L’Atelier Gourmand in Sierre

Das Hotel „Terminus“ steht mitten im kleinen Städtchen Sierre. Die meisten Gäste kommen aber nicht der Zimmer wegen, sondern um bei einem der besten Köche der Schweiz zu essen, Didier de Courten. Dabei hat man zwei Möglichkeiten um in den Genuss seiner Kreationen zu kommen. Zum einen sein Gourmetrestaurant ‚Didier de Courten‘ und alternativ die Brasserie ‚L’Atelier Gourmand‘.

Der Weg vom Hotelparkplatz zum Restauranteingang führt an einer grossen Fensterfront vorbei. Dies offenbart einen direkten Blick in die grosse Küche. Beeindruckt zählen wir 18 Köche. Bis auf Küchenchef de Courten, tragen alle eine weisse Toque. Der 19 Gault-Millau Punkte Chef steht in der Mitte der Küche, erteilt Anweisungen und greift immer wieder selber zur Pfanne.

1_atelier_Gourmand_sierre_didier_de_courten

Wir würden dem regen Treiben gerne noch etwas länger zuschauen, doch wir haben heute leider etwas wenig Zeit mitgebracht. Kurz nach 23 Uhr fährt der letzte Autoverladezug durch den Lötschberg – diesen dürfen wir auf keinen Fall verpassen. Das ist auch der Grund, weshalb wir den Tisch im ‚L’Atelier de Gourmand‘ und nicht in dem mit 2 Michelin Sternen ausgezeichneten Gourmetrestaurant reserviert haben.

Die Begrüssung hier in der Brasserie ist herzlich. Wir verständigen uns mit einer Mischung aus Französisch, Englisch und Deutsch. Denn obwohl die Sprachgrenze durch die 15’000 Einwohner Stadt verläuft, ist die Bilingualität keine Selbstverständlichkeit. Man gibt sich aber Mühe die Sprachbarriere zu überwinden und unterstützt uns bei der, überraschend umfangreichen, Speisekarte. Um möglichst viele Eindrücke zu erhalten, ordern wir das 4 gängige Abendmenü zu 89 Franken.

2_atelier_Gourmand_sierre_didier_de_courten

Die Stimmung im Restaurant ist leger – jeder Tisch ist besetzt. Auch viele junge Menschen gönnen sich einen Besuch beim bekannten Koch. Am kollegialen Umgang mit den Kellnern nach zu urteilen, sind die meisten Gäste nicht zum ersten Mal hier – ein gutes Zeichen. Das soeben gereichte Brot kann jedenfalls nicht der Grund der vielen Stammgäste sein, denn dieses ist fad und belanglos und wandert später beinahe in der Originalbesetzung wieder zurück in die Küche. Eine Butter wird nicht angeboten.

3_atelier_Gourmand_sierre_didier_de_courten

.

Karrottensuppe – Gamba [-/10]

Ein netter Auftakt bei dem der liebliche Karrottengeschmack überzeugt. Jedoch stören wir uns an der Gamba die hier in der Suppe wortwörtlich ertränkt wurde und so ihren Eigengeschmack nicht entfesseln kann.

4_atelier_Gourmand_sierre_didier_de_courten

.

Un tartare de homard breton [9/10]

Der nächste Gang macht dann alles wieder wett und bringt uns regelrecht ins schwärmen. Wir haben schon seit Wochen nichts mehr derart geniales gegessen – notabene sind da die beiden Menüs vom Gourmet Festival in St. Moritz eingeschlossen. Der Hummer ist frisch, die Sauce extrem süffig und himmlisch im Geschmack. Dazu kommt ein wohl dosierter, angenehmer Ananas Geschmack. Auch die intensiven Curry-Tupfer sorgen für die angekündigte exotische Note. 

Das Apérogebäck gefällt im Geschmack, die nicht mehr ganz frische Konsistenz offenbart aber, dass es nicht extra für diesen Service gebacken wurde. Viel besser der Salat – nur selten bekommt man solch frische und aromatische Blätter aufgetischt – merci Monsieur de Courten vous nous rendez heureux!

5_atelier_Gourmand_sierre_didier_de_courten

.

Un foie gras de canard chaud [6/10]

Auch der nächste Teller überzeugt. Wir finden darauf eine perfekt zubereitete Foie Gras. Das Aroma ist intensiv. Da braucht es nicht viel mehr. Das weiss auch die Küchencrew und spendiert dem Gericht lediglich ein paar Preiselbeeren, Pekannüsse und etwas Kürbis. De Courten verfügt offenbar über ein hervorragendes Netzwerk an guten Lieferanten, denn auch dieses Gemüse ist unglaublich geschmacksintensiv.

