El Club Allard in Madrid (Spanien)

Gemäss unserer Strassenkarte müssten wir direkt vor dem Lokal stehen. Doch das ‚El Club Allard‘ scheint wie vom Erdboden verschluckt. Wir sind nicht die Einzigen auf der Suche nach dem 2 Sterne Restaurant. Zwei japanische Touristen, bewaffnet mit Google Maps, fragen uns ebenfalls nach dem Weg. In diesem Moment öffnet sich hinter uns eine Tür und ein älterer Herr bittet uns herein.

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In der Tat, auf das, in einem denkmalgeschützten Jugendstilbau untergebrachte Restaurant, macht von Aussen kein einziges Schild aufmerksam. Erst hier im Treppenhaus, prangt an der ersten weissen Tür, das Logo des Restaurants. Dahinter begrüsst uns die freundliche Empfangsdame und führt uns in das helle und schlichte Restaurant. Die Decke ist hoch, ein grosser Spiegel hängt am Ende des Saals. Obwohl bereits 21 Uhr ist, sitzen erst an zwei Tischen Gäste – üblich in Spanien, denn hier öffnen die Restaurants nicht vor halb Neun.

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Unser runder Tisch, der ganz hinten im Restaurant steht, wackelt. Ungewohnt für ein Restaurant, das vom Guide Michelin 4 Bestecke für den Komfort attestiert bekommt. Aber wir sind nun mal in Spanien und da übersehen wir auch gerne den dezenten Rotweinfleck auf dem weissen Leinentuch, der sich bis heute offensichtlich erfolgreich gegen das Waschmittel zu wehren wusste. Die etwas lieblos zusammengebastelte Speisekarte erhalten wir in englischer Sprache – wie übrigens in jedem besuchten Restaurant in der spanischen Hauptstadt – Tapas Bars inklusive.

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Auch das Serviceteam ist der englischen Sprache mächtig. Allen voran der gut gelaunte Maître. Trotzdem sind wir uns sicher, dass wir uns soeben verhört haben müssen. Denn nachdem er uns eine kleine Glasschale mit luftiger Mayonnaise auf den Tisch stellt, fordert er uns auf, die vor uns liegende Visitenkarte darin zu dippen. Und so nehmen wir die aus Esspapier bestehende Karte und ziehen sie durch die Crème. Geschmacklich gibt’s da nicht viel zu berichten und so ist das Ganze nicht mehr als ein Gag. Wir hoffen inständig, dass der Abend beim kreativen Chefkoch Diego Guerrero, nicht ausschliesslich aus solchen Gerichten besteht.

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Der Meister tritt nun höchstpersönlich an unseren Tisch und nimmt die Bestellung entgegen. Zur Auswahl stehen drei Menüs. Wobei sich diese ausschliesslich bei der Anzahl der Vorspeisen unterscheiden. Wir wählen das umfangreichste Menü „Revolución“ in 12 Gängen und sind gespannt auf die Künste des quirligen Küchenchefs.

Bereits wenige Augenblicke später, geht es dann auch schon los mit dem ersten Teil der Snacks-Trilogie:

Game truffle with Foie and mushrooms [5/10]

In einer Plexiglasbowle erreicht uns dieses Bijou. Wir haben beinahe ein schlechtes Gewissen dieses Kunstwerk zu zerstören, die kulinarische Neugier überwiegt dann aber  doch. Wir werden von einem sehr feinen Pilz/Trüffel-Praliné in Form eines schwarzen Trüffels belohnt. Der Geschmack ist harmonisch und sehr gut balanciert. Die darunter liegenden Späne aus Leber sollten das Gericht kontrastieren, sind jedoch leider hoffnungslos versalzen.

Übrigens, wenn man das Geschirr anhebt wird der darunterliegende Rauch mit Eukalyptusgeschmack freigesetzt. Was im Restaurant ‚The Fat Duck‚ beim einten Gericht Sinn machte, wirkt hier eher deplatziert.

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Brot

Die offerierten Brote sind allesamt frisch und sehr knusprig. Geschmacklich unterscheiden sie sich nur geringfügig voneinander.

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Mini Babybel of Camembert truffée [5/10]

Anders als seine namensgebende Vorlage, muss dieses Babybel vor dem Verzehr nicht aus seiner Paraffinhülle befreit werden, sondern kann samt der hauchdünnen Gelatineschicht genossen werden. Im Innern erwartet uns eine sehr liebliche crèmige Füllung – um Welten besser als das Original.

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Butter fish „Tapa“ [7/10]

Mit dem Abschluss der Snacktrilogie, serviert man uns auch ein erstes kulinarisches Highlight. Präsentiert wird dieses auf einer violetten Duftkerze. Zuoberst thront ein Stück perfekt gegarter Butterfish auf einer hauchdünnen Algenscheibe. Mit unserem Löffel durchbrechen wir diese Scheibe, worauf sich der Fisch und die Teile des Plättchens, mit der darunter liegenden Misosuppe vermählen. Die Suppe ist richtig toll und ergänzt sich hervorragend mit den beiden anderen, subtilen Komponenten.

