The Japanese (The Chedi) in Andermatt

Vor 20 Jahren erlebte Andermatt einen beispiellosen Niedergang. Die Schweizerische Bundesbahnen bauten Stellen ab, die Armee zog sich aus dem Bergdorf zurück, und die Infrastruktur zerfiel. Relativ zur Grösse der Region, war der Arbeitsplatzverlust gigantisch und die Stimmung entsprechend depressiv. Erst der ägyptische Investor Samih Sawiris hat für das Dorf auf 1’400 Meter eine Vision und überzeugte die Einheimischen davon, das 1’700 Seelendorf in ein attraktiven Feriendestination zu verwandeln. Im Jahr 2007 stimmten fast alle für die Pläne worauf die ‚Andermatt Swiss Alps‘ unter Sawiris verschiedene Hotels, einen Golfplatz, ein mit Disentis zusammenhängendes Skigebiet sowie eine Konzerthalle baute. Auch viele andere im Dorf haben investiert und so erstrahlt das heutige Andermatt in einem neuen Glanz – ohne an Historie eingebüsst zu haben.

Herzstück des Projekts der ‚Andermatt Swiss Alps‘ ist das Luxushotel The Chedi Andermatt, welches vor 16 Jahren eröffnet wurde. Das Hotel verfügt über 119 Zimmer und Suiten sowie verschiedene Restaurants. Der Vorzeigebetrieb ist The Japanese. Seit drei Jahren sind die Zwillinge Fabio Toffolon und Dominik Sato die Küchenchefs. Beide sind schon seit ihrer Ausbildung sehr ambitioniert und haben bei diversen Spitzenköchen im In- und Ausland gearbeitet. Auf ihren Viten findet man Namen wie Peter Knogl (Cheval Blanc by Peter Knogl), Heiko Nieder (The Restaurant) oder Christian Bau (Victor’s Fine Dining by christian bau). Vor ihrem Engagement in Andermatt waren sie selber Küchenchefs in Thun, respektive in Bern. Hier in Andermatt haben sie sich im Rekordtempo 2 Michelin-Sterne erkocht und konnten vom Gault-Millau, neben den 18 Punkten, auch die Auszeichnung als „Aufsteiger des Jahres“ entgegennehmen.

Das Restaurant, mit dem etwas gar fantasielosen Namen, befindet sich hinter einer eindrücklichen grauen Eingangswand im Westflügel des Hotels. Davor erwartet uns bereits ein Mitarbeiter der uns über einen, japanisch anmutenden, Gang ins Restaurant begleitet. Am Ende des Korridors trifft man auf ein Buffet, das mit seiner Bierzapfanlage nicht direkt an ein japanisches Gourmetrestaurant erinnern. Auch sonst ist es hier eher etwas eng und die Einrichtung viel einfacher, als wir es uns vorgesetellt haben. Vermutlich hat man vor 16 Jahren noch nicht damit gerechnet, dass man eines Tages eines der best dotierten Restaurants der Schweiz beherbergt. Unser Tisch befindet sich im rechten Teil – von hier haben wir einen direkten Blick auf die Theke hinter der gerade die Appetizer von den engagierten Köchen den letzten Schliff erhalten.

Wir wählen von der Speisekarte das ganz grosse Menü „The Japanese full experience“ für stolze 420 Franken und starten danach mit vier Snacks, beziehungsweise ‚Sakizuke‘, wie sie hier heissen, in den Abend. Diese werden in drei Wellen serviert. Den Auftakt macht eine wundervolle intensiv schmeckende warme Dashi (8/10), die direkt am Tisch angegossen wird – wie das duftet! Danach folgt im Duo eine pochierte Gillardeau-Auster (7/10) mit grünem Apfel und Radieschen an einer schön balancierten Ponzu. Stark auch das daneben, im hauchdünnen Tartelette, servierte Thunfisch-Tatar (7/10) vom Toro und dem mageren Akami – darüber gibt es eine grosszügige Nocke Kaviar. Abschliessend folgt das Highlight der ersten Petitessen: im tiefen Tellerchen ein Madai (9/10), eine Seebrasse aus Japan, an einer Yuzu-Dashi-Vinaigrette. Eindrücklich wie sich die kräutrigen Aromen akzentuieren und das Geschmacksbild von der leichten Schärfe vom frischen Wasabi umarmt wird.

