Schwarzwaldstube in Baiersbronn (D)

Meldungen, dass junge Chefköche ihren Arbeitsplatz wechseln, erreichen uns fast wöchentlich. Dass es auch mit mehr Geduld und Ausdauer geht, demonstriert unter anderem der deutsche Spitzenkoch Harald Wohlfahrt. Er steht seit 36 Jahren am Herd der Schwarzwaldstube im schwarzwälder Ferienhotel Traube Tonbach (zu unserem Hotel-Bericht). Die Liste der Stammgäste ist entsprechend lang und die Namen Wohlfahrt und Schwarzwaldstube sind in der Zwischenzeit zum Synonym geworden.

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Harald Wohlfahrt ist nicht nur ein grossartiger Koch, der seit 22 Jahren ununterbrochen mit 3 Michelin Sternen ausgezeichnet wird, sondern auch ein ausgezeichneter Lehrmeister. Viele deutsche Sterneköche, unter anderem Christian Bau und Joachim Wissler, haben bei ihm gelernt. Wir besuchen die Schwarzwaldstube zum Lunch. Hier wird das Mittagessen noch richtiggehend zelebriert. So hat man als Gast die gleiche Auswahl wie am Abend und das Essen dauert gut und gerne bis in den späten Nachmittag.

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Im Restaurant angekommen, fällt der Blick als erstes auf die eindrückliche Holzdecke. Darunter stehen 12 elegant aufgedeckte Tische. Die Schwarzwaldstube ist von grossen Fensterfronten umgeben, wodurch man einen freien Blick in die idyllische Natur hat. Wir nehmen an einem der schönen Ecktische Platz und werden sogleich vom stilvoll gekleideten Serviceteam umsorgt. Das junge Team ist nicht nur extrem freundlich und zuvorkommend, sondern auch mit einer spürbar grossen Begeisterung am Werk. Wir fühlen uns von Beginn weg sehr wohl und bestens umsorgt.

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Dreierlei auf dem Löffel [9/10]

Zur kulinarischen Einstimmung serviert man uns drei verschiedene Häppchen auf silbernen Löffeln. Wir werden angehalten uns von links nach rechts durchzuprobieren, da sich die Aromen Schritt für Schritt intensivieren. So starten wir mit einem harmonischen Kürbis-Bitterorange Tatar, mit einem Hauch von Ingwer. Weiter geht es mit einem Tomatenfeuerwerk und zum Abschluss trifft unser Gaumen auf asiatische Aromen, die es schaffen uns gedanklich nach Bangkok zu manövrieren, wo wir uns vor dem geistigen Auge an einem Street-Food-Stand wiederfinden. Beeindruckt vom Auftakt, freuen wir uns auf die kommenden Stunden.

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Doch zuerst muss die kulinarische Reise gewählt werden. Dazu erhalten wir eine grossformatige Menükarte, auf der wir drei Menüs, sowie die à la carte Auswahl finden. Maître David Breuer geht von Tisch zu Tisch, erläutert mit grosser Begeisterung die heutigen Optionen, hört aufmerksam zu und erfüllt etwaige Gästewünsche. So ist man auch bei der Zusammenstellung der Menüs äusserst Gästeorientiert und bietet gerne Alternativen an. So entscheiden wir uns für „Harald Wohlfahrts grosses Degustationsmenü“ mit der Bitte, den Rindsfilet-Hauptgang durch die Wachtel aus dem kleineren Menü zu tauschen. Sommelier Stéphane Gass ist eine Koryphäe seines Fachs und kümmert sich mit grosser Passion um die Weinauswahl. Wir fragen nach einer Weinbegleitung und werden von einer sehr durchdachten und präzise aufs Menü abgestimmten Weinreise beglückt.

Brot

Bei der Brotauswahl setzt man auf eine überschaubare, aber sehr schmackhafte und äusserst frische Auswahl. Das Focaccia mit Oliven ist weltklasse. Auch die dazu gereichte Butter – wahlweise gesalzen oder ungesalzen verdient Applaus.

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Variation vom Stubenküken [9/10]

Nun schickt uns Harald Wohlfahrt sein Amuse Bouche, welches seit Jahren auf einem Glasteller als Quartett präsentiert wird. Heute ist ein Stubenkücken im Mittelpunkt. Dieses wurde kunstvoll und filigran zu vier Köstlichkeiten verarbeitet. Da liegt eine Terrine im Kalbsgelée, daneben eine Ballottine mit Gänseleber und Rotweingelée, ein Parfait mit Senfchips, Erbsen und Langustinenmousse und im letzten Quadrat, ein mit australischem Trüffel und Portweingelée veredeltes Mousse vom Kücken. Alles ist präzis und mit viel Liebe angerichtet. Jedes noch so kleine Detail ist geschmacklich klar herausgearbeitet und in der Summe ein Gedicht.

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Sardinentatar und mildgeräucherte Sardinenfilets [9/10]

Im ersten Gang des eigentlichen Menüs, begegnen wir einem Akteur den man leider nur ganz selten in der Haute Cuisine antrifft: der Sardine. Der silberne Fisch wurde zu einem eleganten, crèmigen Tatar verarbeitet. Dazu gibt es das Filet welches leicht geräuchert, wunderbar aromatisch ist. Begleitet wird das Gericht von feinen Artischocken, knackigen Bohnen und würzigen Chorizo-Tupfern, sowie einer harmonischen Mayonnaise. Das kräftige Aroma der Sardine wird durch diese Kombination traumhaft abgerundet. Die Pinienkerne sorgen für die mediterrane Note und setzen dem Ganzen die Krone auf.

