Cheval Blanc in Basel

Hier geht es zum neuen Artikel über das Cheval Blanc by Peter Knogl in Basel.

Vorgenommen haben wir es uns schon lange, Peter Knogl im wunderschönen Hotel „Les Trois Rois“ in Basel zu besuchen. Der Entscheid fiel aber sehr spontan und so müssen wir damit leben, dass die Tische in seinem Restaurant ‚Cheval Blanc‘ heute Abend bereits ausgebucht sind. Nach einigen Überlegungen und der Absicherung, dass man auch am Mittag das grosse Menü ordern kann, reservieren wir den Tisch für einen Lunch beim Gault-Millau „Koch des Jahres 2011“.

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Man is(s)t nicht jeden Tag in Basel und so gönnen wir uns ein schönes Doppelzimmer – ein guter Entscheid. Nach dem Check-in geht es mit grosser Vorfreude zu Tisch. Das mit 2 Michelin Sternen ausgezeichnete Gourmetrestaurant ist überraschend klein, gerade einmal sieben Tische, die meisten mit Blick auf den Rhein, stehen in dem eleganten Raum. Offensichtlich sind wir nicht die Einzigen die das Dîner dem Lunch vorziehen und so bleiben die meisten Tische heute Mittag leer.

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Der weiss gekleidete Maître Grégory Rohmer heisst uns willkommen. Er und sein Serviceteam sorgen dafür, dass wir uns trotz dem halbleeren Restaurant sehr wohl fühlen. Dabei agiert das Team, ganz nach französischen Schule, sehr formal, bleibt dabei aber frei von jeglicher Überheblichkeit.

Auf der gereichten Speisekarte finden wir neben einer sehr interessanten à la carte Selektion, auch das ‚Le Menu des Rois‘ in sechs Gängen. An diese Auswahl halten wir uns und warten gespannt auf den Start. Zuerst wird uns etwas Butter und eine kleine Brotauswahl aufgetragen. Während andere Restaurants schon hier erste Akzente setzen, bleibt die Auswahl hier geschmacklich eher zurückhaltend.

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Weiter geht es mit den ersten Häppchen:

Joghurt Krokant mit Kaviar / Rote Bete Macaron [9/10]

Das Joghurtkrokant schmilzt in unserem Mund und setzt ein crèmiger, leicht säuerlicher Geschmack frei. Dazu gesellt sich die jodige Note des Kaviars. Eine sehr elegante Kombination.

Das Randen-Wasabi-Macaron schmeckt genauso spannend wie es aussieht. Die Harmonie zwischen der erdig-süssen Rande und der perfekt dosierten Schärfe der Wasabicrème ist atemberaubend. Absolut verständlich, dass das auffällige Macaron beinahe seit zwei Jahren immer wieder in der Amuse-Auswahl vertreten ist.

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Gurke mit Escabechegemüse / Felsenauster mit Ponzugelee [8/10]

Weiter geht es mit einer kalten Gurkensuppe welche unsere Vorfreude auf den Sommer merklich steigert. Zur passenden Kontrastierung setzt Knogl etwas Meerrettich ein.

Für die tolle Auster ist vermutlich der langjährige Sous Chef Susumu Sasaki verantwortlich. Diese erinnert uns dank Soja und einer Miso-Essenz, an seine Japanischen Heimat.

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Knusprige Gemüsepraline mit Kräutercreme [7/10]

Beinahe entschuldigend kündigt man uns einen weiteren Gruss an. Von uns aus könnte das noch den ganzen Nachmittag so weitergehen, denn auch dieser Happen ist toll. Schönes Gemüse, eine knusprig süffige Ummantelung und darunter eine tolle Kräutermayonnaise mit leichtem Trüffelgeschmack.

Genüsslich lehnen wir uns in die bequemen Stühle. Der Start ist geglückt. Klare Aromen, spannende Kombinationen und eine ansprechende Präsentation – genau so lieben wir es.

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Komposition von Entenleber, Taschenkrebs, Jakobsmuschel und grünem Apfel [7/10]

Viele von Knogls Gerichten tauchen über Jahre immer wieder auf der Karte auf. Diese Kreation ist eine seiner Jüngsten und wird erst seit wenigen Wochen serviert.

