Falken, Neuheim

Die Gemeinde Neuheim in Zug zählt knapp 2’000 Einwohner, liegt 15 Autominuten von der Kantonshauptstadt entfernt und ist mit drei guten Restaurants gesegnet. Zum einen das Restaurant Schäfli, unter anderem bekannt für seinen selbstgeräucherten Alaska-Lachs, das Restaurant Hinterburgmühle, mit eigener Forellenzucht und dann, das Restaurant Falken – seit einem Jahr mit stolzen 16 Gault-Millau Punkten ausgezeichnet. Dies ist die höchste Punktzahl die im Moment im Kanton Zug vergeben ist (gleichauf mit dem Sternen in Walchwil und dem Rathauskeller in Zug).

Im letzten Sommer durften wir die Küche von Peter Doswald schon einmal geniessen. Damals sassen wir auf der gemütlichen Terrasse. Diesmal nahmen wir im Restaurant Platz. Jeder der das Restaurant von früher kennt wird überrascht sein – so ist das „alte“ Gebäude nicht mehr wieder zu erkennen. Doswald und seine Frau Claudia Oulouda haben nach der Übernahme von Doswalds Vater, das Restaurant Schritt für Schritt renoviert und modernisiert. Zuerst das Restaurant, dann weichte im Untergeschoss die Kegelbahn einer schönen Lounge mit Weinkeller und jetzt wurde die Terrasse und der Eingang neu gestaltet.

Des Restaurants ist innen in drei Bereiche aufgeteilt. Zum einen die besagte Lounge mit knisterdem Kaminfeuer und Blick in den begehbaren Weinkeller, einen separaten Raum mit einem langen Tisch für eine grössere Gesellschaft und das eigentliche Restaurant in dem das Buffet leider direkt im Raum steht. Deshalb ist es zu empfehlen einen Tisch im Ecken – ohne Sicht aufs Buffet zu reservieren. Am schönsten ist es aber im Sommer. Nämlich dann wenn auf der Terasse aufgedeckt wird. Den Apéro sollte man auf jeden Fall in der Lounge geniessen und einen kleinen Rundgang durch den kleinen, modernen und gut sortierten Weinkeller machen. Vorallem Weine aus dem Piemont (Barbera) sind vertreten. Diese Weine haben es der Chefin am meisten angetan. Auch eine passende Weinbegleitung wird von ihr gerne angeboten.

Übrigens, egal wo man sitzt man wird fabelhaft umsorgt. Die Gastgeberin ist nicht nur sehr freundlich sondern auch extrem aufmerksam und gut organisiert. Man spürt die Begeisterung von der Begrüssung bis zur herzlichen Verabschiedung. Die anderen beiden Servicemitarbeiterinnen waren ein bisschen unsicher (was ist auf dem Teller?) und müssen unbedingt noch ein bisschen bei der Chefin abschauen.

Bei unserer Ankunft standen auf dem Tisch drei Reagenzgläser mit Öl und Essig(?). Diese wurden uns leider nicht vorgestellt. Deshalb waren wir uns auch nicht sicher ob die zum mitnehmen, zum aufs Brot leeren oder nachwürzen (hoffentlich nicht) gedacht waren. Auch an den anderen Tischen wurden diese Gläser nach dem Essen unangetastet weggeräumt – schade!

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Doch nun zum Essen. Der Start machten die Apéro-Häppchen. Diese kann man beim Reservieren vorbestellen und am Tisch oder eben in der Lounge, geniessen. Bei uns waren das drei Kreationen: Sardinen auf Ei / Vitello Tonnato / Lachs. Leider gab es pro Häppchen nur drei Stück – bei vier Personen. Ich hätte sehr gerne von Allem probiert. Auf jeden Fall war mein Happen Lachs in Ordnung, die schöne Sardine auf Ei viel besser!

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Der Gruss aus der Küche folgte sogleich: Ochsenschwanz, Linsen, eingelegte Tomate. Schön angerichtet aber leider zu wenig intensiv im Geschmack.

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Nach einer angenehmen Pause wurde der erste Gang serviert: Wachtelbrust, Wachtelei, Apfel, Sellerie. Die Wachtelbrust war wunderschön rosa und zart. Ich bin eigentlich kein Fan von Süssen komponenten in warmen Speisen, hier harmonierte es aber sehr gut. Die süssen Äpfel, der Sellerie und sogar die leicht karamelisierte Kruste. Ein toller, harmonischer Gang!

