Falken, Neuheim

Die Gemeinde Neuheim in Zug zählt knapp 2’000 Einwohner, liegt 15 Autominuten von der Kantonshauptstadt entfernt und ist mit drei guten Restaurants gesegnet. Zum einen das Restaurant Schäfli, unter anderem bekannt für seinen selbstgeräucherten Alaska-Lachs, das Restaurant Hinterburgmühle, mit eigener Forellenzucht und dann, das Restaurant Falken – seit einem Jahr mit stolzen 16 Gault-Millau Punkten ausgezeichnet. Dies ist die höchste Punktzahl die im Moment im Kanton Zug vergeben ist (gleichauf mit dem Sternen in Walchwil und dem Rathauskeller in Zug).

Im letzten Sommer durften wir die Küche von Peter Doswald schon einmal geniessen. Damals sassen wir auf der gemütlichen Terrasse. Diesmal nahmen wir im Restaurant Platz. Jeder der das Restaurant von früher kennt wird überrascht sein – so ist das „alte“ Gebäude nicht mehr wieder zu erkennen. Doswald und seine Frau Claudia Oulouda haben nach der Übernahme von Doswalds Vater, das Restaurant Schritt für Schritt renoviert und modernisiert. Zuerst das Restaurant, dann weichte im Untergeschoss die Kegelbahn einer schönen Lounge mit Weinkeller und jetzt wurde die Terrasse und der Eingang neu gestaltet.

Des Restaurants ist innen in drei Bereiche aufgeteilt. Zum einen die besagte Lounge mit knisterdem Kaminfeuer und Blick in den begehbaren Weinkeller, einen separaten Raum mit einem langen Tisch für eine grössere Gesellschaft und das eigentliche Restaurant in dem das Buffet leider direkt im Raum steht. Deshalb ist es zu empfehlen einen Tisch im Ecken – ohne Sicht aufs Buffet zu reservieren. Am schönsten ist es aber im Sommer. Nämlich dann wenn auf der Terasse aufgedeckt wird. Den Apéro sollte man auf jeden Fall in der Lounge geniessen und einen kleinen Rundgang durch den kleinen, modernen und gut sortierten Weinkeller machen. Vorallem Weine aus dem Piemont (Barbera) sind vertreten. Diese Weine haben es der Chefin am meisten angetan. Auch eine passende Weinbegleitung wird von ihr gerne angeboten.

Übrigens, egal wo man sitzt man wird fabelhaft umsorgt. Die Gastgeberin ist nicht nur sehr freundlich sondern auch extrem aufmerksam und gut organisiert. Man spürt die Begeisterung von der Begrüssung bis zur herzlichen Verabschiedung. Die anderen beiden Servicemitarbeiterinnen waren ein bisschen unsicher (was ist auf dem Teller?) und müssen unbedingt noch ein bisschen bei der Chefin abschauen.

Bei unserer Ankunft standen auf dem Tisch drei Reagenzgläser mit Öl und Essig(?). Diese wurden uns leider nicht vorgestellt. Deshalb waren wir uns auch nicht sicher ob die zum mitnehmen, zum aufs Brot leeren oder nachwürzen (hoffentlich nicht) gedacht waren. Auch an den anderen Tischen wurden diese Gläser nach dem Essen unangetastet weggeräumt – schade!

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Doch nun zum Essen. Der Start machten die Apéro-Häppchen. Diese kann man beim Reservieren vorbestellen und am Tisch oder eben in der Lounge, geniessen. Bei uns waren das drei Kreationen: Sardinen auf Ei / Vitello Tonnato / Lachs. Leider gab es pro Häppchen nur drei Stück – bei vier Personen. Ich hätte sehr gerne von Allem probiert. Auf jeden Fall war mein Happen Lachs in Ordnung, die schöne Sardine auf Ei viel besser!

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Der Gruss aus der Küche folgte sogleich: Ochsenschwanz, Linsen, eingelegte Tomate. Schön angerichtet aber leider zu wenig intensiv im Geschmack.

