Seerestaurant Belvédère in Hergiswil

Vor drei Jahren zauberte uns Fabian Inderbitzin ein dermassen gutes Menü, dass wir ihm innerhalb von wenigen Jahren einen Michelin Stern prognostizierten. Damals kochte der junge Schwyzer im ehrwürdigen Château Gütsch hoch über Luzern. Dabei schaffte er es, dass uns trotz dem wunderschönen Setting und der einmaligen Aussicht, am Ende des Abends vor allem seine Gerichte in Erinnerung blieben.

Das Abenteuer Gütsch endete leider viel zu früh und so suchte Inderbitzin eine neue Herausforderung, welche er im nahe gelegenen Hergiswil fand. Dort entstanden vor zwei Jahren luxuriöse Residenzen und im Erdgeschoss das Restaurant ‚Belvédère‘. Wir sind sehr gespannt wie sich Inderbitzin in den letzten Jahren weiterentwickelt hat und ob sich unsere Michelin-Prognose bald bewahrheiten wird.

Von Aussen ist das ‚Belvédère‘ recht unscheinbar. Lediglich eine Tafel an der Dorfstrasse macht auf das Restaurant mit „Genuss am See“ aufmerksam. Innen steigt zuerst der Geruch der neuen Einrichtung in unsere Nasen. Bald weicht dieser jedoch dem Duft von feinen Gerichten aus der Küche – die Vorfreude steigt. Die Einrichtung ist sehr modern, der Blick auf den See malerisch. Ein umgänglicher Servicemitarbeiter nimmt uns in Empfang und führt uns zu unserem Tisch. Dabei gehen wir an einer einladenden Lounge vorbei und notieren uns, beim nächsten Besuch dort einen Apéro zu geniessen.

Die Tische im Restaurant werden durch einen Weinschrank in zwei Kategorien geteilt. Im vorderen, kleineren Bereich ist das Seebistro. Hier werden alltägliche Gerichte wie Hackbraten, Tatar oder auch ein Caesar’s Salad serviert. Selbstverständlich auch hier alles frisch und hausgemacht. Bei den hellgrau gedeckten Tischen im hinteren Teil, werden Inderbitzins Gourmet-Kreationen aufgetischt.

Trotz der stilvollen Einrichtung und dem direkten Blick auf den Vierwaldstättersee (wenn möglich Fensterplatz buchen!) herrscht hier eine lockere Atmosphäre. Das Serviceteam ist jung, unkompliziert und macht einen sehr guten Job. Einzig das fast leere Restaurant ist ungewohnt und kratzt etwas an der Stimmung. Wie uns die Kollegen von Küchenreise aber bestätigen, war das Belvédère eine Woche später voll besetzt.

Von unserem Tisch haben wir einen guten Blick auf die Terrasse, auf der wir vor ein paar Monaten während unserer „Sternensuche“ sassen. Heute ist es dafür viel zu kalt. Der See ist dadurch aber nicht minder eindrücklich. Die Regenwolken hängen schon fast bedrohlich zwischen den Bergen – hier und da gibt es eine Hoffnung bringende Aufhellung. Für uns der perfekte Moment um hier im Warmen zu sitzen und sich auf ein schönes Menü zu freuen.

Wir bestellen den Apéro und erhalten die übersichtliche Speisekarte gereicht. Darin finden wir neben einer sehr kleinen Auswahl an Belvédère-Klassikern, auch das Menü. Dazu sind 14 Komponenten mit jeweils zwei bis drei zusätzlichen Ingredienzien aufgeführt. Wir haben nun die freie Wahl, aus diesen Gerichten unser eigenes Menü zusammen zu stellen. Auch der Umfang – zwischen zwei bis acht Gängen – obliegt unserer Entscheidung. Uns gefällt dieses Konzept, welches wir bereits vom ‚Annex‚ kennen, sehr gut!

Während wir noch über der Speisekarte brühten und mit der Auswahl unserer 8 Gänge beschäftigt sind, erhalten wir als kulinarische Einstimmung ein paar Apéro-Häppchen.

Häppchen [7/10]

Wir beissen in das frittierte Maispoularde-Bällchen und werden von einer extrem saftigen und zarten Füllung überrascht. Dagegen wirkt jedes vorher gegessene Chicken-Nuggets zäh und fad.

Auch für das Samosa gibt’s nur lobende Worte – die orientalische Gewürzfüllung entführt uns für einen Augenblick in eine andere Welt, bevor wir behutsam wieder in Hergiswil abgesetzt werden. Nach diesen intensiven Aromen hatte es das Rinds-Tatar mit roher Birne sehr schwer und viel dann auch ab.

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Brot

Die selbst gebackene Brotauswahl überzeugt. In die luftigen Brötchen aus 3 jährigem Sprinz verlieben wir uns auf der Stelle – wow! Aber auch das knusprige Sauerteigbrot hätten wir gerne jeden Morgen auf dem Frühstückstisch.

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Variation vom Kaninchen [8/10]

Gleich zum Menüauftakt zieht die fünfköpfige Küchenbrigade alle Register und präsentiert uns ein ganz starkes Gericht. Dabei tasten wir uns über den ganzen Teller und entdecken das Kaninchen in verschiedenen Kompositionen. Mal als Terrine, als Mousse in einem knusprigen Röllchen oder dann als ganzes Stück mit einem Hauch von Curry. Die Aromen sind durchwegs klar – hier und da funken orientalische Gewürze auf. Rundum toll und das bei einer sehr anmutender Optik!

