Petermann’s Kunststuben, Küsnacht

Im Mai informierte Horst Petermann die Presse, dass er ende September 2010 seine Kunststuben in Küsnacht bei Zürich verlassen wird. Der Entscheid kam sehr überraschend, strotzt der Deutsche nach wie vor mit Kraft, Elan und Beigeisterung. Auf jeden Fall wird somit nichts mehr mit dem dritten Michelin Stern, dies war immer das grosse Ziel des Wahlschweizers. Doch der Moment scheint für Petermann ideal, denn er überlässt den Herd seinem langjährigen Sous-Chef Rico Zandonella und wird ihn in den nächsten Monaten zur Seite stehen.  Iris Petermann wird weiterhin den Service leiten.

Die Weltwoche schrieb vor einem Jahr, dass man mindestens einmal im Leben bei Petermann essen muss. Deshalb habe ich die Chance gepackt und mir für mitte September einen Tisch in der Kunststuben reserviert. Wir trafen noch die „alte“ Kunststuben an, mittlerweile wurde alles umgestaltet. Auch die Homepage wurde erneuert und aktualisiert und jetzt findet man endlich die aktuelle Menükarte darauf! Übrigens allen Gerüchten zum Trotz gibt es weiterhin ein grosses Gourmetmenü – also nichts mit einfacher Brasserie… zum Glück!

Die alte Kunststuben war sehr bieder. Nur gerade die einzelnen Blumen auf dem Tisch brachten ein wenig Frische rein. Der Service war, wie erwartet, professionell aber ein wenig zu steif. Auf der Karte fand man einige à la carte Gerichte und ein 6-Gang Menü. Die Weinkarte war knapp, eine Weinbegleitung fand man darauf nicht. Aber natürlich wurde der Wunsch gerne erfüllt und so genoss ich pro Gang ein passendes Glas Wein.

Wir waren gespannt auf’s Essen und fragten uns ob Petermann unsere Erwartungen erfüllen kann. Der Gruss aus der Küche war schon mal ein richtiger Volltreffer. Vorallem eins der drei Gläschen beherbergte was geniales: Entenlebermousse mit einer Schicht von Kirschen – wow, genial! Das Ganze war so fein, dass ich sogar vergass das Foto zu machen…

Der erste Gang erreichte uns: „Im Dampf gegarte Zucchiniblüte gefüllt mit Langustinen an einem Vanille – Zitrusfrucht – Öl“. Wunderbare Aromen – schlicht genial!

„Gebratenes Zanderfilet mit Sesam und Honig auf Taboule mit kleinem Gemüse und Minze“ war der nächste Volltreffer. Dank Zandonella finden genau solche Elemente wie der Taboule (libanesischen Salat) Einzug auf die klassischen Teller. Alles passt wunderbar zusammen und schmeckt göttlich! Der Zander war schön knusprig und der Taboule passte sehr gut dazu. Einzig die knackiegen Spargeln waren deplatziert (Saison).

Und dann, völlig überraschend das Highlight des Abends: „Gebratene Gänseleber auf Kefen-Bohnen-Salat mit Eschalotten-Confit“. Ich bin kein grosser Fan von Gänseleber, doch wenn das so schmeckt wie hier, dann werde ich zum Fan. Die perfekt gebratene Leber hatte schon in der Nase ein tolles Aroma, auf der Zunge verging sie richtig. Dazu den passenen Wein – wow! Einziger Wehrmutstropfen: der Gast neben mir, erhielt den selben Gang 30 Minuten später und auf seinem Teller lag noch eine wunderschöne Gänsenleber-Praliné. Ich hätte extrem gerne da rein gebissen und fragte mich ob man die bei mir vergässen hätte. Aber generell ist mir aufgefallen, dass die Teller jeweils ein wenig anders aussehen – ob dekorativ oder mit anderen Mengen…

Bereits Zeit für den Hauptgang: „Gebratenes Kalbsfilet und Kalbsfilet Mitok an Portweinjus mit Morchel-Raviolo“. Die Hauptgänge enttäuschen mich oft bei solchen Menüs. Es scheint immer so, als gänge die ganze Kreativität bei den Vorspeisen drauf. Doch nicht hier, der Hauptgang stand seinen Vorgängern in nichts nach. Das Fleisch war butterzart, die Ravioli hauchdünn, die Morchel intensiv im Geschmack. Und dann die Sauce – eine Wucht. Einen solch intensiven Geschmack erreicht man nur wenn man sie Stundenlang reduziert – ein Traum!

Der Käsewagen war eher klein, das Angebot überschaubar. Dennoch lagen wunderschöne Käse auf dem Wagen, dazu gab es einen Portwein aus dem Bündnerland (!).