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Nach einer angenehmen Pause wurde der erste Gang serviert: Wachtelbrust, Wachtelei, Apfel, Sellerie. Die Wachtelbrust war wunderschön rosa und zart. Ich bin eigentlich kein Fan von Süssen komponenten in warmen Speisen, hier harmonierte es aber sehr gut. Die süssen Äpfel, der Sellerie und sogar die leicht karamelisierte Kruste. Ein toller, harmonischer Gang!

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Die Wartezeit auf die Schwarzebohnensuppe mit Hummer dauerte zu lange. Beim servieren sass eine Person nicht am Tisch. In so einem Fall müsste der Service eigentlich den Suppendeckel sitzen lassen. Zum Glück war das Ganze auch nach dem Eintreffen noch warm. Die Suppe war der schwächste Gang des Abends. Wenn man in einem solchen Restaurant eine Suppe serviert, muss sie schon richtig raffiniert und geschmacksintensiv sein. Diese  Suppe war zwar nicht schlecht, aber nichts was man an anderen Orten nicht auch kriegen würde. Für mich war es übrigens ein Rätsel was der Hummer in der Suppe zu suchen hatte – vielleicht sollte die eine Prise zu viel Salz die Brücke schlagen? Auf jeden Fall reicht es nicht den teuren Hummer in eine Suppe zu legen damit diese danach „sehr gut“ schmeckt. Mir hat das edle Tier ehrlich gesagt ein bisschen leid getan. Ich hätte ihm seinen letzten Auftritt lieber in einer Falken-Kreation gegönnt die diesem Krustentier würdig ist.

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Nach dem „Flop“ gleich das Highlight des Abends: Raviolo mit Blattspinat, Eidotter, Perigold Trüffel. Eine wunderschöne, dünne Teigtasche, feiner Spinat im innern, passendes Ei und wunderbarer, geschmacksintensiver Trüffel. Die ganze Sauce hat intensiv nach Trüffel geschmeckt – natürlich ohne Einsatz von billigem Trüffelöl! Ich hätte mir lediglich gewünscht, dass noch ein zweiter Raviolo Platz im Teller gefunden hätte… So musste ich halt das feine Brot zur Hand nehmen, denn ich wollte die geniale Sauce nicht dem Geschirrspüler überlassen.

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Die Entenbrust, Rotkraut, Maroni, Härdöpfelstock, Wirsing-Rolle bildeten den Hauptgang. Die Ente war gut, die Wirsing-Rolle (umwickelt wie eine Frühlingsrolle) originell und fein. Die restlichen Beilagen waren nur „in Ordnung“. Die Zimtsauce ein bisschen zu weihnachtlich. Unter dem Strich gesehen, war der Hauptgang zu langweilig. So bleiben mir gerade mal die eingewickelten Wirsing-Blätter in Erinnerung… und vielleicht noch der Rosmarin der zuvor in der Bratpfanne erhitzt wurde und dadurch schön knusprig war.

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Nach dem Hauptgang wurde uns ein Teller mit Käse angeboten. Leider verfügt das Restaurant über keinen Käsewagen so hat man uns die Auswahl der Käse abgenommen. Zu unserem Glück wurde gut gewählt.

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Der Gruss vom Pâtissier war ein kleines Panna cotta mit Heidelbeere. Die Beeren waren schön süss, das Pannacotta fein im Geschmack.

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Der Abschluss bildete das Apfel Tarte Tatin mit Vanille-Eis, hauchdünner Schokolade und Zuckerwatte. Optisch sehr schön und fein. Sowohl der knusprige Boden, die feinen caramelisierten Äpfel und die zartschmelzende Schokolade gefielen. Die Zuckerwatte war witzig und verspielt.

Am Nachbartisch hatte der Service leider gepatzt und das Dessert an den leeren Tisch gestellt weil die Gäste noch am rauchen waren – schade bei dem diffizilen Dessert.

