt.

Für mich bietet das Schloss Schauenstein das grösste Genusserlebnis aller Restaurants in denen ich bis jetzt Essen durfte. Hier stimmt einfach alles. Sowohl die spitzenmässige Küche auf 3 Sterne Niveau als auch das tolle Schloss Ambiente und die unglaubliche Gastfreundschaft. Einen Dresscode kennt man nicht und auch sonst gibt es keinen Hauch von Überheblichkeit. Im Gegenteil, jeder Wunsch wird erfüllt und das auch vor dem Restaurant Besuch bei etwaigen Vorabklärungen. Denn was zählt ist das Gesamterlebnis – das oberste Credo von Caminada.

Eine Reise nach Fürstenau kann ich jedem Genussmensch wärmstens ans Herz legen. Dieser Ausflug ist zwar wegen der hohen Auslastung nicht spontan möglich aber für ein solches Erlebnis lohnt sich die achtmonatige Wartezeit (so früh muss man im Moment einen Tisch reservieren) allemal. Das Schloss Schauenstein ist für mich wie ein Traum aus dem man nie wieder aufwachen möchte.

Menü: Das Menü wurde früher monatlich geändert – jetzt nur noch angepasst. Viele Gerichte gibt es, wenn auch an die jeweilige Saison angepasst, das ganze Jahr. Die à la Carte Auswahl ist sehr klein und sehr teuer (Vorspeisen 48 – 98 Franken, Hauptgänge 78 – 98 Franken, Desserts stehen keine zur Auswahl). Grundsätzlich wird aber für fast alle Besucher das Menü im Mittelpunkt stehen und das kostet in 3 Gängen 198.- / 4 – 215.- / 5 – 230.- und 6 Gängen 245.-. Für einen Aufpreis von 65 Franken gibt es noch zwei zusätzliche Überraschungsgänge. Dabei kann jeder am Tisch selber entscheiden wie viele Gänge er essen möchte – die verbreitete Regel „muss Tischweise bestellt werden“ kennt man hier nicht. Ebenfalls ist es kein Problem irgendwelche Gänge zu tauschen. Falls man nicht alles isst, verlangt man am besten im Voraus die Menü-Karte und meldet ein paar Tage im Voraus was man nicht mag. Dann bekommt man vor Ort auch gleich das angepasste Menü. Zu allen Menüs gibt es die Apéro-Häppchen, 3 (!!) Amuse Bouches sowie Friandises. Unser Besuch dauerte 6 1/2 unvergessliche Stunden!

Wein: Neben einer Grossen Weinkarte (ca. 600 Positionen) gibt es auch zu jedem Gang eine Weinempfehlung. Diese beschränkt sich jeweils aufs Bündnerland. Die Preise sind recht hoch kalkuliert. Die Weinbegleitung wurde gut gewählt. Der Chardonnay von Gian-Battista war ausgezeichnet. Auch der Süsswein von Markus Stäger zur Entenleber war ein Highlight. Der Pinot Noir von Jann Marugg konnte nicht alle am Tisch begeistern. Auch der „Schweizer Port“-Vintage vom Weingut Donatsch überzeugte nicht ganz.

Unsere Weinbegleitung:

Markus Stäger, S 88 Scheurebe 2010, Maienfeld – Bündner Herrschaft

Peter Wegelin, Sauvignon Blanc 2009 , Malans – Bündner Herrschaft (18.-  für 1 dl)

Gian-Battista von Tscharner, Pinot Blanc / Chardonnay 2009, Reichenau – Bündner Herrschaft (18.- für 1 dl)

Manfred Meier, Chardonnay 2008, Zizers – Graubünden (18.- für 1 dl)

Jann Marugg, Pinot Noir Reserve 2008, Fläsch – Bündner Herrschaft (22.- für 1 dl)

Weingut Donatsch, Vintage 2009, Malans – Bündner Herrschaft (15.- für 5 cl)

Martha & Daniel Gantenbein, Riesling 2008, Fläsch – Bündner Herrschaft (14.- für 5 cl)

Dass man uns zum Apéro auf Anhieb keinen Weisswein anbieten konnte überraschte uns sehr. Man hätte uns zwar eine Flasch geöffnet, wir griffen aber anstandshalber zum angebotenen Rosé.

