I Castagni in Vigevano (Italien)

Wegen Staus rund um Mailand dauert unsere Fahrt nach Monaco länger als geplant. Wir stehen nun vor der Entscheidung, ob wir bis ins Fürstentum durchfahren und dort kurz vor Mitternacht eintreffen, oder ob wir alternativ die nächste Ausfahrt nehmen, gemütlich dinieren und erst am nächsten Morgen weiterreisen. Die Wahl fällt aufs Abendessen und so greifen wir zum „la guida Michelin Italia 2013“ und schauen, ob es hier nach Mailand eine geeignete Adresse, für einen spontanen Zwischenstopp gibt. Der Zufall will es, dass nur 20 Autominuten entfernt ein Sterne-Restaurant auf uns wartet. Es ist zwar Samstagabend, trotzdem riskieren wir es, ohne Reservation dahin zu fahren. Wir informieren unser Navigationsgerät und begeben uns vertrauensvoll in die Hände der Michelin-Inspektoren.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_1

Nach einer Viertelstunde befinden wir uns auf einer engen Landstrasse. Die Abstände zwischen den einzelnen Häuser werden immer grösser. Zudem zieht ein mystischer Nebel auf. Wir sind fest überzeugt, dass wir uns verfahren haben, wollen aber die verbleibenden drei Minuten weiter fahren. Und tatsächlich, aus dem Nichts taucht auf einmal ein hübsches Anwesen auf. Obwohl der kleine Zeiger auf unserer Uhr auf die Acht zeigt, sind alle Parkfelder vor dem Restaurant verwaist. Vor der Holztüre prangt eine Tafel von „Jeunes Restaurateurs d’Europe“, drinnen brennt Licht. Hinter den grossen Fenstern erspähen wir weiss aufgedeckte Tische. Wir versuchen die grüne Restauranttür zu öffnen – diese ist aber verschlossen. Wir betätigen die Klingel und hören von innen Schritte auf uns zukommen.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_3

Eine Signora öffnet die schwere Tür und bittet uns herein. Die Frage ob wir über eine Reservation verfügen, verneinen wir. Nach kurzem studieren der Buchungsliste erhalten wir die erlösende Nachricht, dass sie uns den letzten freien Tisch anbieten kann. Wir jubeln innerlich und begeben uns mit viel Hunger und Durst in den noch leeren Speisesaal.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_7i_castagni_vigevano_enrico_gerli_5

Auf dem Tisch liegt die Speisekarte mit einem à la carte-Angebot und vier verschiedenen Menüs zu je 56 €. Bei dem attraktiven Preis entscheiden wir uns ohne zu zögern für das Degustationsmenü – inklusive der Weinbegleitung für zusätzliche 14 €.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_2i_castagni_vigevano_enrico_gerli_4

Während sich in den nächsten Minuten die Tische um uns herum alle füllen, erhalten wir auf einem silbernen Löffel ein erstes Häppchen:

Oliven Crispi

Optisch erinnern uns die kleinen Nuggets an die Choco Pops von Kellogg’s. Von der Textur sind sie tatsächlich damit vergleichbar, schmecken aber nicht süss sondern herb nach Oliven.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_6

.

Brot

Das angebotene Gebäck rückt Italiens Brotkultur in kein gutes Licht. Die Brötchen sind extrem trocken und ausdruckslos. Einzig das aufgeschnittene Brot und die Cracker sind akzeptabel.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_8

.

Amuse [-/10]

Als Amuse Boche erhalten wir zwei Sardinenfilets auf etwas Randensalat. Die Kombination ist willkürlich und frei von jeglicher Spannung. Wir werden dann auch das Gefühl nicht los, dass der Koch hier spontan etwas zusammenstellen musste und dabei den Kühlschrank öffnete und diese beiden Zutaten darin entdeckte. Diese Vermutung bekräftigte sich zudem, da die Gäste um uns herum ein anderes Amuse-Gueule serviert bekommen. Dies liegt vielleicht aber auch daran, dass sie à la carte wählten und nicht das Menü orderten.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_9

.

