El Celler de Can Roca in Girona (Spanien)

Nun stehen wir also vor dem „besten Restaurant der Welt“, dem El Celler de Can Roca in Girona. Diese Auszeichnung ist für einen Gastronom Fluch und Segen zugleich. Segen weil man sich für die nächsten Monate und Jahre keine Sorgen um den Buchungsstand machen muss – Fluch weil die Erwartungen der weltweit angereisten Gäste unglaublich hoch sind.

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Wir haben uns zum Glück mit der besagten Liste lange genug auseinandergesetzt um zu wissen, dass wir heute Abend vielmehr im „angesagteste Restaurant“ der Welt speisen und nicht zwingend im Besten. Entsprechend erwarten wir nicht per se unser bestes Esserlebnis – auch wenn wir selbstverständlich nichts dagegen einzuwänden hätten.

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Unsere Reservation ist bereits zehn Monate alt. Damals, noch vor der bekanntgabe der Rangliste, war es wesentlich einfacher an einen Tisch zu kommen. Heute ist das Restaurant nach eigenen Angaben elf Monate im Voraus ausgebucht.

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Unser Auto parkieren wir direkt hinter dem grossen Anwesen. Auf der anderen Strassenseite sehen wir das ehemalige Restaurant. Da wirkten die drei Roca Brüder seit 1986, bevor man vor sechs Jahren in dieses neue, moderne Gebäude umzog. Die Biografie von Joan, Josep und dem jüngsten Bruder Jordi ist eine Erfolgsgeschichte. Im Zentrum steht der älteste Sohn Joan, der mit seiner Brigade seit 2009 mit 3 Michelin Sternen ausgezeichnet wird. Unterstütz wird er von Jordi, der seinen grossen Bruder als Pâtissier mit süssen Kreationen unterstützt. Bruder Josep kümmert sich indessen als Sommelier um die 2’800 Positionen umfassende Weinkarte.

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Vor dem Restauranteingang ist eine gemütliche Lounge eingerichtet. Hier würden wir jetzt wohl sitzen, hätten die dunklen Wolken nicht vor ein paar Stunden den ersten Regen seit Wochen nach Girona gebracht. Uns solls recht sein, harmonieren heisse Sommertage und Fine Dining sowieso nicht miteinander.

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Hinter der hölzernen Restauranttür treffen wir auf einen strahlend weissen Raum. Die Dame hinter dem Desk prüft unsere Reservation und begleitet uns dann in den Speiseraum. Dieser ist um eine dreieckige Verglasung gebaut in der hohe Bäume stehen. Die Architektur ist nicht zufällig. Denn vieles dreht sich hier um die Zahl Drei – drei Brüder, drei Weinkarten, drei Beine im Logo und auch die drei Steine, die auf jedem der sehr gut beleuchteten Tische, liegen. Das restliche Licht ist gedämpft. Unserer Meinung nach die perfekte Lichtwahl für ein Restaurant, in dem die Gerichte die Hauptrolle spielen.

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Die gereichte Speisekarte offenbart uns die zwei Möglichkeiten für heute Abend. Das Menu „Degustacio“ sowie das umfangreichere Menu „Festival“. Die Wahl fällt – man ist ja schliesslich nicht jeden Tag hier – auf das Grössere der beiden. Nun fährt ein Sommelier, es ist nicht der Chef Josep (dieser kümmert sich gerade um eine Gruppe Japaner, die im VIP-Bus angereist sind), einen kleinen Holzwagen an unseren Tisch. Darin finden wir jeweils ein Buch (!) für Weissweine, Rotweine und Champagner. Extrem umfangreich, wir würden gerne stundenlang darin blättern, doch dafür ist weder Zeit, noch genügend Platz auf unserem Tisch, denn in der Zwischenzeit steht darauf ein kleiner Olivenbaum…

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Caramelized Olive [5/10]

Ein Evergreen hier im Restaurant. Am Baum hängen grüne Oliven. Diese sind knusprig caramelisiert und offenbaren im Innern eine herzhafte Anchovie-Füllung. Ein netter Einstieg in den Abend.

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The World [6/10]

Weiter geht es mit einer kulinarischen Weltreise. Diese führt uns in sieben Länder, welche kürzlich von den Rocca-Brüdern bereist wurden. Beeindruckend, jedes der Häppchen ist geschmacklich eindeutig dem jeweiligen Land zuzuordnen.

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Crispy Shrimp // Carpano bombon // Zucchini’s omelette  [5/10]

Vier weitere Snacks werden serviert. Im Gegensatz zur vorherigen Weltreise, haben diese thematisch keinen Zusammenhang. Sehr gut gefällt uns der Zuccini-Ravioli, aber auch der knusprige Garnelen-Cracker überzeugt mit seiner puristischen Art. Die Kaktusblüte mit Zitrus-Gelée und die hauchdünnen Pralinen, mit der unangenehmen Füllung, sind da weniger erinnerungswürdig.

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Truffled bonbon // Truffled brioche [7/10]

Weiter geht es mit Kreationen vom Perigord- und Albatrüffel. Den Schwarzen gibt es als knuspriges Bonbon, den Weissen, verpackt in einem tollen Gebäck, als himmlische Füllung.

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Brot

Nach den Snacks wird uns eine umfangreiche Brotauswahl angeboten. Das Brioche ist besonders gut, aber auch das Rotwein-Brot ist ein Genuss. Durch das eher hohe Tempo des bevorstehenden Menüs, werden wir aber nicht gross zum Brotessen kommen.