Butter fish "Tapa"

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Mushrooms and seasonal vegetables „papillote“ [6/10]

Die Inszenierung der Suppe ist gewöhnungsbedürftig und erinnert uns irgendwie an Leichensäcke aus der letzten „Tatort“ Folge. Geschmacklich kann die Consommé jedoch überzeugen. Bereits beim aufschneiden der Tüte wird ein wunderbarer Duft nach frischem Gemüse freigesetzt. Zur Verfeinerung hobelt man uns frischen Salz von einem Salzzapfen über das Gericht. Die Suppe ist toll, hat einen sehr spannenden und lieblichen Geschmack und ist zudem rassig im Goût.

Mushrooms and seasonal vegetables "papillote"

Mushrooms and seasonal vegetables "papillote"

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Wir nerven uns über die extrem zackige Menüabfolge. Was bei den Snacks noch einigermassen in Ordnung war, stört nun. Zwischen den einzelnen Gerichten vergehen keine 5 Minuten. Auch jetzt wird der nächste Gang bereits neben unseren Tisch gefahren, obwohl wir die Suppe noch nicht vollständig ausgelöffelt haben…

Smoked barbel on saffron bouillon, sea urchin, coconut air and banana crab [6/10]

Der charaktervolle Safransud bildet das Fundament von diesem überzeugenden Gericht. Dazu gesellt sich eine köstliche Rotbarbe und der knusprige „Banana Crab“ – eine getrocknete Bananenscheibe, welche in Krabbensaft getränkt und anschliessend getrocknet wurde. Kompliment für das schöne Gesamtbild welches man mit den unterschiedlichen Aromen hier schafft. Da sehen wir auch gerne über den geschmackslosen Kokosnus-Air hinweg.

Smoked barbel on saffron bouillon, sea urchin, coconut air and banana crab

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Egg with bread and pancetta served over a light potato cream sauce [-/10]

Dieses Gericht wird mit: „This is one of our Signature dishes – an egg“ annonciert. Stirnrunzelnd schneiden wir es in zwei Hälften und beobachten wie das Eigelb ausläuft. Was wiederum interessant inszeniert ist, kommt geschmacklich nicht über ein „ok“ hinaus. Es schmeckt nach Eigelb, knusprigem Brot und Butter.

Egg with bread and pancetta served over a light potato cream sauce

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Funghiformis tentacles with Wasabi Mayonnaise [7/10]

Mit dem nächsten Gericht geht es wieder stark aufwärts. Der mit Sepiatinte gefärbte Pilz schmeckt nicht nur vorzüglich, sondern hat auch eine süffige Konsistenz. Leichte Wasaby- und Knoblauch-Noten sorgen für die nötige Spannung. Ein durch und durch tolle Komposition die richtig Spass macht.

Funghi formis tentacles with Wasabi Mayonnaise

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Halibut with Korean marinade [6/10]

Weiter geht es mit einem perfekt zubereiteter Heilbutt, in einem genussvollen Jus auf Sojabasis. Auf dem Grund liegen kleine Wasabikügelchen, welche beim zerplatzten am Gaumen eine leichte Schärfe freisetzen. Daumen hoch – auch dieses Gericht überzeugt.

Halibut with Korean marinade

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Araiz Bresse Pigeon roasted „a la minute“ and served over truffled rice [7/10]

Beim Hauptgang steht ein tolles Grundprodukt aus der Bresse im Mittelpunkt. Aber nicht nur die wunderbare Taube begeistert, sondern auch das himmlische, im Taubensaft gebratene Reis, welches darunter liegt. Auch die restliche Komposition überzeugt und wirkt dabei überraschend leicht.

Araiz Bresse Pigeon roasted "a la minute" and served over truffled rice

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Hendrick’s gin tonic with cucumber and rose petals [5/10]

Als pré-dessert reicht man uns einen Gin Tonic der anderen Art. Wir werden aufgefordert das Arrangement zu zerbrechen und ein paar Minuten ruhen zu lassen. Danach werde sich der Geschmack mit der Gurke darunter vermählen. Uns gefällt dieser erfrischende Zwischengang überraschend gut – auch wegen den paar zusätzlichen Minuten Verschnaufpause die wir dadurch gewinnen.

Hendrick's gin tonic with cucumber and rose petals

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The Fishbowl [9/10]

Nun erreicht uns eines der schönsten Desserts überhaupt. Wir sehen einen Fisch in einer Fischbowle mit Wasser (Schaum), Korallen, Algen und einer Muschel. Mit dem ersten Löffel wird dann auch unsere Befürchtung zerschlagen, dass dieses Dessert nur optische Ansprüche befriedigt. Der Geschmack ist nämlich sehr abwechslungsreich und himmlisch. Von fruchtig bis schokoladig erlebt man in diesem Aquarium alles. Wir sind begeistert.

The Fishbowl

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Poché Egg [-/10]

Das zweite Dessert offenbart schonungslos, dass man diese Balance zwischen Optik und Geschmack nicht immer Griff hat. Denn ausser der sehr stilvollen Präsentation kann das in Schokolade gehüllte Milchreis nicht begeistern. Lediglich die braun gefärbte weisse Schokolade gefällt uns, der Rest ist fad und nichtssagend. Auch das fruchtige Eigelb ist viel zu knapp dosiert – der Goût nach Mango inexistent.

