CookTank Schweiz

Die Idee Spitzenköche zu versammeln und mit ihnen neue Gerichte und Trends zu entwickeln, das hatten die Sternefresser schon vor vielen Jahren. 2011 wurde die Idee zum ersten Mal in die Tat umgesetzt und damit der CookTank geboren. Mussten für die erste Ausgabe noch viele Teilnehmer zum mitmachen überredet werden, stehen die Spitzenköche in der Zwischenzeit Schlange .

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Imposante Kulisse vor dem Park Hotel Vitznau – dem Austragungsort des ersten Schweizer CookTank

Am letzten Montag war es endlich soweit, die Sternefresser haben im Park Hotel Vitznau, den ersten CookTank in der Schweiz durchgeführt. Dabei haben sie eindrücklich demonstriert, dass sie nicht nur eines der führenden Online-Gourmet-Magazine betreiben, sondern auch souverän einen Event in dieser Grössenordnung durchführen können.

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2 Sterne Koch Peter Knogl (rechts) mit seinem Mitarbeiter

Es besteht dann auch nur einen, wenn auch sehr grossen Haken: die vielen interessierten Zuschauer müssen alle draussen bleiben. Dies ist für den CookTank auch essenziell. Denn nur dank dieser beinahe familiären Atmosphäre können die anwesenden Köche ohne Druck auftreten und sich bei der Konzeption der neuen Gerichte weit auf die Äste herauswagen.

17 Michelin Sterne in einer Küche

Die Presse wurde auf halb Zwölf bestellt. Zu der Zeit sind die Köche bereits voll im Einsatz. Jeder wird heute eine Speise zu einem der beiden vorgegebenen Themen kochen. Einzige Bedingung: das Gericht darf zuvor noch nie auf der Karte gestanden sein. Fabian Inderbitzin aus dem Seerestaurant Belvédère ist nicht angespannt. Grund dazu hätte er, so ist er heute der Erste der sein Gericht schicken darf. Er hat sich für das Thema „Mehr als Käse“ entschieden und ein Arrangement mit Rüebli, Ziegenfrischkäse und Foie Gras entwickelt. Ein kaltes Gericht, deshalb hat er die 25 Teller auch schon angefangen anzurichten, auch wenn es zur Degustation noch gute 60 Minuten dauert.

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Weit her angereist: Kevin Fehling (rechts) aus Deutschland im Gespräch mit Christian Stromann (Sternefresser.de)

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Der Gang durch die Küche ist spannend und eindrücklich – so viele begnadete Köche auf einem Haufen gibt es in der Schweiz nicht einmal wenn der Gault-Millau zu seiner alljährlichen Pressekonferenz lädt. Und zu unserem Glück, warten die Herren nicht in sauberem Hemd auf den Fototermin, sondern stehen mit viel Fleiss hinter dem Herd. So auch die einzige Frau unter den Teilnehmern: Tanja Grandits aus dem Stucki in Basel. Sie widmet sich mit ihrem Gericht dem zweiten Thema „Würzen mit ungewöhnlichen Zutaten“. Dazu hat sie einige Utensilien mitgebracht. Unter anderem ein Bambuskorb, um später darin das Lamm zu räuchern.

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Rolf Fliegaufs Königsmakrele, Limone und Ajo blanco

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Executive Chef des 5 Sterne Hotels The Alpine Resort in Gstaad: Marcus Lindner beim Anrichten

Doch genug in die Töpfe geschaut, jetzt werden alle zur Ansprache gebeten. Christian Stromann, treibende Kraft hinter Sternefresser.de, verzichtet auf blumige Worte und kommt gleich auf den Punkt. Man wolle ein CookTank von dem alle profitieren, ein Event an dem sich die Teilnehmer austauschen und am Abend mit möglichst vielen Eindrücken und Inputs nach Hause gehen.

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Auch viele Journalisten sind anwesend. Hier unser Kollege David Schnapp von dasFilet.ch

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Heimspiel: Executive Chef des Park Hotel Vitznau – Christian Nickel

Beim anschliessenden Fototermin wird dann auch bildlich demonstriert, wie stark sich der CookTank in den letzten Jahren entwickelt hat. Waren es bei der ersten Ausgabe noch acht teilnehmende Personen, sind heute über 45 zusammengekommen. Darunter auch Kevin Fehling, einer von zwei Köchen die aus Deutschland anreisten. Fehling ist hier aber kein Unbekannter – zumindest nicht seit dem letzten Herbst, als er von Michelin mit 3 Sternen ausgezeichnet wurde. Der 35 jährige ist gut gelaunt, auch wenn er für die 800 im Flugzeug zurückgelegten Kilometer, sehr früh aufstehen musste.

