Schönere Ferien Dank Michelin

Unsere Südengland Ferien sind leider bereits wieder vorbei. Die zwei Wochen waren toll und der Guide Michelin im Handschuhfach hat die ganze Reise massiv aufgewertet. Ich kann allen die ein Land bereisen in dem es eine Ausgabe dieses roten Führers gibt zum Kauf des Buches raten – es lohnt sich allemal. Denn man findet darin in jeder Region tolle Hotels und B&B welche dank kleinen Symbolen zeigen ob diese den eigenen Bedürfnissen entsprechen (hat es ein Parkplatz, ein Pool usw.). Ebenfalls sieht man schnell ob das Hotel an einer ruhigen Lage ist und ob man eine schöne Aussicht geniessen kann. Die klare Angabe des Zimmerpreises hilft bei der Planung ebenfalls enorm da man dadurch nicht jedes einzelne Hotel im Internet besuchen muss sondern bereits im Vorfeld die Häuser die nicht im Budget ignorieren kann.

Dank Michelin haben wir zum Beispiel diese tollen und preiswerten Häuser entdeckt:

Little Langford Farmhouse in der Nähe von Salisbury (für mich ist dies ganz klar eine „rote“-Markierung für „Angenehme Unterkunft“ wert)
The Marstan in Torquay
Molesworth Manor in der Nähe von Padstow
Oldfields in Bath

Dabei interessiert es mich nicht ob ein Hotel zwei oder vier Sterne vom Tourismus-Verband erhalten hat. Was bringen mir Sterne die für gewisse Ausstattungen vergeben werden jedoch nichts über die Qualität des Frühstücks, den Zustand und die Sauberkeit des Hotels aussagen? Ich bevorzuge lieber ein sauberes Badezimmer als einen Schuhpolierer. Beim Guide Michelin kann ich davon ausgehen, dass das Hotel sauber ist und über einen gewissen Standard verfügt – diese werden in einer Michelin eigenen Abstufung vergeben.

Im Buch sind auch alle empfohlenen Sehenswürdigkeiten angegeben (Aus dem grünen Michelin Reiseführer) und man kann dadurch sehen welche Orte man unbedingt besuchen muss (1 Stern = Interessant / 2 Sterne = Empfehlenswert / 3 Sterne = Sehr empfehlenswert).

Dazu kommen die empfohlenen Restaurants, und im Falle von England, auch Pubs. Wir haben die Empfehlung der Michelin Inspekteure oft verfolgt und wurden immer belohnt. Das Klischee, dass man in England nicht gut essen könne, kann ich überhaupt nicht unterstreichen – man muss einfach wissen wo. Und dabei sind diese Restaurants in denen die Speisen mit Liebe und frischen Zutaten zubereitet werden keinen Penny teurer als die Anderen.

Hier eine kurze Übersicht der besuchten Restaurants aus dem Guide Michelin:

The Chili Pickle in Brighton – Sehr moderne indische Küche mit tollen Aromen und einer detailverliebten Zubereitung. Der Bib Gourmand (günstig und sehr fein) ist klar verdient.

Moonrakers in Alfriston, einem alten Schmugglerdorf (toll!). Ein kleines Restaurant, die Küche ist sehr modern und es war sehr fein.

Brasserie Blanc in Portsmouth. Eines von zehn Brasserie Blanc Restaurants welche Raymond Blanc gehören. Eine heimelige aber grosser Brasserie in der tolle französische Speisen serviert werden.

The Angel Inn in Heytesbury. Ein schönes Pub mit leicht abgetrenntem Speisebereich. Wir genossen da einen genialen, warmen Camembert mit roten Zwiebeln welcher man mit Brotstangen wie ein Fondue essen konnte.

The Cary Arms in der Nähe von Torquay. Das oben erwähnte Pub mit einer wunderschönen Aussicht. Hier genoss ich einen wunderbaren Lobster.

Porthminster Beach Café in St. Ives. Das Restaurant steht direkt am Strand und bietet eine wunderschöne Aussicht. Die Preise sind gemessen am Gebotene doch etwas zu hoch. Die „rote“ Auszeichnung für „Angenehmes Restaurant“ ist nicht nachvollziehbar weil es sehr laut und dadurch ungemütlich war. Auch der Service patzte einige male.

The Black Rock in St. Ives. Kleines Restaurants an dem feine und günstige Speisen serviert werden. In unseren Augen drängt sich der Bib Gourmand aber nicht auf.

Dazu haben wir noch das Essen in drei Restaurants welche mit jeweils einem Michelin Stern ausgezeichnet wurden. Diese detaillierten Berichte folgen in den nächsten Wochen. Auf jeden Fall kann ich jetzt schon sagen, dass die Britische Esskultur der Amerikanischen recht ähnlich ist. Und zwar muss vieles relativ schnell gehen. Das bedeutet auch, dass die Tische vielerorts bis zu drei Mal pro Abend vergeben werden. Deshalb wurden die Vorspeisen oft bereits nach wenigen Minuten serviert und auch die restlichen Abläufe waren relativ schnell. Dazu kommt es, dass es in Britischen Restaurants grundsätzlich immer zu laut ist. Zwei der drei Sterne-Restaurants bildeten dabei eine willkommene Ausnahme – dazu aber bald mehr.

Wer ein Land mit Genuss bereisen möchte, soll sich ein Auto mieten und die vielen Tipps zum Schlafen, Essen und Besichtigen des Guide Michelin befolgen. Ich wünsche schöne Ferien!

