The Restaurant (The Dolder Grand), Zürich

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Heiko Nieder serviert in seinem eleganten The Restaurant zum Lunch nicht nur sein grosses Menü, sondern auch ein spannendes „Amuse Bouche Menü“. Die Speisefolge mit unzähligen Häppchen wiederspiegelt die aktuelle Karte und offenbart dem Gast einen Blick in das Schaffen des talentierten Chefs. Das Menü ist nicht nur hervorragend im Geschmack, sondern mit 98 Franken auch sehr fair kalkuliert. Wer sich etwas ganz besonderes gönnen will, sollte sich hier unbedingt einen Tisch reservieren und sich zwei Stunden lang verwöhnen lassen.

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(Besucht im August 2014)

Unser Besuch im Frühling 2011

Vor drei Jahren feierte das Dolder Grand ob Zürich die grosse Neueröffnung. Vier Jahre lang wurde das Hotel für 440 Mio. Franken renoviert. Über das Ergebnis gehen die Meinungen, wie bei allem, auseinander. Die Einen bejubeln das Hotel als Juwel die Anderen beklagen sich über Unpersönlichkeit. Einzig die Tatsache mit den vielen „kalten Betten“ lässt sich nicht bestreiten.

In einem Punkt sind sich aber alle einig. Dem Management ist mit der Verpflichtung des Deutschen Sternekochs Heiko Nieder ein grosser Wurf gelungen. Er kocht seit der Wiedereröffnung in seinem modern eingerichteten „The Restaurant“ mit sehr viel Ergeiz und Fleiss.

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Dem Michelin Team ist dies seit der aktuellen Ausgabe 2011 sogar den zweiten Stern wert. Somit ist The Restaurant in Michelins Augen das beste Feinschmecker Restaurant in Zürich. Da auch die Gault-Millau Tester um Urs Heller stolze 17 Punkte vergeben und Nieder mit seiner zehn Mann Brigade modern und spannend kocht, haben wir uns an einem schönen Frühlingsabend einen Tisch im Gourmetrestaurant des 5 Sterne Hotels reserviert.

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Bereits das Vorfahren beim Hotel ist ein Erlebnis. Zuerst blickt man auf den imposanten Bau und vor dem Eingang läuft gleich ein freundlicher Angestellter entgegen und nimmt einem den Autoschlüssel ab. Die freundliche und lockere Art liessen alle Befürchtungen an einen steifen Abend schnell verfliegen. Diese unkomplizierte Art wurde auch im The Restaurant weitergeführt. Im Lokal gab es allerlei Besucher, ältere und jüngere Gourmets und auch ein paar Neureiche die es nicht nötig hatten den bestellten Wein auszutrinken… Auf jeden Fall kann man die Kravatte und den Anzug mit gutem Gewissen zu Hause lassen.

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Apéro-Häppchen (Spargeln mit Himbeer, Algen mit Schwarzbrot, Süsskartoffel, Kornbisquit mit Käse) [5/10]

Nachdem wir uns auf die bequemen Stühle gesetzt hatten wurden gleich die Apéro-Häppchen aufgetragen. Die weissen Spargeln mit leichtem Himbeeraroma schmeckten am besten und spannendsten. Auch der Kräcker mit Käse war fein. Die restlichen Häppchen waren zwar optisch sehr schön schmeckten aber belanglos.

Ebenfalls zu den Apéros zählte dieses Schälchen mit Joghurt, Tomate und Kiwi. Ebenfalls nichts aufregendes.

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Brotauswahl und Aufstrich [10/10]

Als nächstes wurde uns eines der Highlights des Abends auf die Tischmitte gestellt – drei verschiedene Brote. Etwas später trat der Service mit einer weiteren Auswahl an selbstgemachtem Gebäck an unseren Tisch. Diese waren alle frisch, abwechslungsreich und super im Geschmack. Dazu gab es zweierlei Butter sowie zwei spannende Aufstriche. Wirklich genial, ich hätte mich den ganzen Abend davon ernähren können und es wäre mir nicht langweilig geworden.

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Amouse Bouche: Tuna, Gurke, Apfel, Wasabi [5/10]

Der erste Gruss aus der Küche bestand aus fein geschnittenen Tranchen vom rohen Thunfisch und Gurke der unter Apfel / Wasabi lag. Gegen die Schärfe des Wassermeerrettichs hatte der Fisch leider überhaupt keine Chance. Schade um den qualitativ sehr guten Tunfisch.  Daneben fand man im Glas noch kleine weisse Bällchen die aussahen wie überdimensionierte Schneckeneier. Diese bestanden aber aus einer geschmacksneutralen, an den Zähnen klebenden Stärke – überflüssig!

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Amouse Bouche: Geräucherter Octopus [6/10]

Der zweite Gruss war spannender. Die rauchige Note beim Octopus kam gut durch. Ebenfalls toll waren die dünnen Jalapeño Streifen welche für die Schärfe sorgten. Das Buttermilcheis neutralisierte und erfrischte das Ganze – ein schöner und passender Konrast.

