Le Moissonnier in Köln (Deutschland)

Die Aussichten auf einen gemütlichen Abend stehen äusserst schlecht. Der Tisch im ‚Le Moissonnier‘ ist zwar gebucht, doch unser Flieger landet mit Verspätung erst um 19.45 Uhr und bereits 75 Minuten später werden im Restaurant, gemäss Internetseite, die letzten Bestellungen entgegen genommen. Zuvor brauchen wir aber noch unser Gepäck, ein schnelles Taxi sowie einen kurzen Stopp im Hotel, um unser Bagage ins Zimmer zu stellen und etwas frisches anzuziehen. Dass Europa gerade von einem Sahara Föhn heimgesucht wird und dadurch auf dem Taxi-Display 30 Grad Celsius angezeigt werden, macht die Sache nicht gerade angenehmer.

Endlich beim Hotel angekommen, willigt der Fahrer mit arabisch klingendem Namen etwas uneuphorisch ein, so lange auf uns zu warten, bis wir das Check-in hinter uns gebracht haben. Ein Blick auf die lange Schlange vor der Reception und die sichtlich überforderte Dame dahinter, lässt unsere Hoffnung, pünktlich im Restaurant zu sein schwinden. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass nur noch 15 Minuten bleiben. Die 5 minütige Wartezeit liess die Schlange vor uns um gerade einmal um eine Person verkürzen. Wir beobachten durch die Fensterscheibe, wie unser wartenden Taxifahrer nervös auf die Uhr schaut und entscheiden uns spontan, erst nach dem Essen einzuchecken und die Kleider in der grossen Lobby zu wechseln. Die Koffer stellen wir hinter die Reception und setzen uns wieder ins Taxi.

Dieses Bild entstand bevor wir das Restaurant verliessen – deshalb fehlen hier sowohl die Gäste auch als das Geschirr

Als wäre das nicht genug, fängt es kurz vor dem Ziel in Strömen an zu regnen – na toll. Immerhin haben wir es knapp vor der Deadline doch noch ins ‚Le Moissonnier‘ geschafft. Das Lokal sieht bereits von Aussen sehr einladend aus – ein kleines Stück Paris mitten in Köln.

Als wüsste das Moissonnier Team von unseren Eskapaden, werden wir trotz der herrschenden Hektik, wohl empfangen. Hier ein Lächeln einer hübschen Dame, dort ein verstänndnisvolles Nicken des Chefs, weil man bei der Speiseauswahl noch etwas Zeit braucht, obwohl wir eher mit entzürrnten Blicken gerechnet haben – wir erlauben uns schliesslich, noch kurz vor 21 Uhr einzutreffen (alles schon irgendwo erlebt). Doch wie wir schnell merken, spielt dieses Restaurant in einer anderen Liga. Es demonstriert in einmaliger Art, wie ein guter Service in einem „einfachen“ Restaurant auszusehen hat.

Auf der Karte finden wir viele verheissungsvolle Vorspeisen und Hauptgerichte. Die Preise scheinen ambitioniert. ‚Le Moissonnier‘ bietet zwar ein etwas einfacheres 4 Gänge-Menü an, doch wir wollen die volle Ladung und ordern deshalb à la carte.

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Brot

Die Brotauswahl gehört zu den Besten die wir dieses Jahr geniessen durften. Ganz stark war das Laugenbrot mit Kümmel sowie das hauchdünne Olivenbrot welches ein überraschend starkes Aroma entfaltet.

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Focaccia mit Anchovie und Parmesan / kalte Tomaten-Gurken Suppe [6/10]

Als Amuse Bouche stellt man uns diese schön angerichtete Komposition auf den Tisch. Die Tomatensuppe ist mit kühlenden Gurken verfeinert und schmeckt harmonisch und erfrischend. Das Focaccia ist luftig frisch, der Fisch und der Käse eine wunderbare Begleitung, welche bestimmt noch besser funktionieren würde, wenn man das Brot nur halb so dick aufgeschnitten hätte und sich somit der Käse stärker hätte durchsetzen können.

