The Elephant, Torquay (GB)

Die Stadt Torquay liegt in der Grafschaft Devon direkt an der Südenglischen Küste. Einen Steinwurf vom Hafen entfernt betreibt Simon Hulstone sein zweistöckiges Restaurant „The Elephant“. Im Erdgeschoss befindet sich eine einfache Brasserie und im Obergeschoss das Gourmetrestaurant ‚The Room‘. Darin stehen zwölf Tische wovon drei einen romantische Blick aufs Meer bieten.

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Das Restaurant ist sehr ruhig, gemütlich und schlicht eingerichtet. An den Wänden hängen Menüs von bekannten Restaurants in denen der Chef bereits selber speiste. Dabei beansprucht die klassische französische Küche den meisten Platz an der Wand – darunter drei Menüs von Paul Bocuse – aber auch die Avantgardisten aus Spanien sind vertreten. Und damit darf man gespannt sein wie sich die Besuche auf Hulstones Küchenstil ausgewirkt haben.

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Apropos Bocuse, der Chef Simon Hulstone vertrat 2009 England an der Bocuse d’Or in Lyon. Auch sonst hat er schon an vielen Kochturnieren teilgenommen und war bereits im Jugendalter an diversen Junioren-Kochwettkämpfen dabei.

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Die Servicemitarbeiterin war schüchtern und zurückhaltend – keine typischen Eigenschaften für einen solchen Job. Auf der gereichten Speisekarte fanden wir eine kleine à la carte Auswahl sowie ein 5 gängiges Tasting Menü mit einem optionalen Käsegang.

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Apéro [5/10]

Ein Amouse Bouche wurde leider nicht serviert. Immerhin gab es zum Start feine Oliven und Brot welches man entweder  mit der gesalzene Butter oder den geröstete Zwiebeln auf Schweineschmalz bestreichen konnte. Ein einfacher aber schöner Auftakt.

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Beets and Curds [8/10]

Was für eine tolle Präsentation, und das Beste daran, es schmeckte auch richtig super. Wunderbar dieser reine Geschmack von Randen in diversen Variationen. Zum einen war da dieser kleine Turm aus Randen mit dem Randen-Chips als Deckel, dann das Randenpuder und die Pürée-Tupfer. Das Highlight war dann aber ein winziges rotes Ravioli-Päckchen gefüllt mit Ziegenkäse.

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Ham Hock [9/10]

Welch wunderbare Erbsensuppe, einfach himmlisch! Dazu lagen karamellisierte Erbsen und gesalzene Pekannüsse im Teller welche tolle Akzente setzten. Auch der hauchdünne Tortellini mit der würzigen Fleischfüllung schmeckte vorzüglich. Rundum harmonisch – eine Wucht!

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Halibut [7/10]

Der Heilbutt war mit leichten Gewürzen und Blumen geschmückt. Diese unterstützten den perfekt gegarten Fisch ganz subtil. Auch die Süsse der goldenen Rosinen passte gut zum Heilbutt. Das Pastinaken-Mousse und der frittierte Lardo waren ebenfalls fein. Ein sehr überzeugender Gang wenn auch nicht mehr ganz so toll wie die beiden vorherigen Gerichte.

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Duck [8/10]

Eine Entenbrust die trotz des extrem intensiven Gewürzdeckels einen schönen Eigengeschmack hatte. Dazu gab es eine leicht scharfe Honigsauce. Der Sellerie-Püree war geschmacksintensiv und überzeugte genauso wie die Pilze und der Pack Choi. Die Lebkuchenkrümel hatten jedoch lediglich einen dekorativen Nutzen. Anders der Nüssli-Salat der zusätzlich gereicht wurde – der war absolut genial! Super frisch, eine tolle Soja-Sauce, frittierte Entenzungen (!) und für die Süsse Note: pochierte Birnenstückchen und Walnüsse.

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Cheese

Auf Wunsch konnte man das Menü um einen weiteren Gang erweitern und sich von dem kleinen Käsewagen bedienen lassen. Die Käse waren mehrheitlich aus Frankreich und aus dem britischen Königreich. Dazu gereicht wurden diverse Cracker sowie eine selbst gemachte Marmelade.

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Cheesecake [6/10]

Die Vanille-Schnitte war zwar in Ordnung, hatte aber leider gar nichts mit einem Cheesecake gemeinsam. Dafür kam der säuerliche Geschmack von der Passionsfrucht sehr gut zur Geltung. Die verschienen Zitrusfüchte waren sehr erfrischend und die Honigstückchen passten ebenfalls sehr gut dazu und bildeten wieder eine schöne Symbiose zwischen Süsse und Säure.