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Langustinos mit Erdbeeren, Tomaten und grünen Oliven [8/10]

Der einzelne Langustino war von bester Qualität und hatte einen intensiven Geschmack. Der Höhepunkt war aber ganz klar das tolle Tartar von Erdbeeren, Tomaten und Oliven. Eine sehr (!) überzeugende Geschmackskomposition die auch wunderbar mit dem Krebs harmonierte. Einzig die dünne Scheibe Langustino überzeugte nicht – Kein Gout, zu dünn und brüchig.

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Weisse Spargeln mit Eigelb, Brunnenkresse und Kaviar [8/10]

Die in Streifen geschnittenen weissen Spargeln waren geschmacksintensiv und wunderbar knackig im Biss. Der Kaviar war eine tolle zusätzliche Komponente welche das Meer in den Teller brachte. Die getrocknete Brunnenkresse war schön knusprig setzte aber keine Akzente. Das Eigelb war super abgeschmeckt. Ein sehr harmonischer und feiner Gang.

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Rotbarbe und Chorizo mit Erbsen und Kirschbalsamico [7/10]

Mittlerweile ist es im Restaurant recht dunkel geworden. Vor Ort hat das nicht gestört. Die Kamera war damit aber leider komplett überfordert. Auch Tricks mit dem Computerprogramm konnten hier nicht viel retten. In Echt sahen die Speisen weiterhin sehr schön und farbig aus!

Ein richtig toller und intensiver Fisch. Die scharfe Chorizo passte unerwartet super dazu. Die Erbsen waren, wie nicht anders zu erwarten, ebenfalls perfekt. Der Geschmack nach Kirschen konnte ich leider nicht ausmachen.

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Kalb mit Morcheln, Emmentaler und Senf [8/10]

Das Kalb lag in drei Arten auf dem Tisch. Puristisch, gewürzt mit Salz und Pfeffer in Form von zwei (sehr) dünnen Filet-Tranchen, als Kalbsragout welches beim Servieren mit einem Löffel auf den Teller getreufelt wurde und zu guter Letzt stand neben dem Teller ein kleines Schälchen gefüllt mit einer Art Mousse mit Kalbsinnereien. Überzeugen konnten alle Drei! Das zarte und gut gewürzte Filet, das spannende Ragout und vor allem die tollen Innereien.

Der Salat lag in Form einer Sichel auf dem Teller und überragte dank den genialen Morcheln die versteckt unter dem knackigen Grün lagen. Selten macht Salatessen so viel Freude! Die Senfkörner setzten einen weiteren, feinen Akzent, die Emmentaler Tupfer gingen leider unter.

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Schnecken mit Speck, Rotwein, Sellerie und getrockneten Trauben [5/10]

Schnecken kannte ich bis dahin nur in Verbindung mit Kräuterbutter. Deshalb war ich auf diesen Gang besonders gespannt. Leider weiss ich auch noch heute nicht wie eine Schnecke schmeckt. Die Küche hat hier nämlich demonstriert was passiert wenn man es mit der Kreativität übertreibt und somit den Eigengeschmack eines Protagonisten begräbt. So lagen die paar Schnecken unter einem kalten Geschmackswirrwar der nach Sellerie schmeckte und im Abgang Trauben vermuten liess. Als wären die vielen Komponente nicht schon genug, hat Nieder auch noch ein paar kleine Pilze hinzu gelegt. Diese waren aber Geschmacksneutral und lediglich eine optische Zierde.

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„Tomme de Fleurette“ mit Birne, Thymian und Angostura [8/10]

Ein feiner Käse der von einem sehr passenden Thymiangeschmack begleitet wurde. Die Birnentupfer passten ebenfalls sehr gut dazu. Das selbstgemachte Birnenbrot war dagegen leider zu dünn geschnitten.

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Dessert von Rhabarber, Kokosnuss und Akazienblütensamen [9/10]

Überraschend nahmen wir das fehlen eines pré Deserts zur Kenntnis. Das tolle Rhabarber Desert tröstete uns aber rasch darüber hinweg. Dieser Teller harmonierte von links nach rechts und war ein Traum – verständlich, dass dieses Desert bereits vor einem Jahr auf der Karte stand. Das Akazienblütensamen Eis machte gegenüber der letztjährigen Version den Unterschied. Das Eis schmeckte sehr fein und harmonierte wunderbar mit den frischen und rohen Rhabarberstücken. Auch der Kokosnuss passte wunderbar dazu. Durch und durch sehr überzeugend.

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Friandis [7/10]

Mit Süssem war zum Glück noch nicht Schluss. Denn nun wurden weitere Schälchen mit Friandis aufgetragen. Unter anderem Macarons, Gelee oder Jägermeister Drops.

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Praliné [10/10]

Zum Espresso gab es noch eine tolle Auswahl an selbstgemachten Pralinen. Da gab es solche mit Marzipanfüllung, welche mit gesalzener Erdnuss, mit Studentenfutter oder sogar eines, welches den Mund zum knistern brach. Eine kreative und geschmacklich überragende Auswahl.

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Fazit: Heiko Nieder und seinem Team ist kein Aufwand zu gross. Das sieht man auf jedem einzelnen Teller. Man findet in jedem Gericht verschiedene Zubereitungsarten und kleine Finessen. Auch das Verbinden von Zutaten die auf den ersten Blick nicht zusammen passen (Erdbeeren und Oliven) macht das Essen spannend. Zudem war alles auf unserem Tisch perfekt und auf sehr hohem Niveau zubereitet.