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Bretonische Rotbarbe mit Salbei samt frittierten Schuppen auf Aprikosenbutter // Dazu Presskopf vom Steinbutt – Vichysoisse mit Ingwer // Südfranzösischer Gemüsesalat (31 €) [9/10]

Wir haben schon viele schön angerichtete Teller gesehen, doch noch nie waren wir darüber so überrascht wie hier. Denn wir stellten uns auf sehr gute, aber einfach präsentierte Gerichte ein. Die Präsentation ist aber extrem aufwendig und filigran. Dazu kommt, dass die Vorspeisen und Hauptgänge jeweils auf drei Tellern serviert werden. Es gibt also ganz viel zu entdecken.

Auch geschmacklich wähnen wir uns im Paradies. Der Fisch ist von atemberaubender Qualität und mit hoher Kochkunst zubereitet. Die Rotbarbe ist saftig und der Salbei gibt dem Fisch eine zusätzliche Facette – wow. Auch genial ist die krosse Haut samt den Schuppen.

Auf dem zweiten Teller gibt es Gemüse – diverses von der Erbse und Peperoni. Alles ist sehr präzis und wunderschön angerichtet. Die Erbsen gefallen uns gut, richtig stark ist die Peperoni, welche sehr wuchtig schmeckt.

Der Presskopf vom Steinbutt, auf dem letzten Teller, ist ein Highlight für sich. Ein wunderbares meeriges Aroma welche von cremigen Kartoffeln abgerundet wird – wunderbar!

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Isländische Scampi à la plancha dazu gründer Spargel mit Räucherlachs-Coulis // Bonito in Zitrone-Ingwer-Soja-Marinade auf Basmati-Reis-Crème // Büffelricotta Campana Teneri mit Pistazie und Gurken-Gelée (Preis 45 €) [8/10]

Auch der zweite Gang fällt nicht weniger opulent aus. Auf dem Hauptteller treffen wir auf einen isländischen Scampi von hervorragender Produktqualität. Sein Biss ist fest, das Aroma ganz stark. Dazu hat man das Schalentier mit seinem Consomé verfeinert welches geschmacklich sehr unterstützend ist. Die Spargeln und die kleinen Blinis fallen da leider etwas ab – bei beiden fehlt es etwas an Geschmack.

Auf dem zweiten Teller stehen Sushi der etwas anderen Art. Die dünne Scheibe vom Bonito schmeckt sehr gut. Darunter gibt es Reis als Crème verarbeitet. Eine spannende Kreation die uns sehr gut gefällt.

Der dritte Part dieser Teller-Trilogie bildet ein würziger Ricotta mit Gurkenschaum und Pistazie – ebenfalls überzeugend.

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Milchkalb-Bäckchen geschmort und gegrillt auf geräucherter Sauce Poulette // Beinwell-Blatt in Butter leicht geschwenkt mit Colonnata-Speck // Konfirte Aubergine, Tempura von Steinpilz und Paste von gegrillter roter Paprika (43 €) [9/10]

Der Hauptgang ist das Highlight des Abends. Dieser ist vielleicht optisch nicht ganz so aufregend, dafür geschmacklich ein Traum! Das Fleisch ist schlicht atemberaubend – was für ein Aroma, was für eine Zartheit. Der Fleischgeschmack ist noch Minuten später omnispräsent in unserem Gaumen und Wochen später in unserer Erinnerung – ein richtiger Umami-Hammer. Die geräucherte Sauce passte genau so hervorragend dazu wie die süssen Preiselbeeren. Diese schlagen dann auch eine eindrückliche Brücke zum empfohlenen Rotwein „Cahors 2009 Les Acacias – Mas del Périé“ – eine hervorragende Wahl des Chefs. Noch selten hat ein Wein ein Gericht so stark aufgewertet – eindrücklich. Diese Kombination aus Fleisch und Wein ist ein Traum und wird noch lange in unserer Erinnerung bleiben.

Auch bei diesem Hauptgericht gibt es noch mehr zu entdecken. Auf einem weiteren Teller liegt Beinwell. Dieses ist sehr saftig und aromatisch. Dazu gesellt sich eine hauchdünne Speckscheibe welche dieser Komposion Tiefgang gibt – simpel aber genial.

Auch für das Steinpilz Tempura, die aromareiche Tomatensauce und die konfierten Aubergingen gibt es Applaus!