Petto d’anitra marinato ed affumicato da noi a caldo con insalata di pere antiche piemontesi e fettina di fegato grasso affumicato [-/10]

Uninspiriert geht es weiter. Die aufgeschnittene Entenbrust hat zwar ein ansprechendes, rauchiges Aroma, die Tranchen können aber mit dem schlecht geschliffenen Messer unmöglich zerschnitten werden. Die Entenleber obendrauf versagt komplett. Sie schmeckt total wässrig.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_10

.

Crema Parmentier di porcini,uovo fondente,finferli padellati e Parmigiano cremoso [5/10]

Mit dem nächsten Gang erreicht uns ein erste Hoffnungsschimmer. Die Pfifferlingsuppe ist fein, der Parmesan sorgt für die Würze und eine knusprige Textur.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_11

.

Risotto di Carnaroli Riserva San Massimo con porri verza zucca curry e pezzetti di gamberi [6/10]

Nochmals eine Steigerung bringt das sämige Risotto. Viel besser kann man das nicht  machen. Der Reis ist perfekt im Biss und verfügt über ein wunderbar herbstliches Aroma.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_12

.

Bollito e „bagnetto“ verde nostra versione:raviolini del plin ripieni di bollito di fassone al sugo di piccole verdure e pomodorini secchi, salsa di „bagnetto di prezzemolo“ [-/10]

Die Steilvorlage des Risottos können die selbstgemachten Pasta nicht verwerten. Das geschmorte Fleisch ist zwar delikat, die Teigtaschen sind aber zu klein, weshalb das Fleisch/Teig-Verhältnis klar Richtung letzterem kippt und das Ganze an Power verliert.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_13

.

Pancia di vitello arrostita lentamente, purè di sedano rapa,  salsa alla „California“, mosto ridotto [-/10]

Der Kalbsbauch ist fein und der Jus kräftig. Alles in allem bleibt das Ganze aber äusserst eindimensional. Spätestens nach dem dritten Bissen hat man genug davon. Auch weil der Fettanteil grösser ist als das Fleisch.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_14

.

Wir dürfen nun zwischen Käse und Dessert wählen und entscheiden uns für einen süssen Abschluss:

„Monolite“ di cioccolato fondente su crumble di mandorle amare e gelatina di pesche sciroppate di Volpedo [-/10]

Optisch ist der Schokoladen-Monolith nett, geschmacklich kommt aber auch das Dessert nicht über ein okay hinaus. Das Schokoladenmousse geriet so mastig, dass man spätestens nach der Hälfte genug hat. Es fehlt auch klar an Abwechslung und Kontrasten. Dies ist nach dem Hauptgang und der Leber bereit der dritte Teller der nicht leergegessen wieder abgeräumt wird.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_15

.

Friandises [5/10]

Zum kräfitgen Espresso serviert man uns vier verschiedene Petitessen welche allesamt sehr fein sind.

i_castagni_vigevano_enrico_gerli_16

.

.

Fazit: Entweder hatten wir an diesem Abend Pech oder das I Castagni ist ein à la carte Restaurant und keines für grosse Menüs. Mit dem heute servierten Degustationsmenü begeistert man jedenfalls keine Gäste. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb die vielen (Stamm-) Gäste um uns herum ausnahmslos den à la carte Gerichten den Vorzug gaben. Diese sahen dann auch tatsächlich aufwendiger aus. So wurde zum Beispiel der Dessert-Monolith am Nachbarstisch mit drei zusätzlichen Komponenten serviert.

Das Lokal ist gemütlich und hell. Der Service ist etwas reserviert und bei vollem Restaurant unterbesetzt. Deshalb sah man immer mal wieder Gäste die ihren Wein selber nachschenkten oder leere Teller die etwas gar lange auf den Tischen standen. Dafür waren die Preise äusserst fair kalkuliert.

