Quay in Sydney (Australien)

Sydney ist die letzte Destination auf unserer Australienreise. Für uns war von Beginn weg klar, dass wir unser „Abschlussessen“ entweder im japanischen Restaurant ‚Tetsuya’s‚ oder bei Peter Gilmore im ‚Quay‘ geniessen werden. Nicht zuletzt der begeisternde Beitrag von einem unserer Lieblingsblogger, hat den Ausschlag für das Restaurant mit Blick auf Sydney’s Opernhaus gegeben.

Die Plätze hier sind heiss begehrt und fast immer ausgebucht. So reservierten wir unseren Tisch zur Sicherheit bereis Monate im Voraus. Das Reservationsprozedere war zwar einfach, doch irgendwie war der Kontakt per E-Mail schwieriger, als wir dies von anderen Restaurants gewohnt sind. So erhielt man oft tagelang keine Antwort oder die Frage nach einem Fensterplatz blieb einfach unbeantwortet. So machen wir uns auch keine Hoffnung, heute einen Solchen zu erhalten.

Ob Zufall oder gewollt, führt man uns aber tatsächlich an einen der besten Tische im ganzen Restaurant. Dieser steht in einer kleinen Rundung mit wunderschöner Aussicht auf Sydney’s Skyline. Um uns herum stehen zwar etwas gar viele Tische (wie auch im übrigen Restaurant, welches Platz für bis zu 150 Gäste bietet!), doch Dank der uns komplett umgebenen Fensterfront, haben wir Blick auf die eindrückliche Harbour Bridge und auch auf das imposante Opernhaus. Diese malerische Aussicht kann nur durch eines der grossen Kreuzfahrtschiffe, welche oft hier ankern getrübt werden, doch man erklärt uns zu Beginn, dass diese in der jetzigen Jahreszeit nicht anlegen.

Unser Servicemitarbeiter ist jung, freundlich aber etwas unsicher. Er zeigt uns die kleine, ganz in schwarz gehaltene, aufklappbare Speisekarte. Auf der linken Hälfte findet man das 8 gängige Tastingmenü für 220 Australische Dollar, auf der anderen Seite das 4 Gänge Menü, welches man sich aus je 4 Speisen selber zusammenstellt (160 Dollar). Für uns ist die Sache klar und wir ordern das grosse Menü mit der Bitte, dieses mit dem berühmten „Quay’s Eight texture chocolate cake“ abschliessen zu dürfen. Diese Menüänderung hat man, dem raschen Nicken nach, nicht zum ersten Mal gehört und erfüllt uns diese sehr gerne.

Etwas später wird uns das Amuse Bouche serviert:

Consomé von der Auster [5/10]

In einem kleinen Porzelanschälchen wird uns eine intensive, sehr harmonische Austernconsomé mit etwas Tofu serviert. Der Geschmack ist noch Minuten später in unserem Gaumen allgegenwärtig. Ein schöner Start.

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Sashimi of Corner Inlet rock flathead, Tasmanian trumpeter, salt cured wild eyster cream, black lipped abalone, raw sea cabbage, nasturtiums, warrigals, periwinkles [-/10]

Nicht einmal sechs Minuten später wird uns der nächste Gang serviert. Die Portion ist, anders als es auf dem Foto erscheinen mag, extrem klein. Verschiedene regionale, rohe Fische liegen als Sashimi auf dem Teller. Die Aromen sind wie erwartet sehr subtil. Einzig der Tupfer Austernsauce bringt etwas Schwung, in diesen sonst eher langweiligen Menü-Auftakt.

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Congee of Norther Australien mud crab, fresh palm heart, egg yolk emulsion [7/10]

Vor sieben Minuten assen wir den letzten Happen unseres Sashimis, jetzt steht bereits der zweite Gang auf unserem Tisch. Vom hetzigen Tempo genervt, tauchen wir den Löffel in die Suppe und werden von dem erstklassigen Aroma gleich wieder besänftigt. Der Geschmack ist tief und wuchtig.

Wir schmecken das Palmherz, einen leichten Kokosgeschmack und das eindrückliche Aroma der Krabbe. Ein rundum schöner Gang. Der einzige Kritikpunkt ist die Ähnlichkeit zum Amuse Bouche – in unseren Augen hätte deshalb ein anderes Amuse serviert werden sollen.

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Diesmal gönnt man uns eine Virtelstunde Pause, bevor man uns den nächsten Gang schickt. Jetzt haben wir auch das erste Mal richtig Zeit um den Wein in aller Ruhe zu geniessen, ohne dass der Sommelier bei halbem Füllstand mit der nächsten Flasche am Tisch steht.

