Ecco in Ascona

Unsere letzte Reise ins Tessin liegt ganze fünf Jahre zurück. Damals krönten wir den Aufenthalt im sonnenreichsten Schweizer Kanton, mit einem Besuch bei Rolf Fliegauf. Der gebürtige Augsburger hatte dazumal frisch das Zweitrestaurant, das 5 Sterne Hotels Giardino, übernommen. Mit seinen avantgardistischen Kreationen kontrastierte er das sonst mediterrane Angebot des grossartigen Hotels. Die Aufgabe erfüllte der heute 32 jährige mit Bravour und wurde bereits zwei Jahre nach der Zepterübernahme mit einem Michelin Stern belohnt.

3_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

In der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Zum Beispiel der Kochstil. Griff Fliegauf anfänglich noch auf ein paar molekulare Tricks zurück, setzt er heute voll auf die Karte der Aromaküche. Zudem hat das Giardino vor zwei Jahren expandiert und in Champfér bei St. Moritz das Giardino Mountain eröffnet. Für Fliegauf eine grosse Erleichterung, da er nun sein Können auch in den Wintermonaten, während das Giardino in Ascona Betriebsferien hat, unter Beweis stellen kann und somit seiner Brigade eine Ganzjahresstelle bieten kann. Zu guter Letzt hat sich auch das Punkte- und Sternekonto erhöht. Gault-Millau verlieh den 16. Punkt und Michelin übergab den 2. Stern was Fliegauf zum damals jüngsten 2 Sterne-Koch in Europa machte.

2_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

Das Wetter war heute den ganzen Tag schwülheiss und das Thermometer kratzte bedrohlich an der 30 Grad Grenze. So verbrachten wir dann auch den ganzen Tag am Hotelpool und ernährten uns von Früchten. Unser Zifferblatt zeigt jetzt 19 Uhr und langsam aber sicher verlangen unsere Mägen nach mehr. So machen wir uns bereit für das zweite Ecco Abenteuer und sind sehr gespannt wie sich die Veränderungen auf dem Teller bemerkbar machen.

1_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

Als erstes fällt uns die neue, sehr angenehme Atmosphäre im Restaurant auf. Dies liegt nicht etwa an der Inneneinrichtung – die war schon beim letzten Besuch in eleganten Grautönen gehalten – sondern am neuen Serviceteam unter der Leitung von Jenifer Strube. Dieses begleitet uns nicht nur sehr aufmerksam und zuvorkommend durch den Abend, sondern auch äusserst motiviert und umgänglich.

Das Ecco ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Im eigentlichen Restaurant stehen drei grosse Tische. Dieser Raum wird meistens für den Mittagservice genutzt und ist angenehm klimatisiert. Anders draussen unter der Pergola, wo heute Abend alle 28 Gäste sitzen. Hier konnte sich die Hitze den ganzen Tag unter dem Gewölbe festsetzen. Die grossen Fensterfronten stehen zwar offen, aber bis auf die paar wenigen, kleinen Lüftchen die durchs Restaurant ziehen, bleibt es hier sehr warm. Zur Abkühlung ordern wir Wasser und ein Glas Champagner.

4_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

Auf der Speisekarte finden wir zwei Menüs mit 5 und 8 Gängen. Jedem Gast steht es frei aus den total 13 Speisen zu kombinieren. Wie momenten en vogue, sind bei den Gerichten nur die einzelnen Komponente aufgeführt – die Zubereitungsart bleibt eine Überraschung.

Noch bevor wir die Bestellung aufgeben, erreicht uns ein erster kleiner Snack:

Ofenkartoffel [-/10]

Die Tessiner-Bergkartoffel, gefüllt mit Sauerrahm und Kaviar, ist fein. Die schwarzen Perlen haben es aber schwer sich gegen die restlichen Aromen zu behaupten. So bleibt der Auftakt dann auch eindimensionaler als erhofft.

5_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf.