Online: Die Website ist nicht Smartphone freundlich da sie ausschliesslich auf Flash basiert. In meinen Augen sind die Fotos der Speisen nicht glücklich gewählt denn das was uns Serviert wurde sah viel besser aus als die Beispielfotos auf der Homepage. Ebenfalls fehlt mir das aktuelle Menü. Klar, das Restaurant ist für die nächsten 8 Monate ausgebucht aber trotzdem hätte man gerne einen Einblick um zumindest den virtuellen Hunger zu stillen.

Tipp: Zum Übernachten kann man auch gleich eines der schönen Zimmer im Schloss buchen (370.- bis 660.- / Frühstück + 39.- p.P.). Wer das nötige Kleingeld nicht hat dem empfehle ich das Hotel Weiss Kreuz in Thusis. Es steht lediglich vier Autominuten vom Restaurant entfernt.

Das Bündnerland ist wunderschön deshalb empfiehlt es sich bereits einen Tag früher anzureisen. Dann kann man am Morgen die atemberaubende Bernina Express Tour machen und am Abend bei Andreas Caminada essen..

Wertung: Gourmör Michelin Gault-Millau

Auszeichnung:      

(Besucht im September 2011)

The Sportsman, Seasalter (GB)

Südosten von England. Die Landschaft ist karg und rau aber auch sehr idyllisch. Hätten wir diesen Restaurant-Tipp nicht von verschiedenen Quellen erhalten wären wir überzeugt gewesen uns verfahren zu haben. Kann hier draussen wirklich noch ein Gourmet-Refugium auftauchen? Das Navigationssystem weiss irgendwann auch nicht mehr weiter und so fährt man die enge Strasse mutig weiter und hält währenddessen Ausschau nach einem Pub in dem anscheinend ein Besessener kochen soll.

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Steve Harris heisst er. Der Brite hat zwar keine Kochausbildung doch sein Talent und Willen sind gross. Er bezieht wenn immer möglichst alle Produkte aus der Region und stellt vieles selber her – zum Beispiel die geniale Seegras-Butter – aber dazu später mehr. Wir hatten an einem schönen Mittwochabend einen Tisch reserviert und bereits bei der Reservation das Tasting Menü bestellt. Dies muss man im Voraus tun sonst muss man sich mit der einfacheren à la carte Auswahl begnügen. Der Empfang war sehr herzlich und wir waren sehr gespannt auf die Küchenleistung.

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Pork scratchings / Senf / Fish & Apple [-/10]

Das Menü startete mit ein paar Apéro-Häppchen. Das frittierte Schweinefett war leider zu trocken, der Senf zu süss und die Fisch-Spiesse hatten überhaupt keinen Geschmack da das leichte Apfel- und Fischaroma durch das zu dicke Brot übertönt wurde.

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Oyssters [5/10]

Die sehr schön präsentierten Austern hatten kein Eigenaroma und konnten deshalb nicht begeistern. Stattdessen hatte die feine Beurre blanc ihren Auftritt. Der Kaviar war leider keine Bereicherung da dieser von zu schwacher Qualität war.

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Oysters [5/10]

Die zweite Variante wurde pochiert serviert und hatte ein schönes Eigenaroma. Die gehackten Kräuter passten gut dazu.

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Bread, home-churned butter with Seasalter salt

Das Brot wäre auch zu Hause überdurchschnittlich. Hier in England gilt solches Gebäck als Highlight und wurde uns sogar als separaten Gang serviert. Uns begeisterte vor allem die Variante mit Zwiebeln und Rosmarin, sehr frisch und fein. Dazu die selbstgemacht Butter – lecker!

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Chilled beetroot soup [7/10]

Nach dem eher enttäuschenden Auftakt gab es ein erster Lichtblick in Form einer wunderbaren Randensuppe und einem kleinen Randenküchlein mit dezenten Curry-Geschmacksnuancen – sehr harmonisch und fein!