Gently poached souther rock lobster, hand caught Tasmanian squid, golden tapioca, lobster velvet [6/10]

Wir heben den kleinen Porzellandeckel und finden darunter dünn aufgeschnittenen Tintenfisch, dekoriert mit gelben Tapioca Kügelchen. Der Tintenfisch ist ein Tick zu gummig, die Tapioca Perlen haben zwar einen würzigen Geschmack, sind beim zerbeissen aber überhaupt kein Genuss – da sie nicht wie Kaviar zerplatzen, sondern an den Zähnen kleben. Auf voller Linie überzeugt dann aber der aromatische Lobster. Dieser liegt unter der restlichen Komposition und ist von sehr hoher Qualität.

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Brot

Als kleiner Zwischengang wird uns Brot, etwas Salz und Butter serviert. Wir haben dabei die Wahl aus vier verschiedenen Broten, welche aus einer externen Bäckerei stammen. Diese sind zwar alle in Ordnung, vermögen aber unsere Sehnsucht nach Brot aus der fernen Heimat nicht zu stillen.

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Roasted partridge breast, steamed truffle brioche, confit egg yolk, new season white walnuts, fumet of Vin Jaune [8/10]

Das Rebhuhn ist nicht nur perfekt medium gebraten, sondern hat auch ein charaktervolles Aroma, welches mit den restlichen Akteuren auf dem Teller kombiniert, zu Höhenflügen ansetzt. Da wären zum Beispiel die weissen Walnüsse, die nicht nur geschmacklich harmonieren, sondern auch für den zusätzlichen Crunch-Effekt sorgen. Den Glanzpunkt setzt aber das atemberaubende Brioche, dessen perfekt dosierte Trüffelaroma, im Einklang mit dem Vogel steht. Ein rundum starker Gang – genau wegen solchen Gerichten sind wir hierher gekommen.

Ebenfalls freuen wir uns, dass man jetzt anscheinend endlich, ein gutes Timing beim servieren der Speisen gefunden hat.

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Zu früh gefreut, die Küche schickt die Teller anscheinend völlig willkürlich. Denn jetzt gibt es wieder nur eine kurze Pause von nicht einmal 10 Minuten, bevor uns diese geräucherte Schweinebacke serviert wird.

Smoked and confit pig cheek, shiitake, shaved scallop, Jerusalem artichoke leaves, juniper, bay [6/10]

Das Fleisch ist fettig und entsprechend intensiv im Aroma. Das Fett ist aber nicht unangenehm zu essen, sondern vergeht förmlich auf der Zunge und gibt so seinen ganzen Goût ab. Die dünnen Scheiben von der Jakobsmuschel, welche mit der Schweinebacke kombiniert werden, gefallen uns zuerst nicht, erst nach und nach bildet sich die Symbiose zwischen den beiden konträren Produkten. Die knusprigen Artischocken sorgen für eine weitere Textur, können das Gericht aber geschmacklich nicht bereichern. Unter dem Strich ein sehr gutes Gericht, dass uns aber bei weitem nicht gleich stark fasziniert wie das Vorhergehende.

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Pasture raised milk fed veal, poached in smoked bone marrow fat, shiitake mushrooms, raw buckwheat, young orach, parsnip [6/10]

Wir freuten uns auf eine intensive Sauce beim Hauptgang, doch hier dominiert vor allem der Shiitake Pilz, welcher auch schon beim vorherigen Gericht präsent war. Das Ganze ist als kleiner Turm aufgebaut, bei dem sich das Fleisch und der Pilz jeweils in einer dünnen Scheibe abwechseln. Uns gefällt diese japanisch anmutende Komposition sehr gut. Es handelt sich hier um ein sehr leichtes Gericht, welches Dank dem extrem zarten Kalbsfleisch, sehr genussvoll zu essen ist. Trotzdem ist auch dieser Teller alles andere als eine Geschmacksbombe und sicher nichts, was uns lange in Erinnerung bleiben wird.

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Guava Snow Egg [8/10]

Das Snow Egg ist ein Signature Dish von Peter Gilmore. Seit 5 Jahren steht es ununterbrochen auf seiner Karte. Die Präsentation ist sehr anmutend. Wir werden aufgefordert, die Eierschale mit dem Löffel aufzubrechen. Nachdem das Ei zuerst einen überraschend starken Wiederstand gibt, ist ein wunderbares Knacken zu hören und wir erhalten einen Blick auf das Innenleben. Dieses erinnert uns an Amador’s Dessert mit Rieslingsschaum. Die knusprige Caramel-Schale ist süchtig machend, der Inhalt fruchtig leicht. Und so ist das Snow Egg das beste Dessert auf unserer Australienreise. Schade nur, dass das Eis mit Pfirsicharoma, welches das Ei umgibt, zu eisig und zudem masslos überdimensioniert ist.