Brot

Neben dem frisch gebackenen Brot, wird ein Dressing in Form von Salzflocken, Butter-Rahm und Kresse zum selberschneiden, aufgetragen. Damit kann sich jeder am Tisch sein Brot individuell bestreichen. Dies ist nicht nur originell sondern schmeckt auch richtig gut.

6_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

.

Häppchen Trilogie: Wachtel – Erbse / Bärlauch – Pilze / Schwertmuschel – Miesmuschel [7/10]

Die nächste Amada gelangt an unseren Tisch. Wegen den vielen unbenutzten Gläsern, Messern und Gabeln wird es kurzzeitig etwas unübersichtlich auf dem Tisch. Dabei verdienten die fantasievoll angerichteten Kreationen unsere vollste Aufmerksamkeit.

Während die ersten beiden Kompositionen zwar fein, aber etwas gar zurückhaltend schmecken, trumpft das Muschel-Arrangement auf. Wir staunen nicht nur wegen der sinnvollen Zubereitung (Muschel kann samt Schale gegessen werden) sondern auch ob dem wunderbar tiefen, meerigen Aroma, welches dies uns in den Gaumen zaubert. Gerne mehr davon!

7_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

8_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

.

Amuse: Simmentaler Rind – Perigordtrüffel – Kohlrabi [7/10]

Intensiv geht es weiter. Denn auch das Simmentaler Rind ist eindrucksvoll und wird als Carpaccio und als darin eingerolltes Tatar serviert. Eine fabelhafte Kombination. Kontrastriert wird das Ganze von harmonischen Gänseleberperlen. Diese schmelzen augenblicklich im Mund und setzen ein zauberhaftes Aroma frei. Die feine Perigordtrüffel-Sauce ist ebenfalls köstlich.

9_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

.

Marinierte Entenleber – Räucheraal – Ananas [6/10]

Wir sind froh, haben wir für den ersten Gang die Entenleber gewählt und kommen damit nochmals in den Genuss dieses köstlichen Produktes. Die Küchenbrigade weiss offensichtlich wie damit umzugehen. Sowohl Terrine als auch das Eis sind von sehr hoher Qualität und präzise zubereitet. Nur schade, dass das Zusammenspiel mit der Ananas nicht recht funktionieren will und damit keine Symbiose entsteht.

10_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

.

Gambero rosso – Pumpernickel – Kresse [-/10]

Dieses hochwertige Spanische Krustentier wurde uns vor ein paar Monaten zum ersten Mal im Lampart’s serviert. Dieses Exemplar hier, kommt zwar nicht ganz an die Qualität dieses Referenzproduktes heran, ist aber ebenfalls von guter Qualität. Mit den restlichen Komponenten werden wir weniger glücklich. Zwar gefallen uns die Krustentier-Consommé-Perlen, den Einsatz von Pumpernickel halten wir indess für unpassend.

11_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

.

Iberico Schweinebauch – Bretonische Auster – Radieschen [7/10]

Gleich zu Beginn gibt es gedanklichen Applaus gibt die tolle Sauce mit dem leicht sauren Akzent. Aber auch der Rest überzeugt: der aromatische Schweinebauch mit der krossen Haut und das knackige und geschmacksvolle Gemüse. Einzig die Auster ist zu viel des Guten und stört das sonst stimmige Erlebnis.

12_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

.

Bretonischer St. Peters Fisch – Jakobsmuscheln – Salzzitrone [6/10]

Der edle Fisch aus der Bretagne hat es hier nicht gerade einfach. Von verschiedenen Seiten her wird er flankiert und droht beinahe unterzugehen. So bleibt uns bei diesem Teller auch weniger der Hauptakteur in Erinnerung, als mehr die Nebendarsteller. Ganz stark die süffige Reiscrème und die hochwertigen Jakobsmuscheln, welche eindrucksvoll mit dem Zitrusaroma harmonieren.

13_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

.

Erfrischung: Weisse Schokolade – Passionsfrucht

Zur Erfrischung vor dem Hauptgang reicht man uns eine weisse Schokoladenkugel gefüllt mit süss-saurem Passionsfruchtsaft.

14_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

.