„In Sauternes pochierter Pfirsich Blätterteil Mille-feuilles mit Himbeeren und Zintronengras-Eis“ schloss das Menü ab. Das Dessert konnte das Nivau der vorgängigen Speisen nicht halten, keine der Komponenten kam über ein „in Ordnung“ hinaus. Schade, hätte man hier noch einen genialen Schlusspunkt setzen können.

Zum Kaffee (10 Franken) gab es noch die Petit Fours, diese waren ungenügend und langweilig. DasBisquit war zu dick dadurch kamen die einzelnen Geschmäcker nicht durch.

Meine hohen Erwartungen wurden klar übertroffen. Gestartet beim genialen „Gruss aus der Küche“ bis zum Hauptgang zündete die Küche ein Feuerwerk nach dem anderen. Die Saucen waren allesamt intensiv, die klassischen Gerichten dank zusätzlichen Elementen spannend. Dass ich beim anschauen der Bilder gleich den Geschmack wieder im Kopf habe ist ein sehr gutes Zeichen. Ich hätte mir lediglich gewünscht, dass man das Manü ein wenig ausgebaut hätte. Zum Apéro ein paar Köstlichkeiten und ein Pré-Dessert hätte dem Menü gut getan und das Tüpfchen auf dem i platziert.

Mit einem besseren Menüabschluss (Desert, Petit Fours)wäre dies in meinen Augen ein Kandidat für den dritten Stern. Jetzt hoffe ich nur, dass nach dem Abgang von Petermann das Niveau gehalten wird, ich bin davon überzeugt.

Die Rechnung: 604 Franken. (2 x 6 Gang Menü je 210.-, Weinbegleitung 149.-)
Das Restaurant heisst jetzt Rico’s Kunststuben – www.kunststuben.com

Zenzakan, Frankfurt am Main (D)

Das asiatische Restaurant Zenzakan ist bereits virtuell eine Augenweide (http://www.the-steakhouse.de/zenzakan/index.php) vor Ort ist es das schönste Restaurant das ich je betreten habe – einfach unglaublich. Den Innenarchitekt hätte ich gerne einmal bei mir zu Hause. Jedes Detail passt und man vergisst rasch, dass man sich nicht irgendwo in Asien sondern in der fünftgrössten Stadt Deutschlands aufhält.

Nachdem man uns die Jacken abgenommen hatte, setzten wir uns an die lange Bar. Ein paar Barkeeper waren bereits mit dem Mise en place der Drinks beschäftigt. Auf der Cocktailkarte findet man neben den Klassikern auch viele kreative Drinks. Ich entschied mich für etwas asiatisches und wurde gleich von einem genialen Drink überrascht!

Danach wurden wir an den hohen Zweiertisch begleitet und konnten aus der Karte wählen. Darauf findet man nicht nur Sushi (als Ztarter – ja, das Z steht vor jedem Wort an Anlehnung an Zenzakan… genau so überflüssig wie Senf auf dem Konfibrot) sondern Thailändische Currys und andere asiatische Spezialitäten.

Ich entschied mich für zwei verschiedene Sushi-Sorten als Vorspeise und wurde mit einem sehr schön angerichteten Teller überrascht. Natürlich durfte auch das obligate Ingwer, Soja und Wasabi nicht fehlen. Die Sushi-Rolls waren leider nicht nach meinem Geschmack, denn um den Reis war eine Art Paniermehl-Kruste. Diese nahm der sonst locker, luftigen Japanischen Spezialität das Leichte und harmonierte auch nicht richtig mit dem Soja. Die zweite Sorte mit dem Aal war besser, aber auch hier hat das „zusätzliche Futter“ nicht zum Soja & Co. gepasst. Vielleicht dürfte man das Ganze nicht Sushi nennen oder kein Soja auftischen – so jedenfalls passte es nicht.

Die andere Vorspeise, ein Thunfisch-Tartar war super abgeschmeckt und wunderbar frisch – toll!

Die Hauptgänge kamen aus der Region Thailand und waren mit drei Chilischoten gekennzeichnet („Sehr scharf“) und tatsächlich, mit Chili wurde nicht gespart. Die Crevetten waren zudem auch knackig und schön frisch. Wirklich überzeugen wollte das Essen aber nicht. Zuerst war da der Reis, völlig trocken und dörr. Trotzdem war man darauf angewiesen, erstens um die Schärfte zu mildern und zweites damit man genug gegessen hat. Denn neben den paar Crevetten lagen nur noch Chilischoten, Thaibasilikum usw. im Teller – also nichts das man einfach so essen kann.