So schnell sind wir wieder auf dem Boden: erst vor drei Minuten (!) tauchten wir unsere Löffel überglücklich durchs „Aquarium“ und sitzen jetzt deprimiert vor diesem belanglosen Ei. Die Situation wird durch das Auftragen der „Fish Bowle“ am Nachbarstisch nur noch unerträglicher.

Poché Egg

Poché Egg

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Friandises [-/10]

Auch die Friandises sind aufwendig in Szene gesetzt. Dass man hier wiederum auf den Trockeneis-Effekt setzt, zeugt nicht gerade von Originalität. Anstelle hätten wir ein paar gute, süsse Häppchen klar bevorzugt. Hier auf der Glasplatte gefallen uns lediglich die braunen Nuggets die uns ans Magenbrot erinnern. Der grosse Budda-Kopf und die vielen kleinen, weissen Sternchen sind aus Zucker, extrem hart und dadurch ungeniessbar. Weniger Show dafür mehr Substanz wäre hier wünschenswert.

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Sympathisch, jeder Gast erhält das Menü in schriftlicher Form mit nach Hause.

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Fazit: Wir erlebten im ‚El Club Allard‘ einen schönen, aber auch sehr hastigen Abend. Schade, dass man hier das kulinarische Programm in weniger als 2 Stunden (!) runterspult. So hatten wir des Öfteren den letzten Bissen noch im Mund, während uns bereits der nächste Teller serviert wurde. Das war auch der Grund, weshalb wir, mit drei halb vollen Weissweingläsern auf dem Tisch, beim Sommelier die Weinbegleitung unterbrechen mussten.

Die Speisen sind sehr kreativ in Szene gesetzt. Das Handwerk und der Detailgrad begeistern. Noch selten haben wir solch fantasievolle Kreationen vor uns liegen gehabt. Während einige Gerichte auch gleich die kulinarischen Erwartungen erfüllten, gab es auch Speisen bei denen es mehr um die Show als um den Genuss ging. Das „Ei-Dessert“ oder das „Eigelb im Brot“ dienen als gute Beispiele dafür. Eigentlich schade, denn die schön inszenierten Gerichte hätten auch geschmacklich mehr Tiefgang verdient. Vor allem weil die meisten Speisen schon seit Monaten oder gar Jahren 1:1 auf der Karte stehen und man diese geschmacklich entsprechend verfeinern könnte.

Nichtsdestotrotz, auch wenn der Geschmack der Inszenierung oft hinterherhinkt, haben wir hier sehr gut gegessen und da das ‚El Club Allard‘ äusserst zugängliche Speisen serviert, wird die Mehrheit bestimmt Gefallen am Gebotenen finden. Wer in der spanischen Hauptstadt auf der Suche nach kulinarischen Höhenflügen ist, wird hier aber nicht ganz glücklich.

Menü: Zur Auswahl stehen drei verschiedene Überraschungsmenüs. Diese unterscheiden sich lediglich im Umfang. Das kleinste Menü kostet 86 €, das mittlere 98 € und das grösste 115 €.

Wein: Neben der Weinkarte bietet man auch eine Weinbegleitung an. Wegen dem enormen Tempo beim servieren der Speisen, ordert man am besten nur fünf Gläser.

Online: Die Website ist übersichtlich und bietet schöne Fotos von den Gerichten.

Wertung: Gourmör O6 / Michelin M2

(Besucht im Dezember 2012)

Lampart’s in Hägendorf

Die Oltenerstrasse, im solothurnischen Hägendorf, ist stark befahren. Hier kreuzen sich täglich tausende Menschen, die von einem Ort zum anderen hasten. Man kann sich kaum vorstellen, dass nur gerade ein Steinwurf von hier entfernt, eines der schönsten und gemütlichsten Restaurants der Schweiz steht. Dieser Ort ist der pure Kontrast zur stressigen Strasse. Hier haben Anni und Reto Lampart ein Refugium für Gaumen und Seele geschaffen.

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Seitdem das Paar vor 10 Jahren vom Winterthurer Taggenberg nach Hägendorf zog, steckte es viel Herzblut in die schöne Remise aus dem 19. Jahrhundert. Anni Lampart ist nicht nur für das Serviceteam und den Weinkeller zuständig, sondern zeigt sich auch für die Pâtisserie verantwortlich. Ihr Ehemann Reto leitet die fünfköpfige Küchenbrigade.

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Wir freuen uns schon lange auf den Besuch bei den beiden Vollblutgastronomen. An einem kühlen Dezemberabend ist es dann endlich soweit. Dank den ausgiebigen Schneefällen der letzten Tage, finden wir das Restaurant in einem wunderschönen, weissen Setting vor. Bereits von Aussen wirkt das steinerne Landgut sehr romantisch und einladend.

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Wir gehen den kurzen Weg, der vom Parkplatz zum Restaurant führt, laufen an den weihnachtlich beleuchteten Tannen vorbei und kommen direkt vor dem schönen Steinhaus zum stehen. Durch die Fensterscheiben beobachten wir Gäste, die fröhlich um einen grossen Tisch sitzen und genüsslich tafeln. Wir sind ausgesprochen glücklich, dass wir die Szenerie nicht nur von hier Aussen beobachten müssen, sondern bald daran teilnehmen dürfen. Beim Betreten des Restaurants wird uns eine grosse Portion Freundlichkeit und Wärme entgegengebracht. Wir fühlen uns augenblicklich Willkommen.