Muotathaler Kalb – Wildkräuter – Junge Zwiebel [7/10]

Der Hauptgang begeistert nicht nur wegen seinem tollen, zarten Fleisch, sondern auch wegen der wunderbar intensiven Zwiebelsauce. Diese wird von einem leichten Kräuterbouquet begleitet – elegant und trotzdem währschaft. Ein rundum überzeugendes Gericht.

15b_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

.

Gruyère rèserve aoc – Olivenöl – Culatello Salami [8/10]

Hervorragend der Käsegang: fruchtig, nussig, knusprig, fleischig – jeder Bissen eine Wohltat bei der nichts, vom im Mittelpunkt stehenden, gut gereiften Käse ablenkt. Mit so einer spannenden Komposition tröstet man locker über den fehlenden Käsewagen hinweg.

23_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

.

„Cheesecake“ – Vanille – Holunder [6/10]

Während das Original mächtig und schwer ist, schafft man mit diesem Cheesecake ein überraschend leichtes Dessert und vereint die drei namensgebenden Themen sehr gut zu einer sehr wohlschmeckenden Einheit.

16_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

.

Zitrusfrüchte – Karamel – Verveine [7/10]

Die Präsenation ist wunderschön, der Genuss hoch. Es macht Spass sich durch die abwechslunsreichen Texturen zu essen und dabei verschiedene Zitrusaromen zu entdecken. Das Caramel sorgt für den roten Faden. Kompliment an die Pâtissière die nicht nur ein sehr stimmiges Dessert schaffte, sondern auch ein angenehm leichtes.

17_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

Friandises [6/10]

Johannisbeeren – Sauerrahm / Himbeere – Guanaja Schokolade – Lakritz / Nougat – Calamansi – Fleur de Sel / Müsli – Waldbeeren – Milch / Kokos – Mandel – Weisse Schokolade / „Milchschnitte“ / „Tiramisu“ / „ECCO Mikado“

Handwerklich top, mag geschmacklich nicht alles zu überzeugen. Gerade die „Milchschnitte“ aber auch das „Mikado“ sind mehr Spielereien als kulinarische Bereicherungen. Da gefallen uns die wunderbaren Pralinen, das feine Caramel und das stimmige Waldbeeren-Müsli viel besser.

19_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

21_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

Für zu Hause: Curry-Mandeln

22b_ecco_ascona_giardino_rolf_fliegauf

Die Küchenbrigade: Simon Schneider, Doreen Marko (Patti), Rolf Fliegauf (Chef), Stefan Sell, Matthias Koppenwallner, Stefan Heilemann (Sous-Chef)

.

.

Fazit: Rolf Fliegaufs Handschrift hat sich seit unserem letzten Besuch stark verändert. Die Teller sind extrem präzis, die Anrichtung sehr filigran. Trotzdem haben die Gerichte nichts an Kreativität verloren. Im Gegenteil: Fliegaufs grosser Ehrgeiz ist bei jedem Gang spürbar. Bisweilen steht ihm dieser gar etwas im Weg, so wirken einzelne Gerichte überladen – gerade wenn sieben Komponente gleichzeitig um ihren Platz auf dem Teller kämpfen und damit vom Hauptakteur ablenken.

Trotzdem: das ganze Menü ist konstant auf sehr hohem Niveau, von Beginn weg spannend und perfekt getimt. Der Gast kann sich hinsetzen und fast 5 Stunden lang geniessen und staunen was alles aus der kleinen Küche kommt. Viel zum Genuss trägt auch das tolle Serviceteam bei. Sehr aufmerksam und mit grosser Freude begleiten sie die Gäste durch den Abend und sorgen, zusammen mit der Küchencrew, für ein wunderschönes Erlebnis.

Menü: Zur Auswahl stehen zwei Menüs. Eines mit 5 das andere mi 8 Gängen. Mit den toteln 13 Gerichten kann man sich ein eigenes Menü zusammenstellen. 3 Gänge 138.- / 4 Gänge 152.- / 5 zu 164.- / 6 zu 174.- / 7 zu 184.- / 8 zu 194.-. Begleitet wird jedes mit Häppchen, Amuse Bouche und Friandises.

