Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg in Perl-Nennig (D)

Die Autofahrt dauert mehr als vier Stunden, bis wir das 5-Sterne Hotel Victor’s Residenz-Hotel Schloss Berg im kleinen deutschen Dörfchen Perl, nahe der luxemburgischen Grenze, erreichen. Das weisse Schloss mit den 96 Zimmern ist umgeben von saftig grünen Rebbergen der Mosel. Die Umgebung ist nett, das Hotel ebenfalls – aber wegen beidem hätten wir die soeben zurückgelegten 400 Kilometer sicher nicht auf uns genommen. Der Grund unserer langen Reise heisst Christian Bau – einer der zehn deutschen 3-Sterne-Köche. Seit 17 Jahren führt er zusammen mit seiner Frau Yildiz das kleine Restaurant Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg.

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Kurz vor halb acht betreten wir das Restaurant mit dem holprig langen Namen (wieso nicht einfach ‚Bau‘?). Hinter der markanten Holztür werden wir von einer freundlichen Dame in Empfang genommen und in das längliche Lokal geführt. Dieses ist nicht nur vorbildlich beleuchtet, sondern auch stilvoll und hochwertig eingerichtet. Obwohl bereits alle Tische besetzt sind, ist der Geräuschpegel so tief, dass man die berühmte Stecknadel zu Boden fallen hören würde. So wechseln auch wir von Beginn weg auf den Flüstermodus und hoffen, dass sich die biedere Stimmung bald auflockern wird – was sie aber leider den ganzen Abend nicht tun wird.

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Unsere Stimmung rutscht gleich komplett in den Keller. Denn während wir mit grosser Vorfreude in den bequemen Stühlen sitzen, werden wir auf ein kleines Kärtchen, auf dem weiss gedeckten Tisch aufmerksam. Darauf teilt man den Gästen mit, dass hier im Restaurant Fotos unerwünscht seien. Smartphones sind erlaubt – jedoch keine Kameras. Selbstverständlich ist jeder Gastronom frei bei der Gestaltung der Spielregeln. Jedoch wäre es angebracht diesen Hinweis auch auf der Internetseite zu platzieren, damit die Gäste diese Restriktion bereits im Voraus kennen. Enttäuscht stecken wir die Kamera wieder zurück in die Tasche. Zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass wir am Ende des Menüs noch mit Christian Bau ins Gespräch kommen und er uns spontan offeriert am nächsten Mittag eine paar Gerichte am Pass für die Fotografie zuzubereiten. Diesem Einsatz ist es dann auch zu verdanken, dass dieser Artikel überhaupt mit Bildern bereichert ist.

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Während die Kamera also vorerst in der Tasche schlummert, widmen wir uns der Speisekarte. Darauf finden wir das grosse Menü „Voyage Culinaire“ und mit der „Carte Blanche“ eine etwas kürzere Alternative. Wir entscheiden uns für das grosse Menü und hoffen inständig, dass es die Gerichte schaffen unsere aktuelle Stimmung aufzuheitern.

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Alle Menüs hier im Restaurant beginnen mit dem „Prolog“. In dem mehrteiligen Auftakt werden verschiedene Häppchen und Amuses serviert. Den Start machen Cornet mit Bio-Ox & Räucherfischcrème / Knuspriges Foccacia mit Bellota, Olive & Basilikum / Apfel-Macaron mit Saibling & Wasabi [9/10]. Die kleinen Kunstwerke sind liebevoll zubereitet. Jedes Einzelne demonstriert eindrücklich, wie hervorragend Christian Bau die Klaviatur der Texturen und Aromen beherrscht und dadurch perfekt komponierte Kreationen erschafft. Zudem ist es beeindruckend wie einzigartig der 44-jährige die französische Küche mit der asiatischen vermählt und dadurch dem Gast ein einzigartiges Geschmacksspektrum offenbart. Spätestens beim himmlischen Apfel-Macaron, mit der eleganten Wasabi-Note, haben wir den Kamera-Schock komplett vergessen.

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Karotte mit Joghurt, Koriander & Curry [10/10]

Grossartig geht es weiter. Gekonnt wird hier mit Temperaturen und Konsistenzen gezaubert. Das Resultat ist nicht nur absolut Wohlschmeckend, sondern auch spannend und facettenreich – grossartig!

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‚Japanisches Meer‘ [9/10]

Als nächstes serviert man uns in einem weissen Porzellan ein Sammelsurium aus dem Meer. Und so betörend es riecht, so schmeckt das elegante Gericht auch. Wir probieren uns durch verschiedene Muschelarten und staunen nicht nur ab der Produktqualität, sondern auch über die meisterliche Zubereitung. Überglücklich versinken wir im Sessel und hoffen inständig, dass der Abend noch lange nicht zu Ende sein wird.

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Gänseleber mit Café, Nuss & Rote Früchte [10/10]

Absolut gigantisch dann die Gänseleber-Praliné im Kaffee-Mattel mit gerösteten Haselnüssen. Das Juwel schmilzt auf der Zunge förmlich dahin und setzt das göttliche Aroma frei. Dazu gibt es ein perfekt temperiertes Gänseleber-Eis. Zum niederknien.

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Abgeschlossen wird die eindrückliche Ouvertüre von Yellow Fin Tuna mit Avocado & Japanischer Essenz [7/10] mit einer herrlichen Säurenote, sowie einem süffigen Chawanmushi mit Schnecken & Chinesischem Schnittlauch [8/10].

Wir sind am Ende des Prologs angelangt und staunen, mit welcher Lockerheit Christian Bau hier ein Highlight an das Andere reiht. Ein Lehrstück auch für diejenigen Köche die glauben, man müsse den Gast zum Start quantitativ einlullen und dabei den Wohlgeschmack völlig aus den Augen verlieren.

