Ecco in Ascona

Unsere letzte Reise ins Tessin liegt ganze fünf Jahre zurück. Damals krönten wir den Aufenthalt im sonnenreichsten Schweizer Kanton, mit einem Besuch bei Rolf Fliegauf. Der gebürtige Augsburger hatte dazumal frisch das Zweitrestaurant, das 5 Sterne Hotels Giardino, übernommen. Mit seinen avantgardistischen Kreationen kontrastierte er das sonst mediterrane Angebot des grossartigen Hotels. Die Aufgabe erfüllte der heute 32 jährige mit Bravour und wurde bereits zwei Jahre nach der Zepterübernahme mit einem Michelin Stern belohnt.

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In der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Zum Beispiel der Kochstil. Griff Fliegauf anfänglich noch auf ein paar molekulare Tricks zurück, setzt er heute voll auf die Karte der Aromaküche. Zudem hat das Giardino vor zwei Jahren expandiert und in Champfér bei St. Moritz das Giardino Mountain eröffnet. Für Fliegauf eine grosse Erleichterung, da er nun sein Können auch in den Wintermonaten, während das Giardino in Ascona Betriebsferien hat, unter Beweis stellen kann und somit seiner Brigade eine Ganzjahresstelle bieten kann. Zu guter Letzt hat sich auch das Punkte- und Sternekonto erhöht. Gault-Millau verlieh den 16. Punkt und Michelin übergab den 2. Stern was Fliegauf zum damals jüngsten 2 Sterne-Koch in Europa machte.

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Das Wetter war heute den ganzen Tag schwülheiss und das Thermometer kratzte bedrohlich an der 30 Grad Grenze. So verbrachten wir dann auch den ganzen Tag am Hotelpool und ernährten uns von Früchten. Unser Zifferblatt zeigt jetzt 19 Uhr und langsam aber sicher verlangen unsere Mägen nach mehr. So machen wir uns bereit für das zweite Ecco Abenteuer und sind sehr gespannt wie sich die Veränderungen auf dem Teller bemerkbar machen.

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Als erstes fällt uns die neue, sehr angenehme Atmosphäre im Restaurant auf. Dies liegt nicht etwa an der Inneneinrichtung – die war schon beim letzten Besuch in eleganten Grautönen gehalten – sondern am neuen Serviceteam unter der Leitung von Jenifer Strube. Dieses begleitet uns nicht nur sehr aufmerksam und zuvorkommend durch den Abend, sondern auch äusserst motiviert und umgänglich.

Das Ecco ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Im eigentlichen Restaurant stehen drei grosse Tische. Dieser Raum wird meistens für den Mittagservice genutzt und ist angenehm klimatisiert. Anders draussen unter der Pergola, wo heute Abend alle 28 Gäste sitzen. Hier konnte sich die Hitze den ganzen Tag unter dem Gewölbe festsetzen. Die grossen Fensterfronten stehen zwar offen, aber bis auf die paar wenigen, kleinen Lüftchen die durchs Restaurant ziehen, bleibt es hier sehr warm. Zur Abkühlung ordern wir Wasser und ein Glas Champagner.

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Auf der Speisekarte finden wir zwei Menüs mit 5 und 8 Gängen. Jedem Gast steht es frei aus den total 13 Speisen zu kombinieren. Wie momenten en vogue, sind bei den Gerichten nur die einzelnen Komponente aufgeführt – die Zubereitungsart bleibt eine Überraschung.

Noch bevor wir die Bestellung aufgeben, erreicht uns ein erster kleiner Snack:

Ofenkartoffel [-/10]

Die Tessiner-Bergkartoffel, gefüllt mit Sauerrahm und Kaviar, ist fein. Die schwarzen Perlen haben es aber schwer sich gegen die restlichen Aromen zu behaupten. So bleibt der Auftakt dann auch eindimensionaler als erhofft.

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Brot

Neben dem frisch gebackenen Brot, wird ein Dressing in Form von Salzflocken, Butter-Rahm und Kresse zum selberschneiden, aufgetragen. Damit kann sich jeder am Tisch sein Brot individuell bestreichen. Dies ist nicht nur originell sondern schmeckt auch richtig gut.

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Häppchen Trilogie: Wachtel – Erbse / Bärlauch – Pilze / Schwertmuschel – Miesmuschel [7/10]

Die nächste Amada gelangt an unseren Tisch. Wegen den vielen unbenutzten Gläsern, Messern und Gabeln wird es kurzzeitig etwas unübersichtlich auf dem Tisch. Dabei verdienten die fantasievoll angerichteten Kreationen unsere vollste Aufmerksamkeit.

Während die ersten beiden Kompositionen zwar fein, aber etwas gar zurückhaltend schmecken, trumpft das Muschel-Arrangement auf. Wir staunen nicht nur wegen der sinnvollen Zubereitung (Muschel kann samt Schale gegessen werden) sondern auch ob dem wunderbar tiefen, meerigen Aroma, welches dies uns in den Gaumen zaubert. Gerne mehr davon!