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Gebratene Entenleberscheibe mit Macadamia-Nüssen [9/10]

Schon alleine der Duft der Entenleber, in Kombination mit den gerösteten Macadamien, lädt zum Träumen ein. Die Leber ist perfekt gebraten und offenbart das unverwechselbare Aroma im Gaumen. Eigentlich wäre damit alles gesagt, doch der 3-Sterne-Koch setzt hier noch ein paar Akkorde mit drauf. So veredelt er das Gericht mit einem himmlischen und aufwendig zubereiteten Jus von Limone und Ingwer. Dazu verblüfft er uns mit einer Duftreis-Crème mit einer himmlischen Zitronengras-Note. Was sich deplatziert anhört, offenbart sich als ein vielschichtiges Aromenspiel. Dass in diesem Geschmacksfeuerwerk sogar die Peperonistreifen wahrnehmbar sind, spricht für die hohe Qualität.

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Rotbarbenfilet mit krossen Knoblauchschuppen [8/10]

Dass man Fischschuppen essen kann, hat uns vor Jahren schon Eric Menchon im Le Moissonnier demonstriert. Hier in der Schwarzwaldstube hat man dazu die Schuppen entfernt, kross gebraten und sanft mit Knoblauch angereichert. Die schonend gegarte Rotbarbe wurde indessen mit einer Emulsion von der Bouillabaisse bestrichen und anschliessend mit den knusprigen Schuppen vermählt. Dazu gesellt sich eine hervorragende Beurre blanc mit Basilikum. Ausgezeichnet auch der provenzalische Gemüsefächer mit hauchdünn geschnittenen Auberginen, Zucchetti und Tomaten – dieser hätte uns schon alleine überglücklich gemacht.

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Kleine Wachtel vom Holzkohlegrill [8/10]

Der Holzkohlegrill erlebt in der Spitzengastronomie einen Höhenflug. Auch Wohlfahrt setzt auf das unverwechselbare Raucharoma welches dadurch entsteht. Dieses steht dem perfekt zubereiteten Vogel sehr gut. Dazu reicht er mit der atemberaubenden Barolosauce ein wahres Elixier, wie es dies nur die besten Köche zubereiten können. Die charaktervolle Sauce kaschiert dann auch  den fehlenden Spannungsbogen bei diesem Hauptgericht.

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Vom bisher Gebotenen überglücklich, schauen wir durch die grossen Fenster nach Draussen, wo es mittlerweile angefangen hat stark zu regnen. Wir bemitleiden einen kurzen Moment die Wanderer – die vom Wetterumschlag überrascht wurden und jetzt irgendwo im Wald Unterschlupf suchen- und widmen uns dann genussvoll der Dessertkarte.

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Käse

Vor dem süssen Finale wird noch der schön sortierte Käsewagen vorgefahren. Für die Selektion zeigt sich der elsässer Affineur Bernard Antony verantwortlich.

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Baba im Aprikosen-Mandelsud [8/10]

Den Klassiker Baba au rhum hatten wir in Monaco verpasst – wir können uns aber nicht vorstellen, dass dort das Gebäck besser geschmeckt hätte, als diese unglaublich tolle Variante von Pâtissier Pierre Lingelser. Saftig, geschmacksvoll – grossartig! Dazu ein hervorragendes Aprikosen-Sorbet, welches nicht zu süss, sondern sehr authentisch schmeckt und mit der leichten Säure einen perfekten Kontrast zum süssen Cannelés de Boredeaux schafft.

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Lauwarmer Schokoladenfondant mit Bonbon von Waldhimbeergeist und Sauerrahmeis [9/10]

Zum Abschluss serviert man uns einen wahr gewordenen Desserttraum, aus einem luftigen Schokoladenfondant mit knusprigem Boden. Der warme Himbeersud wird am Tisch darüber gegossen und bringt die Schokoladendecke zum Einstürzen. Auf einem separat gereichten Glas reicht man uns eine Zuckerperle, die mit bestem Kirsch gefüllt ist. Mit einem gezielten Schlag mit dem Löffel, bricht diese zusammen und entleert sich auf dem besten uns jemals servierten Sauerrahmglace.

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Friandieses [8/10]

Zum Abschluss gibt es noch ein paar tolle Friandises. Dabei haben es uns die Macarons besonders angetan. Schön zu wissen, dass man auch ausserhalb von Paris ähnlich gute Exemplare findet.

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Fazit: Nicht nur Harald Wohlfahrts Vergangenheit ist eindrücklich, sondern auch sein aktuelles Schaffen. Seine Gerichte sind klassisch und trotzdem zeitgemäss. Die Gerichte fokussieren sich auf kräftige Aromen, setzen auf hochwertige Produkte und aufwändige Saucen. Eine Spitzenküche ohne Überraschungen, aber mit sehr viel Geschmack und dies bei einer eindrücklichen Konstanz welche seit Jahrzehnten anhält. Eindrücklich auch der Service. Nur ganz selten, dass man ein solch perfektes Team erlebt. Zuvorkommend, aufmerksam und trotzdem nahbar – so muss der Service sein. Zusammen mit der hervorragenden Küche und dem stilvollen Ambiente ein unvergessliches Erlebnis und auf jeden Fall ein Besuch wert.

schwarzwaldstube_harald_wohlfahrt_baiersbronn_21Das hervorragende Serviceteam um Mâitre David Breuer (2. v. r.) und Sommelier Stéphane Gass (rechts aussen)

Zeit: Das Mittagessen hat knapp 4 Stunden gedauert.