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Slip sole grilled in seaweed butter [8/10]

Das Team um Steve Harris sammelt am Strand das angeschwommene Seegras um daraus diese tolle Butter zu machen in der nun die Seezunge serviert wurde. Der Fisch war extrem frisch und wurde samt Gräten aufgetischt. Das Fleisch lies sich ganz einfach lösen und zusammen mit der tollen Butter geniessen. So simpel, so genial.

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Crude, Zucchetti [-/10]

Aus diesem Zwischengang wurden wir überhaupt nicht schlau. Dünne Zucchetti Streifen mit drei kleinen Crudo Stückchen. Es passte weder zusammen, noch schmeckte es besonders. Es war einfach ein Mini-Happen den man schon vor dem runterschlucken wieder vergessen hatte.

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Braised turbot with smoked roe [7/10]

Zum Glück servierte man uns hier nochmals einen Fisch – perfekt zubereitet, super in der Konsistenz dazu eine passende leichte Paprika Sauce. Sehr, sehr fein und von bester Qualität.

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Mint [-/10]

Die Achterbahnfahrt ging wieder Richtung Boden. Paniertes (leicht zähes) Lammfleisch welches man in die Minzensauce dippen konnte. Es schmeckte nach Paniermehl mit frischer Minze – also das ist definitiv nichts wovon man ins schwärmen kommt.

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Roast lamb from monkshill farm [5/10]

Das Lamm, dessen Fleisch nun vor uns lag, hatte zu Lebzeiten lediglich ein paar hundert Meter vom Restaurant entfernt geweidet. Schon toll wenn man so regional kochen kann. Das Fleisch war leider etwas zu geschmacksneutral – beim Lammfleisch möchte ich gerne schmecken, dass es von diesem Tier stammt. Viel besser gefiel mir das kleine Stück von der geschmorten Schulter, das hatte ein tolles Aroma und war Butterzart. Das gereichte Gemüse war fein, der Kartoffel überzeugte ebenfalls.

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Cherry ice lolly in milk [-/10]

Gefrorener Kirschensaft wie wir es früher bei der Grossmutter gemacht hatten. Leider löste sich hier das Eis zu schnell von den Stäbchen und fiel in die Milch. Auch hier wurde ich nicht schlau weshalb uns dies hier aufgetischt wurde.

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Grilled plum with kernel ice cream [5/10]

Das Glacé stammt vom Zwetschgen-Kern, das Gebäck war schön feucht und schmeckte nach Mandeln. Ein feines und einfaches Dessert zum Schluss welches das vorhergehende Menü passend abschloss.

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Friandises [5/10]

Zum Abschluss noch schön zubereitete Kreation von diversen Desserts. Diese waren alle zwischen ok und fein. Am Besten war das Tiramisu.

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Fazit: Wir genossen einen schönen Abend im ‚The Sportsman‘. Das Essen konnte leider nicht durchgängig überzeugen und war ein ständiges auf und ab zwischen Banalität und Begeisterung. Begeisterung zum Beispiel für die frischen Fische welche lediglich von einer leichten Sauce oder Butter begleitet wurden. Auch der Fleischgang und die Randenkreationen gefielen uns, doch der Rest war weit hinter den Erwartungen zurück und oft sogar belanglos.

Das Menü wird für eigentlich faire 71.50 £ angeboten. Ich würde dieses Geld aber lieber nochmals in Torquay ins Menü investieren. Da gab es zwar nicht so viele Gänge dafür waren alle sehr überzeugend, also Qualität statt Quantität.

Eine Goldmedaille bekommt das ‚The Sportsman‘ von uns aber auf jeden Fall noch verliehen: es war der angenehmste Restaurantbesuch während unserer Reise durch Südengland. Ein sehr freundlicher und zuvorkommender Service, sehr ruhig und sehr stimmig. Das Pub war bei unserem Besuch etwa zur Hälfte gefüllt.

Eine weite Anreise zum Pub lohnt sich nicht, wer aber in der Nähe ist bekommt für 71.50 £ ein feines Überraschungsmenü serviert.

