Kulinarische Reise durch Spanien

Die Aussichten sind rosig: Vierzehn Tage Zeit, Reservationen in zwei 3 Sterne Restaurants, ein vollgetanktes Auto und den aktuellen Guide Michelin España im Gepäck. Die Reise kann losgehen.

Valencia

Nachdem wir 1’400 km und unzählige Zahlstationen auf der französischen und spanischen Autobahnen hinter uns gebracht haben, erreichen wir die drittgrösste Stadt Spaniens. Valencia begeistert mit seiner Lage direkt am Meer. Hier kann man einen Städtetripp ideal mit ein paar ruhigen Stunden am Strand kombinieren. Für eine Stadtbesichtigung ist es am heutigen Sommertag eigentlich sowieso zu heiss. Doch wir sind nunmal nicht wegen dem Meer so weit gefahren, sondern wegen der kulinarischen Entdeckungstour durch die pulsierende Metropole.

Zu entdecken gibt es einiges. Zum Beispiel den Mercado Central, einer der grössten Märkte Europas. Hier bieten fast tausend Händler ihre Delikatessen an. Ob Gemüse, Fleisch, Käse oder Fisch, die Besucher finden hier alles was das Herz respektive der Gaumen begehrt. Weiter geht es in die Altstadt. Hier findet man viele traditionelle Restaurants. Im Angebot Tapas und natürlich die hier erfundene Paella. Am liebsten würden wir uns durch das ganze Angebot probieren. Doch dafür ist es zu heiss und wir sehnen uns nach dem Sonnenuntergang.

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Mercado Central

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Mercado Central

Zum Glück haben wir hier in der Stadt eine kleine Oase – unser Hotel. Das 5 Sterne Haus The Westin Valencia ist ein luxuriöses Hotel an sehr guter Lage. Die angenehm klimatisierten Räume sind dann auch ein willkommener Kontrast zum heissen Wetter und machen unseren Städtetrip um ein vielfaches angenehmer. Im gepflegten Garten mit den hohen Palmen kann man sich dann auch wunderbar zurückziehen und im Schatten einen kühlen Drink geniessen.

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The Westin Valencia

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The Westin Valencia

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The Westin Valencia

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The Westin Valencia

Das Hotel bietet einen sehr hohen Komfort. Die grossen Zimmer sind sehr gemütlich. Für Gäste die am Abend lieber im Hotel bleiben, bietet man zwei Restaurants an. Darunter das erst vor kurzem eröffnete Komori. Hier kommen vor allem Sushi-Fans auf Ihre Kosten. Das The Westin Valencia können wir uneingeschränkt empfehlen. In Anbetracht der ca. 180 Franken pro Zimmer ist es gar ein richtiges Schnäppchen.

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The Westin Valencia

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The Westin Valencia

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The Westin Valencia

Am Abend geht es an den Strand. Hier findet heute ein Festival mit einem abwechslungsreichen Food-Angebot statt. Wir probieren uns durch das spannende Sortiment und „krönen“ das ganze mit einer Paella an einem der vielen Restaurants an der Strandpromenade. Ein Fehlgriff, denn die Küche demonstriert eindrücklich, dass, nur weil man in der Geburtstadt dieses Gerichtes ist, man nicht zwangsläufig auch ein gutes Exemplar serviert bekommt. Es empfiehlt sich also im Voraus abzuklären wo man dieses traditionelle Gericht am besten bestellt.

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Festival

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Festival

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Am zweiten Abend gehen wir auf Nummer sicher und reservieren einen Tisch in einem der vier Restaurants, die hier in der Stadt mit einem Michelin Stern ausgezeichnet sind. Die Wahl fällt auf das Vertical. Das Restaurant ist auf dem obersten Stock des Confortel Aqua 4. Das Hotel selbst ist gespenstisch ausgestorben und der Weg zum Restaurant istschlecht siganlisiert. Wir finden den Eingang dann doch noch und werden von einer einmaligen Aussicht auf die modernen Gebäude der „Stadt der Künste und Wissenschaft“ belohnt.

