Cutler & Co. in Melbourne (Australien)

Für den kulinarischen Auftakt unserer Australienreise, haben wir uns einen Tisch im ‚Cutler & Co.‘ in Melbourne reserviert. Das Restaurant liegt in Fitzroy, einem ehemaligen Arbeiterviertel, welches vom Stadtzentrum in wenigen Minuten per Taxi erreichbar ist. Hier steht, seit der Eröffnung im Jahr 2009, Andrew McConnel als Küchenchef am Herd.

Von aussen ist das Lokal recht unscheinbar. So fährt der Taxifahrer genau so daran vorbei, wie wir später zu Fuss. Dank dem blauen Neonlicht, welches wir von der Internetseite wiedererkennen, finden wir das Restaurant dann doch noch. Beim betreten des Lokals fällt gleich die grosse Bar beim Eingang auf. Entlang der Steinmauer sind die Tische platziert. Etwas weiter hinten steht nochmals eine etwas grössere Tischgruppe beieinander.

Die Einrichtung ist chic und minimalistisch. Auf den Holztischen liegen keine Tischtücher und die Speisekarte ist auf einem schlichten A3 Papier gedruckt. Die Geräuschkulisse ist recht hoch, die Atmosphäre ungezwungen – nur wenig lässt darauf schliessen, dass wir uns hier in einem der besten Restaurants von Melbourne befinden. Zum Glück erhalten wir einen Tisch direkt beim Eingang, denn hier stehen nur einzelne Tische und die Lautstärke ist angenehmer. Das Lokal ist sehr dunkel, für ein Speiserestaurant viel zu dunkel! So sollten wir die später servierten Gerichte, in dieser spährlichen Beleuchtung, nur schwer erkennen.

Das Serviceteam ist sehr jung und, für Australien typisch, aufgeschlossen und unkompliziert. Auf dem gereichten Speiseblatt finden wir sowohl die à la carte Auswahl als auch ein Tasting Menü in 8 Gängen – dieses muss von der ganzen Tischgesellschaft bestellt werden – einzelne Gänge streichen oder ersetzen ist nicht möglich.

Wir ordern das Menü und sind sehr gespannt was uns in den nächsten 2 ½ – 3 Stunden, so wird es uns angekündigt, erwarten wird.

Seegras Cracker mit geräucherten Auberginen & Sesam [-/10]

Der Cracker ist wie erwartet knusprig und frisch. Das angenehm meerige Aroma gefällt uns – ein schöner Auftakt.

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Brot

Das gereichte Brot ist in Ordnung, vermag uns Schweizer aber nicht zu begeistern, denn diese Qualität sind wir uns gewohnt. Zum Nachteil der Küche, sind wir erst seit zwei Tagen in Down Under; ein paar Wochen (und viele Toastbrotscheiben) später, hätten wir uns darüber weitaus mehr gefreut.

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Appetisers [5/10]

Die Appetiser-Selektion gilt als 1. Gang und beinhaltet feine Oliven aus Spanien, kleine Australische Austern sowie dünn aufgeschnittener Oktopus mit Aïoli und Paprika. Als viertes Element stellt man uns eine Zigarrenkiste auf den Tisch. Darin liegen knusprige Gänseleber „Zigarren“. Diese bilden dann auch den Höhepunkt dieser Vorspeiseauswahl. Die Rollen sind sehr frisch und das Fois Gras Mousse sehr überzeugen im Aroma.

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Schwertfisch-Sashimi, Wasabi, Avocado, Rettich, Gurken [-/10]

Der rohe Fisch und das Wasabimousse harmonieren gut zusammen. Dazu hat man die rassige Wurzel mit etwas Rahm gekonnt entschärft. Der frische Schwertfisch kann dadurch seinen Eigengeschmack zur Geltung bringen. Die Gurken, Avocadotupfer und die dünnen Rettichscheiben sind zwar nette Dreingaben, da sie das Gericht aber nicht bereichern, hätte man sie auch getrost weglassen können. Alles in allem ein netter aber noch zurückhaltender Start.

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Handgefangene Krabben, Mandeln, King Brown Pilz, Buion [5/10]

Der zweite Gang gleicht zwar farblich dem Vorhergehenden, gefällt uns geschmacklich aber besser. Die Krabben sind zwar nicht ganz so tonangebend wie erwartet, haben aber einen schönen runden Geschmack. Dazu gesellt sich ein wunderbares Mandelpürée. Eine klare Steigerung im Menü, obwohl auch hier die uneingeschränkte Begeisterung ausbleibt – dazu ist das Gericht etwas eindimensional.

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Im Heu gebackene Möhren, Ziegen-Quark, geröstete Körner und Asche [6/10]

Ein vegetarischer Gang der sich in der Optik von den vorhergehenden Gerichten differenziert. Die Karottenstücke verfügen über einen intensiven Eigengeschmack (wenn auch nicht unbedingt nach Heu) und die Tupfer vom Ziegenkäse sind eine grosse Bereicherung – vor allem mit den darüber gestreuten Nüssen, die dem Gericht dank Röstaroma, die nötige Tiefe verleihen. Ein sehr spannender und harmonischer Gang.