Menü: Neben der grossen à la carte Auswahl, bietet man auch ein 6 gängiges Degustationsmenü für 56 € an. Zusätzlich wird ein Amuse Bouche sowie Frandises und zum Star ein kleines Häppchen serviert.

Zeit: Das Degustationsmenü wurde in angenehmen 3,5 Stunden serviert.

Wein: Für 14 € bietet man eine „Weinbegleitung“ an. Dabei wird jeweils ein Weiss- und Rotwein zu den verschiedenen Gerichten serviert. Alternativ kann man auch von der ausführlichen Weinkarte wählen.

Unsere Weinbegleitung:

Sauvignon sull’Aia 2012 Az. Agricola Mutti
Bricco Sturnel 2003 o.p. Az. Agricola Bellaria

Online: Die Website basiert – noch als eine der wenigen im Netz – komplett auf Flash. Man findet darauf viele Informationen, die aktuelle Speisekarten und einige Fotos.

Wertung: Gourmör O0 / Michelin M1

(Besucht im Oktober 2013)

Oud Sluis in Sluis (Niederlande)

Als wir vor 16 Monaten unseren Tisch für den Dezember 2013 reservierten, ahnten wir nicht, dass wir zu den letzten Gästen des Oud Sluis gehören werden. Denn im Juni gab der 3-Sterne-Koch und Inhaber Sergio Herman überraschend bekannt, dass er sein renommiertes und über Monate ausgebuchtes Restaurant per heute, 23. Dezember 2013 schliessen werde.

Herman, aktuell der einzige Koch mit 20 Gault-Millau Punkten, widmet sich fortan neuen Herausforderungen. Im ersten Schritt wird er in Antwerpen ein neues Restaurant eröffnen. Das The Jane ist in einer wunderschönen Kapelle untergebracht. Nach der Schliessung des Oud Sluis wird ein Teil des Teams nach Antwerpen übersiedeln und das Restaurant für die Eröffnung im März fit machen. Der andere Teil der Brigade geht in den Norden nach Cadzand-Bad. Dort, direkt am Strand, befindet sich Hermans zweites Restaurant das Pure C. Mit der zusätzlichen Manpower will man hier die Küche weiter verfeinern. Dank talentierten Küchenchefs in beiden Lokalen, wird Herman in Zukunft zudem mehr Zeit haben um in seinem Labor neue Gerichte zu kreieren.

Wir erlebten in Sluis einen unvergesslichen Abend. Die hier herrschende Energie und Kreativität ist jederzeit förmlich spürbar. Jedem noch so kleinen Detail wird Rechnung getragen. Entsprechend wirkt alles wie aus einem Guss. Die Gerichte sind wunderschön und wer immer noch der Meinung ist, dass Kochen keine Kunst sei, wird hier endgültig eines Besseren belehrt. Herman demonstrierte auch auf eindrückliche Weise, dass avantgardistische Küche nicht nur toll aussieht, sondern auch genial schmecken kann. Es geht nicht darum, möglichst viele Geschmackskomponente auf einen Teller zu vereinen, sondern ein perfektes Geschmacksbild zu zeichnen. Dies gelingt dem 43-Jährigen bei jedem einzelnen Gericht. Es bleibt zu hoffen, dass Herman diese Energie und Kompromisslosigkeit nach Antwerpen mitnimmt und man auch dort in gleichen Sphären kochen wird.

oud_sluis_sergio_herman_1

.

Herzmuscheln aus Zeeland // Miso, Joghurt und Rose

oud_sluis_sergio_herman_2

.

Tintenfisch // Holunder und Romarin

Blutwurst, Foie Gras und Kürbis

oud_sluis_sergio_herman_3

.

Sardinen // Brot, Romanesco und wilder Rucola

oud_sluis_sergio_herman_4

.