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Mit dem „Japanische Stein- & Gemüsegarten“ [10/10] beginnt der Hauptteil der „Voyage Culinaire“. Dies ist zugleich eines der schönsten uns jemals servierten Gerichte. Und zum Glück sieht es nicht nur episch aus, sondern schmeckt auch so. Mit grosser Hingabe probieren wir uns quer durch den Teller und kombinieren die unzähligen Zutaten zu immer neuen Geschmacksfeuerwerken. Dabei halten wir immer wieder inne und tauchen förmlich in den Teller ein. Ein absolutes Kunstwerk.

 

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Da hat es jedes Nachfolgegericht schwer. So auch der Taschenkrebs [6/10], der zwar sehr gut schmeckt, aber das extrem hohe Niveau nicht halten kann. Zwar gefällt uns auch hier die liebevolle Optik, doch kann sich der subtile Hauptakteur geschmacklich nicht gegen die dominanten Aromen der Gurke durchsetzen. Da kann auch die grosszügige Nocke Kaviar nichts retten.

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Mit der Japanische Gelbflossenmakrele [8/10] folgt ein Signature-Dish von Christian Bau. Dieser bringt das Menü wieder zurück auf die Gewinnerstrasse. Auf den Teller befinden sich rohe Tranchen von der Makrele, die von getrocknetem Ingwer und einem Hauch von Zitrusfrüchten, begleitet wird. Ein sehr harmonisches, elegantes und eindrucksvolles Gericht. (Kein Foto)

Der Grüne Spargel von ‚Monsieur Robert Blanc‘ [10/10] Ein besonderes Ess-Highlight ist dann ein Gericht für die Ewigkeit. Im Zentrum stehen die aromatischen Spargeln vom berühmten Spargel-Bauer aus der Provence. Bau veredelt das hervorragende Produkt und zaubert daraus ein veritables Meisterwerk. Dazu ergänzt er das Gericht mit Säure und Süsse. Ersteres stammt vom Gewürz-Sumach, welches dezent auf dem Teller liegt. Die Süsse kommt von einer perfekt dosierten, karamellisierten Miso. Dazu serviert man uns eine luftige Yuzu-Hollandaise die ihresgleichen sucht. Kaum zu glauben welche Emotionen drei „einfache“ Spargeln auslösen können.

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Ebenfalls grossartig ist dann die Langoustine³ [9/10]. Das wohlschmeckende Krustentier wird zum einen mit würziger Macadamia serviert. Daneben finden wir das edle Tier fein geschnitten, umhüllt mit Lardo. Als krönender Abschluss gibt es die Langoustine (Kaisergranat) als himmlische Praline. Abgerundet wird das Ganze mit Frühlingszwiebeln, Pok-Choi, Favabohnen, sowie einer wunderbaren Sauce.

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Der Steinbutt [7/10] ist perfekt gegart und liegt in einem süchtig machenden Sud mit angenehmer Säure. Die dünne Scheibe „Buddhas-Hand“ versprüht eine erfrischende Zitrusnote. Ein starkes Gericht.

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Während bei den bisherigen Gerichten die asiatischen Einflüsse für den entscheidenden Kick sorgten, setzt man bei den Hauptgängen eher auf eine klassische Zubereitung. So auch beim Rehrücken aus der Eifel [8/10] der sehr bunt daher kommt. So finden wir neben dem geschmacksvollen Wild, eine leuchtend grüne Frühlingsrolle aus Wirz und knallrote Kirschen mit einem brillanten Pfeffer-Aroma. Dazu kredenzt man eine charaktervolle Sauce und serviert Zwiebeln in verschiedenen Konsistenzen. Ein ausgezeichneter Hauptgang. (Kein Foto)

Als pré Dessert serviert man uns mit dem Mascarpone / Mango & Kokos / Rote Shiso-Infusion [10/10] ein erstes Highlight aus der Pâtisserie. Ein himmlisch-fruchtiges Dessert, bei dem wir uns mit dem Löffel wie Archäologen auf einer neuen Fundstelle, akribisch vorantasten. Dabei kombinieren wir die verschiedenen Bestandteile und werden mit wuchtigen Geschmacksexplosionen belohnt. Diese entführen uns gedangklich auf eine noch nicht entdeckte Insel. Ein Lehrstück, wie ein Dessert zu schmecken hat.

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Ebenfalls traumhaft ist das zweite Dessert mit Beeren / Calpico / Sake / Limone [9/10].  Dieses ist zwar üppig portioniert, aber wiederum angenehm leicht und äusserst geschmackvoll und mit vielen spannenden Texturen.

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Das letzte Dessert ist die Valrhona Schokolade `bau.stil.´ [9/10]. Eine exzellente Manjari-Canache mit Erdnusscrème und Caramell, sorgen für eine fabelhafte Neuinterpretation des Snickers. Dazu gibt es ein leicht gesalzenes, herrliches Caramel-Eis.

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Sweeties [10/10]

Zum grande Finale serviert man uns unzählige Süssigkeiten wie „Himbeer-Cheesecake“, „unsere Yogurette“, Yuzu-Praline und weiteres mehr. Diese sind allesamt auf höchstem Niveau und zudem fantasievoll und filigran zubereitet. Ein würdiger Abschluss eines grossartigen Menüs. (Keine Fotos)

christian_bau_victors_gourmet_restaurant_schloss_berg_perl_nennig_3Christian Bau

 

Fazit: Christian Bau ist ein grossartiger Koch. Seine Leidenschaft fürs Kochen spürt man bei jedem Bissen. Seine Kompositionen sind nicht nur wahre Bijous, sondern auch kulinarisch perfekt arrangierte Gerichte. Was beim Gast so locker daherkommt, ist das Ergebnis einer passionierten und ehrgeizigen Arbeit. Christian Baus Begeisterung für die asiatische Küche ist für den Gast ein weiterer Glücksfall, da man mit vielen neuen Geschmackskombinationen überrascht wird. Wir waren vom Besuch im Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg restlos begeistert und hatten auf der langen Rückreise noch viel zu träumen. Schade nur, dass sich die grossartige Kochkunst nicht auf alle Gäste abfärbt und die Stimmung im Restaurant eher streng ist. Zum Glück konnte Yildiz Bau mit ihrer offenen Art, der eher beklemmenden Stimmung etwas entgegenwirken. So oder so, Christian Baus Restaurant ist eines der Besten auf der Welt und gehört auf die Todo-Liste eines jeden Gourmets.