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Wir geniessen den Apéro in der Lounge. Ein angenehmer Duft von würzigen Zigarren liegt hier in der Luft. Die Decke ist hoch, die Einrichtung für unseren Geschmack etwas gar vielseitig. Wir erhalten den Platz vor dem Fenster und bekommen einen Blick auf die weisse Landschaft vor dem Haus.

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Aus einer grossformatigen Karte, wählen wir die kulinarische Reise. Neben einer kleinen à la carte Auswahl, finden wir auch zwei Menüs, die hier Sinfonien genannt werden. Wir entscheiden uns für das „plaisir“ mit den vollen 8 Gängen.

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Zu einem perfekten Auftakt fehlt uns jetzt eigentlich nur noch etwas zu knabbern. Unser unausgesprochener Wunsch wird umgehend erhört.

Apéro-Häppchen  [-/10]

– Nordseekrabbe auf hausgemachtem Brotchip mit Thymianmayonnaise
– Gebratenes Sot’ly-laisse mit Safran-Couscous und Limes-Creme-fraiche
– Bauch vom Mangalitzaschwein aus Ennetbürgen mit Apfelchutney

Die servierte Trilogie ist frisch und abwechslungsreich. Da sie geschmacklich eher zurückhaltend ist, macht sich bei uns noch keine Begeisterung breit. Das grosse Geschmacksfeuerwerk hat man sich offensichtlich für später aufgehoben – hoffentlich.

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Nach und nach verschwinden die restlichen Gäste aus der Lounge. Mit ihnen auch der Service. So sitzen wir auf einmal ganz alleine da. Da unsere Gläser bereits seit längerem leer sind und die Häppchen den Hunger (zum Glück) noch nicht gestillt haben, machen wir uns auf die Suche nach jemandem, der uns ins eigentliche Restaurant führt. Beim Eingang werden wir fündig. Eine freundliche Dame führt uns die Treppe hoch, direkt in den eigentlichen Speiseraum. Jeder einzelne Tisch ist besetzt – der Service hat alle Hände voll zu tun und wir sehen es ihm nach, dass man uns soeben etwas gar lange hat sitzen lassen.

Unser Tisch steht leicht erhöht. Von hier hat man einen wunderbaren Blick über das Restaurant. Wir verlieben uns augenblicklich in das Bijou. Das ‚Lampart’s‘ gehört für uns, zusammen mit dem ‚Schloss Schauenstein‚, zu den schönsten Restaurants die wir bis heute besucht haben. Wir schätzen die grosszügigen Abständen zwischen den Tischen und die sehr gemütliche Atmosphäre.

Brot

Die Brotauswahl ist zum Niederknien. Zwei Mal am Tag werden die rund zehn Sorten frisch gebacken. Das Silser und das Tomatenbrot sind besonders toll. Jedes Mal wenn die freundliche Dame mit dem Brotkorb an unserem Tisch steht, würden wir gerne nochmals zugreifen. Doch im Hinblick auf das umfangreiche Menü, müssen wir uns etwas in Zurückhaltung üben.

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Das Menü startet mit einem Amuse Bouche:

Filet vom Saibling aus dem Neuenburger See mit gepickelten Eierschwämmli und Blumenkohlcrème [6/10]

So muss ein Saibling schmecken – wunderbar gegart, harmonisch im Geschmack. Auch die beiden Begleitkomponenten unterstützen den Fisch gekonnt, ohne zu stark von dessen Eigengeschmack abzulenken.

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Filet von Ennetbürger Limousin Kalb, Castaing Entenleber, Topinambur, Haselnüsse [5/10]

Der erste Gang der Sinfonie, lässt uns etwas ratlos zurück. Die Terrine ist fein, ihr fehlt aber ein konträrer Akteur, zum Beispiel in Form von Säure oder Süsse. Der Brückenschlag zum etwas gar faden Tatar, gelingt ebenfalls nur bedingt. Viel besser gefallen uns die Crème von der Topinambur und die getrocknete Scheiben dieser Wurzelknolle. Auch das gepfefferte Carpaccio bringt etwas Spannung in die sonst eher unaufgeregte Komposition.

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Zander aus dem Murtensee, Champagnerkraut Petersiliensaft, gepuffter Quinoa, Hagebutte [7/10]

Während sich beim vorherigen Gang die verschiedenen Elemente nicht zu einem Gesamtbild zusammenfügen konnten, gelingt das beim Zander vorzüglich. Die Geschmäcker sind spannend und abwechslungsreich. Der Fisch von sehr guter Qualität, bietet Dank der krossen Haut und dem gepufften Quinoa, eine süffig knusprige Textur. Unterstrichen wird das Ganze von einem tollen Champagnerkraut, welches sich sehr harmonisch ins Gericht einfügt.

