Old Swiss House, Luzern

Das Restaurant Old Swiss House liegt direkt neben dem Museum/Kino Bourbaki. Es ist eines dieser Restaurants an denen man jahrelang vorbei läuft und denkt, dass es sich dabei um eine billige Japaner-Touristenfalle handelt. Aber halt, das stimmt ganz und gar nicht! Hier hat man es nicht mit einem einfachen Fondue-Restaurant mit kitschigen Plastik-Alphörnern zu tun, sonder mit einer Luzerner Institution welche von Philipp Buholzer in der dritten Generation geführt wird. In Zeiten des zweiten Weltkriegs hat General Guisan in dem Haus seine geheimen Strategien ausgeheckt. Seit der Hochzeit von Philipp Buholzers Grossmutter mit August Busch (Besitzer der weltgrössten Brauerei „Anheuser-Busch“) im Jahr 1952, ist das Restaurant auch in den USA bekannt. So hat auch die internationale Prominenz den Weg ins Old Swiss House gefunden. Die Beweisfotos  können alle im Gang richtung Toillette bestaunt werden. Bei unserem Besuch war zwar kein Präsident oder Hollywoodschauspieler vor Ort aber immerhin der SF-Sportreporter  Rainer Maria Salzgeber (ja genau, der mit den unglaublich spannenden Interviewfragen und dem begeisterten Gesichtsausdruck…).

Im Restaurant herrscht eine unglaublich heimelige Stimmung. Der Service ist zwar eher distanziert aber professionell, die wunderschöne Einrichtung bringt eine tolle Atmosphäre rein. Auch die vielen Antiquitäten weilche seit bestehen des Hauses (fast 150 Jahre) gesammelt wurden und im Restaurant verteilt sind, lassen die Gäste staunen. Weinfreunde werden trotz all dem vor allem Augen für die tolle Weinkarte haben. Darauf findet man auch eine lückenlose Château Mouton Rothschild-Sammlung (ab Jahrgang 1911).

Doch nun  zum Wichtigsten, die Speisekarte. Neben einem Menü findet man eine Auswahl an verschiedene Speisen. Das fängt an beim eifachen grünen Salte über Austern, Lachsröllchen bis zu feinen Suppen. Auch bei den Hauptgängen gibt es für jeden Gusto etwas. Von Fisch (Steinbutt mit Spinat und Salzkartoffeln) über Fleisch (Chateaubriand) bis zu Thai-Curry, der Chef Günther Renz beherrscht vieles und wird dafür auch schon seit Jahren mit 15 Punkten im Gault-Millau ausgezeichnet. Vor jedem Besuch nehme ich mir vor, dieses Mal einer dieser Speisen auszuprobieren, doch jedes Mal wenn ich das Restaurant betrete werde ich über den Geruchssinn umgestimmt. Denn im ganzen Restaurant liegt ein unglaublich feiner Anken (Hochdeutsch: Butter) Geschmack. Je später man das Restaurant betritt desto intensiver und feiner riecht es.

Dies liegt an der Hausspezialität Escalope de veau – also, Wienerschnitzel! Diese werden so lange geklopft bis sie nur noch hauchdünn und dafür um so grösser sind. Das Fleisch wird am Tisch präsentiert und auch gleich vor Ort von der Mitarbeiterin gebraten. Dazu taucht das Fleisch zuerst in Ei-Parmesan, wird paniert und anschliessend mit einem halben Mocken Anke gebraten. Dazu reicht man Butternüdeli… mmhhhh! Das Ganze schmeckt unglaublich gut und ist richtig schön knusprig. Diese Schnitzel werden 1’200 Mal im Monat zubereitet. Übrigens, das Fleisch am Nachbarstisch tat mir richtig leid, wurde es doch tatsächlich in Heinz-Ketchup ertränkt… wie kann man nur? Das Gelbe auf dem Bild ist übrigens eine Zitrone welche mit einem Netz überzogen ist damit der Zitronensaft nicht auf den Kleider landet.

Platzsparend habe ich als Vorspeise einen Nüsslisalat mit Croûtons bestellt welcher nicht ganz zo knackig war wie erwartet. Als Dessert gab es ein Dattelmousse (fein) in einem zu dicken (!) Schokoladenbehälter sowie eingelegte Kumquats. Die „Mini-Orangen“ gab es auch noch als Sorbet. Letzteres schmeckte gut und erfrischend, von der eingelegten Variante (bitter) gab es ein paar Stück zu viel. Unter dem Strich ein aufwendiges aber nicht überdurchschnittliches Dessert – würde ich nicht mehr bestellen.

Fazit: Wer in Luzern ist, gerne etwas schönes essen möchte jedoch nicht 4 Stunden Zeit für ein Menü hat, sollte unbedingt hier einkehren. Die 51 Franken für das Schnitzel sind sehr gut investiert – dazu ein schönes Glas Wein, was will man mehr? Beim nächsten Besuch werde ich dann aufs Schnitzel verzichten und etwas anderes bestellen… versprochen…

Die Homepage wurde anfangs Jahr neu designet. Man findet darauf die Speisekarte, die Restaurant-Geschichte und viele schöne Bilder!