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Petit Fours [5/10]

Ein zu fades Macaron, ein feines Gelée und ein intensives Schokoladenpralinée bildeten den Abschluss eines sehr überzeugenden Menüs.

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Fazit: Optisch wie auch geschmacklich ein geniales Menü – klar das Beste in den zwei Wochen in denen wir auf der grossen Insel waren. Die wunderbaren Aromen und die präzise Zubereitung konnten mich richtig begeistern! Schade nur, dass das Menü so rasch wieder vorbei war. Ich hätte es begrüsst wenn das Tasting Menü noch um ein Amuse Bouche und ein Pré-Dessert erweitert worden wäre. Vor allem wäre ich auf  das Ergebnis des talentierten Chefs sehr gespannt gewesen.

Auch das eigentliche Restaurant hat mir gut gefallen, ich fand es ruhig und angenehm. Einzig der Service war schwach. Wortkarg, schüchtern und zurückhaltend – eigentlich müsste man ja begeistert sein solche Teller servieren zu dürfen!?

Auf jeden Fall kann ich ein Besuch im „The Elephant“ uneingeschränkt empfehlen, die 66 £ fürs Menü sind absolut gut investiert.

Menü: Die à la carte Auswahl ist sehr klein – vier Vor- und Hauptspeisen und drei Desserts. Diese haben fixe Preise: Zwei Gänge kosten 43.45 £, drei Gänge 54.45 £. Das Tasting Menü beinhaltet fünf Speisen dieser à la carte Auswahl und wird zusammen mit Kaffee und Petit Fours für 66 £, mit dem zusätzlichen Käseteller 75 £ (Preise jeweils inkl. 10% Service) serviert. Dauer des Menüs: kurze 2:20 Stunden.

Wein: Für zusätzliche 30.25 £ wird pro Gang ein Glas Wein serviert. Dies waren bei unserem Besuch: Rioja Blanco 2009 Montelciego, Rioja, Spain / Vouvray 2009 Domaine du Vaufuget, Loire, France / St Aubin 1er Cru 2008 ‚La Chanteniere‘ Gerard Thomas, Bourgogne, France / Pinot Noir 2008 Tindall Vineyard, Marlborough, New Zealand / Aleatico die Publia 2009 A Mano, Puglia, Italy / Noble Riesling 2009 Paul Cluver, Elgin, South Africa

Online: Auf der einfachen Homepage findet man das aktuelle Menü und ein paar Bilder von servierten Speisen. Dazu noch einige Informationen zum Chef.

Wertung: Gourmör / Michelin

Tantris, München (D)

Als der Schweizer Architekt Justin Dahinden, das im Jahr 1971 erbaute ‚Tantris‘ plante, ahnte er noch nicht welch Bedeutung dieses Restaurant 40 Jahre später haben wird.  Zuerst schuf es dem Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann eine Plattform für sein Handwerk. 1979 übernahm dann die Kochlegende Heinz Winkler die Küchenbrigade und erkochte 1982 als jüngster 3-Sterne-Koch, im Alter von 33 Jahren den dritten Stern (Andreas Caminada erkochte sich ebenfalls mit 33 Jahren den 3. Stern jedoch war er beim Erhalt ein paar Monate älter als Winkler). Diese 3 Sterne behielt das ‚Tantris‘ eine ganze Dekade. Nach dem Abgang von Winkler übernahm der damalige Sous Chef Hans Haas und dieser führt noch heute die Küche und hält 2 Sterne im Guide Michelin und 18 Punkte im Deutschen Gault Millau.

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Bei dem grossen Weinkeller von über 50’000 Flaschen empfiehlt es sich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Da wir das ‚Tantis‘ an einem heiss-schwülen Donnerstagmittag besuchten, freuten wir uns auf einen schön klimatisierten Raum. Zumal man sich gemäss Reservationsbestätigung „angemessen kleiden“ sollte. Die Krawatte liessen wir zwar im Auto aber das lange Hemd wurde trotz Hitze angezogen. Umso ernüchternder dann die Information beim Eintreffen, dass man das Essen heute im Garten servieren wird.