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Foie Gras / Balsamico – Grüner Apfel – Brioche [8/10]

Die Show geht weiter. Auf dem Teller liegt eine wunderbare Entenleber-Terrine, welche als sauren Gegenpool, einen Hauch von Granny Smith-Gelée eingebettet hat. On top ein zart schmelzendes Entenleber-Mousse. Dieses zergeht auf der Zunge und gibt dieses einzigartige Aroma frei. Rund um das Gericht sorgen Apfel und Balsamico-Apfel Tupfer für die Säure und Süsse – sehr stark arrangiert. Zu guter Letzt auch ein grosses Lob an das Brioche, welches klar zu den Besten gehört, die wir jemals geniessen durften.

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Melone / Rohschinken vom Molkenschwein – Tomate – Minze [6/10]

Hier ist die gelbe Melonen-Suppe der heimliche Star. Uns gefällt wie sie lediglich mit etwas Olivenöl abgeschmeckt wurde. Einzig ein Löffel fehlt uns um auch den letzten Tropfen geniessen zu können.

Die Kombination zwischen Wassermelone und Tomaten harmonierte leider weniger gut als erwartet. Dafür ist die Vermählung zwischen den Tomaten und der frischen Minze ein voller Erfolg. Diese Geschmackskombination hätte sogar noch etwas konsequenter ausfallen dürfen, denn der Minzengeschmack ist nicht bei allen Tomaten gleich präsent.

Der Rohschinken vom Molkenschwein wurde für einmal nicht um die Melonen gewickelt, sondern liegt separiert auf einem weiteren Teller. Optisch etwas ungewohnt, doch geschmacklich konnte das hauchdünne und nur leicht mit Pfeffer gewürzte Fleisch sehr überzeugen.

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Tagliatelle / Stanser Ziegenfrischkäse – Artischocken – Steinpilz [7/10]

Der nächste Teller ist ein Stilbruch und wir wähnen uns bei irgendeinem Italiener. Doch schon der erste Biss offenbart, das ist kein 08/15 Pasta-Teller sondern etwas Besonderes. Da wären zum einen die hausgemachten Tagliatelle, die man so viel zu selten serviert bekommt. Die Kombination mit dem Ziegenfrischkäse und der feinen Artischocke gab ein stimmiges Geschmacksbild. Die charismatischen Steinpilze setzen dem Ganzen die Krone auf – diese sind leicht gebraten und dadurch sehr intensiv – ganz stark.

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Challans Ente / Pfirsich – Entenleber – Fenchel [8/10]

Ein sehr fleischiges und abwechslungsreiches Gericht wird uns als nächstes geschickt. Die Ente ist kross gebraten, zart und dazu serviert man uns diesen stimmigen Entenjus. Die Höhepunkte sind zum einen die erstklassige Entenleber, welche perfekt zubereitet ist und zum anderen das Enten-Schalottenkonfit, welches schlicht atemberaubend schmeckt. Ganz stark! Einzig der Pfirsich wirkt in dem Gericht etwas deplatziert.

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Geeisste Maissuppe / Scampi – Tomate [7/10]

Die Präsentation der Suppe gefällt uns sehr gut. Wie bereits damals im ‚Château Gütsch‘ wird sie auch hier, erst am Tisch vollendet. Die kalte Maissuppe schmeckt zwar eher nach Curry – macht uns mit diesem Aroma aber genau so glücklich. Der eigentliche Maisgeschmack kommt dann durch die kleinen Maiskolben ins Spiel – diese schmecken wider erwartet sehr intensiv. Ebenfalls ganz stark die Scampi aus Südafrika, welche von allerhöchster Qualität sind. Als kleines Extra gibt es nochmals einen im Tempura, auf einem Spiess.

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Seeteufel / Minestrone-Sud – Ricotta-Ravioli [6/10]

Der mit Ricotta gefüllte Raviolo ist ein Gedicht! Der Seeteufel ist sehr gut zubereitet und von hoher Qualität. Die restliche Komposition ist dann aber etwas eindimensional und vermag nicht an die vielen hochklassigen Gerichte anzuknüpfen.

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Kalbsfilet / Aprikose – Lauchzwiebel – Polentagebäck [5/10]

Auch das Hauptgericht ist fein, kann uns aber nicht uneingeschränkt begeistern. Das Fleisch ist einen Tick zu trocken und die Aprikose macht das Ganze für unseren Geschmack, etwas zu süss. Der stimmige Kalbsjus und das knusprige Polentagebäck stimmen uns trotzdem versöhnlich.

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Fabian’s Schokoladentörtchen [7/10]

Als Dessert wählen wir das Schokoladentörtchen aus der „Klassiker“- Karte. Dieses erinnert uns an Peter Gilmores Kreation, auch hier wird am Tisch etwas heisse Schokoladensauce über das Dessert geleert. Wegen einer kleinen Fehlkonstruktion bildet sich bei unserem Törtchen aber keine Einbuchtung. Egal. Geschmacklich ist es genau so wuchtig wie in Sydney, obwohl das Original, Dank den zusätzlichen Texturen, einiges spannender schmeckte. Dennoch gefällt uns dieses Dessert hier besser. Die Früchte und vor allem das geniale Erdbeereis, geben dieser Kreation eine viel bessere Balance.

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Friandises [8/10]

Zum Schluss wird nochmals ein grosses Feuerwerk gezündet. Alles auf dem Tisch ist von erstklassiger Qualität. Am meisten begeistern uns die Himbeer-Tarte und das Honiggebäck. Aber auch die Gelées und Macarons sind toll! So hochklassig sollte jedes Abendessen enden.