Abgerundet wird das Gericht mit einem feinen Früchte-Brioche.

6_atelier_Gourmand_sierre_didier_de_courten

.

Une pièce de filet de boeuf du Simmental [8/10]

Das Rindfleisch hat einen wundervollen Goût und ist perfekt zubereitet. Dazu reicht man uns eine geniale Sauce à la provance. Wir sind begeistert wie das Fleisch dadurch noch weiter an Ausdruck gewinnt. Auch das gebutterte Gemüse im knusprigen Ring ist toll. Ein rundum genialer Teller! Einzig die separat gereichten Kartoffelchips sind etwas ölig geraten.

7_atelier_Gourmand_sierre_didier_de_courten

8_atelier_Gourmand_sierre_didier_de_courten

.

Une tarte chaude aux pommes gala [5/10]

Das süsse Finale besteht aus einer sehr feinen Apfel-Tarte und einem luftigen Shot. Mit den Aromen Zimt, Honig, Apfel, Lavendel und Orange – geriet dieser geschmacklich etwas gar wirr. Dennoch, ein sehr feines Dessert.

9_atelier_Gourmand_sierre_didier_de_courten

.

Friandises [-/10]

Zwei Schokoladenperlen mit Passionsfruchtfüllung und Gelées mit Himbeer und Quittengeschmack, schliessen das tolle Menü ab.

10_atelier_Gourmand_sierre_didier_de_courten

.
.

Fazit: Wir sind begeistert. Das Restaurantkonzept macht Spass – ein lebendiger Betrieb, lockerer aber doch aufmerksamer Service und natürlich die tollen, zum Teil genialen Gerichte aus der grossen Küche. Wir haben in der Brasserie besser gegessen, als in so manchem Sterne Restaurant. Ein Besuch des Gourmetrestaurant von Didier de Courten reizt uns mehr denn je.

Menu: Vorspeisen kosten ca. 25 Franken, Hautpgänge 30 – 49 Franken und Desserts ca. 18 Franken. Zudem wird jeden Abend ein Menü in 4 Gängen zu fairen 89 Franken angeboten. Dieses kann man auch auf 3 Gänge reduzieren (79 Franken). Unser Essen dauerte 2 Stunden.

Wein: Die Weinauswahl ist regional, die Preise fair. Auch im Offenausschank bietet man einige Alternativen an.

Online: Die übersichtliche Website bietet viel Wissenswertes. Bis auf die Speisekarten findet man alle Informationen auch in deutscher Sprache.

Wertung: Gourmör O6

El Club Allard in Madrid (Spanien)

Gemäss unserer Strassenkarte müssten wir direkt vor dem Lokal stehen. Doch das ‚El Club Allard‘ scheint wie vom Erdboden verschluckt. Wir sind nicht die Einzigen auf der Suche nach dem 2 Sterne Restaurant. Zwei japanische Touristen, bewaffnet mit Google Maps, fragen uns ebenfalls nach dem Weg. In diesem Moment öffnet sich hinter uns eine Tür und ein älterer Herr bittet uns herein.

1_el_club_allard_madrid

In der Tat, auf das, in einem denkmalgeschützten Jugendstilbau untergebrachte Restaurant, macht von Aussen kein einziges Schild aufmerksam. Erst hier im Treppenhaus, prangt an der ersten weissen Tür, das Logo des Restaurants. Dahinter begrüsst uns die freundliche Empfangsdame und führt uns in das helle und schlichte Restaurant. Die Decke ist hoch, ein grosser Spiegel hängt am Ende des Saals. Obwohl bereits 21 Uhr ist, sitzen erst an zwei Tischen Gäste – üblich in Spanien, denn hier öffnen die Restaurants nicht vor halb Neun.

2_el_club_allard_madrid

Unser runder Tisch, der ganz hinten im Restaurant steht, wackelt. Ungewohnt für ein Restaurant, das vom Guide Michelin 4 Bestecke für den Komfort attestiert bekommt. Aber wir sind nun mal in Spanien und da übersehen wir auch gerne den dezenten Rotweinfleck auf dem weissen Leinentuch, der sich bis heute offensichtlich erfolgreich gegen das Waschmittel zu wehren wusste. Die etwas lieblos zusammengebastelte Speisekarte erhalten wir in englischer Sprache – wie übrigens in jedem besuchten Restaurant in der spanischen Hauptstadt – Tapas Bars inklusive.

