El Celler de Can Roca in Girona (Spanien)

Nun stehen wir also vor dem „besten Restaurant der Welt“, dem El Celler de Can Roca in Girona. Diese Auszeichnung ist für einen Gastronom Fluch und Segen zugleich. Segen weil man sich für die nächsten Monate und Jahre keine Sorgen um den Buchungsstand machen muss – Fluch weil die Erwartungen der weltweit angereisten Gäste unglaublich hoch sind.

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Wir haben uns zum Glück mit der besagten Liste lange genug auseinandergesetzt um zu wissen, dass wir heute Abend vielmehr im „angesagteste Restaurant“ der Welt speisen und nicht zwingend im Besten. Entsprechend erwarten wir nicht per se unser bestes Esserlebnis – auch wenn wir selbstverständlich nichts dagegen einzuwänden hätten.

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Unsere Reservation ist bereits zehn Monate alt. Damals, noch vor der bekanntgabe der Rangliste, war es wesentlich einfacher an einen Tisch zu kommen. Heute ist das Restaurant nach eigenen Angaben elf Monate im Voraus ausgebucht.

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Unser Auto parkieren wir direkt hinter dem grossen Anwesen. Auf der anderen Strassenseite sehen wir das ehemalige Restaurant. Da wirkten die drei Roca Brüder seit 1986, bevor man vor sechs Jahren in dieses neue, moderne Gebäude umzog. Die Biografie von Joan, Josep und dem jüngsten Bruder Jordi ist eine Erfolgsgeschichte. Im Zentrum steht der älteste Sohn Joan, der mit seiner Brigade seit 2009 mit 3 Michelin Sternen ausgezeichnet wird. Unterstütz wird er von Jordi, der seinen grossen Bruder als Pâtissier mit süssen Kreationen unterstützt. Bruder Josep kümmert sich indessen als Sommelier um die 2’800 Positionen umfassende Weinkarte.

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Vor dem Restauranteingang ist eine gemütliche Lounge eingerichtet. Hier würden wir jetzt wohl sitzen, hätten die dunklen Wolken nicht vor ein paar Stunden den ersten Regen seit Wochen nach Girona gebracht. Uns solls recht sein, harmonieren heisse Sommertage und Fine Dining sowieso nicht miteinander.

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Hinter der hölzernen Restauranttür treffen wir auf einen strahlend weissen Raum. Die Dame hinter dem Desk prüft unsere Reservation und begleitet uns dann in den Speiseraum. Dieser ist um eine dreieckige Verglasung gebaut in der hohe Bäume stehen. Die Architektur ist nicht zufällig. Denn vieles dreht sich hier um die Zahl Drei – drei Brüder, drei Weinkarten, drei Beine im Logo und auch die drei Steine, die auf jedem der sehr gut beleuchteten Tische, liegen. Das restliche Licht ist gedämpft. Unserer Meinung nach die perfekte Lichtwahl für ein Restaurant, in dem die Gerichte die Hauptrolle spielen.

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Die gereichte Speisekarte offenbart uns die zwei Möglichkeiten für heute Abend. Das Menu „Degustacio“ sowie das umfangreichere Menu „Festival“. Die Wahl fällt – man ist ja schliesslich nicht jeden Tag hier – auf das Grössere der beiden. Nun fährt ein Sommelier, es ist nicht der Chef Josep (dieser kümmert sich gerade um eine Gruppe Japaner, die im VIP-Bus angereist sind), einen kleinen Holzwagen an unseren Tisch. Darin finden wir jeweils ein Buch (!) für Weissweine, Rotweine und Champagner. Extrem umfangreich, wir würden gerne stundenlang darin blättern, doch dafür ist weder Zeit, noch genügend Platz auf unserem Tisch, denn in der Zwischenzeit steht darauf ein kleiner Olivenbaum…

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Caramelized Olive [5/10]

Ein Evergreen hier im Restaurant. Am Baum hängen grüne Oliven. Diese sind knusprig caramelisiert und offenbaren im Innern eine herzhafte Anchovie-Füllung. Ein netter Einstieg in den Abend.

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The World [6/10]

Weiter geht es mit einer kulinarischen Weltreise. Diese führt uns in sieben Länder, welche kürzlich von den Rocca-Brüdern bereist wurden. Beeindruckend, jedes der Häppchen ist geschmacklich eindeutig dem jeweiligen Land zuzuordnen.

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Crispy Shrimp // Carpano bombon // Zucchini’s omelette  [5/10]

Vier weitere Snacks werden serviert. Im Gegensatz zur vorherigen Weltreise, haben diese thematisch keinen Zusammenhang. Sehr gut gefällt uns der Zuccini-Ravioli, aber auch der knusprige Garnelen-Cracker überzeugt mit seiner puristischen Art. Die Kaktusblüte mit Zitrus-Gelée und die hauchdünnen Pralinen, mit der unangenehmen Füllung, sind da weniger erinnerungswürdig.