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Gebratene & geräucherte Ente, Blutwurst, Randen [7/10]

Für das Entengericht gibt es, zum ersten Mal am heutigen Abend, gedanklichen Applaus. Das Fleisch ist nicht nur wunderbar zart, sondern umgeben von einem leicht knusprigen Mantel – absolut toll. Auch der geräucherte Entenschinken und die Blutwurst gefallen uns ausgesprochen. Für den Kontrast sorgen getrocknete Randen-Chips und gedämpfte Randen. Die Chicore-Blätter verleihen dem Gericht eine leicht bittere Note. Ein sehr überzeugender Teller, der richtig Spass macht.

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Geschmorte Rindsbacke , geräuchterte Rindszunge, gebratener Kohlrabi, Zwiebel Soubise [7/10]

An diese Qualität kann der Hauptgang natlos anknüpfen. Die Rindsbacke stellt die vorhergehende Ente, in punkto Zartheit, sogar noch in den Schatten. Das Fleisch lässt sich wie Butter schneiden. Der Geschmack ist sehr delikat und vollmundig. Auch die Rindszunge gefällt uns sehr gut. Dazu gesellt sich durch die Zweibeln ein schönes Röstaroma sowie ein erstklassiger Kartoffelstampf. Ein toller Hauptgang!

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Apfel & Sauerampfel Sorbet, Fenchel und Dill  [5/10]

Das Sorbet gefällt uns. Daneben finden wir kleine Fenchel Meringues und Dill-Gelées. Dieses Dessert ist aromatisch und sehr erfrischend.

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Veilchen Eis, Schokoladen-Ganache, Sauerkirsch & Gewürznelken Baiser [6/10]

Als zweite Nachspeise wird uns ein Veilchen-Eis sowie zwei Kugeln feinste Ganache serviert. Dieses Dessert überzeugt dank den spannenden Aromen sowie dem Nelken Baiser. Die getrockneten Sauerkirschflocken sorgen für eine flankierende Säure. Der Sponge ist eine nette, aber etwas gar geschmacksarme Dreingabe.

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Petit fours [7/10]

Zum charakterstarken Espresso wird uns ein Praliné aufgetischt. Dieses ist sehr hochwertig. Die Schokoladenhülle knackig, die gesalzene Caramel ein Traum! Über eine etwas grössere Auswahl hätten wir uns sehr gefreut – dann hätte auch das plurale „Petit fours“ auf der Menükarte gepasst.

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Fazit: Selten haben wir ein solch gut portioniertes Tasting-Menü serviert bekommen. Als wir das ‚Cutler & Co‘ verliessen fühlten wir uns wohl gesättigt und trotzdem federleicht. Auf der Rückfahrt durch die tolle Metropole konnten wir über das Menü resümieren. Wir haben im ‚Cutler & Co.‘ sehr gut gegessen. Einige der Gerichte waren für unseren Geschmack zwar etwas zurückhaltend im Aroma, respektive zu wenig ausbalanciert, doch im Gegenzug haben wir auch richtig tolle Speisen serviert bekommen. Vor allem das Entengericht und der Hauptgang konnten uns nachhaltig begeistern.

Das Tasting-Menü wurde in einem angenehmen Tempo serviert und dauerte dann (zum Glück) doch gemütliche 4 Stunden. Da die Tische nur ein Mal pro Abend vergeben werden, hatte man auch zur keiner Zeit das Gefühl, dass man gestresst wird. Der Service ist, wie auch das ganze Restaurant, sehr unkompliziert. Um uns richtig wohl zu fühlen bräuchte es lediglich eine etwas gedämpftere Geräuschkulisse und vor allem mehr Licht – viel mehr Licht!

Die 3 Sterne Wertung des Gourmet Traveler, welche das ‚Cutler & Co‘ als drittbestes Restaurant Australiens listet, halten wir dennoch für gar euphorisch. Wir sind überzeugt, dass die 6ö-Wertung die Küchenleistung besser wiederspiegelt.

Wer in Melbourne einen Ort sucht, in dem man ungezwungen sehr gut essen kann, ist im ‚Cutler & Co.‘ an der richtigen Stelle. Wer ein Lokal für kulinarische Höhenflüge sucht, wird hier aber nicht vollends glücklich.

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Menü: Zur Auswahl steht ein 8 gängiges Degustationsmenü zu 150 AUD. Der erste Gang bildet die Appetiser-Selektion – ein Amuse Bouche wird nicht offeriert. Am Ende gibt es noch ein Petit Four. Das Menü muss von der ganzen Tischgesellschaft bestellt werden – Änderungen oder Kürzungen werden nicht ermöglicht.

Bei der à la carte Auswahl findet man neben den einzelnen Speisen des Degu-Menüs, auch ein paar weitere Gerichte. Die Vorspeisen kosten zwischen 24 – 34 AUD, die Hauptgänge 39 – 47 AUD. Desserts werden für 18.50 AUD verrechnet.

Wein: Neben der Weinkarte werden zum Menü auch zwei verschiedene Weinbegleitungen angeboten. Die Premium-Auswahl zu 150 AUD fokussiert sich auf kleinere Hersteller und rarere Weine, die klassische Begleitung für 100 AUD auf etwas bekanntere Erzeugnisse. Da es bei beiden Pairings einige Europäer dabei hatte, wir aber nicht um die halbe Welt gereist sind um nun europäischen Wein zu trinken, baten wir um eine “regionale” Weinbegleitung. Diesem Wunsch kam der Somelier sehr gerne nach. Die Auswahl war in Ordnung, richtig genial war der Sally’s Paddock Cabernets zum Hauptgang. Toll: Der Somelier stellte uns jeden Wein ausführlich vor.