Zeit: 4 Stunden und 45 Minuten dauerte das 8 Gänge Menü.

Wein: Neben der gut sortierten und umfangreichen Hotel-Weinkarte, bietet man den Gästen eine Weinbegleitung an. Diese wird bis 5 Gänge mit 74 Franken verrechnet, ab 6 Gängen mit 89.-. Der Wein wird sehr grosszügig nachgeschenkt.

Château Haut-Mayne 2010 – Frankreich – Bordeaux – Sauternex ac semillon
Savignin Blanc 2011 – Schweiz – Wallis – Nicolas Zufferey heida
Sileno 2011 – Schweiz – Mendrisio – Fratelli Corti – Chardonnay
Rebuh’s 2008 – Schweiz – Monteggio – Daniel Huber – Merlot Cabenet Franc – Cabernet Sauvignon – Carminoir
20 years old Tawny Port – Portugal – Douro – J. & W. Graham’s
Maximin Grunhauser Abtsberg 2010 – Deutschland – Mosel – Maximin Grünhaus Schlosskellerei C. von Schubert – Riesling Spätlese

Tipp: Wie schon beim letzten Besuch, war es auch diesmal wieder sehr warm. Es  empfiehlt sich eher lockere Kleidung zu tragen.

Online: Die Website bietet ein paar Fotos, Informationen und die aktuelle Speisekarte.

Wertung: Gourmör O7 / Michelin M2 / Gault-Millau GM16

Sonderauszeichnung: Hier fühlt man sich besonders wohl

(Besucht im Juni 2013)

Giardino in Ascona

Ascona, an wunderschöner Lage am Lago Maggiore gelegen, erinnert ein wenig an Saint-Tropez. Das ehemalige Fischerdorf im Maggiadelta nahe Locarno, entwickelte sich ab den 1950er-Jahren zu einem mondänen Ferienort. Heute wird Ascona vor allem von Urlaubern aus dem deutschsprachigen Raum besucht, die den Ort und seine Entwicklung geprägt haben: Luxushotels nehmen die schönsten Plätze in der Bucht ein und die Piazza Motta genannte Promenade am Seeufer, mit den stets voll besetzten Terrassen, den vielen kleinen Restaurants und Bars, in denen abends oft Livemusik ertönt, lädt zum Verweilen ein.

34_giardino_ascona

1_giardino_ascona

Eines dieser schönen Luxushotels ist das Giardino. Die 72 schönen Zimmer und Suiten sind grosszügige Oasen des Rückzugs und Wohlbefindens. Unser 34 qm grosses Doppelzimmer ist sehr gemütlich und bietet vom Balkon einen wunderbaren Blick auf den Garten.

33_giardino_ascona

23_giardino_ascona

Dieser mediterrane Garten mit seinen Lavendel, Mimosen, Zitrus- und Olivenbäumen, ist dann auch Mittelpunkt der wunderschönen Anlage. Hier kann man die Ruhe geniessen und bei einem Drink den Karpfen und Enten beim schwimmen zusehen.

30_giardino_ascona

Jeden Abend zwischen 18 und 19 Uhr gibt es im Weinkeller kostenlose Weintastings

15_giardino_ascona

Im Innen- und Aussenpool finden die Gäste eine Abkühlung und können es sich auf den bequemen Liegen und Lounges gemütlich machen. Aufmerksam: Wer bereits am morgen früh die ersten Längen schwimmt, den erwartet ein erfrischenden Tee mit vitualisierenden Kräutern. Später am Tag werden hier am Pool kleine Köstlichkeiten und kühle Drinks serviert.

29_giardino_ascona

4_giardino_ascona

Das Wohlbefinden der Gäste steht im Giardino im Zentrum. Das beginnt beim selbstgemachten Welcome-Drink, der von dem sehr freundlichen und aufmerksamen Personal serviert wird. Oder die Tatsache, dass man sich unkompliziert Velos und Mountenbikes (für die Kleinen stehen ebenfalls welche bereit) ausleihen kann und damit in 5 Minuten den Dorfkern erreicht. Wer lieber im Hotel bleibt kann sich zum Beispiel im schönen SPA entspannen.