Schlussendlich entscheidet jedoch der Gaumen ob sich der ganze Aufwand lohnt oder ob weniger mehr gewesen wäre. Und so sassen wir oft hinter dem leer gegessenen Teller und fragten uns wo die Geschmacksexplosion bleibt.

Bis aufs Dessert konnte kein Gang aus dem Menü uneingeschränkt überzeugen. Es schmeckte zwar alles sehr fein aber auf dem (Preis)-Niveau möchte ich mehr. Ich möchte begeistert werden, neues entdecken, ja einfach so gut Essen wie sonst nicht. Bei einigen Gerichten wollte die Crew um Nieder vielleicht auch einfach zu viel.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Gang mit den Schnecken. Schnecken, Speck, Rotwein, Sellerie und getrocknete Trauben waren auf dem Menü aufgeführt. Es schmeckte aber weder nach Schnecken noch nach Rotwein sondern nach kaltem Sellerie und ein wenig nach Trauben. Als wären die vielen Komponenten nicht schon genug, legte man auch noch kleine Pilze dazu. Diese schmeckten nach Nichts und waren keine Bereicherung.

Für meinen Geschmack waren zudem fast alle Gänge zu knapp portioniert. Nein, wir hatten nach dem Essen keinen Hunger mehr, aber gewisse Komponente konnte man nur einmal probieren und da waren sie schon weg.

Das Service-Team hat einen sehr guten Job gemacht. Die Gänge kamen immer im richtigen Moment. Es wurde pünktlich das neue Geschirr aufgetragen und der Service war zum Teil so unscheinbar, dass wir nicht einmal bemerkten als uns das Brot weggetragen wurde. Auch die sehr zuvorkommende Art möchte hier gelobt sein! Einziger Wehrmutstropfen war die Tatsache, dass uns zwei Gerichte aufgetragen wurden ohne uns diese vorzustellen. Da hiess es einfach „Das Desert von der Rhabarber“ und man musste sich krampfhaft versuchen zu erinnern welche Komponenten auf dem Menü aufgeführt waren. Das darf natürlich nicht sein!

Wir hatten einen schönen Abend und wurden in diesen fünf einhalb Stunden (!) richtig verwöhnt. Es gab nicht einfach nur sechs Teller sondern viele Aufmerksamkeiten, zwei Amouses, Apérohäppchen und und und. Ein Besuch im The Restaurant hat aber auch seinen Preis. Und vergleicht man diesen mit anderen Restaurants in dieser Preisklasse würde ich jedem empfehlen die 220 Franken fürs Menü lieber in der nahe gelegenen Kunststuben zu investieren. Da gab es zwar nicht viel Drumherum dafür war jeder einzelne Teller eine Offenbarung.

Menü: Die Speisekarte wechselt alle drei Monate. Zur Auswahl steht ein 7 Gang Menü (wie beschrieben) für 218.-. Sowie ein, um den Käse und Schnecken gekürztes, 5 Gang Menü. Dieses schlägt mit 178.- zu Buche. Alternativ steht auch noch ein vegetarisches 5 Gang Menü für 148.- zur Wahl. Das à la carte Angebot ist klein und extrem teuer. Vorspeisen 39.- bis 75.- / Hauptgänge 65.- bis 95.- / Desert 23.- bis 39.-).  Das Auswechseln eines einzelnen Ganges durch eine à la carte Speise war kein Problem.

Wein: 7 Gänge, 7 Weine wobei der erste Wein auch gleich für die Häppchen und die Amouses eingeschenkt wurde. Dabei hat man zwei Mal nachgeschenkt. Beim Desertwein war man ebenfalls grosszügig. Für die Weinbegleitung verrechnete man uns 120.-. Ein sehr solzer Preis für das Gebotene. Die Begleitung passte zwar zum Menü, jedoch hat uns kein Tropfen genug beeindruckt als das wir diesen in den eigenen Weinkeller stellen würden. Bei dem Preis müssten aber schon drei, vier überdurchschnittliche Weine dabei sein.

Online: Die Homepage ist uninformativ. Lediglich ein paar Bilder des Restaurants sind darauf zu finden. Es fehlen ein paar Hintergrundberichte und vor allem Fotos der schönen Gerichte. Immerhin findet man das Wichtigste darauf: das aktuelle Menü!

Wertung: Gourmör / Michelin / Gault-Millau

Zum Löwen, Tisens (I)

Das kleine Dörfchen Tisens (it. Tesimo) liegt ein paar Fahrminuten von Merano im Südtirol entfernt. Die Fahrt führt über steile und enge Strassen und bietet eine schöne Aussicht. Da das Restaurant über keinerlei Parkplätze verfügt muss man sein Auto im kleinen Parkhaus in der Dorfmitte abstellen. Die letzten Meter über den Pflasterstein legt man dann per Fuss zurück.