Falken, Neuheim

Die Gemeinde Neuheim in Zug zählt knapp 2’000 Einwohner, liegt 15 Autominuten von der Kantonshauptstadt entfernt und ist mit drei guten Restaurants gesegnet. Zum einen das Restaurant Schäfli, unter anderem bekannt für seinen selbstgeräucherten Alaska-Lachs, das Restaurant Hinterburgmühle, mit eigener Forellenzucht und dann, das Restaurant Falken – seit einem Jahr mit stolzen 16 Gault-Millau Punkten ausgezeichnet. Dies ist die höchste Punktzahl die im Moment im Kanton Zug vergeben ist (gleichauf mit dem Sternen in Walchwil und dem Rathauskeller in Zug).

Im letzten Sommer durften wir die Küche von Peter Doswald schon einmal geniessen. Damals sassen wir auf der gemütlichen Terrasse. Diesmal nahmen wir im Restaurant Platz. Jeder der das Restaurant von früher kennt wird überrascht sein – so ist das „alte“ Gebäude nicht mehr wieder zu erkennen. Doswald und seine Frau Claudia Oulouda haben nach der Übernahme von Doswalds Vater, das Restaurant Schritt für Schritt renoviert und modernisiert. Zuerst das Restaurant, dann weichte im Untergeschoss die Kegelbahn einer schönen Lounge mit Weinkeller und jetzt wurde die Terrasse und der Eingang neu gestaltet.

Des Restaurants ist innen in drei Bereiche aufgeteilt. Zum einen die besagte Lounge mit knisterdem Kaminfeuer und Blick in den begehbaren Weinkeller, einen separaten Raum mit einem langen Tisch für eine grössere Gesellschaft und das eigentliche Restaurant in dem das Buffet leider direkt im Raum steht. Deshalb ist es zu empfehlen einen Tisch im Ecken – ohne Sicht aufs Buffet zu reservieren. Am schönsten ist es aber im Sommer. Nämlich dann wenn auf der Terasse aufgedeckt wird. Den Apéro sollte man auf jeden Fall in der Lounge geniessen und einen kleinen Rundgang durch den kleinen, modernen und gut sortierten Weinkeller machen. Vorallem Weine aus dem Piemont (Barbera) sind vertreten. Diese Weine haben es der Chefin am meisten angetan. Auch eine passende Weinbegleitung wird von ihr gerne angeboten.

Übrigens, egal wo man sitzt man wird fabelhaft umsorgt. Die Gastgeberin ist nicht nur sehr freundlich sondern auch extrem aufmerksam und gut organisiert. Man spürt die Begeisterung von der Begrüssung bis zur herzlichen Verabschiedung. Die anderen beiden Servicemitarbeiterinnen waren ein bisschen unsicher (was ist auf dem Teller?) und müssen unbedingt noch ein bisschen bei der Chefin abschauen.

Bei unserer Ankunft standen auf dem Tisch drei Reagenzgläser mit Öl und Essig(?). Diese wurden uns leider nicht vorgestellt. Deshalb waren wir uns auch nicht sicher ob die zum mitnehmen, zum aufs Brot leeren oder nachwürzen (hoffentlich nicht) gedacht waren. Auch an den anderen Tischen wurden diese Gläser nach dem Essen unangetastet weggeräumt – schade!

O

Doch nun zum Essen. Der Start machten die Apéro-Häppchen. Diese kann man beim Reservieren vorbestellen und am Tisch oder eben in der Lounge, geniessen. Bei uns waren das drei Kreationen: Sardinen auf Ei / Vitello Tonnato / Lachs. Leider gab es pro Häppchen nur drei Stück – bei vier Personen. Ich hätte sehr gerne von Allem probiert. Auf jeden Fall war mein Happen Lachs in Ordnung, die schöne Sardine auf Ei viel besser!

O

Der Gruss aus der Küche folgte sogleich: Ochsenschwanz, Linsen, eingelegte Tomate. Schön angerichtet aber leider zu wenig intensiv im Geschmack.

O

Nach einer angenehmen Pause wurde der erste Gang serviert: Wachtelbrust, Wachtelei, Apfel, Sellerie. Die Wachtelbrust war wunderschön rosa und zart. Ich bin eigentlich kein Fan von Süssen komponenten in warmen Speisen, hier harmonierte es aber sehr gut. Die süssen Äpfel, der Sellerie und sogar die leicht karamelisierte Kruste. Ein toller, harmonischer Gang!

O

Die Wartezeit auf die Schwarzebohnensuppe mit Hummer dauerte zu lange. Beim servieren sass eine Person nicht am Tisch. In so einem Fall müsste der Service eigentlich den Suppendeckel sitzen lassen. Zum Glück war das Ganze auch nach dem Eintreffen noch warm. Die Suppe war der schwächste Gang des Abends. Wenn man in einem solchen Restaurant eine Suppe serviert, muss sie schon richtig raffiniert und geschmacksintensiv sein. Diese  Suppe war zwar nicht schlecht, aber nichts was man an anderen Orten nicht auch kriegen würde. Für mich war es übrigens ein Rätsel was der Hummer in der Suppe zu suchen hatte – vielleicht sollte die eine Prise zu viel Salz die Brücke schlagen? Auf jeden Fall reicht es nicht den teuren Hummer in eine Suppe zu legen damit diese danach „sehr gut“ schmeckt. Mir hat das edle Tier ehrlich gesagt ein bisschen leid getan. Ich hätte ihm seinen letzten Auftritt lieber in einer Falken-Kreation gegönnt die diesem Krustentier würdig ist.