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Vegetable stock with sprotus, flowers, leaves und fruits [-/10]

Das erste Gericht aus dem eigentlichen Menü lässt und etwas besorgt zurück. Die zu Gelée verarbeitete Gemüsebouillon geriet zu salzig und das wenige Gemüse auf dem Teller ist geschmacklich total langweilig. Hier fehlt es offensichtlich an Intensität und Qualität.

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Elderflower infusion, cherries with Amaretto, gingered cherris and smoked eel [7/10]

Das zweite Gericht ist nicht nur optisch viel ansprechender, sondern auch geschmacklich um Längen besser. Eine sehr erfrischende, runde Kombination, mit fruchtig-bitteren Elementen. Herausragend der geräucherte Aal, welcher sich überraschend gut ins Gericht einfügt und diesem den letzten Kick gibt.

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White asparagus and truffle viennetta [6/10]

Uns erinnert die Präsentation zwar eher an einen Käse als an das „Viennetta“ (ein Eisprodukt von Unilever) aber egal, Hauptsache der Geschmack stimmt – und das tut er ohne Zweifel. Das Spargelaroma ist äusserst intensiv – so wie man es leider nur ganz selten schmeckt.

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Charcoal-grilles cheeks of sardine with green sauce [-/10]

Die gut zubereiteten Sardinen liegen in einer dickflüssigen Kräutersauce. Dem Gericht fehlt jegliche Raffinesse und ist dann auch gleich wieder vergessen. Wir würden dieser Teller dann auch eher in einer kleinen spanischen Taverne erwarten, als hier im 3 Sterne Restaurant.

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Salad of Sea Anemone, Razor-Clam, Royal Cucumber and Seaweed in escabèche [8/10]

Eben noch puristisch, wird es nun um einiges komplexer. Mit einer überdimensionalen Pinzette verkosten wir verschiedene, dünn aufgeschnittene Häppchen aus dem Meer. Unten im Schälchen stossen wir auf eine ausgezeichnete Sauce, welche mit den Meeresfrüchten hervorragend korrespondiert und dem Gericht einen asiatischen Touch verleiht. Alles ist äusserst geschmacksvoll und harmonisch.

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A whole Prawn [5/10]

Bereits bei den Snacks hatte die Garnele eine kurze Vorstellung, jetzt kommt ihr grosser Auftritt. Die zwei Schwänze sind roh und köstlich im Aroma. Dazu reicht man einen Sponge aus Plankton. Die Beine und der Kopf der Garnele sind knusprig frittiert und können deshalb ebenfalls verzehrt werden – eine witzige, aber geschmacksneutrale Erfahrung.

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Amontillado-steamed langoustine, bisque velouté and Jerez caramel [7/10]

Der Kaisergranat wird vor unseren Augen mit etwas Sherry geräuchert. Das Krustentier ist wiederum von hervorragender Qualität, die Kombination mit dem Likörwein ist sehr gelungen. Ausgezeichnet ist auch die wunderbare Consommé.

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Grilled sole with black and white garlic, parsley juice and lemon [5/10]

Die Seezunge ist perfekt zubereitet und verfügt über ein köstliches Eigenaroma. Daneben hat es eine diagonale Zeichnung von Petersilie und zweierlei Knoblauch. Die Kombination würde bestimmt sehr gut mit dem Fisch harmonieren, doch leider ist sie geschmacklich so dezimiert, dass man davon fast gar nichts schmeckt. Schade um das Potential.

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Cod with miso and hazelnutz [7/10]

Auch der Kabeljau ist von sehr guter Qualität und gekonnt zubereitet. Dazu serviert man uns eine tolle Miso, mit wunderbarem Haselnussgeschmack. Der Pfefferschaum ist gewagt und hat Potential zu irritieren – uns hat er gefallen, besonders weil er der ansonsten sehr harmonischen Komposition Ecken und Kanten verleiht.

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Charcoal-grilles lamb breast fillet and sweetbreads with eggplant, coffee and liquorice [8/10]

Ein wunderbarer Holzkohleduft zieht durchs Restaurant. Wir erhalten einen kleinen Rost an den Tisch. Darauf wird etwas Lammfleisch fertig gegart. Dieses hat eine krosse Haut und einen tollen Geschmack. Auch die Kombination von der Aubergine und der Lamm-Milke ist eine Offenbahrung. Als Krönung wird dazu eine Sauce mit Tiefe und Charakter gereicht.

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Pigeon parfait and onion, curry-caramelized walnuts, juniper, orange peel and herbs [9/10]

Mit dem Hauptgang – der von der Portionsgrösse nicht als solcher zu erkennen ist – wird dann das Highlight das heutigen Abends serviert. Eine unglaublich harmonische, elegant-geschmacksintensive Kombination mit einer wilden Taube im Mittelpunkt, welche auf einem exzellenten Parfait thront. Hervorragend!

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Sourdough ice cream with cocoa pulb, fried lychee and sherry cvinegar macaró [6/10]

Auf dem Bild nicht zu erkennen, bewegt sich das kleine Dessert vor uns rhytmisch auf und ab. Das süsse Häppchen ist wunderbar knusprig und erfrischend. Wegen den vielen Vorschusslorbeeren für Pâtissier Jordi, erhoffen wir uns aber bei den weiteren Süssigkeiten doch noch eine markante Steigerung.