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Truffled bonbon // Truffled brioche [7/10]

Weiter geht es mit Kreationen vom Perigord- und Albatrüffel. Den Schwarzen gibt es als knuspriges Bonbon, den Weissen, verpackt in einem tollen Gebäck, als himmlische Füllung.

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Brot

Nach den Snacks wird uns eine umfangreiche Brotauswahl angeboten. Das Brioche ist besonders gut, aber auch das Rotwein-Brot ist ein Genuss. Durch das eher hohe Tempo des bevorstehenden Menüs, werden wir aber nicht gross zum Brotessen kommen.

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Vegetable stock with sprotus, flowers, leaves und fruits [-/10]

Das erste Gericht aus dem eigentlichen Menü lässt und etwas besorgt zurück. Die zu Gelée verarbeitete Gemüsebouillon geriet zu salzig und das wenige Gemüse auf dem Teller ist geschmacklich total langweilig. Hier fehlt es offensichtlich an Intensität und Qualität.

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Elderflower infusion, cherries with Amaretto, gingered cherris and smoked eel [7/10]

Das zweite Gericht ist nicht nur optisch viel ansprechender, sondern auch geschmacklich um Längen besser. Eine sehr erfrischende, runde Kombination, mit fruchtig-bitteren Elementen. Herausragend der geräucherte Aal, welcher sich überraschend gut ins Gericht einfügt und diesem den letzten Kick gibt.

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White asparagus and truffle viennetta [6/10]

Uns erinnert die Präsentation zwar eher an einen Käse als an das „Viennetta“ (ein Eisprodukt von Unilever) aber egal, Hauptsache der Geschmack stimmt – und das tut er ohne Zweifel. Das Spargelaroma ist äusserst intensiv – so wie man es leider nur ganz selten schmeckt.

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Charcoal-grilles cheeks of sardine with green sauce [-/10]

Die gut zubereiteten Sardinen liegen in einer dickflüssigen Kräutersauce. Dem Gericht fehlt jegliche Raffinesse und ist dann auch gleich wieder vergessen. Wir würden dieser Teller dann auch eher in einer kleinen spanischen Taverne erwarten, als hier im 3 Sterne Restaurant.

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Salad of Sea Anemone, Razor-Clam, Royal Cucumber and Seaweed in escabèche [8/10]

Eben noch puristisch, wird es nun um einiges komplexer. Mit einer überdimensionalen Pinzette verkosten wir verschiedene, dünn aufgeschnittene Häppchen aus dem Meer. Unten im Schälchen stossen wir auf eine ausgezeichnete Sauce, welche mit den Meeresfrüchten hervorragend korrespondiert und dem Gericht einen asiatischen Touch verleiht. Alles ist äusserst geschmacksvoll und harmonisch.

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A whole Prawn [5/10]

Bereits bei den Snacks hatte die Garnele eine kurze Vorstellung, jetzt kommt ihr grosser Auftritt. Die zwei Schwänze sind roh und köstlich im Aroma. Dazu reicht man einen Sponge aus Plankton. Die Beine und der Kopf der Garnele sind knusprig frittiert und können deshalb ebenfalls verzehrt werden – eine witzige, aber geschmacksneutrale Erfahrung.

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Amontillado-steamed langoustine, bisque velouté and Jerez caramel [7/10]

Der Kaisergranat wird vor unseren Augen mit etwas Sherry geräuchert. Das Krustentier ist wiederum von hervorragender Qualität, die Kombination mit dem Likörwein ist sehr gelungen. Ausgezeichnet ist auch die wunderbare Consommé.

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Grilled sole with black and white garlic, parsley juice and lemon [5/10]

Die Seezunge ist perfekt zubereitet und verfügt über ein köstliches Eigenaroma. Daneben hat es eine diagonale Zeichnung von Petersilie und zweierlei Knoblauch. Die Kombination würde bestimmt sehr gut mit dem Fisch harmonieren, doch leider ist sie geschmacklich so dezimiert, dass man davon fast gar nichts schmeckt. Schade um das Potential.

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Cod with miso and hazelnutz [7/10]

Auch der Kabeljau ist von sehr guter Qualität und gekonnt zubereitet. Dazu serviert man uns eine tolle Miso, mit wunderbarem Haselnussgeschmack. Der Pfefferschaum ist gewagt und hat Potential zu irritieren – uns hat er gefallen, besonders weil er der ansonsten sehr harmonischen Komposition Ecken und Kanten verleiht.

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Charcoal-grilles lamb breast fillet and sweetbreads with eggplant, coffee and liquorice [8/10]

Ein wunderbarer Holzkohleduft zieht durchs Restaurant. Wir erhalten einen kleinen Rost an den Tisch. Darauf wird etwas Lammfleisch fertig gegart. Dieses hat eine krosse Haut und einen tollen Geschmack. Auch die Kombination von der Aubergine und der Lamm-Milke ist eine Offenbahrung. Als Krönung wird dazu eine Sauce mit Tiefe und Charakter gereicht.

