Heimberg in Zermatt

Nächste Woche ist es soweit, am 30. Mai eröffnet der renomierte Spitzenkoch Marcus G. Lindner im St. Gallischen Uznach sein eigenes Restaurant Der Kunsthof. Da der 18-Punkte Chef weiterhin die Gastronomie im Luxushotel The Alpina in Gstaad leitet, hat er den Küchenchefposten in Uznach seinem österreichischen Landsmann Christian Geisler übergeben. Lindner kennt den erst 29-Jährigen seit der gemeinsamen Zeit im Mesa in Zürich. Geisler war damals sein Sous-Chef. Zusammen kochten sie das Lokal an der Weinbergstrasse, bis an die Spitze der Zürcher Gastronomie. Nachdem es Lindner nach Gstaad zog, übernahm Geisler seinen ersten Chefposten im Heimberg in Zermatt.

Dort, am Fusse des Matterhorns hat er das chice Restaurant drei Saisons lang geleitet. Er und sein Team verwöhnten während den Wintermonaten die Gäste auf höchstem Niveau. 2012 wurde seine Küche von Michelin mit einem Stern ausgezeichnet. Wir haben das Team an einem der letzten Abenden in Zermatt besucht und können bereits vorweg nehmen, dass sich Gourmets im Unterland auf einen äusserst talentierten Chef freuen dürfen.

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Das Heimberg versteckt sich in einer kleinen Seitengasse. Hinter dem Eingang trifft man auf eine Bar, mit freiem Blick in die offene Küche. Dort wird gebrutzelt und mit grösster Konzentration angerichtet. Im oberen Stock wartet der gemütliche Speiseraum – ein wunderschönes Werk des Zermatter Innenarchitekten Heinz Julen, in welches wir uns augenblicklich verlieben. Genau so einmalig wie die Optik, ist auch das kulinarische Konzept. Hier im Heimberg gibt es nämlich keine Speisekarte. Der Gast startet mit einer Überraschungs-Vorspeise und entscheidet sich danach, ob er eine Zweite möchte, oder bereits den Hauptgang wünscht.

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Vorweg erhalten wir einen Baumstammabschnitt auf den Tisch. Darauf finden wir, neben essbarem „Sägemehl“, ein mit Spinat gefülltes Kissen, sowie geräucherten Fisch zwischen zwei hauchdünnen Plättchen. Der Auftakt ist vielversprechend. Die Häppchen sind nicht nur wunderbar frisch, sondern auch stark im Aroma. Wir spüren, dass heute ein grosser Abend werden könnte. Und tatsächlich, nach einem interessanten Amuse Bouche mit Rotkohl kontrastiertem Lamm, serviert man uns ein erstes grosses Highlight, in dessen Zentrum ein glasig gegarter Lachs mit seinem Rogen steht. Dazu serviert man Fenchel und molekular verarbeitete Tomaten, Basilikum und Crème fraiche. Es ist absolut beeindruckend, wie klar die Aromen herausgearbeitet sind und welch Symbiose dadurch auf dem Teller entsteht – ausgezeichnet.

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Die Frage des passionierten Maître Danny Neynaber, ob wir noch eine weitere Vorspeise wünschen, beantworten wir mit einem überzeugenden Ja. Dieses Prozedere wiederholen wir in den nächsten Stunden noch ein paar Mal und kommen so in den Genuss von Sot-l’y-laisse an herzhaftem Geflügelfond – in einer Petrischale servierten Wels, flankiert von Rhabarber und Joghurt – perfekt zubereitetes Kalb mit tollem Kürbis – sowie einer alpinen Version des Surf and Turf mit Zander und einem charaktervollen Schwein an delikaten Pfifferlingen.

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Bei der fünften Frage entscheiden wir uns für den Hauptgang. Das eindrucksvolle Rind, begleitet mit köstlichem Bärlauch und den ersten Spargeln, beendet das Menü mit einem Paukenschlag. Wiederum werden wir von satten Aromen und einem perfekt zubereiteten Gericht verwöhnt. Auf die kleine Käseselektion folgt als pré Dessert ein Snowball mit Tanne, Holunder und Zitrone. Dieser hat zwar einen interessanten Goût, ist aber in der Summe viel zu eisig und kalt um geniessbar zu sein. Entschädigt werden wir dann aber vom eigentlichen Dessert mit feinstem Nougat, welches von Himbeeren begleitet wird. Dafür hat Geisler nochmals in die alchemistische Trickkiste gegriffen. Das Ergebnis, ein ausgezeichnetes Dessert mit wunderbarem Geschmack, welches trotz moderner Zubereitungsmethoden, ohne Effekthasscherei auskommt.

heimberg_zermatt_christian_geisler_20Die Küchenbrigade: Ingo Pappenberg, Simon Fraundorfer, Mitja Birlo (Sous-Chef), Christian Geisler (Chef), Ilion Schenker, Nelson Rodrigues, Herminio Teles

 