Menü: Es werden drei Menüs angeboten. Das grosse Degustationsmenü in sieben Gängen kostet 205 €, das kleinere in fünf Gängen 175 €. Das vegetarische Menü in 6 Gängen kostet 148 €.  Dazu kommen noch Häppchen, Amuse Bouche und Friandises. Die à la carte Auswahl bietet verschiedene Vorspeisen (35 € – 68 €), Hauptgänge (ca. 70 €) und Desserts (30 €).

Wein: Die Weinkarte ist sehr umfangreich. Eine eigentliche Weinbegleitung steht nicht auf der Karte, jedoch stellt Sommelier Stéphane Gass gerne eine spannende und sehr gut aufs Menü abgestimmte Weinbegleitung zusammen. Der Preis variiert dabei. Die folgende Weinbegleitung wurde uns mit 92 € verrechnet:

2001 Furmint Vogelsang – Weingut Wentzel
2008 Darscho – Weingut Velich
2007 Puligny-Montrachet Clavoillon – Domaine Leflaive
2003 Chateau Monsbrison, Bordeaux
2008 Chateau Doisy Vedrines, Barsac
2007 Jurancon Cuveé Thibault – Domaine Bellegarde

Online: Grundsätzlich sind wir überzeugt, dass grosse Restaurants auch eine eigene Website verdienen. Im Fall der Schwarzwaldstube können wir die Integration in die Hotelwebsite aber nachvollziehen. Denn hier in der Traube Tonbach spielt die vielseitige Kulinarik eine zentrale Rolle, wodurch die verschiedenen Restaurants prominent platziert werden. Auf der Seite der Schwarzwaldstube findet man dann viele wichtige Informationen und natürlich das aktuelle Menü.

Wertung: Gourmör O9 / Michelin M3 / Gault-Millau GM19

Sonderauszeichnung: Top-Service, hier kann man die Seele so richtig baumeln lassen

(Besucht im August 2014)

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg in Perl-Nennig (D)

Die Autofahrt dauert mehr als vier Stunden, bis wir das 5-Sterne Hotel Victor’s Residenz-Hotel Schloss Berg im kleinen deutschen Dörfchen Perl, nahe der luxemburgischen Grenze, erreichen. Das weisse Schloss mit den 96 Zimmern ist umgeben von saftig grünen Rebbergen der Mosel. Die Umgebung ist nett, das Hotel ebenfalls – aber wegen beidem hätten wir die soeben zurückgelegten 400 Kilometer sicher nicht auf uns genommen. Der Grund unserer langen Reise heisst Christian Bau – einer der zehn deutschen 3-Sterne-Köche. Seit 17 Jahren führt er zusammen mit seiner Frau Yildiz das kleine Restaurant Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg.

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Kurz vor halb acht betreten wir das Restaurant mit dem holprig langen Namen (wieso nicht einfach ‚Bau‘?). Hinter der markanten Holztür werden wir von einer freundlichen Dame in Empfang genommen und in das längliche Lokal geführt. Dieses ist nicht nur vorbildlich beleuchtet, sondern auch stilvoll und hochwertig eingerichtet. Obwohl bereits alle Tische besetzt sind, ist der Geräuschpegel so tief, dass man die berühmte Stecknadel zu Boden fallen hören würde. So wechseln auch wir von Beginn weg auf den Flüstermodus und hoffen, dass sich die biedere Stimmung bald auflockern wird – was sie aber leider den ganzen Abend nicht tun wird.

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Unsere Stimmung rutscht gleich komplett in den Keller. Denn während wir mit grosser Vorfreude in den bequemen Stühlen sitzen, werden wir auf ein kleines Kärtchen, auf dem weiss gedeckten Tisch aufmerksam. Darauf teilt man den Gästen mit, dass hier im Restaurant Fotos unerwünscht seien. Smartphones sind erlaubt – jedoch keine Kameras. Selbstverständlich ist jeder Gastronom frei bei der Gestaltung der Spielregeln. Jedoch wäre es angebracht diesen Hinweis auch auf der Internetseite zu platzieren, damit die Gäste diese Restriktion bereits im Voraus kennen. Enttäuscht stecken wir die Kamera wieder zurück in die Tasche. Zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass wir am Ende des Menüs noch mit Christian Bau ins Gespräch kommen und er uns spontan offeriert am nächsten Mittag eine paar Gerichte am Pass für die Fotografie zuzubereiten. Diesem Einsatz ist es dann auch zu verdanken, dass dieser Artikel überhaupt mit Bildern bereichert ist.

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Während die Kamera also vorerst in der Tasche schlummert, widmen wir uns der Speisekarte. Darauf finden wir das grosse Menü „Voyage Culinaire“ und mit der „Carte Blanche“ eine etwas kürzere Alternative. Wir entscheiden uns für das grosse Menü und hoffen inständig, dass es die Gerichte schaffen unsere aktuelle Stimmung aufzuheitern.