Tantris, München (D)

Als der Schweizer Architekt Justin Dahinden, das im Jahr 1971 erbaute ‚Tantris‘ plante, ahnte er noch nicht welch Bedeutung dieses Restaurant 40 Jahre später haben wird.  Zuerst schuf es dem Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann eine Plattform für sein Handwerk. 1979 übernahm dann die Kochlegende Heinz Winkler die Küchenbrigade und erkochte 1982 als jüngster 3-Sterne-Koch, im Alter von 33 Jahren den dritten Stern (Andreas Caminada erkochte sich ebenfalls mit 33 Jahren den 3. Stern jedoch war er beim Erhalt ein paar Monate älter als Winkler). Diese 3 Sterne behielt das ‚Tantris‘ eine ganze Dekade. Nach dem Abgang von Winkler übernahm der damalige Sous Chef Hans Haas und dieser führt noch heute die Küche und hält 2 Sterne im Guide Michelin und 18 Punkte im Deutschen Gault Millau.

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Bei dem grossen Weinkeller von über 50’000 Flaschen empfiehlt es sich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Da wir das ‚Tantis‘ an einem heiss-schwülen Donnerstagmittag besuchten, freuten wir uns auf einen schön klimatisierten Raum. Zumal man sich gemäss Reservationsbestätigung „angemessen kleiden“ sollte. Die Krawatte liessen wir zwar im Auto aber das lange Hemd wurde trotz Hitze angezogen. Umso ernüchternder dann die Information beim Eintreffen, dass man das Essen heute im Garten servieren wird.

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Wobei man Garten in Gänsefüsschen schreiben müsste da dieser Teil des Restaurants sichtlich wenig mit einem solchen gemein hat. Stattdessen sitzt man auf (schön designte) Plastikstühlen und diese stehen wiederum auf einem grünen Tartan-Boden den man von der Laufbahnen kennt. Wirklich gemütlich ist dieser Teil des Restaurants nicht. Dazu kamen die 33 Grad Sommerhitze welche sich unter den heruntergefahrenen Sonnenstoren anstauten. Ich war nicht der Einzige dem es die Schweissperlen auf die Stirn trieb. Dass man dem Gast alternativ auch einen Platz drinnen anbietet würde wäre sehr wünschenswert.

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Dass wir uns im tüppigen Garten mit den unschönen Messingpfeilern trotzdem wohl fühlten ist dem tollen Service zu verdanken. Trotz der höchsten Professionalität hat es immer wieder Platz für einen Spruch oder einen kurzen Schwatz. Beim Gang auf die Toiletten sah man dann auch die eindrucksvolle Innenarchitektur des Restaurants. Unglaublich wie zeitlos und modern die Einrichtung ist (Fotos gibt es am Ende des Berichts). Ebenfalls aufgefallen sind mir die vielen Tische. An einem ausgebuchten Abend werden hier über 100 Gäste bewirtet.

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Brot und Butter [5/10]

Das Brot war zwar fein, mochte mich aber nicht zu begeistern. Auch die Butter war einfach „nur“ normal. Zumindest eine gesalzene Variante hätte ich begrüsst.

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Sardine in Sepia eingefärbtem Knuspermantel frittiert auf Curry [7/10]

Unser Menü startete mit einem kleinen Gruss aus der Küche. Eine frittierte Sardine in einer mit Sepia-Tinte gefärbten Kruste. Der Fisch war sehr fein und hatte trotz frittiertem Mantel ein schönes Eigenaroma. Die toll abgeschmeckte Currysauce passte super zum Fisch. Die weisse Crème-Frâiche hätte es nicht gebraucht.

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Pochierte Terrine von Gänseleberparfait mit Mispeln, Sellerie und Brioche [8/10]

Ein schöner und wunderbar in diese Jahreszeit passender Gang. Die Terrine hatte ein gutes Aroma und der Geschmack nach Gänseleber kam immer wieder durch. Zusätzlich wurden in der Küche auf ein etwas zu trockenes Brioch, modische Gänseleberspäne geraffelt. Diese schmeckte aber eher nach Speck und Rauch als nach Leber. Apropos geräucherter Speck, eine solche Scheibe von der Ente lag ebenfalls auf dem Teller.

Dem Gericht die Krone aufgesetzt haben die vielen süssen Komponenten auf dem Teller welche die Leber-Terrine vorzüglich begleiteten. Die fruchtigen Dressings und die tollen Mispeln. Einzig der Komponente „Sellerie“ setzte keine Akzente.

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Ausgelöster Hummer mit Sepiaravioli und Artischockencrème [7/10]

Der Hummer war so wie die Natur ihn schuf – also ungewürzt und dadurch eher fad. Leider war er auch etwas gummig. Viel besser, ja sogar richtig genial dann der Ravioli mit Sepia-Tinte (Sepia zum Zweiten). Die Füllung hatte einen tollen Eigengeschmack – der Inhalt selber wurde nicht angekündigt aber das war vom Aroma und Konsistenz her kein Sepia sondern eher Flusskrebs. Auf jeden Fall absolut toll! Auch die perfekt zubereitete Aubergine überzeugte sehr. Das Ganze lag in einem sehr feinen Sud in dem auch noch ein paar Spinatblätter ihren Auftritt hatten. Das schwarze Chips ist übrigens aus Kartoffeln und hat die Farbe… genau von der Sepia-Tinte (zum Dritten). Geschmacklich erinnerte der Chip übrigens sehr stark an die neuen Zweifel Graneo.

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Sautiertes Kalbsbries mit Kopfsalatpürée und Trüffeljus [8/10]

Beim lesen von Trüffeljus dachte ich zuerst an Trüffel Öl aber zum Glück kommt so etwas gar nicht in Haas Küche. Hier wurde nämlich schwarzer Trüffel eingekocht. Kleine Stückchen dieser Rarität schwammen dann auch im Jus. Leider konnte man auch mit der höchsten Aufmerksamkeit keine Geschmacksnuancen von dieser Edelknolle ausmachen. Zum Glück schmeckte der Jus aber auch so sehr fein – wenn auch nicht so intensiv wie erwartet.  Das Kopfsalatpürée war alles andere als spannend. Klar ist es schwierig ein Gemüse das aus über 90% aus Wasser besteht zu einem kulinarisch hochstehenden Pürée zu verwandeln aber wenn es so schmeckt wie hier, lässt man es besser sein.