Fazit: Christian Geisler ist ein ausgezeichneter Koch mit vielen Ideen und einer eigenen Handschrift. Seine Küche ist präzis und stark auf den Geschmack fokussiert. Da er fast die komplette Crew vom Heimberg in den Kunsthof zügelt, darf sich Uznach auf ein grossartiges Restaurant freuen. Schade nur, dass der Chef an der Front, Danny Neynaber den Weg nicht mitgeht. Er wechselte in die Rüsterei nach Zürich. Er ist ein hervorragender Gastgeber und mit viel Elan und Begeisterung am Werk. Zum Glück hat man aber auch hier einen Ersatz gefunden. Christian Magner, ehemaliger Sommelier im Mesa, übernimmt den wichtigen Posten in Uznach. Wir sind äusserst gespannt auf den Start des Kunsthof und wünschen allen Beteiligten viel Erfolg. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass man auch im wunderschönen Heimberg einen geeigneten Nachfolger findet – das einmalige Ambiente hätte dies auf jeden Fall verdient.

Website Der Kunsthof in Uznach
Website Heimberg in Zermatt

Wertung: Gourmör O8 / Michelin M1 / Gault-Millau GM16
Sonderauszeichnungen: Hier fühlt man sich besonders wohl    Fumoir vorhanden

(Besucht im März 2014)

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_5Airbread – Spinat / Rauchfisch – Grissini

heimberg_zermatt_christian_geisler_6Lammfilet / Rotkohl / Meerrettich

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_8Lachs / Fenchel / Basilikum / Crème fraiche

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_9Sot-l`y-laisse / Gelbe Rübe / Schnittlauch

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_10Wels / Topinambur / Rhabarber / Joghurt

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_11Kalb / Kürbis / Lattich

heimberg_zermatt_christian_geisler_12Zander/ Schwein/ Pfifferling

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_13Rind/ Bärlauch/ Spargel

heimberg_zermatt_christian_geisler_14Käse Auswahl

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_15Snowball (Tanne, Holunder, Zitrone)

heimberg_zermatt_christian_geisler_16Nougat/ Himbeere/ Essig

heimberg_zermatt_christian_geisler_17Friandises

heimberg_zermatt_christian_geisler_18 Apfel / Rucola

heimberg_zermatt_christian_geisler_19 Danny Neynaber, Arvid Polivka, Patrick Just, Karina Zirm, Stefanie Fischer, Evelyn Weiss (von oben links nach unten rechts)

De Orangerie in Brügge (Belgien)

Das belgische Städtchen Brügge ist wunderschön und ein absoluter Geheimtipp. Darauf aufmerksam wurden wir zum ersten Mal durch Martin McDonaghs Filmdebüt „In Bruges“. Darin spielt die mittelalterliche Stadt eine zentrale Rolle. Brügge empfiehlt sich auch als Ausgangsort für kulinarische Abenteuer. Die Dichte an grossartigen Restaurants ist äusserst hoch. Im Umkreis von 25 Autominuten erreicht man vier 3-Sterne-Restaurants, drei mit 2 Sternen und 15 mit einem Macaron. Wir haben Brügge Anfangs Dezember besucht um im nahe gelegenen Sluis essen zu gehen.

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Die Stadt mit der spannenden Vergangenheit ist wunderschön und definitiv eine Reise wert. Wir hatten als Unterkunft das Boutique Hotel De Orangerie im Herzen von Brügge ausgewählt – eine perfekte Wahl. Mit dem Mietauto vom Brüsseler Flughafen kommend, hat man uns freundlich empfangen. Auch das Parkieren im privaten Parkhaus hat man uns abgenommen. Währenddessen machten wir es uns im schönen Kaminzimmer gemütlich und wählten aus dem umfangreichen Digestif-Angebot einen schönen Tropfen aus.

 

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De Orangerie steht direkt am Kanal mit eigenem Bootssteg. Das Klostergebäude aus dem 15. Jahrhundert wurde erst vor 20 Jahren als Hotel umfunktioniert. Die zwanzig Zimmer sind liebevoll und individuell eingerichtet. Das Boutique-Hotel hat sehr viel Charme. Hinter jeder Ecke findet man Antiquitäten und schöne Blumen. Die Mitarbeiter sind freundlich und zuvorkommend und geben gerne Ausflugstipps. Vom ersten Moment an fühlt man sich hier wie zu Hause.

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Das Hotel verfügt über kein eigenes Restaurant. Am Morgen wird jedoch für 25 € ein schönes Frühstück angeboten. Frisch gepresster Orangensaft, ein Glas Champagner und kalte und warme Speisen sorgen für einen perfekten Start in den Tag. Am Nachmittag serviert man zudem einen traditionellen „Afternoon Tee“. Diesen geniesst man, je nach Jahreszeit, im gemütlichen Salon oder draussen auf der Terrasse, entlang dem Kanal.

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Fazit: Brügge gehört zu den Orten, die man einmal im Leben unbedingt besucht haben muss. Die gemütliche De Orangerie ist dabei das ideale Hotel um die charmante Stadt zu erkunden und bietet auch während der kalten Jahreszeit einen heimeligen Rückzugsort. Das Boutique-Hotel ist stilvoll eingerichtet und der freundliche Service sorgt dafür, dass man sich sehr willkommen fühlt und diesen wunderbaren Ort nur ungern wieder verlässt.