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Fazit: Es ist spannend zu sehen, wie Fabian Inderbitzin sich in den letzten Jahren weiterentwickelt hat. Den grossen Schritt den er dabei gemacht hat, ist offensichtlich. So sind die Gerichte noch präziser und aufwendiger, der Geschmack noch intensiver und das hohe Handwerk bei jedem Teller erkennbar. Der Michelin Stern ist klar verdient.

Inderbitzin steht mit viel Herzblut am Herd. Der sympathische Koch überlässt aber auch sonst nichts dem Zufall. Zu seinen Lieferanten pflegt er eine gute Beziehung. So kommt er nicht nur in den Genuss von Raritäten wie zum Beispiel dem 5 jährigen Sprinz, sondern auch zu gut abgehangenem Fleisch und den begehrten Fischen aus dem Vierwaldstättersee.

Optimierungsmöglichkeiten gibt es aber auch. So empfehlen wir die schöne Lounge besser zu nutzen. Es wäre stimmungsvoll wenn man dort den Apéro und die Häppchen geniessen könnte. Weiter wäre es für den Spannungsbogen im Menü wichtig, dass die Gänge, die alle am Tisch ausgewählt haben, auch zusammen serviert würden. Der Überraschungseffekt fehlt, wenn man ein Gericht bereits vorher beim Gegenüber gesehen hat.

Interbitzin war schon damals in Luzern ein talentierter Koch, heute ist er ein ganz Grosser. Die Zentralschweiz ist mit dem ‚Belvédère‘ um ein Gourmetrestaurant reicher. Wir hoffen, dass freie Tische bald der Vergangenheit angehören. Ein Lokal in dem alle Mitarbeiter mit so viel Passion arbeiten und solch tolle Gerichte zaubern, hat es verdient jeden Abend ausgebucht zu sein.

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Menü: Am Abend gibt es eine kleine Karte mit einer handvoll Gerichten, sowie das Menü in 2 – 8 Gängen. Dieses kann man sich selber zusammenstellen. 2 Gänge 79.- / 3 Gänge 94.- / 4 Gänge 108.- / 5 Gänge 124.- / 8 Gänge 158.-

Das Essen dauerte 4 Stunden

Preistipp: Im Seebistro gibt es jeden Abend einen 5 Gänger inkl. Wasser, Kaffee und Wein für sehr fair kalkulierten 97 Franken!

Wein: Wir wünschten eine Weinbegleiung welche uns für 81 Franken verrechnet wurde:

Château Haut Mayne Sauternes AC 2009 – Bordeaux
Sauvignon Blanc Franz Haas 2010 – Alto Adige
Chardonnay Planeta 2009 – Sizilien
Le Volte Tenuta dell’Ornellaia 2010 – Toscana
Pinot noir Héphaïstos Cave Emery 2011 – Wallis
Terra di Monteverro 2009 – Toscana
Moscato d’Asti

Online: Die Website bietet viel Potential nach oben. Man findet darauf zwar die aktuelle Speisekarte und Presseberichte, doch uns fehlen Bilder vom Restaurant und von den Gerichten.

Tipp: Im Sommer tafelt man auf der schönen Terrasse. In den kalten Jahreszeiten bucht man am besten einen Tisch an der Fensterfront. Dadurch hat man nicht nur Sicht auf die schön präsentierten Speisen, sondern auch auf den See und die ihn umgebenden Berge.

Wertung: Gourmör / Michelin / Gault-Millau

(Besucht im September 2012)

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Bilder von unserem Besuch im Seebistro im August 2013:

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Bilder vom Besuch des Gourmetrestaurant im Juni 2014

Kürzlich genossen wir beim Sternekoch Fabian Inderbitzin ein ausgezeichnetes Abendessen. Seine Gerichte sind äusserst geschmacksvoll und spannend. Gepaart mit der phänomenalen Aussicht, bleibt dies ein unvergesslicher Abend. Wir können einen Besuch in Hergiswil wärmstens empfehlen.

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_2Die Apéro-Häppchen: Sushi – Sprienz-Gebäck – Eierschwämmli

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_3Das Amuse Bouche mit hausgemachtem Frischkäse

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_4Hamachi Tuna – Gurke – Daikon-Rettich – Apfel

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_5Langustine – Kartoffel-Stein – Spinat – Zitrone

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_6Foie Gras – Melone – Pistazie – Brioche

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_7Kartoffel-Consomée – Eigelb – Zwiebel – Quinoa

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_8Lammkotelette – Lamm-Konfit – Kräuter-Crumbles

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_9Das feine Belvédère-Frites wurde zur Lammkotelette serviert

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_11Eisbombe – Bergamotte – Frischkäse – Amarena Kirschen

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_12Friandises

Le Moissonnier in Köln (Deutschland)

Die Aussichten auf einen gemütlichen Abend stehen äusserst schlecht. Der Tisch im ‚Le Moissonnier‘ ist zwar gebucht, doch unser Flieger landet mit Verspätung erst um 19.45 Uhr und bereits 75 Minuten später werden im Restaurant, gemäss Internetseite, die letzten Bestellungen entgegen genommen. Zuvor brauchen wir aber noch unser Gepäck, ein schnelles Taxi sowie einen kurzen Stopp im Hotel, um unser Bagage ins Zimmer zu stellen und etwas frisches anzuziehen. Dass Europa gerade von einem Sahara Föhn heimgesucht wird und dadurch auf dem Taxi-Display 30 Grad Celsius angezeigt werden, macht die Sache nicht gerade angenehmer.

