Nu Nu in Palm Cove (Australien)

Nach einer Woche im kargen Australischen Outback, sind wir an der tropischen Ostküste angekommen. Wir haben zwar auch die letzten Tage überraschend gut gegessen, freuen uns aber sehr auf ein mehrgängiges Menü im Restaurant ‚Nu Nu‘ – das zweite Restaurant welches wir bereits im Voraus gebucht haben.

Das Restaurant liegt in Palm Cove, 20 Autominuten nördlich von Cairns. An der 900 Meter langen Meerpromenade im kleinen Örtchen, steht ein Restaurant nach dem anderen. Die vielen eleganten Lokale wirken einladend und die meistens weiss gedeckten Tische lassen auf ein mehrheitlich eher wohlhabendes Klientel schliessen.

Wir finden „unser“ Restaurant erst beim zweiten Anlauf. Neben den anderen Lokalen wirkt das ‚Nu Nu‘ eher unscheinbar und wegen dem Zelteingang samt Reissverschluss nicht gerade einladend. Wären wir zufällig hier und wüssten nicht, dass hier Nick Holloway auf hohem Niveua kocht, hätten wir uns wohl für ein anderes Restaurant entschieden. Aber zum Glück gibt es auch im Guide Michelin freien Australien Restaurant-Führer die bei der Restaurant-Auswahl helfen.

Auch beim Betreten des Restaurants brechen wir nicht in Begeisterungsstürme aus. Der augenfällige Papierbaum ist zwar gekonnt ins Restaurant integriert und die vereinzelten Sofas wirken gemütlich, doch die kleinen weissen Plastiktischchen – welche für grössere Gruppen zusammengeschoben werden – versprühen eher den Charme einer Gartenparty. Dazu kommt, dass das ‚Nu Nu‘ die Restaurationsfläche mit drei weiteren, von einander unabhängigen, Restaurants teilt. Lediglich eine transparente Plastikwand trennt die drei Bereiche voneinander. Im Sommer werden die Wände abgebaut und man sitzt den ganzen Abend „draussen“ während die Meeresbriese durchs Haar weht. Jetzt im Australischen Winter, bei 26 Grad Tagestemperatur, wirkt das Ganze aber sehr ungewohnt.

Ganz hinten im Restaurant finden wir einen Tisch in einem modernen Setting. Gäste wurden dort aber nicht platziert.

Zum Glück sind wir nicht wegen der Atmosphäre hier, sondern des Essens wegen. Die Auswahl wird uns sogleich vom charmanten Servicemitarbeiter in einem schlichten Menü-Kärtchen vorgelegt. Darauf finden wir neben einer interessante à la carte Auswahl auch ein 5 und ein 8 gängiges Überraschungsmenü. Die ganze Tischgesellschaft muss dabei das gleich grosse Menü bestellen.

Da wir von der Küche möglichst viel sehen möchten, ordern wir das grosse Menü und erhalten gleich danach etwas zu knabern.

Brot

Dieses spezielle Brot, oder besser gesagt Fladenbrot, ist nicht mit Teig gefüllt sondern mit heisser Luft. Sobald man eine Ecken heraus reisst, fällt es in sich zusammen. Uns gefällt die Wärme und die erfischenden Aromen welche auf dem Teig thronen.

Zum Glück erhalten wir etwas später noch einen Zweiten welcher die lange Wartezeit (30 Minuten!) auf den ersten Gang überbrückt.

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„Geschmack aus dem Paradies“ & dünn geschnittenes lokales Palmherz, Melone, Limette, Kräuter und Chilli {7/10}

Der erste Gang wird auf zwei Tellern präsentiert. Auf dem Einen liegen dünne Streifen vom Palmherz und der Melone. Die Kombination stellt hohe Ansprüche an den Gaumen, denn die Aromen sind sehr subtil – vor allem um den Geschmack des Palmherzes zu erleben braucht es Konzentration – und ein leeres Weinglas.

