Quay in Sydney (Australien)

Sydney ist die letzte Destination auf unserer Australienreise. Für uns war von Beginn weg klar, dass wir unser „Abschlussessen“ entweder im japanischen Restaurant ‚Tetsuya’s‚ oder bei Peter Gilmore im ‚Quay‘ geniessen werden. Nicht zuletzt der begeisternde Beitrag von einem unserer Lieblingsblogger, hat den Ausschlag für das Restaurant mit Blick auf Sydney’s Opernhaus gegeben.

Die Plätze hier sind heiss begehrt und fast immer ausgebucht. So reservierten wir unseren Tisch zur Sicherheit bereis Monate im Voraus. Das Reservationsprozedere war zwar einfach, doch irgendwie war der Kontakt per E-Mail schwieriger, als wir dies von anderen Restaurants gewohnt sind. So erhielt man oft tagelang keine Antwort oder die Frage nach einem Fensterplatz blieb einfach unbeantwortet. So machen wir uns auch keine Hoffnung, heute einen Solchen zu erhalten.

Ob Zufall oder gewollt, führt man uns aber tatsächlich an einen der besten Tische im ganzen Restaurant. Dieser steht in einer kleinen Rundung mit wunderschöner Aussicht auf Sydney’s Skyline. Um uns herum stehen zwar etwas gar viele Tische (wie auch im übrigen Restaurant, welches Platz für bis zu 150 Gäste bietet!), doch Dank der uns komplett umgebenen Fensterfront, haben wir Blick auf die eindrückliche Harbour Bridge und auch auf das imposante Opernhaus. Diese malerische Aussicht kann nur durch eines der grossen Kreuzfahrtschiffe, welche oft hier ankern getrübt werden, doch man erklärt uns zu Beginn, dass diese in der jetzigen Jahreszeit nicht anlegen.

Unser Servicemitarbeiter ist jung, freundlich aber etwas unsicher. Er zeigt uns die kleine, ganz in schwarz gehaltene, aufklappbare Speisekarte. Auf der linken Hälfte findet man das 8 gängige Tastingmenü für 220 Australische Dollar, auf der anderen Seite das 4 Gänge Menü, welches man sich aus je 4 Speisen selber zusammenstellt (160 Dollar). Für uns ist die Sache klar und wir ordern das grosse Menü mit der Bitte, dieses mit dem berühmten „Quay’s Eight texture chocolate cake“ abschliessen zu dürfen. Diese Menüänderung hat man, dem raschen Nicken nach, nicht zum ersten Mal gehört und erfüllt uns diese sehr gerne.

Etwas später wird uns das Amuse Bouche serviert:

Consomé von der Auster [5/10]

In einem kleinen Porzelanschälchen wird uns eine intensive, sehr harmonische Austernconsomé mit etwas Tofu serviert. Der Geschmack ist noch Minuten später in unserem Gaumen allgegenwärtig. Ein schöner Start.

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Sashimi of Corner Inlet rock flathead, Tasmanian trumpeter, salt cured wild eyster cream, black lipped abalone, raw sea cabbage, nasturtiums, warrigals, periwinkles [-/10]

Nicht einmal sechs Minuten später wird uns der nächste Gang serviert. Die Portion ist, anders als es auf dem Foto erscheinen mag, extrem klein. Verschiedene regionale, rohe Fische liegen als Sashimi auf dem Teller. Die Aromen sind wie erwartet sehr subtil. Einzig der Tupfer Austernsauce bringt etwas Schwung, in diesen sonst eher langweiligen Menü-Auftakt.

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Congee of Norther Australien mud crab, fresh palm heart, egg yolk emulsion [7/10]

Vor sieben Minuten assen wir den letzten Happen unseres Sashimis, jetzt steht bereits der zweite Gang auf unserem Tisch. Vom hetzigen Tempo genervt, tauchen wir den Löffel in die Suppe und werden von dem erstklassigen Aroma gleich wieder besänftigt. Der Geschmack ist tief und wuchtig.

Wir schmecken das Palmherz, einen leichten Kokosgeschmack und das eindrückliche Aroma der Krabbe. Ein rundum schöner Gang. Der einzige Kritikpunkt ist die Ähnlichkeit zum Amuse Bouche – in unseren Augen hätte deshalb ein anderes Amuse serviert werden sollen.

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Diesmal gönnt man uns eine Virtelstunde Pause, bevor man uns den nächsten Gang schickt. Jetzt haben wir auch das erste Mal richtig Zeit um den Wein in aller Ruhe zu geniessen, ohne dass der Sommelier bei halbem Füllstand mit der nächsten Flasche am Tisch steht.

Gently poached souther rock lobster, hand caught Tasmanian squid, golden tapioca, lobster velvet [6/10]

Wir heben den kleinen Porzellandeckel und finden darunter dünn aufgeschnittenen Tintenfisch, dekoriert mit gelben Tapioca Kügelchen. Der Tintenfisch ist ein Tick zu gummig, die Tapioca Perlen haben zwar einen würzigen Geschmack, sind beim zerbeissen aber überhaupt kein Genuss – da sie nicht wie Kaviar zerplatzen, sondern an den Zähnen kleben. Auf voller Linie überzeugt dann aber der aromatische Lobster. Dieser liegt unter der restlichen Komposition und ist von sehr hoher Qualität.

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Brot

Als kleiner Zwischengang wird uns Brot, etwas Salz und Butter serviert. Wir haben dabei die Wahl aus vier verschiedenen Broten, welche aus einer externen Bäckerei stammen. Diese sind zwar alle in Ordnung, vermögen aber unsere Sehnsucht nach Brot aus der fernen Heimat nicht zu stillen.