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Wobei man Garten in Gänsefüsschen schreiben müsste da dieser Teil des Restaurants sichtlich wenig mit einem solchen gemein hat. Stattdessen sitzt man auf (schön designte) Plastikstühlen und diese stehen wiederum auf einem grünen Tartan-Boden den man von der Laufbahnen kennt. Wirklich gemütlich ist dieser Teil des Restaurants nicht. Dazu kamen die 33 Grad Sommerhitze welche sich unter den heruntergefahrenen Sonnenstoren anstauten. Ich war nicht der Einzige dem es die Schweissperlen auf die Stirn trieb. Dass man dem Gast alternativ auch einen Platz drinnen anbietet würde wäre sehr wünschenswert.

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Dass wir uns im tüppigen Garten mit den unschönen Messingpfeilern trotzdem wohl fühlten ist dem tollen Service zu verdanken. Trotz der höchsten Professionalität hat es immer wieder Platz für einen Spruch oder einen kurzen Schwatz. Beim Gang auf die Toiletten sah man dann auch die eindrucksvolle Innenarchitektur des Restaurants. Unglaublich wie zeitlos und modern die Einrichtung ist (Fotos gibt es am Ende des Berichts). Ebenfalls aufgefallen sind mir die vielen Tische. An einem ausgebuchten Abend werden hier über 100 Gäste bewirtet.

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Brot und Butter [5/10]

Das Brot war zwar fein, mochte mich aber nicht zu begeistern. Auch die Butter war einfach „nur“ normal. Zumindest eine gesalzene Variante hätte ich begrüsst.

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Sardine in Sepia eingefärbtem Knuspermantel frittiert auf Curry [7/10]

Unser Menü startete mit einem kleinen Gruss aus der Küche. Eine frittierte Sardine in einer mit Sepia-Tinte gefärbten Kruste. Der Fisch war sehr fein und hatte trotz frittiertem Mantel ein schönes Eigenaroma. Die toll abgeschmeckte Currysauce passte super zum Fisch. Die weisse Crème-Frâiche hätte es nicht gebraucht.

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Pochierte Terrine von Gänseleberparfait mit Mispeln, Sellerie und Brioche [8/10]

Ein schöner und wunderbar in diese Jahreszeit passender Gang. Die Terrine hatte ein gutes Aroma und der Geschmack nach Gänseleber kam immer wieder durch. Zusätzlich wurden in der Küche auf ein etwas zu trockenes Brioch, modische Gänseleberspäne geraffelt. Diese schmeckte aber eher nach Speck und Rauch als nach Leber. Apropos geräucherter Speck, eine solche Scheibe von der Ente lag ebenfalls auf dem Teller.

Dem Gericht die Krone aufgesetzt haben die vielen süssen Komponenten auf dem Teller welche die Leber-Terrine vorzüglich begleiteten. Die fruchtigen Dressings und die tollen Mispeln. Einzig der Komponente „Sellerie“ setzte keine Akzente.

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Ausgelöster Hummer mit Sepiaravioli und Artischockencrème [7/10]

Der Hummer war so wie die Natur ihn schuf – also ungewürzt und dadurch eher fad. Leider war er auch etwas gummig. Viel besser, ja sogar richtig genial dann der Ravioli mit Sepia-Tinte (Sepia zum Zweiten). Die Füllung hatte einen tollen Eigengeschmack – der Inhalt selber wurde nicht angekündigt aber das war vom Aroma und Konsistenz her kein Sepia sondern eher Flusskrebs. Auf jeden Fall absolut toll! Auch die perfekt zubereitete Aubergine überzeugte sehr. Das Ganze lag in einem sehr feinen Sud in dem auch noch ein paar Spinatblätter ihren Auftritt hatten. Das schwarze Chips ist übrigens aus Kartoffeln und hat die Farbe… genau von der Sepia-Tinte (zum Dritten). Geschmacklich erinnerte der Chip übrigens sehr stark an die neuen Zweifel Graneo.

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Sautiertes Kalbsbries mit Kopfsalatpürée und Trüffeljus [8/10]

Beim lesen von Trüffeljus dachte ich zuerst an Trüffel Öl aber zum Glück kommt so etwas gar nicht in Haas Küche. Hier wurde nämlich schwarzer Trüffel eingekocht. Kleine Stückchen dieser Rarität schwammen dann auch im Jus. Leider konnte man auch mit der höchsten Aufmerksamkeit keine Geschmacksnuancen von dieser Edelknolle ausmachen. Zum Glück schmeckte der Jus aber auch so sehr fein – wenn auch nicht so intensiv wie erwartet.  Das Kopfsalatpürée war alles andere als spannend. Klar ist es schwierig ein Gemüse das aus über 90% aus Wasser besteht zu einem kulinarisch hochstehenden Pürée zu verwandeln aber wenn es so schmeckt wie hier, lässt man es besser sein.