2b_el_club_allard_madrid

Auch das Serviceteam ist der englischen Sprache mächtig. Allen voran der gut gelaunte Maître. Trotzdem sind wir uns sicher, dass wir uns soeben verhört haben müssen. Denn nachdem er uns eine kleine Glasschale mit luftiger Mayonnaise auf den Tisch stellt, fordert er uns auf, die vor uns liegende Visitenkarte darin zu dippen. Und so nehmen wir die aus Esspapier bestehende Karte und ziehen sie durch die Crème. Geschmacklich gibt’s da nicht viel zu berichten und so ist das Ganze nicht mehr als ein Gag. Wir hoffen inständig, dass der Abend beim kreativen Chefkoch Diego Guerrero, nicht ausschliesslich aus solchen Gerichten besteht.

3_el_club_allard_madrid

Der Meister tritt nun höchstpersönlich an unseren Tisch und nimmt die Bestellung entgegen. Zur Auswahl stehen drei Menüs. Wobei sich diese ausschliesslich bei der Anzahl der Vorspeisen unterscheiden. Wir wählen das umfangreichste Menü „Revolución“ in 12 Gängen und sind gespannt auf die Künste des quirligen Küchenchefs.

Bereits wenige Augenblicke später, geht es dann auch schon los mit dem ersten Teil der Snacks-Trilogie:

Game truffle with Foie and mushrooms [5/10]

In einer Plexiglasbowle erreicht uns dieses Bijou. Wir haben beinahe ein schlechtes Gewissen dieses Kunstwerk zu zerstören, die kulinarische Neugier überwiegt dann aber  doch. Wir werden von einem sehr feinen Pilz/Trüffel-Praliné in Form eines schwarzen Trüffels belohnt. Der Geschmack ist harmonisch und sehr gut balanciert. Die darunter liegenden Späne aus Leber sollten das Gericht kontrastieren, sind jedoch leider hoffnungslos versalzen.

Übrigens, wenn man das Geschirr anhebt wird der darunterliegende Rauch mit Eukalyptusgeschmack freigesetzt. Was im Restaurant ‚The Fat Duck‚ beim einten Gericht Sinn machte, wirkt hier eher deplatziert.

4_el_club_allard_madrid

.

Brot

Die offerierten Brote sind allesamt frisch und sehr knusprig. Geschmacklich unterscheiden sie sich nur geringfügig voneinander.

brot_el_club_allard_madrid

.

Mini Babybel of Camembert truffée [5/10]

Anders als seine namensgebende Vorlage, muss dieses Babybel vor dem Verzehr nicht aus seiner Paraffinhülle befreit werden, sondern kann samt der hauchdünnen Gelatineschicht genossen werden. Im Innern erwartet uns eine sehr liebliche crèmige Füllung – um Welten besser als das Original.

5_el_club_allard_madrid

.

Butter fish „Tapa“ [7/10]

Mit dem Abschluss der Snacktrilogie, serviert man uns auch ein erstes kulinarisches Highlight. Präsentiert wird dieses auf einer violetten Duftkerze. Zuoberst thront ein Stück perfekt gegarter Butterfish auf einer hauchdünnen Algenscheibe. Mit unserem Löffel durchbrechen wir diese Scheibe, worauf sich der Fisch und die Teile des Plättchens, mit der darunter liegenden Misosuppe vermählen. Die Suppe ist richtig toll und ergänzt sich hervorragend mit den beiden anderen, subtilen Komponenten.

Butter fish "Tapa"

.

Mushrooms and seasonal vegetables „papillote“ [6/10]

Die Inszenierung der Suppe ist gewöhnungsbedürftig und erinnert uns irgendwie an Leichensäcke aus der letzten „Tatort“ Folge. Geschmacklich kann die Consommé jedoch überzeugen. Bereits beim aufschneiden der Tüte wird ein wunderbarer Duft nach frischem Gemüse freigesetzt. Zur Verfeinerung hobelt man uns frischen Salz von einem Salzzapfen über das Gericht. Die Suppe ist toll, hat einen sehr spannenden und lieblichen Geschmack und ist zudem rassig im Goût.

Mushrooms and seasonal vegetables "papillote"

Mushrooms and seasonal vegetables "papillote"

.

Wir nerven uns über die extrem zackige Menüabfolge. Was bei den Snacks noch einigermassen in Ordnung war, stört nun. Zwischen den einzelnen Gerichten vergehen keine 5 Minuten. Auch jetzt wird der nächste Gang bereits neben unseren Tisch gefahren, obwohl wir die Suppe noch nicht vollständig ausgelöffelt haben…

Smoked barbel on saffron bouillon, sea urchin, coconut air and banana crab [6/10]

Der charaktervolle Safransud bildet das Fundament von diesem überzeugenden Gericht. Dazu gesellt sich eine köstliche Rotbarbe und der knusprige „Banana Crab“ – eine getrocknete Bananenscheibe, welche in Krabbensaft getränkt und anschliessend getrocknet wurde. Kompliment für das schöne Gesamtbild welches man mit den unterschiedlichen Aromen hier schafft. Da sehen wir auch gerne über den geschmackslosen Kokosnus-Air hinweg.