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Von aussen wirkt die alte Scheune einladend. Aber erst beim Betreten entfaltet das Restaurant seinen vollen Glanz. Das wunderschöne Gourmetlokal wurde zwischen die bestehenden Mauern gebaut. Der Stil ist modern. Das Ambiente ist ungezwungen. Dies ist seit über 22 Jahren das Reich von Anna und Alois Matscher. Beide übernahmen das Restaurant als Quereinsteiger und hatten zu Beginn einige Probleme. Doch der Betrieb lief immer besser und als nach zehn Jahren Michelin einen Stern verlieh, ging es richtig aufwärts. Anfang 2008 konnten sie dann ihren langjährigen Traum verwirklichen und das Restaurant nach ihren Wünschen umbauen.

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Vom Inhaber und Somelier wurden wir dann an unseren Tisch geführt. Obwohl wir für drei Personen reserviert hatten waren nur zwei Gedecke parat. Das wurde zwar umgehend korrigiert, eine solche Unachtsamkeit sollte aber gar nicht passieren. Wir entschieden uns jeweils für eines der beiden 5-Gang Menüs. Der Austausch eines einzelnen Ganges mit einem à la carte Gericht war dabei überhaupt kein Problem.

Die zum Start servierten Brötchen waren fein, die beiden dazu gereichten Aufstriche sehr gut abgeschmeckt.

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Schinken, Grüne Spargel, Frittiertes Wachtelei [5/10]

Als Gruss aus der Küche wurde uns eine feine Scheibe Schinken, knackige Spargeln und ein knuspriges warmes Wachtelei aufgetischt. Die getrockneten Rettichscheiben sorgten für die nötige Schärfe. Ein netter aber verhaltener Start.

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„Carbonara“ von weissem Spargel, Sepia und Speckkrokant [8/10]

Auf den ersten Gang war ich besonders gespannt. Verheissen die Anführungszeichen vor einer Speise meist eine originelle Interpretation eines Klassikers. Und so war es auch. Nach nur einem Blick auf das Servierte würde man auf normale Spaghetti tippen. In Tat und Wahrheit waren es aber dünne Streifen von Spargeln und Sepia. Ob das passt? Und wie! Die Sepia waren super frisch und wunderbar im Biss und Aroma, die Spargeln sorgten für die leichte Bitternote. Dazu sorgte der Speck für den spannenden Akkord. Das Krokant war zwar zu knapp bemessen, dafür gab es noch ein ganzes Stück Speck obendrauf und man konnte selber dosieren. Zum Abschluss sorgte eine tolle Sauce mit schönem Curryaroma für die nötige Rasse. Eine wunderbare Kombination und ein toller Auftakt!!

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Tortelloni mit Burrata gefüllt auf geschmorten Datterini und Origanoöl [7/10]

Optisch einer der schönsten Teller den ich je vor mir hatte. Wunderschöne Farben, geschmacksvoll angerichtet. Das Highlight waren die genialen, fruchtigen Datterini-Tomaten wie ich sie noch selten gegessen habe. Das rote Nachtschattengewächs lag wie ein Rubin auf dem Teller und schmeckte genau so – genial! Gleichwertige Tomaten-Geschmackserlebnisse hatte übrigens bis jetzt nur im Coi in San Francisco und in der Braui in Hochdorf mit ihren getrockneten Tomaten.

Nun zu den Ravioli, die waren hauchdünn – so dünn wie ich sie immer gerne hinbekommen würde. Ein Hauch von nichts. Leider konnte die leichte Burrata-Füllung nicht gleich begeistern. Die war schlicht zu fad (liegt in der Natur von diesem Käse) um mit den anderen Protagonisten mithalten zu können. Trotzdem ein Gang an den ich mich gerne zurückerinnere.

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Fischsuppe nach Art des Hauses [9/10]

Unter einer „Fischsuppe“ hätte ich mir etwas ganz anderes vorgestellt. Eigentlich war es eher ein Fischsud mit einer grossen Auswahl an verschiedenem Meergetier. Der Sud war vielleicht einen Tick zu salzig, aber die Fische waren einfach überwältigend im Geschmack! Noch selten habe ich Frutti die Mare mit solch intensiven Geschmack geniessen dürfen. Dazu behielt auch jedes einzelne Stück seinen individuellen Geschmack. Dazu servierte mir Alois Matscher einen wunderschönen Chardonay – was will man mehr!

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Einheimisches Roastbeef mit Frühlingsgemüse, Rotweinsosse und Rosmarinöl [-/10]

Was soll jetzt noch schief gehen? Die Küche hatte die Antwort darauf leider bereits parat. Optisch sah der Teller ansprechend aus. Ich habe auch gleich das Frühlingsgemüse probiert und das schmeckte wunderbar. Dann machte ich mich freudig an das medium bestellte Roastbeef. Zwar hatten die Tranchen auf der einen Seite eine schöne rosa Farbe, das Fleisch war jedoch total zäh! Zuerst hoffte ich noch, dass nur das erste Teil betroffen war, doch auch zwei weitere Abschnitte waren total trocken.