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Alle Menüs hier im Restaurant beginnen mit dem „Prolog“. In dem mehrteiligen Auftakt werden verschiedene Häppchen und Amuses serviert. Den Start machen Cornet mit Bio-Ox & Räucherfischcrème / Knuspriges Foccacia mit Bellota, Olive & Basilikum / Apfel-Macaron mit Saibling & Wasabi [9/10]. Die kleinen Kunstwerke sind liebevoll zubereitet. Jedes Einzelne demonstriert eindrücklich, wie hervorragend Christian Bau die Klaviatur der Texturen und Aromen beherrscht und dadurch perfekt komponierte Kreationen erschafft. Zudem ist es beeindruckend wie einzigartig der 44-jährige die französische Küche mit der asiatischen vermählt und dadurch dem Gast ein einzigartiges Geschmacksspektrum offenbart. Spätestens beim himmlischen Apfel-Macaron, mit der eleganten Wasabi-Note, haben wir den Kamera-Schock komplett vergessen.

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Karotte mit Joghurt, Koriander & Curry [10/10]

Grossartig geht es weiter. Gekonnt wird hier mit Temperaturen und Konsistenzen gezaubert. Das Resultat ist nicht nur absolut Wohlschmeckend, sondern auch spannend und facettenreich – grossartig!

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‚Japanisches Meer‘ [9/10]

Als nächstes serviert man uns in einem weissen Porzellan ein Sammelsurium aus dem Meer. Und so betörend es riecht, so schmeckt das elegante Gericht auch. Wir probieren uns durch verschiedene Muschelarten und staunen nicht nur ab der Produktqualität, sondern auch über die meisterliche Zubereitung. Überglücklich versinken wir im Sessel und hoffen inständig, dass der Abend noch lange nicht zu Ende sein wird.

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Gänseleber mit Café, Nuss & Rote Früchte [10/10]

Absolut gigantisch dann die Gänseleber-Praliné im Kaffee-Mattel mit gerösteten Haselnüssen. Das Juwel schmilzt auf der Zunge förmlich dahin und setzt das göttliche Aroma frei. Dazu gibt es ein perfekt temperiertes Gänseleber-Eis. Zum niederknien.

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Abgeschlossen wird die eindrückliche Ouvertüre von Yellow Fin Tuna mit Avocado & Japanischer Essenz [7/10] mit einer herrlichen Säurenote, sowie einem süffigen Chawanmushi mit Schnecken & Chinesischem Schnittlauch [8/10].

Wir sind am Ende des Prologs angelangt und staunen, mit welcher Lockerheit Christian Bau hier ein Highlight an das Andere reiht. Ein Lehrstück auch für diejenigen Köche die glauben, man müsse den Gast zum Start quantitativ einlullen und dabei den Wohlgeschmack völlig aus den Augen verlieren.

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Mit dem „Japanische Stein- & Gemüsegarten“ [10/10] beginnt der Hauptteil der „Voyage Culinaire“. Dies ist zugleich eines der schönsten uns jemals servierten Gerichte. Und zum Glück sieht es nicht nur episch aus, sondern schmeckt auch so. Mit grosser Hingabe probieren wir uns quer durch den Teller und kombinieren die unzähligen Zutaten zu immer neuen Geschmacksfeuerwerken. Dabei halten wir immer wieder inne und tauchen förmlich in den Teller ein. Ein absolutes Kunstwerk.

 

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Da hat es jedes Nachfolgegericht schwer. So auch der Taschenkrebs [6/10], der zwar sehr gut schmeckt, aber das extrem hohe Niveau nicht halten kann. Zwar gefällt uns auch hier die liebevolle Optik, doch kann sich der subtile Hauptakteur geschmacklich nicht gegen die dominanten Aromen der Gurke durchsetzen. Da kann auch die grosszügige Nocke Kaviar nichts retten.

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Mit der Japanische Gelbflossenmakrele [8/10] folgt ein Signature-Dish von Christian Bau. Dieser bringt das Menü wieder zurück auf die Gewinnerstrasse. Auf den Teller befinden sich rohe Tranchen von der Makrele, die von getrocknetem Ingwer und einem Hauch von Zitrusfrüchten, begleitet wird. Ein sehr harmonisches, elegantes und eindrucksvolles Gericht. (Kein Foto)

Der Grüne Spargel von ‚Monsieur Robert Blanc‘ [10/10] Ein besonderes Ess-Highlight ist dann ein Gericht für die Ewigkeit. Im Zentrum stehen die aromatischen Spargeln vom berühmten Spargel-Bauer aus der Provence. Bau veredelt das hervorragende Produkt und zaubert daraus ein veritables Meisterwerk. Dazu ergänzt er das Gericht mit Säure und Süsse. Ersteres stammt vom Gewürz-Sumach, welches dezent auf dem Teller liegt. Die Süsse kommt von einer perfekt dosierten, karamellisierten Miso. Dazu serviert man uns eine luftige Yuzu-Hollandaise die ihresgleichen sucht. Kaum zu glauben welche Emotionen drei „einfache“ Spargeln auslösen können.

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Ebenfalls grossartig ist dann die Langoustine³ [9/10]. Das wohlschmeckende Krustentier wird zum einen mit würziger Macadamia serviert. Daneben finden wir das edle Tier fein geschnitten, umhüllt mit Lardo. Als krönender Abschluss gibt es die Langoustine (Kaisergranat) als himmlische Praline. Abgerundet wird das Ganze mit Frühlingszwiebeln, Pok-Choi, Favabohnen, sowie einer wunderbaren Sauce.