Ganz den Erwartungen entsprachen die tollen Milken. Für mich immer noch total unverständlich, dass so viele Menschen diese Innereien (Kalbsdrüsen) nicht mögen respektive nicht einmal probieren. Die schmecken einfach wunderbar, vor allem wenn sie so toll zubereitet werden wie diese hier. Ach ja, im Jus hatten auch ein paar Spinatblätter ihr Revival (zweiter Auftritt).

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Gebratener Seeteufel mit Gnocchi und Bouillabaissesud [8/10]

Als mir der Hauptgang serviert wurde war ich schon ziemlich enttäuscht. Wieder ein Sud, wieder die Sepia-Tinten (zum Vierten)-Chips (Teil 2) und schon wieder Spinat (dritter Auftritt) – sogar die Optik war gleich wie bei den beiden vorherigen Gerichten. Hat man vom Vorabend noch Restbestände? Wird das Menü so oft gewechselt, dass man schon innerhalb einer Menüabfolge die Übersicht verliert? Sogar der Sud erinnerte mich extrem an die Hummervorspeise. Dieser Hauptgang war dann leider auch die erste Speise in einem Sternerestaurant welche ich nach den ersten paar Bissen am liebsten stehen gelassen hätte. Nicht weil es nicht gut schmeckte sondern weil es total langweilig und uninspirierend war X-Mal das Selbe zu essen.

Eigentlich sehr schade für den toll zubereiteten Seeteufel. Der Garpunkt wurde voll getroffen. Zudem war der Fisch super abgeschmeckt. Im Kontext zum ganzen Menü gäbe es hier nur einen Punkt auf meiner Skala und zwar für den überzeugenden Fisch und die super tollen Gnocchi. Unabhängig gewertet, also als hätte man nur diesen einen Teller geordert, ist das Gebotene klar auf dem 7 Punkte Niveau.

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Dessert aus Himbeeren und Champagner [7/10]

Wir konnten uns beim Dessert nicht entscheiden und so überraschte uns der Maître gleich mit zwei Nachspeisen. Eine sehr tolle Geste, vielen Dank! Das Himbeeren Dessert stammte aus einer feinen Himbeer-Schnitte, eingelegten Himbeeren (zu wenig reif/süss), einem caramellisierten Vanilleküchlein in einer tollen Tartelette und zu guter Letzt aus einem Sauerrahm Glacé mit wenig Geschmack. Der Auftritt vom Champagner blieb unbemerkt.

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Mascarponesoufflé mir Pfirsichen und Vanilleeis [7/10]

Das Soufflé darf auf der Dessertkarte des ‚Tantris’ nie fehlen. Und so zauberte die Küchencrew eine perfekte und schön warme Variante auf den Tisch wie man sie nur noch selten bekommt. Der Zitronengeschmack war zwar nicht angekündigt passte aber sehr gut. Dazu gab es reifen Pfirsich in Erdbeersauce und eines der besten und intensivsten Vanille-Glacé das ich jemals essen durfte.

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Friandises [7/10]

Zum besten Kaffee den mir jemals serviert wurde (eigene Bohnenmischung) gab es dann noch eine Auswahl an Friandis. Am Nebentisch, an dem vier Leute assen, gab es noch eine viel grössere Auswahl. Die Patisserie scheut also überhaupt keinen Aufwand. Bei den verschiedenen Küchlein überzeugten vor allem die bereits erwähnten tollen Tartelettes und beim Blaubeerenstück die super Füllung. Das Himbeer-Kokos Häppchen ist noch erwähnenswert da die Mischung recht speziell war aber sehr gut passte. Und auch das sehr feine Schokoladen Häppchen mit Fruchtgelée Füllung war ein Genuss.

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Fazit: Die beiden Desserts und die Friandises konnten nicht über den Fauxpas der Küche, betreffend des Vorhergehende hinweg trösten. Ich habe mich auf ein tolles Menü in einem schönen Restaurant gefreut am Ende war das Gebotene spätestens nach der dritten Wiederholung langweilig und das Ganze ass man zudem in einer viel zu heissen Umgebung. Die Enttäuschung über das Menü hat aber überhaupt nichts mit den einzelnen Speisen zu tun sondern mit der oben erwähnten Einfallslosigkeit und den damit verbundenen Wiederholungen. Wie will man nach dem dritten Repetieren noch begeistert vor dem Teller sitzen?

Abgesehen von der Menüfolge waren die einzelnen Gänge auf sehr hohem Niveau und konnten allesamt überzeugen. Alles war sehr präzis und harmonisch auch wenn die einzelnen Saucen noch einiges intensiver hätten sein dürften. Zudem hat man immer wieder gemerkt, dass noch mehr drin liegt und dass man hier zum Mittag nicht das volle Können abruft. Zum Sichergehen ob dem so ist und ob die konsequente Sorgfalt der Menü-Zusammenstellung erst am Abend zum Zug kommt, benötigt es einen zweiten Besuch. Leider ist München nicht gerade mein regelmässiges Revier. Da die Speisen aber sehr überzeugten würde ich hier gerne wieder einmal einkehren. Dann werde ich mich aber für ein Abendessen entscheiden und einen Regentag abwarten um ganz sicher zu gehen, dass man uns diesmal ins Innern des ‚Tantris‘ setzt.