24_giardino_ascona

26_giardino_ascona

Ein weiteres Highlight im Giardino ist das grosszügige Morgenbuffet, welches keine Wünsche offen lässt. Die Frühstücksterrasse direkt am Teich garantiert ebenfalls einen unvergesslichen Start in den Tag. Auch für den Mittag und Abend wird für eine Kulinarik auf hohem Niveau gesorgt:

Ecco – Das mit 2 Michelin Sternen ausgezeichnete Gourmetrestaurant bietet avantgardistische Speisen auf höchstem Niveau. Hier unser detaillierte Bericht über Rolf Fliegaufs Küche.

Aphrodite – Alexander Hausherrs Spezialität ist die moderne Interpretation mediterranen Köstlichkeiten. Der Gault-Millau zeichnet das Restaurant mit 15 Punkten aus.

Giardino Lounge – Seit zwei Jahren hat das Giardino auch direkt in Ascona ein Restaurant. Hier werden in ungezwungener Atmosphäre indische Speisen angeboten. Die Geschmäcker wurden leicht an die europäischen Gaumen angepasst. Die Preise sind sehr fair.

8_giardino_ascona

Giardino Lounge – das indische Restaurant ausserhalb des Hotels

9_giardino_ascona

Die indischen Speisen im Giardino Lounge

.

Ascona ist eine Reise wert. Wer den Aufenthalt krönen will, sollte unbedingt ein Zimmer im Giardino buchen. Das Hotel ist wunderschön, das Personal sehr professionell und äusserst Gästeorientiert. Auf einer Karte im Zimmer steht „Welcome Home“ – dieses Gefühl, zu Hause zu sein, hatten wir während dem ganzen Aufenthalt. Und so freuen wir uns schon heute bald wieder in unser zu Hause in Ascona zurückzukehren.

Giardino *****
Via del Segnale 10
6612 Ascona
Website

16_giardino_ascona

2_giardino_ascona

19_giardino_ascona

32_giardino_ascona

28_giardino_ascona

21_giardino_ascona

25_giardino_ascona

3_giardino_ascona 14_giardino_ascona

17_giardino_ascona

7_giardino_ascona

12_giardino_ascona

36_giardino_ascona

5_giardino_ascona

6_giardino_ascona

13_giardino_ascona

35_giardino_ascona

11_giardino_ascona

Anne-Sophie Pic in Lausanne

Nur gerade einer handvoll Köchinnen ist aktuell die Ehre zuteil, vom Guide Michelin mit 3 Sternen ausgezeichnet zu werden. Anne-Sophie Pic ist eine davon. Damit trat die Französin in die Fussstapfen ihres Vaters und Grossvaters, welche sich zuvor ebenfalls in den Michelin-Olymp gekocht hatten.

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_1Um ein Haar wäre es aber gar nie dazu gekommen, denn Anne-Sophie Pic hatte ursprünglich andere Pläne und bevorzugte ein Studium in Betriebswirtschaft. Nach nur wenigen Semestern, anfangs der 90er Jahre, kam die Meinungsänderung: die damals 22 jährige entscheidet sich die Pic-Dynastie fortzuführen und lernte das Kochhandwerk. Nachdem ihr Vater, erst 59 jährig verstarb, übernahm sie den Betrieb in Valence (F) und kochte 2007 den, durch den Tod des Vaters verloren gegangenen, 3. Stern zurück.

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_7

Zwei Jahre später ging ein Raunen durch die kulinarische Landschaft der Schweiz. Das fünfsterne Hotel Beau-Rivage Palace verkündete den Coup, dass Madame Pic im Nobelhotel eine Dependance eröffnen wird. Gäste, Gastroguides und nicht zuletzt Gastronomen im direkten Umfeld, waren gleichermassen gespannt, wie die Dame den Spagat, zwischen den beiden 300 km voneinander entfernten Restaurants, meistern wird und auf welchem Niveau in ihrer Filiale in Lausanne gekocht wird.