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Pigeon parfait and onion, curry-caramelized walnuts, juniper, orange peel and herbs [9/10]

Mit dem Hauptgang – der von der Portionsgrösse nicht als solcher zu erkennen ist – wird dann das Highlight das heutigen Abends serviert. Eine unglaublich harmonische, elegant-geschmacksintensive Kombination mit einer wilden Taube im Mittelpunkt, welche auf einem exzellenten Parfait thront. Hervorragend!

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Sourdough ice cream with cocoa pulb, fried lychee and sherry cvinegar macaró [6/10]

Auf dem Bild nicht zu erkennen, bewegt sich das kleine Dessert vor uns rhytmisch auf und ab. Das süsse Häppchen ist wunderbar knusprig und erfrischend. Wegen den vielen Vorschusslorbeeren für Pâtissier Jordi, erhoffen wir uns aber bei den weiteren Süssigkeiten doch noch eine markante Steigerung.

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A fragrance adapted: Shalimar by Guerlain [7/10]

Unsere Hoffnungen wurden erhöhrt. Das zweite Dessert, bei der ein Parfum nachgekocht wurde, ist um ein vielfaches eindrücklicher. Wir freuen uns dann auch wie abwechslungsreich das Ganze schmeckt und staunen am Ende, als dieses tatsächlich als „Shalimar“ von „Guerlain“ erkennbar ist. Überpüfen lässt sich das, in dem man am parfümierten Kartonhut riecht.

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Chai cream with blood orange, vanille, mango and roses Viola [5/10]

Das dritte Dessert ist dann wieder weniger komplex. Uns gefallen die klaren Aromen, obwohl wir uns einen fulminanteren Abschluss erhofft haben.

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Friandises [6/10]

Der Wagen mit den Friandises wird an unseren Tisch gerollt. Da die Beleuchtung darauf nicht besonders gut ist, überlassen wir die Auswahl der Petitessen der freundlichen Servicemitarbeiterin. Die süssen Häppchen sind frisch und abwechslungsreich im Geschmack. Unvergessliche Kreationen sind aber nicht dabei.

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Jordi und Joan Roca

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Fazit: Die Roca Brüder servierten uns vier Stunden lang köstliche Kreationen. Bis auf ein paar wenige Durchhänger, war das „Menü Festival“ auf sehr hohem Niveau und beinhaltete hochwertige Produkte. Trotzdem, die Frage ob dies nun das beste Essen unseres Lebens war, lässt sich eindeutiger verneinen als erhofft. Denn dafür fehlten die Spitzengerichte, Speisen an die man sich noch Monate später erinnert.

Doch auch wenn dies kein Menü für die Ewigkeit war, genossen wir einen wunderbaren Abend in einem gemütlichen Restaurant mit gutem Service und einer abwechslungsreichen Küche. Wer in der Gegend ist und Glück hat einen Tisch zu bekommen, sollte das Abenteuer El Celler de Can Roca unbedingt eingehen. Eine eigene Reise nach Girona lohnt sich indessen nicht – da gibt es auf dem Weg dahin bessere Adressen.

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Menü: Ein à la carte Angebot gibt es nicht. Dafür zwei Menüs. Das Menü Degustacio für 140 € sowie das umfangreichere Menu Festival für 175 €.

Zeit: Das Menü wurde in gemütlichen 4 Stunden serviert

Wein: Neben einer riesigen Auswahl an Flaschenweinen bietet man auch eine Weinbegleitung an.  Diese kostet 85 €, respektive 55 € beim kleinen Menü.

Unsere Weinbegleitung:

Albert i Noya Cave El Celler Brut D.O. Cava
Blanc 5.7 12 D.O. Conca de Barberà
Marcel Lapierre 11 A.O.C. Morgon
Joh. Jos. Prüm Kabinet 09 V.D.P. Mosel-Saar-Ruwer
Cobero 12 Vi de Taula de Liebana
Domaine Valette 08 Magnum A.O.C. Viré-Clessé
Viña Tondonia Blanc 98 D.O.Ca. Rioja
Pedra de Guix 10 D.O.Qa. Priorat
Josep Pardet Estinguells 09 Magnum D.O. Costers Del Segre
Pedro Balda Cosecha 10 D.O.Ca. Rioja
Idus 09 D.O. Qa. Priorat
Ariyanas 07 Naturalment Dolç D.O. Malaga
Càligo Esencia Vi de boira
Dolç Mataró D.O. Alella

Online: Die Website ist schön gestaltet. Leider fehlen Informationen zum aktuellen Menü und dem Preis.

Wertung: Gourmör O7 / Michelin M3

Besucht im Juli 2013

Weingut Donatsch in Malans

An einem heissen Sommermorgen begeben wir uns auf den Weg in das mit knapp 2‘200 Einwohner, älteste Weinbaugebiet der Bündnerherrschaft, nach Malans. Umgeben von zahlreichen Reben, erreichen wir das beschauliche Dorf. Ein Wegweiser weist uns die Richtung zu einem der besten Schweizer Winzer. Schon bald prangt ein grosses Schild mit Barriques und dem zweifachen Pinot Noir Weltmeister Martin Donatsch an einer grauen Hausmauer – wir sind angekommen.