Alles andere als subtil schmeckt der zweite Bestandteil von diesem Menüauftakt. Uns wird dieser als „Spaziergang durch Thailand“ annonciert. Wir legen das Blatt auf die Zunge und staunen. Bei jedem Bissen verändert sich der Goût im Mund gänzlich. So schmecken wir die Schärfe, die Süsse und sogar etwas fischiges. Im Abgang wird der Gaumen von etwas Curry und Zironengrass gekitzelt. Sehr überzeugend und extrem spannend.

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Eingelete Fische mit Safran, Orange Baby-Lauch {5/10}

Der nächste Teller führt uns ans Meer. Vor uns liegen diverse Meeresfrüchte. Ein netter Gang mit leichten Aromen und einer stimmungsvollen Präsentation.

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Knusprige Pazifische Austern mit handgerollten Grüntee Nudeln, Qualle, Sesam und Ingwer Caramel {6/10}

Ein weitereres sehr überzeugendes Gericht bei dem nicht nur die schön knusprigen Austern gefallen, sondern auch die al dente gekochten Nudeln. Lediglich das Grüntee-Aroma vermissen wir.

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Red Emperor mit Ricotta Dumplings, Tomatenessenz, Fenchel, knuspriges Salbei und Zitrone {6/10}

Der mächte und knallrote „Red Emperor“-Fisch ist uns schon beim lokalen Fischhändler aufgefallen. Nun liegt ein solches Stück auf unserem Teller. Das Fleisch hat einen kräftigen Biss der von der Konsistenz an den Seeteufel erinnert. Nick Hollowaydas Brigade schafft es den hochwertigen Fisch unverfremdet in den Vordergrund zu stellen. Lediglich ein Salbeiblatt rundet das Aroma ab. Ebenfalls sehr lecker sind die feinen Ricotta Dumblings.

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Mit Orange und Honig gebratene Ente, gepresster Schenkel, Kichererbsen, Petersiliensalat und mit Rosen parfümierte Sauce {6/10}

Das Entenfleisch ist sehr charaktervoll, die süssen Komponenten, der passende Begleiter. Am besten gefällt uns, der zu einer Kugel gepresste Schenkel mit seinen originellen, orientalischen Gewürzen. Wiederum ein sehr stimmungsvolles Gericht!

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Lamm aus Victoria mit braunen Sprossenblättern, Kräuter Sauce, kandierter Serrano-Schinken, Knoblauch-Pudding, knuspriges Hirn und eingelegte Sardellen {6/10}

Das am Knochen servierte Lammfleisch ist zart und fein im Geschmack. Das Highlight auf dem Teller ist die Knoblauch-Crème – super in der Konsistenz, wohl dosiert im Aroma. Zu guter Letzt liegt noch etwas frittiertes auf dem Teller, bei dem wir uns nicht sicher sind um was es sich handelt. Ein Pilz? Als wir beim Kellner nachfragen antwortet er nüchtern mit „Brain“ – nun ja, schmecken tut es.

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Käse

Der Weichkäse (Herkunft leider nicht notiert) wird von Nüssen, Gurken und knusprig-buttrigem Brotscheiben begleitet. Das Ganze geht knapp in Ordnung, wirklich ambitioniert ist dieser Käseteller aber nicht.

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Soufflé von der gebratenen Banane mit Kokosnuss Zucker Caramel, Bananen-Twinkie und Kokosnuss Sorbet {6/10}

Das köstliches Soufflé fasziniert uns auf Anhieb. Auch an dem erfrischenden Sorbet von der Kokosnuss erfreuen wir uns. Das „Twinkie“ ist dagegen etwas gar mastig und passt deshalb nicht in dieses sonst eher leichte Menü. Trotzdem ein schöner Abschluss.

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Fazit: Die 30-minütige Wartezeit zum Menüauftakt war klar zu lange. Danach schickte die Küche aber in einem angenehmen Tempo, ein überzeugender Gang nach dem anderen. Durchhänger sucht man zum Glück vergebens.

Im Sommer ist das ‚Nu Nu‘ bestimmt ein charmantes Restaurant. Im Winter verspüht es eher den Charme eines edlen Festzelts. Dass wir hier trotzdem sofort wieder zurückkehren würden, liegt sowohl am netten Service als auch an dem wunderschönen, asiatisch angehauchten Menü. Die Speisen sind sehr fantasievoll und harmonisch. Man spürt bei jedem Gericht, dass die Küchencrew um Nick Holloway mit viel Motivation am Herd steht. Wer in Cairns oder nördlicher Umgebung Ferien macht, sollte einen Abstecher nach Palm Cove machen.