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Der Steinbutt [7/10] ist perfekt gegart und liegt in einem süchtig machenden Sud mit angenehmer Säure. Die dünne Scheibe „Buddhas-Hand“ versprüht eine erfrischende Zitrusnote. Ein starkes Gericht.

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Während bei den bisherigen Gerichten die asiatischen Einflüsse für den entscheidenden Kick sorgten, setzt man bei den Hauptgängen eher auf eine klassische Zubereitung. So auch beim Rehrücken aus der Eifel [8/10] der sehr bunt daher kommt. So finden wir neben dem geschmacksvollen Wild, eine leuchtend grüne Frühlingsrolle aus Wirz und knallrote Kirschen mit einem brillanten Pfeffer-Aroma. Dazu kredenzt man eine charaktervolle Sauce und serviert Zwiebeln in verschiedenen Konsistenzen. Ein ausgezeichneter Hauptgang. (Kein Foto)

Als pré Dessert serviert man uns mit dem Mascarpone / Mango & Kokos / Rote Shiso-Infusion [10/10] ein erstes Highlight aus der Pâtisserie. Ein himmlisch-fruchtiges Dessert, bei dem wir uns mit dem Löffel wie Archäologen auf einer neuen Fundstelle, akribisch vorantasten. Dabei kombinieren wir die verschiedenen Bestandteile und werden mit wuchtigen Geschmacksexplosionen belohnt. Diese entführen uns gedangklich auf eine noch nicht entdeckte Insel. Ein Lehrstück, wie ein Dessert zu schmecken hat.

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Ebenfalls traumhaft ist das zweite Dessert mit Beeren / Calpico / Sake / Limone [9/10].  Dieses ist zwar üppig portioniert, aber wiederum angenehm leicht und äusserst geschmackvoll und mit vielen spannenden Texturen.

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Das letzte Dessert ist die Valrhona Schokolade `bau.stil.´ [9/10]. Eine exzellente Manjari-Canache mit Erdnusscrème und Caramell, sorgen für eine fabelhafte Neuinterpretation des Snickers. Dazu gibt es ein leicht gesalzenes, herrliches Caramel-Eis.

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Sweeties [10/10]

Zum grande Finale serviert man uns unzählige Süssigkeiten wie „Himbeer-Cheesecake“, „unsere Yogurette“, Yuzu-Praline und weiteres mehr. Diese sind allesamt auf höchstem Niveau und zudem fantasievoll und filigran zubereitet. Ein würdiger Abschluss eines grossartigen Menüs. (Keine Fotos)

christian_bau_victors_gourmet_restaurant_schloss_berg_perl_nennig_3Christian Bau

 

Fazit: Christian Bau ist ein grossartiger Koch. Seine Leidenschaft fürs Kochen spürt man bei jedem Bissen. Seine Kompositionen sind nicht nur wahre Bijous, sondern auch kulinarisch perfekt arrangierte Gerichte. Was beim Gast so locker daherkommt, ist das Ergebnis einer passionierten und ehrgeizigen Arbeit. Christian Baus Begeisterung für die asiatische Küche ist für den Gast ein weiterer Glücksfall, da man mit vielen neuen Geschmackskombinationen überrascht wird. Wir waren vom Besuch im Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg restlos begeistert und hatten auf der langen Rückreise noch viel zu träumen. Schade nur, dass sich die grossartige Kochkunst nicht auf alle Gäste abfärbt und die Stimmung im Restaurant eher streng ist. Zum Glück konnte Yildiz Bau mit ihrer offenen Art, der eher beklemmenden Stimmung etwas entgegenwirken. So oder so, Christian Baus Restaurant ist eines der Besten auf der Welt und gehört auf die Todo-Liste eines jeden Gourmets.

Hinweis: Die Kamera muss zu Hause bleiben. Im Restaurant sind nur Fotos mit dem Smartphone erlaubt.

Menü: Die grosse „Voyage Culinaire“ wird aktuell mit 198 € verrechnet. Diese kann man mit einem zusätzlichen Überraschungsgericht (30 €) oder mit Käse von Maître Antony (22 €) ausbauen. Die „Carte Blanche“ in vier Gängen kostet 130 €, in fünf Gängen 145 € und in sechs Gängen 175 €.

Online: Die Website des Hotels wird dem Spektakel im Restaurant nicht gerecht. Immerhin findet man darauf die wichtigsten Informationen und das aktuelle Menü. Viel emotionaler ist da Christian Baus eigene Website.

Wertung: Gourmör O10 / Michelin M3 / Gault-Millau GM19

(Besucht im Mai 2014)

christian_bau_victors_gourmet_restaurant_schloss_berg_perl_nennig_14Gastgeberin Yildiz Bau und Sommelier Daniel Kiowski

Epicure in Paris

Bei all dem Hype um die Sterne-Rekorde in Japan und die angesagten Küchentrends in Skandinavien, geht die Hauptstadt der Grande Nation beinahe etwas vergessen. Dabei ist das kulinarische Angebot in Paris schier grenzenlos. Ganze zehn Restaurants werden in der Stadt der Liebe mit 3-Sternen ausgezeichnet. Dazu kommen unzählige Lokale mit zwei, respektive einem Stern. Zudem ist die wunderschöne französische Hauptstadt nur ein paar Zugstunden von der Schweiz entfernt. Mit dem TGV erreicht man die Metropole ab Basel innerhalb dreier Stunden und sieht dabei die malerische Landschaft mit 350 Stundenkilometer am Zugfenster vorbei ziehen.

