Heimberg in Zermatt

Nächste Woche ist es soweit, am 30. Mai eröffnet der renomierte Spitzenkoch Marcus G. Lindner im St. Gallischen Uznach sein eigenes Restaurant Der Kunsthof. Da der 18-Punkte Chef weiterhin die Gastronomie im Luxushotel The Alpina in Gstaad leitet, hat er den Küchenchefposten in Uznach seinem österreichischen Landsmann Christian Geisler übergeben. Lindner kennt den erst 29-Jährigen seit der gemeinsamen Zeit im Mesa in Zürich. Geisler war damals sein Sous-Chef. Zusammen kochten sie das Lokal an der Weinbergstrasse, bis an die Spitze der Zürcher Gastronomie. Nachdem es Lindner nach Gstaad zog, übernahm Geisler seinen ersten Chefposten im Heimberg in Zermatt.

Dort, am Fusse des Matterhorns hat er das chice Restaurant drei Saisons lang geleitet. Er und sein Team verwöhnten während den Wintermonaten die Gäste auf höchstem Niveau. 2012 wurde seine Küche von Michelin mit einem Stern ausgezeichnet. Wir haben das Team an einem der letzten Abenden in Zermatt besucht und können bereits vorweg nehmen, dass sich Gourmets im Unterland auf einen äusserst talentierten Chef freuen dürfen.

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Das Heimberg versteckt sich in einer kleinen Seitengasse. Hinter dem Eingang trifft man auf eine Bar, mit freiem Blick in die offene Küche. Dort wird gebrutzelt und mit grösster Konzentration angerichtet. Im oberen Stock wartet der gemütliche Speiseraum – ein wunderschönes Werk des Zermatter Innenarchitekten Heinz Julen, in welches wir uns augenblicklich verlieben. Genau so einmalig wie die Optik, ist auch das kulinarische Konzept. Hier im Heimberg gibt es nämlich keine Speisekarte. Der Gast startet mit einer Überraschungs-Vorspeise und entscheidet sich danach, ob er eine Zweite möchte, oder bereits den Hauptgang wünscht.

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Vorweg erhalten wir einen Baumstammabschnitt auf den Tisch. Darauf finden wir, neben essbarem „Sägemehl“, ein mit Spinat gefülltes Kissen, sowie geräucherten Fisch zwischen zwei hauchdünnen Plättchen. Der Auftakt ist vielversprechend. Die Häppchen sind nicht nur wunderbar frisch, sondern auch stark im Aroma. Wir spüren, dass heute ein grosser Abend werden könnte. Und tatsächlich, nach einem interessanten Amuse Bouche mit Rotkohl kontrastiertem Lamm, serviert man uns ein erstes grosses Highlight, in dessen Zentrum ein glasig gegarter Lachs mit seinem Rogen steht. Dazu serviert man Fenchel und molekular verarbeitete Tomaten, Basilikum und Crème fraiche. Es ist absolut beeindruckend, wie klar die Aromen herausgearbeitet sind und welch Symbiose dadurch auf dem Teller entsteht – ausgezeichnet.

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Die Frage des passionierten Maître Danny Neynaber, ob wir noch eine weitere Vorspeise wünschen, beantworten wir mit einem überzeugenden Ja. Dieses Prozedere wiederholen wir in den nächsten Stunden noch ein paar Mal und kommen so in den Genuss von Sot-l’y-laisse an herzhaftem Geflügelfond – in einer Petrischale servierten Wels, flankiert von Rhabarber und Joghurt – perfekt zubereitetes Kalb mit tollem Kürbis – sowie einer alpinen Version des Surf and Turf mit Zander und einem charaktervollen Schwein an delikaten Pfifferlingen.

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Bei der fünften Frage entscheiden wir uns für den Hauptgang. Das eindrucksvolle Rind, begleitet mit köstlichem Bärlauch und den ersten Spargeln, beendet das Menü mit einem Paukenschlag. Wiederum werden wir von satten Aromen und einem perfekt zubereiteten Gericht verwöhnt. Auf die kleine Käseselektion folgt als pré Dessert ein Snowball mit Tanne, Holunder und Zitrone. Dieser hat zwar einen interessanten Goût, ist aber in der Summe viel zu eisig und kalt um geniessbar zu sein. Entschädigt werden wir dann aber vom eigentlichen Dessert mit feinstem Nougat, welches von Himbeeren begleitet wird. Dafür hat Geisler nochmals in die alchemistische Trickkiste gegriffen. Das Ergebnis, ein ausgezeichnetes Dessert mit wunderbarem Geschmack, welches trotz moderner Zubereitungsmethoden, ohne Effekthasscherei auskommt.