Menü: Neben dem Überraschungs-Tasting-Menü (welches aus à la carte Gerichten zusammengestellt wird) zu 135 $ (8 Gänge) respektive 95 $ (5 Gänge) werden auch einige Gerichte à la carte angeboten. Vorspeisen kosten ca. 27 $ / Hauptgänge zwischen 45 und 70 $ – zusätzliche Beilagen zwischen 4 – 14 $ – und die Desserts im Schnitt 19 $. Das Essen dauerte 3 3/4 Stunden und hatte – nach der anfänglich langen Wartezeit, ein angenehmes Tempo.

Wein: Neben der kleinen Weinkarte steht auch eine Weinbegleitung zur Auswahl. Die Begleitung zum 8 Gänge – Menü kostet 80 $, die mit 5 Gläser wird mit 60 $ verrechnet.

Online: Die Flash basierte Internetseite ist schön. Darauf findet man einige Bilder sowie das aktuelle Menü.

Wertung: Gourmör

(Besucht im Juli 2012)

Äbtestube in Bad Ragaz

Was vor zehn Jahren noch eine Seltenheit war, ist heutzutage selbstverständlich. Die Rede ist von Hotelrestaurants welche auch Feinschmecker glücklich machen. Und so leistet sich das imposante Hotel „Grand Resort Bad Ragaz“ (zum Bericht), ganze acht Restaurants, darunter auch ein Gourmetlokal. Hier in der ‚Äbtestube‘ geniessen die Gäste klassische Gerichte in einem stimmungsvollen Ambiente. Unter den Geniessern sind nicht nur Hotelgäste sondern auch Gourmets die sich eine Übernachtung im Grand Resort nicht leisten können – oder wollen.

Den Apéro genossen wir in der kleinen Küche. Ein spannendes Erlebnis, welches man den Gästen gegen Voranmeldung, gerne erfüllt. Es ist sogar möglich den ganzen Abend im Herzen der ‚Äbtestube‘ zu verbringen und dabei Roland Schmids vierköpfigem Team bei der Arbeit zuzuschauen. Speziell dafür steht in der Küchenmitte ein hoher, weiss gedeckter Zweiertisch bereit – wobei die beiden Barhöcker für ein dreistündiges Essen einen etwas unbequem Eindruck machen. Von hier aus beobachtet man zum Beispiel wie die Köche mit Lineal und grüner Kräutersauce Dekorationen auf die Teller zeichnen oder wie grosse Fleischstücke tranchiert werden.

Das Team arbeitet konzentriert. Hier und da gibt es eine kurze Anweisung des Chefs. Roland Schmid ist seit neun Jahren für das Gourmetrestaurant verantwortlich. Dabei hat er, verglichen mit anderen Küchenchefs, vorzügliche Arbeitszeiten, denn die ‚Äbtestube‘ empfängt lediglich an fünf Abenden in der Woche Gäste.

Um an der kulinarischen Spitze eines der besten 5 Sterne-Hotels Europas zu stehen, braucht es einiges an Talent. Das holte sich Schmid nach seiner erfolgreichen Kochlehre in diversen Restaurants im In- und Ausland. Bevor er nach Bad Ragaz wechselte, kochte der sehr sympatische Rheintaler mehrere Jahre im Hotel „Alpenhof“ in Zermatt. In der schönen Walliser Gemeinde erkochte er sich stolze 17 Gault Millau Punkte sowie einen Michelin Stern. Die Punkte konnte er beim Wechsel nach Bad Ragaz „mitnehmen“, auf den Stern musste er sich bis zum letzten Oktober gedulden.

Schmid ist keiner der Köche die nur am Pass stehen und Kommandos geben. Auch wegen der abwechslungsreichen à la carte Auswahl packt er jeden Abend mit an. So bereitet er zum Beispiel vor unseren Augen ein kleines Stück Thunfisch zu. Dieses schneidet er gekonnt in zwei Hälften und serviert es uns Augenblicke später an unserem Küchentisch. Der „Gruss aus der Küche“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung.