Hier unsere Weinbegleitung welche mit 100 $ verrechnet wurde:

2006 Bella Ridge ‘Bella Fino’ – Swan Valley WA
2011 Grosset ‚Off-dry‘ Riesling – Clare Valley SA
2010 Fighting Gully Road ‘Aquila’ Chardonnay/Viognier / Petit Manseng – Multi-regional Vic
2011 Garagiste ‘Merricks’ Pinot Noir Mornington – Peninsula Vic
2006 Yalumba ‚Vine Vale‘ Grenache – Barossa Valley SA
2008 Sally’s Paddock Cabernet – Pyrenees Vic
2008 Pegasus Bay ‚Aria‘ Late Harvest Riesling – Waipara NZ
2005 Stanton & Killeen Vintage Port – Rutherglen Vic

Online: Das Restaurant hat erst kürzlich seine Flashbasierte Homepage durch eine übersichtliche HTML Seite ersetzt. Wir finden den Internetauftritt sehr gelungen und übersichtlich.

Wertung: Gourmör

(Besucht im Juli 2012)

Annex in Weggis

Des öfteren bekommt man den Ratschlag Restaurants mit Seesicht meiden, denn dort werde schlecht gekocht da die Gäste wegen der Aussicht sowieso kommen. Etwas Wahres hat die Aussage zwar dran, selbstverständlich gibt es aber auch viele Lokale bei denen die servierten Speisen der Aussicht in nichts nahe stehen.

Das Restaurant ‚Annex‘ steht an einer solch exponierten Seesicht-Lage. Als Gourmetrestaurant des 5 Sterne Hotels „Park Weggis“ (zum Hotel-Bericht) zählt es seit langem zu den besten Adressen der Region. Auch die Fachpresse lobt die asiatisch-mediterrane Küche von Renee Rischmeyer und seiner vierköpfigen Brigade seit Jahren in höchsten Tönen. Wir besuchten das Hotel vor ein paar Wochen auf unserer Sternensuche und studierten bei einem Espresse die Speisekarte. Diese war so vielversprechend geschrieben, dass wir umgehend einen Tisch reservierten.

Im Juni war es dann so weit. Das Quecksilber klettert an diesem Tag erstmals in diesem Jahr auf 28 Grad und da die angekündigten Gewitterwolken fern bleiben, deckt die ‚Annex‘-Crew auf der Terrasse auf. Unter weissen Sonnenschirmen und mit einem etwas eingeschränkten Blick auf den See, geniessen wir einen erfrischenden Apéro. Der Service zieht uns von Beginn weg in seinen Bann. Das Team um Simone Bohner schafft die perfekte Balance zwischen Professionalität und einem unkompliziertem Umgang.

Dem Gast stehen zwei 9 Gänge Menüs zur Auswahl. Daraus kann jeder am Tisch sein eigenes Menü zusammenstellen. Dazu wählt man zwischen 4 bis 9 Speisen. Praktisch, die Küche staffelt die Gänge so, dass die Speiseabfolge Sinn macht und, dass die Gänge, welche von der ganzen Tischgesellschaft ausgesucht wurden, auch zusammen serviert werden. Übrigens: Da es extrem schwierig ist, sich für seine Gerichte zu entscheiden, empiehlt es sich im Voraus das Menü zu studieren. Dieses findet man immer aktuell auf der Hotel-Homepage.

Während wir noch unsere 9 Gänge aussuchen, serviert man uns die Apérohäppchen und annoncierte sie uns als:

Kaninchen Variation [5/10]

Wir starten mit dem gebratenen Filet auf Mozarellacreme – die Komposition ist sehr geschmacksvoll und gefällt uns sehr. Als nächstes geniessen wir das knusprige Cornet welches mit gut abgeschmecktem Kaninchentatar gefüllt ist. Der Kaninchen-Spiess geriet wegen dem Weissbrot zu trocken, einzig der Frühlingslauch gab eine gewiss Frische.

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Brot

Acht verschiedene, hausgemachte Brote werden uns als nächstes auf den Tisch gestellt. Die Brötchen sind tadellos, jedoch geschmacklich etwas zurückhaltend – lediglich das Speckbrot kann uns uneingeschränkt begeistern. Dafür können wir uns an den Aufstrichen nicht satt essen. Vor allem der mit Bärlauch verfeinerte Hüttenkäse trumpfte auf. Aber auch die spannende Erdbeer / Rhabarber Kombination gefällt uns ausgesprochen.

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Nun tritt Sommelier Martin Kern an unseren Tisch. Der gebürtige Österreicher ist Herr über 2’600 Weinpositionen; ein Schweizer Rekord, keine Weinkarte ist hierzulande grösser, kein Weinkeller beherbergt mehr Flaschen (ca. 53’000). Martin Kern ist äusserst sympathisch und ein wahrer Profi. Während alle Gäste um uns herum ganze Flaschen bestellen, beauftragen wir Kern uns eine Weinbegleitung zusammen zu stellen. Dies freut ihn sichtlich. Mit einem Lächeln auf den Lippen verschwindet er im Keller und stellt uns danach die passendste Weinbegleitung zusammen die wir jemals hatten.

Zum nun servierten Amuse kredenzt er uns einen wunderbaren Petite Arvine aus dem Wallis.