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_4

Das Ergebnis ist schnell erzählt: Die beiden grossen Gastroführer waren von Beginn weg voll des Lobes, zückten 2 Sterne, respektive 18 Punkte; die Gastronomen im direkten Umfeld arrangierten sich mit der neuen Konkurrenz mit Weltnamen und die Gäste waren begeistert und konnten gut damit leben, dass die namensgebende Spitzenköchin zwar das Konzept vorgibt, aber nur alle paar Wochen persönlich in Lausanne am Herd steht.

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_3

Um trotz der häufiger Abwesenheit die hohe Qualität und die Wiedererkennung ihrer Handschrift zu gewährleisten, beförderte Pic ihren langjährigen Mitarbeiter Guillaume Raineix an den Chefposten am Genfersee. Ihm ist es dann auch zu einem Grossteil  zu verdanken, dass das Anne-Sophie Pic nachhaltig einen guten Ruf errang und schon seit längerem sehr gut gebucht ist. So ist es heute, vier Jahre nach der Eröffnung, beinahe unmöglich kurzfristig an einem Freitag- oder Samstagabend einen Tisch zu bekommen und das obwohl das Restaurant zu den grösseren Gourmetrestaurants zählt.

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_6

Auch wir müssen heute auf den Lunch ausweichen. Da der Gast beim Mittagessen aber keinerlei Abstriche bei der Auswahl der Menüs machen muss, ist dies kein Problem. Wir freuen uns sehr auf das Essen im Anne-Sophie Pic und sind sehr gespannt auf die Leistung von Raineix und seiner Crew.

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_5

Das Restaurant kann man nur durch das imposante Beau-Rivage Palace betreten. Der eigentliche Eingang zum Anne-Sophie Pic liegt etwas versteckt am Ende eines langen Korridors. Ein schlichtes Schild macht auf das höchstausgezeichnete Restaurant der Stadt aufmerksam. Im Vorraum lächelt uns ein Konterfrei der grossen Chefin entgegen. Eine freundliche Empfangsdame begrüsst uns und begleitet uns in das elegante Restaurant. Die Einrichtung ist luxuriös und äusserst stilvoll. Beige Töne dominieren den Raum. Von vielen Tischen hat man einen Blick auf die Alpen. Im Sommer steht eine einladende Terrasse zur Verfügung. Die gut gekleidete und perfekt agierende Servicebrigade umsorgt uns von Beginn weg.

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_2

Zum Start fährt man den Apérowagen vor. Unsere Wahl fällt auf ein Glas Champagner von Billecart-Salmon. Wir lehnen uns in die bequemen Stühle und studieren die Speisekarte. Unser Entscheidung spielt sich zwischen den beiden Menüs „Pic Collection de Printemps“ (330.- Franken) und „Émotions“ (245.- Franken) ab. Da Beide den gleichen Umfang haben, uns aber das eine Gericht mit Kaviar den Mehrpreis nicht wert ist, entscheiden wir uns für das Günstigere.

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_10Aufmerksam blättern wir in der sehr umfangreichen Weinkarte mit 600 Positionen, um dann trotzdem nach einer Weinbegleitung zu fragen. Chefsommelier Thibaut Panas kommt dieser Bitte gerne nach und serviert uns anschliessend eine intelligente und gut selektionierte Weinbegleitung.

Den kulinarischen Auftakt bilden drei Häppchen:

Spargelwürfel mit getrockneten Algen – Geräucherter Tee Macaron mit saurer Sahne und Heringseiern – Gänseleberkugel mit Orange [6/10]

Die Trilogie, bestehend aus einem harmonisch-intensiven Spargelwürfel, einer etwas gar dezent schmeckenden Foie Gras Praline, mit einem Hauch Orange, sowie einem geräuchterten Tee Macaron, mit langanhaltendem Nachgeschmack, ist handwerklich perfekt und auch geschmacklich überzeugend.