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Gambero rosso, schwarzer Rettich, frischer Wasabi, Yuzu, Jakobsmuschel von Mont Saint Michel, Grapefruit [8/10]

Das erste grosse Ausrufezeichen am heutigen Abend! Die Qualität der spanischen Gambero rosso und der Jakobsmuschel ist so überragend, dass man die beiden Produkte beinahe roh serviert. Toll was die Küchenbrigade aus solch ausgezeichneten Produkten zaubert! Spannende Begleiter sind Pfeffer, frischer Wasabi und Yuzu-Saft! Ein ganz starkes Gericht!

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Bar de Ligne aus der Bretagne, Kohlrabi, Misoessenz und Gemüse [8/10]

Da knüpft auch der nächste Gang an. Vorgestern um diese Zeit schwamm der Wolfsbarsch noch in den Gewässern vor der Küste der Bretagne, jetzt liegt er perfekt zubereitet auf unserem Teller. Er spielt die Hauptrolle in diesem japanisch inspirierten Gericht, welches von einer wunderschönen Misoessenz begleitet wird. In den subtilen Aromen, kann der Fisch sein Aroma wunderbar entfalten. Der rassige Chili, der Tofu und die knackigen Kohlrabi runden das Gericht ab.

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Entrecôte von „Natural Black Angus-Rind“ aus Kansas, Jus mit Ochsenschwanz Brioche mit Zwiebeln, Schwarzwurzel, Bohnen [9/10]

Mit dem Hauptgang wird das Highlight des Abends serviert. Die Komposition begeistert uns in all ihren Facetten. Im Mittelpunkt steht das geniale und aromatische Fleisch aus Kansas. Klar einer der eindrücklichsten Fleischsorten die uns jemals aufgetischt wurden. Zum einen beeindruckt uns der Eigengeschmack, zum anderen die perfekte Zubereitung. Wunderbar auch der Ochsenschwanz-Jus der am Tisch über das Gericht geträufelt wird. Als kleines Supplement serviert man uns ein kleines, toll gewürztes, Hackbällchen.

Als Gegenpool zu den fleischigen Aromen, setzt man auf die Zwiebel. Es macht Spass sich durch die vielfältigen und spannenden Variationen zu essen – gerade das Brioche ist unbeschreiblich. Ein grossartiger Teller!

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Berg Vacherin vom Bachtel, „Original Schlorziflade“ [8/10]

Nochmals ein Duo das brilliert: Ein wunderbar crémiger Vacherin und ein beeindruckender, leicht warmer „Schlorziflade“ – eine Spezialität aus dem Appenzell. Die Kombination ist himmlisch, der Goût erstklassig.

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Pré-Dessert [8/10]

Bis auf den etwas gar weichen Bananenchip, gibt es für diesen „Bananensplit à la Lampart’s“ nur begeisternde Worte. Das vollmundige Bananenaroma und die hochwertige Schokolade machen definitiv Lust auf mehr. Wir sind nach diesem pré Dessert sehr froh, dass wir keines der beiden Desserts aus dem Menü gestrichen haben und uns nun auf zwei weitere Köstlichkeiten aus der Pâtisserie freuen dürfen.

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Petit Fours [8/10]

Etwas überraschend werden uns die Petit Fours, noch vor den beiden Desserts serviert. Die Auswahl ist sehr abwechslungsreich und hochwertig. Wir geniessen Häppchen für Häppchen und erfreuen uns an der liebevollen Zubereitung und den genussvollen Aromen.

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Cheese Cake, Creme brûlée, Gewürzorangen, Mandarinensorbet [7/10]

Für die erste Nachspeise setzt man auf verschiedene Zitrusfrüchte und schafft so ein sehr erfrischendes Dessert – genau das Richtige, nach einem solchen Menü. Es macht Spass sich mit dem Löffel durch die verschiedenen Elemente zu tasten und abwechslungsreiche Aromen zu schmecken.

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Mandelparfait, Rumtopf, Baumkuchen [6/10]

Der zweite Streich aus der Pâtisserie ist zwar nicht mehr so vielseitig, schmeckt uns aber ebenfalls sehr gut. Vor allem der im Mittelpunkt stehende Baumkuchen. Die Beeren sind für unseren Geschmack einen Tick zu sauer. Modern der Pistazien-Sponge – auch wenn dieser fast ausschliesslich die optischen Erwartungen befriedigt.

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Pralinen

Zum Abschluss wird uns eine wunderschöne Pralinenselektion offeriert. Nur schade, dass wir angehalten werden, uns für eine Einzige zu entscheiden. Diese macht jedoch definitiv Lust auf mehr.

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Fazit: Was Anni und Reto Lampart aus dieser Remise geschaffen haben ist einzigartig. Noch Wochen später kreisen unsere Gedanken um diesen wunderschönen Ort. Zum einen aufgrund der kulinarischen Leistungen, zum anderen wegen der eindrücklichen Atmosphäre die im ganzen Haus herrscht. Dies ist nicht nur der stilvollen Einrichtung zu verdanken, sondern zum Grossteil dem hervorragenden Service. Dieser ist nicht nur sehr fachkundig, sondern auch herzlich, zuvorkommend und motiviert. Hinter all dem steht das passionierte Gastgeberpaar, das auch noch zur späten Stunde die letzten Gäste persönlich verabschieden.

