Schiff, Luzern (zum zweiten)

Am 3. September 2009 habe ich über meinen Besuch im Restaurant Schiff in Luzern geschrieben. Damals war ich sehr über das Gebotene enttäuscht. In der Zwischenzeit war ich noch zwei Mal am Mittag dort – diesmal nicht auf der Terasse sondern oben im Restaurant. Ich muss meine Meinung revidieren. Das Speiseangebot ist umfassend. Neben einer saisonalen Auswahl gibt es auch die Klassiker wie zum Beispiel Luzerner Pastetli mit Safran. Auch zwei preiswerte Mittagsmenüs (ab Fr. 19.90) stehen (sogar Samstags!) auf der Karte.

Heute hatten wir die Gemüselasagne mit Avocadocréme sowie die Hirschhacktätschli an einer tollen Morchelsauce probiert. Man spürt die Liebe zu guten Essen bereits beim servieren, dann wenn nämlich die ersten Gerüche in die Nase steigen – alles riecht frisch! Natürlich lagen auch schöne Morcheln in der Sauce. Keine Haute Cuisine aber ein guter Tipp für ein gemütliches Mittagessen in Luzern. Verwöhnt wird man von einem freundlichen Service, Blick auf die Reuss und einem Restaurant mit viel Charme.

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Sterne und Punkte 2011

Der Gault Millau und Guide Michelin 2011 sind in den letzten Wochen erschienen. Vorallem der Michelin hat überrascht.

Über die Vergabe des dritten Michelin Stern an Andreas Caminada und sein Restaurant Schauenstein, habe ich mich sehr gefreut. Der sympatische Koch hat es einfach verdient. Natürlich freue ich mich auch für die ganze Schweizer Gastronomie, strahlt doch der dritte Stern über die Landesgrenze hinaus. Nach der Bekanntgabe kam ich mir ein bisschen vor wie die kürzlich verstorbene Krake Paul, hatte ich doch in meinem ersten Blog geschrieben, dass der Gault Millau 2010 Caminada die 19 Punkte und der Guide Michelin in der 2011 Ausgabe den dritten Stern vergeben wird. Jetzt hoffe ich, dass mein Instinkt auch bei den nächsten Fussballspielen stimmen wird…

Aber zurück zu den Sternen. Vorallem die vielen neuen Einsteiger und Promotionen haben überrascht. Bei den 2 Sterner vor allem das Restaurant Ecco in Ascona. Überrascht nicht weil es nicht zwei Sterne würdig ist, sondern weil es sehr überraschend kam. Aber den zweiten Stern hat Fliegauf verdient.

Wenn man jetzt die Sterne mit den Gault Millau Wertungen vergleicht kommt man schon ein wenig ins grübeln. Bei den 19 Punkter hat es zwei Restaurants darunter mit nur einem Stern und bei den über hundert 15 Punkter hat es jetzt fast 20 mit Sternen. Auch das Ecco in Ascona hat nur 15 Punkte im GM. Ich glaube der Gault Millau muss bei einigen Restaurants zwingend über die Bücher. Denn einige Wertungen im Gault Millau sind überhaupt nicht nachvollziehbar! Ebenfalls merkwürdig ist der Punkteabzug im Restaurant Segreto in Wittenbach welches im selben Moment ein Hoffnungsträger für den Michelin Stern geworden ist…

Noch etwas in eigener Sache: Dieser Blog hat zu lange geruht, ich werde ihn ab sofort aber wiederbeleben. In den nächsten Tagen folgen noch ein paar Berichte über Restaurantbesuche. Darunter auch über mein bestes Essen 2010 in der Kunststuben in Küsnacht. Zudem folgt im Dezember noch ein Bericht über einen 3-Sterne Restaurant in Deutschland, der Tisch ist fürs übernächste Wochenende reserviert…

La Pistache (Hotel Balm), Meggen

Das 5-Gang Menü (91 Franken) war interessant, die à la carte Auswahl noch interessanter. Zum Glück war es überhaupt kein Problem die einzelnen Gänge auszutauschen – top! Also wechselten wir jeden einzelnen Gang und machten so unsere eigene Komposition.

Wir starteten gleich mit dem Highlight des Abends. Das „Tuna-Erdnuss-Sandwich mit Wasabimousse und eingelegtem Ingwer“ überzeugte vollends. Der Tunfisch war perfekt gebraten, das Sandwich war knsuprig und die Wasabimousse hatte die perfekte Schärfe. Die Armomen passten perfekt – auch wenn man den Erdnussgeschmack vergebens suchte.

Als Suppe wurde uns eine Pommery-Senfsuppe mit gebratenem Kalbshamburgerli serviert. Auch dieser Gang überzeugte, obwohl wir uns eigentlich einen noch senfigeren Geschmack gewünscht hätten. Das Hamburgerli war eine nette Dreingabe.

Vom Fischgang habe ich mir persönlich viel versprochen „Fisch- und Krustentierpalette an einer Champagnersauce gedünsteter Blattspinat und Petersilienkartoffeln“. Es war aber zu wenig aufregend. Die drei Fische (Hecht, Saibling und Heilbutt) waren zwar gut gebraten doch die Jakobsmuschel war zu gummig. Bei den Krustentieren hätte ich neben dem Scampi nach eine weitere Auswahl erwartet.

Das „Lammkarre in der Ducca-Kruste an einem Kräuterjus Artischockengemüse und Bratkartoffeln“ war ein feiner Hauptgang. Das Lamm schmeckte und war Butterzart. Auch super, ein Supplement an Sauce wurde gleich auf den Tisch gestellt und so konnte man die noch zu harten Kartoffeln tunen.

Als Dessert wurde ein „Daquoise mit Basler-Leckerli und italienisches Eis“ serviert. Ein gelungener Abschluss.

Leider gewinnt das Restaurant kein Preis in der Kategorie „Gemütlichkeit“. Man gibt sich zwar mit der Dekoration mühe, die Tische stehen jedoch zu nahe beieinander und das Restaurant ist zu schlauch förmig. Deshalb spürt man eine gewisse Art von Hektik. Diese wird noch gefördert indem die Teller zu schnell abgeräumt werden. Kaum hat man das Geschirr auf den Teller gelegt wird es auch schon entfernt. Der Service ist freundliche und unkompliziert – man sollte der jungen Mitarbeiterin aber dringend sagen, dass das Fluchen im Gastraum ein Tabu ist – auch wenn sie sich über die blockierte Abstellfläche ärgert!

Übrigens, wieso wird diese interessante Speisekarte nicht auf die Homepage gestellt?