Jakobsmuschel // Schweinebauch, Kaviar, Seeigel, Knollensellerie, Topinambur und Mandarine

   oud_sluis_sergio_herman_5

.

Zeeland-Auster // mit Dinkel, Kiefer, Gänseleber und Pilzen

oud_sluis_sergio_herman_6

oud_sluis_sergio_herman_7

.

Natural spoons by Sergio Herman and Niels Datema // „Curry auf 5 Löffeln“
oud_sluis_sergio_herman_8

oud_sluis_sergio_herman_9

.

Seezunge // Zeeland-Muscheln, frischer Käse, Weisskohl, Selleriesaft und Herbstkräuter

oud_sluis_sergio_herman_10

.

Taube aus Steenvoorde // in Heu, BBQ

oud_sluis_sergio_herman_13 oud_sluis_sergio_herman_12 oud_sluis_sergio_herman_11.

Schokolade // Avola-Mandel, Sanddorn und grüne Algen

oud_sluis_sergio_herman_14

.

Taman Negara

oud_sluis_sergio_herman_15

.

Graffiti – The end

oud_sluis_sergio_herman_16

.

Petit Fours

oud_sluis_sergio_herman_17

oud_sluis_sergio_herman_18

  oud_sluis_sergio_herman_20

.

oud_sluis_sergio_herman_19

oud_sluis_sergio_herman_21

(Besucht im Dezember 2013)

Brenners Park-Restaurant in Baden-Baden (Deutschland)

Das Brenners Park-Hotel & Spa in Baden-Baden gehört zu den luxuriösesten Hotels in Deutschland. In der 140 jährigen Geschichte war hier Walt Disney genauso gerne Gast wie Richard Tauber, oder jüngst Barack Obama. Auch viel geschichtsträchtiges ereignete sich innerhalb der hohen Mauern. So fanden hier 1962 die Vorgespräche, zwischen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle zum deutsch-französischen Freundschaftsvertrag, statt.

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_1

Das Brenners ist nicht nur ein Vorzeigeobjekt der Hotellerie, sondern punktet auch bei der Kulinarik. Der ehemalige Küchenchef Andreas Krolik, kochte das Gourmetrestaurant Park Restaurant bis auf 2 Michelin Sterne. Im August 2012 entschied sich Krolik das Haus Richtung Frankfurt zu verlassen. Den talentierten Chef zu ersetzen war eine schwierige Aufgabe. Die Wahl fiel schliesslich auf den erst 32 jährigen Paul Stradner. Der gebürtige Steirer war Sous Chef beim 3-Sterne-Koch Jean-Georges Klein, als ihn das Jobangebot erreichte. Stradner packte die Chance, wechselte nach Baden-Baden, baute eine neue Brigade auf und verteidigte nach nur drei Monten einen der beiden Michelin Sterne.

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_23

Dem jungen Österreicher eilt ein grossartiger Ruf voraus. Sein ehemaliger Chef bedauert es noch heute, dass ihn einer seiner talentiertesten Schützlinge verliess. Ein solches Lob aus dem Mund eines der besten Köche der Welt, machte uns neugierig und so reisen wir heute nach Baden-Baden welches 100 Autominuten von Basel entfernt liegt.

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_2

Es ist beinahe dunkel als wir beim Hotel ankommen. Mit dem letzten Licht erspähen wir den grossen Park, der das ehrwürdige Haus umgibt. Der Page empfängt uns mit grosser Gastfreundschaft, so als wären wir hier Stammgäste. Auch der Empfang an der Réception ist wohltuend freundlich und so fühlen wir uns von Beginn weg sehr willkommen. Wir machen es uns erstmals in der wunderschönen Kaminhalle gemütlich. Hier geniessen wir neben dem lodernden Cheminée-Feuer unseren Apéritiv und lauschen den wohlklingenden Melodien des Pianisten.