Nordseekrabben auf Kartoffel-Kresse-Stampf und Sake-Rührei [-/10]

Der Gruss aus der Küche ist eine Hommage an Renee Rischmeyers Heimat, hoch im Norden von Deutschland. Uns gefällt zwar die konzeptionellen Zusammensetzung, geschmacklich will das Gericht aber nicht überzeugen. Die Kresse ist zu überproportioniert, die Krabben zu zurückhaltend im Geschmack und das Rührei zu fad. Etwas konsterniert nehmen wir den letzten Schluck Weisswein und hoffen auf geschmacklich überzeugendere Gänge.

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Lauwarmes Langustinen-Carpaccio auf Kokos, Wakame, Mango und Wasabi [9/10]

Die Hoffnung erfüllt sich sogleich, denn mit dem Langustinen-Carpaccio wird das Highlight des Abends serviert. Die Optik ist extrem detailliert, das Geschmacksbild unbeschreiblich vielfältig. Zuerst schmeckt man das feine Krustentier. Danach wird der Gaumen von einem leichten Kokosnussgeschmack eingehüllt, bevor dann eine dezente Sojanote für einen zusätzlichen Akzent sorgt. Eine weitere Offenbarung ist die reife Mango welche in einer dünnen Scheibe auf dem Gericht liegt. Um den süssen Komponenten einen Gegenpol zu geben, setzt Rischmeyer zwei Nocken Kaviar auf das Gericht und lässt vom Service Team frischen Wasabi über den Teller raffeln. Dieser Gang ist extrem facettenreich und geschmacksintensiv. Ein Gericht bei dem man auf Aroma Entdeckungsreise gehen kann – absolut genial!

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Hummerrücken an Avocado, Wassermelone, Rucola, Olive und Holunderblüte [5/10]

Nun geniesst der europäische Hummer unsere Aufmerksamkeit. Vom Krustentier gibt es den Rücken sowie dessen mehlige Schere. Diese Komposition kann mit dem vorhergehenden Teller nicht mithalten. Das grosse Manko ist die überproportionierte Wassermelone welche das ganze Gericht zu stark dominiert. Dabei müssen die drei Variationen vom Ruccola geschmacklich genau so kapitulieren, wie der Holunderblütenschaum. Die Melone separiert gegessen, machte dank dem tollen Röstaroma (die Melone wird durch das Braten leicht caramelisiert) richtig Spass.

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Mittlerweile wurde es dunkel auf der Terrasse. Der warme Sommerabend ist zwar zum geniessen schön, doch die aufwendig angerichteten Speisen verschwinden in der Dunkelheit. Da helfen auch die brennenden Fackeln nichts. Und so bitten wir um einen Tisch im Restaurant um dort das restliche Menü zu geniessen. Die Inneneinrichtung gefällt uns sehr gut. Rot- und Weisstöne dominieren, punktuell kommen goldene Elemente zum Einsatz. Wir werden an einen Tisch an der Fensterfront geführt, von hier haben wir eine wunderschöne Aussicht auf den Vierwaldstättersee.

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Zunge und Milken an neuen Kartoffeln mit flüssigem Eigelb und Parmesan [8/10]

Auch hier kann man sich an den diversen tollen Geschmackskombinationen nicht satt essen. Es passt einfach alles zusammen. Die Zunge und Milken sind perfekt zubereitet und deren tollen Eigengeschmack passen wunderbar zum Eigelb und vor allem zum rezenten Parmesan – ein Traum. Abgerundet wird das Gericht durch einen schönen Kalbsjus sowie einem tollen Kartoffelpüree!

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Wagyu-Entrecôte an asiatischem Gemüse und Mais [7/10]

Ein Japanischer, sehr subtiler Gang mit edlem Wagyu-Fleisch wird uns als nächstes serviert. Das Fleisch wurde nicht gebraten sondern nur leicht gegart. Rischmeyer verzichtet dabei auf Salz und Pfeffer und stellt somit das intensive Eigenaroma des Wagyu in den Vordergrund. Das mit Fett marmorierte Fleisch ist sehr Geschmacksintensiv, die Shitakeessenz ein Idealer, zurückhaltender Begleiter.

Der Gegenpol zum Fleisch bildet das asiatische Gemüse mit Mais. Auch diese Komposition passt hervorragend, ohne vom Wagyu abzulenken. Einziger Wehmutstropfen ist der sehr hohe Kauaufwand beim Fleisch, da die dünnen Fettstreifen wegen der sanften Zubereitungsmethode noch recht kompakt sind.

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Gebratene Entenstopfleber mit Erbsen, Passionsfrucht und Brunnenkresse [6/10]

Die Leber ist kross gebraten, die Erbsen und das Passionsfrucht-Eis passen sehr gut dazu. Trotz des eher schweren Hauptakteurs, ist dies ein recht erfrischender Gang und bietet, auch Dank des Entenleberjus, wiederum ein rundes, stimmiges Geschmacksbild. Lediglich die Sehne in der Leber trübt etwas unsere Freude.

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Sashimi vom Gelbflossen Thunfisch auf Passionsfruchtrisotto mit Pistazie, Basilikum, Tomate und Sepiolini [8/10]

Und gleich noch einmal Passionsfrucht – der Nachteil wenn man zwischen zwei Menüs jonglieren kann. Stören tut uns das aber reichlich wenig, denn auch dieses fruchtige Risotto ist eine Wucht. Die ‚Annex‘-Crew beweist bei der Passionsfrucht-Dosierung ein hervorragendes Händchen. Auch für den wunderbaren Tunfisch gibt es nur lobende Worte. Wie auch für die tollen Tomaten und den Basilikum. Zu guter Letzt soll auch die subtil gewürzte, wunderbar zarte Sepiolini erwähnt werden.