Beim lesen des Menüs waren wir uns sicher, dass diese Komposition nur schwer funktionieren würde. Die Küchencrew demonstriert aber ihr Talent und zaubert mit den konträren Akteuren ein wunderschönes Geschmacksbild. Dabei beeindruckt, dass jedes Element seinen aromatischen Freiraum bekommt und alles sehr geschmacksintensiv ist.

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Seezungenfilet, Parmesankruste, Perigordtrüffel [9/10]

Die Seezunge wurde zuerst pochiert und anschliessen mit Parmesan gratiniert. Das Ergebnis: ein saftiger Fisch mit schönem Eigenaroma, ergänzt mit einem Hauch von Parmesan – traumhaft! Der himmlische Sud und der Périgord-Trüffel bieten dem saftigen Fisch eine elegante Bühne.

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Milchkalbsbries mit Erdnusskrokant und Artischockencrème [9/10]

Weiter geht es mit einer atemberaubenden Kalbsmilke. Wir lieben den charaktervollen Geschmack dieser Delikatesse. Wiederum ein Kompliment an die überragende Sauce – sie ist tief und stimmungsvoll. Die geschmacklichen Begleiter Estragon und Erdnuss bereichern das Gericht zusätzlich – letzteres auch dank einem neckischen Chip.

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Bresse-Taube, Salzzitrone und marokkanische Aromen  [9/10]

Zum Hauptgang dreht man nochmals auf und serviert uns eine exzellente Taube aus der Bresse. Nicht nur die zarte Brust, sondern auch die geniale Keule begeistert uns. Die dazu gereichte Sauce mit den marokkanischen Aromen ist schlicht eine Wucht – wenn man die Augen schliesst hat man regelrecht das Gefühl als würde man durch einen nordafrikanischen Gewürzmarkt schlendern. Wir sind schwer beeindruckt!

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Käse von Maître Antony aus Ferrette

Vom gut sortierten Wagen wählen wir eine Auswahl an gut gereiften Käse von Affineur Antony.

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Friandises [7/10]

Die Friandises sind liebevoll zubereitet, geschmacklich vielfältig und toll.

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Exotische Schokolade mit Yuzu [9/10]

Schokoladendesserts haben oft das Problem, dass sie gerade am Ende eines grossen Menüs viel zu schwer sind. Ganz anders dieses wunderschöne Exemplar hier. Der Schokoladengeschmack ist vollmundig ohne erdrückend zu wirken. Im Gegenteil, es schmeckt überraschend leicht und in der Textur spannend und facettenreich. Das erfrischende Yuzu-Eis passt perfekt dazu.

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Pralinen [6/10]

Zu guter Letzt dürfen wir zum Kaffee aus fünf verschiedenen sehr feinen Pralinen wählen.

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Fazit: Was für ein edles Mittagesmenü! Peter Knogls klassische Küche ist hervorragend. Er hat dabei stets den Geschmack im Fokus. Keine Selbstverständlichkeit, viele Köche verlieren vor lauter Schäumchen und Tüpferchen oft das Wichtigste aus den Augen. Knogl und seine Brigade haben von Beginn weg alles im Griff und bieten uns ein geniales Menü mit durchdachten Kombinationen, hochwertigen Produkten und meisterhaften Saucen. Dabei ist jeder Gang auf sehr hohem Niveau, Durchhänger gibt es keine.

Die drei Stunden vergingen wie im Flug – vielleicht etwas zu schnell. Wir wären jedenfalls am liebsten noch stundenlang in dem gemütlichen Restaurant sitzen geblieben und hätten uns von den tollen Gerichten, dem charmanten Service und der intelligenten Weinbegleitung von Sommelier Christoph Kokemoor beglücken lassen. Wir kommen definitiv wieder und versuchen das nächste Mal einen Tisch fürs Dînner zu ergattern – am besten an einem warmen Sommerabend, denn da wird draussen auf der schönen Terrasse aufgetragen.

Menü: à la carte stehen sechs Vorspeisen (48 – 58 Franken), fünf Hauptgänge (70 – 78 Franken) und fünf Desserts (18 – 27 Franken) zur Auswahl. Das ‚Le Menu des Rois‘ wird in sechs Gängen serviert (inklusive Käse) für 195 Franken. Dazu serviert man diverse Häppchen, Fraindises und Pralinen. Am Mittag steht zudem ein drei Gänge-Menü für 88 Franken zur Verfügung. Unser Mittagessen dauerte etwas kurze 2 Stunden und 45 Minuten.