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A fragrance adapted: Shalimar by Guerlain [7/10]

Unsere Hoffnungen wurden erhöhrt. Das zweite Dessert, bei der ein Parfum nachgekocht wurde, ist um ein vielfaches eindrücklicher. Wir freuen uns dann auch wie abwechslungsreich das Ganze schmeckt und staunen am Ende, als dieses tatsächlich als „Shalimar“ von „Guerlain“ erkennbar ist. Überpüfen lässt sich das, in dem man am parfümierten Kartonhut riecht.

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Chai cream with blood orange, vanille, mango and roses Viola [5/10]

Das dritte Dessert ist dann wieder weniger komplex. Uns gefallen die klaren Aromen, obwohl wir uns einen fulminanteren Abschluss erhofft haben.

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Friandises [6/10]

Der Wagen mit den Friandises wird an unseren Tisch gerollt. Da die Beleuchtung darauf nicht besonders gut ist, überlassen wir die Auswahl der Petitessen der freundlichen Servicemitarbeiterin. Die süssen Häppchen sind frisch und abwechslungsreich im Geschmack. Unvergessliche Kreationen sind aber nicht dabei.

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Jordi und Joan Roca

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Fazit: Die Roca Brüder servierten uns vier Stunden lang köstliche Kreationen. Bis auf ein paar wenige Durchhänger, war das „Menü Festival“ auf sehr hohem Niveau und beinhaltete hochwertige Produkte. Trotzdem, die Frage ob dies nun das beste Essen unseres Lebens war, lässt sich eindeutiger verneinen als erhofft. Denn dafür fehlten die Spitzengerichte, Speisen an die man sich noch Monate später erinnert.

Doch auch wenn dies kein Menü für die Ewigkeit war, genossen wir einen wunderbaren Abend in einem gemütlichen Restaurant mit gutem Service und einer abwechslungsreichen Küche. Wer in der Gegend ist und Glück hat einen Tisch zu bekommen, sollte das Abenteuer El Celler de Can Roca unbedingt eingehen. Eine eigene Reise nach Girona lohnt sich indessen nicht – da gibt es auf dem Weg dahin bessere Adressen.

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Menü: Ein à la carte Angebot gibt es nicht. Dafür zwei Menüs. Das Menü Degustacio für 140 € sowie das umfangreichere Menu Festival für 175 €.

Zeit: Das Menü wurde in gemütlichen 4 Stunden serviert

Wein: Neben einer riesigen Auswahl an Flaschenweinen bietet man auch eine Weinbegleitung an.  Diese kostet 85 €, respektive 55 € beim kleinen Menü.

Unsere Weinbegleitung:

Albert i Noya Cave El Celler Brut D.O. Cava
Blanc 5.7 12 D.O. Conca de Barberà
Marcel Lapierre 11 A.O.C. Morgon
Joh. Jos. Prüm Kabinet 09 V.D.P. Mosel-Saar-Ruwer
Cobero 12 Vi de Taula de Liebana
Domaine Valette 08 Magnum A.O.C. Viré-Clessé
Viña Tondonia Blanc 98 D.O.Ca. Rioja
Pedra de Guix 10 D.O.Qa. Priorat
Josep Pardet Estinguells 09 Magnum D.O. Costers Del Segre
Pedro Balda Cosecha 10 D.O.Ca. Rioja
Idus 09 D.O. Qa. Priorat
Ariyanas 07 Naturalment Dolç D.O. Malaga
Càligo Esencia Vi de boira
Dolç Mataró D.O. Alella

Online: Die Website ist schön gestaltet. Leider fehlen Informationen zum aktuellen Menü und dem Preis.

Wertung: Gourmör O7 / Michelin M3

Besucht im Juli 2013

Quique Dacosta in Dénia (Spanien)

Dénia gehört zu den schönsten Ortschaften die wir auf unserer Spanienreise besuchten. Die engen Gassen laden zum flanieren ein und in den meisten der unzähligen Restaurants würden wir am liebsten gleich Platz nehmen.

Wir haben für heute Abend aber andere Pläne und bereits einen Tisch beim neuen 3-Sterner Quique Dacosta reserviert. Sein gleichnamiges Restaurant liegt wenige Kilometer vom Zentrum von Dénia entfernt. Über eigene Parkplätze verfügt das Gourmetrestaurant zwar nicht, jedoch hat es direkt vor dem weissen Haus eine breite Strasse an der man das Auto problemlos abstellen kann.

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Der Eingangsbereich ist offen und einladend gestaltet. Hier erhaschen wir auch einen Blick in die Küche und auf einen kleinen Gemüse- und Kräutergarten. Ein gut gelaunter Mitarbeiter begrüsst uns am Empfangsdesk. Zum Apéro geht es nicht direkt an den Tisch, sondern à la Schloss Schauenstein, in eine gemütlichen Lounge. Wir haben Glück, die Plätze draussen sind alle besetzt und wir werden in den angenehm klimatisierten Wintergarten gesetzt. Hier erhalten wir eine kleine Mappe die einige Hintergrundinformationen über das Quique Dacosta enthalten. Darin finden wir auch Block und Bleistift für etwaige Notizen. In Anbetracht des umfangreichen Menüs, ist dies ein willkommenes Hilfsmittel.

