Mamma Leone, Luzern

Das ‚Ristorante Mamma Leone‘ besuchten wir bereits vor drei Jahren. Damals stieg man die Treppe in den ersten Stock hoch und fand dort ein schmuckes Restaurant mit verhältnismässig wenigen Tischen vor. Die aufgestellten Mitarbeiter servierten überdurchschnittlich gute italienische Gerichte und spitzenmässige Pizzen.

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In der Zwischenzeit hat man das Restaurant ausgebaut und im Grundgeschoss eine zusätzliche Restaurationsfläche eingerichtet. Da wir das ‚Mamma Leone‘ an einem der letzten warmen Sommerabenden besuchten waren auch die vielen Tische draussen vor dem Restaurant aufgedeckt. Ob die geschätzte vervierfachung der Sitzplätze auswirkungen auf die Qualität hat?

Am Grundkonzept hat sich sonst nichts geändert. Man reicht den Gästen eine Speisekarte (die einzelnen Seiten stecken leider immer noch in schmuddeligen Plastikmäppchen) und ergänzt diese durch Spezialitäten welche man auf Schiefertafeln an der Wand präsentiert. Im Gegensatz zu früher steht nun bei jedem Gericht auch den zu zahlenden Preis. Das Angebot, sowohl auf der Karte als auch auf der Tafel, war sehr spannend obwohl uns die Spargeln aus Peru in dieser Jahreszeit schon sehr irritierten.

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Während man uns beim letzten Besuch zum Apéro eine kleine Pizza aufschnitt und in die Tischmitte stellte gab es Heuer gar nichts zum knabbern. Also starten wir direkt mit der Vorspeise.

Crêpe mit Artischockenfüllung, Crevetten und Tomaten [-/10]

Die Crevetten waren sehr knackig und frisch, der Rest konnte weniger überzeugen – zu fad und zu uninspiriert. Die Crêpe Füllung aus Artischocken war nicht sorgfältig genug zubereitet und hatte extrem viel Heu auf denen man herum kauen musste.

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Gnocchi mit Eierschwämme, Seeteufel und Majoran [-/10]

Da die Gnocchi die einzigen hausgemachten Pasta im Angebot waren, haben wir uns für diese entschieden. Das Gericht konnte leider ebenfalls nicht begeistern. Es war wiederum sehr fad und weit weg von einem Teller den man mit Begeisterung verschlingt. Zudem waren die Gnocchi viel zu trocken. Akzente konnte lediglich der gut zubereitete Seeteufel sowie das Pilzaroma setzen.

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Tiramisu [-/10]

Das Tiramisu ging in Ordnung vermochte aber die Gesamtleistung der heute gebotenen Kulinarik nicht wesentlich verbessern. Zumal ich diesen Dessertklassiker schon unzählige Male besser serviert bekommen habe.

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Fazit: Das ‚Mamma Leona‘ hat seine Seele (Qualität) für mehr Platz und Profit verkauft. Mit dem kleinen Restaurant das ich vor ein paar Jahren hier angetroffen habe hat dieses hier nicht mehr viel gemein. Der Service war zwar immer noch sehr aufgeschlossen hat aber ebenfalls an Qualität verloren. Es ging ja noch in Ordnung, dass der Service zwei Mal an unseren Tisch zurückkehrte weil er vergessen hatte welches Wasser wir soeben bestellt hatten. Aber die Vorspeise meiner Begleitung geschlagene fünf Minuten nach meiner zu servieren und beim Hauptgang zwei Mal (!) das falsche Gerichte zu servieren ist mehr als nervig.

Auch kulinarisch schmeckte man den Rückschritt. Das Servierte war knapp über dem Durchschnitt den man sonst bei einem Italiener antrifft. Zugutehalten muss man dem ‚Ristorante Mamma Leone‘ das die Preise sehr fair kalkuliert sind. Eine Pizza Margarita bekommt man für 15 Franken, Pizzen mit Fleisch kosten bis maximal 22 Franken. Einen Teller Pasta wird für ca. 22 Franken (auch kleinere Portionen erhältlich) angeboten.