Wein: Neben der umfangreichen Weinkarte kredenzt man den Gästen gerne ein paar Weine zur Menübegleitung. Sommelier Christoph Kokemoor demonstriert sein Talent und serviert eine ausgezeichnete Begleitung welche in unserem Fall pro Person mit 100 Frankren verrechnet wurde:

Autreau Premier Cru, Blanc de Blancs, Champillon
Sauvignon blanc, 2011 Hansreudi Adank, Grison
Pulinigy-Montrachet, Louis Carillon, Bourgogne
Sterpi, Timorasso, 2009 Walter Massa, Piemont
Saumur Champigny “Marginale” Domaine des Roches Nouvelle, Loire

Online: Dem ‚Cheval Blanc‘ spendiert man zwar keine eigenen Webauftritt, jedoch findet man auf der Hotelseite neben einer elektronischen Broschüre auch die aktuelle Speisekarte.

Tipp: Mit „ma cuisine passionnée“ hat Peter Knogl ein wunderschönes Kochbuch veröffentlicht. Stimmungsvolle Bilder, spannende Rezepte und interessante Geschichten – ein sehr empfehlenswertes Buch.
Erschienen im AT Verlag / ISBN: 978-3-03800-583-4 / 239 Seiten / Preis 98 CHF

Buch

Wertung: Gourmör  O9 / Michelin M2 / Gault-Millau GM18

Sonderauszeichnungen: krone_schwarz  . Schöne Zigarren-Lounge vorhanden

L’Atelier Gourmand in Sierre

Das Hotel „Terminus“ steht mitten im kleinen Städtchen Sierre. Die meisten Gäste kommen aber nicht der Zimmer wegen, sondern um bei einem der besten Köche der Schweiz zu essen, Didier de Courten. Dabei hat man zwei Möglichkeiten um in den Genuss seiner Kreationen zu kommen. Zum einen sein Gourmetrestaurant ‚Didier de Courten‘ und alternativ die Brasserie ‚L’Atelier Gourmand‘.

Der Weg vom Hotelparkplatz zum Restauranteingang führt an einer grossen Fensterfront vorbei. Dies offenbart einen direkten Blick in die grosse Küche. Beeindruckt zählen wir 18 Köche. Bis auf Küchenchef de Courten, tragen alle eine weisse Toque. Der 19 Gault-Millau Punkte Chef steht in der Mitte der Küche, erteilt Anweisungen und greift immer wieder selber zur Pfanne.

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Wir würden dem regen Treiben gerne noch etwas länger zuschauen, doch wir haben heute leider etwas wenig Zeit mitgebracht. Kurz nach 23 Uhr fährt der letzte Autoverladezug durch den Lötschberg – diesen dürfen wir auf keinen Fall verpassen. Das ist auch der Grund, weshalb wir den Tisch im ‚L’Atelier de Gourmand‘ und nicht in dem mit 2 Michelin Sternen ausgezeichneten Gourmetrestaurant reserviert haben.

Die Begrüssung hier in der Brasserie ist herzlich. Wir verständigen uns mit einer Mischung aus Französisch, Englisch und Deutsch. Denn obwohl die Sprachgrenze durch die 15’000 Einwohner Stadt verläuft, ist die Bilingualität keine Selbstverständlichkeit. Man gibt sich aber Mühe die Sprachbarriere zu überwinden und unterstützt uns bei der, überraschend umfangreichen, Speisekarte. Um möglichst viele Eindrücke zu erhalten, ordern wir das 4 gängige Abendmenü zu 89 Franken.

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Die Stimmung im Restaurant ist leger – jeder Tisch ist besetzt. Auch viele junge Menschen gönnen sich einen Besuch beim bekannten Koch. Am kollegialen Umgang mit den Kellnern nach zu urteilen, sind die meisten Gäste nicht zum ersten Mal hier – ein gutes Zeichen. Das soeben gereichte Brot kann jedenfalls nicht der Grund der vielen Stammgäste sein, denn dieses ist fad und belanglos und wandert später beinahe in der Originalbesetzung wieder zurück in die Küche. Eine Butter wird nicht angeboten.

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Karrottensuppe – Gamba [-/10]

Ein netter Auftakt bei dem der liebliche Karrottengeschmack überzeugt. Jedoch stören wir uns an der Gamba die hier in der Suppe wortwörtlich ertränkt wurde und so ihren Eigengeschmack nicht entfesseln kann.