heimberg_zermatt_christian_geisler_20Die Küchenbrigade: Ingo Pappenberg, Simon Fraundorfer, Mitja Birlo (Sous-Chef), Christian Geisler (Chef), Ilion Schenker, Nelson Rodrigues, Herminio Teles

 

Fazit: Christian Geisler ist ein ausgezeichneter Koch mit vielen Ideen und einer eigenen Handschrift. Seine Küche ist präzis und stark auf den Geschmack fokussiert. Da er fast die komplette Crew vom Heimberg in den Kunsthof zügelt, darf sich Uznach auf ein grossartiges Restaurant freuen. Schade nur, dass der Chef an der Front, Danny Neynaber den Weg nicht mitgeht. Er wechselte in die Rüsterei nach Zürich. Er ist ein hervorragender Gastgeber und mit viel Elan und Begeisterung am Werk. Zum Glück hat man aber auch hier einen Ersatz gefunden. Christian Magner, ehemaliger Sommelier im Mesa, übernimmt den wichtigen Posten in Uznach. Wir sind äusserst gespannt auf den Start des Kunsthof und wünschen allen Beteiligten viel Erfolg. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass man auch im wunderschönen Heimberg einen geeigneten Nachfolger findet – das einmalige Ambiente hätte dies auf jeden Fall verdient.

Website Der Kunsthof in Uznach
Website Heimberg in Zermatt

Wertung: Gourmör O8 / Michelin M1 / Gault-Millau GM16
Sonderauszeichnungen: Hier fühlt man sich besonders wohl    Fumoir vorhanden

(Besucht im März 2014)

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_5Airbread – Spinat / Rauchfisch – Grissini

heimberg_zermatt_christian_geisler_6Lammfilet / Rotkohl / Meerrettich

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_8Lachs / Fenchel / Basilikum / Crème fraiche

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_9Sot-l`y-laisse / Gelbe Rübe / Schnittlauch

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_10Wels / Topinambur / Rhabarber / Joghurt

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_11Kalb / Kürbis / Lattich

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heimberg_zermatt_christian_geisler_13Rind/ Bärlauch/ Spargel

heimberg_zermatt_christian_geisler_14Käse Auswahl

 

heimberg_zermatt_christian_geisler_15Snowball (Tanne, Holunder, Zitrone)

heimberg_zermatt_christian_geisler_16Nougat/ Himbeere/ Essig

heimberg_zermatt_christian_geisler_17Friandises

heimberg_zermatt_christian_geisler_18 Apfel / Rucola

heimberg_zermatt_christian_geisler_19 Danny Neynaber, Arvid Polivka, Patrick Just, Karina Zirm, Stefanie Fischer, Evelyn Weiss (von oben links nach unten rechts)

Yoshi in Monaco

Für den ersten Abend im Fürstentum, haben wir einen Tisch im japanischen Restaurant Yoshi reserviert. Das Lokal wird vom Spitzenkoch Joël Robuchon betreut und ist im imposanten Hotel Metropol untergebracht. Der langgezogene Èntrance zum 5-Sterne-Haus ist eindrücklich. Rechts vom eigentlichen Hoteleingang findet man eine unscheinbare Holztür. Daneben prangt ein kleines Schild, welches diskret auf das japanische Restaurant aufmerksam macht. Noch bevor wir die Türe erreichen, öffnet sich diese wie von Geisterhand.

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Dahinter wartet eine schwarz gekleidete Dame, die uns herzlich begrüsst und in das kleine Restaurant begleitet. Dabei gehen wir an einer kleinen Bar vorbei, welche direkt an die einsehbare Küche grenzt. Das komplette Serviceteam und ein Teil der Küchenbrigade hat sich dahinter besammelt und begrüsst uns mit einem motivierten „Bonsoir!“. Wir fühlen uns auf Anhieb sehr wohl, auch wenn die Platzverhältnisse eher an die berühmte Sardinenbüchse erinnern. Die Sitzbank erreicht man zum Beispiel nur, indem jemand vom Service den quadratischen Holztisch etwas zur Seite kippt. Auch die schweren Polstersessel lassen sich ohne fremde Hilfe nicht verrücken. Zum Glück ist der aufmerksame Service aber immer zur Stelle und hilft mit einem geduldigen Lächeln.