Hinweis: Die Kamera muss zu Hause bleiben. Im Restaurant sind nur Fotos mit dem Smartphone erlaubt.

Menü: Die grosse „Voyage Culinaire“ wird aktuell mit 198 € verrechnet. Diese kann man mit einem zusätzlichen Überraschungsgericht (30 €) oder mit Käse von Maître Antony (22 €) ausbauen. Die „Carte Blanche“ in vier Gängen kostet 130 €, in fünf Gängen 145 € und in sechs Gängen 175 €.

Online: Die Website des Hotels wird dem Spektakel im Restaurant nicht gerecht. Immerhin findet man darauf die wichtigsten Informationen und das aktuelle Menü. Viel emotionaler ist da Christian Baus eigene Website.

Wertung: Gourmör O10 / Michelin M3 / Gault-Millau GM19

(Besucht im Mai 2014)

christian_bau_victors_gourmet_restaurant_schloss_berg_perl_nennig_14Gastgeberin Yildiz Bau und Sommelier Daniel Kiowski

Brenners Park-Restaurant in Baden-Baden (Deutschland)

Das Brenners Park-Hotel & Spa in Baden-Baden gehört zu den luxuriösesten Hotels in Deutschland. In der 140 jährigen Geschichte war hier Walt Disney genauso gerne Gast wie Richard Tauber, oder jüngst Barack Obama. Auch viel geschichtsträchtiges ereignete sich innerhalb der hohen Mauern. So fanden hier 1962 die Vorgespräche, zwischen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle zum deutsch-französischen Freundschaftsvertrag, statt.

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Das Brenners ist nicht nur ein Vorzeigeobjekt der Hotellerie, sondern punktet auch bei der Kulinarik. Der ehemalige Küchenchef Andreas Krolik, kochte das Gourmetrestaurant Park Restaurant bis auf 2 Michelin Sterne. Im August 2012 entschied sich Krolik das Haus Richtung Frankfurt zu verlassen. Den talentierten Chef zu ersetzen war eine schwierige Aufgabe. Die Wahl fiel schliesslich auf den erst 32 jährigen Paul Stradner. Der gebürtige Steirer war Sous Chef beim 3-Sterne-Koch Jean-Georges Klein, als ihn das Jobangebot erreichte. Stradner packte die Chance, wechselte nach Baden-Baden, baute eine neue Brigade auf und verteidigte nach nur drei Monten einen der beiden Michelin Sterne.

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Dem jungen Österreicher eilt ein grossartiger Ruf voraus. Sein ehemaliger Chef bedauert es noch heute, dass ihn einer seiner talentiertesten Schützlinge verliess. Ein solches Lob aus dem Mund eines der besten Köche der Welt, machte uns neugierig und so reisen wir heute nach Baden-Baden welches 100 Autominuten von Basel entfernt liegt.

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Es ist beinahe dunkel als wir beim Hotel ankommen. Mit dem letzten Licht erspähen wir den grossen Park, der das ehrwürdige Haus umgibt. Der Page empfängt uns mit grosser Gastfreundschaft, so als wären wir hier Stammgäste. Auch der Empfang an der Réception ist wohltuend freundlich und so fühlen wir uns von Beginn weg sehr willkommen. Wir machen es uns erstmals in der wunderschönen Kaminhalle gemütlich. Hier geniessen wir neben dem lodernden Cheminée-Feuer unseren Apéritiv und lauschen den wohlklingenden Melodien des Pianisten.

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Pünktlich um halb sieben wechseln wir ins Park Restaurant. Dieses ist klassisch eingerichtet. Ölbilder zieren die roten Wände, das Licht ist warm und stimmig. Zehn Tische stehen im gemütlichen Restaurant in dessen Zentrum ein schönes Blumenbouquet platziert ist.

Die Speiseauswahl ist umfassend. Neben dem Degustationsmenü gibt es ein Vegi-Menü, ein Trüffel-Menü sowie interessante à la carte Gerichte. Die Entscheidung ist schwierig und so fragen wir nach der Möglichkeit, aus den verschiedenen Karten zu kombinieren. Dem Wunsch kommt man gerne nach und schon wenig später stehen die ersten Häppchen auf unserem Tisch:

Dreierlei vom Paprika [-/10]

Auf drei Löffeln wird eine nette Variation von der Peperoni serviert. Einmal sauer, dann salzig und zum Abschluss süss. Die Küchenbrigade demonstriert, dass sie neben den klassischen Zubereitungsarten auch die modernen Tricks beherrscht. Wir sind äusserst gespannt wie es weitergeht.

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Brot

Die zwei verschiedenen Brotsorten sind knusprig und fein. Dazu erhalten wir Butter, Salz, Olivenöl und stairisches Kürbiskernöl – hergestellt von Stradners Eltern.

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Mit Korianderkörnern und Fenchelsamen gebeizter Schottischer Wildlachs,  Tapioka-Gurken-Salat, Honig-Quark-Espuma und Leinsameneis [9/10]

Das erste Amuse Bouche ist nicht nur eine Augenweide, sondern auch geschmacklich unglaublich toll. Die Produkte sind von sehr guter Qualität und die Aromen eindrücklich herausgearbeitet. Die Kombination zaubert ein exzellentes Geschmacksbild auf unsere Gaumen. Wir sind begeistert!

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Cocktail von Melonen und Parmaschinken

Die Neuinterpretation des beliebten Sommer-Klassikers ist gewagt experimentell. Geschmacklich funktioniert der Cocktail überraschend gut, wobei der Schinken noch etwas präsenter sein dürfte.

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Ceviche von der Gelbflossenmakrele mit Süsskartoffelcreme und Limettenvinaigrette [10/10]

Traumhaft der erste Gang des eigentlichen Menüs. Hervorragend die Kombination von der rohen Makrele und der genialen Süsskartoffelcrème. Dazu legt sich die Säure der Limette elegant, und perfekt balanciert über das Gericht. Das Geschmacksbild, welches Stradner hier auf den Teller zeichnet, ist grandios und somit eines der besten Gerichte seit langem.