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Vertical – Valencia

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Vertical – Valencia

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Vertical – Valencia

Für Küchenchef Jorge de Andrés ist es eine grosse Herausforderung, die Gäste bei dem eindrücklichen Panorama auf seine Kreationen fokussieren zu lassen. Dank seiner kreativen Küche, gelingt ihm das aber ohne Probleme. Für faire 70 € serviert man uns sieben sehr gute Gerichte.

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Vertical – Valencia

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Vertical – Valencia

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Vertical – Valencia

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Vertical – Valencia

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Villajoyosa

Mit dem gekühlten Auto (Tiefgarage sei Dank) geht es nochmals ein Stück weiter Richtung Süden. Villajoyosa, 30 Minuten östlich von Alicante, ist das nächste Ziel. Im Hotel Montíboli haben wir das Zimmer reserviert. Die schöne Anlage thront stolz auf einem Felsen. Die Lage ist einmalig. Unser Bungalow ist direkt an der Klippe und offenbart eine traumhafte Aussicht auf das Meer. Um selber im kühlen Nass zu schwimmen, kann man bequem den Lift zum Kieselstrand nehmen. Die Liegestühle können gegen ein kleines Entgeld gemietet werden.

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Montíboli – Villajoyosa

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Montíboli – Villajoyosa

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Montíboli – Villajoyosa

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Montíboli – Villajoyosa

Die traumhafte Aussicht geniesst man auch von der Barterrasse. Leider werden die Drinks hier nur zögerlich serviert. Allgemein ist die Personaldecke dünn. Das Restaurant El Minarete ist gar seit einigen Jahren komplett geschlossen. Dafür steht das gehobene Restaurant Emperador den Gästen für das Mittag- und Abendessen zur Verfügung. Das kulinarische Angebot wirkt aber sehr unmotiviert. Eine entsprechende Streichung aus dem Guide Michelin ist überfällig.

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Montíboli – Villajoyosa

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Montíboli – Villajoyosa

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Montíboli – Villajoyosa

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Montíboli – Villajoyosa

Das Montíboli muss dann auch als Beispiel hinhalten, dass Lage und Anlage allein, noch kein erstklassiges 5 Sterne Haus ausmachen. Es braucht gutes Personal die dem Ganzen eine Seele geben. Diese fehlt hier leider. So ist ein Grossteil des Personals unmotiviert und distanziert. Sehr schade, denn mit dem richtigen Direktor und einem motiviertem Team könnte man hier ein wahres Paradies schaffen. Bis dahin bleibt das Hotel eine empfehlenswerte Adresse, sofern man keinen 5 Sterne-Service erwartet.

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Montíboli – Villajoyosa

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Montíboli – Villajoyosa

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Montíboli – Villajoyosa

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Alicante

Die nächst grössere Stadt in der Nähe von Villajoyosa heisst Alicante und bietet nicht nur schöne Strände sondern auch ein spannendes kulinarisches Angebot. Unbedingt besuchen sollte man La Taberna del Gourmet, ein lebhaftes Lokal bei dem es sich lohnt im Voraus zu reservieren. Hier steht man wahlweise an der Bar oder sitzt an einem der wenigen Tische im Obergeschoss. Eine grosse Auswahl an Tapas steht auf der Karte. Wir wählen uns durch das Angebot und erhalten alle paar Minuten etwas Neues auf den Tisch. Alles schmeckt spannend und macht richtig Spass. Ein Lokal, dass man sich gerne in die Nachbarschaft wünscht.