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Wir nehmen den Eingang zur Winzerstube Zum Ochsen, welche im Jahr 1926 erbaut wurde. Hier werden hungrige und durstige Gäste bewirtet. Zum heimeligen Restaurant gehört ebenfalls eine beeindruckende, begehbare Vinothek mit zahlreichen Spitzenweine, mehrheitlich aus Frankreich (Bordeaux und Burgund), zu sehr fairen Preisen.

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Martin Donatsch begrüsst uns mit einem breiten Lächeln, er freut sich offensichtlich uns seine Passion näher zu bringen. Er führt uns zu einer Treppe die uns hinunter in sein Reich führt. In der angenehm kühlen Umgebung angekommen, springt uns direkt eine beeindruckende Chateau Mouton Rotschild-Sammlung ins Auge. Die Vermutung, nicht nur bei einem Winzer, sondern bei einem absoluten Weinfreak zu sein, scheint bestätigt.

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Den ersten Stopp machen wir in einem alten Torkel. Hier erfahren wir interessantes über die Weinregion und die Geschichte des Weingutes. Die Donatschs haben schon in der Vergangenheit nicht auf neue Trends gewartet, sondern diese gleich selbst gesetzt. So pflanzte zum Beispiel Martins Vater Thomas Donatsch schon Chardonnay Reben an, als diese in der Region noch verboten waren. Er war auch einer der ersten Winzer in der Schweiz, der Barriques für den Ausbau einsetzte. Erhalten hat er diese von der prestigeträchtigen Domaine de la Romanée-Conti im Burgund, in welchem der Rebensaft aus der Lage La Tâche ausgebaut wurden.

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Wir wechseln durch einen unterirdischen Gang die Strassenseite und betreten den Raum mit den in Fässern schlummernden Weine. Die Gläser und Flaschen, welche für die Degustation vorbereitet sind, stehen stolz auf einem alten, grossen Fass. Die jährliche Produktion des 4,5 Hektar grossen Gutes beläuft sich auf durchschnittlich 30’000 Flaschen. Für dieses Volumen müssen zusätzliche Trauben von ausgesuchten Parzellen, dazugekauft werden. Zirka die Hälfte der Menge ist Pinot Noir.

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75 Prozent der kompletten Produktion wird an die Schweizer Spitzengastronomie verkauft. Martin und Thomas sind selber passionierte Gourmets. Es gibt fast kein Sternerestaurant, dass die beiden noch nicht besucht haben. So ist es für die beiden auch wichtig, dass ihre Weine zum Essen passen und ein schönes Gericht bereichern.

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Wir sind sehr gespannt auf die Tropfen und greiffen zum ersten Glas. Der Auftakt macht der fruchtige Pinot Blanc (Weissburgunder), welcher nicht nur als Apéritif, sondern auch als Essbegleiter einen guten Partner abgibt.

Weiter geht es mit etwas nicht Alltäglichem. Das Weingut Donatsch ist mit 0,5 Hektaren der autochthonen Rebsorte, der Completer bepflanzt. Diese Traubensorte ist eine Schweizer Spezialität! Sie ist nur rar angebaut, in der Region Malans sind es gerade mal zwei Hektaren. Martin Donatsch will sich darum kümmern, dass sich diese fast verloren gegangene Sorte wieder bei uns wohlfühlt. Er entschied sich den typisch hohen Säuregehalt des Completers mit einer Restsüsse zu kombinieren (ähnlich wie beim Ausbau einer Spätlese). Die im Jahrgang 2011 enthaltenen 115 Oechsle erweisen sich als gute Kombination, die Säure wird dadurch sehr gut gebändigt. Die hohen 14,5 % Alkoholvolumen sind nicht markant spürbar, vielmehr besticht der Wein durch nussige Aromen und würde bestimmt hervorragend zu einem gereiften Sbrinz passen. Mit der Completer hat man hier noch viel vor. Geplant ist die Erweiterung der Bepflanzung, denn das Echo der Kundschaft sei äusserst positiv. Auch jenes aus dem Ausland. So hat auch bereits das 2 Sterne Restaurant Noma aus Kopenhangen in Malans angeklopft und um eine Belieferung gebeten. Eigentlich beliefert Donatsch nur Restaurants in der Schweiz, für das angesagte Noma will man aber eine Ausnahme machen. Wir sind gespannt wie sich der Wein entwickelt. Potenzial zu einem Klassiker zu werden ist vorhanden.

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Trotzdem, der Export wird nicht angestrebt. Die Hauptkundschaft soll weiterhin in der Schweiz sein und man will auch in Zukunft die treue Kundschaft in der Eidgenossenschaft zuerst bedienen.