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Steinbuttfilet an Broccoli, Mandeln und Spanferkelbauchwürfel [8/10]

Fisch und Spanferkel? Beim Bestellen hatten wir noch unsere Zweifel. Der jetzt servierte Teller macht aber im höchsten Masse Spass. Die Kombination der beiden konträren Produkte bekommt von uns uneingeschränktes Lob. Der edle Fisch ist perfekt zubereitet und verfügt über den bekannten, leicht nussigen Eigengeschmack. Auf dem Fisch sorgen winzige Würfel vom Schweinebauch, leicht gehackte Tandorie Mandeln und ausgebackene Schweineschwarten für den knusprigen Biss – ohne den Steinbutt zu verfremden. Die Sauce, auf dem der Steinbutt gebettet ist, stammt ebenfalls vom Spanferkel und passt unerwartet toll zum Fisch. Einzig die etwas gar trockenen Schweinebauchwürfel geben Grund zur Kritik. Dies macht aber das süchtig machende Mandelpüree locker wieder wett.

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Salzwiesen Lammrücken mit Kichererbsen, Zuckerschoten, Aubergine, Tandoori und schwarzem Knoblauch [7/10]

Zwei grosszügige Stücke vom Walisischen Salzwiesenlamm liegen auf dem nächsten Teller. Die Sauce (Lamm-Asia-Jus) ist auch hier sehr gut auf das Fleisch abgestimmt. Das Lamm ist zart. Auch das Drumherum kann uns wiederum überzeugen. Besonders auftrumpfen kann, neben dem rassigen Ziegenkäse, der schwarze Knoblauch. Geschmacklich sehr ähnlich wie die bekannte weisse Knolle, nur mit dem grossen Vorteil, dass man hier keinen störenden Nachgeschmack hat. Kaum hat man den geleeartigen Knoblauch runtergeschluckt, verflüchtigt sich das Aroma langsam.

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Spielerei von Kaffee und Banane mit Valrhona Schokolade [8/10]

Das Dessert wird in zwei Gängen serviert. Der Anfang macht eine Tasse, gefüllt mit Milchschaum. Darunter liegt ein Mousse von der Valrhona Abinao Schokolade, unter weissem Kaffeeeis, sowie ein Bananen Sud. Am Tisch wird das Ganze mit einem Kaffeelikör übergossen. Dieses löffelt man dann genüsslich aus. Die Komposition erinnert stark an einen Eiskaffee „deluxe“ und machte auch dank der Kombination aus kalt und warm richtig Spass.

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Der zweite Teil des finalen Abschluss wird sehr modern interpretiert. Hier gibt es wiederum ein Zusammenspiel zwischen Schokolade, Kaffee und Banane, was schon von den Grundgeschmäckern sehr gut funktioniert. Die Basis bildet ein Kaffegelée welches sich wie ein Teppich unter das ganze Dessert legt. Dazu gibt es eine Bananencrème, frische Bananenbalken, Schokoladen-Kaffeemousse, Bananen-Stampf, Bananen-Canache-Würfel, Passionsfruchtsauce, Chips von der Kochbanane und frische Bananenscheiben. Das absolute Highlight ist das weisse Kaffeeparfait, gefüllt mit Kaffeereduktion und Haselnuss, welches in der Tellermitte thront – ein Traum.

Uns hat dieses Facettenreiche und aufwendig zubereitete Dessert begeistert. Der erst 21 jährige Pâtissier René Müller macht einen tollen Job!

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Friandises [7/10]

Zum Abschluss gibt es noch eine schöne Sammlung von diversen Küchlein und Pralinen. Vor allem die fruchtigen Komponenten gefallen uns sehr gut. Einzig das etwas schlaffe Cornet mit dem pfeffrigen Tomateneis, hätte viel besser zum Menüauftakt gepasst als nun zu diesen süssen Häppchen.

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Fazit: Wie eingangs erwähnt, gibt es Restaurants die kulinarisch mit einer schönen Aussicht mithalten können. Das ‚Annex‘ steht eine Stufe höher und begeistert seine Gäste in so hohem Masse, dass man die Aussicht spätestens nach dem ersten Gang vergessen hat. Das Gebotene auf dem Teller ist um ein mehrfaches faszinierender als jeder See.

Heutzutage ist es en vogue wenn Köche zwei, maximum drei verschiedene Geschmackskomponente auf dem Teller vereinen. Ganz anders macht es Renee Rischmeyer. Seine Kompositionen bestehen aus einer Vielzahl verschiedener Geschmäckern und Komponenten. Dass die Kombinationen im Gaumen nicht wirr wirken, sondern sich zu einem wunderschönen Geschmacksbild zusammenfügen, zeugt vom  grossen Talent des Hamburger Spitzenkochs und seiner Brigade.

Dabei ist beeindruckend, dass es neben dem jeweiligen Hauptakteur, auf dem restlichen Teller noch so viel zu entdecken gibt. Dabei wird kein Aufwand gescheut. Die Gerichte sind sehr aufwendig und fantasievoll umgesetzt.

Die Speisen werden in einem stilvollen Ambiente serviert. Ob draussen auf der lauschigen Terrasse oder im sehr gemütlichen Restaurant, hier lässt es sich sehr genussvoll tafeln. Dazu trägt auch der starke Service bei.