Kulinarisch kommt man hier in Hägendorf voll auf seine Kosten. Sehr hochwertige Produkte bilden die Basis auf die Reto Lampart und seine Brigade aufbauen. Dabei gefallen uns die abwechslungsreichen Kompositionen genau so gut, wie die eher puristischen Gerichte. Dabei wird kein Aufwand geschaut. Bereits um in den Genuss einer vergleichbaren Brotauswahl zu kommen, muss man weit reisen. Das Gleiche gilt für die wunderschöne Pralinen- und Petit Fours Auswahl. Dabei schafft man es, dass man trotz den vielen Leckereien, das Restaurant zwar wohl gesättigt, aber trotzdem mit einem guten Gefühl verlässt.

Ein geniales Menü, welches auf hervorragenden Produkten basiert, ein vorbildlicher Service und eines der schönsten Restaurants der Schweiz, machen das ‚Lampart’s‘ zu einem Ort der besonderen Art. Wir vermissten das Haus schon nach wenigen Tagen und freuen uns schon jetzt, bald wieder einmal nach Hägendorf zu reisen, um in die wunderschöne Welt von Anni und Reto Lampart eintauchen zu dürfen.

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Menü: Zur Auswahl stehen zwei Menüs „Sinfonie plaisir“ in 5 bis 8 Gängen (Fr. 175.- bis Fr. 235.-) und das vegetarische „Sinfonie naturelle“ in 5 Gängen zu Fr. 155.-. Dazu serviert man Häppchen, ein Amuse Bouche, ein pré Dessert sowie Petit Fours und Pralinen. Seit ein paar Wochen bietet man zudem für 295 Franken das ganz grosse Menü „Concerto grosso“ an. Dazu kombiniert man die beiden Menüs und serviert 13 Gänge. Alle Gerichte aus den Menüs kann man auch à la carte bestellen. Fünf zusätzliche Hauptgänge ergänzen diese Auswahl.

Wein:  Neben einer riesigen Auswahl an Flaschenweinen, bietet man auch eine Weinbegleitung an:

2011 Fiano Vignolella, Rebsorte: 100 % Fiano, Cantine Barone, Kampanien
2010 Gavi di Gavi Rovereto DOCG Vigna Vecchia – Castellari Bergaglio
2011 Pinot blanc de Dardagny, Domaine Les Hutins, Genf
2010 Chardonnay, Cuvaison Estate, Carneros, Napa Valley
2009 Tignanello Sangiovese, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Tenuta Antinori, Toskana
2010 Eiswein Welschriesling Johannes Zillinger, Niederösterreich
2010 Malvoisie Flétrie, Pinot Gris, Rouvinez, Sierre

Online: Auf der schönen Website vermissen wir das aktuelle Menü. Dafür erhält man in einem Video einen ersten Eindruck vom Restaurant.

Wertung: Gourmör O8 / Michelin M2 / Gault-Millau GM17

Sonderauszeichnungen: krone   Fumoir vorhanden

(Besucht im Dezember 2012)

Le Moissonnier in Köln (Deutschland)

Die Aussichten auf einen gemütlichen Abend stehen äusserst schlecht. Der Tisch im ‚Le Moissonnier‘ ist zwar gebucht, doch unser Flieger landet mit Verspätung erst um 19.45 Uhr und bereits 75 Minuten später werden im Restaurant, gemäss Internetseite, die letzten Bestellungen entgegen genommen. Zuvor brauchen wir aber noch unser Gepäck, ein schnelles Taxi sowie einen kurzen Stopp im Hotel, um unser Bagage ins Zimmer zu stellen und etwas frisches anzuziehen. Dass Europa gerade von einem Sahara Föhn heimgesucht wird und dadurch auf dem Taxi-Display 30 Grad Celsius angezeigt werden, macht die Sache nicht gerade angenehmer.

Endlich beim Hotel angekommen, willigt der Fahrer mit arabisch klingendem Namen etwas uneuphorisch ein, so lange auf uns zu warten, bis wir das Check-in hinter uns gebracht haben. Ein Blick auf die lange Schlange vor der Reception und die sichtlich überforderte Dame dahinter, lässt unsere Hoffnung, pünktlich im Restaurant zu sein schwinden. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass nur noch 15 Minuten bleiben. Die 5 minütige Wartezeit liess die Schlange vor uns um gerade einmal um eine Person verkürzen. Wir beobachten durch die Fensterscheibe, wie unser wartenden Taxifahrer nervös auf die Uhr schaut und entscheiden uns spontan, erst nach dem Essen einzuchecken und die Kleider in der grossen Lobby zu wechseln. Die Koffer stellen wir hinter die Reception und setzen uns wieder ins Taxi.

Dieses Bild entstand bevor wir das Restaurant verliessen – deshalb fehlen hier sowohl die Gäste auch als das Geschirr

Als wäre das nicht genug, fängt es kurz vor dem Ziel in Strömen an zu regnen – na toll. Immerhin haben wir es knapp vor der Deadline doch noch ins ‚Le Moissonnier‘ geschafft. Das Lokal sieht bereits von Aussen sehr einladend aus – ein kleines Stück Paris mitten in Köln.