Zweierlei von der geräucherten Forelle aus dem Weisstannental, Rucola-Piniensalat, Curryöl / Gänseleber-Praline im Himbeer-Mandelmantel auf Kefensalat und Sauerrahm / Sashimi von weissem „MSC“ Thunfisch, Asiagemüse, Korianderöl [8/10]

Alle drei Häppchen haben uns begeistert und konnten dank klaren und intensiven Aromen brillieren. Das Highlight war das soeben frisch zubereitete Sashimi vom weissen Thunfisch, mit dem knackigen Asiagemüse an leichter Sojasauce – genial. Bei der Forelle hat uns das harmonische Zusammenspiel mit den Pinienkernen sehr gut gefallen. Auch für das Gänseleber-Praline gab es gedanklich Applaus, auch wenn wir den angekündigten Himbeergoût etwas vermissten.

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Obwohl wir dem konzentrierten Treiben in der Küche gerne zuschauten, waren wir froh, als wir nach diesen Häppchen den doch recht warmen Raum wieder verlassen durften. Wir wurden in das kleine Restaurant geführt und machten es uns, mit Blick auf das knisternde Feuer im Chminée, gemütlich. Hier in der ‚Äbtestube‘ hat es Platz für 30 Gäste. Da die Tische in drei leicht voneinander abgetrennten Bereichen stehen, ist es recht ruhig.

Wir erhielten die grossformatige Speisekarte gereicht und entschieden uns für das 6 Gängemenü, mit der Bitte, den Hauptgang bestehend aus Rindsfilet durch das Bisonfilet Gericht aus dem à la carte Angebot, auszutauschen. Wir waren zwar überzeugt, dass Chef Schmid gute Rindfleisch-Lieferanten hat, doch wir wollten unbedingt einmal sein bekanntes Bisonfleisch aus Kanada geniessen. Michael Boog, Sommelier und Chef de Service, kam diesem Wunsch nach kurzem Zögern gerne nach. Boog ist ein sehr guter Gastgeber und besticht, neben seinen etwas zu theatralisch agierenden Servicemitarbeitern, mit seiner Natürlichkeit und dem grossen önologischen Fachwissen. So stellte er uns mit Leichtigkeit eine passende Weinbegleitung zusammen und schlug vor, jeweils zwei Gänge mit dem gleichen Wein korrespondieren zu lassen. Wir willigten ein und legten die zwei gereichten Weinkarten (eine davon ausschliesslich mit Erzeugnissen von von der Domaine de la Romanée-Conti!) zur Seite.

Zu der schönen Brötchenauswahl gab es für einmal keine Butter, sondern drei verschiedene, kalt gepresste Olivenöle.

Danach erreichte uns das Amuse Bouche:

Pyrenäen Milchlammkeule mit Thymianjus, Kartoffel-Apfelgratin, Enoki-Pilzen, Bärlauchsuppe mit Tomatenschaum [7/10]

Das Lammfleisch war sehr fein und zart, der Jus ein passender und subtiler Begleiter. Das Beste auf dem Teller war der geniale Kartoffelgratin – auch wenn man vom annoncierten Apfel nichts schmeckte. Ebenfalls ein grosses Lob gab es für das vollmundigste Bärlauchsüppchen, welches uns jemals aufgetischt wurde – das Aroma war noch Minuten später im ganzen Gaumen präsent! Der Tomatenschaum zerfiel dagegen etwas schnell und sorgte daher nur für den farblichen Kontrast.

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Bio Black Tiger, Morcheln, Haselnusskrokant – Nüsslisalatmousse und Vinaigrette [6/10]

Die knackigen Black Tiger waren von guter, aber nicht überragender Qualität. Der leichte Haselnussgeschmack passte gut zu den Schalentieren. Bei den Morcheln vermissten wir den von uns so geliebten, intensiven Eigengeschmack des edlen Pilzes – ob sie zu lange im Essigbad lagen? Dafür entschädigt hat uns das geniale Mousse vom Nüsslisalat – ein tolles Aroma, wiederum umgeben von knusprigen Nusssplittern.