Einzig die Grössen der Portionen sollte man zwingend anpassen. Das volle Menü schafft man fast nicht. Und so hatten wir nach den neun Gängen viel zu viel gegessen. Damit das Menü, mit den aktuellen Portionen, bis zum Schluss ein Genuss bleibt, sollte man sich als Gast auf maximum 7 Gänge festlegen. Vielleicht schafft man es dann auch noch zeitlich in die ‚LALIQUE Caviar Bar‘ um neben den Piano Klängen, eine Zigarre zu geniessen – diese war um viertel vor zwei leider bereits geschlossen. Zum Glück hatte der freundliche Nachtportier Mitleid mit uns und liess uns die Zigarre doch noch in den gemütlichen Ledersässeln geniessen.

Das ‚Annex‘ ist ein Top-Restaurant und verdient klar unsere hohe 8ö Wertung! Dank der angenehmen Atmosphäre und den zugänglichen Speisen, eignet sich das ‚Annex‘ auch für weniger versierte Gourmets. Dabei lohnt sich auch eine längere Anreise. Peter Kämpfer, Hoteldirektor des Park Weggis, darf Stolz auf sein ‚Annex‘ sein. Restaurants mit einem solchen Service, Ambiente und kulinarischen Höhenflüge sind rar.

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Wein: 5 Sterne Hotels und faire Weinpreise sind an vielen Orten ein Wiederspruch. Ganz anders hier im ‚Park Weggis‘. Viele Weine kann man im ‚Annex‘ günstiger geniessen als wenn man sie in der hoteleigenen Weinhandlung bezieht. Die Händler-Preisliste wird nämlich laufend an die weltweiten Marktpreise angepasst, während man die Preise auf der Restaurantkarte unangetastet lässt.

Weinliebhaber werden beim durchstöbern der 2’600 Weinpositionen ins Staunen kommen. Uns bot Sommelier Martin Kern eine aufs Menü abgestimmte Weinbegleitung an. Die Auswahl war ausgezeichnet und die Beste die wir je hatten.

Die Weinbegleitung für 113 Franken:

Petite Arvine 2009 – Gerald Clavien, Wallis – Schweiz
Chassagne-Montrachet 2008 – Niellon Michel, Burgund Frankreich
Grüner Veltliner Loibner Berg Smaragd 2008 – F.X. Pichler, Wachau – Österreich
Châteauneuf-du-Pape Blanc 2011 – Holos de Jupiter, Rhône – Frankreich
Gewürztraminer Vendange Tardive 2002 – Josmeyer, Elsass – Frankreich
Carbonnieux Blanc 2008 – Bordeaux – Frankreich
Nuits St. Georges 2007 – David Duband, Burgund – Frankreich
Syrah „Case Via“ 2006 – Fontodi, Toskana – Italien
Lustau Pedro Ximenez Murillo Centenary Selection, Jerez – Spanien
Beerenauslese Cuvée 2008, Kracher – Österreich

Online: Das „Park Weggis“ hat zwar einen schönen Internetauftritt, gönnt seinem Vorzeigerestaurant ‚Annex‘ aber leider keine eigene Homepage. Dies müsste man zwingend nachholen. Immerhin findet man schon jetzt die aktuelle Speise- und Weinkarte auf der Internetseite.

Wertung: Goumör / Michelin / Gault-Millau

Sonderauszeichnung:   _ Hier findet ihr eine Cigarren-Lounge

(Besucht im Juni 2012)

Sternen in Walchwil

Der schöne Gasthof ‚Sternen‘ steht seit über 150 Jahren in Walchwil, direkt am Zugersee. Christine und René Weder übernahmen das Restaurant vor 16 Jahren und führten es mit viel Engagement bis an die Spitze. Mit einem Michelin Stern und 16 Punkten im Gault-Millau, ist das Restaurant seit einigen Jahren das höchst Bewertete im Zentralschweizer Kanton.

Zu Beginn von René Weders Karriere hätte noch niemand geglaubt, dass er jemals um Punkte und Sterne kochen wird. Weder entschied sich nämlich zuerst für eine Lehre als Tiefbauzeichner. Erst auf dem zweiten Bildungsweg hat er sich zum Koch ausbilden lassen (wir danken!).

Wir besuchten den ‚Sternen‘ an einem der wenigen kühlen Mai -Tage. Die Strasse von Zug aus schlängelt sich am Ufer des Zugersees entlang. Unser Blick schweifte während der Fahrt immer wieder auf den See, dessen spezielle Farbe mit den dunklen Wolken für eine mystische Stimmung sorgte. Uns war zwar bewusst, dass diese Regenwolken ein Abendessen auf der Terrasse direkt am See verunmöglichen werden, doch wir freuten uns genau so auf einen Abend in den gemütlichen Stuben.

Vor dem Restaurant angekommen, begann es dann auch zu regnen. Schwere Tropfen trafen auf unsere Windschutzscheibe und zerplatzten dort mit einem dumpfen Geräusch. Wie in einem kitschigen Film, öffnete sich in dem Moment die Restauranttür. Eine junge Servicemitarbeiterin lächelte uns entgegen und hielt uns die Tür auf, damit wir uns in den Gasthof retten konnten. Dort wurden wir von weiteren Mitarbeitetenden und vielen frischen Blumen begrüsst. Wir waren die ersten Gäste und wurden sogleich in die schöne „Sternen Stube“ begleitet.