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Das Menü steckt in einem weissen Umschlag und heisst „Made in the Moon“. Es enthält alle aktuellen Kreationen. Alternativ gibt es das kleinere Menü „Local Universe“, in dem man die Highlights der letzten Jahre und Auszüge aus dem aktuellen Menü kredenzt. Das „Made in the Moon“ ist umfangreicher, weshalb unsere Wahl auf dieses fällt. Wir dürfen uns auf schätzungsweise 50 Kreationen freuen, welche in sechs Akte aufgeteilt sind. Der Auftakt machen die Snacks. Dann geht es weiter mit den Tapas, Mains, Meat und Desserts bevor der letzte Akt – The magic box – das Menü abschliessen wird.

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Snacks: Gin Tonic of apple // Petals of roses [-/10]

Neben einem süssen Apfeldrink stellt man uns auch rote Rosen auf den Tisch. Erst als man uns auffordert die Rosenblätter zu essen bemerken wir, dass die mittig liegenden Blätter anders aussehen. Mit einer dazu gereichten Pinzette ziehen wir diese vorsichtig raus. Die hauchdünnen, rot gefärbten Apfelscheiben sind knackig und schmecken angenehm süss. Ein erfrischender Auftakt.

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Snacks: Roots of boletus, Dubonnet leaf, Dry leaf of sweet corn, leaf of herbs in vinegar, apple leaf, Chestnut leaf // Stones of parmesan cheese [5/10]

Die täuschend echt wirkenden Steine sind mit herzhaftem Blauschimmelkäse gefüllt. Auf der Holzplatte daneben finden wir verschiedene Blätter – mal getrocknet, als Chip oder leicht gewürzt in natürlicher Form. Die Texturen sind spannend, leider bewegt sich der Geschmack ausschliesslich im bitteren Bereich.

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Snacks: Tomato in vinegar, Tomato in dry vinegar, Raïm del pastor // Lichen // Dulse seaweed with a codium emulsion [-/10]

Die letzten Snacks werden serviert. Auf dem ersten Teller finden wir reife Tomaten in natürlicher Form sowie Getrocknete mit etwas Essig. Auf den Steinen in der Auflaufform liegen Flechten, von denen man die, an Rosmarin erinnernden, winzigen Blätter abbeissen kann. Zu guter Letzt erhalten wir getrocknetes Seegras, welches zwar sehr knusprig, aber wenig geschmacksvoll ist.

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Der erste Akt ist damit abgeschlossen, für das restliche Menü werden wir an unseren Tisch im eigentlichen Restaurant begleitet. Dieser Ablauf scheint nicht allen logisch. Am Nebentisch sind drei Mitarbeiter nötig um den russischen Gästen zu erklären, dass sie unmöglich das komplette Menü hier draussen essen können.

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Das Restaurant ist sehr puristisch eingerichtet. Auf den weissen Holztischen liegen keine Tischtücher. Auch die Stühle sind schlicht und leider auch etwas unbequem. Die schwarz-weisse Einrichtung erinnert uns an ein Schachbrett. Der Raum ist gut klimatisiert und dank den Glaswänden sieht man sowohl in die Küche, als auch in das Innenleben des grossen Weinschrankes.

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Die Servicebrigade macht einen guten Job und behält immer die Übersicht. Zwar ist es oft etwas hektisch im Speiseraum, doch in Anbetracht des umfangreichen Menüs ist das verständlich.

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Tapas: Strip of sea bass // Pepperwort // Dove nest [5/10]

Das Thunfisch-Sashimi isst man zusammen mit dem Pfefferkraut, auf dem es liegt. Die Kombination ist sehr spannend. Der dezente Einsatz von Wasabi bringt die nötige Rasse. Bis jetzt das Beste, das man uns heute Abend serviert hat. Der Wolfsbarsch auf dem Löffel, geriet dagegen etwas fad. Das Dove-Nest ist zwar angenehm knusprig, die Flüssigkeit im Innern schmeckt aber sehr befremdlich.

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Tapas: Pesto // Moshi of blue cheese and honey „alioli“ [7/10]

Ganz stark die nächsten beiden Tapas. Ein sehr frisches Cornet, gefüllt mit intensivem Pesto. Daneben ein Moshi, eine Spezialität aus Japan: Eine leicht süsse, weiche brotähnliche Masse, gefüllt mit Blue Cheese und Honig.

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Tapas: Crèpe of strawberries // Almonds [5/10]

Süsse Erdbeeren auf einem Minzblatt – eine logische und sehr gut harmonierende Kombination. Weshalb man aber bereits zum jetzigen Zeitpunkt auf solch süsse Akzente setzt, bleibt das Geheimnis von Dacosta – besonders weil man uns gleichzeitg Mandeln serviert, welche nicht etwa süss sind, sondern unter einem kohligen Gelée liegen.

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Tapas: Hot ice cream [7/10]

Für das nächste Gericht wird ein Eiswagen an den Tisch gekarrt. Vor unseren Augen wird ein Cornet zerbröselt und anschliessend auf das „Vanille-Eis“ gestreut. Zu guter Letzt wird es noch mit flüssigem „Caramel“ betreufelt. Eine kreative Anrichtung, die leider etwas gar hastig umgesetzt wird – hier sollte man sich The Fat Duck zum Vorbild nehmen, dort werden solche Gänge richtiggehend zelebriert.