Ich habe dann zum zweiten Mal in meinem Leben einen Teller zurück gegeben. Das erste Mal war erst vor ein paar Wochen in einem Steakhouse in dem das Fleisch kalt serviert wurde. Damals hat man sich entschuldigt, neu aufgedeckt und ein paar Minuten später einen tadellosen, neuen Teller geschickt. Hier im „Zum Löwen“ wurde meine Beschwerde nicht ganz so elegant abgewickelt. Der Teller wurde zwar mehr oder weniger unzögerlich zurück genommen aber anstatt, dass man mir einen korrigierter Gang serviert hat, erschien der Chef mit einem Alternativgang mit Wachteln an meinem Tisch. Die Bemerkung „Wir haben uns entschieden ihnen eine Alternative zu servieren da auch das restliche Roastbeef so schmeckt“ heisst auf gut Deutsch „Du hast überhaupt keine Ahnung wie Roastbeef schmeckt“.

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Gebratene Wachteln auf Kartoffelpüree mit Balsamicoessigsosse [5/10]

Die Wachteln waren natürlich alles andere als zäh. Der Vogel war wunderbar zubereitet und auch im Geschmack überzeugend. Der Kartoffelpüree war dagegen zu salzig. Das Dressing vermochte keine Akzente zu setzen. Das grosse Manko dieses Hauptganges war aber klar das fehlende Gemüse! Für mich unverständlich. Das Frühlingsgemüse aus dem vorherigen Teller hätten diesen Teller stark aufgewertet.

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Mousse von der „Ashanti“ Bitterschokolade und Olivenöl auf Passionsfruchtgelatine und frischen Früchten [6/10]

Nach dem Hauptgang hat man uns die Dessertkarte gereicht. Darauf waren acht verschiedene Nachspeisen aufgeführt aus der wir uns eine aussuchen durften. Ich blieb bei meinem angekündigten Dessert vom Degustationsmenü.

Ich mag mich nicht erinnern wann mir zuletzt in einem Restaurant „frische Früchte“ angekündigt wurden und dann auch tatsächlich serviert wurden. Hier wurde das Versprechen 100 Prozentig eingehalten. Jede einzelne Frucht war frisch, fein im Aroma und vor allem reif!

Das Schokoladenmousse war in Ordnung. Die Passionsfruchtgelatine bildete den Boden und gab dem Mousse eine passende, fruchtige Note.

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Friandises [-/10]

Das Schokoladen-Stück war super intensiv und passte auch sehr gut zum tollen Espresso. Die beiden anderen Leckereien waren total belanglos. Auch die Präsentation auf dieser grossen Platte wirkte unbeholfen.

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Fazit: Was für ein fulminanter Start! Jeder Gang hat mich total begeistert. Dann der Fauxpas mit dem Hauptgang. Dass man ein Fleisch zu lange gart kann passieren, dann muss man aber auch die Grösse haben diesen Fehler professionell auszubügeln. Über den Gast hinweg zu entscheiden, dass eine Alternative für ihn gescheiter wäre und diese gleich an den Tisch bringt, geht gar nicht! Ein bisschen Verständnis könnte ich aufbringen wenn mir irgend etwas nicht geschmeckt hätte – darüber kann man bekanntlich streiten. Aber im Fall von zähem Fleisch liegt die Sache auf der Hand, respektive auf dem Teller.

Der zweite Versuch mit den Wachteln und das folgende Dessert waren ebenfalls nicht mehr auf dem selben Niveau wie die Vorspeisen. Diese ersten Gänge waren dafür umso überzeugender! Die Ravioli, die Carbonara Interpretation und vor allem die geniale Fischsuppe werden mir bestimmt noch lange in Erinnerung bleiben!

Der Service war eine Mischung aus Bistro und gehobener Gastronomie. Zwei Mitarbeiter hatten eine Schürze umgebunden und servierten die Speisen locker und sympathisch. Der Chef und Inhaber stand im Anzug und nahm die Bestellung auf oder kümmerte sich um die Weingebleitung. Seine Tochter unterstützte ihn dabei. Diese Mischung passt sehr gut in dieses Restaurant. Wir wurden sehr gut und freundlich bedient. Die Atmosphäre war sehr angenehm. Die angesprochene Weinbegleitung wird übrigens nicht direkt beim Menü angeboten. Man hat mir jedoch gerne eine Solche angeboten. Wer im Südtirol ist muss hier unbedingt einkehren, man wird es bestimmt nicht bereuen!

Online: Auf der ansprechenden Homepage findet man einige Informationen. Es fehlen leider Fotos von Gerichten, die Dessert Auswahl und die Weinkarte.

Menü: Dem Gast stehen neben einer kleinen à la carte Auswahl auch zwei Menüs mit jeweils 5 Gängen zur Auswahl. Das Degustationsmenü für 75 € (+ 2 € für das Gedeck – wie in Italien unnötigerweise üblich) und ein Menü mit einheimischen Gerichten für 65 € (Dieses Menü war bei unserem Besuch genau so beeindruckend wie das Degustationsmenü). Dazu wurde noch ein Amuse Bouche sowie Frandises serviert. Der Menüpreis ist extrem fair. Nur selten bekommt man für sein Geld so viel geboten! Die Weinbegleitung (5 Gläser) war mit 27 € ebenfalls äusserst gästefreundlich kalkuliert. Der Restaurantbesuch dauerte 3 Stunden.