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Eine weitere Sorte in Donatschs Portfolio ist der Chardonnay, neben Pinot Noir und Pinot Blanc die dritte Burgundertraube. Verkauft wird sie unter drei verschiedenen Labels; „Tradition“, „Passion“ und „Unique“. Wobei der Name „Tradition“ für den „einfachsten“ Chardonnay steht und der „Unique“ mit den besten Trauben ausgebaut wird. Bereits im Rebberg werden die qualitativ besten Trauben aussortiert, der davon gewonnene Ertrag ist in erster Linie Anwärter für das weisse Topprodukt. Eine weitere, letzte Selektion erfolgt im Fass, gerade mal die Menge von 2 Fässer (beim Pinot sind es 4-6 Fässer), (300 Flaschen pro Fass) erhalten schlussendlich den Zuspruch für den „Unique“ und bleiben bis zur Abfüllung in neuen Barriques. Jeder „Unique“-Jahrgang erhält einen prominenten Paten. Beim aktuellen Jahrgang 2011 ist dies die Rollstuhl-Athletin Edith Hunkeler.

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Der zweitbeste Rebensaft wird dann für die „Passion“-Linie verwendet. Der Ausbau erfolgt zu je einem Drittel im neuen Eichenfass, im einmalig verwendeten Fass und in zweijähigen Fässern. Martin Donatsch mag keine fetten, cremigen Chardonnays, dies wiederspiegelt er in seinen Kreationen. Sie glänzen mit Eleganz und Komplexität, das Holz ist gut eingebunden. Die Qualität der Trauben steht im Vordergrund und die Holznoten sind gute Nebendarsteller.

Beim letzten Weisswein der Runde handelt es sich um eine Assemblage aus Chardonnay und Sauvignon Blanc, den „Chardignon“. Dieser hebt sich klar von der anderen Weinstilistik ab. Das Bukett ist verspielt und exotisch. Kein Wein für die grosse Tafel, sondern etwas für unkomplizierte Momente. Laut Donatsch ein Wein der eher das jüngere Klientel anspricht.

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Wir wechseln zu Rot, dem Pinot Noir – der Burgundertraube schlechthin. Wie beim Chardonnay werden die Pinots unter den drei Labels angeboten, wobei auch hier der „Unique“ als Flagschiff gilt. Der Ausbau erfolgt ebenfalls im gleichen Stil. Zuerst erhalten wir ein Glas des „Passion“. Mit diesem Wein hat es Donatsch geschafft den „Prix Champion du Monde“ zweimal in Folge zu gewinnen. Sieger wird, wer mit drei Jahrgängen und einer konstant ausgezeichneten Qualität die Jury überzeugen kann. Donatsch konnte diese Auszeichnung als erster Schweizer überhaupt gleich zwei Mal gewinnen!

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Mit dem „Unique“ präsentiert er uns dann das Highlight der Runde. Eine wahrliche Bereicherung für den Schweizer Weinbau. Ein spitzen Pinot, der mit einem spannenden Bukett und einem langen Abgang zum Träumen einlädt. Für uns nochmals eine klare Steigerung zum „Passion“. Ein nicht ganz alltäglicher Pinot, halt irgendwie Donatsch-Style.

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Wir wechseln die Bühne und treten in einen natürlich kühlen Raum, in dem zahlreiche Flaschen vergangener Jahrgänge liegen. Martin Donatsch reicht uns seinen „Föhnbeerenauslese“ Pinot Gris. Dieser Dessertwein trumpft mit der, durch die späte Lese gewonnene Süsse. Der Wein schmeckt nach Aprikose und Honig und hat einen exotischen Touch. Bestimmt ein perfekter Begleiter zu verschiedene Foie Gras Gerichten.

Zu guter Letzt zeigt uns Martin Donatsch einmal mehr sein Können. Der Pinot Vintage, im Portwein ähnlichen Stil, gefällt durch seine süsslich, geschmacksintensiven Noten und einem spannenden, langen Abgang. Der mit Käse zu einem feinen Abendessen, aber auch jetzt bei unserem Besuch, einen tollen Schlusspunkt setzt.

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Die Weine von Donatsch sind durch und durch von hervorragender Qualität. Erfrischend der Pinot Blanc, spannend der Completer mit seiner Restsüsse, edel der Chardonnay „Passion“ sowie die beiden spitzen-Pinots „Passion“ und „Unique“. Wie Thomas Donatsch schön sagt: „Es bringt nichts, sich auf Weine zu konzentrieren wo man weiss, dass es Tausend bessere gibt, wir machen das, wo wir überzeugt sind zu den Besten zu gehören!“

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Thomas und Martin Donatsch

Verkostete Weine:
Pinot Blanc 2012
Chardonnay „Passion“ 2012
Cuvée Blanc „Chardignon“ 2012
Completer 2011
Pinot Noir „Passion“ 2011
Pinot Noir „Unique“ 2010
Pinot Gris „Föhnbeerenauslese“ 2011
Pinot Vintage 2011

Das Highlight:
Pinot Noir „Unique“ 2010

Bezugsquellen:
Ochsen Malans
Weinkeller Riegger AG

Quique Dacosta in Dénia (Spanien)

Dénia gehört zu den schönsten Ortschaften die wir auf unserer Spanienreise besuchten. Die engen Gassen laden zum flanieren ein und in den meisten der unzähligen Restaurants würden wir am liebsten gleich Platz nehmen.