Ein ganz grosses Ausrufezeichen setzt dann der erste Gang des eigentlichen Menüs: Ein Hamachi (10/10) (Gelbschwanzmakrele) aus Japan. Der Fisch ist roh und wurde 48 Stunden in Kombu-Blättern eingewickelt und mariniert. Der Fisch ist extrem zart und harmoniert hervorragend mit seinen Begleitern sowie der perfekt dosierten Schärfe. Die Rassigkeit kommt von der Shishito-Vinaigrette. Shishito ist eine milde japanische Chilisorte die geschmacklich an Jalapeños erinnert. Zudem finden wir auf dem Teller Myoga, ein japanischer Ingwer. Das schmeckt alles intensiv, frisch, herbal und, dank der erwähnten Schärfe, extrem spannend und vielschichtig. Ein grossartiges Gericht an das wir noch lange denken werden.

Japan trifft Italien. Denn nun geht es weiter mit einem Chawanmushi mit Parmesan (7/10). Darüber fein gezupfter Taschenkrebs, eine Aal-Dashi, Schnittlauch und eine Nocke Kaluga-Kaviar von N25 das dem Gericht mit seiner Jodigkeit komplettiert – wir sind auch hier beeindruckt.

Wie jeder Fisch und jedes Stück Fleisch hier im Restaurant, wird auch der Petersfisch (9/10) aus Frankreich, zuerst auf der Plancha gebraten bevor er zur Vollendung noch ein paar Sekunden auf den japanischen Holzkohlegrill kommt. Auch die kleinen Stücke vom Calamari und die Stabmuscheln haben, neben ihrem feinen Eigenaroma, auch einen leichten Gôut von der Holzkohle. Auch das restliche Gericht überzeugt; genussvoll ziehen wir den Löffel immer wieder durch die himmlische Dashi-Nage – eine beurre-blanc-artige Sauce. Ein vollkommenes Gericht mit viel Wohlgeschmack.

Zeit für den Signature-Dish: den gebratenen Kaisergranat (8/10) an einer Miso-Hollandaise begleitet mit Kürbis. Das Krustentier, ein grosses Kaliber, wird perfekt temperiert serviert und hat neben einer buttrigen Note auch eine wunderschönen Kaffir-Aromatik und eine knusprige Textur. Ein richtiges Wohlfühlgericht mit spannenden Texturen und richtig viel Power.

Anschliessend folgt der erste Fleischgang, bei dem ein Schweizer Schwein die Hauptrolle spielt: das Koji-Luma-Schwein (9/10). Dazu verwenden die Chefs ein von „Luma“ mit Edelpilz veredeltes Schweinefleisch, dass sie selber nochmals mit einer Koji-Paste bearbeiten. Das sorgt für mehr Umami-Geschmack und einer zarteren Struktur. Dazu gibt es einen klebrig feinen Schweine-Jus mit Périgord-Trüffel, Chili, Knoblauch und Maitake-Pilzen. Dazu eine angenehme Schärfe vom Ingwer. Das Fleisch hat richtig viel Power und in Kombination mit der intensiven Sauce und dem Trüffel ist dies ein weiterer kulinarischer Traum.

Auch die Taube (9/10), vom französischen Züchter Jean Claude Miéral, wurde auf der Holzkohle vollendet – auch hier, nur ganz kurz und mit viel Fingerspitzengefühl, damit das Raucharoma nur ganz behutsam ans Fleisch kommt und nicht vom Eigengeschmack ablenkt. Die Zubereitung ist perfekt und wir entdecken auf dem Teller auch Scheiben von gebratener Foie Gras die dem Gericht eine weitere Geschmacksebene verleiht. Die Kombination schmeckt hervorragend. Auch die tiefe Sauce macht süchtig – abgerundet wird diese von einer pfeffrigen Nuance und einer leicht bitteren Note vom Trevisano, einer Radicchio-Sorte.

