Petit Palais (Chateau Gütsch), Luzern

Seit dem letzten Jahr ist das schöne Schloss Chateau Gütsch, hoch über Luzern wieder geöffnet. Das Hotel wird zwar erst noch gebaut aber das Restaurant Petit Palais läuft bereits auf Hochtouren. Zur Eröffnung war es sicher ein cleverer Schachzug die „Neuentdeckung des Jahres 2008“ des GaultMillau, Fabian Inderbitzin, als Koch zu verpflichten. Der 27 Jährige ist der Anfrage gefolgt und hat seine stolzen 15 GaultMillau Punkte von Kastanienbaum nach Luzern gezügelt. Wir waren natürlich gespannt was der junge Koch kann und freuten uns auf seine Kochkunst mit dem asiatischen Touch.

Die Fahrt zum Schloss hat es in sich, innert wenigen Minuten gewinnt man an Höhe und bekommt einen immer besseren Blick auf die schöne Stadt Luzern. Wir sahen die Stadt in den letzten Sonnenstrahlen des Tages und besuchten zuerst die Aussichtsplattform. Hier sieht man auch, dass man vor der Eröffnung des Hotels noch einiges zu tun hat, denn ein Landschaftsgärner ist noch nicht angestellt. Beim Restaurant angekommen ist der alte Glanz aber zurück. Ein unendlich lang scheinender Gang mit rotem Teppich begrüsste uns. An dessen Ende stand eine sehr freundliche Dame und nahm uns die Gardarobe ab. Anschliessend wurden wir in das schöne Restaurant gebracht. Dank frühzeitiger Reservation – das ist zwingend, das Restaurant war voll – konnten wir uns einen Tisch direkt am Fenster ergattern. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass die schöne Aussicht auf die Stadt, vom Gütsch-Team gewaltig in den Schatten gestellt wird…

Der Service ist sehr freundlich und zuvorkommend. Wenn man von der Toilette kommt, steht schon wieder jemand vor dem Tisch und hilft einem beim Absitzen. Ein rundum Wohlfühlprogramm ohne, dass das Ganze zu snobbig ist. Denn der Service ist sehr gut gelaunt und lächelt sich auch untereinander an. Hier herrscht gute Stimmung. Vielleicht ein bisschen zu gut, denn der Service müsste eigentlich merken wenn der letzten Tropfen Wasser ausgeschenkt wurde und man eine weitere Flasche anbieten sollte.

Wir haben uns für das 5-Gang-Menü entschieden. Schon bald kam Restaurationsleiter und Sommelier Mathieu Zimmermann – er macht einen super Job! – und empfahl uns einen sehr passenden Wein. Gleich folgte auch das zweiteilige Amuse Bouche. Ein Lachsröllchen und ein kleines Rüeblisüppchen. Die Beiden Grüsse aus der Küche schürten unsere Vorfreude weiter denn sie schmeckten sehr gut. Schon hier spürte man, die verschiedenen Geschmäcker was sich im Gaumen richtig entfaltete.

Der erste Gang wurde serviert. Ich erhielt eine „Tranche von der Entenlebererrine mit Mango und Sesamgebäck“ – wunderschön angerichtet, wie übrigens alle anderen folgenden Gänge auch. Die Mango war asiatisch gewürzt und die Leber schmeckte fein. Auf der Leber lag noch eine kleine, feine Kugel Mangosorbet. Umso mehr weil noch ein paar warme Brötchen serviert wurden. Meine Freundin isst, wenn möglich, keine Innereien und hat deshalb den ersten Gang gegen „Mit asiatischen Aromen parfümierter schottischer Lachs mit Avocado und Gewürz-Espuma“ getauscht, ein grosser Genuss, auch wenn man – selbstverständlich – den eigentlichen Lachs nicht mehr Geschmeckt hat. Das Auswechseln des Ganges war übrigens überhaupt kein Problem „Selbstverständlich“ meinte der zuvorkommende Zimmermann mit einem freundlichen Lächeln.

