Äbtestube in Bad Ragaz

Was vor zehn Jahren noch eine Seltenheit war, ist heutzutage selbstverständlich. Die Rede ist von Hotelrestaurants welche auch Feinschmecker glücklich machen. Und so leistet sich das imposante Hotel „Grand Resort Bad Ragaz“ (zum Bericht), ganze acht Restaurants, darunter auch ein Gourmetlokal. Hier in der ‚Äbtestube‘ geniessen die Gäste klassische Gerichte in einem stimmungsvollen Ambiente. Unter den Geniessern sind nicht nur Hotelgäste sondern auch Gourmets die sich eine Übernachtung im Grand Resort nicht leisten können – oder wollen.

Den Apéro genossen wir in der kleinen Küche. Ein spannendes Erlebnis, welches man den Gästen gegen Voranmeldung, gerne erfüllt. Es ist sogar möglich den ganzen Abend im Herzen der ‚Äbtestube‘ zu verbringen und dabei Roland Schmids vierköpfigem Team bei der Arbeit zuzuschauen. Speziell dafür steht in der Küchenmitte ein hoher, weiss gedeckter Zweiertisch bereit – wobei die beiden Barhöcker für ein dreistündiges Essen einen etwas unbequem Eindruck machen. Von hier aus beobachtet man zum Beispiel wie die Köche mit Lineal und grüner Kräutersauce Dekorationen auf die Teller zeichnen oder wie grosse Fleischstücke tranchiert werden.

Das Team arbeitet konzentriert. Hier und da gibt es eine kurze Anweisung des Chefs. Roland Schmid ist seit neun Jahren für das Gourmetrestaurant verantwortlich. Dabei hat er, verglichen mit anderen Küchenchefs, vorzügliche Arbeitszeiten, denn die ‚Äbtestube‘ empfängt lediglich an fünf Abenden in der Woche Gäste.

Um an der kulinarischen Spitze eines der besten 5 Sterne-Hotels Europas zu stehen, braucht es einiges an Talent. Das holte sich Schmid nach seiner erfolgreichen Kochlehre in diversen Restaurants im In- und Ausland. Bevor er nach Bad Ragaz wechselte, kochte der sehr sympatische Rheintaler mehrere Jahre im Hotel „Alpenhof“ in Zermatt. In der schönen Walliser Gemeinde erkochte er sich stolze 17 Gault Millau Punkte sowie einen Michelin Stern. Die Punkte konnte er beim Wechsel nach Bad Ragaz „mitnehmen“, auf den Stern musste er sich bis zum letzten Oktober gedulden.

Schmid ist keiner der Köche die nur am Pass stehen und Kommandos geben. Auch wegen der abwechslungsreichen à la carte Auswahl packt er jeden Abend mit an. So bereitet er zum Beispiel vor unseren Augen ein kleines Stück Thunfisch zu. Dieses schneidet er gekonnt in zwei Hälften und serviert es uns Augenblicke später an unserem Küchentisch. Der „Gruss aus der Küche“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung.

Zweierlei von der geräucherten Forelle aus dem Weisstannental, Rucola-Piniensalat, Curryöl / Gänseleber-Praline im Himbeer-Mandelmantel auf Kefensalat und Sauerrahm / Sashimi von weissem „MSC“ Thunfisch, Asiagemüse, Korianderöl [8/10]

Alle drei Häppchen haben uns begeistert und konnten dank klaren und intensiven Aromen brillieren. Das Highlight war das soeben frisch zubereitete Sashimi vom weissen Thunfisch, mit dem knackigen Asiagemüse an leichter Sojasauce – genial. Bei der Forelle hat uns das harmonische Zusammenspiel mit den Pinienkernen sehr gut gefallen. Auch für das Gänseleber-Praline gab es gedanklich Applaus, auch wenn wir den angekündigten Himbeergoût etwas vermissten.

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Obwohl wir dem konzentrierten Treiben in der Küche gerne zuschauten, waren wir froh, als wir nach diesen Häppchen den doch recht warmen Raum wieder verlassen durften. Wir wurden in das kleine Restaurant geführt und machten es uns, mit Blick auf das knisternde Feuer im Chminée, gemütlich. Hier in der ‚Äbtestube‘ hat es Platz für 30 Gäste. Da die Tische in drei leicht voneinander abgetrennten Bereichen stehen, ist es recht ruhig.