Ganz den Erwartungen entsprachen die tollen Milken. Für mich immer noch total unverständlich, dass so viele Menschen diese Innereien (Kalbsdrüsen) nicht mögen respektive nicht einmal probieren. Die schmecken einfach wunderbar, vor allem wenn sie so toll zubereitet werden wie diese hier. Ach ja, im Jus hatten auch ein paar Spinatblätter ihr Revival (zweiter Auftritt).

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Gebratener Seeteufel mit Gnocchi und Bouillabaissesud [8/10]

Als mir der Hauptgang serviert wurde war ich schon ziemlich enttäuscht. Wieder ein Sud, wieder die Sepia-Tinten (zum Vierten)-Chips (Teil 2) und schon wieder Spinat (dritter Auftritt) – sogar die Optik war gleich wie bei den beiden vorherigen Gerichten. Hat man vom Vorabend noch Restbestände? Wird das Menü so oft gewechselt, dass man schon innerhalb einer Menüabfolge die Übersicht verliert? Sogar der Sud erinnerte mich extrem an die Hummervorspeise. Dieser Hauptgang war dann leider auch die erste Speise in einem Sternerestaurant welche ich nach den ersten paar Bissen am liebsten stehen gelassen hätte. Nicht weil es nicht gut schmeckte sondern weil es total langweilig und uninspirierend war X-Mal das Selbe zu essen.

Eigentlich sehr schade für den toll zubereiteten Seeteufel. Der Garpunkt wurde voll getroffen. Zudem war der Fisch super abgeschmeckt. Im Kontext zum ganzen Menü gäbe es hier nur einen Punkt auf meiner Skala und zwar für den überzeugenden Fisch und die super tollen Gnocchi. Unabhängig gewertet, also als hätte man nur diesen einen Teller geordert, ist das Gebotene klar auf dem 7 Punkte Niveau.

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Dessert aus Himbeeren und Champagner [7/10]

Wir konnten uns beim Dessert nicht entscheiden und so überraschte uns der Maître gleich mit zwei Nachspeisen. Eine sehr tolle Geste, vielen Dank! Das Himbeeren Dessert stammte aus einer feinen Himbeer-Schnitte, eingelegten Himbeeren (zu wenig reif/süss), einem caramellisierten Vanilleküchlein in einer tollen Tartelette und zu guter Letzt aus einem Sauerrahm Glacé mit wenig Geschmack. Der Auftritt vom Champagner blieb unbemerkt.

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Mascarponesoufflé mir Pfirsichen und Vanilleeis [7/10]

Das Soufflé darf auf der Dessertkarte des ‚Tantris’ nie fehlen. Und so zauberte die Küchencrew eine perfekte und schön warme Variante auf den Tisch wie man sie nur noch selten bekommt. Der Zitronengeschmack war zwar nicht angekündigt passte aber sehr gut. Dazu gab es reifen Pfirsich in Erdbeersauce und eines der besten und intensivsten Vanille-Glacé das ich jemals essen durfte.

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Friandises [7/10]

Zum besten Kaffee den mir jemals serviert wurde (eigene Bohnenmischung) gab es dann noch eine Auswahl an Friandis. Am Nebentisch, an dem vier Leute assen, gab es noch eine viel grössere Auswahl. Die Patisserie scheut also überhaupt keinen Aufwand. Bei den verschiedenen Küchlein überzeugten vor allem die bereits erwähnten tollen Tartelettes und beim Blaubeerenstück die super Füllung. Das Himbeer-Kokos Häppchen ist noch erwähnenswert da die Mischung recht speziell war aber sehr gut passte. Und auch das sehr feine Schokoladen Häppchen mit Fruchtgelée Füllung war ein Genuss.