Endlich beim Hotel angekommen, willigt der Fahrer mit arabisch klingendem Namen etwas uneuphorisch ein, so lange auf uns zu warten, bis wir das Check-in hinter uns gebracht haben. Ein Blick auf die lange Schlange vor der Reception und die sichtlich überforderte Dame dahinter, lässt unsere Hoffnung, pünktlich im Restaurant zu sein schwinden. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass nur noch 15 Minuten bleiben. Die 5 minütige Wartezeit liess die Schlange vor uns um gerade einmal um eine Person verkürzen. Wir beobachten durch die Fensterscheibe, wie unser wartenden Taxifahrer nervös auf die Uhr schaut und entscheiden uns spontan, erst nach dem Essen einzuchecken und die Kleider in der grossen Lobby zu wechseln. Die Koffer stellen wir hinter die Reception und setzen uns wieder ins Taxi.

Dieses Bild entstand bevor wir das Restaurant verliessen – deshalb fehlen hier sowohl die Gäste auch als das Geschirr

Als wäre das nicht genug, fängt es kurz vor dem Ziel in Strömen an zu regnen – na toll. Immerhin haben wir es knapp vor der Deadline doch noch ins ‚Le Moissonnier‘ geschafft. Das Lokal sieht bereits von Aussen sehr einladend aus – ein kleines Stück Paris mitten in Köln.

Als wüsste das Moissonnier Team von unseren Eskapaden, werden wir trotz der herrschenden Hektik, wohl empfangen. Hier ein Lächeln einer hübschen Dame, dort ein verstänndnisvolles Nicken des Chefs, weil man bei der Speiseauswahl noch etwas Zeit braucht, obwohl wir eher mit entzürrnten Blicken gerechnet haben – wir erlauben uns schliesslich, noch kurz vor 21 Uhr einzutreffen (alles schon irgendwo erlebt). Doch wie wir schnell merken, spielt dieses Restaurant in einer anderen Liga. Es demonstriert in einmaliger Art, wie ein guter Service in einem „einfachen“ Restaurant auszusehen hat.

Auf der Karte finden wir viele verheissungsvolle Vorspeisen und Hauptgerichte. Die Preise scheinen ambitioniert. ‚Le Moissonnier‘ bietet zwar ein etwas einfacheres 4 Gänge-Menü an, doch wir wollen die volle Ladung und ordern deshalb à la carte.

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Brot

Die Brotauswahl gehört zu den Besten die wir dieses Jahr geniessen durften. Ganz stark war das Laugenbrot mit Kümmel sowie das hauchdünne Olivenbrot welches ein überraschend starkes Aroma entfaltet.

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Focaccia mit Anchovie und Parmesan / kalte Tomaten-Gurken Suppe [6/10]

Als Amuse Bouche stellt man uns diese schön angerichtete Komposition auf den Tisch. Die Tomatensuppe ist mit kühlenden Gurken verfeinert und schmeckt harmonisch und erfrischend. Das Focaccia ist luftig frisch, der Fisch und der Käse eine wunderbare Begleitung, welche bestimmt noch besser funktionieren würde, wenn man das Brot nur halb so dick aufgeschnitten hätte und sich somit der Käse stärker hätte durchsetzen können.

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Bretonische Rotbarbe mit Salbei samt frittierten Schuppen auf Aprikosenbutter // Dazu Presskopf vom Steinbutt – Vichysoisse mit Ingwer // Südfranzösischer Gemüsesalat (31 €) [9/10]

Wir haben schon viele schön angerichtete Teller gesehen, doch noch nie waren wir darüber so überrascht wie hier. Denn wir stellten uns auf sehr gute, aber einfach präsentierte Gerichte ein. Die Präsentation ist aber extrem aufwendig und filigran. Dazu kommt, dass die Vorspeisen und Hauptgänge jeweils auf drei Tellern serviert werden. Es gibt also ganz viel zu entdecken.

Auch geschmacklich wähnen wir uns im Paradies. Der Fisch ist von atemberaubender Qualität und mit hoher Kochkunst zubereitet. Die Rotbarbe ist saftig und der Salbei gibt dem Fisch eine zusätzliche Facette – wow. Auch genial ist die krosse Haut samt den Schuppen.

Auf dem zweiten Teller gibt es Gemüse – diverses von der Erbse und Peperoni. Alles ist sehr präzis und wunderschön angerichtet. Die Erbsen gefallen uns gut, richtig stark ist die Peperoni, welche sehr wuchtig schmeckt.

Der Presskopf vom Steinbutt, auf dem letzten Teller, ist ein Highlight für sich. Ein wunderbares meeriges Aroma welche von cremigen Kartoffeln abgerundet wird – wunderbar!

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Isländische Scampi à la plancha dazu gründer Spargel mit Räucherlachs-Coulis // Bonito in Zitrone-Ingwer-Soja-Marinade auf Basmati-Reis-Crème // Büffelricotta Campana Teneri mit Pistazie und Gurken-Gelée (Preis 45 €) [8/10]

Auch der zweite Gang fällt nicht weniger opulent aus. Auf dem Hauptteller treffen wir auf einen isländischen Scampi von hervorragender Produktqualität. Sein Biss ist fest, das Aroma ganz stark. Dazu hat man das Schalentier mit seinem Consomé verfeinert welches geschmacklich sehr unterstützend ist. Die Spargeln und die kleinen Blinis fallen da leider etwas ab – bei beiden fehlt es etwas an Geschmack.

Auf dem zweiten Teller stehen Sushi der etwas anderen Art. Die dünne Scheibe vom Bonito schmeckt sehr gut. Darunter gibt es Reis als Crème verarbeitet. Eine spannende Kreation die uns sehr gut gefällt.

Der dritte Part dieser Teller-Trilogie bildet ein würziger Ricotta mit Gurkenschaum und Pistazie – ebenfalls überzeugend.