In dieser Form ist das ‚Mama Leone‘ zum italienischen Einheitsbrei mutiert – so wie man ihn in einer Stadt wie Luzern unzählige Male antrifft.

Menü: Die umfangreiche (aber dennoch nicht zu grosse) à la carte Auswahl beinhaltet Salate, Vorspeisen, Pasta im Hauptgang sowie diverse Pizzen. Die Preise sind fair kalkuliert. Die Pasta Hauptgänge kosten ca. 22 Franken, die Pizzen zwischen 15 – 22 Franken. Diese Auswahl wird noch durch Spezialangebote auf der Schiefertafel ergänzt. Darauf standen drei Vorspeisen (je 22 Franken), zwei Pasta Hauptgänge (je 24 Franken) sowie ein Fleisch- und Fischhauptgang (je 44 Franken). Auch die sechs ausschliesslich (!) hausgemachten italienischen Desserts fand man darauf.

Online: Das ‚Mamma Leone‘ verfügt über keine Homepage.

Wertung: Gourmör / Gault-Millau

(Besucht im September 2011)

Château Gütsch, Luzern

Seit unserem begeisterten Besuch vor zweieinhalb Jahren hat sich einiges getan. Das junge Kochtalent Fabian Inderbitzin ist nach Hergiswil ins Belvédère weitergezogen und das ‚Château Gütsch‘ ist trotz Baubewilligung in einen Dornröschenschlaf gefallen. Während ganz Luzern sich immer noch fragt wann und ob jemals wieder Gäste im weissen Schloss übernachten, hat der sympathische Hoteldirektor des Hotel Montana, Fritz Erni, die Ärmel nach hinten gekrempelt und das Märchenschloss aus seinem Tiefschlaf geküsst.

Erni handelte mit den Gütsch Verwaltern einen Vertrag aus welcher es ihm erlaubt, das vor vier Jahren renovierte Restaurant bis Ende Mai 2012 zu betreiben. Nach dem medial gefeierten Vertragsabschluss hatte Erni gerade einmal vier Wochen Zeit um ein Team auf die Beine zu stellen um auf 440 Meter ob Luzern die Gäste zu bewirten. Etwas überraschend, es sollen keine Gourmet-Gerichte serviert werden sondern eine einfache, bodenständige Kost. Dieser Entscheid lag auf der Hand, denn innerhalb von vier Wochen ein neues Team zusammen zu stellen welches auf hohem Niveau kocht ist nahezu unmöglich. Zudem wird man kein Punkte Koch mit einer Kündigungsfrist von einem Monat finden der auch noch bereit ist einen auf 9 Monate befristeten Vertrag zu unterschreiben.

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Um das Küchen- und Service-Team auf die Beine zu stellen akquirierte Erni ehemalige Montana Mitarbeiter. So auch den 29 jährige  Bündner Flavio Neuhäuseler für den Posten als Küchenchef . Für den HCD-Fan ist dies das erste Mal an der Spitze eines Gastronomiebetriebs. Auch der Gastgeber Rico Haus und seine Frau arbeiteten früher im wunderschönen Hotel Montana bevor sie in Asien Restaurants führten und sich jetzt für das Abenteuer Gütsch verantwortlich zeichnen.

Das Marketing-Team um Simone Staubli macht bereits fürs Montana einen sehr kreativen Job. Um die Neueröffnung des ‚Château Gütsch‘ in die Medien zu bringen suchte man 50 Vorkoster die, wie auf einem Schloss üblich, diverse Gerichte vor den eigentlichen Gästen probieren. Die Presse nahm diese witzige Idee auf und man konnte in einem grossen Artikel lesen, wie man sich als Vorkoster bewerben kann. Nach eigenen Angaben hatten sich über 1’700 Personen für eine solche Stelle beworben. Wir waren unter den Glücklichen und folgten der Einladung.