Abgeschlossen wird der salzige Teil des Menüs mit Ozaki Wagyu A5 (9/10). Das Fleisch, mit seiner genialen, geschmackvollen Fettstruktur, wird von einer hervorragenden Kujo Negi (Frühlingszwiebel)-Vinaigrette, die mit ihrer Säure den perfekte Gegenpart zum Wagyu darstellt. Das schmeckt alles unglaublich frisch und gleichzeitig intenstiv. Ein unvergessliches Gericht – ganz nah an der Höchstwertung. Ebenfalls Applaus gibt es für den à part gereichten japanischer Koshihikari-Reis mit verschiedenen Gewürzen – schade, dass in der Spitzenküche nicht öfters zum Hauptgang noch eine Beilage serviert wird, so wie hier.

Nach einer kleinen Erfrischung geht es zum Dessert, das auf der Karte ganz Bescheiden mit Traube (9/10) annonciert wird. Auf dem Teller finden wir neben dem Trauben-Sorbet mit einer angenehmen Ingwer-Note dann noch unzählige andere Komponenten wie Joghurt, Jasminblüten, Shiso, Mandeln oder Zitronen-Gelée. Das schmeckt alles sehr frisch, abwechslungsreich und gleichzeitig komplex. Dies überrascht uns nicht, denn mit Dominiks Frau Yoshiko ist eine Spitzenpâtissière im Restaurant die ihr Handwerk versteht. Das zeigt sie auch mit dem à part servierten perfekten Soufflé …

… und im Anschluss bei den Friandises und Pralinées (9/10) die alle einen leicht asiatischen Twist haben und sowohl handwerklich als auch geschmacklich brillieren.

Fazit: Da geben zwei so richtig Gas! Fabio und Dominik leben hier in Andermatt ihre Leidenschaft für die japanische Küche aus und überzeugen mit einem durchwegs extrem starken Menü. Dabei schaffen die beiden mit ihrer kleinen Brigade den perfekten Mix aus Gerichten, die mit eleganten, asiatischen Geschmäckern imponieren, als auch mit Speisen die extrem viel Power haben. Daraus entsteht ein absolut beeindruckendes Menü auf höchstem Niveau. The Japanese ist definitiv das Highlight des beeindruckenden Hotels und gilt zu Recht als eines der besten Restaurants der Schweiz. Wir sind sehr gespannt wie die Reise von The Twins @ The Japanese weitergeht.

Übrigens, mit dem The Japanese by The Chedi at Gütsch betreuen die Zwillinge noch ein Zweitrestaurant auf dem Berg. Das Restaurant ist mit einem Stern ausgezeichnet. Leider war es während unserem Besuch geschlossen.

Speisekarte: Das Menü gibt es als 5 (280 Franken), 6 (310 Franken) oder 8 (420 Franken) gängige Varianten – letztere Option beinhaltet zwei Signature Gerichte (Kaisergranat und Ozaki Wagyu A5). Die vegetarische Variante gibt es in 5 (250 Franken) respektive 6 Gängen (270 Franken). Alternativ kann man die selben Gerichte auch à la carte bestellen (Vorspeisen ca. 85 Franken, Hauptgänge ca. 135 Franken). Dazu serviert man vier Snacks, ein Pré-Dessert und Friandises

Wein: Neben einer Weinbegleitung steht auch ein Sakepairing zur Auswahl (300 Franken bei 8 Gläser / 210 Franken bei 6 Gläser). Daneben gibt es eine extrem umfangreiche Wein- und Sakekarte. Wir haben dem sehr guten Sommelier Luis Pedro freie Hand gegeben wodurch er pro Gang zwischen Wein und Sake die beste Option gewählt hat.

  • Ninki – Genshu 11 – Junmai Daiginjo 50 % pol. – Regionale Mischung – Fukushima, Japan
  • 2023 – Domíno do Açor Encruzado – Encruzado – Dão – Portugal
  • 2021 – Comtes Lafon 1er Cru „Mersault-Charmes“ / Chardonnay – Burgund, France
  • Amabuki – Stawberry Blossom – Junmai Daiginjo 40 % pol. – Omachi – Saga – Japan
  • 2021 – Gantenbein / Pinot Noir / Graubünden – Switzerland
  • 2015 – Château Couvent des Jacobins Grand Cru Classé Saint-Émilion – Merlot, CS, CF – Bordeaux, France
  • Ikemame – Turtle Red – Junmai Daiginjo 50 % pol. Yamada Nishiki – Fokuoka – Japan
  • 2021 – Chiappini, Guado de Gemoli – Merlot, CS, CF, Tuscani, Italy
  • Katsuyama – Lei – Junmai Ginjo 55 % pol. – Hitomebore – Miyagi, Japan