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Fazit: Die beiden Desserts und die Friandises konnten nicht über den Fauxpas der Küche, betreffend des Vorhergehende hinweg trösten. Ich habe mich auf ein tolles Menü in einem schönen Restaurant gefreut am Ende war das Gebotene spätestens nach der dritten Wiederholung langweilig und das Ganze ass man zudem in einer viel zu heissen Umgebung. Die Enttäuschung über das Menü hat aber überhaupt nichts mit den einzelnen Speisen zu tun sondern mit der oben erwähnten Einfallslosigkeit und den damit verbundenen Wiederholungen. Wie will man nach dem dritten Repetieren noch begeistert vor dem Teller sitzen?

Abgesehen von der Menüfolge waren die einzelnen Gänge auf sehr hohem Niveau und konnten allesamt überzeugen. Alles war sehr präzis und harmonisch auch wenn die einzelnen Saucen noch einiges intensiver hätten sein dürften. Zudem hat man immer wieder gemerkt, dass noch mehr drin liegt und dass man hier zum Mittag nicht das volle Können abruft. Zum Sichergehen ob dem so ist und ob die konsequente Sorgfalt der Menü-Zusammenstellung erst am Abend zum Zug kommt, benötigt es einen zweiten Besuch. Leider ist München nicht gerade mein regelmässiges Revier. Da die Speisen aber sehr überzeugten würde ich hier gerne wieder einmal einkehren. Dann werde ich mich aber für ein Abendessen entscheiden und einen Regentag abwarten um ganz sicher zu gehen, dass man uns diesmal ins Innern des ‚Tantris‘ setzt.

Menü: Das Mittagsmenü wird in drei Gängen zu 65 € und in 5 Gängen zu 100 € angeboten dazu kommt eine kleine Auswahl an einzelnen Gerichten. Im 5 Gang Menü kann man sich bei einer Vorspeise, im Hauptgang und beim Dessert jeweils zwischen zwei Varianten entscheiden. Am Abend gibt es neben einer à la carte Auswahl ebenfalls ein 5 gängiges (140 €) sowie ein 8 gängiges (165 €) Gourmetmenü. Das Menü wird bei jedem Service neu zusammen gestellt. Wie man aber aus verschiedenen Berichten liest, wiederholen sich einzelne Elemente sehr oft.

Wein: Zum kleinen Mittagsmenü gab es für 20 € zwei korrespondierende Weine, beim grossen Menü gab es kein fixes Angebot. Das neue Sommelier-Team stellte uns aber gerne zu jedem Gang ein passendes Glas zusammen. Die Auswahl überzeugte fast durchgängig  und wurde mit 89 € verrechnet.

Online: Die Homepage ist toll gestaltet und zeigt die Schönheit des Restaurants. Da das Menü regelmässig wechselt gibt es keine aktuelle Karte sondern lediglich Beispiele. Auch Bilder der Speisen vermisst man auf der Website.

Wertung: Gourmör / Michelin / Gault-Millau

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The Restaurant (The Dolder Grand), Zürich

-> Den neusten Artikel über The Restaurant findet ihr hier.

Heiko Nieder serviert in seinem eleganten The Restaurant zum Lunch nicht nur sein grosses Menü, sondern auch ein spannendes „Amuse Bouche Menü“. Die Speisefolge mit unzähligen Häppchen wiederspiegelt die aktuelle Karte und offenbart dem Gast einen Blick in das Schaffen des talentierten Chefs. Das Menü ist nicht nur hervorragend im Geschmack, sondern mit 98 Franken auch sehr fair kalkuliert. Wer sich etwas ganz besonderes gönnen will, sollte sich hier unbedingt einen Tisch reservieren und sich zwei Stunden lang verwöhnen lassen.

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(Besucht im August 2014)

Unser Besuch im Frühling 2011

Vor drei Jahren feierte das Dolder Grand ob Zürich die grosse Neueröffnung. Vier Jahre lang wurde das Hotel für 440 Mio. Franken renoviert. Über das Ergebnis gehen die Meinungen, wie bei allem, auseinander. Die Einen bejubeln das Hotel als Juwel die Anderen beklagen sich über Unpersönlichkeit. Einzig die Tatsache mit den vielen „kalten Betten“ lässt sich nicht bestreiten.

In einem Punkt sind sich aber alle einig. Dem Management ist mit der Verpflichtung des Deutschen Sternekochs Heiko Nieder ein grosser Wurf gelungen. Er kocht seit der Wiedereröffnung in seinem modern eingerichteten „The Restaurant“ mit sehr viel Ergeiz und Fleiss.