Christine Weders Servicemitarbeiterinnen sind aufmerksam und freundlich. Ihr Service-Herzstück war Somelier Jürg Hasler. Seine natürliche und sehr freundliche Art begleitete uns den ganzen Abend. Hasler übernahm auch die Auswahl der Weinbegleitung, bei der er ein sehr gutes Händchen bewies.

Doch zuerst mussten wir uns für die Speisen entscheiden. Dafür wurde uns die Karte gereicht und zugleich gefragt, ob wir Lust auf ein Überraschungsmenü hätten. Als wir dann die Karte öffnen wollten, um zu sehen was sonst noch zur Auswahl stand, mahnte man uns, dass darin das „Überraschungsmenü“ detailliert aufgelistet sei. Das „Überraschungsmenü“ entpuppte sich als „saisonales Menü“, welches auch auf der Internetseite aufgeschaltet war und in vier bis sieben Gängen angeboten wird.

Wir bestellten mit Augenzwinkern das „Saisonale-Überraschungsmenü“ und ahnten da noch nicht, welche Auswirkungen dies haben wird…

Zuerst erreichte uns aber eine schöne und abwechslungsreiche Brotauswahl. Dazu servierte man uns Butter, feines Olivenöl und rosa Salzflocken.

Wenig später wurde uns dann der Gruss aus der Küche serviert:

Thunfisch an Senfhonigsauce, Tomatenmousse Windbeutel, orientalisches Couscous, Kürbischutney und dreierlei Nüsse [6/10]

Eine kurz angebratene Scheibe vom Thunfisch lag auf der Tellermitte. Der Fisch war zwar unerwartet kühl, jedoch frisch und sehr fein. Die rassige Dijon-Senfsauce war ebenfalls lecker, doch zum Wohle des Eigengeschacks, liessen wir diese nur in mikroskopischer Dosierung an den fast rohen Tuna. Dass Weders Küche nicht nur klassisch sondern auch kreativ ist, dies bewies der luftige Windbeutel, welcher mit Tomatenmousse gefüllt war sowie auch die drei Nüsse mit unterschiedlicher Ummantelung (Wasabi / Schokolade / Honig).

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Meeresfrüchte mit Spargel [7/10]

Auf einem biederen Glasteller wurde anschliessend der erste Gang serviert. Der Duft nach frischen Spargeln stieg gleich in die Nase. Vom Frühlingsgemüse gab es zwei Sorten, die grünen Wilden sowie die aromatischen Weissen aus Baden. Raffiniert und sehr überzeugend war die Vermählung mit der Orange (!). Dafür wurde der weisse Spargel seitlich aufgeschnitten und mit Orangenschale und – Saft betreufelt. Toll!

Auch das luftige Mousse gefiel uns gut, da auch hier das Spargelaroma sehr präsent war. Da gerieten die drei Meeresfrüchte, Langustine, Gamba und die Jakobschmuschel, schon beinahe zur Nebensache.

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Saiblingsfilet mit Sellerie und Rüebli-Ingwersauce [5/10]

Das zweite Gericht wurde klassisch unter ein Cloche serviert. Die beiden Saibling-Filets waren sehr fein und passten gut zu der gelben Sauce. Diese war gut abgeschmeckt und hatte einen angenehmen Karrotten-Goût. Der Sellerie war für unseren Geschmack etwas zu lange gekocht. Auch das restliche Gemüse war etwas ausdruckslos. Alles in allem ein nettes Gericht.

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Entenleber mit Erbsen und Minze [8/10]

Danach wurde uns der Höhepunkt des Abends serviert. Die Entenleber war sehr gut zubereitet, ein kulinarischer Traum. Überraschend war die Kombination von frischen Erbsen und intensiver Minze. Diese Vermählung liessen unsere Sinne jubilieren. Dieses frische Aroma war auch ein passender Kontrast zur tollen Leber.

Neben dem Teller gab es eine weitere Überraschung: auf Löffeln lagen zwei Glace-Häppchen – einmal ein überzeugendes Leber-Eis und zum andern ein unglaublich tolles Minzen-Sorbet – Hammer!

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Ravioli mit Ochsenschwanz und Morcheln [7/10]

An dieser Stelle hätte, gemäss Menü, eine „Kalbfleisch-Trilogie“ serviert werden sollen. Da wir beim Bestellen des Menüs das „Überraschungsmenü“ orderten, ging man davon aus, dass wir gewisse Gänge ersetzt haben möchten. Eigentlich eine tolle und bestimmt gut gemeinte Idee, aber als Gast erwarten wir, dass man uns über solche Absichten informiert. Auf die Kalbfleisch-Trilogie hatten wir uns nämlich besonders gefreut, da diese am Nachbarstisch einen äusserst schmackhaften Eindruck machte.

Nun sollte also dieses, eher unscheinbare Pastagericht, über den Verlust der „Kalbfleisch-Trilogie“ hinwegtrösten? Nachdem sich im Gaumen die frischen Aromen von den wuchtigen Morcheln und der intensiven Ochsenschwanzfüllung vermählten, wich die Skepsis und machte der uneingeschränkten Begeisterung Platz. Welch vollmundiger Gang – welch tolle, hauchdünne Raviolis!