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Roasted partridge breast, steamed truffle brioche, confit egg yolk, new season white walnuts, fumet of Vin Jaune [8/10]

Das Rebhuhn ist nicht nur perfekt medium gebraten, sondern hat auch ein charaktervolles Aroma, welches mit den restlichen Akteuren auf dem Teller kombiniert, zu Höhenflügen ansetzt. Da wären zum Beispiel die weissen Walnüsse, die nicht nur geschmacklich harmonieren, sondern auch für den zusätzlichen Crunch-Effekt sorgen. Den Glanzpunkt setzt aber das atemberaubende Brioche, dessen perfekt dosierte Trüffelaroma, im Einklang mit dem Vogel steht. Ein rundum starker Gang – genau wegen solchen Gerichten sind wir hierher gekommen.

Ebenfalls freuen wir uns, dass man jetzt anscheinend endlich, ein gutes Timing beim servieren der Speisen gefunden hat.

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Zu früh gefreut, die Küche schickt die Teller anscheinend völlig willkürlich. Denn jetzt gibt es wieder nur eine kurze Pause von nicht einmal 10 Minuten, bevor uns diese geräucherte Schweinebacke serviert wird.

Smoked and confit pig cheek, shiitake, shaved scallop, Jerusalem artichoke leaves, juniper, bay [6/10]

Das Fleisch ist fettig und entsprechend intensiv im Aroma. Das Fett ist aber nicht unangenehm zu essen, sondern vergeht förmlich auf der Zunge und gibt so seinen ganzen Goût ab. Die dünnen Scheiben von der Jakobsmuschel, welche mit der Schweinebacke kombiniert werden, gefallen uns zuerst nicht, erst nach und nach bildet sich die Symbiose zwischen den beiden konträren Produkten. Die knusprigen Artischocken sorgen für eine weitere Textur, können das Gericht aber geschmacklich nicht bereichern. Unter dem Strich ein sehr gutes Gericht, dass uns aber bei weitem nicht gleich stark fasziniert wie das Vorhergehende.

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Pasture raised milk fed veal, poached in smoked bone marrow fat, shiitake mushrooms, raw buckwheat, young orach, parsnip [6/10]

Wir freuten uns auf eine intensive Sauce beim Hauptgang, doch hier dominiert vor allem der Shiitake Pilz, welcher auch schon beim vorherigen Gericht präsent war. Das Ganze ist als kleiner Turm aufgebaut, bei dem sich das Fleisch und der Pilz jeweils in einer dünnen Scheibe abwechseln. Uns gefällt diese japanisch anmutende Komposition sehr gut. Es handelt sich hier um ein sehr leichtes Gericht, welches Dank dem extrem zarten Kalbsfleisch, sehr genussvoll zu essen ist. Trotzdem ist auch dieser Teller alles andere als eine Geschmacksbombe und sicher nichts, was uns lange in Erinnerung bleiben wird.

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Guava Snow Egg [8/10]

Das Snow Egg ist ein Signature Dish von Peter Gilmore. Seit 5 Jahren steht es ununterbrochen auf seiner Karte. Die Präsentation ist sehr anmutend. Wir werden aufgefordert, die Eierschale mit dem Löffel aufzubrechen. Nachdem das Ei zuerst einen überraschend starken Wiederstand gibt, ist ein wunderbares Knacken zu hören und wir erhalten einen Blick auf das Innenleben. Dieses erinnert uns an Amador’s Dessert mit Rieslingsschaum. Die knusprige Caramel-Schale ist süchtig machend, der Inhalt fruchtig leicht. Und so ist das Snow Egg das beste Dessert auf unserer Australienreise. Schade nur, dass das Eis mit Pfirsicharoma, welches das Ei umgibt, zu eisig und zudem masslos überdimensioniert ist.

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Quay’s Eight texture chocolate cake [6/10]

Während das Menu bis hierhin sehr leicht war (mit Tendenz zu etwas gar kleinen Portionen), wird das Ganze mit diesem Schokoladenkuchen in’s Gegenteil gedreht. Der Schoko Cake wird in sieben Texturen serviert. Etwas crumble, Canache und noch dünne Schokoladenschichten. Die achte Textur wird vom Servicemitarbeiter direkt am Tisch, in Form von heisser Schokolade, über den Kuchen gegossen. Dabei bildet sich in der Mitte eine kleine Einbuchtung und fällt dort leicht zusammen – schön inszeniert.

Das Dessert ist, wie man es sich vorstellen kann, extrem wuchtig. Die verschiedenen Texturen machen zwar Spass, der Schokoladengeschmack ist aber spätestens nach dem viertel Löffel zu viel des Guten und man kämpft… oder lässt den letzten Drittel liegen. An dieser Stelle können wir zwar niemandem einen Vorwurf machen – schliesslich haben wir dieses Dessert explizit verlangt – auf die vielen Lobeshymnen auf diese Nachspeise können wir aber nicht einstimmen. So spielt der konzeptionell vergleichbare Schokoladencake von Heston Blumenthal in einer ganz anderen Liga. Zudem hat man dort auch die richtige Balance gefunden, damit das Dessert bis zum letzten Bissen ein Genuss bleibt und nicht zu mastig wird.

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Friandises [7/10]

Zum Abschluss werden uns noch zwei sehr feine Pralinen serviert. Beide waren von erster Güte und ein grosser Genuss. Die Auswahl, in Relation zum sehr hohen Menüpreis, ist aber etwas gar knausrig.