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Dem Michelin Team ist dies seit der aktuellen Ausgabe 2011 sogar den zweiten Stern wert. Somit ist The Restaurant in Michelins Augen das beste Feinschmecker Restaurant in Zürich. Da auch die Gault-Millau Tester um Urs Heller stolze 17 Punkte vergeben und Nieder mit seiner zehn Mann Brigade modern und spannend kocht, haben wir uns an einem schönen Frühlingsabend einen Tisch im Gourmetrestaurant des 5 Sterne Hotels reserviert.

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Bereits das Vorfahren beim Hotel ist ein Erlebnis. Zuerst blickt man auf den imposanten Bau und vor dem Eingang läuft gleich ein freundlicher Angestellter entgegen und nimmt einem den Autoschlüssel ab. Die freundliche und lockere Art liessen alle Befürchtungen an einen steifen Abend schnell verfliegen. Diese unkomplizierte Art wurde auch im The Restaurant weitergeführt. Im Lokal gab es allerlei Besucher, ältere und jüngere Gourmets und auch ein paar Neureiche die es nicht nötig hatten den bestellten Wein auszutrinken… Auf jeden Fall kann man die Kravatte und den Anzug mit gutem Gewissen zu Hause lassen.

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Apéro-Häppchen (Spargeln mit Himbeer, Algen mit Schwarzbrot, Süsskartoffel, Kornbisquit mit Käse) [5/10]

Nachdem wir uns auf die bequemen Stühle gesetzt hatten wurden gleich die Apéro-Häppchen aufgetragen. Die weissen Spargeln mit leichtem Himbeeraroma schmeckten am besten und spannendsten. Auch der Kräcker mit Käse war fein. Die restlichen Häppchen waren zwar optisch sehr schön schmeckten aber belanglos.

Ebenfalls zu den Apéros zählte dieses Schälchen mit Joghurt, Tomate und Kiwi. Ebenfalls nichts aufregendes.

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Brotauswahl und Aufstrich [10/10]

Als nächstes wurde uns eines der Highlights des Abends auf die Tischmitte gestellt – drei verschiedene Brote. Etwas später trat der Service mit einer weiteren Auswahl an selbstgemachtem Gebäck an unseren Tisch. Diese waren alle frisch, abwechslungsreich und super im Geschmack. Dazu gab es zweierlei Butter sowie zwei spannende Aufstriche. Wirklich genial, ich hätte mich den ganzen Abend davon ernähren können und es wäre mir nicht langweilig geworden.

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Amouse Bouche: Tuna, Gurke, Apfel, Wasabi [5/10]

Der erste Gruss aus der Küche bestand aus fein geschnittenen Tranchen vom rohen Thunfisch und Gurke der unter Apfel / Wasabi lag. Gegen die Schärfe des Wassermeerrettichs hatte der Fisch leider überhaupt keine Chance. Schade um den qualitativ sehr guten Tunfisch.  Daneben fand man im Glas noch kleine weisse Bällchen die aussahen wie überdimensionierte Schneckeneier. Diese bestanden aber aus einer geschmacksneutralen, an den Zähnen klebenden Stärke – überflüssig!

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Amouse Bouche: Geräucherter Octopus [6/10]

Der zweite Gruss war spannender. Die rauchige Note beim Octopus kam gut durch. Ebenfalls toll waren die dünnen Jalapeño Streifen welche für die Schärfe sorgten. Das Buttermilcheis neutralisierte und erfrischte das Ganze – ein schöner und passender Konrast.

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Langustinos mit Erdbeeren, Tomaten und grünen Oliven [8/10]

Der einzelne Langustino war von bester Qualität und hatte einen intensiven Geschmack. Der Höhepunkt war aber ganz klar das tolle Tartar von Erdbeeren, Tomaten und Oliven. Eine sehr (!) überzeugende Geschmackskomposition die auch wunderbar mit dem Krebs harmonierte. Einzig die dünne Scheibe Langustino überzeugte nicht – Kein Gout, zu dünn und brüchig.

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Weisse Spargeln mit Eigelb, Brunnenkresse und Kaviar [8/10]

Die in Streifen geschnittenen weissen Spargeln waren geschmacksintensiv und wunderbar knackig im Biss. Der Kaviar war eine tolle zusätzliche Komponente welche das Meer in den Teller brachte. Die getrocknete Brunnenkresse war schön knusprig setzte aber keine Akzente. Das Eigelb war super abgeschmeckt. Ein sehr harmonischer und feiner Gang.