Menü: Das Mittagsmenü wird in drei Gängen zu 65 € und in 5 Gängen zu 100 € angeboten dazu kommt eine kleine Auswahl an einzelnen Gerichten. Im 5 Gang Menü kann man sich bei einer Vorspeise, im Hauptgang und beim Dessert jeweils zwischen zwei Varianten entscheiden. Am Abend gibt es neben einer à la carte Auswahl ebenfalls ein 5 gängiges (140 €) sowie ein 8 gängiges (165 €) Gourmetmenü. Das Menü wird bei jedem Service neu zusammen gestellt. Wie man aber aus verschiedenen Berichten liest, wiederholen sich einzelne Elemente sehr oft.

Wein: Zum kleinen Mittagsmenü gab es für 20 € zwei korrespondierende Weine, beim grossen Menü gab es kein fixes Angebot. Das neue Sommelier-Team stellte uns aber gerne zu jedem Gang ein passendes Glas zusammen. Die Auswahl überzeugte fast durchgängig  und wurde mit 89 € verrechnet.

Online: Die Homepage ist toll gestaltet und zeigt die Schönheit des Restaurants. Da das Menü regelmässig wechselt gibt es keine aktuelle Karte sondern lediglich Beispiele. Auch Bilder der Speisen vermisst man auf der Website.

Wertung: Gourmör / Michelin / Gault-Millau

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The Fat Duck, Bray (GB)

Seitdem Ferran Adrià sein ‚El Bulli‘ geschlossen hat ist ‚The Fat Duck‘ auf Platz 1 der Restaurants in denen es am schwierigsten ist einen Tisch zu bekommen. Deshalb möchte ich die wichtigste Frage gleich vorweg beantworten:

Wie reserviert man in The Fat Duck einen Tisch?

– Man sucht sich sein Wunschdatum raus. Das Restaurant hat von Dienstag bis Sonntag (Lunch) und Dienstag bis Samstag (Diner) geöffnet.

– Genau zwei Kalendermonate vorher kann man telefonisch einen Tisch reservieren. Das bedeutet, dass man für einen Tisch am 3. Juni exakt am 3. April anrufen muss. Fällt der Anruf-Tag auf einen Samstag oder Sonntag (an diesen Tagen ist die Reservationsabteilung geschlossen) muss man am Montag anrufen. Am Montag wird dann der Tisch für drei Abende vergeben. Falls man einen Tisch für am 31. Juli reservieren will muss man dies am 1. Mai tun.

– Das Reservationsteam nimmt die Anrufe um 10.00 Uhr entgegen. Da England eine Stunde hinterher ist, muss man bei uns um 11.00 Uhr anrufen.

– Am besten organisiert man ein paar vertrauensvolle Helfer denen man seine Kreditkartendaten geben kann und die einem beim Anrufen unterstützen.

– Um 11 Uhr gilt es ernst. Nun muss man die Nummer der ‚The Fat Duck‘ wählen. Zu 99% erklingt jetzt ein Besetztzeichen. Gleich aufhängen und die Redial-Taste drücken. Da man nicht in eine Warteschlange kommt sondern nur das Besetztsignal erklingt gibt es ende Monat zumindest keine hohe Telefonrechnung.

– Irgendwann (bei uns um 11.21 Uhr) erklingt ein Band mit einer Ansage und der Bitte man soll in der Warteschlaufe bleiben. In dieser Situation ja nicht auflegen, denn man hat es fast geschafft!

– Etwa 6 Minuten später nimmt eine freundliche Mitarbeiterin die Reservation entgegen. Nun wird auch nach der Kreditkartendaten gefragt. Von dieser werden pro Person 150 £ abgebucht falls man ohne Absage nicht im Restaurant erscheint. Man erhält jedoch eine Woche vor dem Besuch einen Erinnerungsanruf. Zu guter Letzt wird man gefragt um welche Zeit man komm.

=> Die Reservation ist aufwändig. Im Gegenzug wird jeder Gast gleich behandelt. Es spielt also keine Rolle wie viel Geld man hat oder wie prominent man ist.

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Geschafft! Jetzt muss man an dem gewünschten Tag nur noch nach Bray kommen. Ab London Paddington erreicht man Maidenhead in einer cirka 25 minütigen Zugfahrt. Von dort geht es mit einer kurzen Taxifahrt zum Dorf Bray. Im 8’000 Seelen Dorf findet man einige gute Restaurants. Unter anderem  stehen hier zwei der vier 3-Sterne Restaurants die es im Königreich gibt. Weiter findet man hier ein Pub welches mit einem Michelin Stern ausgezeichnet ist. Letzteres gehört wie ‚The Fat Duck‘ dem Briten Heston Blumenthal. Blumenthal ist ein Autodidakt der sich die Kunst des Kochens im Alter von 16 selber beigebracht hat. Der heute 45 Jährige zählt zu den bekanntesten Köchen auch Dank seiner molekularen Vorreiterrolle. Seit diesem Jahr betreut Blumenthal zudem im Mandarin Oriental in London ein weiteres Restaurant.

Ob sich der ganze Aufwand mit der Reservation und der Anreise überhaupt lohnt erfahrt ihr im folgenden Bericht.

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Kaum hatten wir das Restaurant betreten, gingen wir auch gleich wieder rückwärts hinaus. Wir waren nämlich überzeugt, dass wir den falschen Eingang erwischt hatten da wir direkt im Restaurant neben speisenden Gästen standen. Doch nirgends fanden wir eine andere Tür die uns in diesen kulinarischen Tempel bringen wollte. So versuchten wir dieselbe Tür noch einmal und liefen, begleitet von den Blicken der anderen Gäste, ein paar Schritte ins Restaurant hinein. Die Decke hing Tief, die Einrichtung war schlicht. Lediglich ein paar wenige zweifarbige Bilder zierten die weissen Wände. Ein Mitarbeiter begrüsste uns sehr freundlich und begleitete uns zum weiss gedeckten Tisch.