Beim nachbestellen vom Reis hat sich dann auch die Schwäche des Restaurants offenbart: der Service. Zwar freundlich und nett aber mit den (bis zu) 350 Gästen die hier verköstigt werden, zahlenmässig unterbesetzt. So warteten wir fast 10 Minuten auf den Reis-Nachschlag – und logisch, das Essen war bis dahin kalt. Auch beim Bier musste wir zwei Mal (!) nachfragen bis es endlich aufgetischt wurden und dies auch beim darauffolgenden Bier. Das darf nicht passieren, schon gar nich bei den verlangten Preisen!


Die Küchenchefs des Restaurants kommen beide aus Sterne-Küchen und steuern wohl die selbe Auszeichnung für „ihr“ Restaurant an. Dass das Restaurant im Guide Michelin und Gault Millau nicht einmal erwähnt werden beweist, dass sich die Kritiker, zumindest in diesem Fall, vom Ambiente nicht blenden liessen. Denn im Gegensatz zur Einrichtung ist das Gebotene auf dem Teller nicht auf dem gleichen Level – ebenso das mit dem Service welcher in diesem Preisgefüge* besser klappen müsste. Deshalb mein Tipp: im Zenzakan einkehren, das Restaurant bestaunen und sich an der Bar einen tollen Drink gönnen und dann in Frankfurt in ein anderes Restaurant.

*Cocktail, Bier, Vorspeise und Hauptgang für 180 € (2 Personen)

p.s. Für alle die richtig gut asiatisch essen möchte, hier meine Favoriten: Thailändisch – Thai Garden, Luzern // Chinesisch – Min Kang Yuan, Küssnacht am Rigi // Japanisch – Ryokan, Widen


Le Pont de Brent, Brent

Gérard Rabaey informierte im Frühjahr die Presse und seine Gäste, dass er seinen Kochlöffel Ende 2010 an den Nagel hängen wird. Neben Philippe Rochat war Rabaey viele Jahre der einzige 3 Sterne Koch der Schweiz. Für die vielen Fans des Restaurants gab es aber auch eine gute Nachricht: Rabaey wird das Haus nicht verkaufen sondern an seinen Sous Chef Stéphane Décotterd übergeben. Ich wollte aber trotzdem einmal ein Abendessen bei Rabaey erleben und reservierte mir für den Sommer einen Tisch. Die Reservation verlief nicht ganz so einfach, denn mit Deutsch und Englisch kommt man leider nicht ganz so weit. Aber ich habe es dann doch noch geschafft (und ärgerte mich über die Versäumnisse im Französischunterricht in der Schulzeit…).

An einem schönen Sommertag haben wir das Restaurant dann besucht. Als wir ankamen hat man uns in den schönen Garten begleitet. Wir waren zwar erst um 19.00 Uhr dort, dies war aber dem Anschein nach noch etwas zu früh, denn die Tische waren noch nicht aufgedeckt und an einem Tisch sassen sogar noch Gäste vom Mittagessen (!!) – ein gutes Zeichen wenn man nach 6 Stunden noch nicht ans heimgehen denkt.  Nachdem man uns die A3 grosse Menükarte gereicht hatte wurde zum Apéro eine Platte mit ein paar Häppchen serviert. Diese waren zwar lecker schürten die Vorfreude aufs Menü aber nicht. Im Vergleich zu den Häppchen welche uns im Winter im Schloss Schauenstein serviert wurden, waren diese hier sogar richtig langweilig.

Nachdem wir uns fürs grosse Menü (8 Gänge + 2 Amouse Bouches) entschieden hatten, wurden wir ins Restaurant geführt. Jeder einzelne Tisch war mittlerweile besetzt. Das Restaurant war sehr klassisch (gar altmodisch) eingerichtet und die Tische standen ein wenig zu nahe. Die Lautstärke war zwar trotzdem angenehm aber dies gibt Abstriche bei der Atmosphäre. Beim Service hatten wir uns darauf gefreut, dass der Maître, welcher als einziger Deutsch sprach, uns durch den Abend begleiten würde oder zumindest die Gänge präsentiert, doch leider klappte das nicht ganz wie erwartet. Denn am Abend beim Service sprach er auf einmal nur noch französisch. Zum guten Glück hatten wir das Menü (auf der Homepage einsehbar) schon übersetzen lassen damit man wusste was uns erwarten wird. Gastfreundlichkeit sieht aber anders aus!

Zuerst rollte der Brotwagen vor. Davon konnten wir unser Wunschbrot auswählen welches dann frisch abgeschnitten wurde. Dazu gab es, ebenfalls wie erwartet, gesalzene und ungesalzene Butter. Wir freuten uns auf den Start! Da erreichte uns auch das Amuse Bouche, ein perfekt abgeschmecktes Flusskrebstartar „gefangen“ in einem Gurkencarpaccio mit einem Kaviar-Häubchen.

Gleich darauf folgte der zweite Gruss aus der Küche ein „Teppan Yaki“ Rind mit Steinpilzen – wunderbare Sauce, ein toller Auftackt!