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Die Musik ist laut. Anstelle von sanften japanischen Klängen, berieselt man die Gäste mit einer austauschbaren elektronischen Musik, wie man sie von unzähligen Lounges her kennt. Trotz des auffällig zuvorkommenden Service, wissen wir schon jetzt, dass das Yoshi nicht zu der Art Restaurants gehört, in denen man nach dem Essen gerne noch etwas länger sitzen bleibt. Wir sind aber nicht zum entspannen hierher gekommen, sondern weil die Küche ausgezeichnet sein muss. Dafür bürgt nicht nur der Michelin-Stern, sondern auch der Schweizer Spitzenwinzer Daniel Gantenbein, der uns das Lokal mit Nachdruck empfohlen hat.

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Auf der Speisekarte stehen zwei Menüs, viele à la carte Gerichte, sowie diverse Sushi und Sashimi Combos. Wir entscheiden uns für das Menü, für stolze 199 €. Der Preis ist eine Ansage. Sogar das grosse Menü im 2-Sterne-Restaurant Joël Robuchon, welches ebenfalls hier im luxuriösen Metropole untergebracht ist, wird zum selben Preis offeriert. Aber man ist ja schliesslich nicht jeden Tag in Monaco. So ordern wir auch gleich den empfohlenen Haus-Coktail aus Martini und Granny Smith, welcher stilvoll in einem goldenen Schüttelbecher serviert wird (24 €).

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Dazu erhalten wir als Häppchen, in Sesam eingelegte Gurken.

Diese schmecken überraschend vielversprechend. Das Gemüse ist knackig frisch und die Sauce rassig und trotzdem harmonisch. Unsere Vorfreude steigt.

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Shake [8/10]

Der erste Gang setzt dann gleich ein erstes grosses Ausrufezeichen. Der Lachs ist ausgezeichnet und beeindruckend elegant abgeschmeckt. On top thront eine Nocke feinsten Kaviars, welcher mit dem Fisch unglaublich gut harmoniert. Wir sind begeistert.

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Foa Gura to Unagi [8/10]

Sowohl der Aal als auch die Foie Gras gehören zu den delikatesten Geschmacksträgern. In Kombination haben wir das noch nie serviert bekommen. Umso gespannter sind wir auf das geschmackliche Ergebnis dieses Mille-feuilles.

Schon der erste Bissen lässt unsere Pupillen vergrössern. Die Foie gras schmilzt förmlich auf der Zunge, gibt den himmlischen Geschmack frei und wird vom intensiven Aal flankiert. Eine atemberaubende Marriage. Daumen hoch!

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Sushi [8/10]

Jetzt wird ein hölzerner Wagen an unseren Tisch gerollt – Auftritt des Sushi-Meisters. Dieser raffelt frischen Wasabi auf den Teller, giesst selbstgemachte Sojasauce ins Porzellan-Töpfchen und bereitet vor unseren Augen Nigiri zu. Präzise sitzt jeder Handgriff. Wir sind gespannt ob sich dieser Aufwand auch geschmacklich ausbezahlt.

Die Frage wird bereits durch den wunderbaren Duft nach frischem Fisch beantwortet. Dazu ein toller, sehr geschmeidiger Reis. Das Ganze tunken wir vorsichtig in der wunderbaren Sojasauce. Diese ist viel raffinierter als die wuchtige Variante von „Kikkoman“. Im Ganzen ein wunderbares Erlebnis, mit einem einzigen Nachteil: Mit diesem Erlebnis im Hinterkopf, werden wir wohl beim nächsten 08/15-Sushi keine grosse Freude mehr entwickeln können.

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Ebi Shinjo [8/10]

Mit einer tollen Seetang-Suppe geht es weiter. Typisch japanisch sind die Geschmäcker äusserst dezent, aber wunderbar rund und schmackhaft. Einzig die Zwiebel wirkt darin etwas untypisch, passt aber sehr gut dazu. Die ausgezeichnete Scampi-Praliné ist eine Wucht. Eine wahrlich ausgezeichnete Suppe.