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Die Schokoladenkuchen-Häppchen mit weissem Schokoladen-Tupfer gabs noch zum Kaffee

Der Falken ist eine richtige Wohlfühl-Oase für alle – ob Raucher (in der Lounge) und Nichtraucher, à la carte Esser und Menü-Genisser und auch Gruppen die gerne Trinken (Shuttleservice wird für einen fairen Preis angeboten). Alle werden von den Gastgebern liebevoll umsorgt.

Wir haben sehr gut gegessen, leider waren nicht alle Gerichte auf dem gleich hohen Niveau. Richtig begeistert waren wir zum Beispiel von dem Raviolo und der Wachtelbrust – die schmeckten vorzüglich. Andere Gerichte wie die Suppe oder das Dessert konnten mich nicht überzeugen.

Auf der Homepage findet man ein paar Impressionen. Leider fehlt eine Speise- und Weinkarte.

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Amador, Langen (D)

Um an einem Wochenende bei Juan Amador zu speisen muss man ein paar Wochen im Voraus reservieren. Dazu ist es auch nötig seine Kreditkartendaten zu hinterlegen. Beim Nichterscheinen wird darauf nämlich 150 € pro Person abgebucht. Ich finde diese Massnahme gut, kalkuliert das Restaurant ja mit vollen Tischen, zudem kann man ja kurz anrufen wenn man verhindert ist. Freundlicherweise hat man dann noch einen Tag im Voraus angerufen und die Reservation rückbestätigt.

Das Restaurant verfügt über keine Parkplätze, es hat aber in der kleinen Stadt etliche Abstellmöglichkeiten. Das schöne Riegelhaus betritt man durch den „Hintereingang“. Wir wurden ins kleine Restaurant geführt und durften uns für einen freien Tisch entscheiden. Der Service war sehr freundlich lediglich die vielen „Dankeschön“ beim Abräumen waren überflüssig. Aber wir haben uns auf jeden Fall sehr wohl gefühlt. Die Speisekarte wurde uns gereicht. Diese war versiegelt und machte die Spannung aufs Menü noch grösser. Nach dem Aufklappen fand man Links vier kalte Speisen, in der Mitte 5 warme Gänge und Rechts 4 Desserts. Das Menü war fix, lediglich bei den warmen Speisen konnte man einzelne Gänge streichen. Entsprechend wird dann der Preis nach unten angepasst.

Gleich zum Apéro wurden die ersten Schälchen aufgetragen und auf dem Tisch verteilt. So lagen vor uns drei „Luftkissen“ gefüllt mit Blauschimmelkäse (genial!), der luftgetrocknete Schinken ass man mit den Stäbchen – geschmacklich kommt er aber nicht an meinen Lieblingsrohschinken. Im einen der beiden Schälchen lagen kleine Tomaten in Süss Sauer Dressing – lecker, im Anderen waren die besten Mandeln die ich jemals gegessen habe. Diese wurden mit Olivenöl beträufelt, sie schmeckten ein wenig wie gebrannte Mandeln – himmlisch! Zu guter Letzt standen in der Mitte noch zwei Focaccia schnitten mit Schinkenfett – gut aber nichts besonderes.

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Geeiste Beurre Blanc – Caviar, Haselnussmilch & Malzbrot

Ein kleiner feiner Auftackt in das grosse Menü. Die einzelnen Elemente sind wunderbar aufeinander abgestimmt.

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Austern-Raviolo – Algen, Soja, Sesam & Yuzu

Unter der transparenten Geléeschicht findet man einen wunderbar intensiven asiatischen Gang. Ich als Fan der japanischen Küche hatte meine Freude am Zusammenspiel der einzelnen Geschmäcker. Der Hang zu „zu salzig“ bestand – den Yuzu-Geschmack war nicht auszumachen.