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Fazit: Das ‚Quay‘ war das beste Restaurant auf unserer Australienreise. So klar, wie wir uns das im Voraus vorgestellt hatten, war dieser Entscheid aber nicht. Die Gerichte hier waren zwar allesamt sehr aufwendig zubereitet, doch geschmacklich blieben einige klar hinter den Erwartungen zurück. Da fast alle Speisen seit Monaten oder gar Jahren auf der Karte stehen, hätten wir mehr Ausgereiftheit und Genialität erwartet.

Die Aussicht war, wie eingangs erwähnt, traumhaft. Das kann man vom Restaurant Ambiente leider nicht behaupten. Das ‚Quay‘ ist kein gemütliches Restaurant. Denn was sich bereits bei der Reservation abzeichnete, zog sich auch im Restaurant durch. Das Service-Team versucht zwar auf hohem Niveau zu arbeiten, schafft das aber nicht. Das liegt nicht nur an der eher gekünstelt steifen Art, sondern auch an den unerwartet vielen Fauxpas, die wir auf diesem Niveau zuvor noch nie angetroffen haben. An der Spitze steht ganz klar die willkürlichen Wartezeiten zwischen den einzelnen Gängen. Einmal sechs Minuten, dann Zwölf dann wieder nur Neun – diese Pausen waren zum Teil so kurz, dass man das Gefühl hatte, dass die Mitarbeiter früher Feierabend machen wollten.

Aber es gab auch andere Ungereimtheiten. Das begann bei den vier Apéritiv-Karten für fünf Personen (das wurde nicht einmal korrigiert), von falsch aufgetragenen Speisen bis hin zu der Situation, dass uns ein Kellner einen Gang avancieren wollte, aber vergass um was es sich auf dem Teller handelte und zuerst nochmals nachfragen musste. Ebenfalls ungewohnt: oft wurden die Speisen von nur einer Person servierten und so standen die Teller nicht miteinander auf dem Tisch, sondern jeweils mit Verzögerung – in einem normalen Restaurant wäre das nicht weiter schlimm – vielleicht würde ein Mitarbeiter das auch mit der nötigen Prise Humor abtun. Doch da man dabei eher distanziert und kühl auftritt, wirkt das überhaupt nicht professionell. Hier fehlt es offensichtlich an einem guten Maître, der dem ‚Quay‘ eine Seele gibt und die Mitarbeiter richtig schult und begeistert. Da könnte sich das ganze Team auch eine Scheibe beim gegenüberliegenden Bistro ‚baroque‚ abschneiden.

Peter Gilmore zeigte sich übrigens den ganzen Abend nicht im Restaurant. Als wir nach dem Hauptgang vor dem Lokal standen um frische Luft zu schnappen, huschte er wortlos an uns vorbei, stieg in seinen mossgrünen Jaguar und brauste in die dunkle Nacht –  dies bereits um 22.00 Uhr – zu der Zeit wo einige Gäste noch nicht einmal die Hauptspeise vor sich hatten.

Bis zu 150 Gäste, ein zeitlich hastiges und unkoordiniertes Menü, viele Fehler und das von einem unpersönlichen Service und dazu ein Chef der bereits die Küche verlässt wenn Gäste noch nicht einmal den Hauptgang haben – für uns sieht das nicht nach einem begeisterten Team aus, sondern wirkt viel zu routiniert und als hätte man es nicht mehr nötig. Vielleicht ist das auch der Grund, warum viele Gerichte zwar aussehen wie aus dem Bilderbuch, aber geschmacklich grosses Potential nach oben haben. Wir können das ‚Quay‘, bei Anbetracht des hohen Preises, nicht weiterempfehlen.

Menü: Man wählt das vorgegebene 8 Gänge Tasting Menü zu 220 AUD oder man stellt sich aus je vier verschiedenen Speisen ein eigenes 4 Gänge Menü zu 165 AUD zusammen. Dazu serviert man ein Amuse Bouche, ein kleiner Zwichengang der aus Brot besteht, sowie zwei Pralinen als Friandises. Die Speisen auf der Karte wechseln nur selten. Das Essen dauerte kurze 3 Stunden.

Wein: Neben der grossen Weinkarte werden auch zwei Weinbegleitungen angeboten. Die Klassische kostet 95 AUD, die Premium 175 AUD – das für je 8 Gläser.

Unsere Weinbegleitung war gut, doch Australien hat viel, viel mehr zu bieten.

2009 Moorilla ‚Muse‘ Riesling, Tasmania
2010 Krinklewood Chardonnay, Hunter Valley, New South Wales
2009 Bella Ridge Chenin Blanc, Swan Valley, Western Australia
2010 Thick as Thieves ‚Pocco Rosso‘ Nebbiolo, Upper Yarra Valley, Victoria
2010 Roblin ‚Origine‘ Sancerre Rosé, Loire Valley, France
2010 Caillard Mataro, Barossa Valley, South Australia
2010 Charles Hours ‚Clos Uroulat‘, Jurançon, France
NV Campbells Classic Popaque, Rutherglen, Victoria

Online: Die Internetseite ist vorbildlich. Gut strukturiert, schöne Optik und aktuell.

Tipps: Reservationen werden nur bis zu 6 Monate im Voraus entgegen genommen

Wertung: Gourmör

(Besucht im August 2012)

Nu Nu in Palm Cove (Australien)

Nach einer Woche im kargen Australischen Outback, sind wir an der tropischen Ostküste angekommen. Wir haben zwar auch die letzten Tage überraschend gut gegessen, freuen uns aber sehr auf ein mehrgängiges Menü im Restaurant ‚Nu Nu‘ – das zweite Restaurant welches wir bereits im Voraus gebucht haben.