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La Taberna del Gourmet – Alicante

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La Taberna del Gourmet – Alicante

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La Taberna del Gourmet – Alicante

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La Taberna del Gourmet – Alicante

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La Taberna del Gourmet – Alicante

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La Taberna del Gourmet – Alicante

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Denia

Der nächste Ausflug führt uns nach Denia. In die kleine Stadt verlieben wir uns augenblicklich. Es ist alles sehr gepflegt, lebendig und überall riecht es nach gutem Essen. Hier findet man neben den einladenden spanischen Restaurants auch eine Sushi-Bar und weitere internationale Angebote. Leider müssen wir alles ausschlagen, denn wir haben für heute Abend bereits andere Pläne: der Besuch im Quique Dacosta steht an. Der gleichnamige Koch hat erst im letzten Herbst von Michelin den dritten Stern erhalten und ist für seine äusserst kreative und regional inspirierte Küche bekannt. Wir verbringen beinahe 5 Stunden hier und erhalten das umfangreichste Menü unseres Lebens. Der komplette Bericht findet ihr hier.

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Quique Dacosta – Denia

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Quique Dacosta – Denia

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Fuentespalda

Zeit sich vom Meer zu verabschieden. Das nächste Hotel befindet sich im Landesinnern. Einen kurzen Zwischenhalt machen wir in Morella einem zauberhaften Dorf auf einer Anhöhe. Hier ist man stolz auf seine regionale Erzeugnisse und verkauft diese in verschiedenen Geschäften. Nach einem Mittagessen in einem Deliaktessengeschäft mit anschliessendem Shopping, reisen wir weiter Richtung Norden.

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Morella

Das Torre del Visco liegt abseits der Hauptstrasse. Ein fünf Kilometer langer Schotterweg führt uns zum Hotel. Früher war hier eine Farm, bevor es von einem englischen Ehepaar zu einem Hotel mit 13 Zimmern umgebaut wurde. Die Gastfreundschaft ist eindrücklich. Mit grosser Freude und Stolz werden wir durch das Anwesen geführt und in das ungewohnte Konzept eingeweiht. Zum Beispiel findet man im Zimmer keine Minibar, sondern darf sich in dem grossen Getränkeraum selbst bedienen. Man schreibt lediglich die Konsumation und die Zimmernummer auf einen Zettel und geniesst die Drinks. Das Frühstück isst man entweder zusammen mit anderen Gästen am grossen Küchentisch oder draussen auf der Terrasse. Von hier hat man dann auch eine malerische Aussicht und geniesst eine einmalige Ruhe.

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Torre del Visco – Fuentespalda

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Torre del Visco – Fuentespalda

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Torre del Visco – Fuentespalda

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Torre del Visco – Fuentespalda

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Torre del Visco – Fuentespalda

Da das Hotel sehr abgelegen ist, empfiehlt es sich auch gleich den Tisch für das Abendessen im Hotelrestaurant zu reservieren. Jeden Abend bietet man hier einen 3 Gänger an, den man sich aus ein paar wenigen Optionen zusammenstellen kann. Der Preis ist für spanische Verhältnisse zwar sehr hoch (55 €), doch mangels Alternativen (schon die Fahrt bis zur Hauptstrasse dauert 20 Minuten), ist es eine gute Option.
Nach dem Essen kann man sich dann in die Bibliothek zurückziehen oder den Abend bei einer Partie Schach ausklingen lassen.

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Torre del Visco – Fuentespalda

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Torre del Visco – Fuentespalda

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Torre del Visco – Fuentespalda

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Torre del Visco – Fuentespalda

Einen Pool gibt es hier zwar nicht, doch nach einem kurzen Fussweg erreicht man einen 18 Meter hohen Wasserfall mit einem grossen Becken, in dem man sich abkühlen kann. Gerne bereitet man im Hotel ein Picknick zu, welches man zur Verpflegung mitnehmen kann.

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Torre del Visco – Fuentespalda

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Torre del Visco – Fuentespalda

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Torre del Visco – Fuentespalda

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Pratdip

Das selbsternannte „Gourmet-Hotel“ mas mariassa liegt ebenfalls im Landesinnern. Das kleine Guesthouse ist schön gepflegt, die Besitzer sehr freundlich und die Zimmer sehr modern eingerichtet. Vom Pool geniesst man eine schöne Aussicht. Jeden Abend bietet man für 36 € einen feinen 5 Gänger an.