Smoked barbel on saffron bouillon, sea urchin, coconut air and banana crab

.

Egg with bread and pancetta served over a light potato cream sauce [-/10]

Dieses Gericht wird mit: „This is one of our Signature dishes – an egg“ annonciert. Stirnrunzelnd schneiden wir es in zwei Hälften und beobachten wie das Eigelb ausläuft. Was wiederum interessant inszeniert ist, kommt geschmacklich nicht über ein „ok“ hinaus. Es schmeckt nach Eigelb, knusprigem Brot und Butter.

Egg with bread and pancetta served over a light potato cream sauce

.

Funghiformis tentacles with Wasabi Mayonnaise [7/10]

Mit dem nächsten Gericht geht es wieder stark aufwärts. Der mit Sepiatinte gefärbte Pilz schmeckt nicht nur vorzüglich, sondern hat auch eine süffige Konsistenz. Leichte Wasaby- und Knoblauch-Noten sorgen für die nötige Spannung. Ein durch und durch tolle Komposition die richtig Spass macht.

Funghi formis tentacles with Wasabi Mayonnaise

.

Halibut with Korean marinade [6/10]

Weiter geht es mit einem perfekt zubereiteter Heilbutt, in einem genussvollen Jus auf Sojabasis. Auf dem Grund liegen kleine Wasabikügelchen, welche beim zerplatzten am Gaumen eine leichte Schärfe freisetzen. Daumen hoch – auch dieses Gericht überzeugt.

Halibut with Korean marinade

.

Araiz Bresse Pigeon roasted „a la minute“ and served over truffled rice [7/10]

Beim Hauptgang steht ein tolles Grundprodukt aus der Bresse im Mittelpunkt. Aber nicht nur die wunderbare Taube begeistert, sondern auch das himmlische, im Taubensaft gebratene Reis, welches darunter liegt. Auch die restliche Komposition überzeugt und wirkt dabei überraschend leicht.

Araiz Bresse Pigeon roasted "a la minute" and served over truffled rice

.

Hendrick’s gin tonic with cucumber and rose petals [5/10]

Als pré-dessert reicht man uns einen Gin Tonic der anderen Art. Wir werden aufgefordert das Arrangement zu zerbrechen und ein paar Minuten ruhen zu lassen. Danach werde sich der Geschmack mit der Gurke darunter vermählen. Uns gefällt dieser erfrischende Zwischengang überraschend gut – auch wegen den paar zusätzlichen Minuten Verschnaufpause die wir dadurch gewinnen.

Hendrick's gin tonic with cucumber and rose petals

.

The Fishbowl [9/10]

Nun erreicht uns eines der schönsten Desserts überhaupt. Wir sehen einen Fisch in einer Fischbowle mit Wasser (Schaum), Korallen, Algen und einer Muschel. Mit dem ersten Löffel wird dann auch unsere Befürchtung zerschlagen, dass dieses Dessert nur optische Ansprüche befriedigt. Der Geschmack ist nämlich sehr abwechslungsreich und himmlisch. Von fruchtig bis schokoladig erlebt man in diesem Aquarium alles. Wir sind begeistert.

The Fishbowl

.

Poché Egg [-/10]

Das zweite Dessert offenbart schonungslos, dass man diese Balance zwischen Optik und Geschmack nicht immer Griff hat. Denn ausser der sehr stilvollen Präsentation kann das in Schokolade gehüllte Milchreis nicht begeistern. Lediglich die braun gefärbte weisse Schokolade gefällt uns, der Rest ist fad und nichtssagend. Auch das fruchtige Eigelb ist viel zu knapp dosiert – der Goût nach Mango inexistent.

So schnell sind wir wieder auf dem Boden: erst vor drei Minuten (!) tauchten wir unsere Löffel überglücklich durchs „Aquarium“ und sitzen jetzt deprimiert vor diesem belanglosen Ei. Die Situation wird durch das Auftragen der „Fish Bowle“ am Nachbarstisch nur noch unerträglicher.

Poché Egg

Poché Egg

.

Friandises [-/10]

Auch die Friandises sind aufwendig in Szene gesetzt. Dass man hier wiederum auf den Trockeneis-Effekt setzt, zeugt nicht gerade von Originalität. Anstelle hätten wir ein paar gute, süsse Häppchen klar bevorzugt. Hier auf der Glasplatte gefallen uns lediglich die braunen Nuggets die uns ans Magenbrot erinnern. Der grosse Budda-Kopf und die vielen kleinen, weissen Sternchen sind aus Zucker, extrem hart und dadurch ungeniessbar. Weniger Show dafür mehr Substanz wäre hier wünschenswert.