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Wie ein „Snickers“: Brownie gefüllt mit Schokoladencrème, Erdnusspaste und Salz-Karamell // Milchschaum mit Schokoweckchen-Eis (15 €) [8/10]

Die Geschmackskombination zwischen Schokolade, Caramel und Erdnuss ist per se  sehr einladend und so schmeckt es auch vom ersten Bissen weg wunderbar. Uns gefällt die Frische des Brownies, die Harmonie, das intensive Aroma und den leichten Einsatz vom Salz. Lediglich der Karamel-Tupfer hätte grosszügiger ausfallen dürfen.

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Friandises [7/10]

Auch zum Kaffe schickt man nicht einfach irgend etwas, sondern noch einmal kleine Geschmacksbomben. Alles schmeckt intensiv und gefällt uns ausgesprochen. So muss ein Abend enden!

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Fazit: Das ‚Le Moissonnier‘ demonstriert auf eindrückliche Art und Weise, wie perfekter Service auszusehen hat. Man spürt beim ganzen Team die grosse Begeisterung und Motivation hier arbeiten zu dürfen. Da können sich viele Lokale eine dicke Scheibe davon abschneiden. Wir fühlten uns ausgesprochen wohl und das obwohl die Lautstärke, für ein Bisto typisch, eher laut war. Hier zeigt man, dass es für einen guten Service kein Silbergeschirr oder einen steifen Ober benötigt, sondern einfach ein aufmerksames Auge und eine grosse Portion Begeisterung. So war unser Wasserglas keine Sekunde leer, es wurde bemerkt, als wir einen zweiten Löffel benötigten und bei der Frage nach einem Zigarettenautomaten, stellte man uns eine Packung Zigaretten auf den Tisch und meinte, dass wir uns bedienen sollten da ein Automat fehle. Und so empfehlen wir all jenen Restaurantbesitzer, die seit Jahren über Gästeschwund jammern, eine Reise nach Köln – neben dem hervorragenden Essen bekommt man eine Lehrstunde zum Thema Service umsonst.

Fairerweise muss man auch sagen, dass der Erfolg des ‚Le Moissonnier‘ nicht nur der Verdienst der starken Servicebrigade ist, sondern auch der Küche unter der Leitung von Eric Menchon. Das sieben köpfige Team arbeitet auf Hochtouren und was da auf den Tellern liegt, macht uns im ersten Moment sprachlos. Klasse Produkte, hohe Handwerkskunst und ein Auge für Ästhetik. Aber nicht nur die aufwendig dekorierten Gerichte überraschen, sondern auch der durchwegs starke Geschmack – und das bei jedem Gericht!

Das ‚Le Moissonnier‘ hat uns nachhaltig begeistert, noch Wochen später schwirrt uns dieses Kleinod im Kopf herum. Wenn wir einen Wunsch frei hätten, wäre dies, dass Madame und Monsieur Moissonnier mit dem Restaurant samt Belegschaft in unsere Nähe ziehen würden. Dort wären wir Stammkunden! Doch wir mögen dieses tolle Restaurant selbstverständlich auch allen Kölner gönnen – vor allem da diese anscheinend genau wissen, welch kulinarische Perle sie da besitzen. Denn bei unserem Besuch, an einem Mittwochabend, war jeder Tisch besetzt – und das bei tropischen Aussentemparaturen.

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Menü: Auf der Speisekarte findet man sieben Vorspeisen (16.50 € – 45 €), genau so viele Hauptgänge (38 € – 54 €) und eine Hand voll Desserts für etwa 14 €. Unter der Woche steht zudem ein 4 Gänge Menü für 75 € zur Auswahl, am Wochenende 6 Gänge für 115 €.

Wein: Zur Auswahl steht eine grosse Weinkarte. Viele hervorragende Weine werden auch Glasweise ausgeschenkt. Monsieur Moissonnier beweist bei der Empfehlung ein starkes Händchen. Toll: Wenn man sich speziell für ein Wein interessiert, bekommt man ein Kärtchen, auf dem weitere Informationen zum Wein aufgeführt sind.

Online: Die Website ist zwar im etwas mühsamen Flash-Format, bietet aber sehr viele Informationen über das Restaurant. Das Video empfehlen wir besonders, da kann man auch schon viel vom Charme dieses Restaurants spüren und sieht auch einige der Speisen.

Wertung: Gourmör / Michelin / Gault-Millau

Sonderauszeichnung:

(Besucht im August 2012)

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