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Musik war keine zu hören. Blumenthal will den Fokus anscheinend auf das Wesentliche fokussieren. Eigentlich ein heimeliges Restaurant wenn da nur nicht diese kalte Luft aus der Klimaanlage wäre. Die Frauen in ihren dünnen Abendkleidern taten mir fast leid. Aber auch abgesehen von der Kälte gewinnt das Restaurant bestimmt keinen Preis in punkto Gemütlichkeit. Der Geräuschpegel war nämlich viel höher als in vergleichbaren Restaurants. Das hat natürlich damit zu tun, dass es für viele eine Sensation ist in einem solchen Restaurant zu speisen und da musste natürlich oft mit Blitz fotografiert werden. Zudem gab es auch zwei 4er und ein 6er Tisch in dem kleinen Raum welche den Geräuschepegel zusätzlich anhebten. Aber hey, damit musste man rechnen und gegen die Kälte kann man ja etwas Wärmeres anziehen.

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Das Brot in der ‚The Fat Duck‘ kommt aus London, genauer von der ‚Boulangerie de Paris‚. Es schmeckte fein und wurde in einer hellen und einer dunklen Variante serviert. Die aus Wales stammende Butter war richtig speziell und schmeckte super.

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Randen – Meerrettich [10/10]

Bevor wir die Weinbibel (extrem umfangreich!) fertig studieren konnten, wurde uns ein Gruss auf den Tisch gestellt. Eine Art Macaron in der Variante Randen und Meerrettich. Es schmeckte einfach grossartig! Super frisch, tolle Konsistenz, wunderschöne harmonierende Aromen, genial abgeschmeckt!! So muss ein Menü starten. Ich fand es lediglich speziell, dass jeder Gast nur einen Happen gereicht bekam. Der kleine Teller mit diesen kulinarischen Perlen ging auf dem Tisch beinahe unter. Es wäre hier zudem sicher spannend gewesen wenn man verschiedene Geschmackskombinationen hätte probieren können. Aber eben, lieber Qualität als Quantität.

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Nitro Poached Aperitifs (Vodka and Lime Sour / Gin and Tonic / Campari Soda) [-/10]

Die Show ist super. Zuerst wurde ein Wagen an den Tisch gefahren. Darauf stand ein Gefäss in das flüssiger Stickstoff geleert wurde. Danach konnte jeder Gast zwischen drei verschiedenen Apéretifs auswählen. Diese waren bereits gemischt in einem Bläser. Der Servicemitarbeiter presste den gewünschten Geschmack in den Stickstoff, wendete es mit dem Löffel, zog es raus und „würzte“, den nun erkalteten Happen mit zusätzlichem Geschmack. Bevor man diesen in den Mund nehmen durfte, sprühte man uns noch einen Zitronengeschmack in die Luft.

Der Effekt ist beeindruckend – geschmacklich aber nicht weiter erwähnenswert.

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Red Cabbage Gazpacho – Pommery Grain Mustard Ice Cream [8/10]

Das Pommery Senf Eis lag bereits im Teller. Das schon fast lila aussehende Rotkraut wurde direkt am Tisch dazu geleert. Die Geschmackskomponente Rotkraut und Senf passten überraschend gut zusammen. Zudem war beides perfekt ausbalanciert und beide Aromen hatten gleich viel Anteil am intensiven Gesamtgeschmack. Toll!

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Jelly Of Quail, Crayfish Cream – Chicken Liver Parfait, Oak Moss and Truffle Toast [10/10]

In die Mitte des Tisches wurde ein Stück Moos, welches in einer Holzbox stand, gestellt. Darauf lag pro Gast eine kleine Plastikbox parat. Darin wartete ein hauchdünnes, transparentes Plättchen auf seinen Einsatz. Man wurde aufgefordert dieses auf die Zunge zu legen. Schnell verbreitete sich im ganzen Gaumen ein Geschmack von Wald. Um auch das Auge in Stimmung zu versetzen wurde eine Flüssigkeit über das Moos gegossen und ein starker, geruchsneutraler Rauch breitete sich stimmungsvoll über den ganzen Tisch aus – ein toller Effekt.

Vor uns wurde dann das Essen aufgestellt. Auf der linken Seite ein dünnes knuspriges Bisquit auf dem getrockneter Trüffel lag. Auf der rechten Seite, in einem sehr schönen Geschirr, wartete das mehrschichtige Highlight. Von Aussen sah man nur das Hühnerleber Parfait. Tauchte man aber den Löffel ein, durchdrang man eine Schicht Wachtelgelée sowie eine Flusskrebs Crème. Ganz unten warteten noch ein paar Erbsen.

Man empfahl uns ein Stückchen Trüffel-Toast auf den Löffel zu legen und dies mit der Crème zu vermischen. Der Geschmack war extrem intensiv, spannend und eine unglaubliche Wucht; so als würde man einen ganzen Wald und seine Leckereien essen. So muss es im Schlaraffenland schmecken wenn man sich auf den weichen Moosboden nieder lässt, die Augen schliesst, den Mund öffnet und einfach geniesst…

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Snail Porridge – Iberico Bellota Ham, Shaved Fennel [10/10]

Die Basis dieses Gerichts besteht aus Haferflocken welche im Schneckensud gekocht wurden. Die von der Petersilie stammende grüne Farbe hat Blumenthal absichtlich gewählt. Er ist nämlich überzeugt, dass es dem Gast einfacher fällt diese Komposition zu essen wenn dieser es mit den bekannten, mit Kräuterbutter überbackenen, Schnecken assoziiert. Deshalb hat es auch eine leichte Knoblauch Note in das Gericht geschafft der natürlich super zu den Schnecken passt.