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mas mariassa – Pratdip

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mas mariassa – Pratdip

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mas mariassa – Pratdip

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Cambrils

Am zweiten Abend besuchten wir Cambrils. Dieses erreicht man in weniger als einer halben Stunde von Pratdip. Das direkt am Meer gelegene Städtchen lädt zum Einkaufsbummel ein. Auch gemütliche Fahrten mit dem Schiff werden angeboten. Den Abend schliessen wir mit einem Dinner direkt am Meer ab. Das Club Nàutic eignet sich dazu vorzüglich, da man neben einer schönen Aussicht auf den Hafen, auch kulinarisch auf hohem Niveau verwöhnt wird.

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Club Nàutic – Cambrils

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Club Nàutic – Cambrils

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Club Nàutic – Cambrils

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Club Nàutic – Cambrils

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Club Nàutic – Cambrils

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Club Nàutic – Cambrils

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Girona

Auf der Heimreise machen wir einen Zwischenhalt in Girona. Grund ist das 3 Sterne Restaurant El Celler de Can Roca, in dem wir zum Glück vor der Ernennung zum „besten Restaurant der Welt“, einen Tisch reservieren konnten. Das Menü war nicht nur umfangreich sondern auch eindrücklich. Hier findet ihr den Bericht.

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El Celler de Can Roca – Girona

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El Celler de Can Roca – Girona

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Guide Michelin

Das rote Buch hat uns wieder einmal eine besonders schöne Reise beschert. Wir haben jeden Abend gut gegessen und konnten die Hotels geziehlt auswählen. Es fällt zwar auf, dass die Restaurants hier etwas schneller ins Buch aufgenommen werden als Lokale in der Schweiz (und dabei meistens eine Komfortstufe höher eingeordnet werden), doch vor allem sind wir froh, dass uns das Buch souverän an den vielen Touristen-Fallen vorbei geschleust hat und uns zu den richtigen Adressen führte. Die Tatsache, dass man in den Lokalen nicht mehr bezahlt als in einem unmotivierten Restaurant, lässt uns noch mehr verwundern, warum nicht mehr Touristen den Guide zur Hand haben.

Guide Michelin España & Portugal 2013
ISBN: 978-2067178861

Hotels
The Westin Valencia in Valencia
Montíboli in Villajoyosa
Torre del Visco in Fuentespalda
mas mariassa in Pratdip

Restaurants
Vertical in Valencia
La Taberna del Gourmet in Alicante
Quique Dacosta in Denia
Club Nàutic in Cambrils
El Celler de Can Roca in Girona

Ecco in Ascona

Unsere letzte Reise ins Tessin liegt ganze fünf Jahre zurück. Damals krönten wir den Aufenthalt im sonnenreichsten Schweizer Kanton, mit einem Besuch bei Rolf Fliegauf. Der gebürtige Augsburger hatte dazumal frisch das Zweitrestaurant, das 5 Sterne Hotels Giardino, übernommen. Mit seinen avantgardistischen Kreationen kontrastierte er das sonst mediterrane Angebot des grossartigen Hotels. Die Aufgabe erfüllte der heute 32 jährige mit Bravour und wurde bereits zwei Jahre nach der Zepterübernahme mit einem Michelin Stern belohnt.

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In der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Zum Beispiel der Kochstil. Griff Fliegauf anfänglich noch auf ein paar molekulare Tricks zurück, setzt er heute voll auf die Karte der Aromaküche. Zudem hat das Giardino vor zwei Jahren expandiert und in Champfér bei St. Moritz das Giardino Mountain eröffnet. Für Fliegauf eine grosse Erleichterung, da er nun sein Können auch in den Wintermonaten, während das Giardino in Ascona Betriebsferien hat, unter Beweis stellen kann und somit seiner Brigade eine Ganzjahresstelle bieten kann. Zu guter Letzt hat sich auch das Punkte- und Sternekonto erhöht. Gault-Millau verlieh den 16. Punkt und Michelin übergab den 2. Stern was Fliegauf zum damals jüngsten 2 Sterne-Koch in Europa machte.