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Nenad Mlinarevic im Gespräch mit seinem ehemaligen Chef Andreas Caminada (rechts)

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Jetzt sitzen wir draussen im Restaurant focus, wo man für heute zwei lange Holztische eingedeckt hat. Vor uns steht nun das geschmorte Rüebli. Fabian Inderbitzin erklärt den anwesenden Köchen, Presseleuten und Sponsoren die Idee hinter seinem Gericht. Danach wird degustiert und kritisiert. Dabei verzichtet man einvernehmlich auf Lobeshymnen sondern verteilt ehrliche Feedbacks. Immer wenn es ruhig wird, übernehmen Christian Stromann und Daniela Heykes die Moderation. Am Ende gibt es noch ein paar Komplimente, bevor Inderbitzin mit viel Feedback im Gepäck, zurück in die Küche geht, wo bereits das nächste Gericht darauf wartet geschickt zu werden.

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Fabian Inderbitzin präsentiert sein Gericht

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Daniela Heykes (ROOM 426) und Christian Stromann (Sternefresser) wird Fabian Inderbitzins geschmort Karrotte kredenzt

Die gute Stimmung unter den Berufskollegen ist beieindruckend und sicher einer der vielen schönen Eigenschaften des CookTanks. Auch als Rolf Fliegauf (Ecco in Ascona), Lars Middendorf (Seehalde in Uhldingen, Deutschland) und Patrick Konschak (Einstein in Aarau) ihre Gerichte präsentieren, dürfen sie von der konstruktiven Kritik profitieren.

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Christian Nickel

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Konzentration beim Degustieren

Danach wird es Zeit für den Vortrag. Dazu hat man Professor Dr. Thomas Vilgis engagiert. Wie schon bei den vorherigen CookTanks, lässt der Lebensmittel-Chemiker und -Physiker, die Anwesenden Spitzenköche an seinem Wissen teilhaben.

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Prof. Dr. Thomas Vilgis bei seinem Vortrag

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Peter Knogl beim Anrichten

Nach der kleinen Pause geht es weiter mit den Gerichten von Marcus Lindner der aus Gtaad anreiste, Markus Arnold (ehemals Meridiano in Bern), Peter Knogl aus dem Cheval Blanc aus Basel und Kevin Fehling mit seinem hervorragenden Unagi.

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Kevin Fehlings Aal & Auster mit Reisgel, Dashi-Tapioka, Wasabi und Apfel-Gurkensud

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Aus Ascona angereist: 2 Sterne Koch Rolf Fliegauf

Jetzt wird es dunkel im Restaurant. Zeit für Andreas Caminadas Gericht. Der Bündner nutzt die Gelegenheit um Meinungen zu seinem neusten Projekt einzuholen: die beleuchteten Speisen. Diese werden auf einem iPad mit kratzfester Scheibe serviert. Eine eigens komponierte Lichtshow beleuchtet das Gericht „Sünde“ von unten. Ab September wird Caminada in seinem Restaurant Schauenstein in Fürstenau, pro Menü zwei Gerichte auf diese Weise servieren. Das Feedback aus der Runde bestätigt ihn im Vorhaben. Es sei legitim neue Wege zu gehen – solange dem Geschmack nichts im Weg steht.

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Andreas Caminada beleuchtet sein Gericht „Sünde“ mit Hilfe eines iPads

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Blick in die grosse Küche

Es ist nun 17 Uhr geworden. Nachdem Tanja Grandits ihr facettenreiches Berglamm-Gericht serviert hat und damit viel Lob einheimste, sind nun noch die beiden Gastgeber des Park Hotel Vitznau an der Reihe. Christian Nickel serviert sein Bierschwein an einer intensiven Sauce und Nenad Mlinarevic sorgt mit seinen süffigen Cerealien mit Ziegenfrischkäse und Sanddorn für ein würdiges Finale dieses eindrücklichen Tages.