Apropos Schnecken, nun kenne ich endlich deren wahren Geschmack! Während man im ‚The Restaurant‘ im Dolder die Weinbergschnecken mit fremden Geschmäcker überhäufte, schaffte es die Crew hier den Eigengeschmack der Kriecher zu erhalten. Auch sonst passte einfach alles unglaublich gut zusammen und es schmeckte rund und genial. Toll auch der Fenchel der dem Gericht den nötigen Biss und eine zusätzliche Frische-Note gab. Ich war begeistert!

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Roast Foie Gras – Barberry, Braised Konbu And Crab Bisuit [10/10] Ein besonderes Ess-Highlight

In dem Moment als ich das erste Stück Entenleber auf meine Zunge legte verbreitete sich in mir ein unglaubliches Gefühl. Ich schloss meine Augen und ein intensives Aroma breitete sich in meinem Gaumen aus und wanderte mit Glück und Zufriedenheitsgefühlen bis ins Herz. Was will man da noch schreiben, für so etwas gibt es keine Worte. Diese Entenleber ist das Beste was ich je gegessen habe!

Der Nutzen des auf dem Teller klebenden Seetangs erschloss sich mir nicht. Auch die säuerlich schmeckende Berberitze liess ich nicht an die Leber ran – zu gross war die Angst damit den Geschmack zu trüben. Alles andere als überflüssig war das hauchdünne Krabbenbisquit. Dies war richtig toll und intensiv im Geschmack und war eine wunderbare Ergänzung zur Leber.

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Mock Turtle Soup – „Mad Hatter Tea“ [8/10]

Mitte des 19. Jahrhunderts konnten sich viele Briten die beliebten Suppenschildkröten für die „Turtle Soup“ nicht mehr leisten.  Also musste eine Alternative her. Die fand man am Kalb, genauer gesagt beim Kalbskopf und Kalbsfuss.

Als der Schriftsteller Lewis Carroll im selben Jahrhundert sein „Alice im Wunderland“ schrieb, hielt die Figur „Mock Turtle“ (also „falsche Schildkröte“) eine kleine Rolle in dem beliebten Kinderbuchklassiker. Heston Blumenthal ist ein bekennender Fan dieser Geschichte, welche übrigens auch in der Warteschlaufe beim Reservationsprozedere läuft.

Blumenthal kombiniert noch einen weiteren Teil des Romans in seinem bekannten Gericht: der „Mad Hatter Tea“. Also der Tee vom Hutmacher der in der neusten Tim Burton Verfilmung von Johnny Depp verkörpert wird. Blumenthal greift die Szene auf, in der die verrückte Teeparty stattfand und der „März-Hase“ die goldene Uhr in die Teetasse dunkte.

So trat ein Servicemitarbeiter an unseren Tisch, legte uns ein Alice-Buchzeichen vor die Nase und fragte uns geheimnisvoll „May I invite you to a tea party?“. Eine hölzerne Schatulle wurde geöffnet. Darin lagen goldene Uhren. Er streckte uns eine entgegen und legte Sie, wie in der Geschichte, in die mit heissem Wasser gefüllte Tee-Tasse vor uns. Nachdem sich die Uhr komplett aufgelöst hatte, wurden wir aufgefordert den Tasseninhalt in den Teller vor uns zu leeren. Darin lagen bereits ein Ei mit Pilzen, Gemüsestreifen und das Fleisch.

Und so entstand mit viel witziger und aufwändiger Theatralik der fertige Gang. Die Uhr bestand aus Rinderbrühe umhüllt mit Blattgold. Welche Art von Fleisch bei uns zum Einsatz kam, kann ich leider nicht sagen. Dank einer speziellen Zubereitungsform war es der Küchencrew jedenfalls möglich ein dünnes Gewebe darüber zu ziehen und darunter Gemüsewürfel zu platzieren. Das sah zwar optisch nicht sonderlich schön aus, das Fleisch schmeckte aber super. Es war geschmacksintensiv und zart. Die intensive Rinderbrühe schmeckte ebenfalls sehr fein und hatte ein tolles kräftiges Aroma. Leichte Gemüsestreifen rundeten den Geschmack ab. Einzig das „Ei“ mit den Pilzen konnte ich geschmacklich nicht zuordnen.

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„Sound Of The Sea“ [9/10]

Beim nächsten Gang wollte Blumenthal den Gast mental ans Meer bringen. Dazu stellte man uns eine schöne Muschel auf den Tisch in der ein iPod-Shuffle versteckt war. Aus den Kopfhörer erklang ein beruhigendes Meerrauschen. Man hörte wie die Wellen brechen und die Möwen in der Ferne schnattern.

Das eigentliche Gericht sah aus wie ein Gemälde. Rechts lag ein Streifen mit Schaum wie man ihn vom Strand kennt nachdem sich die Wellen zurück ziehen. Dieser Schaum schmeckte auch genau so. Da dieser Air das restliche Gericht nur leicht berührte, konnte man den Fisch damit selber „salzen“. Der rohe Fisch (z.B. Königsmakrele und Tuna), die Muscheln und die Pflanzen schmeckten super fein und intensiv. Sie sahen aus als wären sie frisch an den Strand gespült worden. Auch der „Sand“ aus Stärke konnte man sich auf der Zunge zergehen lassen. Sowohl optisch wie auch geschmacklich ein genialer Fischgang! Den Sound aus der Muschel fand ich ebenfalls eine Bereicherung. Da die Lautstärke im Restaurant aber recht hoch war konnte man nicht 100% eintauchen.