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Das Wetter war heute den ganzen Tag schwülheiss und das Thermometer kratzte bedrohlich an der 30 Grad Grenze. So verbrachten wir dann auch den ganzen Tag am Hotelpool und ernährten uns von Früchten. Unser Zifferblatt zeigt jetzt 19 Uhr und langsam aber sicher verlangen unsere Mägen nach mehr. So machen wir uns bereit für das zweite Ecco Abenteuer und sind sehr gespannt wie sich die Veränderungen auf dem Teller bemerkbar machen.

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Als erstes fällt uns die neue, sehr angenehme Atmosphäre im Restaurant auf. Dies liegt nicht etwa an der Inneneinrichtung – die war schon beim letzten Besuch in eleganten Grautönen gehalten – sondern am neuen Serviceteam unter der Leitung von Jenifer Strube. Dieses begleitet uns nicht nur sehr aufmerksam und zuvorkommend durch den Abend, sondern auch äusserst motiviert und umgänglich.

Das Ecco ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Im eigentlichen Restaurant stehen drei grosse Tische. Dieser Raum wird meistens für den Mittagservice genutzt und ist angenehm klimatisiert. Anders draussen unter der Pergola, wo heute Abend alle 28 Gäste sitzen. Hier konnte sich die Hitze den ganzen Tag unter dem Gewölbe festsetzen. Die grossen Fensterfronten stehen zwar offen, aber bis auf die paar wenigen, kleinen Lüftchen die durchs Restaurant ziehen, bleibt es hier sehr warm. Zur Abkühlung ordern wir Wasser und ein Glas Champagner.

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Auf der Speisekarte finden wir zwei Menüs mit 5 und 8 Gängen. Jedem Gast steht es frei aus den total 13 Speisen zu kombinieren. Wie momenten en vogue, sind bei den Gerichten nur die einzelnen Komponente aufgeführt – die Zubereitungsart bleibt eine Überraschung.

Noch bevor wir die Bestellung aufgeben, erreicht uns ein erster kleiner Snack:

Ofenkartoffel [-/10]

Die Tessiner-Bergkartoffel, gefüllt mit Sauerrahm und Kaviar, ist fein. Die schwarzen Perlen haben es aber schwer sich gegen die restlichen Aromen zu behaupten. So bleibt der Auftakt dann auch eindimensionaler als erhofft.

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Brot

Neben dem frisch gebackenen Brot, wird ein Dressing in Form von Salzflocken, Butter-Rahm und Kresse zum selberschneiden, aufgetragen. Damit kann sich jeder am Tisch sein Brot individuell bestreichen. Dies ist nicht nur originell sondern schmeckt auch richtig gut.

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Häppchen Trilogie: Wachtel – Erbse / Bärlauch – Pilze / Schwertmuschel – Miesmuschel [7/10]

Die nächste Amada gelangt an unseren Tisch. Wegen den vielen unbenutzten Gläsern, Messern und Gabeln wird es kurzzeitig etwas unübersichtlich auf dem Tisch. Dabei verdienten die fantasievoll angerichteten Kreationen unsere vollste Aufmerksamkeit.

Während die ersten beiden Kompositionen zwar fein, aber etwas gar zurückhaltend schmecken, trumpft das Muschel-Arrangement auf. Wir staunen nicht nur wegen der sinnvollen Zubereitung (Muschel kann samt Schale gegessen werden) sondern auch ob dem wunderbar tiefen, meerigen Aroma, welches dies uns in den Gaumen zaubert. Gerne mehr davon!

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Amuse: Simmentaler Rind – Perigordtrüffel – Kohlrabi [7/10]

Intensiv geht es weiter. Denn auch das Simmentaler Rind ist eindrucksvoll und wird als Carpaccio und als darin eingerolltes Tatar serviert. Eine fabelhafte Kombination. Kontrastriert wird das Ganze von harmonischen Gänseleberperlen. Diese schmelzen augenblicklich im Mund und setzen ein zauberhaftes Aroma frei. Die feine Perigordtrüffel-Sauce ist ebenfalls köstlich.