Wir erhielten die grossformatige Speisekarte gereicht und entschieden uns für das 6 Gängemenü, mit der Bitte, den Hauptgang bestehend aus Rindsfilet durch das Bisonfilet Gericht aus dem à la carte Angebot, auszutauschen. Wir waren zwar überzeugt, dass Chef Schmid gute Rindfleisch-Lieferanten hat, doch wir wollten unbedingt einmal sein bekanntes Bisonfleisch aus Kanada geniessen. Michael Boog, Sommelier und Chef de Service, kam diesem Wunsch nach kurzem Zögern gerne nach. Boog ist ein sehr guter Gastgeber und besticht, neben seinen etwas zu theatralisch agierenden Servicemitarbeitern, mit seiner Natürlichkeit und dem grossen önologischen Fachwissen. So stellte er uns mit Leichtigkeit eine passende Weinbegleitung zusammen und schlug vor, jeweils zwei Gänge mit dem gleichen Wein korrespondieren zu lassen. Wir willigten ein und legten die zwei gereichten Weinkarten (eine davon ausschliesslich mit Erzeugnissen von von der Domaine de la Romanée-Conti!) zur Seite.

Zu der schönen Brötchenauswahl gab es für einmal keine Butter, sondern drei verschiedene, kalt gepresste Olivenöle.

Danach erreichte uns das Amuse Bouche:

Pyrenäen Milchlammkeule mit Thymianjus, Kartoffel-Apfelgratin, Enoki-Pilzen, Bärlauchsuppe mit Tomatenschaum [7/10]

Das Lammfleisch war sehr fein und zart, der Jus ein passender und subtiler Begleiter. Das Beste auf dem Teller war der geniale Kartoffelgratin – auch wenn man vom annoncierten Apfel nichts schmeckte. Ebenfalls ein grosses Lob gab es für das vollmundigste Bärlauchsüppchen, welches uns jemals aufgetischt wurde – das Aroma war noch Minuten später im ganzen Gaumen präsent! Der Tomatenschaum zerfiel dagegen etwas schnell und sorgte daher nur für den farblichen Kontrast.

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Bio Black Tiger, Morcheln, Haselnusskrokant – Nüsslisalatmousse und Vinaigrette [6/10]

Die knackigen Black Tiger waren von guter, aber nicht überragender Qualität. Der leichte Haselnussgeschmack passte gut zu den Schalentieren. Bei den Morcheln vermissten wir den von uns so geliebten, intensiven Eigengeschmack des edlen Pilzes – ob sie zu lange im Essigbad lagen? Dafür entschädigt hat uns das geniale Mousse vom Nüsslisalat – ein tolles Aroma, wiederum umgeben von knusprigen Nusssplittern.

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Pastinaken-Cremesuppe mit grünem Lammraviolo [5/10]

Die Pastinakensuppe war richtig stark. Der grüne Raviolo war nicht wie erwartet mit Gehacktem gefüllt, sondern mit einem ganzen Stück Lammfleisch. Dieses zu essen war dann gar nicht so einfach. Das zarte Fleisch ertrank wortwörtlich in der Suppe und konnte deshalb auch den Eigengeschmack nicht voll entfalten. Wir hätten es bevorzugt, die Suppe und das Fleisch getrennt voneinander zu geniessen. Dazu wäre dann auch eine Sauce zum Fleisch passender gewesen als eine Suppe.

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Rotbarbenfilet gebraten, Gewürzrhabarbersauce, Spargel, Erbsenmousseline [5/10]

Die Rhabarbersauce, die unter anderem mit Zimt und Vanille abgeschmeckt war, schmeckte zwar gut, wollte aber weder zum Fisch noch zu den weissen Spargeln passen. Wir genossen diese also getrennt voneinander. Trotz der feinen Rotbarbe hatten wir eine passende Sauce etwas vermisst. Das Erbsenpüre war sehr geschmacksintensiv und fein. Der Höhepunkt auf dem Teller waren aber die badischen Spargeln. Der intensive Spargelgeschmack zeugte von einem hochwertigen Produkt erster Güte und bewies wieder einmal, dass dieses Frühlingsgemüse eine wahre Delikatesse ist.

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Bisonfilet gebraten, Ochsenschwanzragout, Thymian, Mönchsbart, Pinienkere und frittiertes Lauch-Samosas [7/10]

Als Hauptgang wurde uns das Bisonfilet serviert. Das Fleisch war kräftig und perfekt gebraten. Für die geschmackliche Perfektion fehlten lediglich ein paar zusätzliche Salzkörner sowie eine durchgängig wahrnehmbare Pfeffermarinade. Diese war bei unserem Fleisch nur an gewissen Stellen präsent – und genau dort konnte das Bison so richtig auftrumpfen.