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Amuse: Simmentaler Rind – Perigordtrüffel – Kohlrabi [7/10]

Intensiv geht es weiter. Denn auch das Simmentaler Rind ist eindrucksvoll und wird als Carpaccio und als darin eingerolltes Tatar serviert. Eine fabelhafte Kombination. Kontrastriert wird das Ganze von harmonischen Gänseleberperlen. Diese schmelzen augenblicklich im Mund und setzen ein zauberhaftes Aroma frei. Die feine Perigordtrüffel-Sauce ist ebenfalls köstlich.

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Marinierte Entenleber – Räucheraal – Ananas [6/10]

Wir sind froh, haben wir für den ersten Gang die Entenleber gewählt und kommen damit nochmals in den Genuss dieses köstlichen Produktes. Die Küchenbrigade weiss offensichtlich wie damit umzugehen. Sowohl Terrine als auch das Eis sind von sehr hoher Qualität und präzise zubereitet. Nur schade, dass das Zusammenspiel mit der Ananas nicht recht funktionieren will und damit keine Symbiose entsteht.

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Gambero rosso – Pumpernickel – Kresse [-/10]

Dieses hochwertige Spanische Krustentier wurde uns vor ein paar Monaten zum ersten Mal im Lampart’s serviert. Dieses Exemplar hier, kommt zwar nicht ganz an die Qualität dieses Referenzproduktes heran, ist aber ebenfalls von guter Qualität. Mit den restlichen Komponenten werden wir weniger glücklich. Zwar gefallen uns die Krustentier-Consommé-Perlen, den Einsatz von Pumpernickel halten wir indess für unpassend.

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Iberico Schweinebauch – Bretonische Auster – Radieschen [7/10]

Gleich zu Beginn gibt es gedanklichen Applaus gibt die tolle Sauce mit dem leicht sauren Akzent. Aber auch der Rest überzeugt: der aromatische Schweinebauch mit der krossen Haut und das knackige und geschmacksvolle Gemüse. Einzig die Auster ist zu viel des Guten und stört das sonst stimmige Erlebnis.

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Bretonischer St. Peters Fisch – Jakobsmuscheln – Salzzitrone [6/10]

Der edle Fisch aus der Bretagne hat es hier nicht gerade einfach. Von verschiedenen Seiten her wird er flankiert und droht beinahe unterzugehen. So bleibt uns bei diesem Teller auch weniger der Hauptakteur in Erinnerung, als mehr die Nebendarsteller. Ganz stark die süffige Reiscrème und die hochwertigen Jakobsmuscheln, welche eindrucksvoll mit dem Zitrusaroma harmonieren.

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Erfrischung: Weisse Schokolade – Passionsfrucht

Zur Erfrischung vor dem Hauptgang reicht man uns eine weisse Schokoladenkugel gefüllt mit süss-saurem Passionsfruchtsaft.

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Muotathaler Kalb – Wildkräuter – Junge Zwiebel [7/10]

Der Hauptgang begeistert nicht nur wegen seinem tollen, zarten Fleisch, sondern auch wegen der wunderbar intensiven Zwiebelsauce. Diese wird von einem leichten Kräuterbouquet begleitet – elegant und trotzdem währschaft. Ein rundum überzeugendes Gericht.

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Gruyère rèserve aoc – Olivenöl – Culatello Salami [8/10]

Hervorragend der Käsegang: fruchtig, nussig, knusprig, fleischig – jeder Bissen eine Wohltat bei der nichts, vom im Mittelpunkt stehenden, gut gereiften Käse ablenkt. Mit so einer spannenden Komposition tröstet man locker über den fehlenden Käsewagen hinweg.

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„Cheesecake“ – Vanille – Holunder [6/10]

Während das Original mächtig und schwer ist, schafft man mit diesem Cheesecake ein überraschend leichtes Dessert und vereint die drei namensgebenden Themen sehr gut zu einer sehr wohlschmeckenden Einheit.

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Zitrusfrüchte – Karamel – Verveine [7/10]

Die Präsenation ist wunderschön, der Genuss hoch. Es macht Spass sich durch die abwechslunsreichen Texturen zu essen und dabei verschiedene Zitrusaromen zu entdecken. Das Caramel sorgt für den roten Faden. Kompliment an die Pâtissière die nicht nur ein sehr stimmiges Dessert schaffte, sondern auch ein angenehm leichtes.

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Friandises [6/10]

Johannisbeeren – Sauerrahm / Himbeere – Guanaja Schokolade – Lakritz / Nougat – Calamansi – Fleur de Sel / Müsli – Waldbeeren – Milch / Kokos – Mandel – Weisse Schokolade / „Milchschnitte“ / „Tiramisu“ / „ECCO Mikado“

Handwerklich top, mag geschmacklich nicht alles zu überzeugen. Gerade die „Milchschnitte“ aber auch das „Mikado“ sind mehr Spielereien als kulinarische Bereicherungen. Da gefallen uns die wunderbaren Pralinen, das feine Caramel und das stimmige Waldbeeren-Müsli viel besser.