Das „Eis“ besteht aus einer warmen Ei-Masse, mit einem Hauch Vanille. Die Kombination mit der warmen, getrüffelten Sauce funktioniert hervorragend.

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Tapas: Ravioli of beetroot // Yoghurt with Campari [6/10]

Das Joghurt-Campari Meringue ist erfrischend und mit den süss-sauren Komponenten gut ausbalanciert. Auch der Randenraviolo, gefüllt mit Krabbenfleisch, ist delikat.

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Tapas: Seeigel – Limettig [6/10]

Je nach Saison und Verfügbarkeit schiebt Quique Dacosta gewissen Gerichte zusätzlich ins Menü. Wie dieser Seeigel und die Couteau-Muschel. Eine sehr naturbelassenes und intensives Arrangement.

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Snacks: Mediterranean taco / Coca of sweet corn [7/10]

Ein weiterer Höhepunkt: Der wunderbarer Tacco, sehr frisch und kross – der uns für ein paar Sekunden auf eine Reise nach Mittelamerika nimmt. Auch die goldene, knusprige Scheibe mit dem süssen Mais schmeckt toll!

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Pig’s marrow and crumble // Iberian explosion [6/10]

Jetzt wird es animalischer. Zum einen mit einer starken Consomé mit intensiven Mark und zum anderen mit einer Iberischen Explosion. Hier hat man nicht zu viel versprochen. Kaum platzt der Happen im Mund, setzt sich ein intensiver Geschmack nach dem edlen Schwein frei. Vor allem der angenehmen Geschmack nach Eicheln ist omnipräsent.

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Mains: Kefir of celery, dill and vodka [6/10]

Jetzt startet der 3. Akt, die Hauptgänge.

Der Start überzeugt. Uns gefällt dieses leckere und zugleich erfrischende Gericht, dank dem knackigen Sellerie und den kühlenden Gurken. Auch die Auster bringt sich pointiert ins Gericht ein.

Gleichzeitig erhalten wir mit den verschiedenen Grissini etwas Gebäck auf den Tisch.

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Mains: Protein of Oyster [5/10]

Unter dem angenehm meerig schmeckenden Mousse verbergen sich drei feine Austern. Ein sehr stimmiges, aber auch intensives Gericht. Die zusätzlich gereichten Algen-Grissini sind geschmacklich leider sehr ausdruckslos.

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Mains: Gamba: boiled / tea of prawns and chards [6/10]

In auffallend rotem Cellophan kommt ein Klassiker des Hauses auf unseren Tisch. Der Gambero Rosso muss zuerst geschält werden und schmeckt sehr gut. Trotzdem können wir die vielen Lobeshymnen aus der Blogger-Welt nicht unterstreichen. Denn gerade im Vergleich zu den etwas grösseren Exemplaren, die wir vor ein paar Monaten im Lampart’s genossen haben, wirken diese geschmacklich doch recht blass. Zum Glück wird zusätzlich zum Gamba eine hervorragende Consomée serviert. Welche nicht nur verdient Applaus bekommt, sondern aus dem Gericht etwas besonderes macht.

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Mains: Eel [5/10]

Das sehr stimmige und süffige Gericht mit Aal, schliesst den Akt der Hauptgänge ab..

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Meat: Smoked mezcal – Grilled ravioli [5/10]

Die mit hauchdünnem Fleisch beladenen Kissen werden an unserem Tisch leicht geräuchert – der Duft nach Weihrauch verbreitet sich im ganzen Restaurant. Die Häppchen sind fein. Zur Erfrischung gibt es Limetten mit einer Tequilla Füllung.

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Garrofo (butter beans) [5/10]

Die weissen „Bohnen“ sind mit Kaninchenfleisch gefüllt. Handwerklich toll umgesetzt, macht es geschmacklich wenig Sinn, etwas Fleisch in eine Zuckerhülle zu packen. So ist das Kaninchen auch beinahe nicht auszumachen. So erfreuen wir uns ob dem feinen Jus und den echten Bohnen die daneben liegen.

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Meat: Rice „carnaroli“ of duck beetroot and hazelnut / Liver [7/10]

Der Reis ist perfekt zubereitet und dank Nüssen sehr spannend im Goût. Der dezente Rotweinschaum baut die Brücke zum zweiten Teller, indem die Taubenleber in einem tiefen Jus liegt.

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Desserts: Yoghurt frost with rose [5/10]

Der süsse 5. Akt startet mit einer feinen Joghurt-Rosen Komposition. Dies ist wiederum ein zusätzlich eingeschobenes Gericht, welches so nicht auf dem Menü steht und später auf der Rechnung mit „invitación“ aufgeführt wird. Die abwechslungsreichen Texturen und die süffige Art überzeugen – eine memorable Pãtissierkunst ist das aber nicht.

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Desserts: Black forest [5/10]

Die Textur vom Meringue ist zwar gewöhnungsbedürftig, der Geschmack und die knusprigen Streusel machen aber Spass. Ein schönes, kirschiges Dessert, welches aber um ein vielfaches eindimensionaler schmeckt als erhofft.

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Desserts: Cinnamon branch – Prunes [6/10]

Die Pflaumen mit essbarem Kern sind witzig und fein zugleich. Die falschen Zimstängel schmecken nach Schokolade und begeistern wegen der luftigen Konsistenz.