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Während man der mitreissenden Ansprache des Fritz Ernis lauschte, die wunderschöne Aussicht auf die Leuchtenstadt genoss, die sehr hohen Räume bestaunte und unter den geladenen Gästen auch einen prominenten Koch (Chrüster-Oski, ehemaliger 17 Punkte Koch) erspähte, servierte man uns zu einem wunderschönen Glas Petit Arvin aus dem Wallis verschiedene

Apéro-Häppchen [-/10]

Die beiden Häppchen – einmal mit Hüttenkäse und einmal mit Tomatenpesto – lagen auf einer knusprigen, dünnen Brotscheibe und demonstrierten, dass auch einfache Kombinationen sehr fein sein können. Die Knusperstange mit dem umwickelten Schinken war dagegen belanglos. Das Triangel-Toast mit Lachs war enttäuschend – der Fisch zu kalt und das Brot ungetoastet.

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Danach wurden wir in den schönen Speisesaal, ins eigentliche Restaurant geführt. Der Tisch in der zweiten Reihe bot keinen Ausblick über die Stadt. Deshalb ist es empfehlenswert beim reservieren explizit zu erwähnen, dass man einen Tisch direkt am Fenster mit Aussicht haben möchte.

Wir durften uns aus jeweils zwei Varianten ein vier gängiges Menü zusammen stellen.

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Brot mit zweierlei Aufstrich [-/10]

Das Brötchen fühlte sich an als hätte man es frisch gebacken, über Nacht in einen Plastiksack gesteckt und es am Morgen wieder raus genommen. Es war nämlich nicht knusprig sondern weich. Das Oliven-Öl war fein, der gesalzene Butter-Schaum hatte leider viel zu viel vom weissen Gold abbekommen. Der tolle Paprika-Schaum konnte zum Glück fast alles wieder wett machen. Dieser war super gut abgeschmeckt!

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Kräuter Mille Feuille von geräuchertem Lachs, mit Meerrettichmousse im Glasan Honig-Senfsauce, serviert mit Toast [-/10]

Die erste Aufmerksamkeit galt dem nur halbherzig gegrillten Toast welcher dadurch schon wieder völlig missriet. Das Meerrettichmousse war toll umgesetzt und passte sehr gut zum geräucherten Lachs. Die Qualität des Fisches war passabel. Das Mille Feuille war eine tolle Idee konnte aber sein Kräutergeschmack nicht entfalten. Für eine 22 Franken Vorspeise doch eher enttäuschend.

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Tagliatelle mit Artischocken, Junglauch und Wintertrüffel [5/10]

Der beste Gang des Abends. Ein gut gefüllter Vorspeiseteller mit wunderbaren al dente gekochten Tagliatelle welche mit Lauch und aromatischen Artischocken verfeinert wurden. Der Wintertrüffel hätte man sich sparen können. Dieser hatte überhaupt keinen Geschmack und deshalb auf dem Teller nichts zu suchen. Preis 21 Franken (29.- als Hauptgang).

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Kalbsgeschnetzeltes „Château Gütsch“ serviert Rösti [-/10]

Ein „Züri-Gschnätzlets“ kann so etwas feines sein. Das was uns hier serviert wurde viel aber gnadenlos durch. Das grösste Manko war das Fleisch welches fast ausschliesslich aus zähen Fleischstreifen bestand und deshalb ungeniessbar war. Dazu kam eine extrem fade und uninspirierte Sauce. Die Rösti hatte im wahrsten Sinne des Wortes zwei Seiten. Zum einen eine feine knusprige und zum anderen eine zu wenig gebratene Unterseite. Vermutlich hat man die Rösti vor dem servieren geteilt. Wäre ich hier nicht eingeladen gewesen, hätte ich den Teller zurück gegeben – für stolze 44 Franken muss ein solches Gericht tadellos serviert werden.

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Tarte Tatin mit Zimtglace und Vanillesauce [-/10]

Das Zimtglace war zwar extrem kalt aber trotzdem sehr fein im Geschmack. Der Schokoladenkuchen-Ring erfüllte zwar seinen dekorativen Zweck, geschmacklich war er aber zu klebrig in der Konsistenz. Das Tarte Tatin ging knapp in Ordnung auch wenn der Boden zu viel Flüssigkeit aufzog und dadurch pampig war.