16_el_club_allard_madrid

.

Sympathisch, jeder Gast erhält das Menü in schriftlicher Form mit nach Hause.

17_el_club_allard_madrid

.

.

Fazit: Wir erlebten im ‚El Club Allard‘ einen schönen, aber auch sehr hastigen Abend. Schade, dass man hier das kulinarische Programm in weniger als 2 Stunden (!) runterspult. So hatten wir des Öfteren den letzten Bissen noch im Mund, während uns bereits der nächste Teller serviert wurde. Das war auch der Grund, weshalb wir, mit drei halb vollen Weissweingläsern auf dem Tisch, beim Sommelier die Weinbegleitung unterbrechen mussten.

Die Speisen sind sehr kreativ in Szene gesetzt. Das Handwerk und der Detailgrad begeistern. Noch selten haben wir solch fantasievolle Kreationen vor uns liegen gehabt. Während einige Gerichte auch gleich die kulinarischen Erwartungen erfüllten, gab es auch Speisen bei denen es mehr um die Show als um den Genuss ging. Das „Ei-Dessert“ oder das „Eigelb im Brot“ dienen als gute Beispiele dafür. Eigentlich schade, denn die schön inszenierten Gerichte hätten auch geschmacklich mehr Tiefgang verdient. Vor allem weil die meisten Speisen schon seit Monaten oder gar Jahren 1:1 auf der Karte stehen und man diese geschmacklich entsprechend verfeinern könnte.

Nichtsdestotrotz, auch wenn der Geschmack der Inszenierung oft hinterherhinkt, haben wir hier sehr gut gegessen und da das ‚El Club Allard‘ äusserst zugängliche Speisen serviert, wird die Mehrheit bestimmt Gefallen am Gebotenen finden. Wer in der spanischen Hauptstadt auf der Suche nach kulinarischen Höhenflügen ist, wird hier aber nicht ganz glücklich.

Menü: Zur Auswahl stehen drei verschiedene Überraschungsmenüs. Diese unterscheiden sich lediglich im Umfang. Das kleinste Menü kostet 86 €, das mittlere 98 € und das grösste 115 €.

Wein: Neben der Weinkarte bietet man auch eine Weinbegleitung an. Wegen dem enormen Tempo beim servieren der Speisen, ordert man am besten nur fünf Gläser.

Online: Die Website ist übersichtlich und bietet schöne Fotos von den Gerichten.

Wertung: Gourmör O6 / Michelin M2

(Besucht im Dezember 2012)

Lampart’s in Hägendorf

Die Oltenerstrasse, im solothurnischen Hägendorf, ist stark befahren. Hier kreuzen sich täglich tausende Menschen, die von einem Ort zum anderen hasten. Man kann sich kaum vorstellen, dass nur gerade ein Steinwurf von hier entfernt, eines der schönsten und gemütlichsten Restaurants der Schweiz steht. Dieser Ort ist der pure Kontrast zur stressigen Strasse. Hier haben Anni und Reto Lampart ein Refugium für Gaumen und Seele geschaffen.

a_lamparts_haegendorf_reto_lampart

Seitdem das Paar vor 10 Jahren vom Winterthurer Taggenberg nach Hägendorf zog, steckte es viel Herzblut in die schöne Remise aus dem 19. Jahrhundert. Anni Lampart ist nicht nur für das Serviceteam und den Weinkeller zuständig, sondern zeigt sich auch für die Pâtisserie verantwortlich. Ihr Ehemann Reto leitet die fünfköpfige Küchenbrigade.

b_lamparts_haegendorf_reto_lampart

Wir freuen uns schon lange auf den Besuch bei den beiden Vollblutgastronomen. An einem kühlen Dezemberabend ist es dann endlich soweit. Dank den ausgiebigen Schneefällen der letzten Tage, finden wir das Restaurant in einem wunderschönen, weissen Setting vor. Bereits von Aussen wirkt das steinerne Landgut sehr romantisch und einladend.

c_lamparts_haegendorf_reto_lampart

Wir gehen den kurzen Weg, der vom Parkplatz zum Restaurant führt, laufen an den weihnachtlich beleuchteten Tannen vorbei und kommen direkt vor dem schönen Steinhaus zum stehen. Durch die Fensterscheiben beobachten wir Gäste, die fröhlich um einen grossen Tisch sitzen und genüsslich tafeln. Wir sind ausgesprochen glücklich, dass wir die Szenerie nicht nur von hier Aussen beobachten müssen, sondern bald daran teilnehmen dürfen. Beim Betreten des Restaurants wird uns eine grosse Portion Freundlichkeit und Wärme entgegengebracht. Wir fühlen uns augenblicklich Willkommen.