Das Restaurant liegt in Palm Cove, 20 Autominuten nördlich von Cairns. An der 900 Meter langen Meerpromenade im kleinen Örtchen, steht ein Restaurant nach dem anderen. Die vielen eleganten Lokale wirken einladend und die meistens weiss gedeckten Tische lassen auf ein mehrheitlich eher wohlhabendes Klientel schliessen.

Wir finden „unser“ Restaurant erst beim zweiten Anlauf. Neben den anderen Lokalen wirkt das ‚Nu Nu‘ eher unscheinbar und wegen dem Zelteingang samt Reissverschluss nicht gerade einladend. Wären wir zufällig hier und wüssten nicht, dass hier Nick Holloway auf hohem Niveua kocht, hätten wir uns wohl für ein anderes Restaurant entschieden. Aber zum Glück gibt es auch im Guide Michelin freien Australien Restaurant-Führer die bei der Restaurant-Auswahl helfen.

Auch beim Betreten des Restaurants brechen wir nicht in Begeisterungsstürme aus. Der augenfällige Papierbaum ist zwar gekonnt ins Restaurant integriert und die vereinzelten Sofas wirken gemütlich, doch die kleinen weissen Plastiktischchen – welche für grössere Gruppen zusammengeschoben werden – versprühen eher den Charme einer Gartenparty. Dazu kommt, dass das ‚Nu Nu‘ die Restaurationsfläche mit drei weiteren, von einander unabhängigen, Restaurants teilt. Lediglich eine transparente Plastikwand trennt die drei Bereiche voneinander. Im Sommer werden die Wände abgebaut und man sitzt den ganzen Abend „draussen“ während die Meeresbriese durchs Haar weht. Jetzt im Australischen Winter, bei 26 Grad Tagestemperatur, wirkt das Ganze aber sehr ungewohnt.

Ganz hinten im Restaurant finden wir einen Tisch in einem modernen Setting. Gäste wurden dort aber nicht platziert.

Zum Glück sind wir nicht wegen der Atmosphäre hier, sondern des Essens wegen. Die Auswahl wird uns sogleich vom charmanten Servicemitarbeiter in einem schlichten Menü-Kärtchen vorgelegt. Darauf finden wir neben einer interessante à la carte Auswahl auch ein 5 und ein 8 gängiges Überraschungsmenü. Die ganze Tischgesellschaft muss dabei das gleich grosse Menü bestellen.

Da wir von der Küche möglichst viel sehen möchten, ordern wir das grosse Menü und erhalten gleich danach etwas zu knabern.

Brot

Dieses spezielle Brot, oder besser gesagt Fladenbrot, ist nicht mit Teig gefüllt sondern mit heisser Luft. Sobald man eine Ecken heraus reisst, fällt es in sich zusammen. Uns gefällt die Wärme und die erfischenden Aromen welche auf dem Teig thronen.

Zum Glück erhalten wir etwas später noch einen Zweiten welcher die lange Wartezeit (30 Minuten!) auf den ersten Gang überbrückt.

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„Geschmack aus dem Paradies“ & dünn geschnittenes lokales Palmherz, Melone, Limette, Kräuter und Chilli {7/10}

Der erste Gang wird auf zwei Tellern präsentiert. Auf dem Einen liegen dünne Streifen vom Palmherz und der Melone. Die Kombination stellt hohe Ansprüche an den Gaumen, denn die Aromen sind sehr subtil – vor allem um den Geschmack des Palmherzes zu erleben braucht es Konzentration – und ein leeres Weinglas.

Alles andere als subtil schmeckt der zweite Bestandteil von diesem Menüauftakt. Uns wird dieser als „Spaziergang durch Thailand“ annonciert. Wir legen das Blatt auf die Zunge und staunen. Bei jedem Bissen verändert sich der Goût im Mund gänzlich. So schmecken wir die Schärfe, die Süsse und sogar etwas fischiges. Im Abgang wird der Gaumen von etwas Curry und Zironengrass gekitzelt. Sehr überzeugend und extrem spannend.

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Eingelete Fische mit Safran, Orange Baby-Lauch {5/10}

Der nächste Teller führt uns ans Meer. Vor uns liegen diverse Meeresfrüchte. Ein netter Gang mit leichten Aromen und einer stimmungsvollen Präsentation.

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Knusprige Pazifische Austern mit handgerollten Grüntee Nudeln, Qualle, Sesam und Ingwer Caramel {6/10}

Ein weitereres sehr überzeugendes Gericht bei dem nicht nur die schön knusprigen Austern gefallen, sondern auch die al dente gekochten Nudeln. Lediglich das Grüntee-Aroma vermissen wir.

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Red Emperor mit Ricotta Dumplings, Tomatenessenz, Fenchel, knuspriges Salbei und Zitrone {6/10}

Der mächte und knallrote „Red Emperor“-Fisch ist uns schon beim lokalen Fischhändler aufgefallen. Nun liegt ein solches Stück auf unserem Teller. Das Fleisch hat einen kräftigen Biss der von der Konsistenz an den Seeteufel erinnert. Nick Hollowaydas Brigade schafft es den hochwertigen Fisch unverfremdet in den Vordergrund zu stellen. Lediglich ein Salbeiblatt rundet das Aroma ab. Ebenfalls sehr lecker sind die feinen Ricotta Dumblings.