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Pastinaken-Cremesuppe mit grünem Lammraviolo [5/10]

Die Pastinakensuppe war richtig stark. Der grüne Raviolo war nicht wie erwartet mit Gehacktem gefüllt, sondern mit einem ganzen Stück Lammfleisch. Dieses zu essen war dann gar nicht so einfach. Das zarte Fleisch ertrank wortwörtlich in der Suppe und konnte deshalb auch den Eigengeschmack nicht voll entfalten. Wir hätten es bevorzugt, die Suppe und das Fleisch getrennt voneinander zu geniessen. Dazu wäre dann auch eine Sauce zum Fleisch passender gewesen als eine Suppe.

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Rotbarbenfilet gebraten, Gewürzrhabarbersauce, Spargel, Erbsenmousseline [5/10]

Die Rhabarbersauce, die unter anderem mit Zimt und Vanille abgeschmeckt war, schmeckte zwar gut, wollte aber weder zum Fisch noch zu den weissen Spargeln passen. Wir genossen diese also getrennt voneinander. Trotz der feinen Rotbarbe hatten wir eine passende Sauce etwas vermisst. Das Erbsenpüre war sehr geschmacksintensiv und fein. Der Höhepunkt auf dem Teller waren aber die badischen Spargeln. Der intensive Spargelgeschmack zeugte von einem hochwertigen Produkt erster Güte und bewies wieder einmal, dass dieses Frühlingsgemüse eine wahre Delikatesse ist.

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Bisonfilet gebraten, Ochsenschwanzragout, Thymian, Mönchsbart, Pinienkere und frittiertes Lauch-Samosas [7/10]

Als Hauptgang wurde uns das Bisonfilet serviert. Das Fleisch war kräftig und perfekt gebraten. Für die geschmackliche Perfektion fehlten lediglich ein paar zusätzliche Salzkörner sowie eine durchgängig wahrnehmbare Pfeffermarinade. Diese war bei unserem Fleisch nur an gewissen Stellen präsent – und genau dort konnte das Bison so richtig auftrumpfen.

Unter dem Fleisch wartete ein weiteres Highlight dieses Abends: ein richtig toll zubereitetes Ochsenschwanzragout. Auch der Mönchsbart, ein im Moment saisonales Gemüse aus Italien, schmeckte uns ausserordentlich gut und wir wunderten uns, warum wir das Grün noch nie zuvor angetroffen hatten. Das Samosa, ein Gebäck welches seinen Ursprung im nahen Osten hat, erfüllte eher eine dekorative Aufgabe.

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Käse

Nun freuten wir uns auf den Auftritt des Käsewagens. Dieser war zwar eher klein, aber gut sortiert. Für alle Vorlieben bot er etwas. Zum Käse wurde uns Birnenbrot sowie etwas Baguette serviert. Im Vergleich zu anderen Restaurants, in denen man frisch gebackenes Birnenbrot und zum Käse passenden Senf und Konfitüre gereicht bekommt, war das Angebot hier noch ausbaufähig.

Für den süssen Abschluss durften wir von der Karte wählen. Darauf fanden wir zwei Desserts die ihren festen Platz auf der Karte haben: Ein Schokoladendessert und eines mit Caramel. Für Letzteres haben wir uns auch entschieden und da es kein Pré-Dessert gab, hatte dieses dann sogleich seinen Auftritt:

Caramel-Variation [5/10]

Eigentlich hatten wir uns unter diesem vielversprechenden Namen eine spannendere Vario vorgestellt, als diejenige, welche uns serviert wurde. Das Karamelköpfli und die Crème brûlée haben wir in dieser Qualität schon zu oft gegessen, als dass uns diese speziell begeistert hätten. Die beiden Desserts waren absolut solide, trotzdem bereuten wir es, dem Menü-Dessert „Ricotta-Zucker-Canneloni-Melone“, nicht den Vorzug gegeben zu haben.

Zum Glück rettete das tolle Caramel-Eis die Dessert-Ehre. Das Glacé war nämlich vollmundiger und wuchtiger als alle anderen, je gegessenen Caramel-Sorten!