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Die Wartezeit auf die Schwarzebohnensuppe mit Hummer dauerte zu lange. Beim servieren sass eine Person nicht am Tisch. In so einem Fall müsste der Service eigentlich den Suppendeckel sitzen lassen. Zum Glück war das Ganze auch nach dem Eintreffen noch warm. Die Suppe war der schwächste Gang des Abends. Wenn man in einem solchen Restaurant eine Suppe serviert, muss sie schon richtig raffiniert und geschmacksintensiv sein. Diese  Suppe war zwar nicht schlecht, aber nichts was man an anderen Orten nicht auch kriegen würde. Für mich war es übrigens ein Rätsel was der Hummer in der Suppe zu suchen hatte – vielleicht sollte die eine Prise zu viel Salz die Brücke schlagen? Auf jeden Fall reicht es nicht den teuren Hummer in eine Suppe zu legen damit diese danach „sehr gut“ schmeckt. Mir hat das edle Tier ehrlich gesagt ein bisschen leid getan. Ich hätte ihm seinen letzten Auftritt lieber in einer Falken-Kreation gegönnt die diesem Krustentier würdig ist.

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Nach dem „Flop“ gleich das Highlight des Abends: Raviolo mit Blattspinat, Eidotter, Perigold Trüffel. Eine wunderschöne, dünne Teigtasche, feiner Spinat im innern, passendes Ei und wunderbarer, geschmacksintensiver Trüffel. Die ganze Sauce hat intensiv nach Trüffel geschmeckt – natürlich ohne Einsatz von billigem Trüffelöl! Ich hätte mir lediglich gewünscht, dass noch ein zweiter Raviolo Platz im Teller gefunden hätte… So musste ich halt das feine Brot zur Hand nehmen, denn ich wollte die geniale Sauce nicht dem Geschirrspüler überlassen.

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Die Entenbrust, Rotkraut, Maroni, Härdöpfelstock, Wirsing-Rolle bildeten den Hauptgang. Die Ente war gut, die Wirsing-Rolle (umwickelt wie eine Frühlingsrolle) originell und fein. Die restlichen Beilagen waren nur „in Ordnung“. Die Zimtsauce ein bisschen zu weihnachtlich. Unter dem Strich gesehen, war der Hauptgang zu langweilig. So bleiben mir gerade mal die eingewickelten Wirsing-Blätter in Erinnerung… und vielleicht noch der Rosmarin der zuvor in der Bratpfanne erhitzt wurde und dadurch schön knusprig war.

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Nach dem Hauptgang wurde uns ein Teller mit Käse angeboten. Leider verfügt das Restaurant über keinen Käsewagen so hat man uns die Auswahl der Käse abgenommen. Zu unserem Glück wurde gut gewählt.

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Der Gruss vom Pâtissier war ein kleines Panna cotta mit Heidelbeere. Die Beeren waren schön süss, das Pannacotta fein im Geschmack.

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Der Abschluss bildete das Apfel Tarte Tatin mit Vanille-Eis, hauchdünner Schokolade und Zuckerwatte. Optisch sehr schön und fein. Sowohl der knusprige Boden, die feinen caramelisierten Äpfel und die zartschmelzende Schokolade gefielen. Die Zuckerwatte war witzig und verspielt.

Am Nachbartisch hatte der Service leider gepatzt und das Dessert an den leeren Tisch gestellt weil die Gäste noch am rauchen waren – schade bei dem diffizilen Dessert.

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Die Schokoladenkuchen-Häppchen mit weissem Schokoladen-Tupfer gabs noch zum Kaffee

Der Falken ist eine richtige Wohlfühl-Oase für alle – ob Raucher (in der Lounge) und Nichtraucher, à la carte Esser und Menü-Genisser und auch Gruppen die gerne Trinken (Shuttleservice wird für einen fairen Preis angeboten). Alle werden von den Gastgebern liebevoll umsorgt.

Wir haben sehr gut gegessen, leider waren nicht alle Gerichte auf dem gleich hohen Niveau. Richtig begeistert waren wir zum Beispiel von dem Raviolo und der Wachtelbrust – die schmeckten vorzüglich. Andere Gerichte wie die Suppe oder das Dessert konnten mich nicht überzeugen.

Auf der Homepage findet man ein paar Impressionen. Leider fehlt eine Speise- und Weinkarte.

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