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_8

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_9

.

Brot

Zur leicht gesalzenen Butter wird eine Selektion von verschiedenen, frisch gebackenen Brötchen angeboten. Das Giabatta ähnliche Olivenölbrot und das Parisette sind allesamt fein, das Cerealien-Brot ist gar hervorragend und etwas vom Besten was uns je aus einem Brotkorb gereicht wurde. So kann es gerne weitergehen!

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_12

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_11

.

Amuse Bouche: Ferra from Lémon, Yoghurt, Caviar France [10/10]

Ebenfalls ausgezeichnet schmeckt das Amuse Bouche. Wir schliessen die Augen, legen die Komposition in unseren Mund und staunen ab der unglaublich schönen Symbiose die sich in unserem Gaumen entwickelt. Zusammen mit dem Champagner und der Tatsache, hier in Lausanne in diesem wunderschönen Restaurant zu sitzen und von einer tollen Servicebrigade umsorgt zu werden, machen diesen Moment perfekt.

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_13

.

Carrot and orange blossom [9/10]

Fantasievoll geht es weiter. Mit diesem wunderschönen Karrotten-Arrangement stellt die Küchenbrigade auch ihr Talent zum Anrichtigen unter Beweis. Abwechslungsreiche Texturen, ein sehr harmonisches – wenn auch weniger intensiv als erwartet – Karrottenaroma und dazu ein wunderbares Dressing. Anfangs stark, wird das Gericht mit jedem Löffel noch besser. Am Schluss bleibt ein leerer Teller und im Gaumen ein langanhaltendes Aroma, bei dem etwas verzögert ein angenehmes Pfefferaroma aufblitzt. Ausgezeichnet!

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_14

.

Wild Scampi [9/10]

Nun liegen vor uns auf dem Teller zwei wunderschöne Kaisergranate. Ihr frischer Duft erfüllt den ganzen Tisch und steigert unsere Vorfreude. Das Gericht wird mit einer Suppe von grünem Sellerie finalisiert. Das Ergebnis überzeugt wiederum. Pic schafft auch hier ein sehr stimmiges, intensives Geschmacksbild mit hochwertigen Produkten im Mittelpunkt. Einzig die Süsse der Rhabarber wirkt etwas befremdlich.

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_15

.

Coastal Turbot [10/10] Ein besonderes Ess-Highlight

Dieses Gericht ist schlicht ein Traum. Wir sind ob dem perfekt zubereiteten Steinbutt und dessen hervorragenden Qualität sprachlos. Die Genialität erhält das Gericht aber durch das unglaublich tolle Zusammenspiel zwischen der Säure der Tomaten und dem süssen Vanille-Hauch. Die vier Tomaten, auf zwei unterschiedliche Arten zubereitet, setzen dem Gericht die Krone auf. Alles ist wohlschmeckend und am Gaumen so wunderbar komplex. Das ist eines der Gerichte, die man kaum verspeist, gleich nochmals ordern möchte. Wir tun es nicht, legen das Gericht aber an einem sehr exklusiven Ort in unseren Erinnerungen ab.

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_16

.

Sisteron Lamb [10/10]

Unsere Begeisterung gilt auch dem Hauptgang, welcher schlicht hervorragend schmeckt. Das Fleisch ist toll, die pointiert eingesetzte Minze ergänzt das Lamm traumhaft. Dazu erhalten wir geniale Mini-Raviolis, gefüllt mit rassigem Ziegenkäse. Jeder einzelne explodiert förmlich in unserem Gaumen – wow. Perfektioniert wird das Ganze von einer leicht rauchigen Sauce.

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_17

.

Käse

Von einem imposanten Käsewagen, mit schätzungsweise 50 verschiedenen Sorten, wählen wir unsere Highlights und bitten um ein paar Überraschungen. Dazu reicht man uns zweierlei Nussbrot, Konfitüre und hochwertige Haselnüsse. Zusammen mit dem gereichten Banyuls ist auch das ein Traum.

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_19

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_18

.