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Für zu Hause: Curry-Mandeln

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Die Küchenbrigade: Simon Schneider, Doreen Marko (Patti), Rolf Fliegauf (Chef), Stefan Sell, Matthias Koppenwallner, Stefan Heilemann (Sous-Chef)

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Fazit: Rolf Fliegaufs Handschrift hat sich seit unserem letzten Besuch stark verändert. Die Teller sind extrem präzis, die Anrichtung sehr filigran. Trotzdem haben die Gerichte nichts an Kreativität verloren. Im Gegenteil: Fliegaufs grosser Ehrgeiz ist bei jedem Gang spürbar. Bisweilen steht ihm dieser gar etwas im Weg, so wirken einzelne Gerichte überladen – gerade wenn sieben Komponente gleichzeitig um ihren Platz auf dem Teller kämpfen und damit vom Hauptakteur ablenken.

Trotzdem: das ganze Menü ist konstant auf sehr hohem Niveau, von Beginn weg spannend und perfekt getimt. Der Gast kann sich hinsetzen und fast 5 Stunden lang geniessen und staunen was alles aus der kleinen Küche kommt. Viel zum Genuss trägt auch das tolle Serviceteam bei. Sehr aufmerksam und mit grosser Freude begleiten sie die Gäste durch den Abend und sorgen, zusammen mit der Küchencrew, für ein wunderschönes Erlebnis.

Menü: Zur Auswahl stehen zwei Menüs. Eines mit 5 das andere mi 8 Gängen. Mit den toteln 13 Gerichten kann man sich ein eigenes Menü zusammenstellen. 3 Gänge 138.- / 4 Gänge 152.- / 5 zu 164.- / 6 zu 174.- / 7 zu 184.- / 8 zu 194.-. Begleitet wird jedes mit Häppchen, Amuse Bouche und Friandises.

Zeit: 4 Stunden und 45 Minuten dauerte das 8 Gänge Menü.

Wein: Neben der gut sortierten und umfangreichen Hotel-Weinkarte, bietet man den Gästen eine Weinbegleitung an. Diese wird bis 5 Gänge mit 74 Franken verrechnet, ab 6 Gängen mit 89.-. Der Wein wird sehr grosszügig nachgeschenkt.

Château Haut-Mayne 2010 – Frankreich – Bordeaux – Sauternex ac semillon
Savignin Blanc 2011 – Schweiz – Wallis – Nicolas Zufferey heida
Sileno 2011 – Schweiz – Mendrisio – Fratelli Corti – Chardonnay
Rebuh’s 2008 – Schweiz – Monteggio – Daniel Huber – Merlot Cabenet Franc – Cabernet Sauvignon – Carminoir
20 years old Tawny Port – Portugal – Douro – J. & W. Graham’s
Maximin Grunhauser Abtsberg 2010 – Deutschland – Mosel – Maximin Grünhaus Schlosskellerei C. von Schubert – Riesling Spätlese

Tipp: Wie schon beim letzten Besuch, war es auch diesmal wieder sehr warm. Es  empfiehlt sich eher lockere Kleidung zu tragen.

Online: Die Website bietet ein paar Fotos, Informationen und die aktuelle Speisekarte.

Wertung: Gourmör O7 / Michelin M2 / Gault-Millau GM16

Sonderauszeichnung: Hier fühlt man sich besonders wohl

(Besucht im Juni 2013)

Sternen in Walchwil

Der schöne Gasthof ‚Sternen‘ steht seit über 150 Jahren in Walchwil, direkt am Zugersee. Christine und René Weder übernahmen das Restaurant vor 16 Jahren und führten es mit viel Engagement bis an die Spitze. Mit einem Michelin Stern und 16 Punkten im Gault-Millau, ist das Restaurant seit einigen Jahren das höchst Bewertete im Zentralschweizer Kanton.

Zu Beginn von René Weders Karriere hätte noch niemand geglaubt, dass er jemals um Punkte und Sterne kochen wird. Weder entschied sich nämlich zuerst für eine Lehre als Tiefbauzeichner. Erst auf dem zweiten Bildungsweg hat er sich zum Koch ausbilden lassen (wir danken!).

Wir besuchten den ‚Sternen‘ an einem der wenigen kühlen Mai -Tage. Die Strasse von Zug aus schlängelt sich am Ufer des Zugersees entlang. Unser Blick schweifte während der Fahrt immer wieder auf den See, dessen spezielle Farbe mit den dunklen Wolken für eine mystische Stimmung sorgte. Uns war zwar bewusst, dass diese Regenwolken ein Abendessen auf der Terrasse direkt am See verunmöglichen werden, doch wir freuten uns genau so auf einen Abend in den gemütlichen Stuben.

Vor dem Restaurant angekommen, begann es dann auch zu regnen. Schwere Tropfen trafen auf unsere Windschutzscheibe und zerplatzten dort mit einem dumpfen Geräusch. Wie in einem kitschigen Film, öffnete sich in dem Moment die Restauranttür. Eine junge Servicemitarbeiterin lächelte uns entgegen und hielt uns die Tür auf, damit wir uns in den Gasthof retten konnten. Dort wurden wir von weiteren Mitarbeitetenden und vielen frischen Blumen begrüsst. Wir waren die ersten Gäste und wurden sogleich in die schöne „Sternen Stube“ begleitet.