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Carabinero – Spinatspätzle & Trüffel aus Alba

Die kleine Crevette lag wohl mehrere Stunden in einem Sud – denn der Geschmack war sehr intensiv und schlicht wunderbar! Auch die Spätzli dazu waren super. Der weisse Albatrüffel steuerte noch eine zusätzliche Note bei und hatte ein feines Aroma.

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Tatar vom hessischen Ochsen – Gelierte Soubisse, Rote Rüben & Pommery Senf Ein besonderes Ess-Highlight

Optisch und geschmacklich das Highlight des Abends. Unvergesslich genial dieser Gang! Das Tatar lag auf Gänseleber, darunter gelierte Soubisse (Zwiebelsauce) – auf dem Ganzen thronte ein dünnes Käseröllchen welches ein „3-Minuten“-Wachtelei verbarg. Das Tatar und die Fois Gras waren wunderbar gewürzt, das Bisquit knusprig und das innen noch flüssie Wachteilei passte wie das Tüpfchen aufs I. Das Pommery-Senf Eis war noch eine zusätzliche schöne Komponente.

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Kaisergranat – Mandeln, Broccoli & Nussbutter

Das Highlight in diesem Gang lag ganz in der Mitte. Die Sauce war nicht nur im Teller tief sondern auch im Geschmack. Das zeugt von einem stundenlang, gar Tage, eingekochten Fond – herrlich! Zum Glück hat es auf dem Tisch noch Brot gehabt um ja keinen Tropfen zurück in die Küche zu geben. Der Kaisergranat schmeckte wie erwartet und die kleinen Broccoli und Mandeltupfer waren witzig. Einzig das kalte (!) Broccoli-Cous Cous passte geschmacklich nicht auf den Teller. Die intensive Fischsuppe neben dem Teller machte das Ganze wieder wett. Schade war hier die Optik auf dem Teller nicht schön!

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Felsen Rotbarbe – Granny Smith, Meerrettich & Ziegenkäse

Ich liebe den Granny Smith und bin deshalb froh diesen Apfel oft in der Gastronomie als zusätzliche Geschmack anzutreffen. So passte der säuerliche Geschmack auch gut zum Fisch. Auch der Ziegenkäse ist ein schöner Akkord – hätte davor nicht gedacht, dass Käse zu Fisch passt, Amador hat aber auch hier alles im Griff.

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St. Pierre – Ochsenmaul, Entenleber & BeefTea

Der St. Pierre Fisch gehört zu den besten Essfischen überhaupt. Der Rindsfond hat den Fisch schön unterstrichen. Die Ochsenzunge war die Krönung und schmeckte wunderbar. Das die Entenleberwürfel wunderbar zum Rest passten muss hier nicht erwähnt werden – das sind die Eigenschaften die Juan Amador auszeichnen.

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Jacobsmuscheln – Kalbsbries, Perigord Trüffel, Bohnen & Williamsbirne

Für mich der schwächste Gang. Die Jakobsmuschel war zwar gut gebraten aber halt so wie es jeder kann. Auch das Kalbsbries gefiel mir nicht in der Sauce, es war zu feucht. Zu guter Letzt hatten auch die Trüffel zu wenig Aroma – der geschmacklich intensivere Albatrüffel hätte mehr gebracht.

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Mieral-Taube – Auf Holzkohle gegart Eingelegte Aprikosen, BuchenPilze & Nougat

Endlich Fleisch – ich esse zwar sehr gerne Fisch und Meeresfrüchte, doch dem Menü hätte ein zusätzlicher Fleischgang auf jeden Fall gut getan. Aber nun zur Taube und den ersten Kontakt mit dem Vogel – über die Nase. Denn schon Minuten bevor das rosa Fleisch serviert wurde, verbreitete sich im Restaurant ein Geruch der von brennender Holzkohle stammte. Da wurden gleich Lagerfeuererinnerungen wach. Der schön angerichtete Teller wurde serviert. Die Taube war wunderbar zart (!) und super im Geschmack. Genau für meinen Gusto, denn ich bin kein Fan von dem ganz wildigen Tauben geschmack. Die Sauce war wieder sehr intensiv. Die Begleitung in Form der Pilze und Aprikose wunderbar. Der Schwamm war optisch toll dafür geschmacklich zu neutral. Hier wurde wieder wunderbar demonstriert wie man einzelne Komponente zusammenfügen kann und wie es dann ein Gesamtkunstwerk gibt – grosse Küche!