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Milchkalb-Bäckchen geschmort und gegrillt auf geräucherter Sauce Poulette // Beinwell-Blatt in Butter leicht geschwenkt mit Colonnata-Speck // Konfirte Aubergine, Tempura von Steinpilz und Paste von gegrillter roter Paprika (43 €) [9/10]

Der Hauptgang ist das Highlight des Abends. Dieser ist vielleicht optisch nicht ganz so aufregend, dafür geschmacklich ein Traum! Das Fleisch ist schlicht atemberaubend – was für ein Aroma, was für eine Zartheit. Der Fleischgeschmack ist noch Minuten später omnispräsent in unserem Gaumen und Wochen später in unserer Erinnerung – ein richtiger Umami-Hammer. Die geräucherte Sauce passte genau so hervorragend dazu wie die süssen Preiselbeeren. Diese schlagen dann auch eine eindrückliche Brücke zum empfohlenen Rotwein „Cahors 2009 Les Acacias – Mas del Périé“ – eine hervorragende Wahl des Chefs. Noch selten hat ein Wein ein Gericht so stark aufgewertet – eindrücklich. Diese Kombination aus Fleisch und Wein ist ein Traum und wird noch lange in unserer Erinnerung bleiben.

Auch bei diesem Hauptgericht gibt es noch mehr zu entdecken. Auf einem weiteren Teller liegt Beinwell. Dieses ist sehr saftig und aromatisch. Dazu gesellt sich eine hauchdünne Speckscheibe welche dieser Komposion Tiefgang gibt – simpel aber genial.

Auch für das Steinpilz Tempura, die aromareiche Tomatensauce und die konfierten Aubergingen gibt es Applaus!

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Wie ein „Snickers“: Brownie gefüllt mit Schokoladencrème, Erdnusspaste und Salz-Karamell // Milchschaum mit Schokoweckchen-Eis (15 €) [8/10]

Die Geschmackskombination zwischen Schokolade, Caramel und Erdnuss ist per se  sehr einladend und so schmeckt es auch vom ersten Bissen weg wunderbar. Uns gefällt die Frische des Brownies, die Harmonie, das intensive Aroma und den leichten Einsatz vom Salz. Lediglich der Karamel-Tupfer hätte grosszügiger ausfallen dürfen.

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Friandises [7/10]

Auch zum Kaffe schickt man nicht einfach irgend etwas, sondern noch einmal kleine Geschmacksbomben. Alles schmeckt intensiv und gefällt uns ausgesprochen. So muss ein Abend enden!

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Fazit: Das ‚Le Moissonnier‘ demonstriert auf eindrückliche Art und Weise, wie perfekter Service auszusehen hat. Man spürt beim ganzen Team die grosse Begeisterung und Motivation hier arbeiten zu dürfen. Da können sich viele Lokale eine dicke Scheibe davon abschneiden. Wir fühlten uns ausgesprochen wohl und das obwohl die Lautstärke, für ein Bisto typisch, eher laut war. Hier zeigt man, dass es für einen guten Service kein Silbergeschirr oder einen steifen Ober benötigt, sondern einfach ein aufmerksames Auge und eine grosse Portion Begeisterung. So war unser Wasserglas keine Sekunde leer, es wurde bemerkt, als wir einen zweiten Löffel benötigten und bei der Frage nach einem Zigarettenautomaten, stellte man uns eine Packung Zigaretten auf den Tisch und meinte, dass wir uns bedienen sollten da ein Automat fehle. Und so empfehlen wir all jenen Restaurantbesitzer, die seit Jahren über Gästeschwund jammern, eine Reise nach Köln – neben dem hervorragenden Essen bekommt man eine Lehrstunde zum Thema Service umsonst.

Fairerweise muss man auch sagen, dass der Erfolg des ‚Le Moissonnier‘ nicht nur der Verdienst der starken Servicebrigade ist, sondern auch der Küche unter der Leitung von Eric Menchon. Das sieben köpfige Team arbeitet auf Hochtouren und was da auf den Tellern liegt, macht uns im ersten Moment sprachlos. Klasse Produkte, hohe Handwerkskunst und ein Auge für Ästhetik. Aber nicht nur die aufwendig dekorierten Gerichte überraschen, sondern auch der durchwegs starke Geschmack – und das bei jedem Gericht!

Das ‚Le Moissonnier‘ hat uns nachhaltig begeistert, noch Wochen später schwirrt uns dieses Kleinod im Kopf herum. Wenn wir einen Wunsch frei hätten, wäre dies, dass Madame und Monsieur Moissonnier mit dem Restaurant samt Belegschaft in unsere Nähe ziehen würden. Dort wären wir Stammkunden! Doch wir mögen dieses tolle Restaurant selbstverständlich auch allen Kölner gönnen – vor allem da diese anscheinend genau wissen, welch kulinarische Perle sie da besitzen. Denn bei unserem Besuch, an einem Mittwochabend, war jeder Tisch besetzt – und das bei tropischen Aussentemparaturen.

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Menü: Auf der Speisekarte findet man sieben Vorspeisen (16.50 € – 45 €), genau so viele Hauptgänge (38 € – 54 €) und eine Hand voll Desserts für etwa 14 €. Unter der Woche steht zudem ein 4 Gänge Menü für 75 € zur Auswahl, am Wochenende 6 Gänge für 115 €.

Wein: Zur Auswahl steht eine grosse Weinkarte. Viele hervorragende Weine werden auch Glasweise ausgeschenkt. Monsieur Moissonnier beweist bei der Empfehlung ein starkes Händchen. Toll: Wenn man sich speziell für ein Wein interessiert, bekommt man ein Kärtchen, auf dem weitere Informationen zum Wein aufgeführt sind.