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_15

Pünktlich um halb sieben wechseln wir ins Park Restaurant. Dieses ist klassisch eingerichtet. Ölbilder zieren die roten Wände, das Licht ist warm und stimmig. Zehn Tische stehen im gemütlichen Restaurant in dessen Zentrum ein schönes Blumenbouquet platziert ist.

Die Speiseauswahl ist umfassend. Neben dem Degustationsmenü gibt es ein Vegi-Menü, ein Trüffel-Menü sowie interessante à la carte Gerichte. Die Entscheidung ist schwierig und so fragen wir nach der Möglichkeit, aus den verschiedenen Karten zu kombinieren. Dem Wunsch kommt man gerne nach und schon wenig später stehen die ersten Häppchen auf unserem Tisch:

Dreierlei vom Paprika [-/10]

Auf drei Löffeln wird eine nette Variation von der Peperoni serviert. Einmal sauer, dann salzig und zum Abschluss süss. Die Küchenbrigade demonstriert, dass sie neben den klassischen Zubereitungsarten auch die modernen Tricks beherrscht. Wir sind äusserst gespannt wie es weitergeht.

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_3

.

Brot

Die zwei verschiedenen Brotsorten sind knusprig und fein. Dazu erhalten wir Butter, Salz, Olivenöl und stairisches Kürbiskernöl – hergestellt von Stradners Eltern.

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_5 brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_4

.

Mit Korianderkörnern und Fenchelsamen gebeizter Schottischer Wildlachs,  Tapioka-Gurken-Salat, Honig-Quark-Espuma und Leinsameneis [9/10]

Das erste Amuse Bouche ist nicht nur eine Augenweide, sondern auch geschmacklich unglaublich toll. Die Produkte sind von sehr guter Qualität und die Aromen eindrücklich herausgearbeitet. Die Kombination zaubert ein exzellentes Geschmacksbild auf unsere Gaumen. Wir sind begeistert!

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_6d

.

Cocktail von Melonen und Parmaschinken

Die Neuinterpretation des beliebten Sommer-Klassikers ist gewagt experimentell. Geschmacklich funktioniert der Cocktail überraschend gut, wobei der Schinken noch etwas präsenter sein dürfte.

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_7

.

Ceviche von der Gelbflossenmakrele mit Süsskartoffelcreme und Limettenvinaigrette [10/10]

Traumhaft der erste Gang des eigentlichen Menüs. Hervorragend die Kombination von der rohen Makrele und der genialen Süsskartoffelcrème. Dazu legt sich die Säure der Limette elegant, und perfekt balanciert über das Gericht. Das Geschmacksbild, welches Stradner hier auf den Teller zeichnet, ist grandios und somit eines der besten Gerichte seit langem.

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_8b

.

Creme von der Gänsestopfleber mit schwarzem Trüffel, Apfel und Feige [9/10]

Absolut begeisternd geht es weiter. Die Crème von der Gänseleber ist himmlisch. Wir nehmen davon etwas auf den Löffel, kombinieren mit den verschiedenen süssen Elementen, staunen wie die Trüffelnote immer wieder aufblitzt und wie sich die dezente Säure des Apfels pointiert bemerkbar macht. Absolut spannend wie sich das Ergebnis bei jedem neuen Bissen leicht verändert, ohne an Eleganz zu verlieren. Bei einer grösseren Portionierung der Leber – sie ist im Verhältnis zu den restlichen Komponenten etwas knapp bemessen – wäre hier gar die Höchstnote möglich gewesen.

Kurze Zwischenbilanz: wir haben bis zum jetzigen Zeitpunkt mehr ausgezeichnete Gerichte bekommen, als in manchem Restaurant den ganzen Abend. Wir sind gespannt wie es weitergeht.

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_9

.