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Quay’s Eight texture chocolate cake [6/10]

Während das Menu bis hierhin sehr leicht war (mit Tendenz zu etwas gar kleinen Portionen), wird das Ganze mit diesem Schokoladenkuchen in’s Gegenteil gedreht. Der Schoko Cake wird in sieben Texturen serviert. Etwas crumble, Canache und noch dünne Schokoladenschichten. Die achte Textur wird vom Servicemitarbeiter direkt am Tisch, in Form von heisser Schokolade, über den Kuchen gegossen. Dabei bildet sich in der Mitte eine kleine Einbuchtung und fällt dort leicht zusammen – schön inszeniert.

Das Dessert ist, wie man es sich vorstellen kann, extrem wuchtig. Die verschiedenen Texturen machen zwar Spass, der Schokoladengeschmack ist aber spätestens nach dem viertel Löffel zu viel des Guten und man kämpft… oder lässt den letzten Drittel liegen. An dieser Stelle können wir zwar niemandem einen Vorwurf machen – schliesslich haben wir dieses Dessert explizit verlangt – auf die vielen Lobeshymnen auf diese Nachspeise können wir aber nicht einstimmen. So spielt der konzeptionell vergleichbare Schokoladencake von Heston Blumenthal in einer ganz anderen Liga. Zudem hat man dort auch die richtige Balance gefunden, damit das Dessert bis zum letzten Bissen ein Genuss bleibt und nicht zu mastig wird.

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Friandises [7/10]

Zum Abschluss werden uns noch zwei sehr feine Pralinen serviert. Beide waren von erster Güte und ein grosser Genuss. Die Auswahl, in Relation zum sehr hohen Menüpreis, ist aber etwas gar knausrig.

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Fazit: Das ‚Quay‘ war das beste Restaurant auf unserer Australienreise. So klar, wie wir uns das im Voraus vorgestellt hatten, war dieser Entscheid aber nicht. Die Gerichte hier waren zwar allesamt sehr aufwendig zubereitet, doch geschmacklich blieben einige klar hinter den Erwartungen zurück. Da fast alle Speisen seit Monaten oder gar Jahren auf der Karte stehen, hätten wir mehr Ausgereiftheit und Genialität erwartet.

Die Aussicht war, wie eingangs erwähnt, traumhaft. Das kann man vom Restaurant Ambiente leider nicht behaupten. Das ‚Quay‘ ist kein gemütliches Restaurant. Denn was sich bereits bei der Reservation abzeichnete, zog sich auch im Restaurant durch. Das Service-Team versucht zwar auf hohem Niveau zu arbeiten, schafft das aber nicht. Das liegt nicht nur an der eher gekünstelt steifen Art, sondern auch an den unerwartet vielen Fauxpas, die wir auf diesem Niveau zuvor noch nie angetroffen haben. An der Spitze steht ganz klar die willkürlichen Wartezeiten zwischen den einzelnen Gängen. Einmal sechs Minuten, dann Zwölf dann wieder nur Neun – diese Pausen waren zum Teil so kurz, dass man das Gefühl hatte, dass die Mitarbeiter früher Feierabend machen wollten.

Aber es gab auch andere Ungereimtheiten. Das begann bei den vier Apéritiv-Karten für fünf Personen (das wurde nicht einmal korrigiert), von falsch aufgetragenen Speisen bis hin zu der Situation, dass uns ein Kellner einen Gang avancieren wollte, aber vergass um was es sich auf dem Teller handelte und zuerst nochmals nachfragen musste. Ebenfalls ungewohnt: oft wurden die Speisen von nur einer Person servierten und so standen die Teller nicht miteinander auf dem Tisch, sondern jeweils mit Verzögerung – in einem normalen Restaurant wäre das nicht weiter schlimm – vielleicht würde ein Mitarbeiter das auch mit der nötigen Prise Humor abtun. Doch da man dabei eher distanziert und kühl auftritt, wirkt das überhaupt nicht professionell. Hier fehlt es offensichtlich an einem guten Maître, der dem ‚Quay‘ eine Seele gibt und die Mitarbeiter richtig schult und begeistert. Da könnte sich das ganze Team auch eine Scheibe beim gegenüberliegenden Bistro ‚baroque‚ abschneiden.

Peter Gilmore zeigte sich übrigens den ganzen Abend nicht im Restaurant. Als wir nach dem Hauptgang vor dem Lokal standen um frische Luft zu schnappen, huschte er wortlos an uns vorbei, stieg in seinen mossgrünen Jaguar und brauste in die dunkle Nacht –  dies bereits um 22.00 Uhr – zu der Zeit wo einige Gäste noch nicht einmal die Hauptspeise vor sich hatten.