Christine Weders Servicemitarbeiterinnen sind aufmerksam und freundlich. Ihr Service-Herzstück war Somelier Jürg Hasler. Seine natürliche und sehr freundliche Art begleitete uns den ganzen Abend. Hasler übernahm auch die Auswahl der Weinbegleitung, bei der er ein sehr gutes Händchen bewies.

Doch zuerst mussten wir uns für die Speisen entscheiden. Dafür wurde uns die Karte gereicht und zugleich gefragt, ob wir Lust auf ein Überraschungsmenü hätten. Als wir dann die Karte öffnen wollten, um zu sehen was sonst noch zur Auswahl stand, mahnte man uns, dass darin das „Überraschungsmenü“ detailliert aufgelistet sei. Das „Überraschungsmenü“ entpuppte sich als „saisonales Menü“, welches auch auf der Internetseite aufgeschaltet war und in vier bis sieben Gängen angeboten wird.

Wir bestellten mit Augenzwinkern das „Saisonale-Überraschungsmenü“ und ahnten da noch nicht, welche Auswirkungen dies haben wird…

Zuerst erreichte uns aber eine schöne und abwechslungsreiche Brotauswahl. Dazu servierte man uns Butter, feines Olivenöl und rosa Salzflocken.

Wenig später wurde uns dann der Gruss aus der Küche serviert:

Thunfisch an Senfhonigsauce, Tomatenmousse Windbeutel, orientalisches Couscous, Kürbischutney und dreierlei Nüsse [6/10]

Eine kurz angebratene Scheibe vom Thunfisch lag auf der Tellermitte. Der Fisch war zwar unerwartet kühl, jedoch frisch und sehr fein. Die rassige Dijon-Senfsauce war ebenfalls lecker, doch zum Wohle des Eigengeschacks, liessen wir diese nur in mikroskopischer Dosierung an den fast rohen Tuna. Dass Weders Küche nicht nur klassisch sondern auch kreativ ist, dies bewies der luftige Windbeutel, welcher mit Tomatenmousse gefüllt war sowie auch die drei Nüsse mit unterschiedlicher Ummantelung (Wasabi / Schokolade / Honig).

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Meeresfrüchte mit Spargel [7/10]

Auf einem biederen Glasteller wurde anschliessend der erste Gang serviert. Der Duft nach frischen Spargeln stieg gleich in die Nase. Vom Frühlingsgemüse gab es zwei Sorten, die grünen Wilden sowie die aromatischen Weissen aus Baden. Raffiniert und sehr überzeugend war die Vermählung mit der Orange (!). Dafür wurde der weisse Spargel seitlich aufgeschnitten und mit Orangenschale und – Saft betreufelt. Toll!

Auch das luftige Mousse gefiel uns gut, da auch hier das Spargelaroma sehr präsent war. Da gerieten die drei Meeresfrüchte, Langustine, Gamba und die Jakobschmuschel, schon beinahe zur Nebensache.

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Saiblingsfilet mit Sellerie und Rüebli-Ingwersauce [5/10]

Das zweite Gericht wurde klassisch unter ein Cloche serviert. Die beiden Saibling-Filets waren sehr fein und passten gut zu der gelben Sauce. Diese war gut abgeschmeckt und hatte einen angenehmen Karrotten-Goût. Der Sellerie war für unseren Geschmack etwas zu lange gekocht. Auch das restliche Gemüse war etwas ausdruckslos. Alles in allem ein nettes Gericht.

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Entenleber mit Erbsen und Minze [8/10]

Danach wurde uns der Höhepunkt des Abends serviert. Die Entenleber war sehr gut zubereitet, ein kulinarischer Traum. Überraschend war die Kombination von frischen Erbsen und intensiver Minze. Diese Vermählung liessen unsere Sinne jubilieren. Dieses frische Aroma war auch ein passender Kontrast zur tollen Leber.

Neben dem Teller gab es eine weitere Überraschung: auf Löffeln lagen zwei Glace-Häppchen – einmal ein überzeugendes Leber-Eis und zum andern ein unglaublich tolles Minzen-Sorbet – Hammer!

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Ravioli mit Ochsenschwanz und Morcheln [7/10]

An dieser Stelle hätte, gemäss Menü, eine „Kalbfleisch-Trilogie“ serviert werden sollen. Da wir beim Bestellen des Menüs das „Überraschungsmenü“ orderten, ging man davon aus, dass wir gewisse Gänge ersetzt haben möchten. Eigentlich eine tolle und bestimmt gut gemeinte Idee, aber als Gast erwarten wir, dass man uns über solche Absichten informiert. Auf die Kalbfleisch-Trilogie hatten wir uns nämlich besonders gefreut, da diese am Nachbarstisch einen äusserst schmackhaften Eindruck machte.

Nun sollte also dieses, eher unscheinbare Pastagericht, über den Verlust der „Kalbfleisch-Trilogie“ hinwegtrösten? Nachdem sich im Gaumen die frischen Aromen von den wuchtigen Morcheln und der intensiven Ochsenschwanzfüllung vermählten, wich die Skepsis und machte der uneingeschränkten Begeisterung Platz. Welch vollmundiger Gang – welch tolle, hauchdünne Raviolis!