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Tanja Grandits mit ihrem Lehrling Nikolai Wiedmer

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25 Mal angerichtet: Marcus Lindners Greyerzer Saibling, Ziegenquark Beifuss und Waadtländer Saucisson

Nach der Abschlussrede wird noch etwas gefachsimpelt, bevor die Köche die Heimreise antreten. Schliesslich darf man Morgenmittag wieder für die Gäste kochen. Vielleicht etwas weniger experimentell als heute, aber dafür mit vielen neuen Ansätzen und Ideen im Kopf, um die anspruchsvollen Gourmets auch in Zukunft zu begeistern.

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Markus Arnold beim Fachsimpeln mit Fabian Inderbitzin (rechts)

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Andreas Caminada mit seinem langjährigen Souschef Patrick Waser (rechts) und seinem Mitarbeiter James Baron

Fazit: Der CookTank hat uns nachhaltig begeistert. Die Stimmung ist ungezwungen kollegial, die meisten Gerichte zeigen neue Wege auf oder lassen vermuten in welche Richtung es kulinarisch gehen könnte. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Sternefresser für das nächste Jahr eine weitere Schweizer Ausgabe planen…

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Patrick Konschak aus dem Einsten in Aarau

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Nenad Mlinarevics Ziegenfrischkäse, Sanddorn, Malz und Cerealien

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Tanja Grandits Berglamm, Bambushonig, Grünteelabne, Pandanblattöl mit Avocadocurry

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Andreas Caminada

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Lars Middendorfs Lammkutteln in Gerstenkaffee-Emmerbiersauce, in Tannenessig eingelegter Spitzkohl und Kartoffelemmerbierschaum

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Tanja Grandits räuchert ihr Berglamm

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Markus Arnolds Fermentierte Rohmilch aus Rubigen, Seeländer Butterbohnen und Pfirsich

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Seerestaurant Belvédère in Hergiswil

Vor drei Jahren zauberte uns Fabian Inderbitzin ein dermassen gutes Menü, dass wir ihm innerhalb von wenigen Jahren einen Michelin Stern prognostizierten. Damals kochte der junge Schwyzer im ehrwürdigen Château Gütsch hoch über Luzern. Dabei schaffte er es, dass uns trotz dem wunderschönen Setting und der einmaligen Aussicht, am Ende des Abends vor allem seine Gerichte in Erinnerung blieben.

Das Abenteuer Gütsch endete leider viel zu früh und so suchte Inderbitzin eine neue Herausforderung, welche er im nahe gelegenen Hergiswil fand. Dort entstanden vor zwei Jahren luxuriöse Residenzen und im Erdgeschoss das Restaurant ‚Belvédère‘. Wir sind sehr gespannt wie sich Inderbitzin in den letzten Jahren weiterentwickelt hat und ob sich unsere Michelin-Prognose bald bewahrheiten wird.

Von Aussen ist das ‚Belvédère‘ recht unscheinbar. Lediglich eine Tafel an der Dorfstrasse macht auf das Restaurant mit „Genuss am See“ aufmerksam. Innen steigt zuerst der Geruch der neuen Einrichtung in unsere Nasen. Bald weicht dieser jedoch dem Duft von feinen Gerichten aus der Küche – die Vorfreude steigt. Die Einrichtung ist sehr modern, der Blick auf den See malerisch. Ein umgänglicher Servicemitarbeiter nimmt uns in Empfang und führt uns zu unserem Tisch. Dabei gehen wir an einer einladenden Lounge vorbei und notieren uns, beim nächsten Besuch dort einen Apéro zu geniessen.

Die Tische im Restaurant werden durch einen Weinschrank in zwei Kategorien geteilt. Im vorderen, kleineren Bereich ist das Seebistro. Hier werden alltägliche Gerichte wie Hackbraten, Tatar oder auch ein Caesar’s Salad serviert. Selbstverständlich auch hier alles frisch und hausgemacht. Bei den hellgrau gedeckten Tischen im hinteren Teil, werden Inderbitzins Gourmet-Kreationen aufgetischt.

Trotz der stilvollen Einrichtung und dem direkten Blick auf den Vierwaldstättersee (wenn möglich Fensterplatz buchen!) herrscht hier eine lockere Atmosphäre. Das Serviceteam ist jung, unkompliziert und macht einen sehr guten Job. Einzig das fast leere Restaurant ist ungewohnt und kratzt etwas an der Stimmung. Wie uns die Kollegen von Küchenreise aber bestätigen, war das Belvédère eine Woche später voll besetzt.