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Creme von der Gänsestopfleber mit schwarzem Trüffel, Apfel und Feige [9/10]

Absolut begeisternd geht es weiter. Die Crème von der Gänseleber ist himmlisch. Wir nehmen davon etwas auf den Löffel, kombinieren mit den verschiedenen süssen Elementen, staunen wie die Trüffelnote immer wieder aufblitzt und wie sich die dezente Säure des Apfels pointiert bemerkbar macht. Absolut spannend wie sich das Ergebnis bei jedem neuen Bissen leicht verändert, ohne an Eleganz zu verlieren. Bei einer grösseren Portionierung der Leber – sie ist im Verhältnis zu den restlichen Komponenten etwas knapp bemessen – wäre hier gar die Höchstnote möglich gewesen.

Kurze Zwischenbilanz: wir haben bis zum jetzigen Zeitpunkt mehr ausgezeichnete Gerichte bekommen, als in manchem Restaurant den ganzen Abend. Wir sind gespannt wie es weitergeht.

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Im Eisschnee pochiertes Bio-Eigelb, Hokkaido-Kürbispüree Parmesanschaum und Albatrüffel [8/10]

Spielte der Trüffel im vorherigen Gericht eine – wenn auch nicht unwichtige – Nebenrolle, rückt das edle Produkt nun in den Mittelpunkt. Dabei setzt man auf den geschmacksvollen Alba-Trüffel. Zusammen mit dem Ei, ein wunderbarer Klassiker. Nur dass dieser von Stradner modernisiert und aufgepeppt wird. Nicht nur der Kürbis bietet eine besondere Abwechslung, sondern auch der rezente Parmesan-Schaum. Wiederum ganz stark.

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Barbarie-Entenbrust mit Kürbis-Minz-Püree Couscous mit Raz el Hanout und Keulenkompott in Filoteig [8/10]

Schon beeindruckend mit welcher Abgeklärtheit das Menü abläuft. Dies gilt auch für das nächste Gericht. Entenfleisch erhalten wir leider viel zu oft übergart. Anders hier, die Brigade gibt sich keine Blösse und serviert uns das Federvieh absolut perfekt. Dazu zaubert man eine wunderbar elegante Minznote auf den Teller. Diese wirkt aber nicht aufgesetzt, sondern fügt sich perfekt in das Gericht ein. Auch das Couscous und die Frühlingsrolle-„Deluxe“ schmecken vorzüglich.

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Gebratener Rehrücken am Tisch tranchiert mit Wacholderjus Selleriepüree Karamellisiertem Rotkohl, eingelegte Birne und Johannisbeer-Gel [7/10]

Zuerst wird uns ein Stück Waldboden auf den Tisch gelegt. In einem Holzrahmen finden wir Moos, Beeren und gar eine leere Patronenhülse. Gleich danach präsentiert man uns stolz den Rehrücken und tranchiert ihn direkt vor unseren Augen – etwas das man heutzutage leider viel zu selten zelebriert.

Angerichtet wird das schöne Fleisch auf einem Plexiglas, welches direkt auf unseren Waldboden gelegt wird. Daraus resultiert ein stimmiges Bild. Auch der Geschmack überzeugt vollends. Der Rehrücken ist perfekt gegart, der tiefe Jus der ideale Begleiter. Dazu serviert man im separaten Schälchen Rotkraut und Spätzli.

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Vacherin Mont d’Or Schaum mit Kartoffel [6/10]

Den Käsewagen lassen wir an uns vorbeirollen und ordern stattdessen diese wunderbar cremige Alternative. Dies hat sich gelohnt, die Vacherin-Kreation ist unglaublich süffig und intensiv im Geschmack.

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Vanillecreme mit Pistazienbisquit-Brösel, pochierte Vanille Birne und Himbeersorbet [6/10]

Das überzeugende Pré-Dessert von Vanille, Birne und Himbeere lässt unsere Geschmacksnerven auf die süssen Komponenten aus der Pâtisserie einstimmen.

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Kreation von der Bio Kuvertüre Grand Cru Schokolade Ananas, Karamell und Maracujasorbet [9/10]

Ein hervorragendes Dessert, welches das bisherige, hohe Niveau perfekt aufgreift und weiter führt. Eine starke Kombination aus Schokolade und Caramel die von der Süsse und Säure der Früchte flankiert wird. Dazu spannende Texturen und raffiniert eingesetztes Popcorn. Ein Dessert das rundum glücklich macht.

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Petit Fours: Eispraline mit Maracujasorbet / Fruchtmousse mit Mascarponecreme / Macaron mit weissem Balsamico / Früchte Financier [9/10]

So sieht ein perfekter Menüabschluss aus: anstelle einer geschmacksneutralen Armada an Petitessen, serviert man uns diese kleine, aber perfekt abgeschmeckte Variation. Diese vier Häppchen schaffen es, uns zum Schluss noch einmal ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Anschliessend offeriert man uns noch eine schöne Auswahl an Pralinen.

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Stehend von links: Laurent Masse, Fabian Obergfell, Ruben Bankwitz, Canan Drebert, Paul Stradner. Unten von links: Adrian Jeschall und Frederic Kleff

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Fazit: Das Park Restaurant ist eine kulinarische Perle. Paul Stradners Küchenstil ist zeitgemäss aber stets geerdet. Er verzichtet gänzlich auf dekorative Pülverchen und Schäumchen – hier kommt nur auf den Teller was schmeckt und das Gericht weiterbringt. So ist dann auch jeder Teller äusserst geschmacksvoll, elegant und optisch gekonnt in Szene gesetzt. Uns haben Stradners Gerichte nachhaltig begeistert. Entsprechend sind wir überzeugt, dass man vom jungen Österreicher in Zukunft noch viel hören wird. Das servierte Menü war klar auf 2 Sterne-Niveau und wenn die Brigade so weiterkocht steht einem weiteren Macaron im nächsten Jahr nichts im Wege.