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Mit Orange und Honig gebratene Ente, gepresster Schenkel, Kichererbsen, Petersiliensalat und mit Rosen parfümierte Sauce {6/10}

Das Entenfleisch ist sehr charaktervoll, die süssen Komponenten, der passende Begleiter. Am besten gefällt uns, der zu einer Kugel gepresste Schenkel mit seinen originellen, orientalischen Gewürzen. Wiederum ein sehr stimmungsvolles Gericht!

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Lamm aus Victoria mit braunen Sprossenblättern, Kräuter Sauce, kandierter Serrano-Schinken, Knoblauch-Pudding, knuspriges Hirn und eingelegte Sardellen {6/10}

Das am Knochen servierte Lammfleisch ist zart und fein im Geschmack. Das Highlight auf dem Teller ist die Knoblauch-Crème – super in der Konsistenz, wohl dosiert im Aroma. Zu guter Letzt liegt noch etwas frittiertes auf dem Teller, bei dem wir uns nicht sicher sind um was es sich handelt. Ein Pilz? Als wir beim Kellner nachfragen antwortet er nüchtern mit „Brain“ – nun ja, schmecken tut es.

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Käse

Der Weichkäse (Herkunft leider nicht notiert) wird von Nüssen, Gurken und knusprig-buttrigem Brotscheiben begleitet. Das Ganze geht knapp in Ordnung, wirklich ambitioniert ist dieser Käseteller aber nicht.

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Soufflé von der gebratenen Banane mit Kokosnuss Zucker Caramel, Bananen-Twinkie und Kokosnuss Sorbet {6/10}

Das köstliches Soufflé fasziniert uns auf Anhieb. Auch an dem erfrischenden Sorbet von der Kokosnuss erfreuen wir uns. Das „Twinkie“ ist dagegen etwas gar mastig und passt deshalb nicht in dieses sonst eher leichte Menü. Trotzdem ein schöner Abschluss.

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Fazit: Die 30-minütige Wartezeit zum Menüauftakt war klar zu lange. Danach schickte die Küche aber in einem angenehmen Tempo, ein überzeugender Gang nach dem anderen. Durchhänger sucht man zum Glück vergebens.

Im Sommer ist das ‚Nu Nu‘ bestimmt ein charmantes Restaurant. Im Winter verspüht es eher den Charme eines edlen Festzelts. Dass wir hier trotzdem sofort wieder zurückkehren würden, liegt sowohl am netten Service als auch an dem wunderschönen, asiatisch angehauchten Menü. Die Speisen sind sehr fantasievoll und harmonisch. Man spürt bei jedem Gericht, dass die Küchencrew um Nick Holloway mit viel Motivation am Herd steht. Wer in Cairns oder nördlicher Umgebung Ferien macht, sollte einen Abstecher nach Palm Cove machen.

Menü: Neben dem Überraschungs-Tasting-Menü (welches aus à la carte Gerichten zusammengestellt wird) zu 135 $ (8 Gänge) respektive 95 $ (5 Gänge) werden auch einige Gerichte à la carte angeboten. Vorspeisen kosten ca. 27 $ / Hauptgänge zwischen 45 und 70 $ – zusätzliche Beilagen zwischen 4 – 14 $ – und die Desserts im Schnitt 19 $. Das Essen dauerte 3 3/4 Stunden und hatte – nach der anfänglich langen Wartezeit, ein angenehmes Tempo.

Wein: Neben der kleinen Weinkarte steht auch eine Weinbegleitung zur Auswahl. Die Begleitung zum 8 Gänge – Menü kostet 80 $, die mit 5 Gläser wird mit 60 $ verrechnet.

Online: Die Flash basierte Internetseite ist schön. Darauf findet man einige Bilder sowie das aktuelle Menü.

Wertung: Gourmör

(Besucht im Juli 2012)

Annex in Weggis

Des öfteren bekommt man den Ratschlag Restaurants mit Seesicht meiden, denn dort werde schlecht gekocht da die Gäste wegen der Aussicht sowieso kommen. Etwas Wahres hat die Aussage zwar dran, selbstverständlich gibt es aber auch viele Lokale bei denen die servierten Speisen der Aussicht in nichts nahe stehen.

Das Restaurant ‚Annex‘ steht an einer solch exponierten Seesicht-Lage. Als Gourmetrestaurant des 5 Sterne Hotels „Park Weggis“ (zum Hotel-Bericht) zählt es seit langem zu den besten Adressen der Region. Auch die Fachpresse lobt die asiatisch-mediterrane Küche von Renee Rischmeyer und seiner vierköpfigen Brigade seit Jahren in höchsten Tönen. Wir besuchten das Hotel vor ein paar Wochen auf unserer Sternensuche und studierten bei einem Espresse die Speisekarte. Diese war so vielversprechend geschrieben, dass wir umgehend einen Tisch reservierten.

Im Juni war es dann so weit. Das Quecksilber klettert an diesem Tag erstmals in diesem Jahr auf 28 Grad und da die angekündigten Gewitterwolken fern bleiben, deckt die ‚Annex‘-Crew auf der Terrasse auf. Unter weissen Sonnenschirmen und mit einem etwas eingeschränkten Blick auf den See, geniessen wir einen erfrischenden Apéro. Der Service zieht uns von Beginn weg in seinen Bann. Das Team um Simone Bohner schafft die perfekte Balance zwischen Professionalität und einem unkompliziertem Umgang.