Unter dem Fleisch wartete ein weiteres Highlight dieses Abends: ein richtig toll zubereitetes Ochsenschwanzragout. Auch der Mönchsbart, ein im Moment saisonales Gemüse aus Italien, schmeckte uns ausserordentlich gut und wir wunderten uns, warum wir das Grün noch nie zuvor angetroffen hatten. Das Samosa, ein Gebäck welches seinen Ursprung im nahen Osten hat, erfüllte eher eine dekorative Aufgabe.

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Käse

Nun freuten wir uns auf den Auftritt des Käsewagens. Dieser war zwar eher klein, aber gut sortiert. Für alle Vorlieben bot er etwas. Zum Käse wurde uns Birnenbrot sowie etwas Baguette serviert. Im Vergleich zu anderen Restaurants, in denen man frisch gebackenes Birnenbrot und zum Käse passenden Senf und Konfitüre gereicht bekommt, war das Angebot hier noch ausbaufähig.

Für den süssen Abschluss durften wir von der Karte wählen. Darauf fanden wir zwei Desserts die ihren festen Platz auf der Karte haben: Ein Schokoladendessert und eines mit Caramel. Für Letzteres haben wir uns auch entschieden und da es kein Pré-Dessert gab, hatte dieses dann sogleich seinen Auftritt:

Caramel-Variation [5/10]

Eigentlich hatten wir uns unter diesem vielversprechenden Namen eine spannendere Vario vorgestellt, als diejenige, welche uns serviert wurde. Das Karamelköpfli und die Crème brûlée haben wir in dieser Qualität schon zu oft gegessen, als dass uns diese speziell begeistert hätten. Die beiden Desserts waren absolut solide, trotzdem bereuten wir es, dem Menü-Dessert „Ricotta-Zucker-Canneloni-Melone“, nicht den Vorzug gegeben zu haben.

Zum Glück rettete das tolle Caramel-Eis die Dessert-Ehre. Das Glacé war nämlich vollmundiger und wuchtiger als alle anderen, je gegessenen Caramel-Sorten!

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Friandises

Zum Espresso wurden noch ein paar kleine Häppchen auf einem Karussell aufgetragen. Wir hatten uns beim Käsewagen wohl etwas übernommen, denn wir hätten keinen Bissen mehr runter gebracht. Uns wurde zwar freundlicherweise angeboten, die Friandises einzupacken und aufs Zimmer mitzugeben, doch wir konnten uns in dem Moment nicht vorstellen jemals wieder Hunger zu haben. Da soll noch jemand behaupten in Gourmetrestaurants werde man nicht satt!

Nach diesem schönen Menü machten wir es uns in der direkt ans Restaurant angrenzenden Zigarren-Lounge gemütlich. In dieser wunderschönen Lounge genossen wir eine würzige „Flor de Selva“ und ein, vom sehr zuvorkommenden Barkeeper servierten, Digestif.

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Fazit: Roland Schmid kocht klassisch. Hochwertige Produkte sind ihm sehr wichtig. Deshalb pflegt er auch einen engen Kontakt zu seinen Lieferanten. Sein Luma Beef aus artgerechter Haltung ist ihm dabei genau so wichtig wie Meerestiere aus ökologischem Umfeld. Auch die Einhaltung der Saison ist eines seiner erklärten Ziele. So sind Erdbeeren im April genau so Tabu wie Spargeln im März. Spargeln gibt es frühestens wenn die Ersten in Deutschland gestochen werden und dann auch nur so lange, bis der örtliche Bauer endlich die Ersten in die Küche der ‚Äbtestube‘ bringt.

Wir haben uns in dem 1774 erbauten, denkmalgeschützen Restaurant, wohl gefühlt. Der Service war sehr aufmerksam, das Menü wurde in einem angenehmen Tempo serviert. Auch kulinarisch wurden wir glücklich. Wir schätzen es, wenn Köche die Produkte in den Mittelpunkt stellen. Hier und da hätten wir das noch etwas konsequenter gewünscht und vielleicht etwas weniger routinierter. Gerade angesichts der Tatsache, dass die Brigade nur den Abendservice bewältigen muss, sollte es möglich machen, noch an gewissen Details zu feilen.