Von unserem Tisch haben wir einen guten Blick auf die Terrasse, auf der wir vor ein paar Monaten während unserer „Sternensuche“ sassen. Heute ist es dafür viel zu kalt. Der See ist dadurch aber nicht minder eindrücklich. Die Regenwolken hängen schon fast bedrohlich zwischen den Bergen – hier und da gibt es eine Hoffnung bringende Aufhellung. Für uns der perfekte Moment um hier im Warmen zu sitzen und sich auf ein schönes Menü zu freuen.

Wir bestellen den Apéro und erhalten die übersichtliche Speisekarte gereicht. Darin finden wir neben einer sehr kleinen Auswahl an Belvédère-Klassikern, auch das Menü. Dazu sind 14 Komponenten mit jeweils zwei bis drei zusätzlichen Ingredienzien aufgeführt. Wir haben nun die freie Wahl, aus diesen Gerichten unser eigenes Menü zusammen zu stellen. Auch der Umfang – zwischen zwei bis acht Gängen – obliegt unserer Entscheidung. Uns gefällt dieses Konzept, welches wir bereits vom ‚Annex‚ kennen, sehr gut!

Während wir noch über der Speisekarte brühten und mit der Auswahl unserer 8 Gänge beschäftigt sind, erhalten wir als kulinarische Einstimmung ein paar Apéro-Häppchen.

Häppchen [7/10]

Wir beissen in das frittierte Maispoularde-Bällchen und werden von einer extrem saftigen und zarten Füllung überrascht. Dagegen wirkt jedes vorher gegessene Chicken-Nuggets zäh und fad.

Auch für das Samosa gibt’s nur lobende Worte – die orientalische Gewürzfüllung entführt uns für einen Augenblick in eine andere Welt, bevor wir behutsam wieder in Hergiswil abgesetzt werden. Nach diesen intensiven Aromen hatte es das Rinds-Tatar mit roher Birne sehr schwer und viel dann auch ab.

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Brot

Die selbst gebackene Brotauswahl überzeugt. In die luftigen Brötchen aus 3 jährigem Sprinz verlieben wir uns auf der Stelle – wow! Aber auch das knusprige Sauerteigbrot hätten wir gerne jeden Morgen auf dem Frühstückstisch.

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Variation vom Kaninchen [8/10]

Gleich zum Menüauftakt zieht die fünfköpfige Küchenbrigade alle Register und präsentiert uns ein ganz starkes Gericht. Dabei tasten wir uns über den ganzen Teller und entdecken das Kaninchen in verschiedenen Kompositionen. Mal als Terrine, als Mousse in einem knusprigen Röllchen oder dann als ganzes Stück mit einem Hauch von Curry. Die Aromen sind durchwegs klar – hier und da funken orientalische Gewürze auf. Rundum toll und das bei einer sehr anmutender Optik!

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Foie Gras / Balsamico – Grüner Apfel – Brioche [8/10]

Die Show geht weiter. Auf dem Teller liegt eine wunderbare Entenleber-Terrine, welche als sauren Gegenpool, einen Hauch von Granny Smith-Gelée eingebettet hat. On top ein zart schmelzendes Entenleber-Mousse. Dieses zergeht auf der Zunge und gibt dieses einzigartige Aroma frei. Rund um das Gericht sorgen Apfel und Balsamico-Apfel Tupfer für die Säure und Süsse – sehr stark arrangiert. Zu guter Letzt auch ein grosses Lob an das Brioche, welches klar zu den Besten gehört, die wir jemals geniessen durften.

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Melone / Rohschinken vom Molkenschwein – Tomate – Minze [6/10]

Hier ist die gelbe Melonen-Suppe der heimliche Star. Uns gefällt wie sie lediglich mit etwas Olivenöl abgeschmeckt wurde. Einzig ein Löffel fehlt uns um auch den letzten Tropfen geniessen zu können.

Die Kombination zwischen Wassermelone und Tomaten harmonierte leider weniger gut als erwartet. Dafür ist die Vermählung zwischen den Tomaten und der frischen Minze ein voller Erfolg. Diese Geschmackskombination hätte sogar noch etwas konsequenter ausfallen dürfen, denn der Minzengeschmack ist nicht bei allen Tomaten gleich präsent.

Der Rohschinken vom Molkenschwein wurde für einmal nicht um die Melonen gewickelt, sondern liegt separiert auf einem weiteren Teller. Optisch etwas ungewohnt, doch geschmacklich konnte das hauchdünne und nur leicht mit Pfeffer gewürzte Fleisch sehr überzeugen.