Dem Gast stehen zwei 9 Gänge Menüs zur Auswahl. Daraus kann jeder am Tisch sein eigenes Menü zusammenstellen. Dazu wählt man zwischen 4 bis 9 Speisen. Praktisch, die Küche staffelt die Gänge so, dass die Speiseabfolge Sinn macht und, dass die Gänge, welche von der ganzen Tischgesellschaft ausgesucht wurden, auch zusammen serviert werden. Übrigens: Da es extrem schwierig ist, sich für seine Gerichte zu entscheiden, empiehlt es sich im Voraus das Menü zu studieren. Dieses findet man immer aktuell auf der Hotel-Homepage.

Während wir noch unsere 9 Gänge aussuchen, serviert man uns die Apérohäppchen und annoncierte sie uns als:

Kaninchen Variation [5/10]

Wir starten mit dem gebratenen Filet auf Mozarellacreme – die Komposition ist sehr geschmacksvoll und gefällt uns sehr. Als nächstes geniessen wir das knusprige Cornet welches mit gut abgeschmecktem Kaninchentatar gefüllt ist. Der Kaninchen-Spiess geriet wegen dem Weissbrot zu trocken, einzig der Frühlingslauch gab eine gewiss Frische.

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Brot

Acht verschiedene, hausgemachte Brote werden uns als nächstes auf den Tisch gestellt. Die Brötchen sind tadellos, jedoch geschmacklich etwas zurückhaltend – lediglich das Speckbrot kann uns uneingeschränkt begeistern. Dafür können wir uns an den Aufstrichen nicht satt essen. Vor allem der mit Bärlauch verfeinerte Hüttenkäse trumpfte auf. Aber auch die spannende Erdbeer / Rhabarber Kombination gefällt uns ausgesprochen.

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Nun tritt Sommelier Martin Kern an unseren Tisch. Der gebürtige Österreicher ist Herr über 2’600 Weinpositionen; ein Schweizer Rekord, keine Weinkarte ist hierzulande grösser, kein Weinkeller beherbergt mehr Flaschen (ca. 53’000). Martin Kern ist äusserst sympathisch und ein wahrer Profi. Während alle Gäste um uns herum ganze Flaschen bestellen, beauftragen wir Kern uns eine Weinbegleitung zusammen zu stellen. Dies freut ihn sichtlich. Mit einem Lächeln auf den Lippen verschwindet er im Keller und stellt uns danach die passendste Weinbegleitung zusammen die wir jemals hatten.

Zum nun servierten Amuse kredenzt er uns einen wunderbaren Petite Arvine aus dem Wallis.

Nordseekrabben auf Kartoffel-Kresse-Stampf und Sake-Rührei [-/10]

Der Gruss aus der Küche ist eine Hommage an Renee Rischmeyers Heimat, hoch im Norden von Deutschland. Uns gefällt zwar die konzeptionellen Zusammensetzung, geschmacklich will das Gericht aber nicht überzeugen. Die Kresse ist zu überproportioniert, die Krabben zu zurückhaltend im Geschmack und das Rührei zu fad. Etwas konsterniert nehmen wir den letzten Schluck Weisswein und hoffen auf geschmacklich überzeugendere Gänge.

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Lauwarmes Langustinen-Carpaccio auf Kokos, Wakame, Mango und Wasabi [9/10]

Die Hoffnung erfüllt sich sogleich, denn mit dem Langustinen-Carpaccio wird das Highlight des Abends serviert. Die Optik ist extrem detailliert, das Geschmacksbild unbeschreiblich vielfältig. Zuerst schmeckt man das feine Krustentier. Danach wird der Gaumen von einem leichten Kokosnussgeschmack eingehüllt, bevor dann eine dezente Sojanote für einen zusätzlichen Akzent sorgt. Eine weitere Offenbarung ist die reife Mango welche in einer dünnen Scheibe auf dem Gericht liegt. Um den süssen Komponenten einen Gegenpol zu geben, setzt Rischmeyer zwei Nocken Kaviar auf das Gericht und lässt vom Service Team frischen Wasabi über den Teller raffeln. Dieser Gang ist extrem facettenreich und geschmacksintensiv. Ein Gericht bei dem man auf Aroma Entdeckungsreise gehen kann – absolut genial!

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Hummerrücken an Avocado, Wassermelone, Rucola, Olive und Holunderblüte [5/10]

Nun geniesst der europäische Hummer unsere Aufmerksamkeit. Vom Krustentier gibt es den Rücken sowie dessen mehlige Schere. Diese Komposition kann mit dem vorhergehenden Teller nicht mithalten. Das grosse Manko ist die überproportionierte Wassermelone welche das ganze Gericht zu stark dominiert. Dabei müssen die drei Variationen vom Ruccola geschmacklich genau so kapitulieren, wie der Holunderblütenschaum. Die Melone separiert gegessen, machte dank dem tollen Röstaroma (die Melone wird durch das Braten leicht caramelisiert) richtig Spass.

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Mittlerweile wurde es dunkel auf der Terrasse. Der warme Sommerabend ist zwar zum geniessen schön, doch die aufwendig angerichteten Speisen verschwinden in der Dunkelheit. Da helfen auch die brennenden Fackeln nichts. Und so bitten wir um einen Tisch im Restaurant um dort das restliche Menü zu geniessen. Die Inneneinrichtung gefällt uns sehr gut. Rot- und Weisstöne dominieren, punktuell kommen goldene Elemente zum Einsatz. Wir werden an einen Tisch an der Fensterfront geführt, von hier haben wir eine wunderschöne Aussicht auf den Vierwaldstättersee.

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Zunge und Milken an neuen Kartoffeln mit flüssigem Eigelb und Parmesan [8/10]

Auch hier kann man sich an den diversen tollen Geschmackskombinationen nicht satt essen. Es passt einfach alles zusammen. Die Zunge und Milken sind perfekt zubereitet und deren tollen Eigengeschmack passen wunderbar zum Eigelb und vor allem zum rezenten Parmesan – ein Traum. Abgerundet wird das Gericht durch einen schönen Kalbsjus sowie einem tollen Kartoffelpüree!