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Sommerreh an Rosmarinjus,  neue Kartoffel und Gemüse [6/10]

Auch beim Hauptgang gab es eine weitere „Überraschung“, statt dem angekündigten Lamm wurde uns ein Sommerreh serviert. Das Fleisch war gut zubereitet und von hoher Qualität. Dazu reichte man uns einen leichten, aber aromatischen Rosmarinjus. Das Gemüse war in Ordnung, weitaus mehr überzeugen konnten uns die Bratkartoffeln. Diese waren perfekt gebraten und hatten ein schönes Aroma.

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Käse

Die Käseauswahl war ein weiterer Höhepunkt. 40 verschiedene Sorten warteten auf den genüsslichen Verzehr. Dazu servierte man uns eine vielzahl an Dressing; Süsser Senf, Preiselbeeren und Kümmel. Als wäre das nicht genug, stellte man uns eine frisch gebackene und noch wunderbar warme Scheibe Birnenbrot dazu – lecker!

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Avocado-Variation mit 2-farbiger Schokolade [7/10]

Das Eis war wuchtig und schmeckte unglaublich intensiv nach Schokolade, ohne dabei mastig zu sein – ganz stark umgesetzt! Auch das zweifarbige Schokoladenmousse war ein wahrer Schokoladentraum. Bei den beiden Avocado-Desserts (Sorbet und Panna Cotta) hätten wir uns etwas mehr Eigenaroma dieser tollen Frucht erhofft. Trotzdem das Dessert war ein würdiger Abschluss dieses wunderbaren Menüs.

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Friandises [8/10]

Die Patisserie zündete anschliessend noch das Schlussbouquet und konnte dabei nochmals unsere vollste Aufmerksamkeit geniessen. Feine Gelées, frisches Gebäck und ein geniales, caramelisiertes Popcorn! Von jedem dieser Häppchen gab es pro Person ein Stück. Für einmal mussten wir uns nicht um die Friandises streiten.

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Fazit: Von Aussen eher unscheinbar, beherbergt der ‚Sternen‘ ein wunderbares Restaurant, in dem sich gemütlich tafeln lässt. Wir genossen ein tolles Menü auf einem durchgehend hohen Niveau. Die Gerichte waren dabei moderner als erwartet. René Weder geht mit der Zeit, ohne seine klassische Handschrift zu vernachlässigen. Dabei spürt man bei allen servierten Speisen, dass sich Weder und seine Küchenbrigade nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern sehr motiviert am Herd stehen.

Den ‚Sternen‘ empfehlen wir sehr gerne weiter. Das nächste Mal besuchen wir das Restaurant an einem trockenen Tag und sind gespannt auf die Terrasse.

Wein: Somelier Jürg Hasler machte einen tollen Job und servierte uns den ganzen Abend überzeugende und zum Menü passende Weine. Die Weinbegleitung stand zwar nicht explizit auf der Karte, doch er erfüllte uns diesen Wunsch gerne. Interessant: Hasler zeigte uns die Weinetiketten jeweils erst nach ein paar Minuten, so konnten wir in der Zwischenzeit Gedanken über den Wein machen.

Die Begleitung beschränkte sich nicht nur auf ein Glas pro Gang, sondern der Wein wurde nachgefüllt – und, anders als zum Beispiel im Restaurant  ‚Amador‚, auch verrechnet. Ehe wir uns versahen, stehen dann pro Person 200 Franken für Wein auf der Rechnung – der höchste Preis den wir je für eine Weinbegleitung bezahlen mussten.

Neben der Weinbegleitung gibt es natürlich auch eine grosse Auswahl an Flaschenweine. Diese werden unglücklicherweise nicht in einer traditionellen Karte angeboten, sondern auf einem iPad. Dies ist zwar modern, macht aber nur Sinn, wenn man die Weine nach diversen Auswahlkriterien sortieren kann. Hier im ‚Sternen‘ waren die Weine lediglich nach Regionen sortiert. Die digitale Karte bot dadurch keinen Mehrwert und war unübersichtlicher als eine Gedruckte.

Unsere Weinbegleitung:

Riesling Dürnsteiner Federspiel 2009, Leo Alzinger, Wachau
Pinot Grigio 2010, Marco Felluga, Collio Friaul
Apianae, Moscato del Molise 2008, Molise It
Cortes de Cima, Alentejano Portugal, 2009, Arragonez und Syrah
Perenzo, Maremma Toscana, 100% Syrah 2007
Petit Verdot, Remolinos Vineyard, Mendoza, Argentinien 2006
Trockenbeerenauslese Rotgipfler x Zierfandler, Weingut Biegler, Thermenregion, Österreich

Menu: Neben dem Saisonalen Menü in 4 (124.-) bis 7 Gängen (168.-), gibt es auch ein 3 Gänge Fisch- oder Vegi Menü (112.- respektive 82.- Franken). Daneben stehen auch einige hochpreisige à la carte Gerichte zur Auswahl. Zu guter Letzt kann man auch ein 10 gängiges Häppchenmenü für 188 Franken bestellen. Dazu bereitet die Küche 7 Vorspeisen, 1 Käsegang und 2 Desserts zu. Unser 7 Gänge-Menü dauerte 4 1/2 Stunden.

