The Harwood Arms, London (GB)

In London gibt es einige Pubs in denen man fernab von „Fish and Chips“ sehr gut essen kann. Das ‚The Harwood Arms‘ ist jedoch das Einzige in der acht Millionen Metropole welches mit einem Michelin Stern ausgezeichnet ist. Das Pub erreicht man am besten mit der U-Bahn (Fulham Broadway) und von dort mit einem kurzer Fussmarsch.

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Das Lokal ist im Besitz von zwei Köchen. Zum einen Brett Graham, Koch im zwei Sterne Restaurant The Ledbury und zum anderen von Mike Robinson der seit Jahren ausserhalb von London das Pub The Pot Kiln führt. Die Beiden betreuen das Pub nicht nur, sondern beliefern die Küchencrew auch mit besonderen Produkten. So ist Robinson passionierter Jäger und bringt die besten Fleischstücke ins ‚The Harwood Arms‘. Doch auch sonst verfügt das Restaurant über beste saisonale Zutaten aus der Umgebung oder zumindest aus England.

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Der Erfolg des ‚The Harwood Arms‘ gebührt aber zu einem Grossteil Stevey Williams der das Pub jahrelang als Küchenchef geleitet und auch einen Stern erkocht hat. Ende Februar hat er seinen Kochlöffel vorübergehend an den Nagel gehängt um die Welt zu bereisen. Den Kochherd hat er an Barry Fitzgereld übergeben der nun mit viel Einsatz versucht das Niveau zu halten.

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Das kleine Lokal ist sehr gut gebucht und deshalb ist eine Reservation unabdingbar. Dabei sollte man beachten, dass man pünktlich erscheint. Wegen grosser Nachfrage werden die Tische bei No-Shows weiter vergeben. Denn wie in vielen Londoner Restaurants üblich, werden die Tische auch hier mehrmals pro Abend vergeben.

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Venison Scotch Egg [8/10]

Das frittierte Ei ist ein Britischer Klassiker, ein Evergreen auf der „Bar Snacks“ Karte im ‚The Harwood Arms‘ und wird hier zu fairen 3 £ serviert. In der Mitte wartet ein noch leicht flüssiges Ei auf seinen Verzehr. Dies ist umwickelt mit  Schweine- und Wildfleisch, knusprig frittiertem Paniermehl und ein paar Flocken Salz auf dem Haupt. Das Vanison Scotch Egg ist ein Starter den man so schnell nicht vergisst. Zuerst beisst man sich durch eine dünne, knusprige Hülle bevor man zum fein gehackten Fleisch trifft und zum Schluss das flüssigen Ei schmeckt. Wunderbar! Wer im ‚The Harwood Arms‘ isst und vergisst diesen Snack zu bestellen hat definitiv etwas verpasst.

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Warm Salad Of Stuffed Suffolk Chicken Leg With Smoked Eel, Cauliflower, Toasted Hazelnuts And Pickled Onion Mayonnaise [7/10]

Ein toller Salat mit vielen gut harmonierenden Geschmackskomponenten. Vor allem die süssen Trauben, die gerösteten Haselnüssen und der gebratene Blumenkohl haben mich begeistert. Doch auch das frische Grün und das dünn geschnittene Fleisch überzeugten. Einzig die Grösse der Portion fand ich an der unteren Grenze, stand uns ja kein 5 Gänger bevor.

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Warm Salad Of Thinly Sliced Smoked Pork Belly With Soft-Noiled Pheasant Eggs, Green Beans, Crispy Pigs‘ Ears And Picallili [7/10]

Zum zweiten Mal Salat und Ei war von meiner Seite vielleicht unglücklich gewählt aber es hat sich trotzdem gelohnt. Wiederum einfache und schöne Aromen. Das Schweinefleisch war sehr fein. Auch der Salat aus Bohnen und Sellerie war frisch und schmeckte super. So einfach, so simpel – so gut! Auf dem zweiten Teller lagen noch frittierte Schweineohren welche man in einer rassigen und gut abgeschmeckten Senfsauce dippen konnte.

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Fillet Of Wild Black Bream With A Sourdough Crust, Asparagus, Jersey Royals, Mussel Fritters And Seaweed [5/10]

Begeistert von dem bisher Gebotenen habe ich mich für einen zweiten Hauptgang entschieden. Das Gericht konnte das voraus gegangene Niveau nicht halten. Der Fisch war zwar schön knusprig gebraten aber geriet etwas trocken. Der Eigengeschmack ging ebenfalls etwas verloren. Die Spargeln waren pur und frisch. Die Kapern passten gut. Das Beste auf dem Teller waren die Mushpotatos mit einem tollen Eigengeschmack.

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Sticky Toffee And Date Ice Cream With Caramelized Brown Bread And Lemon Curd [5/10]

Das Eis schmeckte fein und hatte einen schönen Schmelz. Das Dattelaroma konnte ich leider nicht ausmachen. Dafür war das karamelisierte dünne Brot sehr fein und schön im Biss. Dieses konnte man zudem mit der feinen Zitronen Sauce mischen.

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Bowl Of Warm Rhubarb Jam Doughnuts With Ginger Sugar And Sour Cream [5/10]

Der Koch schickte uns noch ein zweites Dessert. Wir nahmen dankend an und genossen eine andere Spezialität des Hauses: Die Doughnuts. Sehr frisch und noch leicht warm. Zudem waren sie schön gezuckert, sehr fein!

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Fazit: Das Pub kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen und werde bei meinem nächsten Besuch in London wieder ein Abstecher dahin machen. Das Essen ist auf überdurchschnittlichem Niveau und die Preise, vor allem beim jetzigen Kurs, extrem günstig. Über den verliehene Michelin Stern wundere ich mich trotzdem. Kenne ich doch einige Restaurants in der Schweiz in denen  genauso gut gekocht wird wie hier – wenn auch nicht zu solch günstigen Preisen. Hat da der Pub-Faktor einen Zusatzpunkt eingebracht?

Es ist noch wichtig zu erwähnen, dass dies kein Restaurant für ein romantisches Dinner ist. Die Einrichtung hat zwar extremen Charme aber die Lautstärke war sehr hoch.

Menü: Es gibt nur eine à la carte Auswahl. Diese wechselt sporadisch oder wird um einzelne Gerichte ergänzt. Die sechs Vorspeisen kosten jeweils ca. 7.25 £, die sechs Hauptspeisen ca. 17 £ und die sechs Desserts jeweils ca. 7.50 £. Die Preise sind also sehr fair kalkuliert. Wie bereits oben erwähnt, sollte man aber unbedingt noch auf die Bar-Karte schauen, da hat es noch kleine Snacks für den Apéro und auch das erwähnte „Venison Scotch Egg“.

Wein: Die Weinkarte ist grösser als erwartet. Eine Auswahl ist auch im Offenausschank erhältlich.

Online: Die Homepage informiert über das Pub und deren Besitzer. Auch einige Fotos kann man anschauen. Leider ist weder die Speise- noch die Weinkarte aktuell.

Wertung: Gourmör / Michelin

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