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Wagyu-Entrecôte an asiatischem Gemüse und Mais [7/10]

Ein Japanischer, sehr subtiler Gang mit edlem Wagyu-Fleisch wird uns als nächstes serviert. Das Fleisch wurde nicht gebraten sondern nur leicht gegart. Rischmeyer verzichtet dabei auf Salz und Pfeffer und stellt somit das intensive Eigenaroma des Wagyu in den Vordergrund. Das mit Fett marmorierte Fleisch ist sehr Geschmacksintensiv, die Shitakeessenz ein Idealer, zurückhaltender Begleiter.

Der Gegenpol zum Fleisch bildet das asiatische Gemüse mit Mais. Auch diese Komposition passt hervorragend, ohne vom Wagyu abzulenken. Einziger Wehmutstropfen ist der sehr hohe Kauaufwand beim Fleisch, da die dünnen Fettstreifen wegen der sanften Zubereitungsmethode noch recht kompakt sind.

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Gebratene Entenstopfleber mit Erbsen, Passionsfrucht und Brunnenkresse [6/10]

Die Leber ist kross gebraten, die Erbsen und das Passionsfrucht-Eis passen sehr gut dazu. Trotz des eher schweren Hauptakteurs, ist dies ein recht erfrischender Gang und bietet, auch Dank des Entenleberjus, wiederum ein rundes, stimmiges Geschmacksbild. Lediglich die Sehne in der Leber trübt etwas unsere Freude.

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Sashimi vom Gelbflossen Thunfisch auf Passionsfruchtrisotto mit Pistazie, Basilikum, Tomate und Sepiolini [8/10]

Und gleich noch einmal Passionsfrucht – der Nachteil wenn man zwischen zwei Menüs jonglieren kann. Stören tut uns das aber reichlich wenig, denn auch dieses fruchtige Risotto ist eine Wucht. Die ‚Annex‘-Crew beweist bei der Passionsfrucht-Dosierung ein hervorragendes Händchen. Auch für den wunderbaren Tunfisch gibt es nur lobende Worte. Wie auch für die tollen Tomaten und den Basilikum. Zu guter Letzt soll auch die subtil gewürzte, wunderbar zarte Sepiolini erwähnt werden.

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Steinbuttfilet an Broccoli, Mandeln und Spanferkelbauchwürfel [8/10]

Fisch und Spanferkel? Beim Bestellen hatten wir noch unsere Zweifel. Der jetzt servierte Teller macht aber im höchsten Masse Spass. Die Kombination der beiden konträren Produkte bekommt von uns uneingeschränktes Lob. Der edle Fisch ist perfekt zubereitet und verfügt über den bekannten, leicht nussigen Eigengeschmack. Auf dem Fisch sorgen winzige Würfel vom Schweinebauch, leicht gehackte Tandorie Mandeln und ausgebackene Schweineschwarten für den knusprigen Biss – ohne den Steinbutt zu verfremden. Die Sauce, auf dem der Steinbutt gebettet ist, stammt ebenfalls vom Spanferkel und passt unerwartet toll zum Fisch. Einzig die etwas gar trockenen Schweinebauchwürfel geben Grund zur Kritik. Dies macht aber das süchtig machende Mandelpüree locker wieder wett.

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Salzwiesen Lammrücken mit Kichererbsen, Zuckerschoten, Aubergine, Tandoori und schwarzem Knoblauch [7/10]

Zwei grosszügige Stücke vom Walisischen Salzwiesenlamm liegen auf dem nächsten Teller. Die Sauce (Lamm-Asia-Jus) ist auch hier sehr gut auf das Fleisch abgestimmt. Das Lamm ist zart. Auch das Drumherum kann uns wiederum überzeugen. Besonders auftrumpfen kann, neben dem rassigen Ziegenkäse, der schwarze Knoblauch. Geschmacklich sehr ähnlich wie die bekannte weisse Knolle, nur mit dem grossen Vorteil, dass man hier keinen störenden Nachgeschmack hat. Kaum hat man den geleeartigen Knoblauch runtergeschluckt, verflüchtigt sich das Aroma langsam.

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Spielerei von Kaffee und Banane mit Valrhona Schokolade [8/10]

Das Dessert wird in zwei Gängen serviert. Der Anfang macht eine Tasse, gefüllt mit Milchschaum. Darunter liegt ein Mousse von der Valrhona Abinao Schokolade, unter weissem Kaffeeeis, sowie ein Bananen Sud. Am Tisch wird das Ganze mit einem Kaffeelikör übergossen. Dieses löffelt man dann genüsslich aus. Die Komposition erinnert stark an einen Eiskaffee „deluxe“ und machte auch dank der Kombination aus kalt und warm richtig Spass.

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Der zweite Teil des finalen Abschluss wird sehr modern interpretiert. Hier gibt es wiederum ein Zusammenspiel zwischen Schokolade, Kaffee und Banane, was schon von den Grundgeschmäckern sehr gut funktioniert. Die Basis bildet ein Kaffegelée welches sich wie ein Teppich unter das ganze Dessert legt. Dazu gibt es eine Bananencrème, frische Bananenbalken, Schokoladen-Kaffeemousse, Bananen-Stampf, Bananen-Canache-Würfel, Passionsfruchtsauce, Chips von der Kochbanane und frische Bananenscheiben. Das absolute Highlight ist das weisse Kaffeeparfait, gefüllt mit Kaffeereduktion und Haselnuss, welches in der Tellermitte thront – ein Traum.