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Ghindara [9/10]

Als Fischgang erhalten wir einen perfekt zubereiteten Kohlenfisch. Dieser wurde mit Miso mariniert, welches durch die Hitze leicht caramelisiert wurde – ein absoluter Traum. Auch die Kohlrabi-Sauce ist exzellent. Noch während der letzte Bissen nachhallt, unterhalten wir uns ernsthaft, wann wir die erste Reise nach Japan in Angriff nehmen. Der Wunsch ins Land der aufgehenden Sonne zu reisen war noch nie so gross wie nach diesem Gericht.

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Wagyu no Kasane Yaki // Rice // Miso Shiru [6/10]

Die nächsten drei Gänge auf der Menükarte werden zusammen serviert. Auf dem Hauptteller liegen Wagyu-Steaks, welche mit einem Hauch frischem Trüffel gefüllt sind. Dazu erhalten wir einen intensiven Jus und eine ausgeklügelte Wasabi Sauce. Das Fleisch ist toll – nur schade, dass eines der drei Stücke zäh ist [6/10]. Der gebratene Reis in der Schale geriet indessen viel zu trocken [-/10]. Viel besser ist die ausgezeichnete Miso mit Pilzen und Algen [7/10].

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Mikan [8/10]

Mit dem Hauptgang haben wir das Menü geistig bereits abgehakt, denn in einem asiatischen Restaurant haben wir bis jetzt noch nie eine überzeugende Patisserie angetroffen. Doch wir haben die Rechnung ohne den französischen Einfluss von Robuchon gemacht. Denn hier serviert man uns ein ausgezeichnetes Dessert mit einer wunderbar süss-herben Mandarinen Note und atemberaubend frischen Meringues-Hüppchen. Die ganze Komposition ist sehr leicht, cremig und frisch und somit ein würdiger Abschluss eines ausgezeichneten Menüs.

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Friandises [7/10]

Zum Schluss werden wir noch von unscheinbaren aber auszeichneten Friandieses überrascht. Beim Wasabi-Macaron hat man die perfekte Balance zwischen Schärfe und Süsse gefunden. Auch das Honig-Mandarinen Gelée und die tolle Crème zaubern uns zum Abschluss noch einmal ein Lächeln ins Gesicht.

Beim Verlassen des Restaurants gibt man uns zudem einen feinen Zitronenkuchen mit nach Hause.

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Fazit: Dass wir uns noch während des Menüs ernsthaft über eine Reise nach Japan unterhielten, sagt eigentlich alles über die hervorragende Leistung der Yoshi-Brigade. Ob Sushi in einer noch nie gegessenen Qualität, spannende Kombinationen, wie die mit Aal und Foie gras oder der atemberaubende Kabeljau, lassen uns noch heute begeistert an den Abend im Fürstentum zurück denken. Jedes einzelne Gericht bestach mit wunderbaren Aromen und einer eleganten Balance. Die Küche hat sehr viel Power und ist äusserst schmackhaft.

Weniger gut gefallen haben uns die laute Musik, die engen Platzverhältnisse und der sehr hohe Preis. 199 Euro ist sehr viel Geld. Vor allem wenn man bereits nach zwei Stunden die Rechnung vor sich liegen hat. Deshalb muss jeder für sich entscheiden, ob er mit dem gelben Schein lieber einen 3 Sterner besucht und dort während fünf Stunden das grosse Menü geniesst oder im Yoshi eine kurze kulinarische Reise nach Japan bevorzugt. Den Preis ausgeklammert, können wir das Yoshi uneingeschränkt empfehlen.

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Menü: Am Abend werden zwei Menüs angeboten. Das Grosse (wie oben beschrieben) kostet 199 €, das Kleinere wird mit 139 € berechnet. Auch ein umfassendes à la carte Angebot steht zur Verfügung. Sushi-Fans wählen von der separaten Karte. Hier findet ihr die Speisekarte die bei unserem Besuch auslag.

Zeit: Das grosse Degustationsmenü wurde innerhalb 2 Stunden serviert.

Wein: Eine Weinkarte liegt zwar auf, doch wir wählten zum Menü verschiedene Tees.

Online: Die Website des Hotels ist etwas dürftig. Auch das aktuelle Menü fehlt dort.