Als wüsste das Moissonnier Team von unseren Eskapaden, werden wir trotz der herrschenden Hektik, wohl empfangen. Hier ein Lächeln einer hübschen Dame, dort ein verstänndnisvolles Nicken des Chefs, weil man bei der Speiseauswahl noch etwas Zeit braucht, obwohl wir eher mit entzürrnten Blicken gerechnet haben – wir erlauben uns schliesslich, noch kurz vor 21 Uhr einzutreffen (alles schon irgendwo erlebt). Doch wie wir schnell merken, spielt dieses Restaurant in einer anderen Liga. Es demonstriert in einmaliger Art, wie ein guter Service in einem „einfachen“ Restaurant auszusehen hat.

Auf der Karte finden wir viele verheissungsvolle Vorspeisen und Hauptgerichte. Die Preise scheinen ambitioniert. ‚Le Moissonnier‘ bietet zwar ein etwas einfacheres 4 Gänge-Menü an, doch wir wollen die volle Ladung und ordern deshalb à la carte.

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Brot

Die Brotauswahl gehört zu den Besten die wir dieses Jahr geniessen durften. Ganz stark war das Laugenbrot mit Kümmel sowie das hauchdünne Olivenbrot welches ein überraschend starkes Aroma entfaltet.

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Focaccia mit Anchovie und Parmesan / kalte Tomaten-Gurken Suppe [6/10]

Als Amuse Bouche stellt man uns diese schön angerichtete Komposition auf den Tisch. Die Tomatensuppe ist mit kühlenden Gurken verfeinert und schmeckt harmonisch und erfrischend. Das Focaccia ist luftig frisch, der Fisch und der Käse eine wunderbare Begleitung, welche bestimmt noch besser funktionieren würde, wenn man das Brot nur halb so dick aufgeschnitten hätte und sich somit der Käse stärker hätte durchsetzen können.

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Bretonische Rotbarbe mit Salbei samt frittierten Schuppen auf Aprikosenbutter // Dazu Presskopf vom Steinbutt – Vichysoisse mit Ingwer // Südfranzösischer Gemüsesalat (31 €) [9/10]

Wir haben schon viele schön angerichtete Teller gesehen, doch noch nie waren wir darüber so überrascht wie hier. Denn wir stellten uns auf sehr gute, aber einfach präsentierte Gerichte ein. Die Präsentation ist aber extrem aufwendig und filigran. Dazu kommt, dass die Vorspeisen und Hauptgänge jeweils auf drei Tellern serviert werden. Es gibt also ganz viel zu entdecken.

Auch geschmacklich wähnen wir uns im Paradies. Der Fisch ist von atemberaubender Qualität und mit hoher Kochkunst zubereitet. Die Rotbarbe ist saftig und der Salbei gibt dem Fisch eine zusätzliche Facette – wow. Auch genial ist die krosse Haut samt den Schuppen.

Auf dem zweiten Teller gibt es Gemüse – diverses von der Erbse und Peperoni. Alles ist sehr präzis und wunderschön angerichtet. Die Erbsen gefallen uns gut, richtig stark ist die Peperoni, welche sehr wuchtig schmeckt.

Der Presskopf vom Steinbutt, auf dem letzten Teller, ist ein Highlight für sich. Ein wunderbares meeriges Aroma welche von cremigen Kartoffeln abgerundet wird – wunderbar!

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Isländische Scampi à la plancha dazu gründer Spargel mit Räucherlachs-Coulis // Bonito in Zitrone-Ingwer-Soja-Marinade auf Basmati-Reis-Crème // Büffelricotta Campana Teneri mit Pistazie und Gurken-Gelée (Preis 45 €) [8/10]

Auch der zweite Gang fällt nicht weniger opulent aus. Auf dem Hauptteller treffen wir auf einen isländischen Scampi von hervorragender Produktqualität. Sein Biss ist fest, das Aroma ganz stark. Dazu hat man das Schalentier mit seinem Consomé verfeinert welches geschmacklich sehr unterstützend ist. Die Spargeln und die kleinen Blinis fallen da leider etwas ab – bei beiden fehlt es etwas an Geschmack.

Auf dem zweiten Teller stehen Sushi der etwas anderen Art. Die dünne Scheibe vom Bonito schmeckt sehr gut. Darunter gibt es Reis als Crème verarbeitet. Eine spannende Kreation die uns sehr gut gefällt.

Der dritte Part dieser Teller-Trilogie bildet ein würziger Ricotta mit Gurkenschaum und Pistazie – ebenfalls überzeugend.

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Milchkalb-Bäckchen geschmort und gegrillt auf geräucherter Sauce Poulette // Beinwell-Blatt in Butter leicht geschwenkt mit Colonnata-Speck // Konfirte Aubergine, Tempura von Steinpilz und Paste von gegrillter roter Paprika (43 €) [9/10]

Der Hauptgang ist das Highlight des Abends. Dieser ist vielleicht optisch nicht ganz so aufregend, dafür geschmacklich ein Traum! Das Fleisch ist schlicht atemberaubend – was für ein Aroma, was für eine Zartheit. Der Fleischgeschmack ist noch Minuten später omnispräsent in unserem Gaumen und Wochen später in unserer Erinnerung – ein richtiger Umami-Hammer. Die geräucherte Sauce passte genau so hervorragend dazu wie die süssen Preiselbeeren. Diese schlagen dann auch eine eindrückliche Brücke zum empfohlenen Rotwein „Cahors 2009 Les Acacias – Mas del Périé“ – eine hervorragende Wahl des Chefs. Noch selten hat ein Wein ein Gericht so stark aufgewertet – eindrücklich. Diese Kombination aus Fleisch und Wein ist ein Traum und wird noch lange in unserer Erinnerung bleiben.