Geniesser die sich im „Grand Resort Bad Ragaz“ ein Zimmer buchen, sollten gleich auch immer einen Tisch in der ‚Äbtestube‘ mit reservieren. Andere Hotelrestaurants wie das asiatische ‚Namun‘ sind vielleicht trendiger, aber nur hier in Roland Schmids kleinem Reich kann man so richtig abschalten, drei Stunden lang geniessen und alles um sich herum vergessen.

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Tipps: 1. Unbedingt etwas früher anreisen und durch das Hotel schlendern. Es ist absolut eindrücklich! Am besten bleibt man gleich für eine Nacht – oder zwei. 2. Auf Nachfrage bietet man den Gästen auch das eigene Quellwasser zum trinken an.

Menü: Der Gast hat die Wahl zwischen einem vegetarischen Menu in 5 Gängen zu 125 Franken sowie einem „Menu Gastronomique“ mit 6 Gängen (inkl. Käse) zu 160 Franken. Dazu werden jeweils Apéro Häppchen und ein Amuse Bouche serviert. Die einzelnen Gerichte aus dem Menü kann man auch separat bestellen. Weiter findet der Gast ein abwechslungsreiches à la carte Angebot. Vorspeisen gibt es zwischen 36 und 51 Franken, Hauptgänge für 65 – 97 Franken, wobei man jeweils eine kleinere Portion bestellen kann (im Schnitt 14 Franken günstiger). Die fünf Desserts kosten alle um die 30 Franken. Unser 6 Gang Menü dauerte 3 Stunden.

Wein: Die Weinauswahl ist sehr gross. Es gibt eine separate Karte mit Weinen von der Domaine de la Romanée-Conti.

Unsere empfohlene Weinbegleitung:

Pinot blanc 2010, Weingut Davaz, Fläsch – Schweiz
Châteauneuf du Pape blanc 2009, Domaine St. Prefert in Rhônetal – Frankreich
Nambrot 2006, Tenuta di Ghizzanoin, Toscana – Italien

Online: Man widmet der ‚Äbtestube‘ zwar keine eigene Domain, aber immerhin ein leicht angepasstes Design auf der Hotel-Homepage. Auf der Seite findet man vorbildlich viele Informationen über Roland Schmid, ein Video, Berichte über die bereits vergangene Zusammenarbeit mit der Lufthansa, sowie eine Speisekarte auf der leider konsequent das Abendmenü fehlt (nur das vegetarische Menü findet darauf Erwähnung).

Wertung: Gourmör   / Michelin   / Gault-Millau

Auszeichnung: Hier findet ihr eine Cigarren-Lounge

(Besucht im April 2012)

Grand Resort Bad Ragaz

Wunderschöne 5 Sterne Häuser gibt es in der Schweiz einige. Das „Grand Resort Bad Ragaz“ ist jedoch nicht nur in der Grösse einzigartig sondern gilt auch im allgemeinen als Flaggschiff der Schweizer Hotelbranche. Die Alltagssorgen sind hier schnell vergessen, die Beschäftigungsmöglichkeiten schier grenzenlos: Tennis, Golf auf den zwei direkt angrenzenden Anlagen (eine 18 Loch PGA Championship Course und eine 9 Loch Academy), ein moderner Fitnessraum, eine wunderschöne Saunalandschaft, sehr umfangreiche Massage- und Treatmantmöglichkeiten, ein eigenes medizinisches Center mit über 20 Fachärzten, Coiffeur, ein grosser Park für Spaziergänge, ein Casino mit B-Lizenz und für uns das Wichtigste: acht Restaurants (vier davon mit Gault-Millau Punkten), diverse Bars und eine wunderschöne Zigarren-Lounge.

Übersicht der Restaurants:

‚Äbtestube‘ – Das Gourmetrestaurant des „Grand Resort Bad Ragaz“ ist ausgezeichnet mit 17 Gault-Millau Punkten und 1 Michelin Stern. Hier kocht Roland Schmid, zusammen mit seinem Team, an fünf Abenden in der Woche. Wir haben das Restaurant selbstverständlich besucht – hier unser Bericht.

‚Bel-Air‘ – Die Küche von Renato Wüst ist mit 15 Gault-Millau Punkten ausgezeichnet und bietet den Gästen internationale Gerichte in einem sehr gediegenen Ambiente. Das Restaurant ist in zwei Bereiche unterteilt. In einem wird das Tragen eines Jacket erwünscht, im anderen ist es Pflicht.

‚Namun‘ – 13 Punkte gibt der Gault-Millau für dieses asiatische Restaurant. Das ‚Namun‘ ist sehr schön eingerichtet, die Speisen sind sehr authentisch.