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Salmon Poached In A Liquorice Gel – Asparagus, Vanilla Mayonnaise and Golden Trout Roe [8/10]

Geschmacklich konnte der nächste Gang  mit dem hohen Niveau der vorherigen Gerichte nicht mehr ganz mithalten. Schuld daran war vor allem der Lachs der zu wenig Eigengeschmack hatte. Stattdessen dominierte der Süssholz, respektive Lakritze Geschmack (was auch fein war!). Auch der Vanille-Mayonnaise konnte nicht vollends überzeugen – es schmeckte schlicht nicht nach Vanille. Dafür konnten die tollen Spargeln auftrumpfen. Sie hatten einen guten Eigengeschmack und waren super gewürzt. Auch die Säure der Grapefruit bereicherte diesen Gang. Und so harmonierte das Ganze mit den leichten Bitternoten der Spargeln, der Säure der Grapefruit, der Süsse vom Süssholz und dem Fischgeschmack der Forellen-Rogen doch sehr gut zusammen.

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Lamb With Cucumber – Onion and Dill Fluid Gel [10/10]

Noch einmal ein Highlight zum Hauptgang. Auf dem Hauptteller lagen drei gut portionierte Tranchen vom Lamm. Das Fleisch war butterzart und hatte einen wunderbaren Geschmack. Dazu gesellten sich die Komponente Gurke und Dill (in einer Molekular zubereiteten Version) welche eine wunderschöne Gesamtheit mit dem Fleisch ergaben. Auch die leicht gebratenen Gurkenstückchen sowie der tolle Frühlingszwiebel überzeugten. Auf einem Holzbrett gab es noch weiteres vom Lamm (eine Essenz sowie Innereien welche speziell zubereitet wurden) welches unglaublich gut war! Dieses Gericht war rund, abwechslungsreich und wiederum auf höchstem Niveau.

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Hot and Iced Tea

Wieder eine molekulare Spielerei. Wenn man den Tee trinkt ist er auf der linken Seite warm und auf der rechten kalt. Extrem witzig und überraschend!

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Macerated Strawberries / Olive Oil Biscuit, Chamomile and Coriander – Jelly and Ice Cream Corner [10/10]

Das erste Dessert war zweiteilig. Der Anfang machte ein kleines Eis mit einer super leckeren Füllung und einem frischen Cornet mit einer Zucker/Salz Hülle – wunderbar! Vor allem der Einsatz von ein paar wenigen Salzkörnern schmeckte genial.

Dann das eigentliche Dessert welches ein Picknick symbolisierte. Auf dem Teller lagen frische Erdbeeren und Walderdbeeren. Vor allem Letztere waren unglaublich gut. Unter der Picknick-Decke, welche aus weisser Schokolade bestand, lag ein Olivenöl Bisquit mit einer dünnen Schicht weisser Schokolade, getrockneten Erdbeeren und Pistazien. Präsentation und Geschmack waren auf allerhöchstem Niveau!

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The „BFG“ / Black Forrest Gateau [10/10] Ein besonderes Ess-Highlight

Kann man das noch toppen? Blumenthal kann! Das „Schwarzwälder-Torte“-Dessert war die beste Nachspeise die ich jemals essen durfte! Das Kirsch-Eis hatte ein wunderbares Aroma. Das Glacé konnte man mit den kleinen Schokokrümel und den kleinen Kirschen kombinieren – mmmh! Das wirkliche Highlight thronte mit majestätischer Eleganz auf der linken Seite des Holzbretts. Ein Turm aus feinster Schokolade, Mousse und Kirschen. Der Gusto war unglaublich, die Konsistenz ein Traum – das werde ich niemals vergessen!

Erst ein Blick in Blumenthals Kochbuch „The Big Fat Duck Cookbook“ zeigt den unglaublichen Aufwand der hinter diesem Wunderdessert steckt: Ein Mandelboden als Basis, danach eine Kirsch Ganache, darauf eine mit Luft durchsetzte Schokolade und darüber einen Schokoladen Schwamm sowie Kirschen aus Griottine. Alles wird umhüllt von weissem Schokoladenmousse und nochmals von einer dunklen Schkoladenmousse. Am Ende kommt ein leichter Schokoladen-Puder drumherum und eine Kirsche obendrauf in der ein getrockneter Vanille-Kirschstängel steckt. Das Rezept allein benötigt drei ganze Seiten im Buch.

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Whisk(e)y Wine Gums

Blumenthal nimmt den Gast zum Schluss noch auf eine Reise durch die verschiedenen schottischen Destillerien. Die Whisky oder eben Whiskey wie man es in Schottland schreibt, wurden zu Gelées verarbeitet welche einen überraschend intensiven und authentischen Geschmack hatten. Es war auch spannend festzustellen, dass jeder Gum markant anders schmeckte. Das Highlight war dann der Whiskey von Laphroaig welcher rauchig und intensiv war.

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„Like A Kid In A Sweet Shop“ [-/10]

Ganz zum Schluss gab es noch vier Kleinigkeiten:

Coconut Baccy – Coconut Infused with an Aroma of Black Cavendish Tobacco // Dank der leichten Tabak-Note interessant.

Apple Pie Caramel with an Edible Wrapper // Witzig, dass man das Papier essen konnte. Aber geschmacklich nichts Besonderes.

The Queen of hearts – she made some tarts… // Sah toll aus, diese Karte aus Schokolade.

Aerated Chocolate – Mandarin Jelly // Dieses Mandarin-Praliné war super doch leider das Einzige was von diesem Abschluss wirklich überzeugen konnte.