Bis zu 150 Gäste, ein zeitlich hastiges und unkoordiniertes Menü, viele Fehler und das von einem unpersönlichen Service und dazu ein Chef der bereits die Küche verlässt wenn Gäste noch nicht einmal den Hauptgang haben – für uns sieht das nicht nach einem begeisterten Team aus, sondern wirkt viel zu routiniert und als hätte man es nicht mehr nötig. Vielleicht ist das auch der Grund, warum viele Gerichte zwar aussehen wie aus dem Bilderbuch, aber geschmacklich grosses Potential nach oben haben. Wir können das ‚Quay‘, bei Anbetracht des hohen Preises, nicht weiterempfehlen.

Menü: Man wählt das vorgegebene 8 Gänge Tasting Menü zu 220 AUD oder man stellt sich aus je vier verschiedenen Speisen ein eigenes 4 Gänge Menü zu 165 AUD zusammen. Dazu serviert man ein Amuse Bouche, ein kleiner Zwichengang der aus Brot besteht, sowie zwei Pralinen als Friandises. Die Speisen auf der Karte wechseln nur selten. Das Essen dauerte kurze 3 Stunden.

Wein: Neben der grossen Weinkarte werden auch zwei Weinbegleitungen angeboten. Die Klassische kostet 95 AUD, die Premium 175 AUD – das für je 8 Gläser.

Unsere Weinbegleitung war gut, doch Australien hat viel, viel mehr zu bieten.

2009 Moorilla ‚Muse‘ Riesling, Tasmania
2010 Krinklewood Chardonnay, Hunter Valley, New South Wales
2009 Bella Ridge Chenin Blanc, Swan Valley, Western Australia
2010 Thick as Thieves ‚Pocco Rosso‘ Nebbiolo, Upper Yarra Valley, Victoria
2010 Roblin ‚Origine‘ Sancerre Rosé, Loire Valley, France
2010 Caillard Mataro, Barossa Valley, South Australia
2010 Charles Hours ‚Clos Uroulat‘, Jurançon, France
NV Campbells Classic Popaque, Rutherglen, Victoria

Online: Die Internetseite ist vorbildlich. Gut strukturiert, schöne Optik und aktuell.

Tipps: Reservationen werden nur bis zu 6 Monate im Voraus entgegen genommen

Wertung: Gourmör

(Besucht im August 2012)

Nu Nu in Palm Cove (Australien)

Nach einer Woche im kargen Australischen Outback, sind wir an der tropischen Ostküste angekommen. Wir haben zwar auch die letzten Tage überraschend gut gegessen, freuen uns aber sehr auf ein mehrgängiges Menü im Restaurant ‚Nu Nu‘ – das zweite Restaurant welches wir bereits im Voraus gebucht haben.

Das Restaurant liegt in Palm Cove, 20 Autominuten nördlich von Cairns. An der 900 Meter langen Meerpromenade im kleinen Örtchen, steht ein Restaurant nach dem anderen. Die vielen eleganten Lokale wirken einladend und die meistens weiss gedeckten Tische lassen auf ein mehrheitlich eher wohlhabendes Klientel schliessen.

Wir finden „unser“ Restaurant erst beim zweiten Anlauf. Neben den anderen Lokalen wirkt das ‚Nu Nu‘ eher unscheinbar und wegen dem Zelteingang samt Reissverschluss nicht gerade einladend. Wären wir zufällig hier und wüssten nicht, dass hier Nick Holloway auf hohem Niveua kocht, hätten wir uns wohl für ein anderes Restaurant entschieden. Aber zum Glück gibt es auch im Guide Michelin freien Australien Restaurant-Führer die bei der Restaurant-Auswahl helfen.

Auch beim Betreten des Restaurants brechen wir nicht in Begeisterungsstürme aus. Der augenfällige Papierbaum ist zwar gekonnt ins Restaurant integriert und die vereinzelten Sofas wirken gemütlich, doch die kleinen weissen Plastiktischchen – welche für grössere Gruppen zusammengeschoben werden – versprühen eher den Charme einer Gartenparty. Dazu kommt, dass das ‚Nu Nu‘ die Restaurationsfläche mit drei weiteren, von einander unabhängigen, Restaurants teilt. Lediglich eine transparente Plastikwand trennt die drei Bereiche voneinander. Im Sommer werden die Wände abgebaut und man sitzt den ganzen Abend „draussen“ während die Meeresbriese durchs Haar weht. Jetzt im Australischen Winter, bei 26 Grad Tagestemperatur, wirkt das Ganze aber sehr ungewohnt.

Ganz hinten im Restaurant finden wir einen Tisch in einem modernen Setting. Gäste wurden dort aber nicht platziert.