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Cabrales – Weisse Schokolade, Quitte & Kernöl

Ein genialer Übergang vom Hauptgang zu den Deserts. Der Cabrales-Käse stammt aus der gleichnamigen Spanischen Gemeinde, ist ein Mischkäse (Kuh- Schafs- und Ziegenkäse) mit Blauschimmel und wird in Höhlen gereift (danke Wikipedia). Schmecken tut er einfach wunderbar! Die Weisse Schokolade und die Quitte passten super dazu – genial.

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Caprese – Joghurt Mozzarella, Tomate & Basilikum Nochmals ein Highlight vor den eigentlichen Desserts.

Caprese – also die Elemente Mozzarella, Tomate und Basilikum – die letzten Beide in Form von Pulver. Das Joghurt-Eis nahm man ein wenig auf den Löffel und tupfte die beiden Pulver drauf – lecker! Die Joghurt-Mozzarella-Kugel war ebenfalls super fein!

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Cheesecake & Cookies „Nitro“

Noch ein klassisch molekularer Gang. Auf einem Tisch wurde ein Block Trockeneis angekarrt. Darauf spritze die Servicedame ein Cheesecakeschaum und steckte ein Cookie rein. Danach wendete sie eis auf die andere Seite. Nun war die Aussenhülle augenblicklich gefroren. Man nahm das Ganze schnell in den Mund und es löste sich durch die wärme augenblicklich wieder auf. Lustig!

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Hommage an Paul Haeberlin – Weisser Pfirisch, geeister Rieslingsschaum & Pistazie

Ein würdiger Abschluss für ein tolles Menü. Dazu hat Amador ein Dessertklassiker von Paul Haeberlin (3 Michelin Sterne – verstarb im 2008) modernisiert. Nicht nur optisch sondern auch geschmacklich ein wunderbarer Schlusspunkt!

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Zum Kaffee erreichte uns das Schlussbouquet: unten ein Ingwer-„Haribo“-Stängel sowie ein Erdbeer“granit“. Sobald man letzteren in den Mund nahm konnte man sich vom kleinen Basilikumstöckchen ein paar Blätter abschneiden und mit in den Mund stecken – witzig! Ebenso kombinierte man die falschen Erdbeeren mit den Lolli. Abschliessend warteten drei Macarons verzehrt zu werden (Schoko-Chili-Wasabi-Himbeer). Ein netter und bunter Abschluss, aber bestimmt nicht mehr auf dem vorherigen Niveau.

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Wow, was für ein geniales Menü – klar auf 3 Sterne Niveau! Super innovativ ohne den Fokus auf das Wesentliche zu verlieren. Schlicht unglaublich, welche Geschmackskomponente sich miteinander kombinieren lassen. Wie bereits erwähnt hätte man meiner Meinung nach zwei Fischgänge durch Fleisch ersetzen müssen. Doch für den Rest gilt: Daumen hoch – ein super Gourmet-Erlebnis, sehr freundlicher und unkomplizierter Service, Raucherlounge im oberen Stock und eine der besten Weinbegleitungen – mit einigen exklusiven Amador-Abfüllungen. Die Weine wurden übrigens grosszügig Nachgeschenkt (für die kalten Speisen und Desserts gab es je einen Wein). Schade war Juan Amador an dem Abend nicht vor Ort, offiziell hiess es, dass er in Mannheim (zweit Restaurant) weilt, vielleicht war auch sein Geburtstag, einen Tag dovor, Schuld daran. Aber solange es seine Leute vor Ort so im Griff haben, ist es mir auch egal. Dennoch muss man ein bisschen aufpassen, denn Amador möchte in den nächsten Jahren weitere Restaurants eröffnen. So steht im Jahr 2011 ein Restaurant in Abu Dabi auf dem Programm. Hoffen wir, dass er sein Hauptgeschäft nicht vernachlässigt.