‚Golf Restaurant‘ – Golfer müssen nicht weit laufen um in den Genuss feiner Speisen zu kommen. Hier werden mediterrane und asiatische Speisen serviert – ausgezeichnet mit 13 Gault-Millau Punkten

‚Golf Bistro‘ – Das Bistro für den kleinen Hunger nach einem erfolgreichen Spiel

‚Zollstube‘ – Hier werden Gästen regionale und Schweizer Speisen serviert.

‚Olives d’Or‘ – Ein grosses und helles Restaurant in dem man in den Genuss mediterranen Speisen kommt.

‚La Merenda‘ – Das Selbstbedienungsrestaurant in der Tamina Therme. Hier können sich die Badegäste mit sorgfältig zubereiteten Speisen stärken.

Der Quellenhof. Im Vordergrund der schöne Park mit den hohen Mammutbäumen.

Das Grand Hotel Hof Ragaz.

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Das Herzstück des Resorts ist die Wasserquelle, welche 50 Jahre vor der Gründung der Eidgenossenschaft entdeckt wurde. 66 Jahre nachdem das „Grand Hotel Hof Ragaz“ im Jahre 1774 erbaut wurde, legte man eine vier Kilometer lange Wasserleitung zum Hotel. Seitdem fliesst das konstant 36.5 Grad warme Wasser von der Quelle direkt zum „Grand Resort Bad Ragaz“. Von dieser Quelle profitieren heute nicht nur die Hotelgäste sondern auch Besucher der wunderschönen Tamina Therme. Zur Erholung stehen auf einer Fläche von 7’300 Quadratmetern, verschieden temperierte Badebecken zur Verfügung. Gäste des Hotels betreten die Tamina Therme direkt vom Hotel aus oder machen es sich in der exklusiven, 5’500 Quadratmeter grossen Wellbeing & Spa Anlage gemütlich. In ruhiger Atmosphäre geniesst man hier wunderschöne Bade- und Saunalandschaften.

Casino mit B-Lizenz.

Die Aussicht vom Zimmer. Im Sommer gibt es im Garten auch Barbecues.

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Gar nicht einfach, ein solch grosses Angebot auf der Hotel-Homepage anzupreisen. Dass im Buchungssystem die drei Gebäude als einzelne Hotels aufgeführt sind, verwirrte uns dann auch. Dabei ist die Sache eigentlich ganz einfach: den Gästen stehen drei verschiedene Gebäude („Hotels“) zur Verfügung, welche alle vor wenigen Jahren renoviert oder komplett neu gebaut wurden. Da diese unterirdisch miteinenander verbunden sind, spielt es vom Standort her keine Rolle, für welches Gebäude man sich entscheidet. Viel wichtiger ist der bevorzugte Wohnstil und hier werden alle Vorlieben abgedeckt – ob Grand Hotel (Quellenhof), historisch (Palais), neuzeitlich (Hof Ragaz) oder Zimmer mit eigenem Whirlpool und Sauna (Spa-Suiten).

Unser geräumiges und wunderschönes Grand Deluxe Zimmer

Während es in der virtuellen Welt noch Stolpersteine gab, waren die Verhältnisse beim eigentlichen Besuch klar. Schon zu Beginn, als man unseren Schlüssel abnahm, um das Auto zu parken, stand das Wohlfühlen im Vordergrund. Nach dem Willkommensdrink in der eleganten Lobby, erhielten wir eine kleine Tour durch das Hotel. Von diesem Angebot sollte man unbedingt Gebrauch machen, denn dieser Rundgang verschafft einen guten Überblick über das Resort . Anschliessend zeigte man uns das Zimmer im Hof Ragaz. Das wunderschöne Grand Deluxe Zimmer war geräumig, mit einem grosszügigen Bad und Balkon. Die Annehmlichkeiten wie die Nespresso-Maschine oder die hochwertigen Produkte im Bad, genossen wir sehr. Bis auf die unreifen Pflaumen auf dem Tisch, war alles perfekt.