Uns hat dieses Facettenreiche und aufwendig zubereitete Dessert begeistert. Der erst 21 jährige Pâtissier René Müller macht einen tollen Job!

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Friandises [7/10]

Zum Abschluss gibt es noch eine schöne Sammlung von diversen Küchlein und Pralinen. Vor allem die fruchtigen Komponenten gefallen uns sehr gut. Einzig das etwas schlaffe Cornet mit dem pfeffrigen Tomateneis, hätte viel besser zum Menüauftakt gepasst als nun zu diesen süssen Häppchen.

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Fazit: Wie eingangs erwähnt, gibt es Restaurants die kulinarisch mit einer schönen Aussicht mithalten können. Das ‚Annex‘ steht eine Stufe höher und begeistert seine Gäste in so hohem Masse, dass man die Aussicht spätestens nach dem ersten Gang vergessen hat. Das Gebotene auf dem Teller ist um ein mehrfaches faszinierender als jeder See.

Heutzutage ist es en vogue wenn Köche zwei, maximum drei verschiedene Geschmackskomponente auf dem Teller vereinen. Ganz anders macht es Renee Rischmeyer. Seine Kompositionen bestehen aus einer Vielzahl verschiedener Geschmäckern und Komponenten. Dass die Kombinationen im Gaumen nicht wirr wirken, sondern sich zu einem wunderschönen Geschmacksbild zusammenfügen, zeugt vom  grossen Talent des Hamburger Spitzenkochs und seiner Brigade.

Dabei ist beeindruckend, dass es neben dem jeweiligen Hauptakteur, auf dem restlichen Teller noch so viel zu entdecken gibt. Dabei wird kein Aufwand gescheut. Die Gerichte sind sehr aufwendig und fantasievoll umgesetzt.

Die Speisen werden in einem stilvollen Ambiente serviert. Ob draussen auf der lauschigen Terrasse oder im sehr gemütlichen Restaurant, hier lässt es sich sehr genussvoll tafeln. Dazu trägt auch der starke Service bei.

Einzig die Grössen der Portionen sollte man zwingend anpassen. Das volle Menü schafft man fast nicht. Und so hatten wir nach den neun Gängen viel zu viel gegessen. Damit das Menü, mit den aktuellen Portionen, bis zum Schluss ein Genuss bleibt, sollte man sich als Gast auf maximum 7 Gänge festlegen. Vielleicht schafft man es dann auch noch zeitlich in die ‚LALIQUE Caviar Bar‘ um neben den Piano Klängen, eine Zigarre zu geniessen – diese war um viertel vor zwei leider bereits geschlossen. Zum Glück hatte der freundliche Nachtportier Mitleid mit uns und liess uns die Zigarre doch noch in den gemütlichen Ledersässeln geniessen.

Das ‚Annex‘ ist ein Top-Restaurant und verdient klar unsere hohe 8ö Wertung! Dank der angenehmen Atmosphäre und den zugänglichen Speisen, eignet sich das ‚Annex‘ auch für weniger versierte Gourmets. Dabei lohnt sich auch eine längere Anreise. Peter Kämpfer, Hoteldirektor des Park Weggis, darf Stolz auf sein ‚Annex‘ sein. Restaurants mit einem solchen Service, Ambiente und kulinarischen Höhenflüge sind rar.

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Wein: 5 Sterne Hotels und faire Weinpreise sind an vielen Orten ein Wiederspruch. Ganz anders hier im ‚Park Weggis‘. Viele Weine kann man im ‚Annex‘ günstiger geniessen als wenn man sie in der hoteleigenen Weinhandlung bezieht. Die Händler-Preisliste wird nämlich laufend an die weltweiten Marktpreise angepasst, während man die Preise auf der Restaurantkarte unangetastet lässt.

Weinliebhaber werden beim durchstöbern der 2’600 Weinpositionen ins Staunen kommen. Uns bot Sommelier Martin Kern eine aufs Menü abgestimmte Weinbegleitung an. Die Auswahl war ausgezeichnet und die Beste die wir je hatten.

Die Weinbegleitung für 113 Franken:

Petite Arvine 2009 – Gerald Clavien, Wallis – Schweiz
Chassagne-Montrachet 2008 – Niellon Michel, Burgund Frankreich
Grüner Veltliner Loibner Berg Smaragd 2008 – F.X. Pichler, Wachau – Österreich
Châteauneuf-du-Pape Blanc 2011 – Holos de Jupiter, Rhône – Frankreich
Gewürztraminer Vendange Tardive 2002 – Josmeyer, Elsass – Frankreich
Carbonnieux Blanc 2008 – Bordeaux – Frankreich
Nuits St. Georges 2007 – David Duband, Burgund – Frankreich
Syrah „Case Via“ 2006 – Fontodi, Toskana – Italien
Lustau Pedro Ximenez Murillo Centenary Selection, Jerez – Spanien
Beerenauslese Cuvée 2008, Kracher – Österreich

Online: Das „Park Weggis“ hat zwar einen schönen Internetauftritt, gönnt seinem Vorzeigerestaurant ‚Annex‘ aber leider keine eigene Homepage. Dies müsste man zwingend nachholen. Immerhin findet man schon jetzt die aktuelle Speise- und Weinkarte auf der Internetseite.

Wertung: Goumör / Michelin / Gault-Millau

Sonderauszeichnung:   _ Hier findet ihr eine Cigarren-Lounge

(Besucht im Juni 2012)