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Rotbarbe und Chorizo mit Erbsen und Kirschbalsamico [7/10]

Mittlerweile ist es im Restaurant recht dunkel geworden. Vor Ort hat das nicht gestört. Die Kamera war damit aber leider komplett überfordert. Auch Tricks mit dem Computerprogramm konnten hier nicht viel retten. In Echt sahen die Speisen weiterhin sehr schön und farbig aus!

Ein richtig toller und intensiver Fisch. Die scharfe Chorizo passte unerwartet super dazu. Die Erbsen waren, wie nicht anders zu erwarten, ebenfalls perfekt. Der Geschmack nach Kirschen konnte ich leider nicht ausmachen.

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Kalb mit Morcheln, Emmentaler und Senf [8/10]

Das Kalb lag in drei Arten auf dem Tisch. Puristisch, gewürzt mit Salz und Pfeffer in Form von zwei (sehr) dünnen Filet-Tranchen, als Kalbsragout welches beim Servieren mit einem Löffel auf den Teller getreufelt wurde und zu guter Letzt stand neben dem Teller ein kleines Schälchen gefüllt mit einer Art Mousse mit Kalbsinnereien. Überzeugen konnten alle Drei! Das zarte und gut gewürzte Filet, das spannende Ragout und vor allem die tollen Innereien.

Der Salat lag in Form einer Sichel auf dem Teller und überragte dank den genialen Morcheln die versteckt unter dem knackigen Grün lagen. Selten macht Salatessen so viel Freude! Die Senfkörner setzten einen weiteren, feinen Akzent, die Emmentaler Tupfer gingen leider unter.

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Schnecken mit Speck, Rotwein, Sellerie und getrockneten Trauben [5/10]

Schnecken kannte ich bis dahin nur in Verbindung mit Kräuterbutter. Deshalb war ich auf diesen Gang besonders gespannt. Leider weiss ich auch noch heute nicht wie eine Schnecke schmeckt. Die Küche hat hier nämlich demonstriert was passiert wenn man es mit der Kreativität übertreibt und somit den Eigengeschmack eines Protagonisten begräbt. So lagen die paar Schnecken unter einem kalten Geschmackswirrwar der nach Sellerie schmeckte und im Abgang Trauben vermuten liess. Als wären die vielen Komponente nicht schon genug, hat Nieder auch noch ein paar kleine Pilze hinzu gelegt. Diese waren aber Geschmacksneutral und lediglich eine optische Zierde.

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„Tomme de Fleurette“ mit Birne, Thymian und Angostura [8/10]

Ein feiner Käse der von einem sehr passenden Thymiangeschmack begleitet wurde. Die Birnentupfer passten ebenfalls sehr gut dazu. Das selbstgemachte Birnenbrot war dagegen leider zu dünn geschnitten.

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Dessert von Rhabarber, Kokosnuss und Akazienblütensamen [9/10]

Überraschend nahmen wir das fehlen eines pré Deserts zur Kenntnis. Das tolle Rhabarber Desert tröstete uns aber rasch darüber hinweg. Dieser Teller harmonierte von links nach rechts und war ein Traum – verständlich, dass dieses Desert bereits vor einem Jahr auf der Karte stand. Das Akazienblütensamen Eis machte gegenüber der letztjährigen Version den Unterschied. Das Eis schmeckte sehr fein und harmonierte wunderbar mit den frischen und rohen Rhabarberstücken. Auch der Kokosnuss passte wunderbar dazu. Durch und durch sehr überzeugend.

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Friandis [7/10]

Mit Süssem war zum Glück noch nicht Schluss. Denn nun wurden weitere Schälchen mit Friandis aufgetragen. Unter anderem Macarons, Gelee oder Jägermeister Drops.

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Praliné [10/10]

Zum Espresso gab es noch eine tolle Auswahl an selbstgemachten Pralinen. Da gab es solche mit Marzipanfüllung, welche mit gesalzener Erdnuss, mit Studentenfutter oder sogar eines, welches den Mund zum knistern brach. Eine kreative und geschmacklich überragende Auswahl.

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Fazit: Heiko Nieder und seinem Team ist kein Aufwand zu gross. Das sieht man auf jedem einzelnen Teller. Man findet in jedem Gericht verschiedene Zubereitungsarten und kleine Finessen. Auch das Verbinden von Zutaten die auf den ersten Blick nicht zusammen passen (Erdbeeren und Oliven) macht das Essen spannend. Zudem war alles auf unserem Tisch perfekt und auf sehr hohem Niveau zubereitet.