Zum Glück sind wir nicht wegen der Atmosphäre hier, sondern des Essens wegen. Die Auswahl wird uns sogleich vom charmanten Servicemitarbeiter in einem schlichten Menü-Kärtchen vorgelegt. Darauf finden wir neben einer interessante à la carte Auswahl auch ein 5 und ein 8 gängiges Überraschungsmenü. Die ganze Tischgesellschaft muss dabei das gleich grosse Menü bestellen.

Da wir von der Küche möglichst viel sehen möchten, ordern wir das grosse Menü und erhalten gleich danach etwas zu knabern.

Brot

Dieses spezielle Brot, oder besser gesagt Fladenbrot, ist nicht mit Teig gefüllt sondern mit heisser Luft. Sobald man eine Ecken heraus reisst, fällt es in sich zusammen. Uns gefällt die Wärme und die erfischenden Aromen welche auf dem Teig thronen.

Zum Glück erhalten wir etwas später noch einen Zweiten welcher die lange Wartezeit (30 Minuten!) auf den ersten Gang überbrückt.

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„Geschmack aus dem Paradies“ & dünn geschnittenes lokales Palmherz, Melone, Limette, Kräuter und Chilli {7/10}

Der erste Gang wird auf zwei Tellern präsentiert. Auf dem Einen liegen dünne Streifen vom Palmherz und der Melone. Die Kombination stellt hohe Ansprüche an den Gaumen, denn die Aromen sind sehr subtil – vor allem um den Geschmack des Palmherzes zu erleben braucht es Konzentration – und ein leeres Weinglas.

Alles andere als subtil schmeckt der zweite Bestandteil von diesem Menüauftakt. Uns wird dieser als „Spaziergang durch Thailand“ annonciert. Wir legen das Blatt auf die Zunge und staunen. Bei jedem Bissen verändert sich der Goût im Mund gänzlich. So schmecken wir die Schärfe, die Süsse und sogar etwas fischiges. Im Abgang wird der Gaumen von etwas Curry und Zironengrass gekitzelt. Sehr überzeugend und extrem spannend.

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Eingelete Fische mit Safran, Orange Baby-Lauch {5/10}

Der nächste Teller führt uns ans Meer. Vor uns liegen diverse Meeresfrüchte. Ein netter Gang mit leichten Aromen und einer stimmungsvollen Präsentation.

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Knusprige Pazifische Austern mit handgerollten Grüntee Nudeln, Qualle, Sesam und Ingwer Caramel {6/10}

Ein weitereres sehr überzeugendes Gericht bei dem nicht nur die schön knusprigen Austern gefallen, sondern auch die al dente gekochten Nudeln. Lediglich das Grüntee-Aroma vermissen wir.

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Red Emperor mit Ricotta Dumplings, Tomatenessenz, Fenchel, knuspriges Salbei und Zitrone {6/10}

Der mächte und knallrote „Red Emperor“-Fisch ist uns schon beim lokalen Fischhändler aufgefallen. Nun liegt ein solches Stück auf unserem Teller. Das Fleisch hat einen kräftigen Biss der von der Konsistenz an den Seeteufel erinnert. Nick Hollowaydas Brigade schafft es den hochwertigen Fisch unverfremdet in den Vordergrund zu stellen. Lediglich ein Salbeiblatt rundet das Aroma ab. Ebenfalls sehr lecker sind die feinen Ricotta Dumblings.

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Mit Orange und Honig gebratene Ente, gepresster Schenkel, Kichererbsen, Petersiliensalat und mit Rosen parfümierte Sauce {6/10}

Das Entenfleisch ist sehr charaktervoll, die süssen Komponenten, der passende Begleiter. Am besten gefällt uns, der zu einer Kugel gepresste Schenkel mit seinen originellen, orientalischen Gewürzen. Wiederum ein sehr stimmungsvolles Gericht!

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Lamm aus Victoria mit braunen Sprossenblättern, Kräuter Sauce, kandierter Serrano-Schinken, Knoblauch-Pudding, knuspriges Hirn und eingelegte Sardellen {6/10}

Das am Knochen servierte Lammfleisch ist zart und fein im Geschmack. Das Highlight auf dem Teller ist die Knoblauch-Crème – super in der Konsistenz, wohl dosiert im Aroma. Zu guter Letzt liegt noch etwas frittiertes auf dem Teller, bei dem wir uns nicht sicher sind um was es sich handelt. Ein Pilz? Als wir beim Kellner nachfragen antwortet er nüchtern mit „Brain“ – nun ja, schmecken tut es.

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Käse

Der Weichkäse (Herkunft leider nicht notiert) wird von Nüssen, Gurken und knusprig-buttrigem Brotscheiben begleitet. Das Ganze geht knapp in Ordnung, wirklich ambitioniert ist dieser Käseteller aber nicht.