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Sommerreh an Rosmarinjus,  neue Kartoffel und Gemüse [6/10]

Auch beim Hauptgang gab es eine weitere „Überraschung“, statt dem angekündigten Lamm wurde uns ein Sommerreh serviert. Das Fleisch war gut zubereitet und von hoher Qualität. Dazu reichte man uns einen leichten, aber aromatischen Rosmarinjus. Das Gemüse war in Ordnung, weitaus mehr überzeugen konnten uns die Bratkartoffeln. Diese waren perfekt gebraten und hatten ein schönes Aroma.

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Käse

Die Käseauswahl war ein weiterer Höhepunkt. 40 verschiedene Sorten warteten auf den genüsslichen Verzehr. Dazu servierte man uns eine vielzahl an Dressing; Süsser Senf, Preiselbeeren und Kümmel. Als wäre das nicht genug, stellte man uns eine frisch gebackene und noch wunderbar warme Scheibe Birnenbrot dazu – lecker!

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Avocado-Variation mit 2-farbiger Schokolade [7/10]

Das Eis war wuchtig und schmeckte unglaublich intensiv nach Schokolade, ohne dabei mastig zu sein – ganz stark umgesetzt! Auch das zweifarbige Schokoladenmousse war ein wahrer Schokoladentraum. Bei den beiden Avocado-Desserts (Sorbet und Panna Cotta) hätten wir uns etwas mehr Eigenaroma dieser tollen Frucht erhofft. Trotzdem das Dessert war ein würdiger Abschluss dieses wunderbaren Menüs.

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Friandises [8/10]

Die Patisserie zündete anschliessend noch das Schlussbouquet und konnte dabei nochmals unsere vollste Aufmerksamkeit geniessen. Feine Gelées, frisches Gebäck und ein geniales, caramelisiertes Popcorn! Von jedem dieser Häppchen gab es pro Person ein Stück. Für einmal mussten wir uns nicht um die Friandises streiten.

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Fazit: Von Aussen eher unscheinbar, beherbergt der ‚Sternen‘ ein wunderbares Restaurant, in dem sich gemütlich tafeln lässt. Wir genossen ein tolles Menü auf einem durchgehend hohen Niveau. Die Gerichte waren dabei moderner als erwartet. René Weder geht mit der Zeit, ohne seine klassische Handschrift zu vernachlässigen. Dabei spürt man bei allen servierten Speisen, dass sich Weder und seine Küchenbrigade nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern sehr motiviert am Herd stehen.

Den ‚Sternen‘ empfehlen wir sehr gerne weiter. Das nächste Mal besuchen wir das Restaurant an einem trockenen Tag und sind gespannt auf die Terrasse.

Wein: Somelier Jürg Hasler machte einen tollen Job und servierte uns den ganzen Abend überzeugende und zum Menü passende Weine. Die Weinbegleitung stand zwar nicht explizit auf der Karte, doch er erfüllte uns diesen Wunsch gerne. Interessant: Hasler zeigte uns die Weinetiketten jeweils erst nach ein paar Minuten, so konnten wir in der Zwischenzeit Gedanken über den Wein machen.

Die Begleitung beschränkte sich nicht nur auf ein Glas pro Gang, sondern der Wein wurde nachgefüllt – und, anders als zum Beispiel im Restaurant  ‚Amador‚, auch verrechnet. Ehe wir uns versahen, stehen dann pro Person 200 Franken für Wein auf der Rechnung – der höchste Preis den wir je für eine Weinbegleitung bezahlen mussten.

Neben der Weinbegleitung gibt es natürlich auch eine grosse Auswahl an Flaschenweine. Diese werden unglücklicherweise nicht in einer traditionellen Karte angeboten, sondern auf einem iPad. Dies ist zwar modern, macht aber nur Sinn, wenn man die Weine nach diversen Auswahlkriterien sortieren kann. Hier im ‚Sternen‘ waren die Weine lediglich nach Regionen sortiert. Die digitale Karte bot dadurch keinen Mehrwert und war unübersichtlicher als eine Gedruckte.

Unsere Weinbegleitung:

Riesling Dürnsteiner Federspiel 2009, Leo Alzinger, Wachau
Pinot Grigio 2010, Marco Felluga, Collio Friaul
Apianae, Moscato del Molise 2008, Molise It
Cortes de Cima, Alentejano Portugal, 2009, Arragonez und Syrah
Perenzo, Maremma Toscana, 100% Syrah 2007
Petit Verdot, Remolinos Vineyard, Mendoza, Argentinien 2006
Trockenbeerenauslese Rotgipfler x Zierfandler, Weingut Biegler, Thermenregion, Österreich

Menu: Neben dem Saisonalen Menü in 4 (124.-) bis 7 Gängen (168.-), gibt es auch ein 3 Gänge Fisch- oder Vegi Menü (112.- respektive 82.- Franken). Daneben stehen auch einige hochpreisige à la carte Gerichte zur Auswahl. Zu guter Letzt kann man auch ein 10 gängiges Häppchenmenü für 188 Franken bestellen. Dazu bereitet die Küche 7 Vorspeisen, 1 Käsegang und 2 Desserts zu. Unser 7 Gänge-Menü dauerte 4 1/2 Stunden.

Online: Die Website ist zwar nicht schön aber immerhin findet man viele Informationen über das Restaurant. Unter anderem jeweils das aktuelle Menü.

Bewertung: Gourmör / Michelin / Gault-Millau

Auszeichnung:

(Besucht im Mai 2012)