Online: Die Website ist zwar nicht schön aber immerhin findet man viele Informationen über das Restaurant. Unter anderem jeweils das aktuelle Menü.

Bewertung: Gourmör / Michelin / Gault-Millau

Auszeichnung:

(Besucht im Mai 2012)

Essigbrätlein, Nürnberg (D)

Bis zu minus 20 Grad hatte der Wetterbericht bis Ende der Woche angekündigt. Schon an diesem Dienstagabend war es in Nürnberg eiskalt. Uns so verwunderte es uns nicht, dass die Strassen in der Innenstadt fast ausgestorben waren. Die vereinzelten Menschen die mit eiligen Schritten durch die dunklen Strassen stampften waren alle in dicke Mäntel gehüllt.

Zum Glück konnte unser Taxi bis fast vor die Eingangstür des Restaurants fahren. Der einheimische Fahrer fragte uns vorsichtshalber bereits auf der Fahrt ob wir einen Tisch reserviert hätten, denn das ‚Essigbrätlein‘ sei nicht nur das beste Restaurant der Stadt sondern auch immer ausgebucht.

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Nach dem bezahlen der Taxifahrt liefen wir mit grossen Schritten Richtung ‚Essigbrätlein‘ und wollten uns gleich ins warme Restaurant retten als wir bemerkten, dass dessen Tür verschlossen war. Hätte von drinnen nicht Licht auf die Strasse geschienen hätten wir geschockt an einen Irrtum geglaubt. Unser Blick viel auf eine Türklingel an der wir sogleich zogen. Ein leises aber bestimmtes Glöcklein war zu hören und bereits wenige Augenblicke später öffnete uns Anja Piott mit freundlichem Lächeln die Türe und gewährte uns Einlass. Nachdem man uns die Mäntel abnahm traten wir in das sehr (!) kleine aber dafür umso heimeliger und vor allem warme Restaurant.

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Wir freuten uns auf einen gemütlichen Abend mit spannenden Speisen von Deutschlands „Koch des Jahres 2012“ Andree Köthe welcher am Nebentisch bereits den ersten Gang des Menüs annoncierte. Gault-Millau Deutschland zeichnete Köthe und seinen Partner Yves Ollech vor wenigen Monaten mit dieser Auszeichnung für deren spannende Gewürz- und Gemüseküche aus.

Eine Speisekarte gibt es hier nicht. Das ‚Essigbrätlein‘ beschränkt sich auf ein 6 gängiges Menü aus dem die Gäste entscheiden können welche Gerichte sie daraus essen möchten. Zum Menü serviert man gerne korrespondierende Weine oder lässt aus der Weinkarte auswählen. Ungewohnt, auf dem Menü-Kärtchen fehlen sowohl die Preise für das Essen als auch für die Weinbegleitung.

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Mit einem ersten wunderbaren Tropfen Riesling aus der Saar erreichten uns auch schon das erste Häppchen welches ebenfalls vom Chef persönlich am Tisch vorgestellt wurde:

Champignons mit gezuckerten Rosenblätter [5/10]

Der hauchdünn geschnittene Pilz sorgte für einen nachhaltigen Goût im Gaumen. Die Rosenblätter trugen subtil zum Gesamtgeschmack bei. Ein netter Auftakt.

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Zweierlei Rosenkohl mit Mandarine [7/10]

Der Rosenkohl war, einmal im Mund angekommen, extrem wuchtig und intensiv – toll. Für den Kontrast sollte der Mandarinen-Tupfer sorgen. Dieser war jedoch zu minimal portioniert und konnte sich deshalb geschmacklich gegen den Rosenkohl nicht richtig behaupten.

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Gedämpftes Brot mit Selleriecreme / Senfkrautblatt und gebeiztes Eigelb [6/10]

Von der spannenden Ankündigung konnte sich nur die Hälfte der Aromen in Szene setzen. Dennoch ein sehr harmonischer und überzeugender Happen.

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Die drei Häppchen bildeten einen schönen Auftakt. Leider wurden diese jeweils separat, innerhalb von 3 Minuten, serviert. Man hatte den ersten Happen noch nicht einmal runter geschluckt da wurde auch schon der Nächste an den Tisch gebracht. Hier würde es sich klar empfehlen die Häppchen als Trilogie aufzutragen damit der Gast diese in aller Ruhe geniessen kann.

Apropos Ruhe, mit dieser war es nach diesem ersten Auftakt vorbei. Denn als würde man mit einem Presslufthammer ein Streichkonzert besuchen, trat eine grosse Gruppe Engländer und Asiaten ins Kleinod und zerstörte die gemütliche Stimmung. Die Geschäftsleute begrüssten sich im engen Gang sogar dann noch, als der Service seine Speisen an einen Tisch bringen wollte. Es war Spielwarenmesse in Nürnberg und an so einem Event gibt es natürlich Lieferanten die ihre Kunden unbedingt in das „besten Restaurant der Stadt“ einladen wollen. Unglücklicherweise war das die Sorte von Gästen welche sowohl Häppchen als auch Friandises unangetastet auf dem Tisch stehen liessen.