Online: Die Website ist zwar im etwas mühsamen Flash-Format, bietet aber sehr viele Informationen über das Restaurant. Das Video empfehlen wir besonders, da kann man auch schon viel vom Charme dieses Restaurants spüren und sieht auch einige der Speisen.

Wertung: Gourmör / Michelin / Gault-Millau

Sonderauszeichnung:

(Besucht im August 2012)

Quay in Sydney (Australien)

Sydney ist die letzte Destination auf unserer Australienreise. Für uns war von Beginn weg klar, dass wir unser „Abschlussessen“ entweder im japanischen Restaurant ‚Tetsuya’s‚ oder bei Peter Gilmore im ‚Quay‘ geniessen werden. Nicht zuletzt der begeisternde Beitrag von einem unserer Lieblingsblogger, hat den Ausschlag für das Restaurant mit Blick auf Sydney’s Opernhaus gegeben.

Die Plätze hier sind heiss begehrt und fast immer ausgebucht. So reservierten wir unseren Tisch zur Sicherheit bereis Monate im Voraus. Das Reservationsprozedere war zwar einfach, doch irgendwie war der Kontakt per E-Mail schwieriger, als wir dies von anderen Restaurants gewohnt sind. So erhielt man oft tagelang keine Antwort oder die Frage nach einem Fensterplatz blieb einfach unbeantwortet. So machen wir uns auch keine Hoffnung, heute einen Solchen zu erhalten.

Ob Zufall oder gewollt, führt man uns aber tatsächlich an einen der besten Tische im ganzen Restaurant. Dieser steht in einer kleinen Rundung mit wunderschöner Aussicht auf Sydney’s Skyline. Um uns herum stehen zwar etwas gar viele Tische (wie auch im übrigen Restaurant, welches Platz für bis zu 150 Gäste bietet!), doch Dank der uns komplett umgebenen Fensterfront, haben wir Blick auf die eindrückliche Harbour Bridge und auch auf das imposante Opernhaus. Diese malerische Aussicht kann nur durch eines der grossen Kreuzfahrtschiffe, welche oft hier ankern getrübt werden, doch man erklärt uns zu Beginn, dass diese in der jetzigen Jahreszeit nicht anlegen.

Unser Servicemitarbeiter ist jung, freundlich aber etwas unsicher. Er zeigt uns die kleine, ganz in schwarz gehaltene, aufklappbare Speisekarte. Auf der linken Hälfte findet man das 8 gängige Tastingmenü für 220 Australische Dollar, auf der anderen Seite das 4 Gänge Menü, welches man sich aus je 4 Speisen selber zusammenstellt (160 Dollar). Für uns ist die Sache klar und wir ordern das grosse Menü mit der Bitte, dieses mit dem berühmten „Quay’s Eight texture chocolate cake“ abschliessen zu dürfen. Diese Menüänderung hat man, dem raschen Nicken nach, nicht zum ersten Mal gehört und erfüllt uns diese sehr gerne.

Etwas später wird uns das Amuse Bouche serviert:

Consomé von der Auster [5/10]

In einem kleinen Porzelanschälchen wird uns eine intensive, sehr harmonische Austernconsomé mit etwas Tofu serviert. Der Geschmack ist noch Minuten später in unserem Gaumen allgegenwärtig. Ein schöner Start.

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Sashimi of Corner Inlet rock flathead, Tasmanian trumpeter, salt cured wild eyster cream, black lipped abalone, raw sea cabbage, nasturtiums, warrigals, periwinkles [-/10]

Nicht einmal sechs Minuten später wird uns der nächste Gang serviert. Die Portion ist, anders als es auf dem Foto erscheinen mag, extrem klein. Verschiedene regionale, rohe Fische liegen als Sashimi auf dem Teller. Die Aromen sind wie erwartet sehr subtil. Einzig der Tupfer Austernsauce bringt etwas Schwung, in diesen sonst eher langweiligen Menü-Auftakt.

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Congee of Norther Australien mud crab, fresh palm heart, egg yolk emulsion [7/10]

Vor sieben Minuten assen wir den letzten Happen unseres Sashimis, jetzt steht bereits der zweite Gang auf unserem Tisch. Vom hetzigen Tempo genervt, tauchen wir den Löffel in die Suppe und werden von dem erstklassigen Aroma gleich wieder besänftigt. Der Geschmack ist tief und wuchtig.

Wir schmecken das Palmherz, einen leichten Kokosgeschmack und das eindrückliche Aroma der Krabbe. Ein rundum schöner Gang. Der einzige Kritikpunkt ist die Ähnlichkeit zum Amuse Bouche – in unseren Augen hätte deshalb ein anderes Amuse serviert werden sollen.

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Diesmal gönnt man uns eine Virtelstunde Pause, bevor man uns den nächsten Gang schickt. Jetzt haben wir auch das erste Mal richtig Zeit um den Wein in aller Ruhe zu geniessen, ohne dass der Sommelier bei halbem Füllstand mit der nächsten Flasche am Tisch steht.

Gently poached souther rock lobster, hand caught Tasmanian squid, golden tapioca, lobster velvet [6/10]

Wir heben den kleinen Porzellandeckel und finden darunter dünn aufgeschnittenen Tintenfisch, dekoriert mit gelben Tapioca Kügelchen. Der Tintenfisch ist ein Tick zu gummig, die Tapioca Perlen haben zwar einen würzigen Geschmack, sind beim zerbeissen aber überhaupt kein Genuss – da sie nicht wie Kaviar zerplatzen, sondern an den Zähnen kleben. Auf voller Linie überzeugt dann aber der aromatische Lobster. Dieser liegt unter der restlichen Komposition und ist von sehr hoher Qualität.