Der Aussenpool

Die Lobby des Quellenhofs

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Den Tag starteten wir mit einem ausgiebigen Frühstück. Dabei hat man die Wahl zwischen dem ‚Bel-Air‘ und dem ‚Olives d’Or‘. Beide Restaurants bieten das selbe, grosszügige Angebot. Das Frühstück war dann auch ein Highlight – wunderbare Produkte, verschiedene frisch gepresste Säfte und à la minute zubereitete Omeletten – einfach fantastisch! Den restlichen Tag zu gestalten ist dann gar nicht so einfach, man hat hier nämlich die Qual der Wahl und muss nach dem Ausschlussprinzip verfahren. Ein Spaziergang im schönen Park? Ein Nachmittagsdessert und Tee in der stimmungsvollen Quellenhof-Lobby? Ein Drink an der Bar während man dem Pianisten lauscht? Oder doch ein Runde schwimmen mit anschliessendem Saunagang? Egal was man unternimmt, überall herrscht eine angenehme, wohlfühlende Atmosphäre. Das viele Personal ist zuvorkommend und sehr freundlich. Die gute Laune der Mitarbeiter ist spürbar und steckt auch alle Gäste an.

Das Wochenende verging wie im Fluge. Ehe wir uns versahen, sassen wir wieder im Auto und verliessen diesen paradisischen Ort. Die Rückkehr in den Alltag fiel uns schwer. Noch Tage später kreisten unsere Gedanken um diesen wunderschönen Ort. Ein Barkeeper hat es sehr treffend formuliert – „im Resort ist es wie in einer anderen Welt“ – wie Recht er hat!

Frühstücksbuffet im Olives d’Or

Lobby der luxuriösen Spa-Suiten

Im Quellenhof

Hotel-Wellbeing auf 5’500 qm

Stimmungsvolle Umgebung zum kneippen

Das wunderbare Hotelbad

Das asiatische Restaurant ‚Namun‘

Grand Resort Bad Ragaz *****
7310 Bad Ragaz
289 Zimmer
Homepage

Sternensuche am Vierwaldstättersee

Acht Wochen ist es her, seit uns die Hiobsbotschaft aus Luzern erreicht hat (zur Meldung auf Facebook). Darin erfuhren wir, dass im einzigen Sterne-Restaurant der Leuchtenstadt überraschend das Konzept geändert wurde. Im betroffenen Restaurant ‚Jasper‚, sind die Zeiten von Foie Gras Variationen und aufwendigen Gourmet Menüs seit dem vorbei. Markus Iseli, der Direktor des 5 Sterne Hotel „Palace Luzern, zu dem das betroffene Restaurant gehört, verkündete, dass man einen „Schritt in die Gegenwart“ gemacht hätte und das Gästebedürfnis nach „entspanntem kulinarischem Vergnügen“ anstelle von „edelsten Zutaten auf höchstem Preisniveau“ angepasst habe. Spitzenköchin Kerstin Rischmeyer, vom Entscheid ebenfalls überrascht, musste ihren Arbeitsplatz räumen. An ihre Stelle trat Markus Weiss, welcher sich bis dahin für die Hotelküche verantwortlich zeigte. Unter gleichem Namen und mit dem neuen Konzept „Modern Dining“, serviert man nun am Vierwaldstättersee Rinds-Tatar, Salate und Pasta. Weshalb die teuersten Hauptgänge nach wie vor über 50 Franken kosten und man so für ein 4 Gang Menü fast gleich viel berappen muss wie bei der vorherigen Küche, bleibt wohl das Geheimnis von Herrn Iseli.

Wir „altmodischen“ Gourmets lassen uns den Appetit dadurch nicht verderben und gehen stattdessen auf Entdeckungsreise nach neuen Gourmetrestaurants am schönen Vierwaldstättersee. Mit dem im letzten Jahr frisch restaurierten Dampfschiff „Unterwalden“, haben wir uns auch gleich ein passendes Fortbewegungsmittel für diesen Ausflug ausgesucht. An einem stark bewölkten Tag stechen wir von Stansstaad aus in See. Den ersten Halt machen wir in Hergiswil im Seerestaurant ‚Belvédère‚.

Hier kocht der talentierte Fabian Inderbitzin. Vor fünf Jahren arbeitete der gebürtige Schwyzer auf der anderen Seite des Seeufers in Kastanienbaum, bevor er von Gault-Millau zur „Entdeckung des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Danach wurde er von den Verantwortlichen des Château Gütsch abgeworben und wirkte fortan als Küchenchef des wunderschönen Schlosses, hoch über Luzern. Dort besuchten wir Inderbitzin vor drei Jahren und genossen ein Menü, welches der tollen Aussicht auf Luzern in nichts nach stand. Damals sagten wir dem Koch innerhalb von wenigen Jahren einen Michelin Stern voraus. Das befristete Château Gütsch Abenteuer endete aber schon früh und nach einem Charity Projekt und der Eröffnung eines Slow-Food Standes in Luzern, stand die Verpflichtung in einem neuen Restaurant in Hergiswil an.