Dass der Abend nicht nur auf den Tellern begeisterte sondern auch in der Summe, ist dem tollen Service zu verdanken. Dieser ist sehr präsent, aufmerksam und, wie das ganze Personal im Haus, eindrücklich freundlich. Sommelier Karl-Heinz Schopf verdient zusätzlichen Applaus. Sein önologisches Wissen ist enorm und er lässt seine Gäste gerne daran partizipieren. Die servierten Weine waren immer passend und spannend. Eine solch exzellente Weinbegleitung wird leider viel zu selten serviert.

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Tipp: Wenn möglich sollte man sich gleich ein Zimmer gönnen und die Nacht im schönen Brenners Park verbringen. Es gibt viel zu entdecken – am Morgen wird ein grosszügiges Frühstück serviert.

Menü: Zur Auswahl stehen ein Degustationsmenü mit 5 (128 €) bis 7 Gängen (155 €), ein vegetarisches-Menü in 5 oder 6 Gängen (110, respektive 118 €) sowie eine schöne à la carte Auswahl wobei die Vorspeisen zwischen 25 – 45 € kosten, die Hauptgänge 45 – 60 € und die Desserts für ca. 19 € angeboten werden. Sporadisch wird ein zusätzliches Menü angeboten. Bei unserem Besuch war dies ein Trüffelmenü in 5 Gängen zu 245 €. Gerne lässt man die Gäste aus den verschiedenen Menüs kombinieren.

Zeit: Das Menü wurde uns in angenehmen 4 Stunden serviert. Anschliessend kann man sich zum Beispiel in die schöne Cigar Lounge setzen und ein Digestif geniessen.

Wein:  Neben der imposanten Weinbibel offeriert man auch gerne eine passende Begleitung. Wenden Sie sich vertrauensvoll an Sommelier Karl-Heinz Schopf.

Unsere Weinbegleitung wurde zu 73 € verrechnet:

Sauvignonblanc, Weingut Nägelsförst 2011
Weissburgunder, Weingut Knapp 2011
Gewürztraminer, Weingut Faller 2008
Chardonnay, Weingut Bercher 2008
Burgund Langedoc, Puech Noble Rouge 2008
Burgund, Beaune les Epenotte 2005
Muskateller, Dr. Heger 2011
Spätburgunder Beerenauslese, Winzergenossenschaft Sasbachwalden 2003

Online: Die Website ist sehr informativ. Die wunderschönen Gerichte dürfte man aber in den Vordergrund stellen.

Wertung: Gourmör O9 / Michelin M1 / Gault-Millau GM17

Sonderauszeichnung: Hier fühlt man sich besonders wohl   Schöne Zigarren-Lounge vorhanden

(Besucht im November 2013)

Aqua in Wolfsburg (Deutschland)

Zugegeben, etwas verrückt ist es schon, lediglich für einen Restaurantbesuch 18 Stunden im Zug zu sitzen – und das an einem Wochenende. Doch um in den Genuss der Kochkunst vieler hochdotierten Köche zu kommen, erfordert es eine längere Anreise. So auch wenn man Sven Elverfelds einen Besuch abstatten möchte. Der 44-jährige wirkt seit zehn Jahren in Wolfsburg und gilt als einer der besten Köche Deutschlands.

Die Fahrt ist abenteuerlich. Anders als bei unserer SBB, gehören Verspätungen bei der Deutschen Bahn, zum Alltag. So haben wir dann auch prompt unseren Anschlusszug verpasst und erreichten das Ziel mit einiger Verspätung. Schon vom Wolfsburger Bahnhof fällt der Blick auf die imposanten Schornsteine des Volkswagen Werks, dem wichtigsten Arbeitgeber in der Region. Seit 2000 findet man hier auch die Autostadt – eine der grössten deutschen Freizeitparks. Hier erfährt man viel über die Geschichte des Konzerns und des Automobils im Allgemeinen. Doch auch Kunst, Architektur und Kulinarik nehmen einen wichtigen Platz ein. So findet man hier nicht weniger als neun Restaurants, in denen mit viel Sorgfalt und ausschliesslich mit Bioprodukten, gearbeitet wird.

Am Genussabend „Natürlich Tafeln“ können wir uns davon selber überzeugen. Zusammen mit Lieferanten und Produzenten, demonstrierten die Restaurants ihr Können. Wir wünschen, dass ein solches Kulinarikangebot Schule macht. Einen Museeumbesuch mit hausgemachten Kürbis-Ravioli abzurunden macht definitiv mehr Spass, als wenn man sich von industriell gefertigten Produkten aus der Selbstbedienungsrestaurant ernähren muss.

Auf dem 25 Hektar grossen Gelände der Autostadt, befindet sich auch ein 5 Sterne Hotel der Amerikanischen Kette „The Ritz Carlton“. Darin ist das Restaurant ‚Aqua‘ beherbergt – der Grund unserer weiten Reise. Unser Taxifahrer mit auffälligem Schnurrbart, fährt an den eindrücklichen Autotürmen vorbei und kommt direkt vor dem Hoteleingang zum stehen. Dort werden wir vom Portier ins Innere des Hotels begleitet. Die Lobby ist einladend. Von hier hat man auch einen guten Blick auf den beheizten Hotelpool, welcher draussen auf dem Fluss schwimmt. Unsere Mägen knurren und so entscheiden wir uns gegen einen Apéro-Halt und gehen stattdessen mit grossen Schritten den langen Gang Richtung 3 Sterne Restaurant.

Dort werden wir freundlich begrüsst, von unseren Mänteln befreit und durch das stilvolle Restaurant begleitet. Unser Blick fällt auf die ungewohnt vielen Kinder, die an den Tischen sitzen. Den kleinen Geniessern serviert man hier neben dem Menü auch einfachere Pasta Gerichte – vorbildlich!