Im Eisschnee pochiertes Bio-Eigelb, Hokkaido-Kürbispüree Parmesanschaum und Albatrüffel [8/10]

Spielte der Trüffel im vorherigen Gericht eine – wenn auch nicht unwichtige – Nebenrolle, rückt das edle Produkt nun in den Mittelpunkt. Dabei setzt man auf den geschmacksvollen Alba-Trüffel. Zusammen mit dem Ei, ein wunderbarer Klassiker. Nur dass dieser von Stradner modernisiert und aufgepeppt wird. Nicht nur der Kürbis bietet eine besondere Abwechslung, sondern auch der rezente Parmesan-Schaum. Wiederum ganz stark.

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_10

.

Barbarie-Entenbrust mit Kürbis-Minz-Püree Couscous mit Raz el Hanout und Keulenkompott in Filoteig [8/10]

Schon beeindruckend mit welcher Abgeklärtheit das Menü abläuft. Dies gilt auch für das nächste Gericht. Entenfleisch erhalten wir leider viel zu oft übergart. Anders hier, die Brigade gibt sich keine Blösse und serviert uns das Federvieh absolut perfekt. Dazu zaubert man eine wunderbar elegante Minznote auf den Teller. Diese wirkt aber nicht aufgesetzt, sondern fügt sich perfekt in das Gericht ein. Auch das Couscous und die Frühlingsrolle-„Deluxe“ schmecken vorzüglich.

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_11

.

Gebratener Rehrücken am Tisch tranchiert mit Wacholderjus Selleriepüree Karamellisiertem Rotkohl, eingelegte Birne und Johannisbeer-Gel [7/10]

Zuerst wird uns ein Stück Waldboden auf den Tisch gelegt. In einem Holzrahmen finden wir Moos, Beeren und gar eine leere Patronenhülse. Gleich danach präsentiert man uns stolz den Rehrücken und tranchiert ihn direkt vor unseren Augen – etwas das man heutzutage leider viel zu selten zelebriert.

Angerichtet wird das schöne Fleisch auf einem Plexiglas, welches direkt auf unseren Waldboden gelegt wird. Daraus resultiert ein stimmiges Bild. Auch der Geschmack überzeugt vollends. Der Rehrücken ist perfekt gegart, der tiefe Jus der ideale Begleiter. Dazu serviert man im separaten Schälchen Rotkraut und Spätzli.

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_13 brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_14

.

Vacherin Mont d’Or Schaum mit Kartoffel [6/10]

Den Käsewagen lassen wir an uns vorbeirollen und ordern stattdessen diese wunderbar cremige Alternative. Dies hat sich gelohnt, die Vacherin-Kreation ist unglaublich süffig und intensiv im Geschmack.

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_16

.

Vanillecreme mit Pistazienbisquit-Brösel, pochierte Vanille Birne und Himbeersorbet [6/10]

Das überzeugende Pré-Dessert von Vanille, Birne und Himbeere lässt unsere Geschmacksnerven auf die süssen Komponenten aus der Pâtisserie einstimmen.

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_18

.

Kreation von der Bio Kuvertüre Grand Cru Schokolade Ananas, Karamell und Maracujasorbet [9/10]

Ein hervorragendes Dessert, welches das bisherige, hohe Niveau perfekt aufgreift und weiter führt. Eine starke Kombination aus Schokolade und Caramel die von der Süsse und Säure der Früchte flankiert wird. Dazu spannende Texturen und raffiniert eingesetztes Popcorn. Ein Dessert das rundum glücklich macht.

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_17

.

Petit Fours: Eispraline mit Maracujasorbet / Fruchtmousse mit Mascarponecreme / Macaron mit weissem Balsamico / Früchte Financier [9/10]

So sieht ein perfekter Menüabschluss aus: anstelle einer geschmacksneutralen Armada an Petitessen, serviert man uns diese kleine, aber perfekt abgeschmeckte Variation. Diese vier Häppchen schaffen es, uns zum Schluss noch einmal ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Anschliessend offeriert man uns noch eine schöne Auswahl an Pralinen.