Online: https://www.thechediandermatt.com/

Wertung: Gourmör  / Michelin   / Gault&Millau 

Sonderauszeichnung:  Auszeichnung für eine geniale Weinbegleitung /  Schöne Zigarren-Lounge vorhanden

(Besucht im November 2025)

La Grand’Vigne in Martillac, Bordeaux FR

Gewisse Orte vergisst man nie. Dazu gehört auch das wundervolle Hotel Les Sources de Caudalie mit seinem Gourmetrestaurant La Grand’Vigne inmitten der Weinbergen des rennomierten Château Smith Haut Lafitte in Bordeaux. Wir haben das Anwesen auf unserer Tour de France vor acht Jahren besucht und waren begeistert. Seit dem Besuch subskribieren wir jedes Jahr Weine vom Château und empfehlen das Hotel und das grossartige Restaurant jedem Bordeaux-Reisenden. Die Adresse war dann auch der Grund, weshalb wir bei unserem Trip ins Baskenland, einen Abstecher ins Bordeaux machten.

So haben wir uns im 5-Sterne-Hotel auch grad wieder zu Hause gefühlt. Die 61 Zimmer, des erst kürzlich vom Guide Michelin mit 3 Michelin-Keys ausgezeichneten Hotels, sind in verschiedenen Gebäude rund um einen idyllischen Teich untergebracht. Ausgehend von einer eigenen Thermalquelle, finden die Gäste hier auch ein SPA-Bereich inklusive einem beheizten Aussenpool.

Das Herzstück des Hotels – zumindest für uns Gourmets – ist das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete La Grand’Vigne von Chef Nicolas Masse. Es ist schön, heute wieder Gast sein zu dürfen. Seit dem letzten Besuch wurde das Restaurant modernisiert. Ein neuer Teppich, dunkles Blau, bequeme Stühle und neue Tische, deren Platten leider etwas wackeln, bilden einen sehr gemütlichen Ort. Das Service-Team macht von Beginn weg einen tollen Job. Die Speiseauswahl gestaltet sich einfach, denn es gibt lediglich zu entscheiden ob man das Überraschungsmenü in 5 oder 7 Gängen bestellen möchte. Unsere Wahl fällt selbstverständlich auf letztere Option.

Zur Begrüssung serviert man uns zuerst eine kalte Essenz mit allem, was die eigenen Gärten rund ums Hotel zu bieten haben. Tatsächlich sieht man während dem Tag immer mal wieder Köche durch die Beete ziehen. Auch Chef Masse konnten wir vor einer Stunde beim Kräuter schneiden beobachten. Der Aufwand hat sich gelohnt – es ist faszinierend, wie herbal und vielschichtig dieses Elexier schmeckt.

Anschliessend folgen drei kleine Snacks (9/10), die in zwei Wellen an den Tisch kommen: Wassermelone mit einem hauchdünnen Essig-Mantel danach Radischen mit Holunder und als drittes der Klassiker „der falsche Kork“ gefüllt mit Entenleber und weissen, süssen Trauben. Alle drei Petitessen sind handwerklich perfekt umgesetzt und geschmacklich extrem stark. Das Highlight: Die Wassermelone, die mit der genialen Essig-Note für ein regelrechtes Feuerwerk sorgt. Die Küche hievt also die Messlatte von Beginn weg sehr hoch. Kleiner Verbesserungstipp: Man sollte nach den Fingersnacks den Gästen unbedingt ein feuchtes Tüchlein reichen.

Zum guten Brot, bei dem wir lediglich die knusprige Kruste vermissen, serviert man uns eine hervorragende gesalzene Butter mit Dill. Danach folgt der erste Gang mit Tatar vom Kaisergranat mit Kaviar an einer Kräutersauce (7/10) – eine Komposition aus dem Jahr 2016. Uns gefällt sowohl der rohe, leicht nach Yuzu schmeckender, Kaisergranat, als auch der geschmacksvolle Kaviar aus einer Zucht in Frankreich und auch die florale Kräutersauce mit der Koraindernote. In Kombination vermissen wir aber die Harmonie. Da verliert das Krustentier gegen die Sauce und auch der Kaviar kann seinen Geschmack nicht richtig entfalten. Das ist alles sehr gut, aber kein Gericht für die Ewigkeit.