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Brot

Als kleiner Zwischengang wird uns Brot, etwas Salz und Butter serviert. Wir haben dabei die Wahl aus vier verschiedenen Broten, welche aus einer externen Bäckerei stammen. Diese sind zwar alle in Ordnung, vermögen aber unsere Sehnsucht nach Brot aus der fernen Heimat nicht zu stillen.

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Roasted partridge breast, steamed truffle brioche, confit egg yolk, new season white walnuts, fumet of Vin Jaune [8/10]

Das Rebhuhn ist nicht nur perfekt medium gebraten, sondern hat auch ein charaktervolles Aroma, welches mit den restlichen Akteuren auf dem Teller kombiniert, zu Höhenflügen ansetzt. Da wären zum Beispiel die weissen Walnüsse, die nicht nur geschmacklich harmonieren, sondern auch für den zusätzlichen Crunch-Effekt sorgen. Den Glanzpunkt setzt aber das atemberaubende Brioche, dessen perfekt dosierte Trüffelaroma, im Einklang mit dem Vogel steht. Ein rundum starker Gang – genau wegen solchen Gerichten sind wir hierher gekommen.

Ebenfalls freuen wir uns, dass man jetzt anscheinend endlich, ein gutes Timing beim servieren der Speisen gefunden hat.

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Zu früh gefreut, die Küche schickt die Teller anscheinend völlig willkürlich. Denn jetzt gibt es wieder nur eine kurze Pause von nicht einmal 10 Minuten, bevor uns diese geräucherte Schweinebacke serviert wird.

Smoked and confit pig cheek, shiitake, shaved scallop, Jerusalem artichoke leaves, juniper, bay [6/10]

Das Fleisch ist fettig und entsprechend intensiv im Aroma. Das Fett ist aber nicht unangenehm zu essen, sondern vergeht förmlich auf der Zunge und gibt so seinen ganzen Goût ab. Die dünnen Scheiben von der Jakobsmuschel, welche mit der Schweinebacke kombiniert werden, gefallen uns zuerst nicht, erst nach und nach bildet sich die Symbiose zwischen den beiden konträren Produkten. Die knusprigen Artischocken sorgen für eine weitere Textur, können das Gericht aber geschmacklich nicht bereichern. Unter dem Strich ein sehr gutes Gericht, dass uns aber bei weitem nicht gleich stark fasziniert wie das Vorhergehende.

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Pasture raised milk fed veal, poached in smoked bone marrow fat, shiitake mushrooms, raw buckwheat, young orach, parsnip [6/10]

Wir freuten uns auf eine intensive Sauce beim Hauptgang, doch hier dominiert vor allem der Shiitake Pilz, welcher auch schon beim vorherigen Gericht präsent war. Das Ganze ist als kleiner Turm aufgebaut, bei dem sich das Fleisch und der Pilz jeweils in einer dünnen Scheibe abwechseln. Uns gefällt diese japanisch anmutende Komposition sehr gut. Es handelt sich hier um ein sehr leichtes Gericht, welches Dank dem extrem zarten Kalbsfleisch, sehr genussvoll zu essen ist. Trotzdem ist auch dieser Teller alles andere als eine Geschmacksbombe und sicher nichts, was uns lange in Erinnerung bleiben wird.

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Guava Snow Egg [8/10]

Das Snow Egg ist ein Signature Dish von Peter Gilmore. Seit 5 Jahren steht es ununterbrochen auf seiner Karte. Die Präsentation ist sehr anmutend. Wir werden aufgefordert, die Eierschale mit dem Löffel aufzubrechen. Nachdem das Ei zuerst einen überraschend starken Wiederstand gibt, ist ein wunderbares Knacken zu hören und wir erhalten einen Blick auf das Innenleben. Dieses erinnert uns an Amador’s Dessert mit Rieslingsschaum. Die knusprige Caramel-Schale ist süchtig machend, der Inhalt fruchtig leicht. Und so ist das Snow Egg das beste Dessert auf unserer Australienreise. Schade nur, dass das Eis mit Pfirsicharoma, welches das Ei umgibt, zu eisig und zudem masslos überdimensioniert ist.

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Quay’s Eight texture chocolate cake [6/10]

Während das Menu bis hierhin sehr leicht war (mit Tendenz zu etwas gar kleinen Portionen), wird das Ganze mit diesem Schokoladenkuchen in’s Gegenteil gedreht. Der Schoko Cake wird in sieben Texturen serviert. Etwas crumble, Canache und noch dünne Schokoladenschichten. Die achte Textur wird vom Servicemitarbeiter direkt am Tisch, in Form von heisser Schokolade, über den Kuchen gegossen. Dabei bildet sich in der Mitte eine kleine Einbuchtung und fällt dort leicht zusammen – schön inszeniert.

Das Dessert ist, wie man es sich vorstellen kann, extrem wuchtig. Die verschiedenen Texturen machen zwar Spass, der Schokoladengeschmack ist aber spätestens nach dem viertel Löffel zu viel des Guten und man kämpft… oder lässt den letzten Drittel liegen. An dieser Stelle können wir zwar niemandem einen Vorwurf machen – schliesslich haben wir dieses Dessert explizit verlangt – auf die vielen Lobeshymnen auf diese Nachspeise können wir aber nicht einstimmen. So spielt der konzeptionell vergleichbare Schokoladencake von Heston Blumenthal in einer ganz anderen Liga. Zudem hat man dort auch die richtige Balance gefunden, damit das Dessert bis zum letzten Bissen ein Genuss bleibt und nicht zu mastig wird.