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Un tartare de homard breton [9/10]

Der nächste Gang macht dann alles wieder wett und bringt uns regelrecht ins schwärmen. Wir haben schon seit Wochen nichts mehr derart geniales gegessen – notabene sind da die beiden Menüs vom Gourmet Festival in St. Moritz eingeschlossen. Der Hummer ist frisch, die Sauce extrem süffig und himmlisch im Geschmack. Dazu kommt ein wohl dosierter, angenehmer Ananas Geschmack. Auch die intensiven Curry-Tupfer sorgen für die angekündigte exotische Note. 

Das Apérogebäck gefällt im Geschmack, die nicht mehr ganz frische Konsistenz offenbart aber, dass es nicht extra für diesen Service gebacken wurde. Viel besser der Salat – nur selten bekommt man solch frische und aromatische Blätter aufgetischt – merci Monsieur de Courten vous nous rendez heureux!

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Un foie gras de canard chaud [6/10]

Auch der nächste Teller überzeugt. Wir finden darauf eine perfekt zubereitete Foie Gras. Das Aroma ist intensiv. Da braucht es nicht viel mehr. Das weiss auch die Küchencrew und spendiert dem Gericht lediglich ein paar Preiselbeeren, Pekannüsse und etwas Kürbis. De Courten verfügt offenbar über ein hervorragendes Netzwerk an guten Lieferanten, denn auch dieses Gemüse ist unglaublich geschmacksintensiv.

Abgerundet wird das Gericht mit einem feinen Früchte-Brioche.

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Une pièce de filet de boeuf du Simmental [8/10]

Das Rindfleisch hat einen wundervollen Goût und ist perfekt zubereitet. Dazu reicht man uns eine geniale Sauce à la provance. Wir sind begeistert wie das Fleisch dadurch noch weiter an Ausdruck gewinnt. Auch das gebutterte Gemüse im knusprigen Ring ist toll. Ein rundum genialer Teller! Einzig die separat gereichten Kartoffelchips sind etwas ölig geraten.

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Une tarte chaude aux pommes gala [5/10]

Das süsse Finale besteht aus einer sehr feinen Apfel-Tarte und einem luftigen Shot. Mit den Aromen Zimt, Honig, Apfel, Lavendel und Orange – geriet dieser geschmacklich etwas gar wirr. Dennoch, ein sehr feines Dessert.

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Friandises [-/10]

Zwei Schokoladenperlen mit Passionsfruchtfüllung und Gelées mit Himbeer und Quittengeschmack, schliessen das tolle Menü ab.

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Fazit: Wir sind begeistert. Das Restaurantkonzept macht Spass – ein lebendiger Betrieb, lockerer aber doch aufmerksamer Service und natürlich die tollen, zum Teil genialen Gerichte aus der grossen Küche. Wir haben in der Brasserie besser gegessen, als in so manchem Sterne Restaurant. Ein Besuch des Gourmetrestaurant von Didier de Courten reizt uns mehr denn je.

Menu: Vorspeisen kosten ca. 25 Franken, Hautpgänge 30 – 49 Franken und Desserts ca. 18 Franken. Zudem wird jeden Abend ein Menü in 4 Gängen zu fairen 89 Franken angeboten. Dieses kann man auch auf 3 Gänge reduzieren (79 Franken). Unser Essen dauerte 2 Stunden.

Wein: Die Weinauswahl ist regional, die Preise fair. Auch im Offenausschank bietet man einige Alternativen an.

Online: Die übersichtliche Website bietet viel Wissenswertes. Bis auf die Speisekarten findet man alle Informationen auch in deutscher Sprache.

Wertung: Gourmör O6

El Club Allard in Madrid (Spanien)

Gemäss unserer Strassenkarte müssten wir direkt vor dem Lokal stehen. Doch das ‚El Club Allard‘ scheint wie vom Erdboden verschluckt. Wir sind nicht die Einzigen auf der Suche nach dem 2 Sterne Restaurant. Zwei japanische Touristen, bewaffnet mit Google Maps, fragen uns ebenfalls nach dem Weg. In diesem Moment öffnet sich hinter uns eine Tür und ein älterer Herr bittet uns herein.