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The magic box: Crocante of almonds, trufle of rum, Gold stones [5/10]

Den letzten Akt geniessen wir draussen in der Lounge bei einer Tasse Kaffee. Es ist mittlerweile 2 Uhr und angenehm kühl geworden. Die Magicbox wird uns zuerst leer präsentiert. Dann wird die Kiste geschlossen, ein paar mal gekonnt geschüttelt et voilà – beim nächsten Aufklappen erscheinen ein paar Nuggets. Diese schmecken fein, erfüllen bei diesem Zaubertrick aber eher eine Statistenrolle.

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Fazit: Das war das umfangreichste Menü, das uns bisher serviert wurde. Das Handwerk ist extrem präzis, die Speisen sehr fantasievoll und kreativ. Quique Dacosta und seine grosse Brigade beherrschen das Spiel mit den unterschiedlichen Texturen und spannenden Kombinationen eindrücklich. Würden wir diese Attribute bewerten, würde klar die Höchstnote winken. Wir beurteilen aber ausschliesslich den Geschmack und da reicht es nicht, wenn lediglich eine handvoll Gerichte überzeugen, während der grosse Rest schon am nächsten Morgen wieder vergessen ist. Gerade die Desserts, aber auch die Snacks zu Beginn, haben enttäuscht.

Trotzdem, der Preis von 180 € pro Menü ist nicht gänzlich fehlinvestiert. Die abwechslungsreichen Kreationen heben die geschmacklichen Differenzen zu einem Grossteil auf. Und so bescherte uns das Menü „Made in the Moon“ ein über vier Stunden langes Abenteuer, welches vor allem optisch überzeugte. Wer des Geschmackes wegen nach Dénia reist, wird das Restaurant aber eher ernüchtert verlassen.

Die Servicebrigade macht einen guten Job und behält immer die Übersicht. Zwar ist es oft etwas hektisch im Speiseraum, doch in Anbetracht des umfangreichen Menüs ist das verständlich.

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Menü: Es gibt zwei Optionen: das grosse Menü „Made in the moon“ in 6 Akten zu 181.50 € sowie das „Local Universe“, einem Auszug aus dem aktuellen und vergangen Menüs zu 148.50 €. Wir empfehlen das grosse Menü zu bestellen.

Zeit: Das grosse Menü dauerte 4.5 Stunden.

Wein: Die Weinbegleitung für das grosse Menü kostet 93.50 €. Die Weine sind gut auf die Speisen abgestimmt auch wenn der Umfang an verschiedenen Weinen etwas gar gross ist. Zudem werden die Tropfen vom spanischen Sommelier etwas gar hastig präsentiert.

Online: Die Website ist übersichtlich gestaltet, bietet vie Wissenswertes, und enthält auch das aktuelle Menü und viele Bilder.

Wertung: Gourmör O6 / Michelin M3

(Besucht im Juli 2013)

Ecco in Ascona

Unsere letzte Reise ins Tessin liegt ganze fünf Jahre zurück. Damals krönten wir den Aufenthalt im sonnenreichsten Schweizer Kanton, mit einem Besuch bei Rolf Fliegauf. Der gebürtige Augsburger hatte dazumal frisch das Zweitrestaurant, das 5 Sterne Hotels Giardino, übernommen. Mit seinen avantgardistischen Kreationen kontrastierte er das sonst mediterrane Angebot des grossartigen Hotels. Die Aufgabe erfüllte der heute 32 jährige mit Bravour und wurde bereits zwei Jahre nach der Zepterübernahme mit einem Michelin Stern belohnt.

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In der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Zum Beispiel der Kochstil. Griff Fliegauf anfänglich noch auf ein paar molekulare Tricks zurück, setzt er heute voll auf die Karte der Aromaküche. Zudem hat das Giardino vor zwei Jahren expandiert und in Champfér bei St. Moritz das Giardino Mountain eröffnet. Für Fliegauf eine grosse Erleichterung, da er nun sein Können auch in den Wintermonaten, während das Giardino in Ascona Betriebsferien hat, unter Beweis stellen kann und somit seiner Brigade eine Ganzjahresstelle bieten kann. Zu guter Letzt hat sich auch das Punkte- und Sternekonto erhöht. Gault-Millau verlieh den 16. Punkt und Michelin übergab den 2. Stern was Fliegauf zum damals jüngsten 2 Sterne-Koch in Europa machte.

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Das Wetter war heute den ganzen Tag schwülheiss und das Thermometer kratzte bedrohlich an der 30 Grad Grenze. So verbrachten wir dann auch den ganzen Tag am Hotelpool und ernährten uns von Früchten. Unser Zifferblatt zeigt jetzt 19 Uhr und langsam aber sicher verlangen unsere Mägen nach mehr. So machen wir uns bereit für das zweite Ecco Abenteuer und sind sehr gespannt wie sich die Veränderungen auf dem Teller bemerkbar machen.

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Als erstes fällt uns die neue, sehr angenehme Atmosphäre im Restaurant auf. Dies liegt nicht etwa an der Inneneinrichtung – die war schon beim letzten Besuch in eleganten Grautönen gehalten – sondern am neuen Serviceteam unter der Leitung von Jenifer Strube. Dieses begleitet uns nicht nur sehr aufmerksam und zuvorkommend durch den Abend, sondern auch äusserst motiviert und umgänglich.