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Soufflé von der gebratenen Banane mit Kokosnuss Zucker Caramel, Bananen-Twinkie und Kokosnuss Sorbet {6/10}

Das köstliches Soufflé fasziniert uns auf Anhieb. Auch an dem erfrischenden Sorbet von der Kokosnuss erfreuen wir uns. Das „Twinkie“ ist dagegen etwas gar mastig und passt deshalb nicht in dieses sonst eher leichte Menü. Trotzdem ein schöner Abschluss.

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Fazit: Die 30-minütige Wartezeit zum Menüauftakt war klar zu lange. Danach schickte die Küche aber in einem angenehmen Tempo, ein überzeugender Gang nach dem anderen. Durchhänger sucht man zum Glück vergebens.

Im Sommer ist das ‚Nu Nu‘ bestimmt ein charmantes Restaurant. Im Winter verspüht es eher den Charme eines edlen Festzelts. Dass wir hier trotzdem sofort wieder zurückkehren würden, liegt sowohl am netten Service als auch an dem wunderschönen, asiatisch angehauchten Menü. Die Speisen sind sehr fantasievoll und harmonisch. Man spürt bei jedem Gericht, dass die Küchencrew um Nick Holloway mit viel Motivation am Herd steht. Wer in Cairns oder nördlicher Umgebung Ferien macht, sollte einen Abstecher nach Palm Cove machen.

Menü: Neben dem Überraschungs-Tasting-Menü (welches aus à la carte Gerichten zusammengestellt wird) zu 135 $ (8 Gänge) respektive 95 $ (5 Gänge) werden auch einige Gerichte à la carte angeboten. Vorspeisen kosten ca. 27 $ / Hauptgänge zwischen 45 und 70 $ – zusätzliche Beilagen zwischen 4 – 14 $ – und die Desserts im Schnitt 19 $. Das Essen dauerte 3 3/4 Stunden und hatte – nach der anfänglich langen Wartezeit, ein angenehmes Tempo.

Wein: Neben der kleinen Weinkarte steht auch eine Weinbegleitung zur Auswahl. Die Begleitung zum 8 Gänge – Menü kostet 80 $, die mit 5 Gläser wird mit 60 $ verrechnet.

Online: Die Flash basierte Internetseite ist schön. Darauf findet man einige Bilder sowie das aktuelle Menü.

Wertung: Gourmör

(Besucht im Juli 2012)

Cutler & Co. in Melbourne (Australien)

Für den kulinarischen Auftakt unserer Australienreise, haben wir uns einen Tisch im ‚Cutler & Co.‘ in Melbourne reserviert. Das Restaurant liegt in Fitzroy, einem ehemaligen Arbeiterviertel, welches vom Stadtzentrum in wenigen Minuten per Taxi erreichbar ist. Hier steht, seit der Eröffnung im Jahr 2009, Andrew McConnel als Küchenchef am Herd.

Von aussen ist das Lokal recht unscheinbar. So fährt der Taxifahrer genau so daran vorbei, wie wir später zu Fuss. Dank dem blauen Neonlicht, welches wir von der Internetseite wiedererkennen, finden wir das Restaurant dann doch noch. Beim betreten des Lokals fällt gleich die grosse Bar beim Eingang auf. Entlang der Steinmauer sind die Tische platziert. Etwas weiter hinten steht nochmals eine etwas grössere Tischgruppe beieinander.

Die Einrichtung ist chic und minimalistisch. Auf den Holztischen liegen keine Tischtücher und die Speisekarte ist auf einem schlichten A3 Papier gedruckt. Die Geräuschkulisse ist recht hoch, die Atmosphäre ungezwungen – nur wenig lässt darauf schliessen, dass wir uns hier in einem der besten Restaurants von Melbourne befinden. Zum Glück erhalten wir einen Tisch direkt beim Eingang, denn hier stehen nur einzelne Tische und die Lautstärke ist angenehmer. Das Lokal ist sehr dunkel, für ein Speiserestaurant viel zu dunkel! So sollten wir die später servierten Gerichte, in dieser spährlichen Beleuchtung, nur schwer erkennen.

Das Serviceteam ist sehr jung und, für Australien typisch, aufgeschlossen und unkompliziert. Auf dem gereichten Speiseblatt finden wir sowohl die à la carte Auswahl als auch ein Tasting Menü in 8 Gängen – dieses muss von der ganzen Tischgesellschaft bestellt werden – einzelne Gänge streichen oder ersetzen ist nicht möglich.

Wir ordern das Menü und sind sehr gespannt was uns in den nächsten 2 ½ – 3 Stunden, so wird es uns angekündigt, erwarten wird.

Seegras Cracker mit geräucherten Auberginen & Sesam [-/10]

Der Cracker ist wie erwartet knusprig und frisch. Das angenehm meerige Aroma gefällt uns – ein schöner Auftakt.