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Eines dieser zehn Spitzenrestaurants ist das Epicure im legendären Hotel Le Brisol (zu unserem Bericht). Hier kocht der 51-jährige Eric Frechon. Aufgewachsen im Norden von Frankreich, war er schon in jungen Jahren überzeugt, eines Tages ein Koch zu werden. In den 80er Jahren zog es ihn nach Paris, wo er 1985 im Le Bristol anheuerte. 1996 eröffnete er im 19. Arrondissement sein eigenes Restaurant und kehrte kurz vor der Jahrtausendwende zurück ins 5-Sterne-Hotel, wo er im darauffolgenden Jahr als Küchenchef, gleich mit seinem ersten Stern ausgezeichnet wurde. 2001 kam der Zweite, 2009, nachdem er ein Jahr lang den „Hoffnungsträger“-Status trug, folgte mit dem dritten Stern der kulinarische Ritterschlag.

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Das Epicure kennt keine freien Tage. Das Restaurant empfängt die Gäste an 365 Tage im Jahr, jeweils zum Mittag- und Abendessen. Um diese Öffnungszeiten stemmen zu können sind 35 Köche angestellt, wovon immer circa 25 pro Service in der grossen Küche stehen. Der Aufwand ist riesig und kann natürlich nur mit den Mitteln eines finanzstarken Spitzenhotels gestemmt werden.

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Auf den Besuch bei Eric Frechon freuen wir uns schon seit Wochen. Entsprechend überpünktlich haben wir uns vor der noch verschlossenen Restauranttür eingefunden. Während wir auf den bequemen Sesseln warten, erinnern wir uns nochmals an die unvergessliche Aussicht, die wir noch vor wenigen Stunden vom Eiffelturm geniessen durften und stellen uns die Frage, welches Erlebnis sich wohl länger in unsere Erinnerung einbrennen wird – die atemberaubende Aussicht oder das nun bevorstehende Menü. Der Appetit ist auf jeden Fall gross. Es hat sich gelohnt, mit Scheuklappen zurück ins Hotel zu laufen, um nicht in die Versuchung der hochstehenden Patisserie zu kommen, die hier in Paris überall aus den Schaufenstern der Confiserien lacht.

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Pünktlich um 19 Uhr öffnet sich die verspiegelte Tür. Die Empfangsdame dahinter begrüsst uns mit einem freundlichen „Bonsoir“, prüft unsere Reservation und begleitet uns an den Vierertisch in der Restaurantmitte. Alle 16 Tische im lichtdurchfluteten Raum sind elegant gedeckt. Das Interieur ist hell, freundlich und einladend. Erst vor wenigen Jahren wurde das Epicure von Pierre-Yves Rochon neu gestaltet. Bis zum Umbau trug das Restaurant den gleichen Namen wie das Hotel und das Setting war dunkel und streng. Kein Vergleich zum jetzigen Ambiente. Schön ist auch der Blick direkt in den  Hotelgarten. An warmen Sommertagen werden die grossen Fensterflügel geöffnet, damit die warme Brise das Restaurant durchflutet.

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Das 3-Sterne-Restaurant bietet allerhöchsten Komfort. Der Service ist von Beginn weg sehr präsent. Dabei werden wir überrascht, wie professionell aber dennoch locker und pointiert humorvoll, mit den Gästen umgegangen wird. Das erste Klischee vom verstaubten, steifen Restaurant können wir schon mal überzeugt von der imaginären „Pariser-Vorurteil-Liste“ streichen. Jetzt kommt einer der vielen Sommeliers an unseren Tisch und erkundigt sich nach unseren Apéro Wünschen. Unsere Wahl fällt auf ein Glas Rosé Champagner aus dem Hause Bollinger – eine hervorragende Wahl.

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Um uns herum füllen sich die Tische sukzessive. Ein Blick auf die Herren zeigt, dass man sich hier ausnahmslos an den Dresscode hält, welcher ein Jackett verlangt – die Krawatte muss nur optional getragen werden.

Häppchen [9/10]

Nun werden die ersten Häppchen geschickt. Das, mit Erbsen grün gefärbte Mousse von der weissen Spargel, zeigt schon mal eindrücklich, auf was wir uns heute Abend freuen dürfen. Das Aroma ist kräftig, die Geschmäcker sind klar herausgearbeitet. Wir versinken förmlich in dem kleinen Porzellan.

Anschliessend widmen wir uns dem Gamba-Lolli. Einmal im Mund verbreitet sich im Gaumen ein betörender Duft nach den Weiten des Ozeans. Dazu gesellt sich die knusprige Textur, von dem mit Sepia gefärbten Puffreis.

Dank den Auster-Chips bleiben wir geschmacklich im Meer und staunen wiederum über den hervorragenden Geschmack und der extremen Frische. Dazu serviert Frechon ein wunderbares Mousse, sowie ein Haus von Petersilie, welche den Austerngeschmack gekonnt unterstreicht.