Das Ecco ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Im eigentlichen Restaurant stehen drei grosse Tische. Dieser Raum wird meistens für den Mittagservice genutzt und ist angenehm klimatisiert. Anders draussen unter der Pergola, wo heute Abend alle 28 Gäste sitzen. Hier konnte sich die Hitze den ganzen Tag unter dem Gewölbe festsetzen. Die grossen Fensterfronten stehen zwar offen, aber bis auf die paar wenigen, kleinen Lüftchen die durchs Restaurant ziehen, bleibt es hier sehr warm. Zur Abkühlung ordern wir Wasser und ein Glas Champagner.

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Auf der Speisekarte finden wir zwei Menüs mit 5 und 8 Gängen. Jedem Gast steht es frei aus den total 13 Speisen zu kombinieren. Wie momenten en vogue, sind bei den Gerichten nur die einzelnen Komponente aufgeführt – die Zubereitungsart bleibt eine Überraschung.

Noch bevor wir die Bestellung aufgeben, erreicht uns ein erster kleiner Snack:

Ofenkartoffel [-/10]

Die Tessiner-Bergkartoffel, gefüllt mit Sauerrahm und Kaviar, ist fein. Die schwarzen Perlen haben es aber schwer sich gegen die restlichen Aromen zu behaupten. So bleibt der Auftakt dann auch eindimensionaler als erhofft.

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Brot

Neben dem frisch gebackenen Brot, wird ein Dressing in Form von Salzflocken, Butter-Rahm und Kresse zum selberschneiden, aufgetragen. Damit kann sich jeder am Tisch sein Brot individuell bestreichen. Dies ist nicht nur originell sondern schmeckt auch richtig gut.

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Häppchen Trilogie: Wachtel – Erbse / Bärlauch – Pilze / Schwertmuschel – Miesmuschel [7/10]

Die nächste Amada gelangt an unseren Tisch. Wegen den vielen unbenutzten Gläsern, Messern und Gabeln wird es kurzzeitig etwas unübersichtlich auf dem Tisch. Dabei verdienten die fantasievoll angerichteten Kreationen unsere vollste Aufmerksamkeit.

Während die ersten beiden Kompositionen zwar fein, aber etwas gar zurückhaltend schmecken, trumpft das Muschel-Arrangement auf. Wir staunen nicht nur wegen der sinnvollen Zubereitung (Muschel kann samt Schale gegessen werden) sondern auch ob dem wunderbar tiefen, meerigen Aroma, welches dies uns in den Gaumen zaubert. Gerne mehr davon!

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Amuse: Simmentaler Rind – Perigordtrüffel – Kohlrabi [7/10]

Intensiv geht es weiter. Denn auch das Simmentaler Rind ist eindrucksvoll und wird als Carpaccio und als darin eingerolltes Tatar serviert. Eine fabelhafte Kombination. Kontrastriert wird das Ganze von harmonischen Gänseleberperlen. Diese schmelzen augenblicklich im Mund und setzen ein zauberhaftes Aroma frei. Die feine Perigordtrüffel-Sauce ist ebenfalls köstlich.

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Marinierte Entenleber – Räucheraal – Ananas [6/10]

Wir sind froh, haben wir für den ersten Gang die Entenleber gewählt und kommen damit nochmals in den Genuss dieses köstlichen Produktes. Die Küchenbrigade weiss offensichtlich wie damit umzugehen. Sowohl Terrine als auch das Eis sind von sehr hoher Qualität und präzise zubereitet. Nur schade, dass das Zusammenspiel mit der Ananas nicht recht funktionieren will und damit keine Symbiose entsteht.

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Gambero rosso – Pumpernickel – Kresse [-/10]

Dieses hochwertige Spanische Krustentier wurde uns vor ein paar Monaten zum ersten Mal im Lampart’s serviert. Dieses Exemplar hier, kommt zwar nicht ganz an die Qualität dieses Referenzproduktes heran, ist aber ebenfalls von guter Qualität. Mit den restlichen Komponenten werden wir weniger glücklich. Zwar gefallen uns die Krustentier-Consommé-Perlen, den Einsatz von Pumpernickel halten wir indess für unpassend.

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Iberico Schweinebauch – Bretonische Auster – Radieschen [7/10]

Gleich zu Beginn gibt es gedanklichen Applaus gibt die tolle Sauce mit dem leicht sauren Akzent. Aber auch der Rest überzeugt: der aromatische Schweinebauch mit der krossen Haut und das knackige und geschmacksvolle Gemüse. Einzig die Auster ist zu viel des Guten und stört das sonst stimmige Erlebnis.

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Bretonischer St. Peters Fisch – Jakobsmuscheln – Salzzitrone [6/10]

Der edle Fisch aus der Bretagne hat es hier nicht gerade einfach. Von verschiedenen Seiten her wird er flankiert und droht beinahe unterzugehen. So bleibt uns bei diesem Teller auch weniger der Hauptakteur in Erinnerung, als mehr die Nebendarsteller. Ganz stark die süffige Reiscrème und die hochwertigen Jakobsmuscheln, welche eindrucksvoll mit dem Zitrusaroma harmonieren.

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Erfrischung: Weisse Schokolade – Passionsfrucht

Zur Erfrischung vor dem Hauptgang reicht man uns eine weisse Schokoladenkugel gefüllt mit süss-saurem Passionsfruchtsaft.