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Brot

Das gereichte Brot ist in Ordnung, vermag uns Schweizer aber nicht zu begeistern, denn diese Qualität sind wir uns gewohnt. Zum Nachteil der Küche, sind wir erst seit zwei Tagen in Down Under; ein paar Wochen (und viele Toastbrotscheiben) später, hätten wir uns darüber weitaus mehr gefreut.

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Appetisers [5/10]

Die Appetiser-Selektion gilt als 1. Gang und beinhaltet feine Oliven aus Spanien, kleine Australische Austern sowie dünn aufgeschnittener Oktopus mit Aïoli und Paprika. Als viertes Element stellt man uns eine Zigarrenkiste auf den Tisch. Darin liegen knusprige Gänseleber „Zigarren“. Diese bilden dann auch den Höhepunkt dieser Vorspeiseauswahl. Die Rollen sind sehr frisch und das Fois Gras Mousse sehr überzeugen im Aroma.

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Schwertfisch-Sashimi, Wasabi, Avocado, Rettich, Gurken [-/10]

Der rohe Fisch und das Wasabimousse harmonieren gut zusammen. Dazu hat man die rassige Wurzel mit etwas Rahm gekonnt entschärft. Der frische Schwertfisch kann dadurch seinen Eigengeschmack zur Geltung bringen. Die Gurken, Avocadotupfer und die dünnen Rettichscheiben sind zwar nette Dreingaben, da sie das Gericht aber nicht bereichern, hätte man sie auch getrost weglassen können. Alles in allem ein netter aber noch zurückhaltender Start.

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Handgefangene Krabben, Mandeln, King Brown Pilz, Buion [5/10]

Der zweite Gang gleicht zwar farblich dem Vorhergehenden, gefällt uns geschmacklich aber besser. Die Krabben sind zwar nicht ganz so tonangebend wie erwartet, haben aber einen schönen runden Geschmack. Dazu gesellt sich ein wunderbares Mandelpürée. Eine klare Steigerung im Menü, obwohl auch hier die uneingeschränkte Begeisterung ausbleibt – dazu ist das Gericht etwas eindimensional.

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Im Heu gebackene Möhren, Ziegen-Quark, geröstete Körner und Asche [6/10]

Ein vegetarischer Gang der sich in der Optik von den vorhergehenden Gerichten differenziert. Die Karottenstücke verfügen über einen intensiven Eigengeschmack (wenn auch nicht unbedingt nach Heu) und die Tupfer vom Ziegenkäse sind eine grosse Bereicherung – vor allem mit den darüber gestreuten Nüssen, die dem Gericht dank Röstaroma, die nötige Tiefe verleihen. Ein sehr spannender und harmonischer Gang.

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Gebratene & geräucherte Ente, Blutwurst, Randen [7/10]

Für das Entengericht gibt es, zum ersten Mal am heutigen Abend, gedanklichen Applaus. Das Fleisch ist nicht nur wunderbar zart, sondern umgeben von einem leicht knusprigen Mantel – absolut toll. Auch der geräucherte Entenschinken und die Blutwurst gefallen uns ausgesprochen. Für den Kontrast sorgen getrocknete Randen-Chips und gedämpfte Randen. Die Chicore-Blätter verleihen dem Gericht eine leicht bittere Note. Ein sehr überzeugender Teller, der richtig Spass macht.

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Geschmorte Rindsbacke , geräuchterte Rindszunge, gebratener Kohlrabi, Zwiebel Soubise [7/10]

An diese Qualität kann der Hauptgang natlos anknüpfen. Die Rindsbacke stellt die vorhergehende Ente, in punkto Zartheit, sogar noch in den Schatten. Das Fleisch lässt sich wie Butter schneiden. Der Geschmack ist sehr delikat und vollmundig. Auch die Rindszunge gefällt uns sehr gut. Dazu gesellt sich durch die Zweibeln ein schönes Röstaroma sowie ein erstklassiger Kartoffelstampf. Ein toller Hauptgang!

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Apfel & Sauerampfel Sorbet, Fenchel und Dill  [5/10]

Das Sorbet gefällt uns. Daneben finden wir kleine Fenchel Meringues und Dill-Gelées. Dieses Dessert ist aromatisch und sehr erfrischend.

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Veilchen Eis, Schokoladen-Ganache, Sauerkirsch & Gewürznelken Baiser [6/10]

Als zweite Nachspeise wird uns ein Veilchen-Eis sowie zwei Kugeln feinste Ganache serviert. Dieses Dessert überzeugt dank den spannenden Aromen sowie dem Nelken Baiser. Die getrockneten Sauerkirschflocken sorgen für eine flankierende Säure. Der Sponge ist eine nette, aber etwas gar geschmacksarme Dreingabe.