Wertung: Gourmör O8 / Michelin M1

(Besucht im Oktober 2013)

L’Autezza in Ftan

Das Hotel Paradies hat sich seit langem einen Namen als Genuss- und Erholungs-Refugium inmitten prächtigster Natur gemacht. Die Gäste geniessen die Ruhe und die wunderschöne Umgebung und freuen sich am Abend auf eine Kulinarik auf höchsten Niveau. Dafür war lange Zeit Eduard Hitzberger verantwortlich, der nicht nur 18 Gault-Millau Punkte erkochte, sondern auch 2 Michelin Sterne nach Ftan holte. Als er sich 2007 selbständig machte, übernahm sein damaliger Sous-Chef Boris Benecke. Doch bereits nach zwei Jahren verliess der junge Koch die Schweiz Richtung Deutschland, um in seiner Heimat ein Restaurant in Zweiflingen zu übernehmen.

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Das Management in Ftan machte sich also auf die Suche nach einem geeigneten Nachfolgers und wurde in Frankfurt, im legendären Tigerpalast, fündig. Der dortige Küchenchef Martin Göschel, war vom interessanten Jobangebot auf Anhieb sehr angetan und tauschte sein Grossstadtleben gegen das in der Engadiner Bergwelt. Zu Beginn servierte er seinen neuen Gästen die gleichen Kreationen wie in Frankfurt. Doch je länger er inmitten dem Unterengadiner Naturparadies lebte, desto mehr liess er sich davon inspirieren. Heute hat sich seine Küche komplett gewandelt und ist vollends mit der Natur verschmolzen.

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Die Gänseleber machte den Weinbergschnecken Platz, der Wolfsbarsch wich den einheimischen Forellen und das Wollschwein aus dem Nachbardorf, verdrängte das Ibérico. Im letzten Jahr wurde dann auch die Restaurant-Optik an die neue Küchenphylosphie angepasst. Das französische Interieur wich einem regionalen, eleganten Design. Gleichzeitig wechselte auch der Name. Das La Bellezza wurde zum L’Autezza was auf romanisch „die Höhe“ heisst.

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Wir genossen ein ganzes Wochenende im wunderschönen Paradies (zum Bericht) und genossen am ersten Abend ein 4 Gänge-Menü im Restaurant Stüva, welches ebenfalls unter der Leitung von Göschel liegt. Für heute Abend haben wir uns einen Tisch in seinem Gourmetrestaurant reserviert. Wir verbrachten den ganzen Tag auf dem Bike und genossen die Natur mit ihren saftigen Wiesen. Entspechend sind wir hungrig und gespannt auf das heutige Menü.

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Den Apéro geniessen wir in der grossen Küche und erhalten so einen Eindruck von der konzentrierten Atmosphäre. Die Abläufe sind klar, die Brigade weiss was zu tun ist. Martin Göschl steht am Pass und kontrolliert die Teller bevor sie die Küche verlassen. Wir ordern ein Glas Scampagna und freuen uns auf die ersten Häppchen.

Steinkartoffel / Strammer Max / Tempeh / Wildkräuterslush / Gersten Crisp [6/10]

Die Regionalität setzt bereits bei den Apéro-Häppchen ein Ausrufezeichen. Der Wildkräuterslush schmeckt zum Beispiel genau so, wie es heute bei der Fahrt durch die saftigen Wiesen geduftet hat – eindrücklich. Aber auch die Gersten Crisp oder das Tempeh, nach einem Indonesischen Rezept, nur dass hier statt Sojabohnen gekeimter Weizen verwendet wird, sind sehr fein.

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Für das restliche Menü wechseln wir ins Restaurant. Das L’Autezza ist das bisher kleinste Gourmetrestaurant das wir besuchten. Nur gerade sechs Tische stehen in dem gemütlich eingerichteten Restaurant. Die Tische sind auffallend gross und edel aufgedeckt.

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Vom gereichten Menü wählen wir aus den vier Vorspeisen deren Zwei und entscheiden uns für einen der beiden Hauptgänge. Bereits nach wenigen Minuten erhält jeder Gast seine individuelle Menüauswahl, in Form eines  kleinen Fächers, auf den Tisch. Eine gute Idee, weil man so immer kurz spicken kann, falls man wissen möchte wie das Menü weitergeht. Da man den Fächer am Ende des Abends mit nach Hause nimmt, hat man auch gleich ein schönes Andenken an den Besuch.