Schlussendlich ist es eine gute Idee, dass man in einer Tüte noch etwas mit nach Hause nehmen konnte. Aber das Gebotene ist dem vorherigen Menü nicht würdig. Es ist zwar witzig gemacht aber der Geschmack bleibt mehrheitlich auf der Strecke. Ich hätte mich über schöne Friandises viel mehr gefreut.

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Fazit: Die einläutende Frage ob sich der Aufwand mit der Reservation lohnt kann ich gleich mit einem klaren „JA!“ beantworten. Für ein solch grossartiges Menü lohnt sich das allemal. Das Lokal ist zwar kein Tempel der Gemütlichkeit aber das Essen hat mich absolut begeistert. Am meisten beeindruckt hat mich die Tatsache, dass trotz Spielereien und witzigen Inszenierungen die Küchencrew immer den Geschmack voll fokussiert hat. In einem solchen Fall kann ich das ständige Genörgel über Molekularküche überhaupt nicht nachvollziehen. Das was hier geboten wird hat überhaupt nichts mit Effekthascherei, „Schaum-der-nach-nichts-schmeckt“ oder irgendwelchen Verfremdungen zu tun. Bei jedem Gericht standen hochwertige und aufwendig verarbeitete Produkte im Mittelpunkt. Diese wurden mit grösster Perfektion und mit viel Liebe für jedes noch so kleine Detail zubereitet. Und dabei schmeckte alles unglaublich gut – einige Gerichte waren Meisterleistungen.

Ebenfalls finde ich es toll, dass das Restaurant durch die vielen Presseartikel und Lobeshymnen nicht abgehoben ist. Der Service ist freundlich und gut eingespielt und sogar die Damen am Reservationsaperat waren äusserst hilfsbereit. Im Restaurant herrschte eine lockere und sehr umgängliche Atmosphäre. Dass die Teller (zu) lange leergegessen auf den Tischen standen, störte niemanden und zeigte ebenfalls, dass man nicht gekünstelt ein „Gourmet-Tempel“ nachahmen will. Natürlich, Blumenthal hat sein Restaurant durchgestylt. Auf jedem gedruckten Papier oder Etikett prangt das schön designete ‚The Fat Duck‘-Logo, doch das wirkte auf mich eher positiv.

Heston Blumenthal war an diesem Abend selber nicht vor Ort. Seine, angeblich 46 Personen (!!) grosse Küchencrew, hat das Menü aber locker und gut getimte auf den Tisch gezaubert. Wir hatten einen wunderschönen Abend mit tollen Highlights und vielen unvergesslichen Gerichten. Für mich war dies das beste Ess-Erlebnis das ich jemals geniessen durfte.

Einziger Wehmutstropfen ist für mich die Tatsache, dass man hier extrem lange immer die gleichen Kreationen kocht. Klar, man kann dadurch alles bis ins Unendliche perfektionieren, aber der Gedanke bei einem erneuten Besuch in zwei Jahren, bis auf zwei Gänge, wieder das Gleiche serviert zu bekommen motiviert mich nicht sonderlich nochmals diesen Reservationswettbewerb mit zu machen. Aber nachdem ich nun weiss wie unglaublich diese Gänge schmecken bin ich trotzdem überzeugt, dass ich das identische Menü in ein paar Jahren mit Hochgenuss nochmals geniessen würde… Zudem, je mehr Zeit seit dem Restaurant Besuch vergeht, desto begeisterter bin ich vom Essen und desto grösser wird die Sehnsucht nochmals dort zu speisen. Übrigens, im Gegensatz zu den anderen 3-Sterner in England, gibt es in ‚The Fat Duck“ keinen Dresscode.

Zum Schluss: Das oben erwähnte Kochbuch von Heston Blumenthal muss man unbedingt einmal anschauen (es gibt davon auch eine einfachere und günstigere Version). Erst wenn man die einzelnen Gerichte genauer studiert sieht man den immensen Aufwand hinter den einzelnen Komponenten und es wird auch bewusst weshalb Blumenthal viele seiner Gerichte über Jahre, nur leicht optimiert, im Tasting Menü stehen lässt. Übrigens, ein motivierter Hobbykoch hat sich selber der Herausforderung gestellt alle Gerichte aus dem Buch nachzukochen und darüber zu berichten. Der Blog ist ein Besuch wert.

Menü: Seit ein paar Jahren beschränkt man sich auf ein Menü zum Preis von 160 £ exkl. 12.5% Trinkgeld. Die à la carte Auswahl wurde gestrichen. Das Menü bleibt dabei über längere Zeit (Jahre) gleich. Nur selten wird ein Gericht durch ein anderes ersetzt. Meistens werden nur minimale Dosierungen oder Komponente geändert. Die Saisonalität spielt lediglich eine untergeordnete Rolle. So wurden bei uns zum Beispiel beim Lachs-Gang Spargeln serviert und vor ein paar Monaten noch Artischocken. Unser Restaurant besucht dauerte fast fünf Stunden.

Wein: Neben einer unglaublich grossen Auswahl an Flaschenweinen werden auch drei verschiedene Weinbegleitungen angeboten. Diese kosten 99 £, 169 £ oder 285 £. Dabei werden jeweils zehn verschiedene Weine gereicht wovon sich diese je Weinbegleitung in der Qualität unterscheiden. Gleich zu Beginn entscheidet man sich für eine Begleitung und bekommt das Menü (Essen + Wein) noch in der Gedruckten Form auf den Tisch. Die servierten Weine überzeugten und unterstrichen die Kreationen sehr gut. Leider wurden fast alle Weine ein paar Grad zu kalt serviert.

Online: Die Homepage ist schön gestaltet, voll mit Informationen und auch die komplette Weinkarte und das aktuelle Menü kann man studieren. Einzig Fotos der Gerichte fehlen. Eine Flash-freie Alternative fehlt.

Wertung: Gourmör  / Michelin