Zwischen jedem einzelnen Gang gab es eine angenehme Pause. Jetzt trug das Servicepersonal die Suppe auf „Pastinaken-Petersiliensuppe mit gebackenem Freilandei“. Zuerst stand nur ein gebackenes Ei, also ein 4 Minuten Ei mit einer feinen Kruste drum rum auf dem Teller und der Service leerte die grüne Suppe in die Schale bis das Ei von der Suppe umzingelt wurde – wie ein Eisberg im Meer. Auch dieser Gang war super. Die Suppe sehr gut abgeschmeckt das Ei nicht nur eine Dekoration sondern ein tolles Ess-Erlebnis – knusprig aussen innen noch ganz leicht flüssig.

Nun wurde eine „Pochierte Tranche vom Atlantik Steinbutt mit Zitronen-Velouté, Paprika-Chutney und Blattspinat“ aufgetragen. Hier zeigte Inderbitzin was er kann, jeder Bissen war wie ein kleines Aromafeuerwerk im Mund. Alles war super gewürzt. Solch feinen Blattspinat habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gegessen.

Die Vorfreude auf den Hauptgang stieg weiter. Das „Zart gebratene Carré vom Knochengereiften Holzen-Kalb mit Pfefferjus, Safran-Gnocchi und Mangold“. Wir hatte uns vor allem auf die Safran-Gnocchi gefreut, diese vielen aber leider – als Einziges an diesem Abend – ab. Der Safran-Geschmack war zwar erahnbar, aber zu fad. Zudem waren die Gnocchi zu weich, besser gesagt fast flüssig. Das Carré war leider auch nicht mehr ganz Zart, geht aber gerade noch durch. Umso besser war das, in Mangold eingewickelte Capuns, eine Spezialität aus dem Bündnerland – ein Highlight und damit überzeugt auch dieser Gang.

Jetzt gab es noch einen kleinen Gruss vom Pattisseur. Leider haben wir auch beim zweiten Nachfragen nicht verstanden um was es sich dabei handelte. Der Indische(?)-Mitarbeiter der uns das kleine Dessert brachte hat man nämlich nicht verstanden. Das kleine Eis hatte zwar einen speziellen Geschmack war aber sehr lecker.

Jetzt kommt das Grande Finale: „Millefeuille von der „Rio Huimbi“ Schokolade aus Ecuador mit Kokos-Ananas Eis“. Auch dieser Gang eine optische Offenbarung, aber auch Geschmacklich eine Wucht. Auf dem Millefeuille thronte noch ein Stückchen Blattgold und die schwarze Schokolade wechselte sich mit Schokoladenmousse ab, bevor man unten auf den knusprigen Boden traf – toll. Noch besser war jedoch das feine Glace. Ich verstehe zwar nicht weshalb man auf der Karte nicht schreibt „Pinã Colada-Eis“ – denn Kokos und Ananas wurde gemischt, aber das Glace war super lecker und passte vorzüglich zur dunklen Schokolade. Im Eis steckte noch eine getrocknete Scheibe Babyananas und ein knackiges Stück Kokosnussfleisch.

Zum Kaffe gab es noch diverses selbst gemachtes Gebäck und zu guter Letzt kam der Service noch mit Hausgemachten Pralinen vorbei. Wären die Pralinen nicht so gut gewesen, hätten wir sie stehen gelassen, denn unsere Bäuche waren voll. Hier wäre es schön, wenn man den Gästen die feinen Pralines in einem schönen Karton mit nach Hause geben würde damit man am nächsten Tag nochmals ein Hauch vom Petit Palais erleben könnte.

Abschliessend noch einmal ein riesen Kompliment an die Küche für das tolle Essen und das wunderschöne Anrichten und auch ein grosses Lob an den gehobenen aber nicht abgehobenen Service – wir hatten uns noch nie in einem Restaurant so wohl gefühlt. Wenn Inderbitzin so weiter macht, sage ich ihm für die nächsten 3 Jahr einen Michelin Stern voraus. Auch der 16 GaultMillau Punkt wäre hier angebracht, noch mehr als in Blatten bei Malters (Krone). Dort hatten wir zwar auch sehr gut (!!) gegessen, aber die Küche im Petit Palais ist durchdachter, spannender und eine grössere kulinarische Offenbarung. Das Ganze gibt es übrigens zu fairen Preisen, das 5-Gang-Menü kostet 115 Franken. Übrigens, der Gütsch ist für Jedermann der sich verwöhnen lassen will. Man muss also nicht mindestens 50 sein und eine Krawatte tragen!

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