Sauerteigbrot & Alpenbutter

Das frisch gebackene Brot ist sehr fein – die leicht gesalzene Alpenbutter, mit verschiedenen Blumenblüten versetzt, gar genial. Nur selten, dass man eine solch geschmacksvolle und spannende Butter antrifft.

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Amuse: Randen – Eigelb – Bachtellachs [8/10]

Das Amuse Bouche ist nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich ein Highlight. Das Zusammenspiel der drei Akteure, in ihren verschiedenen Zubereitungskarten, ist nicht nur spannend, sondern auch sehr wohlschmeckend und abwechsungsreich. Wir sind begeistert.

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Käseravioli – Baumnuss – Salsiz – Schweizer Kaviar [8/10]

Zuerst steigt ein fantastischer Duft von frischer Limette in die Nase. Auch im Gaumen ist der säuerliche Schaum eine Wucht. Zum Glück kann auch das restliche Gericht begeistern. So auch die im Zentrum stehenden Ravioli, mit würzigem Bergäkse. Intensiv und trotzdem zugänglich. Die Kombination mit dem Salsiz ist gut gewählt.

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Saibling – Ciabatta – Weinbergschnecken [8/10]

Noch vor ein paar Tagen krochen die Weinbergschnecken gemächlich durch die saftigen Wiesen rund ums Paradies. Just bis zu dem Zeitpunkt, als Martin Göschel die schönen Tiere einsammelte, um daraus dieses Gericht zu zaubern. Das lange Suchen nach den Tieren hat sich gelohnt. Eingelegt in einer Kräutermischung mit Knoblauch, ist ihr erdiger Karakter noch immer präsent. Auch für die Schneckensuppe gibt es Applaus. Sie ist wunderbar abgeschmeckt und Dank dem dezenten Einsatz von Fenchel, ein grosser Genuss. Dass auch der knusprig parnierte Saibling brilliert, bestätigt, dass Göschel nicht nur Zugang zu Top-Produkten hat, sondern auch weiss wie man sie zubereitet. Der Fisch ist perfekt glasig, toll in der Textur und Aromatik.

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Sorbet von Apfel – Melone – Salatgurke – Minze [5/10]

Der kleine Zwischengang ist zwar sehr fein, mag das bisherig hohe Niveau nicht ganz halten. Trotzdem gefällt uns die süsse Melone mit den flankierenden Noten von Gurke und Minze.

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Engadiner Schaf: Ravioli – Gemüsesud – Parmesan [7/10]

Der Hauptgang wird in zwei Teilen serviert. Den Start machen diese kleinen Ravioli, gefüllt mit traumhaft Geschmortem vom Lamm. Der Bergkräutersud passt hervorragend dazu. Ebenfalls die süsse Birne, der knackige Stangensellerie und der Käse. Eindrücklich welch stimmiges Geschmacksbild hier gezeichnet wird.

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Engadiner Schaf: Rückenfilet im Wildkräuterheu – Schmorschalotten – Pico de Gallo [6/10]

Das Fleisch ist unglaublich zart und von sehr guter Qualität. Ein feiner Lamm-Jus begleitet das rosa Fleisch. Trotzdem hätte eine etwas kräftigere Sauce dem Gericht sicher gut getant. Dies hätte dem Gericht auch mehr Kraft und Intensität verliehen. Die Zwiebel als Begleitung auszuwählen ist zwar interessant, wird aber zu wenig konsequent umgesetzt. So bleibt der Hauptgang sehr gut, aber weitaus weniger eindrücklich als die vorherigen Kreationen.

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Schubladenkäse – Artischockenroyal – Gesalzenes Schokoladeneis [-/10]

Auf einen Käsewagen kann man dann verzichten, wenn man dem Gast eine gute Alternative anbietet. Wie wir dies zum Beispiel vor ein paar Monaten bei Rolf Fliegauf im Ecco erlebten. Bei der Variante hier im L’Autezza, gefällt uns zwar die Idee, aber die Umsetzung enttäuscht. So ist der Käse zwar gehaltvoll, seine Begleiter in Form von Artischocken und einem gesalzenen Schokoladeneis, wirken aber zu unharmonisch. Über die fehlende Symbiose kann auch das feine Früchtebrot nicht hinwegtrösten.

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Topfensoufflé – Erdbeeren Romanow [8/10]

Der Pâtissier bringt dann das Menü wieder auf die Gewinnerstrasse. Das Topfensoufflé ist dann auch das Beste, uns jemals servierte Soufflé – einfach traumhaft.