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In der Tat, auf das, in einem denkmalgeschützten Jugendstilbau untergebrachte Restaurant, macht von Aussen kein einziges Schild aufmerksam. Erst hier im Treppenhaus, prangt an der ersten weissen Tür, das Logo des Restaurants. Dahinter begrüsst uns die freundliche Empfangsdame und führt uns in das helle und schlichte Restaurant. Die Decke ist hoch, ein grosser Spiegel hängt am Ende des Saals. Obwohl bereits 21 Uhr ist, sitzen erst an zwei Tischen Gäste – üblich in Spanien, denn hier öffnen die Restaurants nicht vor halb Neun.

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Unser runder Tisch, der ganz hinten im Restaurant steht, wackelt. Ungewohnt für ein Restaurant, das vom Guide Michelin 4 Bestecke für den Komfort attestiert bekommt. Aber wir sind nun mal in Spanien und da übersehen wir auch gerne den dezenten Rotweinfleck auf dem weissen Leinentuch, der sich bis heute offensichtlich erfolgreich gegen das Waschmittel zu wehren wusste. Die etwas lieblos zusammengebastelte Speisekarte erhalten wir in englischer Sprache – wie übrigens in jedem besuchten Restaurant in der spanischen Hauptstadt – Tapas Bars inklusive.

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Auch das Serviceteam ist der englischen Sprache mächtig. Allen voran der gut gelaunte Maître. Trotzdem sind wir uns sicher, dass wir uns soeben verhört haben müssen. Denn nachdem er uns eine kleine Glasschale mit luftiger Mayonnaise auf den Tisch stellt, fordert er uns auf, die vor uns liegende Visitenkarte darin zu dippen. Und so nehmen wir die aus Esspapier bestehende Karte und ziehen sie durch die Crème. Geschmacklich gibt’s da nicht viel zu berichten und so ist das Ganze nicht mehr als ein Gag. Wir hoffen inständig, dass der Abend beim kreativen Chefkoch Diego Guerrero, nicht ausschliesslich aus solchen Gerichten besteht.

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Der Meister tritt nun höchstpersönlich an unseren Tisch und nimmt die Bestellung entgegen. Zur Auswahl stehen drei Menüs. Wobei sich diese ausschliesslich bei der Anzahl der Vorspeisen unterscheiden. Wir wählen das umfangreichste Menü „Revolución“ in 12 Gängen und sind gespannt auf die Künste des quirligen Küchenchefs.

Bereits wenige Augenblicke später, geht es dann auch schon los mit dem ersten Teil der Snacks-Trilogie:

Game truffle with Foie and mushrooms [5/10]

In einer Plexiglasbowle erreicht uns dieses Bijou. Wir haben beinahe ein schlechtes Gewissen dieses Kunstwerk zu zerstören, die kulinarische Neugier überwiegt dann aber  doch. Wir werden von einem sehr feinen Pilz/Trüffel-Praliné in Form eines schwarzen Trüffels belohnt. Der Geschmack ist harmonisch und sehr gut balanciert. Die darunter liegenden Späne aus Leber sollten das Gericht kontrastieren, sind jedoch leider hoffnungslos versalzen.

Übrigens, wenn man das Geschirr anhebt wird der darunterliegende Rauch mit Eukalyptusgeschmack freigesetzt. Was im Restaurant ‚The Fat Duck‚ beim einten Gericht Sinn machte, wirkt hier eher deplatziert.

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Brot

Die offerierten Brote sind allesamt frisch und sehr knusprig. Geschmacklich unterscheiden sie sich nur geringfügig voneinander.

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Mini Babybel of Camembert truffée [5/10]

Anders als seine namensgebende Vorlage, muss dieses Babybel vor dem Verzehr nicht aus seiner Paraffinhülle befreit werden, sondern kann samt der hauchdünnen Gelatineschicht genossen werden. Im Innern erwartet uns eine sehr liebliche crèmige Füllung – um Welten besser als das Original.

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Butter fish „Tapa“ [7/10]

Mit dem Abschluss der Snacktrilogie, serviert man uns auch ein erstes kulinarisches Highlight. Präsentiert wird dieses auf einer violetten Duftkerze. Zuoberst thront ein Stück perfekt gegarter Butterfish auf einer hauchdünnen Algenscheibe. Mit unserem Löffel durchbrechen wir diese Scheibe, worauf sich der Fisch und die Teile des Plättchens, mit der darunter liegenden Misosuppe vermählen. Die Suppe ist richtig toll und ergänzt sich hervorragend mit den beiden anderen, subtilen Komponenten.