Pré Dessert: Ananas-Vanille Couli mit Sorbet von exotischen Früchten und Vanille Gelée [6/10]

Der Gruss vom Pâtissier ist sowohl leicht als auch fruchtig intensiv. Unsere Vorfreude auf das eigentliche Dessert wächst, wobei wir hoffen, dass man noch einen Zacken zulegen wird.

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_24

.

Strawberry and Gruyère Cream [10/10]

Und dann zum Abschluss nochmals ein Paukenschlag: Das Dessert schmeckt spannend, facettenreich und sehr fruchtig – jeder Bissen ist ein Hochgenuss. Die Kombination ist eigentlich simpel, aber dank der hervorragenden Umsetzung ein wahrer Desserttraum!

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_22.

Friandises [9/10]

Zum Glück lässt uns der Pâtissier nicht laufen, ohne uns seine Friandises zu servieren. Wie schon bei den Häppchen zum Start, beschränkt man sich auch jetzt auf eine kleine Auswahl, sorgt aber dafür, dass es diese in sich hat. Und so überzeugt jedes der Drei – mal sauer limettig, mal schokoladig und dann nussig – gemeinsame Nenner? Alles schmeckt intensiv und uneingeschränkt toll.

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_23

.

Schokolade

Auch bei den Schokoladen-Dropsen zum Kaffee gibt man sich keine Blösse. Auch hier setzt man auf Qualität statt Quantität und bietet vier überzeugende, intensive und süsse Häppchen.

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_21

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_20

anne_sophie_pic_lausanne_beau_rivage_palace_Guillaume_Raineix

Anne-Sophie Pic mit Guillaume Raineix

.

Fazit: Noch selten hat uns ein Restaurantbesuch dermassen begeistert! Die Gerichte sind elegant abgeschmackt und auf allerhöchstem Niveau. Die Teller sind sehr schön angerichtet, wobei der Fokus klar auf der hochwertigen Produktqualität liegt. Unnötige Spielereien haben in der Welt von Anne-Sophie Pic keinen Platz. So serviert man auch nur wenige Häppchen und Friandises und überlässt die Effekthascherei anderen.

Dass wir uns hier so wohl gefühlt haben, ist auch der Verdienst der erstklassigen Servicebrigade und dem äusserst gemütlichen Restaurant mit seinem edlen Interieur. Wir haben hier drei der schönsten kulinarischen Stunden erlebt und sind uns sicher, dass die Brigade den 3. Stern bald nach Lausanne hohlen wird.

.

Menü: Zwei 6 Gänge Menüs (Käsewagen inklusive) werden angeboten. Das Menü Émotions für 245.- und das Pic Collection de printemps für 330.-. Dazu gibt es ein Amuse, pré dessert, Friandises und Schokolade. Die à la carte Auswahl ist ebenfalls sehr interessant. Vorspeisen kosten zwischen 56.- und 115.- / Hauptspeisen 85.- und 120.- Franken / Desserts je 40.-.

Zeit: Das Tempo war angenehm. Lediglich zwei Gerichte wurden etwas gar schnell aufeinander serviert. Das Menü dauerte am Mittag 3 Stunden.

Wein: Die Weinkarte ist sehr umfangreich. Auf Wunsch bietet man auch eine Weinbegleitung an. Diese war hervorragend auf das Menü abgestimmt und hat grossen Spass gemacht:

Sancerre „Flores“ V.Pinard 2010
Païen d’Enfer H. Valloton-à 2012
Nuits Saint Georges „La“Gerbotte“ Domaine de l’Arlot 2010
Syrah S. Maye 2010
Banyuls „Tradition“ Domaine de Ballaury 1993
Ximenez-Spinola „Exceptional Harvest“

Die Weinbegleitung wurde mit 100 Franken verrechnet.

Online: Die Website ist zwar etwas unübersichtlich dafür sehr umfangreich und stilvoll.

Wertung: Gourmör O10 / Michelin M2 / Gault-Millau GM18

Sonderauszeichnung: Top-Service, hier kann man die Seele so richtig baumeln lassen

(Besucht im Mai 2013)