Auch das zweite, gleichzeitig servierte Dessert mit Erdbeeren und weissem Schokoladenmousse ist wundervoll. Nur Vorsicht vor den kleinen Szechuan-Pfefferkörner. Die haben es in sich und stellen den ganzen Gaumen auf den Kopf – deshalb sollte man sie erst ganz am Schluss essen.

Der kleine Baum in der Tischmitte erfüllt eher dekorative Zwecke. Dessen „Früchte“ (Weisse Schokoalden-Drops und Zuckerplättchen), sind weitaus weniger interessant als die beiden Desserts. Sowieso würde der Baum mehr Aufmerksamkeit geniessen, wenn man ihn erst bei den Friandises einsetzen würde.

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Petit Four: verschiedene Frucht und Tee Gelées

Eine schöne Auswahl an feinen Gelée-Würfel schliessen das ausgezeichnetes Menü ab.

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Die Küchenbrigade (v.l.n.r.): Andi Maurer, Katrin Wagenblast, David Hartwig, Martin Göschel, Marcel Köhn, Kevin Kregar

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Fazit: Regionalität ist in den letzten Jahren zum Modewort verkommen. Fast kein Chef, der seinen Kochstil nicht als solchen bezeichnet. Auf dem Teller sind dann meistens nur noch Worthülsen zu finden – und statt Saibling und Forelle werden Wolfsbarsch und Steinbutt serviert. Martin Göschel geht den Weg der Regionalität konsequent. Er ist ein bodenständiger und ruhiger Schaffer. Einer der nicht das Rampenlicht sucht, sondern seine Zeit in die Entdeckung neuer Produkten investiert.

Er versteht es dann auch wie kein Zweiter, neue Zutaten in der Natur zu finden und sie mit viel Fleiss in seine Menüs einzubauen. Uns haben seine Kreationen sehr begeistert. Es ist eindrücklich, wie man die Umwelt, welche man den ganzen Tag regelrecht inhaliert, am Abend in den Gerichten wiederfindet. Die Speisen sind stimmig und geschmacksvoll.

Das kleine Gourmetrestaurant ist gemütlich. Die sechs hellen und grossen Tische werden von einem Sommelier und einer Person aus der Küchencrew bedient. Ein interessantes Konzept, da so jede Frage zu einem Gericht direkt vom Fachmann beantwortet werden kann. Während dies in einem grossen Restaurant unmöglich umzusetzen wäre, funktioniert es hier, in dieser intimen Atmosphäre, sehr gut.

Das L’Autezza ist ein tolles Restaurant welches wir uneingeschränkt weiterempfehlen können. Zwar sind die Preise, gerade für die Weinbegleitung hoch, als Gegenleistung bekommt man aber eine ehrliches und geschmacksintensives Menü. Am besten startet man den Abend mit einem Apéro auf der wunderschönen Terrasse oder wie wir, direkt in der Küche..

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Menü: Es gibt ein Menü mit Apérohäppchen, Amuse bouche, vier Gängen, Käse, Dessert und Friandises. Bei den vier Gängen wählt man aus je zwei Optionen. Das ganze Menü kostet 210 Franken.

Zeit: Das Menü dauerte 4 Stunden und 15 Minuten

Wein: Neben einer gut sortieren Weinkarte, bietet man auch eine regionale Weinbegleitung für 100 Franken an. Dabei serviert man nicht für jeden einzelnen Gang einen anderen Wein, schenkt dafür grosszügig nach. Die Weinauswahl ist gut. Alternativ bietet man auch eine Saftbegleitung an.

Unsere Weinbegleitung:

Scampagna – Weingut Wegelin – Malans
Pinot Blanc 2012 – Manfred Meier – Zizers
Chardonnay/Viognier 2011 – Von Salis – Fläsch
No Pi No 2010 – Weingut Cicero – Zizers
Brumaire 1996 – Alain Brumont Pacherenc de Vic Bilh – Frankreich

Online: Die Hotel Website ist schön. Die Rubrik des L’Autezza ist zwar etwas knapp, bietet aber viel wissenswertes sowie das aktuelle Menü.

Wertung: Gourmör O8 / Michelin M1 / Gault-Millau GM18

Sonderauszeichnung: Fumoir vorhanden

(Besucht im September 2013)