Seit zwei Jahren steht er nun in der Küche des ‚Belvédère‚ und begeistert seine Gäste mit seiner zeitgemäss interpretierten, französischen Küche. Die Kritiker von Michelin sind ebenfalls beeindruckt und führen Inderbitzin seit der aktuellen Ausgabe als „Hoffnungsträger“ für einen der begehrten Sterne. Für uns bleibt heute nur Zeit für einen Espresso auf der schönen Terrasse. Doch bevor das nächste Schiff ablegt, reservieren wir noch schnell einen Tisch. Denn hierhin wollen wir unbedingt bald zurück kehren und neben der Aussicht, auch die Gerichte aus Fabian Inderbitzins Küche geniessen.

Zurück auf dem Schiff nehmen wir Kurs auf Luzern. Bei der Anfahrt fällt unser Blick wehmütig auf das „Palace„. Von hier aus sieht man auch das ‚Jasper‘. Heute müssen wir hier definitiv nicht von Bord. Es gibt in der 65’000 Seelenstadt zwar immer noch kulinarische Perlen (z.B. unsere Lieblingsbrasserie, das Bodu), doch beim aktuellen Abenteuer halten wir Ausschau nach Restaurants, welche in Zukunft die ganz besonderen kulinarischen Bedürfnisse befriedigen können.

Vierzig Minuten später sind wir an einem solchen Ort angekommen, in Weggis. Wir laufen vom Bootssteg 900 Meter dem Seeufer entlang. Dort steht eines der schönsten Hotels der Region – das 5 Sterne Haus „Park Weggis“ (bis vor kurzem firmierte es noch unter dem Namen „Park Hotel Weggis“). Das Hotel ist eine Wohlfühl-Oase mit sehr freundlichen Mitarbeitenden und gepflegter Infrastruktur. Hier fühlt man sich wohl und geborgen, ob zum Essen in einem der drei Restaurants, für eine Zigarre in der edlen Bar oder einfach bei einem starken Espresso, so wie wir heute.

In unseren Augen ist das Herzstück des „Park Weggis“ das Gourmet-Restaurant ‚Annex‚ mit wunderschönem Blick auf den See. Hier kocht Renee Rischmeyer und hält nun den einzigen Michelin Stern am Zentralschweizer See (den Stern für das ‚Jasper‘ haben wir geistig bereits gestrichen). Das ‚Annex‘ ist stilvoll eingerichtet und bereits beim Lesen der spannenden Speisekarte kriegen wir Hunger. Da in wenigen Minuten unser Dampfer ablegt und wir noch fast einen Kilometer zurück laufen müssen, bleibt uns hier ebenfalls nur eine Tischreservation. Im Juni werden wir aber nach Weggis zurückkehren und uns von der ‚Annex‘ Crew kulinarisch verwöhnen lassen. Auch darüber werden wir hier natürlich berichten.

Die nächste Station ist gleichzeitig auch unsere Letzte: Vitznau, ein wunderschöner Ort mit vielen Villen. Hier sorgte im letzten Jahr das Restaurant ‚Sens‚ für Schlagzeilen. Das noch junge Gourmet-Restaurant im „Vitznauer Hof“ hatte sich mit ihrem damaligen Koch Pascal Schmutz, ebenfalls eine junge „Gault-Millau Entdeckung“, eine kleine Medienfehde geliefert. Schmutz kocht nun im ‚Bam Bou‚ in Luzern und das ‚Sens‘ startete mit Fabrizio Piantanidas italienischen Küche in den zweiten Frühling.

Unser heutiges Ziel ist jedoch ein paar hundert Meter vom ‚Sens‘ entfernt und im Moment noch recht staubig. Hier auf dieser grossen Baustelle bekommt das Luxushotel „Park Hotel Vitznau„, dank grossem finanziellen Engagement, ein neues Kleid. Seit drei Jahren wird hier nach MINERGIE-Standard gebaut. Im Herbst 2012 soll das ehrwürdige 5 Sterne Haus wieder eröffnet werden. An uns Feinschmecker wurde auch gedacht, denn der Inhaber Peter Pühringer setzt klar auf die Karte Gourmet. Dafür hat er einen weiteren Shooting-Star, Nenad Mlinarevic, verpflichtet. Der 29-Jährige sorgte vor drei Jahren das erste mal für Furore, als er in Lömmenschwil in der ‚Neuen Blumenau‚ anheuerte und sich dort rasch in die Herzen der Gäste und Foodjournalisten kochte. Schon nach wenigen Monaten gab es den Michelin Stern und ebenfalls die Auszeichnung zur „Neuentdeckung des Jahres“ durch Gault-Millau.