d_lamparts_haegendorf_reto_lampart

Wir geniessen den Apéro in der Lounge. Ein angenehmer Duft von würzigen Zigarren liegt hier in der Luft. Die Decke ist hoch, die Einrichtung für unseren Geschmack etwas gar vielseitig. Wir erhalten den Platz vor dem Fenster und bekommen einen Blick auf die weisse Landschaft vor dem Haus.

e_lamparts_haegendorf_reto_lampart

Aus einer grossformatigen Karte, wählen wir die kulinarische Reise. Neben einer kleinen à la carte Auswahl, finden wir auch zwei Menüs, die hier Sinfonien genannt werden. Wir entscheiden uns für das „plaisir“ mit den vollen 8 Gängen.

f_lamparts_haegendorf_reto_lampart

Zu einem perfekten Auftakt fehlt uns jetzt eigentlich nur noch etwas zu knabbern. Unser unausgesprochener Wunsch wird umgehend erhört.

Apéro-Häppchen  [-/10]

– Nordseekrabbe auf hausgemachtem Brotchip mit Thymianmayonnaise
– Gebratenes Sot’ly-laisse mit Safran-Couscous und Limes-Creme-fraiche
– Bauch vom Mangalitzaschwein aus Ennetbürgen mit Apfelchutney

Die servierte Trilogie ist frisch und abwechslungsreich. Da sie geschmacklich eher zurückhaltend ist, macht sich bei uns noch keine Begeisterung breit. Das grosse Geschmacksfeuerwerk hat man sich offensichtlich für später aufgehoben – hoffentlich.

1_lamparts_haegendorf_reto_lampart

.

Nach und nach verschwinden die restlichen Gäste aus der Lounge. Mit ihnen auch der Service. So sitzen wir auf einmal ganz alleine da. Da unsere Gläser bereits seit längerem leer sind und die Häppchen den Hunger (zum Glück) noch nicht gestillt haben, machen wir uns auf die Suche nach jemandem, der uns ins eigentliche Restaurant führt. Beim Eingang werden wir fündig. Eine freundliche Dame führt uns die Treppe hoch, direkt in den eigentlichen Speiseraum. Jeder einzelne Tisch ist besetzt – der Service hat alle Hände voll zu tun und wir sehen es ihm nach, dass man uns soeben etwas gar lange hat sitzen lassen.

Unser Tisch steht leicht erhöht. Von hier hat man einen wunderbaren Blick über das Restaurant. Wir verlieben uns augenblicklich in das Bijou. Das ‚Lampart’s‘ gehört für uns, zusammen mit dem ‚Schloss Schauenstein‚, zu den schönsten Restaurants die wir bis heute besucht haben. Wir schätzen die grosszügigen Abständen zwischen den Tischen und die sehr gemütliche Atmosphäre.

Brot

Die Brotauswahl ist zum Niederknien. Zwei Mal am Tag werden die rund zehn Sorten frisch gebacken. Das Silser und das Tomatenbrot sind besonders toll. Jedes Mal wenn die freundliche Dame mit dem Brotkorb an unserem Tisch steht, würden wir gerne nochmals zugreifen. Doch im Hinblick auf das umfangreiche Menü, müssen wir uns etwas in Zurückhaltung üben.

g_lamparts_haegendorf_reto_lampart

.

Das Menü startet mit einem Amuse Bouche:

Filet vom Saibling aus dem Neuenburger See mit gepickelten Eierschwämmli und Blumenkohlcrème [6/10]

So muss ein Saibling schmecken – wunderbar gegart, harmonisch im Geschmack. Auch die beiden Begleitkomponenten unterstützen den Fisch gekonnt, ohne zu stark von dessen Eigengeschmack abzulenken.

2b_lamparts_haegendorf_reto_lampart

.

Filet von Ennetbürger Limousin Kalb, Castaing Entenleber, Topinambur, Haselnüsse [5/10]

Der erste Gang der Sinfonie, lässt uns etwas ratlos zurück. Die Terrine ist fein, ihr fehlt aber ein konträrer Akteur, zum Beispiel in Form von Säure oder Süsse. Der Brückenschlag zum etwas gar faden Tatar, gelingt ebenfalls nur bedingt. Viel besser gefallen uns die Crème von der Topinambur und die getrocknete Scheiben dieser Wurzelknolle. Auch das gepfefferte Carpaccio bringt etwas Spannung in die sonst eher unaufgeregte Komposition.

3b_lamparts_haegendorf_reto_lampart

.