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Muotathaler Kalb – Wildkräuter – Junge Zwiebel [7/10]

Der Hauptgang begeistert nicht nur wegen seinem tollen, zarten Fleisch, sondern auch wegen der wunderbar intensiven Zwiebelsauce. Diese wird von einem leichten Kräuterbouquet begleitet – elegant und trotzdem währschaft. Ein rundum überzeugendes Gericht.

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Gruyère rèserve aoc – Olivenöl – Culatello Salami [8/10]

Hervorragend der Käsegang: fruchtig, nussig, knusprig, fleischig – jeder Bissen eine Wohltat bei der nichts, vom im Mittelpunkt stehenden, gut gereiften Käse ablenkt. Mit so einer spannenden Komposition tröstet man locker über den fehlenden Käsewagen hinweg.

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„Cheesecake“ – Vanille – Holunder [6/10]

Während das Original mächtig und schwer ist, schafft man mit diesem Cheesecake ein überraschend leichtes Dessert und vereint die drei namensgebenden Themen sehr gut zu einer sehr wohlschmeckenden Einheit.

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Zitrusfrüchte – Karamel – Verveine [7/10]

Die Präsenation ist wunderschön, der Genuss hoch. Es macht Spass sich durch die abwechslunsreichen Texturen zu essen und dabei verschiedene Zitrusaromen zu entdecken. Das Caramel sorgt für den roten Faden. Kompliment an die Pâtissière die nicht nur ein sehr stimmiges Dessert schaffte, sondern auch ein angenehm leichtes.

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Friandises [6/10]

Johannisbeeren – Sauerrahm / Himbeere – Guanaja Schokolade – Lakritz / Nougat – Calamansi – Fleur de Sel / Müsli – Waldbeeren – Milch / Kokos – Mandel – Weisse Schokolade / „Milchschnitte“ / „Tiramisu“ / „ECCO Mikado“

Handwerklich top, mag geschmacklich nicht alles zu überzeugen. Gerade die „Milchschnitte“ aber auch das „Mikado“ sind mehr Spielereien als kulinarische Bereicherungen. Da gefallen uns die wunderbaren Pralinen, das feine Caramel und das stimmige Waldbeeren-Müsli viel besser.

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Für zu Hause: Curry-Mandeln

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Die Küchenbrigade: Simon Schneider, Doreen Marko (Patti), Rolf Fliegauf (Chef), Stefan Sell, Matthias Koppenwallner, Stefan Heilemann (Sous-Chef)

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Fazit: Rolf Fliegaufs Handschrift hat sich seit unserem letzten Besuch stark verändert. Die Teller sind extrem präzis, die Anrichtung sehr filigran. Trotzdem haben die Gerichte nichts an Kreativität verloren. Im Gegenteil: Fliegaufs grosser Ehrgeiz ist bei jedem Gang spürbar. Bisweilen steht ihm dieser gar etwas im Weg, so wirken einzelne Gerichte überladen – gerade wenn sieben Komponente gleichzeitig um ihren Platz auf dem Teller kämpfen und damit vom Hauptakteur ablenken.

Trotzdem: das ganze Menü ist konstant auf sehr hohem Niveau, von Beginn weg spannend und perfekt getimt. Der Gast kann sich hinsetzen und fast 5 Stunden lang geniessen und staunen was alles aus der kleinen Küche kommt. Viel zum Genuss trägt auch das tolle Serviceteam bei. Sehr aufmerksam und mit grosser Freude begleiten sie die Gäste durch den Abend und sorgen, zusammen mit der Küchencrew, für ein wunderschönes Erlebnis.

Menü: Zur Auswahl stehen zwei Menüs. Eines mit 5 das andere mi 8 Gängen. Mit den toteln 13 Gerichten kann man sich ein eigenes Menü zusammenstellen. 3 Gänge 138.- / 4 Gänge 152.- / 5 zu 164.- / 6 zu 174.- / 7 zu 184.- / 8 zu 194.-. Begleitet wird jedes mit Häppchen, Amuse Bouche und Friandises.

Zeit: 4 Stunden und 45 Minuten dauerte das 8 Gänge Menü.

Wein: Neben der gut sortierten und umfangreichen Hotel-Weinkarte, bietet man den Gästen eine Weinbegleitung an. Diese wird bis 5 Gänge mit 74 Franken verrechnet, ab 6 Gängen mit 89.-. Der Wein wird sehr grosszügig nachgeschenkt.

Château Haut-Mayne 2010 – Frankreich – Bordeaux – Sauternex ac semillon
Savignin Blanc 2011 – Schweiz – Wallis – Nicolas Zufferey heida
Sileno 2011 – Schweiz – Mendrisio – Fratelli Corti – Chardonnay
Rebuh’s 2008 – Schweiz – Monteggio – Daniel Huber – Merlot Cabenet Franc – Cabernet Sauvignon – Carminoir
20 years old Tawny Port – Portugal – Douro – J. & W. Graham’s
Maximin Grunhauser Abtsberg 2010 – Deutschland – Mosel – Maximin Grünhaus Schlosskellerei C. von Schubert – Riesling Spätlese

Tipp: Wie schon beim letzten Besuch, war es auch diesmal wieder sehr warm. Es  empfiehlt sich eher lockere Kleidung zu tragen.

Online: Die Website bietet ein paar Fotos, Informationen und die aktuelle Speisekarte.

Wertung: Gourmör O7 / Michelin M2 / Gault-Millau GM16

Sonderauszeichnung: Hier fühlt man sich besonders wohl

(Besucht im Juni 2013)