Wertung: Gourmör / Michelin / Gault-Millau

Usagiyama (Hotel Ryokan Hasenberg), Widen

Das Usagiyama auf dem Hasenberg gilt als eines der bestes japanisches Restaurant auf dem europäischen Festland. Es ist auch eines der wenigen mit einem Michelin Stern. Der japanische Geschäftsmann Masafumi Kurahayashi hat das Ryokan (japanische für Gaststätte) im Jahr 2003 gebaut und sich für eine authentische japanische Küche entschieden. Doch bis es soweit war mussten noch einige Steine aus dem Weg geräumt werden. Zuerst galt es den Gemeinderat zu überzeugen, dass ein solches Hotel und Restaurant überhaupt auf den Hasenberg passt. Der hatte dann auch per Verordnung dafür gesorgt, dass das Restaurant weiterhin auch Schweizer Speisen anbieten musste – zum Glück wurde diese Auflage mittlerweile sistiert.

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Die nächste Aufgabe bestand darin einen Koch zu finden der die Fähigkeit besass Kaiseki Menüs zuzubereiten. Um diese Kunst zu erlernen muss ein Koch über zehn Jahr bei einem Meister in die Ausbildung. Dass man nach einer solch strengen und langen Ausbildung in Japan ein gefragter und bewunderter Koch ist, erklärt sich von selbst. Umso schwieriger war es einen solchen Mann zu überzeugen in die Schweiz zu kommen, in ein Land wo man japanischem Essen nur mit Sushi assoziiert. Doch die grösste Hürde stand noch bevor: den Koch zu überzeugen in der Schweiz zu bleiben. Wie auf der Homepage zu lesen ist, stellte sich der nämlich schon bald die Frage wozu man sich diesen ganzen Aufwand antut wenn es die Gäste sowieso nicht schätzten. Er war nämlich der Meinung die Schweizer bevorzugten die industriell hergestellte Sojasauce seiner selbstgemachten und würden es nicht wertschätzen, dass man das Wasser zum kochen aus einer externen Quelle bezieht weil das Hahnenwasser zu hart sei. Zum Glück hat man das Vorhaben aber nicht aufgegeben. Mittlerweile hat man nämlich einen sehr guten Ruf und die Gäste kommen von weit her um diese spezielle Küche zu kosten. Heute steht Kenichi Arimura mit einer Handvoll japanischer Jungköchen in der Küche und zelebriert die japanische Kochkunst.

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Das Konzept wurde seit dem Start ein paar Mal geändert. Zuerst hat man die aufwendigen Kaiseki Menüs auch im regulären Restaurant angeboten. Vor zwei Jahren konnte man diese nur noch in den japanisch eingerichteten Hotelzimmer geniessen. Dies hatte den Nachteil, dass diese oft durch Übernachtungsgäste besetzt waren. Kurahayashi hat dem nun Abhilfe geschaffen indem er seinen Hofschreiner Sugiyama beauftragt hat im EG drei neue Séparées zu schreinern. Zwei sind für 2 – 4 Personen und das Grosse für eine Gruppe bis ca. 10 Personen. Da dieser lange Tisch auch für mehrere zweier Gruppen vergeben wird empfehle ich beim Reservieren anzumerken, dass man in einem der Kleinen speisen möchte. So oder so, man fühlt sich sofort ins 9’500 km entfernte Land der aufgehenden Sonne versetzt. Denn nicht nur das Essen ist authentisch sondern auch der Service. Die immer lächelnden Damen tragen alle einen Kimono und ziehen vor dem servieren ihre Schuhe aus. Auch die Geste werden aufgefordert sich vor dem betreten der Séparées von ihrem Schuhwerk zu trennen. Für den Gang auf die Toilette stehen dann Hausschuhe parat.

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Tofu in Saiko-Miso (Sojabohnenpaste) einelegt // Spargel mit Bauernspeck // Aji Makrele in Essig und Peperoncini // Aronwurzelpaste mit Senf // Tintenfisch und Meerlattich gerollt und frittiert [7/10]

Der erste Blick gilt den vielen Details. Alles ist mit feinster Kleinarbeit zubereitet. So zum Beispiel die feinen Schnitte in der Aronwurzel oder der Meerlattich der kunstvoll in den Tintenfisch gerollt wurde.

Für mich war das geschmackliche Highlight der frittierte Spargel mit Speckaroma – einfach wunderbar! Der Tintenfisch war extrem zart, bei der Aronwurzel machte sich eine schöne Senfschärfe (schmeckte eher nach Wasabi?) breit. Auch die Makrelen im Peperonicini hatten eine angenehme Rasse und gaben ein schönes Mundgefühl. Ähnliche Schärfe gab es bei den Folgegängen nicht mehr.

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Klare Japanische Suppe mit Dashi / Tofu aus Fisch und Ei / Bambussprössling, Kirschblumen, Karotte [-/10]

Was für ein Tempo! Gerade mal 6 Minuten nachdem uns die Vorspeise serviert wurde erreichte uns bereits die Suppe.  Auch bei den weiteren Gängen wurde jeweils beim Abräumen gleich die nächste Kreation auf den Tisch gestellt.  An diesen speditiven Ablauf mussten wir uns zuerst gewöhnen.