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Marinierte Entenleber – Räucheraal – Ananas [6/10]

Wir sind froh, haben wir für den ersten Gang die Entenleber gewählt und kommen damit nochmals in den Genuss dieses köstlichen Produktes. Die Küchenbrigade weiss offensichtlich wie damit umzugehen. Sowohl Terrine als auch das Eis sind von sehr hoher Qualität und präzise zubereitet. Nur schade, dass das Zusammenspiel mit der Ananas nicht recht funktionieren will und damit keine Symbiose entsteht.

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Gambero rosso – Pumpernickel – Kresse [-/10]

Dieses hochwertige Spanische Krustentier wurde uns vor ein paar Monaten zum ersten Mal im Lampart’s serviert. Dieses Exemplar hier, kommt zwar nicht ganz an die Qualität dieses Referenzproduktes heran, ist aber ebenfalls von guter Qualität. Mit den restlichen Komponenten werden wir weniger glücklich. Zwar gefallen uns die Krustentier-Consommé-Perlen, den Einsatz von Pumpernickel halten wir indess für unpassend.

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Iberico Schweinebauch – Bretonische Auster – Radieschen [7/10]

Gleich zu Beginn gibt es gedanklichen Applaus gibt die tolle Sauce mit dem leicht sauren Akzent. Aber auch der Rest überzeugt: der aromatische Schweinebauch mit der krossen Haut und das knackige und geschmacksvolle Gemüse. Einzig die Auster ist zu viel des Guten und stört das sonst stimmige Erlebnis.

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Bretonischer St. Peters Fisch – Jakobsmuscheln – Salzzitrone [6/10]

Der edle Fisch aus der Bretagne hat es hier nicht gerade einfach. Von verschiedenen Seiten her wird er flankiert und droht beinahe unterzugehen. So bleibt uns bei diesem Teller auch weniger der Hauptakteur in Erinnerung, als mehr die Nebendarsteller. Ganz stark die süffige Reiscrème und die hochwertigen Jakobsmuscheln, welche eindrucksvoll mit dem Zitrusaroma harmonieren.

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Erfrischung: Weisse Schokolade – Passionsfrucht

Zur Erfrischung vor dem Hauptgang reicht man uns eine weisse Schokoladenkugel gefüllt mit süss-saurem Passionsfruchtsaft.

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Muotathaler Kalb – Wildkräuter – Junge Zwiebel [7/10]

Der Hauptgang begeistert nicht nur wegen seinem tollen, zarten Fleisch, sondern auch wegen der wunderbar intensiven Zwiebelsauce. Diese wird von einem leichten Kräuterbouquet begleitet – elegant und trotzdem währschaft. Ein rundum überzeugendes Gericht.

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Gruyère rèserve aoc – Olivenöl – Culatello Salami [8/10]

Hervorragend der Käsegang: fruchtig, nussig, knusprig, fleischig – jeder Bissen eine Wohltat bei der nichts, vom im Mittelpunkt stehenden, gut gereiften Käse ablenkt. Mit so einer spannenden Komposition tröstet man locker über den fehlenden Käsewagen hinweg.

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„Cheesecake“ – Vanille – Holunder [6/10]

Während das Original mächtig und schwer ist, schafft man mit diesem Cheesecake ein überraschend leichtes Dessert und vereint die drei namensgebenden Themen sehr gut zu einer sehr wohlschmeckenden Einheit.

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Zitrusfrüchte – Karamel – Verveine [7/10]

Die Präsenation ist wunderschön, der Genuss hoch. Es macht Spass sich durch die abwechslunsreichen Texturen zu essen und dabei verschiedene Zitrusaromen zu entdecken. Das Caramel sorgt für den roten Faden. Kompliment an die Pâtissière die nicht nur ein sehr stimmiges Dessert schaffte, sondern auch ein angenehm leichtes.