De Orangerie ****
Kartuizerinnenstraat 10
8000 Brügge
Belgien
Website

 (Besucht im Dezember 2013)

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Relais & Châteaux Gourmet Festival im Lampart’s in Hägendorf

Relais & Châteaux, die Vereinigung für Luxushotels und -restaurants, feiert in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag. Das Jubiläum wird mit einem grossen Gourmet Festival zelebriert. Dieses führt quer durch Europa und macht bei verschiedenen Mitgliedshäusern halt. Dabei empfängt der jeweilige Spitzenkoch vor Ort einen renommierten Kollegen aus dem In- oder Ausland. Letzte Woche fand der Anlass im Lampart’s statt. Das wunderschöne Haus widerspiegelt die Philosophie von Relais & Châteaux wie kein zweites. Das Restaurant ist einmalig schön und Anni und Reto Lampart sind hervorragende Gastgeber. Unterstützt wurden sie an diesem Tag von Gastkoch Norbert Niederkofler. Dieser reiste aus Italien an und nahm vier seiner Köche mit ins Mittelland. Niederkofler ist einer der höchst dekorierten Köche in Südtirol. Seit 1996 verwöhnt er seine Gäste im Restaurant St. Hubertus im Hotel Rosa Alpina mit seiner alpinen Küche und ist seit 2007 mit 2 Michelin Sternen ausgezeichnet.

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Gastgeber Anni und Reto Lampart mit Gastkoch Norbert Niederkofler (links)

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Dank den ersten Frühlingsboten genossen wir den Apéro auf der lauschigen Terrasse. Dort durften wir auch einen Blick ins Menü werfen. 8 Gänge waren angesagt, dabei wechselten sich Reto Lampart und Norbert Niederkofler Gang für Gang ab. Den kulinarischen Auftakt, in Form von verschiedenen Häppchen, haben sich die beiden Spitzenköche aufgeteilt. Das sympathische Serviceteam servierte die Köstlichkeiten und steigerte dadurch die Vorfreude auf das eigentliche Menü. Anschliessend wurden die Gäste in das gemütliche Restaurant geführt wo die beiden Herren und ihre Brigaden ein ausgezeichnetes Menü auftischten. Wunderbare Weine haben den tollen Abend abgerundet und zum Abschluss wurden die Gäste in die Smoker’s Lounge eingeladen, wo man bei einem Schlummertrunk mit den beiden Köchen noch etwas fachsimpeln konnte.

Wer ebenfalls in den Genuss des Relais & Châteaux – Gourmet Festivals kommen möchte, kann sich hier über die restlichen Termine informieren. Anbei die Übersicht der übrigen Events in der Schweiz:

10. April 2014 – Le Pont de Brent in Brent / Stéphane Décotterd kocht zusammen mit Jean-André Charial aus Frankreich

19. Juli 2014 – Vivanda im In Lain Hotel Cadonau in Brail / Dario Cadonau empfängt Heribert Dietrich aus dem Walserhof in Klosters

7. September 2014 – Walserstube im Walserhof in Klosters / Heribert Dietrich empfängt Dario Cadonau aus Brail

4. Oktober 2014 – Hotel Walther in Pontresina / Michael Freudrich empfängt Stefan Lenz aus dem Hotel Tennerhof in Kitzbühel (A)

 

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2-Sterne-Koch Reto Lampart

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Black Angus Rind, Imperial Kaviar und Creme vom Eigelb, Bachkresse

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Gebratene Castaing Entenleber mit Pfefferzuckerwatte, Rhabarber

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Kalbszüngli, sautierte Morcheln, Kräutersalat

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Es war einmal eine Bachforelle: Tatar – Kaviar – Krokante Haut

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Wilder Steinbutt aus der Bretagne, Gambero Rosso, Jamón Iberico di Belotta 5J, Datterino Tomaten, wilder Spargel, Favé

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Ranten Gnocchi, Biererde, Daikon Kresse

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Knusprig gebratene Kalbsmilken, rauchige Kartoffel, Erbsen, Bärlauch, Jus

 

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Das wunderbare Fleisch wird am Tisch präsentiert

Filet vom Almochsen im Bergheu mit antiken Karotten, geschmortes Rippenstück mit Mark

Filet vom Almochsen im Bergheu mit antiken Karotten, geschmortes Rippenstück mit Mark

 

Sorbet vom grünen Apfel mit Latschen Marshmellow

Sorbet vom grünen Apfel mit Latschen Marshmellow

 

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Friandises

Friandises

 

Rhabarber mit Hibiskusblüten im Ofen geschmort, Rhabarber-Sauerrahmglace, Tahitivanille, Frischkäse

Rhabarber mit Hibiskusblüten im Ofen geschmort, Rhabarber-Sauerrahmglace, Tahitivanille, Frischkäse

 

Website Relais & Chateaux
Website Lampart’s in Hägendorf

(Besucht im April 2014)