Wir nahmen einen weiteren Schluck vom tollen Weisswein und versuchten die Unruhestifter akustisch auszublenden. Da kam uns das Brot sehr gelegen.

Karottenbrot mit Bohnenbutter

Das Brot war sehr frisch die Karotten waren jedoch nur optisch auszumachen. Spannend war dafür die Bohnenbutter welche sehr gut umgesetzt war. Man schmeckte sowohl die Butter als auch das grüne Gemüse – toll.

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Da es neben den Häppchen kein Amuse Bouche gab, starteten wir gleich mit dem ersten Gang:

Wildsaibling mit Rettich und Quitte [7/10]

Der Saibling war leicht gegart, sehr gut gewürzt und hatte ein absolut tolles Geschmacksbild welches uns irgendwie an Sushi erinnerte. Das süsse Quittenchutney passte ebenfalls sehr gut zum wunderbaren Fisch. Der Rettich war sehr gut zubereitet, jedoch (absichtlich) kalt  und masslos überdimensioniert – so konnte keine Symbiose mit dem Fisch entstehen. Desshalb assen wir den Rettich nach dem ersten Versuch getrennt vom Saibling – so konnte der Fisch sein tolles Aroma richtig entfalten. Trotzdem sehr schade wenn man sieht, dass man mit nur leichten Optimierungen, ein erstes Highlight hätte servieren können.

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Rotkohl mit Basilikum [-/10]

Beim nächsten Gericht diente als Basis ein sehr gut zubereiter Kartoffelstock-Tupfer. Darauf wurden Ringe vom rohen Rotkohl sowie ein paar Blätter Basilikum aufgestapelt. Das Ganze lag in einem See aus Joghurt und Basilikumöl. Ein feiner aber auch sehr eindimensionaler Gang der uns nicht zu begeistern vermochte. Er war zwar optisch sehr schön angerichtet aber geschmacklich zu belanglos. Wir mögen sowohl Basilikum als auch Rotkohl doch es reicht nicht diese beiden Zutaten in roher Form auf den Teller zu legen um zu begeistern. Da konnte auch die charakterlose Joghurtsauce nichts retten.

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Zander mit Brokkoli [8/10]

Kaum stand der Teller auf dem Tisch, stieg auch schon der aufregende Duft von Mandeln in die Nase und liess die Sinne jubilieren. Die Sauce war auch im Gaumen absolut Spitze auch wenn sie den schön zubereiteten Fisch etwas zu stark dominierte und dieser somit seinen Eigengeschmack nicht ganz zur Geltung bringen konnte.

Der Haufen Brokkoli-Carpaccio war reich an Aroma – richtig genial war aber das Püre darunter. Es war super abgeschmeckt, geschmacksintensiv und absolut süchtig machend – genial. Da hätte man sich den hellgrünen Traubengelee getrost sparen können. Dieser war nämlich nur glitschig und schmeckte nach Nichts.

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Grünkohl mit Meerrettich [6/10]

Das ominöse Gelée hatte auch im nächsten Gericht seinen Aufritt. Diesmal in weisser Form und mit Meerrettich Aroma – so stellte man es uns zumindest vor, denn auch hier musste man viel Fantasie haben um das wirklich zu schmecken. Der Grünkohl war sehr frisch und knackig und hatte vor allem in Verbindung mit der darunter liegenden Grünkohlcreme einen intensiven Geschmack. Während die Fenchel- und Apfel-Stückchen zum Geschmacksbild nichts beitragen konnten, begeisterten uns die tollen Brotcroutons welche zuvor in Randensaft eingelegt waren. Dennoch, im Ganzen blieb dieses vegetarische Gericht hinter unseren Erwartungen zurück.

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Reh mit Petersilienwurzel [8/10]

Bereits der Duft in der Nase liess geniales erahnen. Zuerst probierten wir das äusserst zarte Stück vom bayrischen Reh. Dieses wurde mit Anis gebraten und hatte eine richtig geniale Glassur! Dazu gab es Dreierlei von der Petersilienwurzel: Während das Mus leider total misslang (schmeckte lediglich nach Crème fraîche), gefielen uns die gebratene Version und vor allem die gehoblte Variante – denn diese wurde vom Küchenteam mit weissem Mohn verfeinert und bereicherte das Menü um ein weiteres Highlight. Solche klaren Aromen hatten wir an diesem Abend in allen Gerichten erwartet.

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Im ‚Essigbrätlein‘ gibt es weder Käse noch Pré-Dessert, deshalb ging es anschliessend zum Hauptdessert:

Zitrat-Zitrone mit Bananeneis [5/10]

Das Dessert war fein aber weit davon entfernt uns nochmals zu begeistern. Die Kombination zwischen dem Bananeneis und den eingelegten Zitronenstückchen harmonierten überhaupt nicht. Dazu kam, dass die Zitrone auf einem Vollmilschokoladenboden lag welcher weich und brüchig wurde und mit seinem Eigengeschmack nicht gegen die intensiven Zitronenstückchen ankahm. Wie schon der Rotkohl-Basilikum-Gang liess uns auch dieser Teller etwas ratlos zurück.