Unser Tisch ist sehr schön hergerichtet. Das Menükärtchen wird von einem Metallhalter stilvoll getragen. Aus den Musikboxen berieselt uns Ludovico Einaudi mit „Una Mattina“ – was er noch drei weitere Male an diesem Abend tun wird. Durch die grosse Fensterfront beobachten wir die Hauptprobe der VW „Santana“ Enthüllung, welche drei Tage später hier gefeiert wird.

Maître Jimmy Ledemazel stellt sich uns vor. Er und sein französischer Akzent sind uns von Beginn weg sympathisch. Er begleitet uns auch sehr professionell und freundlich durch den ganzen Abend.

Snack & Knusperrillos [8/10]

Noch während wir das helle und freundliche Restaurant betrachten und uns rasch wohl fühlen, serviert man uns ein paar Willkommenshäppchen. Diese stehen auf eigens für das ‚Aqua‘ designeten Plexiglashalter – sehr stilvoll.

Wir starten mit den „Knusperrillos“. Diese sind extrem frisch und dem Namen gerecht, angenehm knusprig. Wir staunen, wie viel Geschmack sich aus den kleinen Häppchen entfaltet. Am besten demonstriert uns dies die Frühlingsrolle – die asiatischen Aromen sind richtig toll und verbreiten sich im ganzen Mund!

Ein wahres Geschmacksfeuerwerk zünden die karamellisierten Kalamata Oliven – himmlisch diese Kombination. Damit sind auch die langweiligen Oliven von heute Mittag, auf der Pizza eines Wolfsburger Innenstadtlokals, vergessen.

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Nach diesen ersten Köstlichkeiten haben wir Zeit das Menü zu studieren. Es stehen zwei Menüabfolgen zur Auswahl. Im Menü „Visionen“ werden neue Kreation serviert, im Menü „Impressionen“ einige Klassiker. Da wir das erste Mal bei Elverfeld essen und das Impressionen Menü noch zwei Gänge umfangreicher ist, entscheiden wir uns für dieses.

Beim Bestellen werden wir auf zwei zusätzliche Optionen aufmerksam gemacht. Zum einen sei heute Morgen ein frischer Steinbutt geliefert worden, welchen man anstelle der Seezunge ins Menü integrieren kann, und beim Hauptgang bietet man uns eine Alternative vom Wagyu (Marmorierung 9+) anstelle des Weidekalbs an. Leider erwähnt man dabei nicht, dass ein solches Wagyu-„Upgrade“ mit 35 € verrechnet wird.

Bei Sommelier Marcel Runge ordern wir eine passende Weinbegleitung. Nach der gestrigen Weindegustation sind uns 9 Gläster aber doch zu viel. Damit wir trotzdem die Auswahl des Sommeliers erleben können, ordern wir die Begleitung in halben Deziliter – diesem Wunsch kommt man gerne nach.

Zuerst gibt es aber noch eine kleine Blinddegustation – ein Standardprozedere hier im ‚Aqua‘. Dafür kommen die schwarzen Gläser, welche schon zu Beginn auf dem Tisch stehen, zum Einsatz. Wahlweise ein Wein oder für Alkoholabstinenzler ein Saft, gilt es zu erraten. Ein Gag, der eine versteifte Gesellschaft vielleicht etwas aufzuheitern vermag – wir hätten darauf aber gut verzichten können. Vermutlich hat das Servicepersonal diese Szene schon zu oft durchgespielt – und das spürt man auch.

Brot

Drei hausgemachte Brotsorten werden als nächstes aufgetragen. Jedes Gebäck ist sehr fein – die Auswahl eher klein. Die Butter salzt man auf Wunsch direkt am Tisch – edel. Der grosse Auftritt der Butter währt nur kurz, denn ein anderes Produkt auf dem Tisch erhält unsere volle Aufmerksamkeit: der Aufstrich aus Macadamianusspüree! Die himmlischen Aromen von Curry und Kokos machen absolut süchtig!!

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Suppen-Shots / Löffel-Degustation [9/10]

Die Menüs im ‚Aqua‘ starten immer nach dem gleichen Schema. Dazu zählen neben den „Knusperrillos“ auch die „Suppen-Shots“ und die „Löffel-Degustationen“. Deren Inhalt wird selbstverständlich regelmässig geändert. Auf unseren Löffeln liegen zum einen eingelegte Sellerie, PX-Essig & Joghurt und auf dem anderen, Süsskartoffel, Apfel & Backerbse. Bei Letzterem gefällt uns die knusprige Textur – etwas, was wir am heutigen Abend noch ein paar Mal antreffen werden. Die Löffel sind gut, viel besser jedoch die Shots. Während wir bei der Kaltschale von Gurken die stimmige Säure der Yuzu schätzen, macht uns der „Vitello Tonnato “ beinahe sprachlos. Wir hätten niemals geglaubt, dass man dieses Geschmackserlebnis, in fast flüssiger Form, so gut hinbekommt.

Zu guter Letzt beissen wir in den Zwiebelchip mit krosser Schweineschwarte. à la Ratatouille, finden wir uns in der Kindheit wieder, wo wir bei der Grossmutter Bratwurst an herzhafter Zwiebelsauce geniessen. Ganz stark!

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An dieser Stelle würde das eigentliche Menü starten – denn neben den Häppchen gibt es im ‚Aqua‘ kein eigentliches Amuse Bouche. Beeindruckt von unserer langen Anreise (oder von unserer Kamera?), schickt uns Sven Elverfeld jedoch einen zusätzlichen Gruss. Dies in Form eines Gerichts aus dem Menü „Visionen“.

Gänseleber / Zwetschge, Fourme d’Ambert & Haselnuss [9/10]

Die Terrine ist genial – wunderbar aromatisch, perfekt im Schmelz. Uns begeistern auch die vielen kleinen Nebendarsteller auf dem Teller. Am meisten wird das schöne Grundprodukt von der Zwetschge und den karamellisierten Haselnüssen unterstrichen. Aber auch die leicht dosierte Erdnusssauce und die wuchtigen Blauschimmelkäse-Nuggets, bereichern den tollen Hauptakteur, ohne von dessen wunderschönem Eigengeschmack abzulenken. Wir sind happy über diesen zusätzlichen Einblick in Elverfelds Küche!