Menü: Auf grossen Schiefertafeln wird das à la carte Angebot angepriesen. Die Preise sind auf normalem Pub-Niveau (Hauptgang ca. 15 £). Falls man das Tasting Menü genissen möchte muss man dies bei der Reservation anmelden (mind. 24 Stunden vorher). Leider wird das Tasting Menü an Samstagen nicht serviert. Das Essen dauerte angenehme 3:10 Stunden.

Wein: Ein Wine pairing wird nicht angeboten (müsste man unbedingt verbessern!) so wählten wir aus der schönen Weinkarte selber aus.

Online: Die Website bietet einige Infos. Das aktuelle Speiseangebot findet man darauf aber leider nicht.

Wertung: Gourmör  / Michelin

(Besuch im Juli 2011)

Château Gütsch, Luzern

Seit unserem begeisterten Besuch vor zweieinhalb Jahren hat sich einiges getan. Das junge Kochtalent Fabian Inderbitzin ist nach Hergiswil ins Belvédère weitergezogen und das ‚Château Gütsch‘ ist trotz Baubewilligung in einen Dornröschenschlaf gefallen. Während ganz Luzern sich immer noch fragt wann und ob jemals wieder Gäste im weissen Schloss übernachten, hat der sympathische Hoteldirektor des Hotel Montana, Fritz Erni, die Ärmel nach hinten gekrempelt und das Märchenschloss aus seinem Tiefschlaf geküsst.

Erni handelte mit den Gütsch Verwaltern einen Vertrag aus welcher es ihm erlaubt, das vor vier Jahren renovierte Restaurant bis Ende Mai 2012 zu betreiben. Nach dem medial gefeierten Vertragsabschluss hatte Erni gerade einmal vier Wochen Zeit um ein Team auf die Beine zu stellen um auf 440 Meter ob Luzern die Gäste zu bewirten. Etwas überraschend, es sollen keine Gourmet-Gerichte serviert werden sondern eine einfache, bodenständige Kost. Dieser Entscheid lag auf der Hand, denn innerhalb von vier Wochen ein neues Team zusammen zu stellen welches auf hohem Niveau kocht ist nahezu unmöglich. Zudem wird man kein Punkte Koch mit einer Kündigungsfrist von einem Monat finden der auch noch bereit ist einen auf 9 Monate befristeten Vertrag zu unterschreiben.

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Um das Küchen- und Service-Team auf die Beine zu stellen akquirierte Erni ehemalige Montana Mitarbeiter. So auch den 29 jährige  Bündner Flavio Neuhäuseler für den Posten als Küchenchef . Für den HCD-Fan ist dies das erste Mal an der Spitze eines Gastronomiebetriebs. Auch der Gastgeber Rico Haus und seine Frau arbeiteten früher im wunderschönen Hotel Montana bevor sie in Asien Restaurants führten und sich jetzt für das Abenteuer Gütsch verantwortlich zeichnen.

Das Marketing-Team um Simone Staubli macht bereits fürs Montana einen sehr kreativen Job. Um die Neueröffnung des ‚Château Gütsch‘ in die Medien zu bringen suchte man 50 Vorkoster die, wie auf einem Schloss üblich, diverse Gerichte vor den eigentlichen Gästen probieren. Die Presse nahm diese witzige Idee auf und man konnte in einem grossen Artikel lesen, wie man sich als Vorkoster bewerben kann. Nach eigenen Angaben hatten sich über 1’700 Personen für eine solche Stelle beworben. Wir waren unter den Glücklichen und folgten der Einladung.

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Während man der mitreissenden Ansprache des Fritz Ernis lauschte, die wunderschöne Aussicht auf die Leuchtenstadt genoss, die sehr hohen Räume bestaunte und unter den geladenen Gästen auch einen prominenten Koch (Chrüster-Oski, ehemaliger 17 Punkte Koch) erspähte, servierte man uns zu einem wunderschönen Glas Petit Arvin aus dem Wallis verschiedene

Apéro-Häppchen [-/10]

Die beiden Häppchen – einmal mit Hüttenkäse und einmal mit Tomatenpesto – lagen auf einer knusprigen, dünnen Brotscheibe und demonstrierten, dass auch einfache Kombinationen sehr fein sein können. Die Knusperstange mit dem umwickelten Schinken war dagegen belanglos. Das Triangel-Toast mit Lachs war enttäuschend – der Fisch zu kalt und das Brot ungetoastet.