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Friandises

Zum Espresso wurden noch ein paar kleine Häppchen auf einem Karussell aufgetragen. Wir hatten uns beim Käsewagen wohl etwas übernommen, denn wir hätten keinen Bissen mehr runter gebracht. Uns wurde zwar freundlicherweise angeboten, die Friandises einzupacken und aufs Zimmer mitzugeben, doch wir konnten uns in dem Moment nicht vorstellen jemals wieder Hunger zu haben. Da soll noch jemand behaupten in Gourmetrestaurants werde man nicht satt!

Nach diesem schönen Menü machten wir es uns in der direkt ans Restaurant angrenzenden Zigarren-Lounge gemütlich. In dieser wunderschönen Lounge genossen wir eine würzige „Flor de Selva“ und ein, vom sehr zuvorkommenden Barkeeper servierten, Digestif.

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Fazit: Roland Schmid kocht klassisch. Hochwertige Produkte sind ihm sehr wichtig. Deshalb pflegt er auch einen engen Kontakt zu seinen Lieferanten. Sein Luma Beef aus artgerechter Haltung ist ihm dabei genau so wichtig wie Meerestiere aus ökologischem Umfeld. Auch die Einhaltung der Saison ist eines seiner erklärten Ziele. So sind Erdbeeren im April genau so Tabu wie Spargeln im März. Spargeln gibt es frühestens wenn die Ersten in Deutschland gestochen werden und dann auch nur so lange, bis der örtliche Bauer endlich die Ersten in die Küche der ‚Äbtestube‘ bringt.

Wir haben uns in dem 1774 erbauten, denkmalgeschützen Restaurant, wohl gefühlt. Der Service war sehr aufmerksam, das Menü wurde in einem angenehmen Tempo serviert. Auch kulinarisch wurden wir glücklich. Wir schätzen es, wenn Köche die Produkte in den Mittelpunkt stellen. Hier und da hätten wir das noch etwas konsequenter gewünscht und vielleicht etwas weniger routinierter. Gerade angesichts der Tatsache, dass die Brigade nur den Abendservice bewältigen muss, sollte es möglich machen, noch an gewissen Details zu feilen.

Geniesser die sich im „Grand Resort Bad Ragaz“ ein Zimmer buchen, sollten gleich auch immer einen Tisch in der ‚Äbtestube‘ mit reservieren. Andere Hotelrestaurants wie das asiatische ‚Namun‘ sind vielleicht trendiger, aber nur hier in Roland Schmids kleinem Reich kann man so richtig abschalten, drei Stunden lang geniessen und alles um sich herum vergessen.

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Tipps: 1. Unbedingt etwas früher anreisen und durch das Hotel schlendern. Es ist absolut eindrücklich! Am besten bleibt man gleich für eine Nacht – oder zwei. 2. Auf Nachfrage bietet man den Gästen auch das eigene Quellwasser zum trinken an.

Menü: Der Gast hat die Wahl zwischen einem vegetarischen Menu in 5 Gängen zu 125 Franken sowie einem „Menu Gastronomique“ mit 6 Gängen (inkl. Käse) zu 160 Franken. Dazu werden jeweils Apéro Häppchen und ein Amuse Bouche serviert. Die einzelnen Gerichte aus dem Menü kann man auch separat bestellen. Weiter findet der Gast ein abwechslungsreiches à la carte Angebot. Vorspeisen gibt es zwischen 36 und 51 Franken, Hauptgänge für 65 – 97 Franken, wobei man jeweils eine kleinere Portion bestellen kann (im Schnitt 14 Franken günstiger). Die fünf Desserts kosten alle um die 30 Franken. Unser 6 Gang Menü dauerte 3 Stunden.

Wein: Die Weinauswahl ist sehr gross. Es gibt eine separate Karte mit Weinen von der Domaine de la Romanée-Conti.