Nach diesen sehr feinen Grüssen startete das eigentliche Menü mit dem „Lachs in seinem Gelee mit Erbsen“. Gleich der schwächste Gang des Abends. Der Lachs war zwar schmackhaft, aber nichts überdurchschnittliches. Der Gelee und die darin schwimmenden Erbsend waren ebenfalls nichts aufregendes. Vielleicht habe ich es auch schlicht nicht verstanden das Ganze richtig zu essen. Denn auf dem Tisch lag kein Löffel um das Gelee zu essen. So sank unsere Erwartungen auf den nächsten Gang…

Dieser Gang erreichte uns nach einer passenden Pause. Denn das Ganze Menü hat eine perfekten Zeitplan damit man nie zu lange wartet aber mit Essen auch nicht überfordert wird. Jetzt wurden die „Steinpilzcanneloni mit frischen Mandeln auf Petersiliencoulis“ serviert. Durch und durch wunderbar!!! Das sind solche Gänge wo man einen grösseren Teller wünscht…

„Hummer aus der Bretagne parfümiert mit Verveine“ nach dem tollen Vorgänger-Gang wieder ein Rückschlag. Der Fond war zwar gut, doch der Hummer war nichts überdurchschnittliches. Schade!

Die „Kalbsmilken auf weichen Peperoni“ überzeugten dann wieder auf ganzer Linie. Einfach super! Seitdem bestelle ich in Restaurants öfters Milken – in meinen Aufgen werden die „Drüsen vom Kalb“ total unterschätzt. Ganz so gute Milken wie hier, habe ich aber bis jetzt nicht mehr gegessen.

Als Hauptgang gab es eine „Geflügelüberraschung“. Zu Beginn des Menüs wurden wir gefragt ob wir lieber Taube oder Perlhuhn essen. Wir entschieden uns für Letzteres. Der Vogel wurde wunderschön gebraten am Tisch präsentiert und gleich vom Maître tranchiert – wow, das macht Eindruck! Dazu reichte man uns fein gedämpftes Gemüse und ein wunderbarer Gratin!

Nachdem wir den leckeren Vogel verspeist hatten, wurden wir gefragt ob wir den anderen Teil auch noch möchten. Während meine Freundin verneinte, nickte ich. Ein paar Sekunden später lag der zweite Teil auf meinem Teller. Diesmal begleitet von einem kleinen Salat. Der Vogel war wunderbar knusprig gebraten und trotzdem schön zahrt – ech lecker. Aber alleine bestimmt keine Reise nach Montreux wert.

Als nächstes wurde der Käsewagen aufgefahren. Wärend ich früher nicht verstehen konnte, wie man nach dem Essen noch Lust auf Käse haben kann, bin ich seit dem Besucher im Rössli in Escholzmatt grosser Fan von diesem Moment. Aber dann halt nur auf diesem Niveau, wenn die Auswahl gross ist und man viel Neues entdecken kann. So genoss ich unter anderem einen unvergesslichen Blauschimmelkäse und dazu ein gutes Glas Portwein!

Dann ging es zum Süssen. In dem Moment wussten wir noch nicht, dass dieses Dessert alle bisherigen Desserts in den Schatten stellen wird. Auf dem Teller lag nämlich, auf einem dünnen Blätterteigbode,n ein kleines Pistache Crème Brûlée – resp. etwas dickerer Masse.  Umstellt wurde das ganze von kleinen, süssen Walderdbeeren. Ass man die süssen, roten Beeren zusammen mit dem Pistache „Balken“ und dem knsubrigen Boden, gab es ein kleines Geschmacks-Feuerwerk im Mund, einfach genial!!

Das zweite Dessert, eine „gedämpfte Pfirsich mit Rosmarinhonig“ hatte es nach dem vorherigen Highlight unglaublich schwer und überzeugte nicht mehr. Auch die Petits fours am Ende setzten keinen besonderen Schlusspunkt.

Dennoch, wir genossen einen wunderschönen Abend mit guten Weinen und einem sehr guten Essen. In meinen Augen erreicht das Gebotene aber nicht das 3 Sterne Niveau sondern maximum deren 2. Es war auf keinen Fall schlecht, aber das Gebäck zum Start, der Lachs, der Hummer, das Perlhuhn als Hauptgang sowie das zweite Dessert und die Petit Fours waren auf 1 Sterne Niveau! In meinen Augen ist das Ganze nicht auf dem Niveau der Kunststuben von Horst Petermann (2 Sterne). Dort waren wir ein paar Wochen später,  der Bericht dazu folgt bald…

Zur Rechnung: Total Fr. 714.-für 2 x grosse Menü + 1 x Weinbegleitung (nichts erwähnenswertes) sowie Wasser und Kaffee.