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Noch immer vom überzeugenden Auftakt begeistert, reicht man uns die Speisekarte in englischer Sprache. Wir blättern uns durch die etwas lieblos eingeklebten Seiten. Die einzelnen Speisen lesen sich äusserst spannend, weshalb wir am liebsten jedes Gericht bestellen würden. Dass dies nicht möglich ist liegt nicht nur am Volumen, sondern auch an den finanziellen Mitteln, denn die Preise sind (wie erwartet und in Paris üblich) sehr hoch. Schon alleine die Vorspeisen schlagen mit mindestens 80 € zu Buche. Zum Glück bietet man den Gästen mit dem Menü für 295 € eine gute Alternative an. Dieses vereint verschiedene Vorspeisen und Hauptgänge von der Karte, zu einer sieben-gängigen Abfolge. Darunter sind auch einige Gerichte, die auf der Karte mit einer Vogelfeder markiert sind. Hier handelt es sich um Eric Frechons Signature-Dishes.

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Brot

Nachdem wir das Menü bestellt haben, präsentiert man uns eine abwechslungsreiche und sehr überzeugende Brotauswahl. Dazu reicht man uns sowohl ungesalzene, als auch eine tolle, gesalzene Butter und einen atemberaubenden (!) Speck-Gugelhopf, welcher mit richtig viel Butter und Fleisch zubereitet wurde.

Bis jetzt war der Abend perfekt: Ein wunderschönes Restaurant, ein tolles Ambiente, ein hochstehender Service, ein schöner Tropfen im Glas und ausgezeichnete kulinarische Vorboten. Es darf gerne so weitergehen.

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Amuse Bouche: Eggplant, Sesam, Yoghurt, Gelée, Mint [8/10]

Das kleine, etwas unscheinbare Amuse Bouche entschleunigt uns etwas, indem es unsere volle sensorische Konzentration für sich beansprucht. Wir lassen uns darauf ein und werden von einem sehr harmonischen Zusammenspiel von lieblichen Aromen belohnt. In der Summe ein leiser, aber wichtiger Akkord, um unsere Gaumen für das Kommende zu justiert.

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Macaronis Farcis [10/10]

Imposant dann der erste Gang, welcher sich als absolutes Highlight entpuppt. Kaum ist die kleine Cloche angehoben, entfaltet sich am ganzen Tisch ein himmlischer Duft nach Trüffel. In der Tellermitte liegen drei Macaronis, gefüllt mit Trüffel, Artischocken und Entenleber. Das Ganze wurde mit Parmesan überbacken und mit einem der besten uns jemals servierten Jus serviert. Das Gericht ist süffig und so richtig zum reinknieen. Auch wenn wir uns den Lebergeschmack noch etwas markanter wünschen, bleibt das Gericht grossartig und wird von uns minutenlang zelebriert und ehrwürdig verspiesen.

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Morilles Blondes [10/10]

Etwas schnell – nur gerade elf Minuten nachdem uns der vorherige Gang serviert wurde, erreichen uns die zweite Vorspeise. Zwei mächtige Morcheln liegen auf dem Teller. Diese sind mit geräuchertem Schinken und Kalbsmilken gefüllt. Der Geschmack dieser Kombination ist gewaltig – ein Hochgenuss erster Güte. Dazu gesellt sich wiederum eine meisterhafte Sauce, die mit Vin Jaune aus dem Jura verfeinert wurde. Für die moderne Präsentation (ein weiteres Vorurteil dass es zu streichen gilt) sorgt der grüner Sponge aus Brunnenkresse. Ein powervolles und absolut geniales Gericht.

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Merlan de ligne de Saint-Gilles Croix-de-vie [10/10]

Der Merlan ist in Frankreich ein weit verbreiteter, aber wenig angesehener Salzwasserfisch. Frechon hat den Fisch schon vor Jahren auf seine Karte genommen, um seinen Landsleuten zu demonstrieren, dass man auch aus dem „einfachen“ Fisch etwas Grosses schaffen kann. Dazu hat er den Merlan schonend gegart und anschliessend auf etwas Spinat gebettet. Darüber gibt es ein himmlisches, hauchdünnes Mandelgebäck, welches nicht nur so aussieht, sondern auch verführerisch danach schmeckt. Abgerundet wird das Gericht von einem äusserst raffinierten Dressing von Curry und Péquillos – einer Chili Art. Die Dosierung der Schärfe ist dabei so perfekt, dass sie den Fisch elegant begleitet, aber in keiner Art und Weise von ihm ablenkt. Wiederum grossartig!

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Pigeon de Bresse [10/10]

Im Hauptgang serviert man uns eine Taube aus der Bresse, welche wie vom Chef empfohlen, medium-rare zubereitet ist. Wir probieren zuerst von der Sauce, die uns wiederum völlig in ihren Bann zieht. Das braune Elexier ist extrem vielschichtig und schon für sich alleine ein Highlight. Auch der wundervolle Vogel begeistern. Dieser ist perfekt gebraten und hat eine wunderbar knusprige Textur von Pinienkernen und einer angenehmen Süsse vom Honig, welche wiederum meisterhaft subtil ins Gericht eingeflochten ist. Für den würzigen Kontrast sorgt der Fenchel mit Kreuzkümmel.

Als separates Highlight, serviert man uns eine grossarte Frühlingsrolle mit Geschmortem von der Taube. Wunderbar knusprig, frisch und intensiv im Geschmack – sensationell.

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Käse

Vom gut sortierten Käsewagen, bestellen wir uns eine schöne Auswahl und erhalten dazu ein delikates Früchtebrot sowie getrocknete Früchte.