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Friandises [9/10]

Das wahre Desserthighlight wurde zum Kaffee serviert: Fünf verschiedene Schokoladen hergestellt aus Valrhona Couverturen. Geschmacklich am gewagtesten war die Variante mit der Kaffir-Füllung – doch das Wagnis hat sich gelohnt, wir waren begeistert. Auch die Schokolade mit den Kernen freien Trauben und die mit Himbeeren waren überzeugend. Ebenfalls toll die weisse Schokolade mit einem Hauch von Kubeben-Pfeffer. Das Highlight war aber klar die Schokolade mit der karamelisierten Nussmischung – absolute Spitze!

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Fazit: Die ersten zehn Minuten im ‚Essigbrätlein‘ waren paradisisch – ruhig und sehr gemütlich. Dies änderte sich aprupt nach dem die grosse Gruppe das kleine Restaurant regelrecht gestürmt hatte. Nun war es viel zu laut und auch der Service wirkte etwas gestresst. Den Eindruck wurde dann später durch den Somelier Ivan Jakir bestätigt in dem er uns offen sagte, dass diese Leute die ganze Stimmung kaputt machen würden. Da hatte er zwar Recht, doch die Schuld auf die Gruppe zu schieben wäre etwas gar kurz gegriffen. Schlussendlich darf man in einem Restaurant, dass gerade einmal 22 Gästen Platz bietet, keine Reservation für eine 10er Gruppe annehmen. Und falls doch, müsste man fairerweise alle anderen Gäste vorab über diese grosse Gruppe informieren. Uns taten jedenfalls alle Pärchen leid die sich auf einen gemütlichen Abend freuten und dann eher eine Bierzelt-Stimmung ertragen mussten.

Zum Glück erlebten wir diesen Umstand in einem Restaurant in dem die Küche auf hohem Niveau arbeitet und wir somit dank besonderen Gerichten in eine andere Welt eintauchen und den Lärmpegel um uns herum vergessen konnten. Von diesen besonderen Gerichte gab es ein paar: Der Saibling, der Zander, das Reh aber auch die Friandises.

Es gab aber auch Gänge die zwar im Ansatz gefielen, welche uns aber nicht ins schwärmen bringen konnten. Wir denken da vor allem an das unspektakuläre, ja sogar banale Rotkraut Gericht, aber auch an den nicht stimmigen Grünkohlsalat und an das unharmonische Dessert. Diese Gerichte wirkten unbalanciert und unfertig. Versucht das Team um Andree Köthe krampfhaft seinem Ruf, sehr originell zu sein, gerecht zu werden? Diese Frage stellten wir uns aber auch bei gewissen Elementen bei sonst überzeugenden Gerichten. Zum Beispiel beim grünen Trauben-Gelée auf dem Broccoli Gericht aber auch bei der Petersilienwurzelcème beim Hauptgang. Uns erschloss es sich nicht weshalb man auf solche Elemente nicht komplett verzichtet.

Das ‚Essigbrätlein ist ein sehr charmantes und sehr intimes Restaurant mitten in Nürnberg. Wir hatten kulinarisch einen sehr schönen Abend obwohl wir uns mehr Gerichte auf dem Niveau des Hauptganges erhofft hatten. In einem 2 Sterne / 18 Punkten Haus erwarten wir ein durchgängig hohes Level auf dem man uns von Beginn weg begeistert. Gerade im Vergleich zu den beiden letzten Restaurantbesuchen im ‚Adelboden‚ und ‚Stucki‚ ist es für uns unklar weshalb sich das ‚Essigbrätlein‘ mit dieser hohen Auszeichnung schmücken darf – bei unserem Besuch war das Essen zwar sehr toll, aber nicht auf dem erwarteten, ganz hohen Niveau.

Menü: Es gibt keine Speisekarte sondern nur ein 6 Gang Menü zu 116 €. Dieses kann man auch kürzen: 5 Gänge kosten 108 € und 4 Gänge 98 €

Wein: Sehr gerne bietet man eine Weinbegleitung an. 6 Gläser wurden mit 72.50 € verrechnet. Toll: Jeder am Tisch bekam den Wein jeweils zum probieren.

Unsere sehr passende (!) Weinbegleitung:

2010 Riesling „alte Reben“, Van Volxem, Saar (D)
2010 Sauvignon Blanc, Luckert, Franken (D)
2010 Chardonnay „S“, Wittmann, Rheinhessen (D)
2009 Spätburgunder „Centgrafenberg“, Fürst, Franken (D)
2008 Lytton Spring, Ridge, Santa Cruz, Californien (USA)
2009 Riesling TBA, Frey, Pfalz (D)

Online: Das Restaurant verfügt über keine Homepage. E-Mail Anfragen werden aber zeitnah und kundenfreundlich beantwortet. Ungewohnt, die Reservation muss man eine Woche vor dem Besuch noch einmal Rückbestätigen. E-Mailadresse essigbraetlein[at]web.de

Wertung: Gourmör / Michelin / Gault-Millau

(Besucht im Januar 2012)