Zander aus dem Murtensee, Champagnerkraut Petersiliensaft, gepuffter Quinoa, Hagebutte [7/10]

Während sich beim vorherigen Gang die verschiedenen Elemente nicht zu einem Gesamtbild zusammenfügen konnten, gelingt das beim Zander vorzüglich. Die Geschmäcker sind spannend und abwechslungsreich. Der Fisch von sehr guter Qualität, bietet Dank der krossen Haut und dem gepufften Quinoa, eine süffig knusprige Textur. Unterstrichen wird das Ganze von einem tollen Champagnerkraut, welches sich sehr harmonisch ins Gericht einfügt.

4_lamparts_haegendorf_reto_lampart

.

Gambero rosso, schwarzer Rettich, frischer Wasabi, Yuzu, Jakobsmuschel von Mont Saint Michel, Grapefruit [8/10]

Das erste grosse Ausrufezeichen am heutigen Abend! Die Qualität der spanischen Gambero rosso und der Jakobsmuschel ist so überragend, dass man die beiden Produkte beinahe roh serviert. Toll was die Küchenbrigade aus solch ausgezeichneten Produkten zaubert! Spannende Begleiter sind Pfeffer, frischer Wasabi und Yuzu-Saft! Ein ganz starkes Gericht!

5b_lamparts_haegendorf_reto_lampart

.

Bar de Ligne aus der Bretagne, Kohlrabi, Misoessenz und Gemüse [8/10]

Da knüpft auch der nächste Gang an. Vorgestern um diese Zeit schwamm der Wolfsbarsch noch in den Gewässern vor der Küste der Bretagne, jetzt liegt er perfekt zubereitet auf unserem Teller. Er spielt die Hauptrolle in diesem japanisch inspirierten Gericht, welches von einer wunderschönen Misoessenz begleitet wird. In den subtilen Aromen, kann der Fisch sein Aroma wunderbar entfalten. Der rassige Chili, der Tofu und die knackigen Kohlrabi runden das Gericht ab.

6_lamparts_haegendorf_reto_lampart

.

Entrecôte von „Natural Black Angus-Rind“ aus Kansas, Jus mit Ochsenschwanz Brioche mit Zwiebeln, Schwarzwurzel, Bohnen [9/10]

Mit dem Hauptgang wird das Highlight des Abends serviert. Die Komposition begeistert uns in all ihren Facetten. Im Mittelpunkt steht das geniale und aromatische Fleisch aus Kansas. Klar einer der eindrücklichsten Fleischsorten die uns jemals aufgetischt wurden. Zum einen beeindruckt uns der Eigengeschmack, zum anderen die perfekte Zubereitung. Wunderbar auch der Ochsenschwanz-Jus der am Tisch über das Gericht geträufelt wird. Als kleines Supplement serviert man uns ein kleines, toll gewürztes, Hackbällchen.

Als Gegenpool zu den fleischigen Aromen, setzt man auf die Zwiebel. Es macht Spass sich durch die vielfältigen und spannenden Variationen zu essen – gerade das Brioche ist unbeschreiblich. Ein grossartiger Teller!

7b_lamparts_haegendorf_reto_lampart

.

Berg Vacherin vom Bachtel, „Original Schlorziflade“ [8/10]

Nochmals ein Duo das brilliert: Ein wunderbar crémiger Vacherin und ein beeindruckender, leicht warmer „Schlorziflade“ – eine Spezialität aus dem Appenzell. Die Kombination ist himmlisch, der Goût erstklassig.

8_lamparts_haegendorf_reto_lampart

.

Pré-Dessert [8/10]

Bis auf den etwas gar weichen Bananenchip, gibt es für diesen „Bananensplit à la Lampart’s“ nur begeisternde Worte. Das vollmundige Bananenaroma und die hochwertige Schokolade machen definitiv Lust auf mehr. Wir sind nach diesem pré Dessert sehr froh, dass wir keines der beiden Desserts aus dem Menü gestrichen haben und uns nun auf zwei weitere Köstlichkeiten aus der Pâtisserie freuen dürfen.

9b_lamparts_haegendorf_reto_lampart

.

Petit Fours [8/10]

Etwas überraschend werden uns die Petit Fours, noch vor den beiden Desserts serviert. Die Auswahl ist sehr abwechslungsreich und hochwertig. Wir geniessen Häppchen für Häppchen und erfreuen uns an der liebevollen Zubereitung und den genussvollen Aromen.

10_lamparts_haegendorf_reto_lampart

.

Cheese Cake, Creme brûlée, Gewürzorangen, Mandarinensorbet [7/10]

Für die erste Nachspeise setzt man auf verschiedene Zitrusfrüchte und schafft so ein sehr erfrischendes Dessert – genau das Richtige, nach einem solchen Menü. Es macht Spass sich mit dem Löffel durch die verschiedenen Elemente zu tasten und abwechslungsreiche Aromen zu schmecken.