Die Dashi, klare Suppe, gehört zur schwierigsten Aufgabe eines Kochs und ist so etwas wie die Visitenkarte. Für mich war der Geschmack der Suppe zu schwach. Man musste sich stark konzentrieren um ein leichtes Aroma wahrzunehmen. Diese milden Aromen ziehen sich wie ein roter Faden durch die japanische Küche. In dessen der Grundgeschmack des Produkts im Vordergrund steht. Mit Gewürzen geht man hier sehr zurückhaltend um oder verzichtet ganz darauf.

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Komposition von Sashimi dekoriert für Kirsch (Sakura)-Fest. Thunfisch, Loup de mer, Jakobsmuscheln, Tintenfisch, Dünn geschnittenes Gemüse, Wasabi, Sojasauce mit Dashi [6/10]
Ein Bijou! Diese Farben, diese Detailarbeit! Der erste Bissen war dann auch gleich eine Offenbarung. Zwei Jakobsmuschelteile mit einem kleinen Zitronenschnitz. Den einen Ecken in die hausgemachte Sojasauce dunken und einfach geniessen! Das zweite Highlight lag, versteckt unter einem Kirschbaumblatt, in einem Glas: Tintenfischstreifen, mariniert mit ein paar knackigen Fischeiern. Die beiden Edelfische (Tuna und Wolfsbarsch) waren sehr frisch und zart für meinen Geschmack wurden sie aber viel zu kühl serviert und waren geschmacklich zu belanglos.

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Crevette mit Brotkrusten fritiert / Zitronenscheibe, Salz mit Currypulver [8/10]

Ufff… was würde ich nicht alles machen um nochmals ein solches Stück essen zu können. Als dieser Gang am Nachbartisch aufgetragen wurde, hatte ich sogar mit dem Gedanken gespielt die Dinger in einem Sturmangriff zu erobern. Einzig die Sorge aus dem Restaurant geworfen zu werden ohne die weiteren Gänge zu essen hielt mich von diesem abenteuerlichen Vorhaben ab. Dafür genoss ich meine zwei Exemplare umso mehr; streute eine Prise Currysalz drauf, presste die Zitrone so behutsam, dass nur ein einziger Tropfen die feine Kruste traf und genoss dann intensiv!

Sakuramushi die Symbolspeise zur Kirschblütenzeit aus Kaisekiküche. Klebreis mit Rouget Barbet gedämpft, Sauce aus Pfeilwurzelmehl, Wasabi [-/10]

Der gedämpfte Rotbarbe lag eingewickelt im Klebreis. Das Wasabi war für die Schärfe zuständig. Ich wäre froh gewesen, wenn mir jemand erklärt hätte wie man so etwas genau isst. Auf jeden Fall war ich froh, dass mich dabei niemand beobachtete. Geschmacklich ging die Sache in Ordnung, wirklich überzeugend war es aber nicht.

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Rolle aus Lachs, Gurke und Yamwurzel. Dressing: Essig und Sesam [5/10]

Auch dieser Fisch war für mich zu kalt. Das wird auch der Grund gewesen sein, weshalb der Lachs zu wenig Geschmack hatte. Dafür stach der Gurkengeschmack schön heraus. Das Dressing war sehr speziell und lecker. Es erinnerte mich irgendwie an ein Haselnussjoghurt.

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Rindsfilet grilliert, an japanischer Sauce aus Sake-Hefe. Rettich in Kirschblumenform [5/10]

Ich hatte mich schon gefragt wie das Rindsfilet serviert wird damit ich es mit meinen Stäbchen essen kann. Die Lösung lag auf der Hand, es war in vier mundgerechte Happen geschnitten. Das Fleisch war medium-rare gebraten und extrem zart. Einzig die Tatsache, dass auch dieses Fleisch kühl serviert wurde, überraschte mich. Die Sauce passte sehr gut zum Fleisch und war wiederum wenig dominant damit der Eigengeschmack des Fleisches nicht verloren ging. Der Rettich war sehr speziell und erinnerte Geschmacklich überhaupt nicht an die Rettiche die ich bisher kannte.

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Sushi-Reis mit Krabbenfleisch in der grossen Tasche aus Ei,  Schwarzwurzel, Karotte, Ingwer // Misosuppe [5/10]
90 Minuten nachdem wir das Restaurant betreten haben, wurde bereits der letzte Gang aufgetragen. Die servierte Miso schmeckte mir besser als die erste Suppe, sie hatte mehr Aroma. Der Sushi-Reis war gut, vor allem überzeugte die feine Ei-Tasche und der frische Ingwer.

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Sakura-Mochi mit eingelegtem Kirschblatt (Klebreiskugel mit süsser Mungabohnenpaste) / Hausgemachte Glace mit Honig / Tofu aus Milch / Browniekuchen aus Schokolade / Früchte der Saison [6/10]

Fangen wir bei der Rangliste mal hinten an: Früchte der Saison… Erdbeere? Nun ja, ein bisschen Geschmack hatte sie. Die Melone war leicht besser, die Ananas war richtig reif. Das Sakura-Mochi war gut, für meinen Geschmack hätte aber mehr Mungabohnenfüllung rein gehört. Diese Füllung war nämlich sehr fein, ging wegen dem vielen Reis aber ein wenig unter. Der Tofu aus Milch war sehr lecker, die zwei Stück Brownie ebenfalls. Auch hier verwendete man wenig Zucker und Schokolade, aber es war sehr fein und sehr frisch! Platz 1 ging an die Honig-Glace, einfach genial! Während ich Löffel für Löffel auf der Zunge zergehen lies, frage ich mich weshalb es eigentlich so wenig Glace mit diesem Aroma gibt?