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Friandises [6/10]

Johannisbeeren – Sauerrahm / Himbeere – Guanaja Schokolade – Lakritz / Nougat – Calamansi – Fleur de Sel / Müsli – Waldbeeren – Milch / Kokos – Mandel – Weisse Schokolade / „Milchschnitte“ / „Tiramisu“ / „ECCO Mikado“

Handwerklich top, mag geschmacklich nicht alles zu überzeugen. Gerade die „Milchschnitte“ aber auch das „Mikado“ sind mehr Spielereien als kulinarische Bereicherungen. Da gefallen uns die wunderbaren Pralinen, das feine Caramel und das stimmige Waldbeeren-Müsli viel besser.

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Für zu Hause: Curry-Mandeln

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Die Küchenbrigade: Simon Schneider, Doreen Marko (Patti), Rolf Fliegauf (Chef), Stefan Sell, Matthias Koppenwallner, Stefan Heilemann (Sous-Chef)

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Fazit: Rolf Fliegaufs Handschrift hat sich seit unserem letzten Besuch stark verändert. Die Teller sind extrem präzis, die Anrichtung sehr filigran. Trotzdem haben die Gerichte nichts an Kreativität verloren. Im Gegenteil: Fliegaufs grosser Ehrgeiz ist bei jedem Gang spürbar. Bisweilen steht ihm dieser gar etwas im Weg, so wirken einzelne Gerichte überladen – gerade wenn sieben Komponente gleichzeitig um ihren Platz auf dem Teller kämpfen und damit vom Hauptakteur ablenken.

Trotzdem: das ganze Menü ist konstant auf sehr hohem Niveau, von Beginn weg spannend und perfekt getimt. Der Gast kann sich hinsetzen und fast 5 Stunden lang geniessen und staunen was alles aus der kleinen Küche kommt. Viel zum Genuss trägt auch das tolle Serviceteam bei. Sehr aufmerksam und mit grosser Freude begleiten sie die Gäste durch den Abend und sorgen, zusammen mit der Küchencrew, für ein wunderschönes Erlebnis.

Menü: Zur Auswahl stehen zwei Menüs. Eines mit 5 das andere mi 8 Gängen. Mit den toteln 13 Gerichten kann man sich ein eigenes Menü zusammenstellen. 3 Gänge 138.- / 4 Gänge 152.- / 5 zu 164.- / 6 zu 174.- / 7 zu 184.- / 8 zu 194.-. Begleitet wird jedes mit Häppchen, Amuse Bouche und Friandises.

Zeit: 4 Stunden und 45 Minuten dauerte das 8 Gänge Menü.

Wein: Neben der gut sortierten und umfangreichen Hotel-Weinkarte, bietet man den Gästen eine Weinbegleitung an. Diese wird bis 5 Gänge mit 74 Franken verrechnet, ab 6 Gängen mit 89.-. Der Wein wird sehr grosszügig nachgeschenkt.

Château Haut-Mayne 2010 – Frankreich – Bordeaux – Sauternex ac semillon
Savignin Blanc 2011 – Schweiz – Wallis – Nicolas Zufferey heida
Sileno 2011 – Schweiz – Mendrisio – Fratelli Corti – Chardonnay
Rebuh’s 2008 – Schweiz – Monteggio – Daniel Huber – Merlot Cabenet Franc – Cabernet Sauvignon – Carminoir
20 years old Tawny Port – Portugal – Douro – J. & W. Graham’s
Maximin Grunhauser Abtsberg 2010 – Deutschland – Mosel – Maximin Grünhaus Schlosskellerei C. von Schubert – Riesling Spätlese

Tipp: Wie schon beim letzten Besuch, war es auch diesmal wieder sehr warm. Es  empfiehlt sich eher lockere Kleidung zu tragen.

Online: Die Website bietet ein paar Fotos, Informationen und die aktuelle Speisekarte.