Mlinarevics Erfolg kommt nicht von ungefähr; seine Ausbildung absolvierte er im Waldhaus Dolder, danach kochte er bei Hans-Peter Hussong im ‚Wiesengrund‘, im ‚Talvo‘ (damals noch unter Roland Jöhri) und später bei Andreas Caminada im ‚Schloss Schauenstein‚. Seine Ferien verbrachte er nicht am Strand, sondern absolvierte Praktika bei René Redzepi im ‚Noma‘ in Kopenhagen oder jüngst bei Joachim Wissler im ‚Vendôme‚. Nun hat er in Vitznau eine neue, sehr grosse Herausforderung angetreten. Es gilt das Gourmet Restaurant des „Park Hotels“ zum Erfolg zu führen. Für den jungen Koch geht damit ein Traum in Erfüllung. So ist es nur ganz wenigen vorbehalten, ein Restaurant in einem 5 Sterne Haus von Grund auf mit zu gestalten.

Da es in Vitznau im Moment zu laut und schmutzig ist, sitzt der junge Koch im Partnerhotel in Wien. Im „Palais Couborg„, ebenfalls im Besitz der Pühringer Gruppe, konnte man jüngst den Erhalt von zwei Michelin Sternen feiern. Nenad Mlinarevic freut sich für das Team vor Ort. Er selber ist aber fast den ganzen Tag im Büro und plant das neue Restaurant in Vitznau. Er und sein Team in der Schweiz, erarbeiten nicht nur das Konzept sondern entscheiden zusammen über Details wie Geschirr, Besteck, sowie die Namensfindung. Uns hat man den Namen bereits verraten; ‚Focus‘ wird das Gourmetrestaurant im „Park Hotel Vitznau“ heissen. Der Name ist Programm, Mlinarevics Küche ist nicht experimentell sonder fokussiert sich auf Kombinationen die man kennt und mag. Beim Restaurantdesign wird die Natur im Vordergrund stehen und Weinfreunde dürfen sich auf eine imposante Karte freuen.

Wie Mlinarevic uns im Interview weiter verriet, geniesst er im Moment als Bürolist die attraktiven Arbeitszeiten und die freien Wochenenden. Er sei aber kein Büromensch und freue sich deshalb riesig auf den Start im Herbst; mit ihm auch sein Team. Fünf Kollegen werden ihn am Herd unterstützen –  doppelt so viele wie bei seiner letzten Arbeitsstelle in der Ostschweiz. Dies ermögliche ihm, nun auch vermehrt nach neuen Kreationen zu forschen und eine noch höhere Qualität zu gewährleisten. Da hilft ihm sicher auch, dass das Restaurant nur an fünf Abenden pro Woche geöffnet sein wird und nur für maximal 40 Gäste Platz bietet.

Der junge Koch fliegt nächste Woche zurück in die Schweiz. Nach ein paar geschäftlichen Terminen geht es dann weiter in die USA. Dort besucht er drei der besten Restaurants in Nordamerika – wohl auch zur Weiterbildung. Ab August gilt es dann ernst. Denn ab diesem Zeitpunkt entstehen die ersten Gerichte und das Konzept wird finalisiert.

Wir wünschen dem jungen Koch und seiner Brigade viel Erfolg und werden, sobald die erste Telefonleitung in Betrieb ist, hier ebenfalls einen Tisch reservieren und Euch über das neue Hotel und das ‚Focus‘ berichten.

Übrigens: Auch auf die Hotelküche dürfen wir uns freuen. Denn für diese hat man einen weiteren Sternekoch verpflichtet. Der junge Christian Nickel wechselt im Sommer vom Restaurant ‚Rigiblick‚ in Zürich nach Vitznau.

Zurück auf dem Schiff gönnen wir uns ein Glas Chardonnay und schauen über den glitzernden See. Die heutige Reise hat uns für die kulinarische Zukunft sehr zuversichtlich gestimmt. Wir wissen nun, dass wir am Vierwaldstättersee auch weiterhin kulinarische Höhenflüge erleben dürfen und uns nicht mit „modernem Food“ à la Ceasar Salad begnügen müssen.