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Danach wurden wir in den schönen Speisesaal, ins eigentliche Restaurant geführt. Der Tisch in der zweiten Reihe bot keinen Ausblick über die Stadt. Deshalb ist es empfehlenswert beim reservieren explizit zu erwähnen, dass man einen Tisch direkt am Fenster mit Aussicht haben möchte.

Wir durften uns aus jeweils zwei Varianten ein vier gängiges Menü zusammen stellen.

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Brot mit zweierlei Aufstrich [-/10]

Das Brötchen fühlte sich an als hätte man es frisch gebacken, über Nacht in einen Plastiksack gesteckt und es am Morgen wieder raus genommen. Es war nämlich nicht knusprig sondern weich. Das Oliven-Öl war fein, der gesalzene Butter-Schaum hatte leider viel zu viel vom weissen Gold abbekommen. Der tolle Paprika-Schaum konnte zum Glück fast alles wieder wett machen. Dieser war super gut abgeschmeckt!

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Kräuter Mille Feuille von geräuchertem Lachs, mit Meerrettichmousse im Glasan Honig-Senfsauce, serviert mit Toast [-/10]

Die erste Aufmerksamkeit galt dem nur halbherzig gegrillten Toast welcher dadurch schon wieder völlig missriet. Das Meerrettichmousse war toll umgesetzt und passte sehr gut zum geräucherten Lachs. Die Qualität des Fisches war passabel. Das Mille Feuille war eine tolle Idee konnte aber sein Kräutergeschmack nicht entfalten. Für eine 22 Franken Vorspeise doch eher enttäuschend.

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Tagliatelle mit Artischocken, Junglauch und Wintertrüffel [5/10]

Der beste Gang des Abends. Ein gut gefüllter Vorspeiseteller mit wunderbaren al dente gekochten Tagliatelle welche mit Lauch und aromatischen Artischocken verfeinert wurden. Der Wintertrüffel hätte man sich sparen können. Dieser hatte überhaupt keinen Geschmack und deshalb auf dem Teller nichts zu suchen. Preis 21 Franken (29.- als Hauptgang).

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Kalbsgeschnetzeltes „Château Gütsch“ serviert Rösti [-/10]

Ein „Züri-Gschnätzlets“ kann so etwas feines sein. Das was uns hier serviert wurde viel aber gnadenlos durch. Das grösste Manko war das Fleisch welches fast ausschliesslich aus zähen Fleischstreifen bestand und deshalb ungeniessbar war. Dazu kam eine extrem fade und uninspirierte Sauce. Die Rösti hatte im wahrsten Sinne des Wortes zwei Seiten. Zum einen eine feine knusprige und zum anderen eine zu wenig gebratene Unterseite. Vermutlich hat man die Rösti vor dem servieren geteilt. Wäre ich hier nicht eingeladen gewesen, hätte ich den Teller zurück gegeben – für stolze 44 Franken muss ein solches Gericht tadellos serviert werden.

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Tarte Tatin mit Zimtglace und Vanillesauce [-/10]

Das Zimtglace war zwar extrem kalt aber trotzdem sehr fein im Geschmack. Der Schokoladenkuchen-Ring erfüllte zwar seinen dekorativen Zweck, geschmacklich war er aber zu klebrig in der Konsistenz. Das Tarte Tatin ging knapp in Ordnung auch wenn der Boden zu viel Flüssigkeit aufzog und dadurch pampig war.

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Fazit: Wenn man mit dem Auto zum Gütsch fährt sieht man die weniger beeindruckende Rückseite des Schlosses. Spätestens wenn man aber die ersten Schritte durch das alte Gebäude macht springt der Funke auf den Gast über. Ich freute mich deshalb sehr als ich hörte, dass man dem ‚Château Gütsch‘ neues Leben einhauchen wird. Die Information, dass man mehrheitlich einfache Gerichte servieren wird, liess mich dann doch etwas skeptisch werden. Ob ganz simple Gerichte in ein solch edles Restaurant passen?