Wir haben für heute Abend aber andere Pläne und bereits einen Tisch beim neuen 3-Sterner Quique Dacosta reserviert. Sein gleichnamiges Restaurant liegt wenige Kilometer vom Zentrum von Dénia entfernt. Über eigene Parkplätze verfügt das Gourmetrestaurant zwar nicht, jedoch hat es direkt vor dem weissen Haus eine breite Strasse an der man das Auto problemlos abstellen kann.

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Der Eingangsbereich ist offen und einladend gestaltet. Hier erhaschen wir auch einen Blick in die Küche und auf einen kleinen Gemüse- und Kräutergarten. Ein gut gelaunter Mitarbeiter begrüsst uns am Empfangsdesk. Zum Apéro geht es nicht direkt an den Tisch, sondern à la Schloss Schauenstein, in eine gemütlichen Lounge. Wir haben Glück, die Plätze draussen sind alle besetzt und wir werden in den angenehm klimatisierten Wintergarten gesetzt. Hier erhalten wir eine kleine Mappe die einige Hintergrundinformationen über das Quique Dacosta enthalten. Darin finden wir auch Block und Bleistift für etwaige Notizen. In Anbetracht des umfangreichen Menüs, ist dies ein willkommenes Hilfsmittel.

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Das Menü steckt in einem weissen Umschlag und heisst „Made in the Moon“. Es enthält alle aktuellen Kreationen. Alternativ gibt es das kleinere Menü „Local Universe“, in dem man die Highlights der letzten Jahre und Auszüge aus dem aktuellen Menü kredenzt. Das „Made in the Moon“ ist umfangreicher, weshalb unsere Wahl auf dieses fällt. Wir dürfen uns auf schätzungsweise 50 Kreationen freuen, welche in sechs Akte aufgeteilt sind. Der Auftakt machen die Snacks. Dann geht es weiter mit den Tapas, Mains, Meat und Desserts bevor der letzte Akt – The magic box – das Menü abschliessen wird.

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Snacks: Gin Tonic of apple // Petals of roses [-/10]

Neben einem süssen Apfeldrink stellt man uns auch rote Rosen auf den Tisch. Erst als man uns auffordert die Rosenblätter zu essen bemerken wir, dass die mittig liegenden Blätter anders aussehen. Mit einer dazu gereichten Pinzette ziehen wir diese vorsichtig raus. Die hauchdünnen, rot gefärbten Apfelscheiben sind knackig und schmecken angenehm süss. Ein erfrischender Auftakt.

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Snacks: Roots of boletus, Dubonnet leaf, Dry leaf of sweet corn, leaf of herbs in vinegar, apple leaf, Chestnut leaf // Stones of parmesan cheese [5/10]

Die täuschend echt wirkenden Steine sind mit herzhaftem Blauschimmelkäse gefüllt. Auf der Holzplatte daneben finden wir verschiedene Blätter – mal getrocknet, als Chip oder leicht gewürzt in natürlicher Form. Die Texturen sind spannend, leider bewegt sich der Geschmack ausschliesslich im bitteren Bereich.

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Snacks: Tomato in vinegar, Tomato in dry vinegar, Raïm del pastor // Lichen // Dulse seaweed with a codium emulsion [-/10]

Die letzten Snacks werden serviert. Auf dem ersten Teller finden wir reife Tomaten in natürlicher Form sowie Getrocknete mit etwas Essig. Auf den Steinen in der Auflaufform liegen Flechten, von denen man die, an Rosmarin erinnernden, winzigen Blätter abbeissen kann. Zu guter Letzt erhalten wir getrocknetes Seegras, welches zwar sehr knusprig, aber wenig geschmacksvoll ist.

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Der erste Akt ist damit abgeschlossen, für das restliche Menü werden wir an unseren Tisch im eigentlichen Restaurant begleitet. Dieser Ablauf scheint nicht allen logisch. Am Nebentisch sind drei Mitarbeiter nötig um den russischen Gästen zu erklären, dass sie unmöglich das komplette Menü hier draussen essen können.

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Das Restaurant ist sehr puristisch eingerichtet. Auf den weissen Holztischen liegen keine Tischtücher. Auch die Stühle sind schlicht und leider auch etwas unbequem. Die schwarz-weisse Einrichtung erinnert uns an ein Schachbrett. Der Raum ist gut klimatisiert und dank den Glaswänden sieht man sowohl in die Küche, als auch in das Innenleben des grossen Weinschrankes.

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Die Servicebrigade macht einen guten Job und behält immer die Übersicht. Zwar ist es oft etwas hektisch im Speiseraum, doch in Anbetracht des umfangreichen Menüs ist das verständlich.