Wertung: Gourmör O7 / Michelin M2 / Gault-Millau GM16

Sonderauszeichnung: Hier fühlt man sich besonders wohl

(Besucht im Juni 2013)

Giardino in Ascona

Ascona, an wunderschöner Lage am Lago Maggiore gelegen, erinnert ein wenig an Saint-Tropez. Das ehemalige Fischerdorf im Maggiadelta nahe Locarno, entwickelte sich ab den 1950er-Jahren zu einem mondänen Ferienort. Heute wird Ascona vor allem von Urlaubern aus dem deutschsprachigen Raum besucht, die den Ort und seine Entwicklung geprägt haben: Luxushotels nehmen die schönsten Plätze in der Bucht ein und die Piazza Motta genannte Promenade am Seeufer, mit den stets voll besetzten Terrassen, den vielen kleinen Restaurants und Bars, in denen abends oft Livemusik ertönt, lädt zum Verweilen ein.

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Eines dieser schönen Luxushotels ist das Giardino. Die 72 schönen Zimmer und Suiten sind grosszügige Oasen des Rückzugs und Wohlbefindens. Unser 34 qm grosses Doppelzimmer ist sehr gemütlich und bietet vom Balkon einen wunderbaren Blick auf den Garten.

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Dieser mediterrane Garten mit seinen Lavendel, Mimosen, Zitrus- und Olivenbäumen, ist dann auch Mittelpunkt der wunderschönen Anlage. Hier kann man die Ruhe geniessen und bei einem Drink den Karpfen und Enten beim schwimmen zusehen.

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Jeden Abend zwischen 18 und 19 Uhr gibt es im Weinkeller kostenlose Weintastings

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Im Innen- und Aussenpool finden die Gäste eine Abkühlung und können es sich auf den bequemen Liegen und Lounges gemütlich machen. Aufmerksam: Wer bereits am morgen früh die ersten Längen schwimmt, den erwartet ein erfrischenden Tee mit vitualisierenden Kräutern. Später am Tag werden hier am Pool kleine Köstlichkeiten und kühle Drinks serviert.

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Das Wohlbefinden der Gäste steht im Giardino im Zentrum. Das beginnt beim selbstgemachten Welcome-Drink, der von dem sehr freundlichen und aufmerksamen Personal serviert wird. Oder die Tatsache, dass man sich unkompliziert Velos und Mountenbikes (für die Kleinen stehen ebenfalls welche bereit) ausleihen kann und damit in 5 Minuten den Dorfkern erreicht. Wer lieber im Hotel bleibt kann sich zum Beispiel im schönen SPA entspannen.

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Ein weiteres Highlight im Giardino ist das grosszügige Morgenbuffet, welches keine Wünsche offen lässt. Die Frühstücksterrasse direkt am Teich garantiert ebenfalls einen unvergesslichen Start in den Tag. Auch für den Mittag und Abend wird für eine Kulinarik auf hohem Niveau gesorgt:

Ecco – Das mit 2 Michelin Sternen ausgezeichnete Gourmetrestaurant bietet avantgardistische Speisen auf höchstem Niveau. Hier unser detaillierte Bericht über Rolf Fliegaufs Küche.

Aphrodite – Alexander Hausherrs Spezialität ist die moderne Interpretation mediterranen Köstlichkeiten. Der Gault-Millau zeichnet das Restaurant mit 15 Punkten aus.

Giardino Lounge – Seit zwei Jahren hat das Giardino auch direkt in Ascona ein Restaurant. Hier werden in ungezwungener Atmosphäre indische Speisen angeboten. Die Geschmäcker wurden leicht an die europäischen Gaumen angepasst. Die Preise sind sehr fair.

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Giardino Lounge – das indische Restaurant ausserhalb des Hotels

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Die indischen Speisen im Giardino Lounge

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Ascona ist eine Reise wert. Wer den Aufenthalt krönen will, sollte unbedingt ein Zimmer im Giardino buchen. Das Hotel ist wunderschön, das Personal sehr professionell und äusserst Gästeorientiert. Auf einer Karte im Zimmer steht „Welcome Home“ – dieses Gefühl, zu Hause zu sein, hatten wir während dem ganzen Aufenthalt. Und so freuen wir uns schon heute bald wieder in unser zu Hause in Ascona zurückzukehren.

Giardino *****
Via del Segnale 10
6612 Ascona
Website

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