Unsere empfohlene Weinbegleitung:

Pinot blanc 2010, Weingut Davaz, Fläsch – Schweiz
Châteauneuf du Pape blanc 2009, Domaine St. Prefert in Rhônetal – Frankreich
Nambrot 2006, Tenuta di Ghizzanoin, Toscana – Italien

Online: Man widmet der ‚Äbtestube‘ zwar keine eigene Domain, aber immerhin ein leicht angepasstes Design auf der Hotel-Homepage. Auf der Seite findet man vorbildlich viele Informationen über Roland Schmid, ein Video, Berichte über die bereits vergangene Zusammenarbeit mit der Lufthansa, sowie eine Speisekarte auf der leider konsequent das Abendmenü fehlt (nur das vegetarische Menü findet darauf Erwähnung).

Wertung: Gourmör   / Michelin   / Gault-Millau

Auszeichnung: Hier findet ihr eine Cigarren-Lounge

(Besucht im April 2012)

The Sportsman, Seasalter (GB)

Südosten von England. Die Landschaft ist karg und rau aber auch sehr idyllisch. Hätten wir diesen Restaurant-Tipp nicht von verschiedenen Quellen erhalten wären wir überzeugt gewesen uns verfahren zu haben. Kann hier draussen wirklich noch ein Gourmet-Refugium auftauchen? Das Navigationssystem weiss irgendwann auch nicht mehr weiter und so fährt man die enge Strasse mutig weiter und hält währenddessen Ausschau nach einem Pub in dem anscheinend ein Besessener kochen soll.

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Steve Harris heisst er. Der Brite hat zwar keine Kochausbildung doch sein Talent und Willen sind gross. Er bezieht wenn immer möglichst alle Produkte aus der Region und stellt vieles selber her – zum Beispiel die geniale Seegras-Butter – aber dazu später mehr. Wir hatten an einem schönen Mittwochabend einen Tisch reserviert und bereits bei der Reservation das Tasting Menü bestellt. Dies muss man im Voraus tun sonst muss man sich mit der einfacheren à la carte Auswahl begnügen. Der Empfang war sehr herzlich und wir waren sehr gespannt auf die Küchenleistung.

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Pork scratchings / Senf / Fish & Apple [-/10]

Das Menü startete mit ein paar Apéro-Häppchen. Das frittierte Schweinefett war leider zu trocken, der Senf zu süss und die Fisch-Spiesse hatten überhaupt keinen Geschmack da das leichte Apfel- und Fischaroma durch das zu dicke Brot übertönt wurde.

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Oyssters [5/10]

Die sehr schön präsentierten Austern hatten kein Eigenaroma und konnten deshalb nicht begeistern. Stattdessen hatte die feine Beurre blanc ihren Auftritt. Der Kaviar war leider keine Bereicherung da dieser von zu schwacher Qualität war.

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Oysters [5/10]

Die zweite Variante wurde pochiert serviert und hatte ein schönes Eigenaroma. Die gehackten Kräuter passten gut dazu.

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Bread, home-churned butter with Seasalter salt

Das Brot wäre auch zu Hause überdurchschnittlich. Hier in England gilt solches Gebäck als Highlight und wurde uns sogar als separaten Gang serviert. Uns begeisterte vor allem die Variante mit Zwiebeln und Rosmarin, sehr frisch und fein. Dazu die selbstgemacht Butter – lecker!

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Chilled beetroot soup [7/10]

Nach dem eher enttäuschenden Auftakt gab es ein erster Lichtblick in Form einer wunderbaren Randensuppe und einem kleinen Randenküchlein mit dezenten Curry-Geschmacksnuancen – sehr harmonisch und fein!

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Slip sole grilled in seaweed butter [8/10]

Das Team um Steve Harris sammelt am Strand das angeschwommene Seegras um daraus diese tolle Butter zu machen in der nun die Seezunge serviert wurde. Der Fisch war extrem frisch und wurde samt Gräten aufgetischt. Das Fleisch lies sich ganz einfach lösen und zusammen mit der tollen Butter geniessen. So simpel, so genial.

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Crude, Zucchetti [-/10]

Aus diesem Zwischengang wurden wir überhaupt nicht schlau. Dünne Zucchetti Streifen mit drei kleinen Crudo Stückchen. Es passte weder zusammen, noch schmeckte es besonders. Es war einfach ein Mini-Happen den man schon vor dem runterschlucken wieder vergessen hatte.