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Fazit: Wenn man mit dem Auto zum Gütsch fährt sieht man die weniger beeindruckende Rückseite des Schlosses. Spätestens wenn man aber die ersten Schritte durch das alte Gebäude macht springt der Funke auf den Gast über. Ich freute mich deshalb sehr als ich hörte, dass man dem ‚Château Gütsch‘ neues Leben einhauchen wird. Die Information, dass man mehrheitlich einfache Gerichte servieren wird, liess mich dann doch etwas skeptisch werden. Ob ganz simple Gerichte in ein solch edles Restaurant passen?

Nach dem Besuch kann ich sagen: Nein! Es wirkt auf mich sehr befremdend wenn der gehobene Service – mit der linken Hand hinter dem Rücken und elegant gekleidet – eine Bratwurst mit Zwiebeln auf den Tisch stellt. Das ist das Selbe wie wenn man an der Dönerbude um die Ecke eine Entenleber-Variation serviert – beides kann super toll schmecken aber es passt nicht zum jeweiligen Setting.

Grundsätzlich ist es sehr schwer gegen ein solches Restaurantambiente und seine tolle Aussicht, mit dem Essen zu glänzen. Dem letzten Koch, Fabian Inderbitzin, ist dieses Kunstwerk geglückt. Damals hat man bereits während dem essen des ersten Gangs die beeindruckende Aussicht vergessen. Dass es der neue Koch beim jetzigen Konzept viel schwieriger hat liegt auf der Hand. Er hat nur eine Chance und zwar, diese einfacheren Gerichte überzeugend zu kochen – denn auch ein liebevoll zubereitetes Kalbsgeschnetzeltes mit Rösti kann glücklich machen.

Bei unserem Besuch wurde diese Leistung leider nicht geboten. Im Gegenteil, die Küche wies zu viele kapitale Fehler auf. Natürlich ist es mir bewusst, dass man mit einem frisch zusammengewürfelten Küchenteam nicht schon am ersten Abend Höchstleistungen erzielen kann. Aber zähes Fleisch in einem 44 Franken Gericht darf nicht sein. Zudem kann ich mir nicht vorstellen, dass die Sauce innert kürzester Zeit vom Niveau „fad und langweilig“ zu „intensiv und spannend“ verbessert werden kann.

Übrigens, das Kalbsgeschnetzelte war nicht das Einzige was den Gästen nicht mundete. Ich habe noch nie erlebt dass in einem Restaurant so viele unausgegessene Teller in die Küche zurückwanderten. So gaben viele die Salzkartoffeln zurück und auch über das zähe Tafelspitz beklagten sich Testesser am Nachbarstisch.

Der Service war bemüht und freundlich, hatte am Probeabend aber noch grosse Schwachstellen. So warteten wir zwischen den einzelnen Gängen bis zu 46 Minuten (!) und der Espresso wurde uns erst 35 Minuten nach dem Dessert offeriert – als wir bereits aufgestanden waren. Ich bin aber zuversichtlich, dass man dieses Problem noch in den Griff kriegt da die einzelnen Mitarbeitern bereits jetzt auf einem guten Niveau arbeiten.

Ich bin überzeugt, dass das ‚Château Gütsch‘ bis Ende Mai mit diesem Konzept erfolgreich sein wird – denn viele Luzerner freuen sich auf ein Erlebnis im Gütsch – langfristig wird man hier aber nur erfolgreich wirten wenn man neben Aussicht und Ambiente auch Höchstleistungen auf den Teller zaubert.

Uns hat dieser Abend 103 imaginäre Franken gekostet. Für den selben Preis bekommt man im Hotel Montana eine vergleichbar tolle Aussicht, ein schönes Restaurant und ein richtig tolles Menü in 5 Gängen. Wer jedoch unbedingt wieder einmal Gütsch-Luft schnuppern möchte sollte am besten noch ein paar Wochen mit der Reservation zuwarten. Bis dahin werden die einzelnen Zahnräder hoffentlich besser greifen und dann dem Gast auch kulinarisch ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.

Menü: Das Speiseangebot beschränkt sich auf eine gut sortierte à la carte Auswahl. Man hat die Wahl aus sieben Vorspeisen (12 – 28 Franken) elf Hauptgängen (25 – 57 Franken) und eine handvoll Desserts (15 – 18 Franken). Ein Menü wird nicht angeboten. Unser Restaurantbesuch dauerte 2:30 Stunden wovon einen Grossteil der Zeit fürs lange Warten verstrich.