Auch bei diesem Hauptgericht gibt es noch mehr zu entdecken. Auf einem weiteren Teller liegt Beinwell. Dieses ist sehr saftig und aromatisch. Dazu gesellt sich eine hauchdünne Speckscheibe welche dieser Komposion Tiefgang gibt – simpel aber genial.

Auch für das Steinpilz Tempura, die aromareiche Tomatensauce und die konfierten Aubergingen gibt es Applaus!

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Wie ein „Snickers“: Brownie gefüllt mit Schokoladencrème, Erdnusspaste und Salz-Karamell // Milchschaum mit Schokoweckchen-Eis (15 €) [8/10]

Die Geschmackskombination zwischen Schokolade, Caramel und Erdnuss ist per se  sehr einladend und so schmeckt es auch vom ersten Bissen weg wunderbar. Uns gefällt die Frische des Brownies, die Harmonie, das intensive Aroma und den leichten Einsatz vom Salz. Lediglich der Karamel-Tupfer hätte grosszügiger ausfallen dürfen.

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Friandises [7/10]

Auch zum Kaffe schickt man nicht einfach irgend etwas, sondern noch einmal kleine Geschmacksbomben. Alles schmeckt intensiv und gefällt uns ausgesprochen. So muss ein Abend enden!

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Fazit: Das ‚Le Moissonnier‘ demonstriert auf eindrückliche Art und Weise, wie perfekter Service auszusehen hat. Man spürt beim ganzen Team die grosse Begeisterung und Motivation hier arbeiten zu dürfen. Da können sich viele Lokale eine dicke Scheibe davon abschneiden. Wir fühlten uns ausgesprochen wohl und das obwohl die Lautstärke, für ein Bisto typisch, eher laut war. Hier zeigt man, dass es für einen guten Service kein Silbergeschirr oder einen steifen Ober benötigt, sondern einfach ein aufmerksames Auge und eine grosse Portion Begeisterung. So war unser Wasserglas keine Sekunde leer, es wurde bemerkt, als wir einen zweiten Löffel benötigten und bei der Frage nach einem Zigarettenautomaten, stellte man uns eine Packung Zigaretten auf den Tisch und meinte, dass wir uns bedienen sollten da ein Automat fehle. Und so empfehlen wir all jenen Restaurantbesitzer, die seit Jahren über Gästeschwund jammern, eine Reise nach Köln – neben dem hervorragenden Essen bekommt man eine Lehrstunde zum Thema Service umsonst.

Fairerweise muss man auch sagen, dass der Erfolg des ‚Le Moissonnier‘ nicht nur der Verdienst der starken Servicebrigade ist, sondern auch der Küche unter der Leitung von Eric Menchon. Das sieben köpfige Team arbeitet auf Hochtouren und was da auf den Tellern liegt, macht uns im ersten Moment sprachlos. Klasse Produkte, hohe Handwerkskunst und ein Auge für Ästhetik. Aber nicht nur die aufwendig dekorierten Gerichte überraschen, sondern auch der durchwegs starke Geschmack – und das bei jedem Gericht!

Das ‚Le Moissonnier‘ hat uns nachhaltig begeistert, noch Wochen später schwirrt uns dieses Kleinod im Kopf herum. Wenn wir einen Wunsch frei hätten, wäre dies, dass Madame und Monsieur Moissonnier mit dem Restaurant samt Belegschaft in unsere Nähe ziehen würden. Dort wären wir Stammkunden! Doch wir mögen dieses tolle Restaurant selbstverständlich auch allen Kölner gönnen – vor allem da diese anscheinend genau wissen, welch kulinarische Perle sie da besitzen. Denn bei unserem Besuch, an einem Mittwochabend, war jeder Tisch besetzt – und das bei tropischen Aussentemparaturen.

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Menü: Auf der Speisekarte findet man sieben Vorspeisen (16.50 € – 45 €), genau so viele Hauptgänge (38 € – 54 €) und eine Hand voll Desserts für etwa 14 €. Unter der Woche steht zudem ein 4 Gänge Menü für 75 € zur Auswahl, am Wochenende 6 Gänge für 115 €.

Wein: Zur Auswahl steht eine grosse Weinkarte. Viele hervorragende Weine werden auch Glasweise ausgeschenkt. Monsieur Moissonnier beweist bei der Empfehlung ein starkes Händchen. Toll: Wenn man sich speziell für ein Wein interessiert, bekommt man ein Kärtchen, auf dem weitere Informationen zum Wein aufgeführt sind.

Online: Die Website ist zwar im etwas mühsamen Flash-Format, bietet aber sehr viele Informationen über das Restaurant. Das Video empfehlen wir besonders, da kann man auch schon viel vom Charme dieses Restaurants spüren und sieht auch einige der Speisen.

Wertung: Gourmör / Michelin / Gault-Millau

Sonderauszeichnung:

(Besucht im August 2012)