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Tagliatelle / Stanser Ziegenfrischkäse – Artischocken – Steinpilz [7/10]

Der nächste Teller ist ein Stilbruch und wir wähnen uns bei irgendeinem Italiener. Doch schon der erste Biss offenbart, das ist kein 08/15 Pasta-Teller sondern etwas Besonderes. Da wären zum einen die hausgemachten Tagliatelle, die man so viel zu selten serviert bekommt. Die Kombination mit dem Ziegenfrischkäse und der feinen Artischocke gab ein stimmiges Geschmacksbild. Die charismatischen Steinpilze setzen dem Ganzen die Krone auf – diese sind leicht gebraten und dadurch sehr intensiv – ganz stark.

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Challans Ente / Pfirsich – Entenleber – Fenchel [8/10]

Ein sehr fleischiges und abwechslungsreiches Gericht wird uns als nächstes geschickt. Die Ente ist kross gebraten, zart und dazu serviert man uns diesen stimmigen Entenjus. Die Höhepunkte sind zum einen die erstklassige Entenleber, welche perfekt zubereitet ist und zum anderen das Enten-Schalottenkonfit, welches schlicht atemberaubend schmeckt. Ganz stark! Einzig der Pfirsich wirkt in dem Gericht etwas deplatziert.

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Geeisste Maissuppe / Scampi – Tomate [7/10]

Die Präsentation der Suppe gefällt uns sehr gut. Wie bereits damals im ‚Château Gütsch‘ wird sie auch hier, erst am Tisch vollendet. Die kalte Maissuppe schmeckt zwar eher nach Curry – macht uns mit diesem Aroma aber genau so glücklich. Der eigentliche Maisgeschmack kommt dann durch die kleinen Maiskolben ins Spiel – diese schmecken wider erwartet sehr intensiv. Ebenfalls ganz stark die Scampi aus Südafrika, welche von allerhöchster Qualität sind. Als kleines Extra gibt es nochmals einen im Tempura, auf einem Spiess.

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Seeteufel / Minestrone-Sud – Ricotta-Ravioli [6/10]

Der mit Ricotta gefüllte Raviolo ist ein Gedicht! Der Seeteufel ist sehr gut zubereitet und von hoher Qualität. Die restliche Komposition ist dann aber etwas eindimensional und vermag nicht an die vielen hochklassigen Gerichte anzuknüpfen.

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Kalbsfilet / Aprikose – Lauchzwiebel – Polentagebäck [5/10]

Auch das Hauptgericht ist fein, kann uns aber nicht uneingeschränkt begeistern. Das Fleisch ist einen Tick zu trocken und die Aprikose macht das Ganze für unseren Geschmack, etwas zu süss. Der stimmige Kalbsjus und das knusprige Polentagebäck stimmen uns trotzdem versöhnlich.

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Fabian’s Schokoladentörtchen [7/10]

Als Dessert wählen wir das Schokoladentörtchen aus der „Klassiker“- Karte. Dieses erinnert uns an Peter Gilmores Kreation, auch hier wird am Tisch etwas heisse Schokoladensauce über das Dessert geleert. Wegen einer kleinen Fehlkonstruktion bildet sich bei unserem Törtchen aber keine Einbuchtung. Egal. Geschmacklich ist es genau so wuchtig wie in Sydney, obwohl das Original, Dank den zusätzlichen Texturen, einiges spannender schmeckte. Dennoch gefällt uns dieses Dessert hier besser. Die Früchte und vor allem das geniale Erdbeereis, geben dieser Kreation eine viel bessere Balance.

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Friandises [8/10]

Zum Schluss wird nochmals ein grosses Feuerwerk gezündet. Alles auf dem Tisch ist von erstklassiger Qualität. Am meisten begeistern uns die Himbeer-Tarte und das Honiggebäck. Aber auch die Gelées und Macarons sind toll! So hochklassig sollte jedes Abendessen enden.

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Fazit: Es ist spannend zu sehen, wie Fabian Inderbitzin sich in den letzten Jahren weiterentwickelt hat. Den grossen Schritt den er dabei gemacht hat, ist offensichtlich. So sind die Gerichte noch präziser und aufwendiger, der Geschmack noch intensiver und das hohe Handwerk bei jedem Teller erkennbar. Der Michelin Stern ist klar verdient.