Online: Auf der Homepage findet man die wichtigsten Informationen, also Speise- und Weinkarte. Fotos von den einzelnen Speisen sind nicht aufgeschaltet.


Wertung:
Gourmör 

amrein’S, Sursee

Romy und Beat Amrein haben sich im letzten Jahr mit dem eigenen Restaurant in Sursee einen Traum erfüllt. Davor wirteten die beiden im Nachbardorf St. Erhard im Mostkrug. Sich nur ein paar Kilometer weiter niederzulassen hatte den Vorteil, dass man sich die vielen Stammgäste und den guten Ruf nicht von neu auf erarbeiten musste. Und so war das Restaurant bei unserem Besuch, ein Jahr nach der Eröffnung, auch komplett ausgebucht. An einigen Tischen wurden am späten Abend sogar noch neue Gäste platziert die ein Glas Wein oder ein Dessert genossen.

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Das ist auch das Konzept des amrein’S. Das Restaurant hat den ganzen Tag geöffnet. Ob zum Frühstück, auf ein Glas Wein mit Häppchen oder eben zum Mittag- und Abendessen die Gäste sind jederzeit willkommen. Das Restaurant ist modern und stilvoll eingerichtet und äusserst unkompliziert. Einzig die etwas hohe Lautstärke gibt Grund zur Kritik.

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Auch Weinliebhaber kommen auf ihre Kosten. Erzeugnisse aus ganz Europa stehen auf der Karte. Die Weine können auch über die Gasse gekauft werden. Auch diverse Gewürze und Pasten kann man im kleinen Shop erwerben.

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Wir kamen aber des Essens wegen. Auf der Speisekarte findet man eine schöne Auswahl an à la carte Gerichten für jeden Geschmack. Dazu gibt es jeden Monat ein anderes 5 Gang Menü – wovon ein Gang jeweils ein Käseteller ist. Wir wählten dieses Menü und wurden gleich mit einem Highlight beglückt: dem Brot. Denn neben einem normalen Ruchbrot lag auch noch ein Speckbrot im Korb. Dieses war einfach phänomenal! Der Rand war eine Mischung aus Brot und Kuchen mit intensivem Speckaroma, wow!!

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Fritierte Calamares [5/10]

Der Gruss aus der Küche glich optisch den Calamares die man von vielen Buffets oder auch vom Fast-Food Bereich her kennt. Geschmacklich hatten sie aber mit dieser Massenware überhaupt nichts gemein. Der Tintenfisch war schön zart, der Frittiergeschmack war frisch. Ein schöner Einstieg.

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Gebratener Bärenkrebs, Tatar vom Schenkoner Rind, grüne Spargeln, Honig-Vinaigrette, Brunnenkresse [6/10]

Surf & Turf à la Amrein. Die Spargeln waren zwar unerwartet kalt aber dafür richtig schön knackig. Der Spargelgeschmack war intensiv und die Honig-Vinaigrette passte vorzüglich dazu. Das Tatar war schlicht genial! Wunderbar feingeschnitten, super abgeschmeckt. Mein erstes Tatar das nicht scharf war aber trotzdem Charakter hatte! Leider war das Pendant, der Bärenkrebs, nicht von gleicher Qualität. Das Krustentier war an vielen Stellen mehlig und weich in der Konsistenz. Der Grapefruitschnitz passte geschmacklich überhaupt nicht auf den Teller.

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Gebratenes Zanderfilet auf Gartenerbsen, Vangole, Artischocken, Frühlingsspinat [5/10]

Was für ein feiner Geruch nach Fisch und frischem Dill – wunderbar. Auch die verschiedenen Komponente passten gut zusammen. Vor allem die Muscheln, die feinen Erbsen und das zarte Artischockenherz. Der Zander war fein und saftig, lediglich die Kruste hätte ich mir knuspriger gewünscht. Eigentlich ein weiterer sehr überzeugender Gang wenn da nur jemand nicht so fest ins Salzglas gegriffen hätte, sehr schade!