Butter fish "Tapa"

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Mushrooms and seasonal vegetables „papillote“ [6/10]

Die Inszenierung der Suppe ist gewöhnungsbedürftig und erinnert uns irgendwie an Leichensäcke aus der letzten „Tatort“ Folge. Geschmacklich kann die Consommé jedoch überzeugen. Bereits beim aufschneiden der Tüte wird ein wunderbarer Duft nach frischem Gemüse freigesetzt. Zur Verfeinerung hobelt man uns frischen Salz von einem Salzzapfen über das Gericht. Die Suppe ist toll, hat einen sehr spannenden und lieblichen Geschmack und ist zudem rassig im Goût.

Mushrooms and seasonal vegetables "papillote"

Mushrooms and seasonal vegetables "papillote"

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Wir nerven uns über die extrem zackige Menüabfolge. Was bei den Snacks noch einigermassen in Ordnung war, stört nun. Zwischen den einzelnen Gerichten vergehen keine 5 Minuten. Auch jetzt wird der nächste Gang bereits neben unseren Tisch gefahren, obwohl wir die Suppe noch nicht vollständig ausgelöffelt haben…

Smoked barbel on saffron bouillon, sea urchin, coconut air and banana crab [6/10]

Der charaktervolle Safransud bildet das Fundament von diesem überzeugenden Gericht. Dazu gesellt sich eine köstliche Rotbarbe und der knusprige „Banana Crab“ – eine getrocknete Bananenscheibe, welche in Krabbensaft getränkt und anschliessend getrocknet wurde. Kompliment für das schöne Gesamtbild welches man mit den unterschiedlichen Aromen hier schafft. Da sehen wir auch gerne über den geschmackslosen Kokosnus-Air hinweg.

Smoked barbel on saffron bouillon, sea urchin, coconut air and banana crab

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Egg with bread and pancetta served over a light potato cream sauce [-/10]

Dieses Gericht wird mit: „This is one of our Signature dishes – an egg“ annonciert. Stirnrunzelnd schneiden wir es in zwei Hälften und beobachten wie das Eigelb ausläuft. Was wiederum interessant inszeniert ist, kommt geschmacklich nicht über ein „ok“ hinaus. Es schmeckt nach Eigelb, knusprigem Brot und Butter.

Egg with bread and pancetta served over a light potato cream sauce

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Funghiformis tentacles with Wasabi Mayonnaise [7/10]

Mit dem nächsten Gericht geht es wieder stark aufwärts. Der mit Sepiatinte gefärbte Pilz schmeckt nicht nur vorzüglich, sondern hat auch eine süffige Konsistenz. Leichte Wasaby- und Knoblauch-Noten sorgen für die nötige Spannung. Ein durch und durch tolle Komposition die richtig Spass macht.

Funghi formis tentacles with Wasabi Mayonnaise

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Halibut with Korean marinade [6/10]

Weiter geht es mit einem perfekt zubereiteter Heilbutt, in einem genussvollen Jus auf Sojabasis. Auf dem Grund liegen kleine Wasabikügelchen, welche beim zerplatzten am Gaumen eine leichte Schärfe freisetzen. Daumen hoch – auch dieses Gericht überzeugt.

Halibut with Korean marinade

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Araiz Bresse Pigeon roasted „a la minute“ and served over truffled rice [7/10]

Beim Hauptgang steht ein tolles Grundprodukt aus der Bresse im Mittelpunkt. Aber nicht nur die wunderbare Taube begeistert, sondern auch das himmlische, im Taubensaft gebratene Reis, welches darunter liegt. Auch die restliche Komposition überzeugt und wirkt dabei überraschend leicht.

Araiz Bresse Pigeon roasted "a la minute" and served over truffled rice

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Hendrick’s gin tonic with cucumber and rose petals [5/10]

Als pré-dessert reicht man uns einen Gin Tonic der anderen Art. Wir werden aufgefordert das Arrangement zu zerbrechen und ein paar Minuten ruhen zu lassen. Danach werde sich der Geschmack mit der Gurke darunter vermählen. Uns gefällt dieser erfrischende Zwischengang überraschend gut – auch wegen den paar zusätzlichen Minuten Verschnaufpause die wir dadurch gewinnen.