Inderbitzin steht mit viel Herzblut am Herd. Der sympathische Koch überlässt aber auch sonst nichts dem Zufall. Zu seinen Lieferanten pflegt er eine gute Beziehung. So kommt er nicht nur in den Genuss von Raritäten wie zum Beispiel dem 5 jährigen Sprinz, sondern auch zu gut abgehangenem Fleisch und den begehrten Fischen aus dem Vierwaldstättersee.

Optimierungsmöglichkeiten gibt es aber auch. So empfehlen wir die schöne Lounge besser zu nutzen. Es wäre stimmungsvoll wenn man dort den Apéro und die Häppchen geniessen könnte. Weiter wäre es für den Spannungsbogen im Menü wichtig, dass die Gänge, die alle am Tisch ausgewählt haben, auch zusammen serviert würden. Der Überraschungseffekt fehlt, wenn man ein Gericht bereits vorher beim Gegenüber gesehen hat.

Interbitzin war schon damals in Luzern ein talentierter Koch, heute ist er ein ganz Grosser. Die Zentralschweiz ist mit dem ‚Belvédère‘ um ein Gourmetrestaurant reicher. Wir hoffen, dass freie Tische bald der Vergangenheit angehören. Ein Lokal in dem alle Mitarbeiter mit so viel Passion arbeiten und solch tolle Gerichte zaubern, hat es verdient jeden Abend ausgebucht zu sein.

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Menü: Am Abend gibt es eine kleine Karte mit einer handvoll Gerichten, sowie das Menü in 2 – 8 Gängen. Dieses kann man sich selber zusammenstellen. 2 Gänge 79.- / 3 Gänge 94.- / 4 Gänge 108.- / 5 Gänge 124.- / 8 Gänge 158.-

Das Essen dauerte 4 Stunden

Preistipp: Im Seebistro gibt es jeden Abend einen 5 Gänger inkl. Wasser, Kaffee und Wein für sehr fair kalkulierten 97 Franken!

Wein: Wir wünschten eine Weinbegleiung welche uns für 81 Franken verrechnet wurde:

Château Haut Mayne Sauternes AC 2009 – Bordeaux
Sauvignon Blanc Franz Haas 2010 – Alto Adige
Chardonnay Planeta 2009 – Sizilien
Le Volte Tenuta dell’Ornellaia 2010 – Toscana
Pinot noir Héphaïstos Cave Emery 2011 – Wallis
Terra di Monteverro 2009 – Toscana
Moscato d’Asti

Online: Die Website bietet viel Potential nach oben. Man findet darauf zwar die aktuelle Speisekarte und Presseberichte, doch uns fehlen Bilder vom Restaurant und von den Gerichten.

Tipp: Im Sommer tafelt man auf der schönen Terrasse. In den kalten Jahreszeiten bucht man am besten einen Tisch an der Fensterfront. Dadurch hat man nicht nur Sicht auf die schön präsentierten Speisen, sondern auch auf den See und die ihn umgebenden Berge.

Wertung: Gourmör / Michelin / Gault-Millau

(Besucht im September 2012)

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Bilder von unserem Besuch im Seebistro im August 2013:

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Bilder vom Besuch des Gourmetrestaurant im Juni 2014

Kürzlich genossen wir beim Sternekoch Fabian Inderbitzin ein ausgezeichnetes Abendessen. Seine Gerichte sind äusserst geschmacksvoll und spannend. Gepaart mit der phänomenalen Aussicht, bleibt dies ein unvergesslicher Abend. Wir können einen Besuch in Hergiswil wärmstens empfehlen.

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_2Die Apéro-Häppchen: Sushi – Sprienz-Gebäck – Eierschwämmli

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_3Das Amuse Bouche mit hausgemachtem Frischkäse

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_4Hamachi Tuna – Gurke – Daikon-Rettich – Apfel

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_5Langustine – Kartoffel-Stein – Spinat – Zitrone

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_6Foie Gras – Melone – Pistazie – Brioche

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_7Kartoffel-Consomée – Eigelb – Zwiebel – Quinoa

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_8Lammkotelette – Lamm-Konfit – Kräuter-Crumbles

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_9Das feine Belvédère-Frites wurde zur Lammkotelette serviert

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_11Eisbombe – Bergamotte – Frischkäse – Amarena Kirschen

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seerestaurant_belvedere_hergiswil_fabian_inderbitzin_12Friandises