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Tapas: Strip of sea bass // Pepperwort // Dove nest [5/10]

Das Thunfisch-Sashimi isst man zusammen mit dem Pfefferkraut, auf dem es liegt. Die Kombination ist sehr spannend. Der dezente Einsatz von Wasabi bringt die nötige Rasse. Bis jetzt das Beste, das man uns heute Abend serviert hat. Der Wolfsbarsch auf dem Löffel, geriet dagegen etwas fad. Das Dove-Nest ist zwar angenehm knusprig, die Flüssigkeit im Innern schmeckt aber sehr befremdlich.

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Tapas: Pesto // Moshi of blue cheese and honey „alioli“ [7/10]

Ganz stark die nächsten beiden Tapas. Ein sehr frisches Cornet, gefüllt mit intensivem Pesto. Daneben ein Moshi, eine Spezialität aus Japan: Eine leicht süsse, weiche brotähnliche Masse, gefüllt mit Blue Cheese und Honig.

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Tapas: Crèpe of strawberries // Almonds [5/10]

Süsse Erdbeeren auf einem Minzblatt – eine logische und sehr gut harmonierende Kombination. Weshalb man aber bereits zum jetzigen Zeitpunkt auf solch süsse Akzente setzt, bleibt das Geheimnis von Dacosta – besonders weil man uns gleichzeitg Mandeln serviert, welche nicht etwa süss sind, sondern unter einem kohligen Gelée liegen.

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Tapas: Hot ice cream [7/10]

Für das nächste Gericht wird ein Eiswagen an den Tisch gekarrt. Vor unseren Augen wird ein Cornet zerbröselt und anschliessend auf das „Vanille-Eis“ gestreut. Zu guter Letzt wird es noch mit flüssigem „Caramel“ betreufelt. Eine kreative Anrichtung, die leider etwas gar hastig umgesetzt wird – hier sollte man sich The Fat Duck zum Vorbild nehmen, dort werden solche Gänge richtiggehend zelebriert.

Das „Eis“ besteht aus einer warmen Ei-Masse, mit einem Hauch Vanille. Die Kombination mit der warmen, getrüffelten Sauce funktioniert hervorragend.

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Tapas: Ravioli of beetroot // Yoghurt with Campari [6/10]

Das Joghurt-Campari Meringue ist erfrischend und mit den süss-sauren Komponenten gut ausbalanciert. Auch der Randenraviolo, gefüllt mit Krabbenfleisch, ist delikat.

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Tapas: Seeigel – Limettig [6/10]

Je nach Saison und Verfügbarkeit schiebt Quique Dacosta gewissen Gerichte zusätzlich ins Menü. Wie dieser Seeigel und die Couteau-Muschel. Eine sehr naturbelassenes und intensives Arrangement.

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Snacks: Mediterranean taco / Coca of sweet corn [7/10]

Ein weiterer Höhepunkt: Der wunderbarer Tacco, sehr frisch und kross – der uns für ein paar Sekunden auf eine Reise nach Mittelamerika nimmt. Auch die goldene, knusprige Scheibe mit dem süssen Mais schmeckt toll!

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Pig’s marrow and crumble // Iberian explosion [6/10]

Jetzt wird es animalischer. Zum einen mit einer starken Consomé mit intensiven Mark und zum anderen mit einer Iberischen Explosion. Hier hat man nicht zu viel versprochen. Kaum platzt der Happen im Mund, setzt sich ein intensiver Geschmack nach dem edlen Schwein frei. Vor allem der angenehmen Geschmack nach Eicheln ist omnipräsent.

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Mains: Kefir of celery, dill and vodka [6/10]

Jetzt startet der 3. Akt, die Hauptgänge.

Der Start überzeugt. Uns gefällt dieses leckere und zugleich erfrischende Gericht, dank dem knackigen Sellerie und den kühlenden Gurken. Auch die Auster bringt sich pointiert ins Gericht ein.

Gleichzeitig erhalten wir mit den verschiedenen Grissini etwas Gebäck auf den Tisch.

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Mains: Protein of Oyster [5/10]

Unter dem angenehm meerig schmeckenden Mousse verbergen sich drei feine Austern. Ein sehr stimmiges, aber auch intensives Gericht. Die zusätzlich gereichten Algen-Grissini sind geschmacklich leider sehr ausdruckslos.

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Mains: Gamba: boiled / tea of prawns and chards [6/10]

In auffallend rotem Cellophan kommt ein Klassiker des Hauses auf unseren Tisch. Der Gambero Rosso muss zuerst geschält werden und schmeckt sehr gut. Trotzdem können wir die vielen Lobeshymnen aus der Blogger-Welt nicht unterstreichen. Denn gerade im Vergleich zu den etwas grösseren Exemplaren, die wir vor ein paar Monaten im Lampart’s genossen haben, wirken diese geschmacklich doch recht blass. Zum Glück wird zusätzlich zum Gamba eine hervorragende Consomée serviert. Welche nicht nur verdient Applaus bekommt, sondern aus dem Gericht etwas besonderes macht.

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Mains: Eel [5/10]

Das sehr stimmige und süffige Gericht mit Aal, schliesst den Akt der Hauptgänge ab..