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Petit fours [7/10]

Zum charakterstarken Espresso wird uns ein Praliné aufgetischt. Dieses ist sehr hochwertig. Die Schokoladenhülle knackig, die gesalzene Caramel ein Traum! Über eine etwas grössere Auswahl hätten wir uns sehr gefreut – dann hätte auch das plurale „Petit fours“ auf der Menükarte gepasst.

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Fazit: Selten haben wir ein solch gut portioniertes Tasting-Menü serviert bekommen. Als wir das ‚Cutler & Co‘ verliessen fühlten wir uns wohl gesättigt und trotzdem federleicht. Auf der Rückfahrt durch die tolle Metropole konnten wir über das Menü resümieren. Wir haben im ‚Cutler & Co.‘ sehr gut gegessen. Einige der Gerichte waren für unseren Geschmack zwar etwas zurückhaltend im Aroma, respektive zu wenig ausbalanciert, doch im Gegenzug haben wir auch richtig tolle Speisen serviert bekommen. Vor allem das Entengericht und der Hauptgang konnten uns nachhaltig begeistern.

Das Tasting-Menü wurde in einem angenehmen Tempo serviert und dauerte dann (zum Glück) doch gemütliche 4 Stunden. Da die Tische nur ein Mal pro Abend vergeben werden, hatte man auch zur keiner Zeit das Gefühl, dass man gestresst wird. Der Service ist, wie auch das ganze Restaurant, sehr unkompliziert. Um uns richtig wohl zu fühlen bräuchte es lediglich eine etwas gedämpftere Geräuschkulisse und vor allem mehr Licht – viel mehr Licht!

Die 3 Sterne Wertung des Gourmet Traveler, welche das ‚Cutler & Co‘ als drittbestes Restaurant Australiens listet, halten wir dennoch für gar euphorisch. Wir sind überzeugt, dass die 6ö-Wertung die Küchenleistung besser wiederspiegelt.

Wer in Melbourne einen Ort sucht, in dem man ungezwungen sehr gut essen kann, ist im ‚Cutler & Co.‘ an der richtigen Stelle. Wer ein Lokal für kulinarische Höhenflüge sucht, wird hier aber nicht vollends glücklich.

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Menü: Zur Auswahl steht ein 8 gängiges Degustationsmenü zu 150 AUD. Der erste Gang bildet die Appetiser-Selektion – ein Amuse Bouche wird nicht offeriert. Am Ende gibt es noch ein Petit Four. Das Menü muss von der ganzen Tischgesellschaft bestellt werden – Änderungen oder Kürzungen werden nicht ermöglicht.

Bei der à la carte Auswahl findet man neben den einzelnen Speisen des Degu-Menüs, auch ein paar weitere Gerichte. Die Vorspeisen kosten zwischen 24 – 34 AUD, die Hauptgänge 39 – 47 AUD. Desserts werden für 18.50 AUD verrechnet.

Wein: Neben der Weinkarte werden zum Menü auch zwei verschiedene Weinbegleitungen angeboten. Die Premium-Auswahl zu 150 AUD fokussiert sich auf kleinere Hersteller und rarere Weine, die klassische Begleitung für 100 AUD auf etwas bekanntere Erzeugnisse. Da es bei beiden Pairings einige Europäer dabei hatte, wir aber nicht um die halbe Welt gereist sind um nun europäischen Wein zu trinken, baten wir um eine “regionale” Weinbegleitung. Diesem Wunsch kam der Somelier sehr gerne nach. Die Auswahl war in Ordnung, richtig genial war der Sally’s Paddock Cabernets zum Hauptgang. Toll: Der Somelier stellte uns jeden Wein ausführlich vor.

Hier unsere Weinbegleitung welche mit 100 $ verrechnet wurde:

2006 Bella Ridge ‘Bella Fino’ – Swan Valley WA
2011 Grosset ‚Off-dry‘ Riesling – Clare Valley SA
2010 Fighting Gully Road ‘Aquila’ Chardonnay/Viognier / Petit Manseng – Multi-regional Vic
2011 Garagiste ‘Merricks’ Pinot Noir Mornington – Peninsula Vic
2006 Yalumba ‚Vine Vale‘ Grenache – Barossa Valley SA
2008 Sally’s Paddock Cabernet – Pyrenees Vic
2008 Pegasus Bay ‚Aria‘ Late Harvest Riesling – Waipara NZ
2005 Stanton & Killeen Vintage Port – Rutherglen Vic

Online: Das Restaurant hat erst kürzlich seine Flashbasierte Homepage durch eine übersichtliche HTML Seite ersetzt. Wir finden den Internetauftritt sehr gelungen und übersichtlich.

Wertung: Gourmör

(Besucht im Juli 2012)