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_20brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_22

brenners_park_restaurant_baden_baden_Paul_stradner_21

Stehend von links: Laurent Masse, Fabian Obergfell, Ruben Bankwitz, Canan Drebert, Paul Stradner. Unten von links: Adrian Jeschall und Frederic Kleff

.

.

Fazit: Das Park Restaurant ist eine kulinarische Perle. Paul Stradners Küchenstil ist zeitgemäss aber stets geerdet. Er verzichtet gänzlich auf dekorative Pülverchen und Schäumchen – hier kommt nur auf den Teller was schmeckt und das Gericht weiterbringt. So ist dann auch jeder Teller äusserst geschmacksvoll, elegant und optisch gekonnt in Szene gesetzt. Uns haben Stradners Gerichte nachhaltig begeistert. Entsprechend sind wir überzeugt, dass man vom jungen Österreicher in Zukunft noch viel hören wird. Das servierte Menü war klar auf 2 Sterne-Niveau und wenn die Brigade so weiterkocht steht einem weiteren Macaron im nächsten Jahr nichts im Wege.

Dass der Abend nicht nur auf den Tellern begeisterte sondern auch in der Summe, ist dem tollen Service zu verdanken. Dieser ist sehr präsent, aufmerksam und, wie das ganze Personal im Haus, eindrücklich freundlich. Sommelier Karl-Heinz Schopf verdient zusätzlichen Applaus. Sein önologisches Wissen ist enorm und er lässt seine Gäste gerne daran partizipieren. Die servierten Weine waren immer passend und spannend. Eine solch exzellente Weinbegleitung wird leider viel zu selten serviert.

.

Tipp: Wenn möglich sollte man sich gleich ein Zimmer gönnen und die Nacht im schönen Brenners Park verbringen. Es gibt viel zu entdecken – am Morgen wird ein grosszügiges Frühstück serviert.

Menü: Zur Auswahl stehen ein Degustationsmenü mit 5 (128 €) bis 7 Gängen (155 €), ein vegetarisches-Menü in 5 oder 6 Gängen (110, respektive 118 €) sowie eine schöne à la carte Auswahl wobei die Vorspeisen zwischen 25 – 45 € kosten, die Hauptgänge 45 – 60 € und die Desserts für ca. 19 € angeboten werden. Sporadisch wird ein zusätzliches Menü angeboten. Bei unserem Besuch war dies ein Trüffelmenü in 5 Gängen zu 245 €. Gerne lässt man die Gäste aus den verschiedenen Menüs kombinieren.

Zeit: Das Menü wurde uns in angenehmen 4 Stunden serviert. Anschliessend kann man sich zum Beispiel in die schöne Cigar Lounge setzen und ein Digestif geniessen.

Wein:  Neben der imposanten Weinbibel offeriert man auch gerne eine passende Begleitung. Wenden Sie sich vertrauensvoll an Sommelier Karl-Heinz Schopf.

Unsere Weinbegleitung wurde zu 73 € verrechnet:

Sauvignonblanc, Weingut Nägelsförst 2011
Weissburgunder, Weingut Knapp 2011
Gewürztraminer, Weingut Faller 2008
Chardonnay, Weingut Bercher 2008
Burgund Langedoc, Puech Noble Rouge 2008
Burgund, Beaune les Epenotte 2005
Muskateller, Dr. Heger 2011
Spätburgunder Beerenauslese, Winzergenossenschaft Sasbachwalden 2003

Online: Die Website ist sehr informativ. Die wunderschönen Gerichte dürfte man aber in den Vordergrund stellen.

Wertung: Gourmör O9 / Michelin M1 / Gault-Millau GM17

Sonderauszeichnung: Hier fühlt man sich besonders wohl   Schöne Zigarren-Lounge vorhanden

(Besucht im November 2013)