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Hering & würzige Holunderblütenmarinade / Essiggurke, Radieschen & Pumpernickelcreme [6/10]

Wie Sven Elverfeld uns später am Tisch verraten wird, ist dies eine Hommage an seine Heimat. Dort gilt Hering auf Pumpernickel mit Gurke zu den bekannten Speisen. Uns gefallen hier der feste Biss des Fisches sowie dessen liebliche Holunderblütenmarinade. Der Rest schmeckt so wie man es sich vorstellt. Für uns ein sehr kreatives Gericht, welches aber geschmacklich nicht begeistert.

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Räucheraal / Kürbis, Grüner Apfel & Kernöl [9/10]

Wir leisten der Aufforderung der freundlichen Servicemitarbeiterin Folge und beginnen oben links, mit der warmen Kürbissuppe mit Apfeleis. Dabei begeistert uns sowohl die geschmackliche Marriage, als auch das Temperaturspiel zwischen warm und kalt. Grossartig! Auch für den restlichen Teller gibt es dasselbe Prädikat. Uns gefällt wie harmonisch alles schmeckt, wie perfekt jedes noch so kleine Element zubereitet ist und wie gut jede noch so mögliche Kombination zwischen Aal, Apfel und Kürbis schmeckt.

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Seezunge „Murat“ / Artischocke, Kartoffel & braune Butter [8/10]

Beim nächsten Teller kommt zuerst der Geruchssinn auf seine Kosten. Der Geschmack nach geschmolzener Butter ist himmlisch. Der Gaumen freut sich dann über die wunderbaren Kartoffeln – einmal in Form eines tollen Kartoffelstocks sowie über die kleinen Kartoffelwürfelchen, welche nicht nur sehr gut schmecken, sondern auch über eine knusprige Textur verfügen. Auch die toll zubereitete Seezunge überzeugt. Das Petersilienpüree und die Zitronentupfer runden das stimmige Gericht ab.

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„Kommt jetzt nicht das Kaninchen?“, fragen wir den Sommelier überrascht, als er uns einen Wein für das Foie Gras Gericht kredenzt. Mit einem knappen aber bestimmten „Nein, die Leber“ müssen wir uns begnügen. Unser irritierter Gesichtsausdruck bleibt auch dem Maître nicht verborgen. Er erklärt uns die Menüänderung, welche man vorgenommen hat, weil nicht alle am Tisch die Entenleber orderten. So serviere man uns das Kaninchen erst im nächsten Gang. Für uns verständlich, trotzdem erwarten wir, dass man die Gäste über solche Anpassungen informiert.

Gebratene Entenleber & Paella Aromaten / Chimichurri, Joselito Schinken, Bomba-Reis [8/10]

Auf dieses Entenlebergericht freuen wir uns besonders. Und da wir gute Paella lieben, sind wir besonders gespannt auf diese Kreation. Die Geschmäcker des spanischen Nationalgerichts sind dann auch gleich klar auszumachen. Wie schon bei den bisherigen Gerichten fällt auch hier auf, wie toll die einzelnen Elemente abgeschmeckt sind. Im ‚Aqua‘ sehnt man sich keine Sekunde nach einer Salz- oder Pfeffermühle – und das ist uneingeschränkt positiv zu verstehen.

Die Leber und alles Drumherum ist spannend zu essen. Auch hier dominieren wohlwollende Aromen, ein schöner Schmelz und die knusprigen Elemente. Einzig den zu stark reduzierten Lebergeschmack gilt es zu bemängeln. Der Balanceakt zwischen den verschiedenen Aromen ist hier nicht uneingeschränkt gelungen.

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Kaninchen – Pot au feu „Erinnerungen an Kreta“ / Weisse Bohnen, Blattspinat, Feta, Oregano & Zitrone [6/10]

Mit diesem Gericht schaut Sven Elverfeld auf seine Zeit in Kreta zurück. Dort wurden ihm oft Eintöpfe serviert. Meistens hat man dazu Kaninchen geviertelt und mit verschiedenen Aromen eingekocht. Uns gefällt seine Edel-Variante. Das Kaninchen hat den perfekten Garpunkt, der Eintopf ist sehr stimmig gewürzt und überraschend vielfältig im Geschmack. Ein schönes Gericht, welches uns aber doch nicht veranlasst gleich einen Flug Richtung Griechenland zu buchen.

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Reis-Allerlei & Sot-l’y-laisse / Mimolette & Trüffel Magnatum Pico [7/10]

Sven Elverfeld schickt uns noch einen zweiten Gang vom „Visionen“- Menü. Was wir in der Tellermitte für Eigelb halten, ist flüssiger Mimolette, ein französischer Käse. Dabei schafft man eine sehr spannende Kombination mit dem wunderschönen Alba-Trüffel. Uns gefällt auch der perfekt zubereitete Wildreis. Einzig die Sot-l’y-laisse haben bei den dominanten Aromen eine etwas gar schwierige Aufgabe.

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Champagner Crèmsorbet / „Ruinart Rosé“ [7/10]

Der Klotz auf dem die Erfrischung serviert wird, besteht aus echtem Eis – eine sehr stilvolle Präsentation. Das darin liegende Champagner Crèmesorbet wird vor unseren Augen mit etwas Rosé von „Ruinart“ übergossen. Wir sind vom Aroma stark beeindruckt. Das Eis ist wunderbar crèmig und sehr erfrischend.

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Brust & Bries vom Weidekalb / Bete, Steckrübe, Linsen & Senf [7/10]

Der Hauptgang ist bodenständiger als die bisherigen Gerichte. Uns gefällt die Komposition gut, auch wenn wir auch hier nicht in Freudentaumel ausbrechen. Dafür sind die gestreiften Steckrüben zu belanglos. Auch der Kalbsbrust fehlt es an Ausdruck. Daumen hoch dann für das aromatische Bries und die tolle Senfsauce mit Linsen. Auch die Rande ist von beeindruckender Qualität!