Die Rechnung: 516.50 € (Menü Komplett 209 / Ohne Taube 189) Weinbegleitung 76 € (7 Gläser)

Die Homepage ist schön gemacht – leider ohne Flash-Alternative. Man findet darauf auch schöne Bilder von Amador-Kreationen. Grosser Minuspunkt ist die Kategorie „Das aktuelle Menü“ denn das Menü darauf ist veraltet. Wenn man schon das Menü im Internet zeigt (was ich sehr wichtig finde!) dann sollte man unbedingt für die Aktualität sorgen.

Wichtig: zwei Fotos (Geeisste Beurre Blanc und Austern-Raviolo) habe ich von der Homepage von Sternefresser.de übernommen weil meine Bilder verschwommen waren. Da ich die anderen Gäste an den Nebentischen nicht stören möchte, verzichte ich beim Fotografieren auf einen Blitz; mit dem Nachteil, dass die Fotos zum Teil unschwarf werden.

Nachtrag: In der Zwischenzeit ist das Restaurant ‚Amador‘ von Langen nach Mannheim umgezogen. Hier zur Website.

Petermann’s Kunststuben, Küsnacht

Im Mai informierte Horst Petermann die Presse, dass er ende September 2010 seine Kunststuben in Küsnacht bei Zürich verlassen wird. Der Entscheid kam sehr überraschend, strotzt der Deutsche nach wie vor mit Kraft, Elan und Beigeisterung. Auf jeden Fall wird somit nichts mehr mit dem dritten Michelin Stern, dies war immer das grosse Ziel des Wahlschweizers. Doch der Moment scheint für Petermann ideal, denn er überlässt den Herd seinem langjährigen Sous-Chef Rico Zandonella und wird ihn in den nächsten Monaten zur Seite stehen.  Iris Petermann wird weiterhin den Service leiten.

Die Weltwoche schrieb vor einem Jahr, dass man mindestens einmal im Leben bei Petermann essen muss. Deshalb habe ich die Chance gepackt und mir für mitte September einen Tisch in der Kunststuben reserviert. Wir trafen noch die „alte“ Kunststuben an, mittlerweile wurde alles umgestaltet. Auch die Homepage wurde erneuert und aktualisiert und jetzt findet man endlich die aktuelle Menükarte darauf! Übrigens allen Gerüchten zum Trotz gibt es weiterhin ein grosses Gourmetmenü – also nichts mit einfacher Brasserie… zum Glück!

Die alte Kunststuben war sehr bieder. Nur gerade die einzelnen Blumen auf dem Tisch brachten ein wenig Frische rein. Der Service war, wie erwartet, professionell aber ein wenig zu steif. Auf der Karte fand man einige à la carte Gerichte und ein 6-Gang Menü. Die Weinkarte war knapp, eine Weinbegleitung fand man darauf nicht. Aber natürlich wurde der Wunsch gerne erfüllt und so genoss ich pro Gang ein passendes Glas Wein.

Wir waren gespannt auf’s Essen und fragten uns ob Petermann unsere Erwartungen erfüllen kann. Der Gruss aus der Küche war schon mal ein richtiger Volltreffer. Vorallem eins der drei Gläschen beherbergte was geniales: Entenlebermousse mit einer Schicht von Kirschen – wow, genial! Das Ganze war so fein, dass ich sogar vergass das Foto zu machen…

Der erste Gang erreichte uns: „Im Dampf gegarte Zucchiniblüte gefüllt mit Langustinen an einem Vanille – Zitrusfrucht – Öl“. Wunderbare Aromen – schlicht genial!