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Meat: Smoked mezcal – Grilled ravioli [5/10]

Die mit hauchdünnem Fleisch beladenen Kissen werden an unserem Tisch leicht geräuchert – der Duft nach Weihrauch verbreitet sich im ganzen Restaurant. Die Häppchen sind fein. Zur Erfrischung gibt es Limetten mit einer Tequilla Füllung.

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Garrofo (butter beans) [5/10]

Die weissen „Bohnen“ sind mit Kaninchenfleisch gefüllt. Handwerklich toll umgesetzt, macht es geschmacklich wenig Sinn, etwas Fleisch in eine Zuckerhülle zu packen. So ist das Kaninchen auch beinahe nicht auszumachen. So erfreuen wir uns ob dem feinen Jus und den echten Bohnen die daneben liegen.

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Meat: Rice „carnaroli“ of duck beetroot and hazelnut / Liver [7/10]

Der Reis ist perfekt zubereitet und dank Nüssen sehr spannend im Goût. Der dezente Rotweinschaum baut die Brücke zum zweiten Teller, indem die Taubenleber in einem tiefen Jus liegt.

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Desserts: Yoghurt frost with rose [5/10]

Der süsse 5. Akt startet mit einer feinen Joghurt-Rosen Komposition. Dies ist wiederum ein zusätzlich eingeschobenes Gericht, welches so nicht auf dem Menü steht und später auf der Rechnung mit „invitación“ aufgeführt wird. Die abwechslungsreichen Texturen und die süffige Art überzeugen – eine memorable Pãtissierkunst ist das aber nicht.

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Desserts: Black forest [5/10]

Die Textur vom Meringue ist zwar gewöhnungsbedürftig, der Geschmack und die knusprigen Streusel machen aber Spass. Ein schönes, kirschiges Dessert, welches aber um ein vielfaches eindimensionaler schmeckt als erhofft.

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Desserts: Cinnamon branch – Prunes [6/10]

Die Pflaumen mit essbarem Kern sind witzig und fein zugleich. Die falschen Zimstängel schmecken nach Schokolade und begeistern wegen der luftigen Konsistenz.

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The magic box: Crocante of almonds, trufle of rum, Gold stones [5/10]

Den letzten Akt geniessen wir draussen in der Lounge bei einer Tasse Kaffee. Es ist mittlerweile 2 Uhr und angenehm kühl geworden. Die Magicbox wird uns zuerst leer präsentiert. Dann wird die Kiste geschlossen, ein paar mal gekonnt geschüttelt et voilà – beim nächsten Aufklappen erscheinen ein paar Nuggets. Diese schmecken fein, erfüllen bei diesem Zaubertrick aber eher eine Statistenrolle.

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Fazit: Das war das umfangreichste Menü, das uns bisher serviert wurde. Das Handwerk ist extrem präzis, die Speisen sehr fantasievoll und kreativ. Quique Dacosta und seine grosse Brigade beherrschen das Spiel mit den unterschiedlichen Texturen und spannenden Kombinationen eindrücklich. Würden wir diese Attribute bewerten, würde klar die Höchstnote winken. Wir beurteilen aber ausschliesslich den Geschmack und da reicht es nicht, wenn lediglich eine handvoll Gerichte überzeugen, während der grosse Rest schon am nächsten Morgen wieder vergessen ist. Gerade die Desserts, aber auch die Snacks zu Beginn, haben enttäuscht.

Trotzdem, der Preis von 180 € pro Menü ist nicht gänzlich fehlinvestiert. Die abwechslungsreichen Kreationen heben die geschmacklichen Differenzen zu einem Grossteil auf. Und so bescherte uns das Menü „Made in the Moon“ ein über vier Stunden langes Abenteuer, welches vor allem optisch überzeugte. Wer des Geschmackes wegen nach Dénia reist, wird das Restaurant aber eher ernüchtert verlassen.

Die Servicebrigade macht einen guten Job und behält immer die Übersicht. Zwar ist es oft etwas hektisch im Speiseraum, doch in Anbetracht des umfangreichen Menüs ist das verständlich.

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Menü: Es gibt zwei Optionen: das grosse Menü „Made in the moon“ in 6 Akten zu 181.50 € sowie das „Local Universe“, einem Auszug aus dem aktuellen und vergangen Menüs zu 148.50 €. Wir empfehlen das grosse Menü zu bestellen.

Zeit: Das grosse Menü dauerte 4.5 Stunden.

Wein: Die Weinbegleitung für das grosse Menü kostet 93.50 €. Die Weine sind gut auf die Speisen abgestimmt auch wenn der Umfang an verschiedenen Weinen etwas gar gross ist. Zudem werden die Tropfen vom spanischen Sommelier etwas gar hastig präsentiert.

Online: Die Website ist übersichtlich gestaltet, bietet vie Wissenswertes, und enthält auch das aktuelle Menü und viele Bilder.

Wertung: Gourmör O6 / Michelin M3

(Besucht im Juli 2013)