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Pré-Dessert [7/10]

Der Gruss vom Chefpâtissier Laurent Jeannin setzt ein erstes Ausrufezeichen. Ein cremiges Glace, auf einem fruchtigen Cassisspiegel.

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Citron de Menton [9/10]

Die französische Stadt Menton liegt zwischen Monaco und Italien und ist berühmt für ihre Zitronen. Jeannin zaubert daraus ein fulminantes Dessert, in der Form einer solchen Zitrusfrucht. Anders als der Anblick vermuten lässt, ist die Hülle nicht aus hartem Zucker, sondern hat dieselbe Konsistenz wie das Sorbet im Innern und ist dadurch perfekt zu essen. Das Sorbet ist schlicht fantastisch. Die enthaltenen kandierten Zitronenstücke setzen dem Ganzen die Krone auf. Ein konzeptionell simples Dessert, welches traumhaft intensiv schmeckt und wunderbar leicht ist.

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Chocolat du Perou [8/10]

Die Kakaobohne wird stilvoll serviert. Am Tisch wird der obere Deckel abgehoben und der Blick auf das eigentliche Schokoladendessert freigesetzt. Der Name ist hier Programm. Es ist ein charaktervolles, kräftiges Schokoladendessert mit verschiedenen Texturen. Für das Gegengewicht sorgen vereinzelte Zitronen-Gras-Intermezzos, welche geschickt in die Kakao-Bohne eingearbeitet wurden. Dies ist ein sehr geschmacksvolles, angenehm fruchtiges und wiederum wunderschön inszeniertes Dessert.

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Friandises [10/10]

Die Friandises werden in einem futuristischen Wagen präsentiert. Dieser erinnert eher an ein avantgardistisches spanisches Restaurant, als ein klassisch französisches. Dass wir in Paris im Epicure sitzen, offenbart sich alsbald wir die erste Süssigkeit probieren. Es sind Marshmallows. Normalerweise gibt es nichts Weiteres dazu zu sagen, denn wirklich gut schmecken die nie. Hier zaubert uns die Pâtisserie-Equipe, dank einem richtig guten Birnenaroma, aber nochmals ein Lächeln auf die Lippen. Getoppt wird das von den besten uns jemals servierten Caramels, sowie tollem Nougat. Das Highlight sind aber die Macarons. Wir lieben die bunten Winzlinge seit Jahren und haben deshalb schon etliche Varianten probiert. Aber so gute, so frische, so geschmacksvolle wie hier, haben wir bis anhin noch nie gegessen. Unvergesslich!

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Fazit: Das Epicure gehört zur absoluten Spitzenliga. Das Restaurant ist geschmacksvoll eingerichtet, es herrscht eine wundervolle Atmosphäre und die Küche schickt einen brillanten Gang nach dem Anderen. Wir haben uns gefühlt wie im Schlaraffenland und hätten am liebsten für immer weiter gegessen. Dies ist nicht nur den hervorragenden Gerichten zu verdanken, sondern auch an der Abwechslung in Frechons Küche. Noch selten, dass uns ein solch facettenreiches Menü serviert wurde bei dem jeder Gang auf andere Weise begeisterte.

Ein grosses Kompliment geht auch an das hervorragende Serviceteam. Dieses war äusserst aufmerksam und zuvorkommend. Dabei hatte es immer Platz für einen kleinen Witz oder einen lockeren Spruch. Kein Anzeichen von Hochnäsigkeit oder irgendwelchen Allüren. Im Gegenteil, das Epicure bietet seinen Gästen sowohl kulinarisch als auch vom Service ein sensationelles Gesamterlebnis. Dem Epicure ist es dann auch zu verdanken, dass wir – kaum zu Hause angekommen – gleich die nächste Möglichkeit suchten um nach Paris zu reisen, denn das Fernweh war so gross wie noch nie.

Menü: Das Menü in sieben Gängen wird für 295 € angeboten. Dazu gibt es im Voraus Häppchen, ein Amuse Bouche sowie ein Pré Dessert und Friandises. Alternativ gibt es auch eine schöne à la carte Auswahl. Die Vorspeisen und Hauptgänge kosten im schnitt 80 -100 €

Zeit: Der Hochgenuss – vom ersten Häppchen bis zum letzten Macaron dauerte 4 Stunden.

Weine: Die Weinkarte ist riesig. Auf Wunsch serviert man auch eine Weinbegleitung. Diese hat keinen fixen Preis,sondern wird je nach Wein anders verrechnet. Wir haben knapp 90 € bezahlt.

Riesling, Cuvée François Alphonse, Domaine Kientzler 2008
Bordeaux, „S“ de Suduiraut 2010
Clos Nicrosi, Côteaux du Cap Corse 2010
Côtes du Marmandais, „Le Vignoble d’Elian“, Elian Da Ros 2008
Porto Tawny 10 ans, Niepoort
Vin de Paille, Domaine Berthet Bondet 2008

Online: Das Epicure hat zwar keine eigene Website, jedoch bietet die Hotelseite die wichtigsten Informationen. Zudem hat Eric Frechon einen eigenen Webauftritt.

Bewertung: Gourmör O10 / Michelin M3

Sonderauszeichnung:  Top-Service, hier kann man die Seele so richtig baumeln lassen

(Besucht im April 2014)

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