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Zur Rechnung wurde uns noch ein Origami geschenkt.

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Fazit: Wir hatten im Usagiyama einen schönen und interessanten Abend. In der Küche wird mit viel Liebe gekocht. Ein solches Restaurant zu bewerten ist sehr schwierig denn ich habe überhaupt keine Vergleichsmöglichkeiten. Ich esse zwar für mein Leben gerne Sushi das hat aber mit der Kaiseki Küche gleich viel gemeinsam wie Schnitzel Pommes in einem Fine Dining Restaurant. Das Einzige was ich bewerten kann ist der Geschmack und das ist schlussendlich das Wichtigste. Die Köche und Ihre Dashi in Ehren, aber würde mir die Suppe in einem anderen Restaurant serviert würde ich den Koch fragen ob er vergessen hat zu würzen. Und diese erwarteten Geschmacksexplosionen vermisste ich auch in vielen anderen Gängen. Ich brauche keine Schärfe und auch keine Bratensauce, aber schlussendlich will man ja einfach etwas tolles schmecken.

Die geschmacklichen Highlights hat es natürlich auch gegeben. Die Vorspeisevariation war zum Beispiel sehr toll. Auch die eine Hälfte der Sashimis (Tintenfisch und Jakobsmuscheln) waren genial! Unvergesslich bleiben auch die frittierten Crevetten im Brotmantel und die tolle Honigglace!!

Vom freundlichen Service wurden wir total alleine gelassen. Ich hätte es begrüsst wenn man uns zu Beginn das Konzept und den Ablauf erklärt hätte. Auch hätte es uns interessiert welche Getränke zum Essen passen würden. So bestellten wir zu Beginn einen Tee und wurden danach nicht mehr gefragt. Die Wein/Sake-Gläser wurden vor dem Dessert ungebraucht abgeräumt. Es lag sicher auch daran, dass die Bedienung kein Wort Deutsch sprach. Hier würde sich aber empfehlen, dass man einen Maître hätte, der mindestens zu Beginn zum Gast geht und das Menü bespricht.

Unter dem Strich war es eine schöne, neue Erfahrung. Wie geschrieben war jedoch für mich der Geschmack oft zu schwach, die Menüabfolge viel zu schnell (wir hätten das Restaurant während der Abenddämmerung verlassen, wenn wir das Dessert nicht um 40 Minuten verzögert hätten) und die Portionen zu klein. Auf dem Weg zum Ausgang hätte ich gerne noch einen Halt an der Sushi-Bar gemacht. Ich muss nicht der Völlerei frönen, jedoch mag ich es auch nicht noch leicht hungrig ein Restaurant zu verlassen.

Neben dem Michelin-Ausgezeichneten Restaurant Usagiyama gibt es übrigens auch noch ein à la carte Restaurant. Dort sitzt man an normalen Tischen und kann von der japanischen Alltagsküche ordern. Zu guter Letzt darf natürlich auch eine Sushi-Bar nicht fehlen. Die frischen Sushis bewegen sich auf einem Band am Gast vorbei und man kann sich wie gewohnt selber bedienen. Die Sushis sind hier von überdurchschnittlicher Qualität.

Online: Eine Homepage muss den Gast im Vorfeld informieren und ihm einen Eindruck über das Restaurant verschaffen. Besonders bei einem solch unalltäglichen Esserlebnis wie hier. Doch leider ist der Internetauftritt wirr und unübersichtlich. Es gibt Widersprüche und viele offene Fragen. Auch die Auskunft in welchem Raum man die Kaiseki Menüs essen kann wird nicht schlüssig beantwortet. Die Investition in eine schöne und übersichtliche Homepage würde sich bestimmt lohnen.

Übrigens empfiehlt es sich telefonisch zu reservieren. Die Reservationen per Mail werden nämlich nicht rückbestätigt! Auf Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass dies zu aufwändig wäre, deshalb melde man sich nur, wenn die Reservation nicht gemacht werden kann… ungewohnt und vor allem kundenunfreundlich!

Menü: Bei unserem Besuch standen drei Menüs zur Auswahl. Diese wechseln monatlich und sind einem speziellen Thema gewidmet. Bei unserem Besuch stand in Japan das Kirschfest an, deshalb prägte dies das Menü. Kurama für Fr. 169.- (wie oben beschrieben). Im Menü Daigo gibt es zusätzlich Toro vom Thunfisch (Fettreiches Teil vom Fisch – vor allem bei Japanern sehr beliebt) und statt dem Rindsfilet das edle Wagyu Beef (100 gr.) Preis Fr. 305.- also ein Upgrade von 136 Franken. Zu guter Letzt gibt es für 140 Franken noch eine abgespeckte Version des Kurama Menüs – davon würde ich aber abraten. Zum Essen bestellten wir Tee welcher jeweils mit 5 Franken verrechnet wurde.

Wertung: Gourmör / Michelin / Gault-Millau