Nach dem Hauptgang gibt es eine Erfrischung in Form eines warmen Lappen. Zwischenstand: ein tolles Menü, bei dem wir aber doch das eine oder andere grosse Highlight vermissen. Aber noch geht es weiter…

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Handkäs‘ mit Musik – geeist „Hommage an meine Heimat“ [-/10]

Beim Käsegang entschieden wir uns gegen die Auswahl vom Käsewagen und für eine kreative Komposition. Diese hessische Spezialität wird am Tisch finalisiert. Für uns ist das Ganze masslos übersalzen und überhaupt kein Genuss.

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Buttermilch & Johannisbeeren / Lakritz & Fenchel [10/10]

Was für ein Dessert! Sowohl konzeptionell als auch geschmacklich ganz grosse Klasse! Dazu hat Pâtissier Eric Räty die ausschliesslich süssen Pfade verlassen und die Nachspeise unorthodox mit Gemüse kombiniert. Dabei findet er eine perfekte Balance zwischen den beiden konträren Geschmacksrichtungen und hat ein innovatives, gar wegweisendes Dessert kreiert. Des Weiteren ist dieses Dessert überraschend leicht und sehr erfischend. Wir sind sprachlos!

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Süsses Finale [8/10]

Zum Schluss werden sowohl die klassischen, als auch die progressiven Schleckmäuler glücklich. Für Letztere ist die spannende Rotkohlsuppe mit Joghurtsorbet, Granatapfel und schwarzem Sesam. Für die Klassiker das fluffige Kokosespuma mit Zuckermais und Fingerlimes. Beides ist in jeweiliger Art eine ganz tolle Kreation. Der Quitten-Cupcake & Frischkäsemousse ist extrem aufwendig und filigran zubereitet, aber geschmacklich nicht ganz so spannend.

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Pralinen [9/10]

Zum Kaffee wird nochmals ein Wagen vorgerollt. Darauf zählen wir 20 verschiedene Pralinen mit spannend klingenden Namen. Wir wählen deren fünf und erfreuen uns an den schönen Kombinationen, den starken Aromen und der hohen Handwerkskunst! Ein wunderbarer Abschluss!

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Fazit: Wir erlebten in Wolfsburg einen grossartigen Abend. Wir spürten bei jedem Gericht den immensen Aufwand, der dahinter steckt. Alles war perfekt abgeschmeckt und vieles spannend kombiniert. Auch der Präsentation und der präzisen Taktung der Speisefolgen werden hier eine grosse Bedeutung beigemessen. Sven Elverfeld und sein Team haben von Beginn an alles im Griff.

Was wir jedoch vermissten waren die ganz grossen Highlights. Die Gerichte, die ein 3 Sterne Restaurant ausmachen. Bis auf das Dessert wurden uns keine solchen Kreationen serviert. Auch in anderen, mit Höchstwertungen ausgezeichneten Restaurants reiht sich nicht ein Höhepunkt an den anderen, doch drei, vier Gerichte sollten schon dabei sein, um einen Besuch unvergesslicht zu machen. Im ‚Aqua‘ waren diese Momente leider stark limitiert. Für uns etwas erstaunlich, da das Rüstzeug zu kulinarischen Höheflügen klar vorhanden war. Fehlt es an Mut für die letzte geschmackliche Konsequenz?

Der Service unter Maître Jimmy Ledemazel machte einen sehr guten Job. Trotz der noblen Atmosphäre schaffen er und sein Team eine sehr angenehme Stimmung. Nur schade, dass wir zum Schluss noch wegen der Rechnung reklamieren mussten. Denn die Weinbegleitung mit halben Dezi wurde uns zum vollen Preis von 175 € verrechnet. Nach unserem Hinweis mussten wir geschlagene 10 Minuten warten, bis Sommelier Marcel Runge wieder an unserem Tisch erschien und wortlos dieselbe Rechnung wieder neben uns auf den Tisch legte. Erst als wir uns untereinander fragend anschauten, kam er nochmals zurück und wies auf die korrigierte Quittung hinter dem ersten Beleg hin. Solche Szenen sind unnötig.

In der schönen Hotelbar mit Zigarrenlounge hakten wir das Malheur ab und liessen die Gedanken wieder um die tollen Gerichte des Abends kreisen. Der Ausflug nach Wolfsburg hat sich für uns gelohnt. Wir genossen hier eines der besten Menüs 2012.

Menü: Es stehen zwei Menüs zur Verfügung: „Visionen“, eine Retroperspektive in vier (135 €) bis sieben Gängen (175 €) oder das Menü „Impressionen“ in sechs (160 €) bis neun Gängen (205 €). Dazu reicht man zwei Wellen mit Häppchen und Friandises sowie Pralinen. Wir wurden 5 Stunden kulinarisch verwöhnt.

Wein: Neben einer beeindruckenden Weinauswahl, wird auch eine passende Weinbegleitung angeboten. Diese hat mit 175 € (für 8 Gläser in 9 Gängen) einen stolzen Preis. Folgende Weine wurden uns kredenzt:

2009 Weissburgunder Scheiben, Leht, Wagram
2011 Silvaner Sehnsucht, Horst Sauer, Franken
2010 Pedra de Guix, Terrior al Limit, Priorat
2010 Sequillo, Eden Sadie, Swartland
2010 Botani, Jorge Ordonez, Malaga
2006 Campo alla Sughera, Bolgheri
2011 Rotapfel, Schneider, Frankfurt
2005 Château de Rayne Vigneau, Sauternes

Online: The Ritz Carlton ist stolz auf sein kulinarisches Aushängeschild und spendiert dem ‚Aqua‘ einen eigenen Webauftritt. Auf der schön gestalteten Website findet man neben den aktuellen Menüs auch Fotos und Informationen über das Restaurant und Team.

Wertung: Gourmör O9 / Michelin M3 / Gault-Millau GM19

Sonderauszeichnung: Hier findet ihr eine Cigarren-Lounge

(Besucht im Oktober 2012)