„Gebratenes Zanderfilet mit Sesam und Honig auf Taboule mit kleinem Gemüse und Minze“ war der nächste Volltreffer. Dank Zandonella finden genau solche Elemente wie der Taboule (libanesischen Salat) Einzug auf die klassischen Teller. Alles passt wunderbar zusammen und schmeckt göttlich! Der Zander war schön knusprig und der Taboule passte sehr gut dazu. Einzig die knackiegen Spargeln waren deplatziert (Saison).

Und dann, völlig überraschend das Highlight des Abends: „Gebratene Gänseleber auf Kefen-Bohnen-Salat mit Eschalotten-Confit“. Ich bin kein grosser Fan von Gänseleber, doch wenn das so schmeckt wie hier, dann werde ich zum Fan. Die perfekt gebratene Leber hatte schon in der Nase ein tolles Aroma, auf der Zunge verging sie richtig. Dazu den passenen Wein – wow! Einziger Wehrmutstropfen: der Gast neben mir, erhielt den selben Gang 30 Minuten später und auf seinem Teller lag noch eine wunderschöne Gänsenleber-Praliné. Ich hätte extrem gerne da rein gebissen und fragte mich ob man die bei mir vergässen hätte. Aber generell ist mir aufgefallen, dass die Teller jeweils ein wenig anders aussehen – ob dekorativ oder mit anderen Mengen…

Bereits Zeit für den Hauptgang: „Gebratenes Kalbsfilet und Kalbsfilet Mitok an Portweinjus mit Morchel-Raviolo“. Die Hauptgänge enttäuschen mich oft bei solchen Menüs. Es scheint immer so, als gänge die ganze Kreativität bei den Vorspeisen drauf. Doch nicht hier, der Hauptgang stand seinen Vorgängern in nichts nach. Das Fleisch war butterzart, die Ravioli hauchdünn, die Morchel intensiv im Geschmack. Und dann die Sauce – eine Wucht. Einen solch intensiven Geschmack erreicht man nur wenn man sie Stundenlang reduziert – ein Traum!

Der Käsewagen war eher klein, das Angebot überschaubar. Dennoch lagen wunderschöne Käse auf dem Wagen, dazu gab es einen Portwein aus dem Bündnerland (!).

„In Sauternes pochierter Pfirsich Blätterteil Mille-feuilles mit Himbeeren und Zintronengras-Eis“ schloss das Menü ab. Das Dessert konnte das Nivau der vorgängigen Speisen nicht halten, keine der Komponenten kam über ein „in Ordnung“ hinaus. Schade, hätte man hier noch einen genialen Schlusspunkt setzen können.

Zum Kaffee (10 Franken) gab es noch die Petit Fours, diese waren ungenügend und langweilig. DasBisquit war zu dick dadurch kamen die einzelnen Geschmäcker nicht durch.

Meine hohen Erwartungen wurden klar übertroffen. Gestartet beim genialen „Gruss aus der Küche“ bis zum Hauptgang zündete die Küche ein Feuerwerk nach dem anderen. Die Saucen waren allesamt intensiv, die klassischen Gerichten dank zusätzlichen Elementen spannend. Dass ich beim anschauen der Bilder gleich den Geschmack wieder im Kopf habe ist ein sehr gutes Zeichen. Ich hätte mir lediglich gewünscht, dass man das Manü ein wenig ausgebaut hätte. Zum Apéro ein paar Köstlichkeiten und ein Pré-Dessert hätte dem Menü gut getan und das Tüpfchen auf dem i platziert.

Mit einem besseren Menüabschluss (Desert, Petit Fours)wäre dies in meinen Augen ein Kandidat für den dritten Stern. Jetzt hoffe ich nur, dass nach dem Abgang von Petermann das Niveau gehalten wird, ich bin davon überzeugt.

Die Rechnung: 604 Franken. (2 x 6 Gang Menü je 210.-, Weinbegleitung 149.-)
Das Restaurant heisst jetzt Rico’s Kunststuben – www.kunststuben.com