Schlussendlich entscheidet jedoch der Gaumen ob sich der ganze Aufwand lohnt oder ob weniger mehr gewesen wäre. Und so sassen wir oft hinter dem leer gegessenen Teller und fragten uns wo die Geschmacksexplosion bleibt.

Bis aufs Dessert konnte kein Gang aus dem Menü uneingeschränkt überzeugen. Es schmeckte zwar alles sehr fein aber auf dem (Preis)-Niveau möchte ich mehr. Ich möchte begeistert werden, neues entdecken, ja einfach so gut Essen wie sonst nicht. Bei einigen Gerichten wollte die Crew um Nieder vielleicht auch einfach zu viel.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Gang mit den Schnecken. Schnecken, Speck, Rotwein, Sellerie und getrocknete Trauben waren auf dem Menü aufgeführt. Es schmeckte aber weder nach Schnecken noch nach Rotwein sondern nach kaltem Sellerie und ein wenig nach Trauben. Als wären die vielen Komponenten nicht schon genug, legte man auch noch kleine Pilze dazu. Diese schmeckten nach Nichts und waren keine Bereicherung.

Für meinen Geschmack waren zudem fast alle Gänge zu knapp portioniert. Nein, wir hatten nach dem Essen keinen Hunger mehr, aber gewisse Komponente konnte man nur einmal probieren und da waren sie schon weg.

Das Service-Team hat einen sehr guten Job gemacht. Die Gänge kamen immer im richtigen Moment. Es wurde pünktlich das neue Geschirr aufgetragen und der Service war zum Teil so unscheinbar, dass wir nicht einmal bemerkten als uns das Brot weggetragen wurde. Auch die sehr zuvorkommende Art möchte hier gelobt sein! Einziger Wehrmutstropfen war die Tatsache, dass uns zwei Gerichte aufgetragen wurden ohne uns diese vorzustellen. Da hiess es einfach „Das Desert von der Rhabarber“ und man musste sich krampfhaft versuchen zu erinnern welche Komponenten auf dem Menü aufgeführt waren. Das darf natürlich nicht sein!

Wir hatten einen schönen Abend und wurden in diesen fünf einhalb Stunden (!) richtig verwöhnt. Es gab nicht einfach nur sechs Teller sondern viele Aufmerksamkeiten, zwei Amouses, Apérohäppchen und und und. Ein Besuch im The Restaurant hat aber auch seinen Preis. Und vergleicht man diesen mit anderen Restaurants in dieser Preisklasse würde ich jedem empfehlen die 220 Franken fürs Menü lieber in der nahe gelegenen Kunststuben zu investieren. Da gab es zwar nicht viel Drumherum dafür war jeder einzelne Teller eine Offenbarung.

Menü: Die Speisekarte wechselt alle drei Monate. Zur Auswahl steht ein 7 Gang Menü (wie beschrieben) für 218.-. Sowie ein, um den Käse und Schnecken gekürztes, 5 Gang Menü. Dieses schlägt mit 178.- zu Buche. Alternativ steht auch noch ein vegetarisches 5 Gang Menü für 148.- zur Wahl. Das à la carte Angebot ist klein und extrem teuer. Vorspeisen 39.- bis 75.- / Hauptgänge 65.- bis 95.- / Desert 23.- bis 39.-).  Das Auswechseln eines einzelnen Ganges durch eine à la carte Speise war kein Problem.

Wein: 7 Gänge, 7 Weine wobei der erste Wein auch gleich für die Häppchen und die Amouses eingeschenkt wurde. Dabei hat man zwei Mal nachgeschenkt. Beim Desertwein war man ebenfalls grosszügig. Für die Weinbegleitung verrechnete man uns 120.-. Ein sehr solzer Preis für das Gebotene. Die Begleitung passte zwar zum Menü, jedoch hat uns kein Tropfen genug beeindruckt als das wir diesen in den eigenen Weinkeller stellen würden. Bei dem Preis müssten aber schon drei, vier überdurchschnittliche Weine dabei sein.

Online: Die Homepage ist uninformativ. Lediglich ein paar Bilder des Restaurants sind darauf zu finden. Es fehlen ein paar Hintergrundberichte und vor allem Fotos der schönen Gerichte. Immerhin findet man das Wichtigste darauf: das aktuelle Menü!

Wertung: Gourmör / Michelin / Gault-Millau