Hendrick's gin tonic with cucumber and rose petals

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The Fishbowl [9/10]

Nun erreicht uns eines der schönsten Desserts überhaupt. Wir sehen einen Fisch in einer Fischbowle mit Wasser (Schaum), Korallen, Algen und einer Muschel. Mit dem ersten Löffel wird dann auch unsere Befürchtung zerschlagen, dass dieses Dessert nur optische Ansprüche befriedigt. Der Geschmack ist nämlich sehr abwechslungsreich und himmlisch. Von fruchtig bis schokoladig erlebt man in diesem Aquarium alles. Wir sind begeistert.

The Fishbowl

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Poché Egg [-/10]

Das zweite Dessert offenbart schonungslos, dass man diese Balance zwischen Optik und Geschmack nicht immer Griff hat. Denn ausser der sehr stilvollen Präsentation kann das in Schokolade gehüllte Milchreis nicht begeistern. Lediglich die braun gefärbte weisse Schokolade gefällt uns, der Rest ist fad und nichtssagend. Auch das fruchtige Eigelb ist viel zu knapp dosiert – der Goût nach Mango inexistent.

So schnell sind wir wieder auf dem Boden: erst vor drei Minuten (!) tauchten wir unsere Löffel überglücklich durchs „Aquarium“ und sitzen jetzt deprimiert vor diesem belanglosen Ei. Die Situation wird durch das Auftragen der „Fish Bowle“ am Nachbarstisch nur noch unerträglicher.

Poché Egg

Poché Egg

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Friandises [-/10]

Auch die Friandises sind aufwendig in Szene gesetzt. Dass man hier wiederum auf den Trockeneis-Effekt setzt, zeugt nicht gerade von Originalität. Anstelle hätten wir ein paar gute, süsse Häppchen klar bevorzugt. Hier auf der Glasplatte gefallen uns lediglich die braunen Nuggets die uns ans Magenbrot erinnern. Der grosse Budda-Kopf und die vielen kleinen, weissen Sternchen sind aus Zucker, extrem hart und dadurch ungeniessbar. Weniger Show dafür mehr Substanz wäre hier wünschenswert.

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Sympathisch, jeder Gast erhält das Menü in schriftlicher Form mit nach Hause.

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Fazit: Wir erlebten im ‚El Club Allard‘ einen schönen, aber auch sehr hastigen Abend. Schade, dass man hier das kulinarische Programm in weniger als 2 Stunden (!) runterspult. So hatten wir des Öfteren den letzten Bissen noch im Mund, während uns bereits der nächste Teller serviert wurde. Das war auch der Grund, weshalb wir, mit drei halb vollen Weissweingläsern auf dem Tisch, beim Sommelier die Weinbegleitung unterbrechen mussten.

Die Speisen sind sehr kreativ in Szene gesetzt. Das Handwerk und der Detailgrad begeistern. Noch selten haben wir solch fantasievolle Kreationen vor uns liegen gehabt. Während einige Gerichte auch gleich die kulinarischen Erwartungen erfüllten, gab es auch Speisen bei denen es mehr um die Show als um den Genuss ging. Das „Ei-Dessert“ oder das „Eigelb im Brot“ dienen als gute Beispiele dafür. Eigentlich schade, denn die schön inszenierten Gerichte hätten auch geschmacklich mehr Tiefgang verdient. Vor allem weil die meisten Speisen schon seit Monaten oder gar Jahren 1:1 auf der Karte stehen und man diese geschmacklich entsprechend verfeinern könnte.

Nichtsdestotrotz, auch wenn der Geschmack der Inszenierung oft hinterherhinkt, haben wir hier sehr gut gegessen und da das ‚El Club Allard‘ äusserst zugängliche Speisen serviert, wird die Mehrheit bestimmt Gefallen am Gebotenen finden. Wer in der spanischen Hauptstadt auf der Suche nach kulinarischen Höhenflügen ist, wird hier aber nicht ganz glücklich.

Menü: Zur Auswahl stehen drei verschiedene Überraschungsmenüs. Diese unterscheiden sich lediglich im Umfang. Das kleinste Menü kostet 86 €, das mittlere 98 € und das grösste 115 €.

Wein: Neben der Weinkarte bietet man auch eine Weinbegleitung an. Wegen dem enormen Tempo beim servieren der Speisen, ordert man am besten nur fünf Gläser.

Online: Die Website ist übersichtlich und bietet schöne Fotos von den Gerichten.

Wertung: Gourmör O6 / Michelin M2

(Besucht im Dezember 2012)