Absolut hervorragend dann aber der zweite Gang: Artischocke mit Estragon (9/10). Was man auf den ersten Blick nicht sieht: die Artischocke ist gefüllt mit geschmortem Mangold. Dazu kredenzt man uns einen himmlischer Estragond-Sud. Das ist eine absolut süchtig machende Kompositon. Ein schönes Detail: die angegossene Sauce (auch bei allen folgenden Gerichten) wird immer in einer Sauciere zum nachschöpfen auf dem Tisch gelassen.

Zeit für das Highlight des Abends: Blumenkohl im Blätterteig an einer Aal-Sauce (10/10). Am Tisch wird der Blumekohl stilvoll auf einem massiven Holzbrett aufgeschnitten. Die Kombination aus dem kohligen Aroma, dem Butter und dem Aal sorgt für einen Gänsehautmoment. Das ist absolut grossartig!

Auf Top-Niveau geht es weiter mit dem Seehecht mit Zucchini (9/10). Der mit der Angel gefangene Fisch aus dem südlichen gelegenen Saint-Jean de Luz, hat nicht nur die perfekte Garstufe, sondern auch einen wundervollen Eigengeschmack. Dazu gibt es eine wundervolle Beurre-Blanc mit dem Wein vom eigenen Weingut. Sogar die Zucchini-Crème und die Zucchini Schnecke schmeckt hervorragend. Glückselig sitzen wir am Tisch und freuen uns auf den Hauptgang.

Im Hauptgang gibt es Taube. Der Vogel aus dem nahe gelegenen Dorf Brannens serviert man uns mit Shiso, Brombeeren und Eierschwämmli (9/10) und kreiert somit einer der besten Tauben-Gänge die uns jemals zubereitet wurden. Extrem viel Geschmack, perfekt ausbalancierte Säure und dazu die powervolle Sauce mit den Innereien der Taube (Leber und Herz!). À part gibt es noch einen kleinen Kracker der die Hauptzutaten vereint.

Beim Käsewagen verzichtet man auf Quantität und setzt lieber auf die Highlights aus der Region. Mit jedem Käse serviert man uns die passenden Kräuter. Danach folgen zwei Desserts, die beide begeistern. Wir beginnen mit einem leichten pré Dessert von Kräutern und Gurke (9/10) bevor es zum Finale eine Kombination aus eingelegten Kirschen und Joghurt (9/10) gibt. Zum Kaffee folgen noch Friandises (8/10) in Form von Grand-Cru Schokoladenstangen und einem Honig-Glacé – den Honig beschaffen selbstverständlich die Bienen aus dem eigenen Garten.

Fazit: Auch der zweite Besuch bei Nicolas Masse und seinem Team hat uns extrem begeistert. Alles war wiederum auf Top-Niveau. Hier zelebriert man eine Küche mit eigener Handschrift, kreativen Ideen und vor allem mit viel Wohlgeschmack. Der erste Eindruck vor acht Jahren hat nicht getäuscht: das La Grand’Vigne ist eine rundum grossartige Adresse. Wer in Bordeaux ist, sollte unbedingt einen Tisch reservieren.

Speisekarte: Das Überraschungsmenü gibt es in 7 (235 €) respektive 5 (185 €) Gängen. Dazu serviert man Snacks, Brot und Friandises.

Wein: Die Weinbegleitung wird in 5 Services angeboten und kostet 165 €.

Wertung: Gourmör / Michelin

Sonderauszeichnungen: Hier fühlt man sich besonders wohl / Auszeichnung für eine tolle Weinbegleitung

(Besucht im September 2024)

Haerlin in Hamburg

Seit über 20 Jahren ist Christoph Rüffer Küchenchef im Hearlin, dem Gourmetrestaurants des legendären Hotel Vier Jahreszeiten in der Hamburger Innenstadt. Das Lokal ist wunderschön klassisch-luxuriös eingerichtet, ohne altbacken zu sein. Schwellenangst muss man hier übrigens keine haben. Dank dem tollen Service unter der Leitung von Marius Jürke fühlen sich alle von Beginn weg wohl.