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Braised turbot with smoked roe [7/10]

Zum Glück servierte man uns hier nochmals einen Fisch – perfekt zubereitet, super in der Konsistenz dazu eine passende leichte Paprika Sauce. Sehr, sehr fein und von bester Qualität.

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Mint [-/10]

Die Achterbahnfahrt ging wieder Richtung Boden. Paniertes (leicht zähes) Lammfleisch welches man in die Minzensauce dippen konnte. Es schmeckte nach Paniermehl mit frischer Minze – also das ist definitiv nichts wovon man ins schwärmen kommt.

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Roast lamb from monkshill farm [5/10]

Das Lamm, dessen Fleisch nun vor uns lag, hatte zu Lebzeiten lediglich ein paar hundert Meter vom Restaurant entfernt geweidet. Schon toll wenn man so regional kochen kann. Das Fleisch war leider etwas zu geschmacksneutral – beim Lammfleisch möchte ich gerne schmecken, dass es von diesem Tier stammt. Viel besser gefiel mir das kleine Stück von der geschmorten Schulter, das hatte ein tolles Aroma und war Butterzart. Das gereichte Gemüse war fein, der Kartoffel überzeugte ebenfalls.

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Cherry ice lolly in milk [-/10]

Gefrorener Kirschensaft wie wir es früher bei der Grossmutter gemacht hatten. Leider löste sich hier das Eis zu schnell von den Stäbchen und fiel in die Milch. Auch hier wurde ich nicht schlau weshalb uns dies hier aufgetischt wurde.

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Grilled plum with kernel ice cream [5/10]

Das Glacé stammt vom Zwetschgen-Kern, das Gebäck war schön feucht und schmeckte nach Mandeln. Ein feines und einfaches Dessert zum Schluss welches das vorhergehende Menü passend abschloss.

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Friandises [5/10]

Zum Abschluss noch schön zubereitete Kreation von diversen Desserts. Diese waren alle zwischen ok und fein. Am Besten war das Tiramisu.

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Fazit: Wir genossen einen schönen Abend im ‚The Sportsman‘. Das Essen konnte leider nicht durchgängig überzeugen und war ein ständiges auf und ab zwischen Banalität und Begeisterung. Begeisterung zum Beispiel für die frischen Fische welche lediglich von einer leichten Sauce oder Butter begleitet wurden. Auch der Fleischgang und die Randenkreationen gefielen uns, doch der Rest war weit hinter den Erwartungen zurück und oft sogar belanglos.

Das Menü wird für eigentlich faire 71.50 £ angeboten. Ich würde dieses Geld aber lieber nochmals in Torquay ins Menü investieren. Da gab es zwar nicht so viele Gänge dafür waren alle sehr überzeugend, also Qualität statt Quantität.

Eine Goldmedaille bekommt das ‚The Sportsman‘ von uns aber auf jeden Fall noch verliehen: es war der angenehmste Restaurantbesuch während unserer Reise durch Südengland. Ein sehr freundlicher und zuvorkommender Service, sehr ruhig und sehr stimmig. Das Pub war bei unserem Besuch etwa zur Hälfte gefüllt.

Eine weite Anreise zum Pub lohnt sich nicht, wer aber in der Nähe ist bekommt für 71.50 £ ein feines Überraschungsmenü serviert.

Menü: Auf grossen Schiefertafeln wird das à la carte Angebot angepriesen. Die Preise sind auf normalem Pub-Niveau (Hauptgang ca. 15 £). Falls man das Tasting Menü genissen möchte muss man dies bei der Reservation anmelden (mind. 24 Stunden vorher). Leider wird das Tasting Menü an Samstagen nicht serviert. Das Essen dauerte angenehme 3:10 Stunden.

Wein: Ein Wine pairing wird nicht angeboten (müsste man unbedingt verbessern!) so wählten wir aus der schönen Weinkarte selber aus.

Online: Die Website bietet einige Infos. Das aktuelle Speiseangebot findet man darauf aber leider nicht.

Wertung: Gourmör  / Michelin

(Besuch im Juli 2011)