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Rücken vom Emmentaler Kalb, Morcheln, Bärlauch-Kartoffeln, Frühlingsgemüse [9/10]

Bis der Hauptgang serviert wurde dauerte es über 30 Minuten (auch zwischen dem vorherigen Gang mussten wir so lange warten). Da die vorherigen Portionen schon recht opulent waren, hatten wir immerhin keinen grossen Hunger mehr. Umso verblüffter waren wir als uns dieser reich bepackte Teller serviert wurde.

Zum Glück war das Servierte sensationell! Wunderbares, zartes Fleisch welches schön saftig war. Dazu zwei umwerfende Saucen. Zum einen eine Morchelsauce, mit ganzen Morcheln bestückt, sowie eine dunkle Weinsauce die schlicht eine Wucht war! Aromatisch und tief – eine Geschmacksbombe sondergleichen. Die leicht gestampften Kartoffeln mit kleinen Bärlauchstreifen waren fein. Zudem gab es noch wunderschönes Frühlingsgemüse (tolle Frühlingszwiebeln, knackiges Baby-Rüebli, feine Kefen) welches ebenfalls perfekt zubereitet war!! Zu guter letzt thronte ein aromatisches, getrocknetes Bärlauchblatt auf der Spitze. Ein geschmackliches Kunstwerk, so muss ein Hauptgang schmecken!

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Käseauswahl vom Luzern Markt

Einen Käsewagen gibt es nicht. Die Käseauswahl war aber abwechslungsreich und in Ordnung. Ein süsser Senf und vor allem mehr von diesem feinen Birnenweggen wären toll gewesen.

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Rhabarberküchlein mit Erdbeeren, Weisses Schoggimousse, Schoggihüppe [-/10]

Man muss diese Erdbeeren nur in den Mund nehmen und schmeckt gleich, dass deren Saison noch nicht gekommen ist. Schade, dass man so etwas  in einem solch ambitionierten Restaurant überhaupt auftischt. Das weisse Schoggimousse hatte ebenfalls zu wenig Geschmack. Das Küchlein mit Rhabarber roch wunderbar, hatte aber im Gaumen nicht den gleich feinen Geschmack. Das Küchlein war auch zu wenig knusprig.

Dass das amrein’S Team auch tolle Deserts machen kann hat der Schoggikuchen bewiesen der meine Freundin anstelle des Menü-Deserts bestellt hat. Der Kuchen mit flüssigem Kern war nämlich richtig genial!

Übrigens, ich hätte es geschätzt wenn man zum Dessert noch ein Glas Dessertwein angeboten hätte.

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Zum Kaffe wurde noch ein Zitronengugelhöpfli aufgetragen. Wunderbar frisch und saftig, mhhh!

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Fazit: Zuerst ein grosses Kompliment an die junge, freundliche Dame die uns bedient hat. Locker, engagiert und zuvorkommend, so muss es sein. Das amrein’S ist ein unkompliziertes aber kulinarisch ambitioniertes Restaurant für Jedermann. Wir haben uns sofort wohl gefühlt. Auch kulinarisch wird viel mehr geboten als das Alltägliche, und dann zu solch fairen Preisen (Menü). Also eine klare Weiterempfehlung!

Um das Genusserlebnis weiter abzurunden würde ich es begrüssen wenn zum Monatsmenü eine schöne Weinempfehlung angeboten würde. Uns hat man zwar spontan etwas aus dem wenigen Offenangebot offeriert aber die Weine waren nicht auf demselben Niveau wie das Essen. Zudem müssten die Wartezeiten zwischen den Gängen (bis zu 38 Minuten) ein wenig verkürzt werden.

Online: Auf der schönen Homepage findet man viele Informationen zum Restaurant. Auch die aktuelle Speise- und Weinkarte ist online. Zudem gibt es auch ein regelmässig erscheinendes PDF-Magazin zum herunterladen.

Rechnung: 5 Gang Menü Fr. 87.- / 4 Gänge Fr. 75.- / 3 Gänge Fr. 65.-

Wertung: Gourmör / Gault-Millau