Wir starten mit einem Glas Dom Perignon 2013 in den Abend – den gibt es hier im Offenausschank. Dazu werden drei Snacks (9/10) serviert. Mit dem geeisten Kopfsalat an Estragon und Gazpacho-Sud sowie dem perfekten Gougère mit Taschenkrebs und Forellenrogen und Rhabarber gibt es schon mal zwei ganz grosse Ausrufezeichen aus der Küche! Ein weiteres Highlight wird danach an unseren Tisch gerollt: der Butterwagen. Verschiedene Sorten werden vor unseren Augen zubereitet. Wir kriegen eine Butter mit Trüffel, eine mit Schnittlauch sowie eine mit Sauerkrautcrème. Dazu serviert man uns eine der besten Brotselektionen die uns seit Jahren aufgetischt wurde.

Weiter geht es mit dem Amuse Bouche, einer confierte Lachsforellee mit Meerrettich (9/10) an einer grossartigen Sanddorn-Beurre blanc. Sanddorn-Komponenten sind oftmals zu säurebetont, doch hier ist alles perfekt abgeschmeckt und gipfelt in einem wundervollen Geschmacksbild. Nachdem die Küche mit dem ersten Gang „eine handvoll Meer“ (7/10) etwas ruhigere Töne anschlägt, findet man mit der Felsenrotbarbe (9/10) im zweiten Gang wieder richtig viel Power auf dem Teller. Soeben noch in Hamburg, katapultiert Rüffer uns mit der grossartigen Sauce an die Côte d’Azur. Magisch!

Zu Beginn des Abends, fanden wir auf der Speisekarte eine handvoll Gerichte, die man ins Menü einbauen oder andere Gerichte damit auswechseln konnte. Wir wollten unbedingt die Maronen-Tortellini (8/10) mit Perigord-Trüffel probieren. Diese werden nun an einem leicht süssen Sherry-Sud serviert. Am Tisch wird schwarzer Trüffel darüber gehobelt – wie das duftet! Im Teller liegen 3 Tortellini – und so ergeben sich drei „perfekte Bissen“, die wir mit geschlossenen Augen geniessen.

Zeit für den Hauptgang und der ist schlicht phänomenal! Das Deichlamm (10/10) aus Nordfriesland ist nicht nur perfekt zubereitet, sondern auch von allerbester Qualität. Die am Tisch aufgegossenen Sauce ist ein wahres Elixier und mit seiner leichten Säure geradezu süchtigmachend. Dazu gibt es knusprige Kartoffelkissen und, als zusätzliches Highlight, gefüllte Morcheln. Wir verneigen uns! Später auch von der Patisserie, denn auch die brilliert. Zuerst mit einem weissen Kaffeesorbet (9/10) an einem destillierten Coldbrew Banane und Erdnusskrokant und zum Zweiten in Form von einem Schokoladensplitter (9/10) mit der nicht alltäglichen Kombination aus Thai-Basilikum, Rum und geschmorter Ananas. Die exotischen Aromen begeistern uns. Das hervorragende Menü wird mit einer schönen Auswahl an Friandises (8/10) und einem sehr guten Espresso abgerundet.

Fazit: Nichts gegen tischtuchfreie Gourmet-Restaurants, aber es macht schon grossen Spass, wieder einmal in einem richtig luxuriösen Restaurants zu dinieren. Alleine diese Kulisse macht das Restaurant zu etwas Besonderem. In Kombination mit dem grossen Engagement und der Leidenschaft vom Service- und Küchenteam entsteht dieses besondere Juwel. Das Hearlin gehört zu Recht zu den besten Adressen Deutschlands.

Angebot: Das Menü in 6 Gängen wird für 295 € angeboten. Wasser und Kaffee sind im Preis inkludiert. Die perfekt aufs Menü abgestimmte Weinbegleitung wird für 195 € offeriert, die alkoholfreie Begleitung kostet 135 €.

Online: https://restaurant-haerlin.de/

Wertung: Gourmör / Michelin

Sonderauszeichnung: Top-Service, hier kann man die Seele so richtig baumeln lassen / Auszeichnung für eine geniale Weinbegleitung / Fumoir vorhanden

(Besucht im März 2024)