Nach dem Besuch kann ich sagen: Nein! Es wirkt auf mich sehr befremdend wenn der gehobene Service – mit der linken Hand hinter dem Rücken und elegant gekleidet – eine Bratwurst mit Zwiebeln auf den Tisch stellt. Das ist das Selbe wie wenn man an der Dönerbude um die Ecke eine Entenleber-Variation serviert – beides kann super toll schmecken aber es passt nicht zum jeweiligen Setting.

Grundsätzlich ist es sehr schwer gegen ein solches Restaurantambiente und seine tolle Aussicht, mit dem Essen zu glänzen. Dem letzten Koch, Fabian Inderbitzin, ist dieses Kunstwerk geglückt. Damals hat man bereits während dem essen des ersten Gangs die beeindruckende Aussicht vergessen. Dass es der neue Koch beim jetzigen Konzept viel schwieriger hat liegt auf der Hand. Er hat nur eine Chance und zwar, diese einfacheren Gerichte überzeugend zu kochen – denn auch ein liebevoll zubereitetes Kalbsgeschnetzeltes mit Rösti kann glücklich machen.

Bei unserem Besuch wurde diese Leistung leider nicht geboten. Im Gegenteil, die Küche wies zu viele kapitale Fehler auf. Natürlich ist es mir bewusst, dass man mit einem frisch zusammengewürfelten Küchenteam nicht schon am ersten Abend Höchstleistungen erzielen kann. Aber zähes Fleisch in einem 44 Franken Gericht darf nicht sein. Zudem kann ich mir nicht vorstellen, dass die Sauce innert kürzester Zeit vom Niveau „fad und langweilig“ zu „intensiv und spannend“ verbessert werden kann.

Übrigens, das Kalbsgeschnetzelte war nicht das Einzige was den Gästen nicht mundete. Ich habe noch nie erlebt dass in einem Restaurant so viele unausgegessene Teller in die Küche zurückwanderten. So gaben viele die Salzkartoffeln zurück und auch über das zähe Tafelspitz beklagten sich Testesser am Nachbarstisch.

Der Service war bemüht und freundlich, hatte am Probeabend aber noch grosse Schwachstellen. So warteten wir zwischen den einzelnen Gängen bis zu 46 Minuten (!) und der Espresso wurde uns erst 35 Minuten nach dem Dessert offeriert – als wir bereits aufgestanden waren. Ich bin aber zuversichtlich, dass man dieses Problem noch in den Griff kriegt da die einzelnen Mitarbeitern bereits jetzt auf einem guten Niveau arbeiten.

Ich bin überzeugt, dass das ‚Château Gütsch‘ bis Ende Mai mit diesem Konzept erfolgreich sein wird – denn viele Luzerner freuen sich auf ein Erlebnis im Gütsch – langfristig wird man hier aber nur erfolgreich wirten wenn man neben Aussicht und Ambiente auch Höchstleistungen auf den Teller zaubert.

Uns hat dieser Abend 103 imaginäre Franken gekostet. Für den selben Preis bekommt man im Hotel Montana eine vergleichbar tolle Aussicht, ein schönes Restaurant und ein richtig tolles Menü in 5 Gängen. Wer jedoch unbedingt wieder einmal Gütsch-Luft schnuppern möchte sollte am besten noch ein paar Wochen mit der Reservation zuwarten. Bis dahin werden die einzelnen Zahnräder hoffentlich besser greifen und dann dem Gast auch kulinarisch ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.

Menü: Das Speiseangebot beschränkt sich auf eine gut sortierte à la carte Auswahl. Man hat die Wahl aus sieben Vorspeisen (12 – 28 Franken) elf Hauptgängen (25 – 57 Franken) und eine handvoll Desserts (15 – 18 Franken). Ein Menü wird nicht angeboten. Unser Restaurantbesuch dauerte 2:30 Stunden wovon einen Grossteil der Zeit fürs lange Warten verstrich.

Online: Auf der Homepage findet man die wichtigsten Informationen, also Speise- und Weinkarte. Fotos von den einzelnen Speisen sind nicht aufgeschaltet.


Wertung:
Gourmör