11_lamparts_haegendorf_reto_lampart

.

Mandelparfait, Rumtopf, Baumkuchen [6/10]

Der zweite Streich aus der Pâtisserie ist zwar nicht mehr so vielseitig, schmeckt uns aber ebenfalls sehr gut. Vor allem der im Mittelpunkt stehende Baumkuchen. Die Beeren sind für unseren Geschmack einen Tick zu sauer. Modern der Pistazien-Sponge – auch wenn dieser fast ausschliesslich die optischen Erwartungen befriedigt.

12_lamparts_haegendorf_reto_lampart

.

Pralinen

Zum Abschluss wird uns eine wunderschöne Pralinenselektion offeriert. Nur schade, dass wir angehalten werden, uns für eine Einzige zu entscheiden. Diese macht jedoch definitiv Lust auf mehr.

13_lamparts_haegendorf_reto_lampart

.

Fazit: Was Anni und Reto Lampart aus dieser Remise geschaffen haben ist einzigartig. Noch Wochen später kreisen unsere Gedanken um diesen wunderschönen Ort. Zum einen aufgrund der kulinarischen Leistungen, zum anderen wegen der eindrücklichen Atmosphäre die im ganzen Haus herrscht. Dies ist nicht nur der stilvollen Einrichtung zu verdanken, sondern zum Grossteil dem hervorragenden Service. Dieser ist nicht nur sehr fachkundig, sondern auch herzlich, zuvorkommend und motiviert. Hinter all dem steht das passionierte Gastgeberpaar, das auch noch zur späten Stunde die letzten Gäste persönlich verabschieden.

Kulinarisch kommt man hier in Hägendorf voll auf seine Kosten. Sehr hochwertige Produkte bilden die Basis auf die Reto Lampart und seine Brigade aufbauen. Dabei gefallen uns die abwechslungsreichen Kompositionen genau so gut, wie die eher puristischen Gerichte. Dabei wird kein Aufwand geschaut. Bereits um in den Genuss einer vergleichbaren Brotauswahl zu kommen, muss man weit reisen. Das Gleiche gilt für die wunderschöne Pralinen- und Petit Fours Auswahl. Dabei schafft man es, dass man trotz den vielen Leckereien, das Restaurant zwar wohl gesättigt, aber trotzdem mit einem guten Gefühl verlässt.

Ein geniales Menü, welches auf hervorragenden Produkten basiert, ein vorbildlicher Service und eines der schönsten Restaurants der Schweiz, machen das ‚Lampart’s‘ zu einem Ort der besonderen Art. Wir vermissten das Haus schon nach wenigen Tagen und freuen uns schon jetzt, bald wieder einmal nach Hägendorf zu reisen, um in die wunderschöne Welt von Anni und Reto Lampart eintauchen zu dürfen.

.

Menü: Zur Auswahl stehen zwei Menüs „Sinfonie plaisir“ in 5 bis 8 Gängen (Fr. 175.- bis Fr. 235.-) und das vegetarische „Sinfonie naturelle“ in 5 Gängen zu Fr. 155.-. Dazu serviert man Häppchen, ein Amuse Bouche, ein pré Dessert sowie Petit Fours und Pralinen. Seit ein paar Wochen bietet man zudem für 295 Franken das ganz grosse Menü „Concerto grosso“ an. Dazu kombiniert man die beiden Menüs und serviert 13 Gänge. Alle Gerichte aus den Menüs kann man auch à la carte bestellen. Fünf zusätzliche Hauptgänge ergänzen diese Auswahl.

Wein:  Neben einer riesigen Auswahl an Flaschenweinen, bietet man auch eine Weinbegleitung an:

2011 Fiano Vignolella, Rebsorte: 100 % Fiano, Cantine Barone, Kampanien
2010 Gavi di Gavi Rovereto DOCG Vigna Vecchia – Castellari Bergaglio
2011 Pinot blanc de Dardagny, Domaine Les Hutins, Genf
2010 Chardonnay, Cuvaison Estate, Carneros, Napa Valley
2009 Tignanello Sangiovese, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Tenuta Antinori, Toskana
2010 Eiswein Welschriesling Johannes Zillinger, Niederösterreich
2010 Malvoisie Flétrie, Pinot Gris, Rouvinez, Sierre

Online: Auf der schönen Website vermissen wir das aktuelle Menü. Dafür erhält man in einem Video einen ersten Eindruck vom Restaurant.

Wertung: Gourmör O8 / Michelin M2 / Gault-Millau GM17

Sonderauszeichnungen: krone   Fumoir vorhanden

(Besucht im Dezember 2012)