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Friandises [7/10]

Zum Abschluss werden uns noch zwei sehr feine Pralinen serviert. Beide waren von erster Güte und ein grosser Genuss. Die Auswahl, in Relation zum sehr hohen Menüpreis, ist aber etwas gar knausrig.

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Fazit: Das ‚Quay‘ war das beste Restaurant auf unserer Australienreise. So klar, wie wir uns das im Voraus vorgestellt hatten, war dieser Entscheid aber nicht. Die Gerichte hier waren zwar allesamt sehr aufwendig zubereitet, doch geschmacklich blieben einige klar hinter den Erwartungen zurück. Da fast alle Speisen seit Monaten oder gar Jahren auf der Karte stehen, hätten wir mehr Ausgereiftheit und Genialität erwartet.

Die Aussicht war, wie eingangs erwähnt, traumhaft. Das kann man vom Restaurant Ambiente leider nicht behaupten. Das ‚Quay‘ ist kein gemütliches Restaurant. Denn was sich bereits bei der Reservation abzeichnete, zog sich auch im Restaurant durch. Das Service-Team versucht zwar auf hohem Niveau zu arbeiten, schafft das aber nicht. Das liegt nicht nur an der eher gekünstelt steifen Art, sondern auch an den unerwartet vielen Fauxpas, die wir auf diesem Niveau zuvor noch nie angetroffen haben. An der Spitze steht ganz klar die willkürlichen Wartezeiten zwischen den einzelnen Gängen. Einmal sechs Minuten, dann Zwölf dann wieder nur Neun – diese Pausen waren zum Teil so kurz, dass man das Gefühl hatte, dass die Mitarbeiter früher Feierabend machen wollten.

Aber es gab auch andere Ungereimtheiten. Das begann bei den vier Apéritiv-Karten für fünf Personen (das wurde nicht einmal korrigiert), von falsch aufgetragenen Speisen bis hin zu der Situation, dass uns ein Kellner einen Gang avancieren wollte, aber vergass um was es sich auf dem Teller handelte und zuerst nochmals nachfragen musste. Ebenfalls ungewohnt: oft wurden die Speisen von nur einer Person servierten und so standen die Teller nicht miteinander auf dem Tisch, sondern jeweils mit Verzögerung – in einem normalen Restaurant wäre das nicht weiter schlimm – vielleicht würde ein Mitarbeiter das auch mit der nötigen Prise Humor abtun. Doch da man dabei eher distanziert und kühl auftritt, wirkt das überhaupt nicht professionell. Hier fehlt es offensichtlich an einem guten Maître, der dem ‚Quay‘ eine Seele gibt und die Mitarbeiter richtig schult und begeistert. Da könnte sich das ganze Team auch eine Scheibe beim gegenüberliegenden Bistro ‚baroque‚ abschneiden.

Peter Gilmore zeigte sich übrigens den ganzen Abend nicht im Restaurant. Als wir nach dem Hauptgang vor dem Lokal standen um frische Luft zu schnappen, huschte er wortlos an uns vorbei, stieg in seinen mossgrünen Jaguar und brauste in die dunkle Nacht –  dies bereits um 22.00 Uhr – zu der Zeit wo einige Gäste noch nicht einmal die Hauptspeise vor sich hatten.

Bis zu 150 Gäste, ein zeitlich hastiges und unkoordiniertes Menü, viele Fehler und das von einem unpersönlichen Service und dazu ein Chef der bereits die Küche verlässt wenn Gäste noch nicht einmal den Hauptgang haben – für uns sieht das nicht nach einem begeisterten Team aus, sondern wirkt viel zu routiniert und als hätte man es nicht mehr nötig. Vielleicht ist das auch der Grund, warum viele Gerichte zwar aussehen wie aus dem Bilderbuch, aber geschmacklich grosses Potential nach oben haben. Wir können das ‚Quay‘, bei Anbetracht des hohen Preises, nicht weiterempfehlen.

Menü: Man wählt das vorgegebene 8 Gänge Tasting Menü zu 220 AUD oder man stellt sich aus je vier verschiedenen Speisen ein eigenes 4 Gänge Menü zu 165 AUD zusammen. Dazu serviert man ein Amuse Bouche, ein kleiner Zwichengang der aus Brot besteht, sowie zwei Pralinen als Friandises. Die Speisen auf der Karte wechseln nur selten. Das Essen dauerte kurze 3 Stunden.

Wein: Neben der grossen Weinkarte werden auch zwei Weinbegleitungen angeboten. Die Klassische kostet 95 AUD, die Premium 175 AUD – das für je 8 Gläser.

Unsere Weinbegleitung war gut, doch Australien hat viel, viel mehr zu bieten.

2009 Moorilla ‚Muse‘ Riesling, Tasmania
2010 Krinklewood Chardonnay, Hunter Valley, New South Wales
2009 Bella Ridge Chenin Blanc, Swan Valley, Western Australia
2010 Thick as Thieves ‚Pocco Rosso‘ Nebbiolo, Upper Yarra Valley, Victoria
2010 Roblin ‚Origine‘ Sancerre Rosé, Loire Valley, France
2010 Caillard Mataro, Barossa Valley, South Australia
2010 Charles Hours ‚Clos Uroulat‘, Jurançon, France
NV Campbells Classic Popaque, Rutherglen, Victoria

Online: Die Internetseite ist vorbildlich. Gut strukturiert, schöne Optik und aktuell.

Tipps: Reservationen werden nur bis zu 6 Monate im Voraus entgegen genommen

Wertung: Gourmör

(Besucht im August 2012)