O

Nach dem „Flop“ gleich das Highlight des Abends: Raviolo mit Blattspinat, Eidotter, Perigold Trüffel. Eine wunderschöne, dünne Teigtasche, feiner Spinat im innern, passendes Ei und wunderbarer, geschmacksintensiver Trüffel. Die ganze Sauce hat intensiv nach Trüffel geschmeckt – natürlich ohne Einsatz von billigem Trüffelöl! Ich hätte mir lediglich gewünscht, dass noch ein zweiter Raviolo Platz im Teller gefunden hätte… So musste ich halt das feine Brot zur Hand nehmen, denn ich wollte die geniale Sauce nicht dem Geschirrspüler überlassen.

O

Die Entenbrust, Rotkraut, Maroni, Härdöpfelstock, Wirsing-Rolle bildeten den Hauptgang. Die Ente war gut, die Wirsing-Rolle (umwickelt wie eine Frühlingsrolle) originell und fein. Die restlichen Beilagen waren nur „in Ordnung“. Die Zimtsauce ein bisschen zu weihnachtlich. Unter dem Strich gesehen, war der Hauptgang zu langweilig. So bleiben mir gerade mal die eingewickelten Wirsing-Blätter in Erinnerung… und vielleicht noch der Rosmarin der zuvor in der Bratpfanne erhitzt wurde und dadurch schön knusprig war.

O

Nach dem Hauptgang wurde uns ein Teller mit Käse angeboten. Leider verfügt das Restaurant über keinen Käsewagen so hat man uns die Auswahl der Käse abgenommen. Zu unserem Glück wurde gut gewählt.

O

Der Gruss vom Pâtissier war ein kleines Panna cotta mit Heidelbeere. Die Beeren waren schön süss, das Pannacotta fein im Geschmack.

O

Der Abschluss bildete das Apfel Tarte Tatin mit Vanille-Eis, hauchdünner Schokolade und Zuckerwatte. Optisch sehr schön und fein. Sowohl der knusprige Boden, die feinen caramelisierten Äpfel und die zartschmelzende Schokolade gefielen. Die Zuckerwatte war witzig und verspielt.

Am Nachbartisch hatte der Service leider gepatzt und das Dessert an den leeren Tisch gestellt weil die Gäste noch am rauchen waren – schade bei dem diffizilen Dessert.

O

Die Schokoladenkuchen-Häppchen mit weissem Schokoladen-Tupfer gabs noch zum Kaffee

Der Falken ist eine richtige Wohlfühl-Oase für alle – ob Raucher (in der Lounge) und Nichtraucher, à la carte Esser und Menü-Genisser und auch Gruppen die gerne Trinken (Shuttleservice wird für einen fairen Preis angeboten). Alle werden von den Gastgebern liebevoll umsorgt.

Wir haben sehr gut gegessen, leider waren nicht alle Gerichte auf dem gleich hohen Niveau. Richtig begeistert waren wir zum Beispiel von dem Raviolo und der Wachtelbrust – die schmeckten vorzüglich. Andere Gerichte wie die Suppe oder das Dessert konnten mich nicht überzeugen.

Auf der Homepage findet man ein paar Impressionen. Leider fehlt eine Speise- und Weinkarte.

Amador, Langen (D)

Um an einem Wochenende bei Juan Amador zu speisen muss man ein paar Wochen im Voraus reservieren. Dazu ist es auch nötig seine Kreditkartendaten zu hinterlegen. Beim Nichterscheinen wird darauf nämlich 150 € pro Person abgebucht. Ich finde diese Massnahme gut, kalkuliert das Restaurant ja mit vollen Tischen, zudem kann man ja kurz anrufen wenn man verhindert ist. Freundlicherweise hat man dann noch einen Tag im Voraus angerufen und die Reservation rückbestätigt.

Das Restaurant verfügt über keine Parkplätze, es hat aber in der kleinen Stadt etliche Abstellmöglichkeiten. Das schöne Riegelhaus betritt man durch den „Hintereingang“. Wir wurden ins kleine Restaurant geführt und durften uns für einen freien Tisch entscheiden. Der Service war sehr freundlich lediglich die vielen „Dankeschön“ beim Abräumen waren überflüssig. Aber wir haben uns auf jeden Fall sehr wohl gefühlt. Die Speisekarte wurde uns gereicht. Diese war versiegelt und machte die Spannung aufs Menü noch grösser. Nach dem Aufklappen fand man Links vier kalte Speisen, in der Mitte 5 warme Gänge und Rechts 4 Desserts. Das Menü war fix, lediglich bei den warmen Speisen konnte man einzelne Gänge streichen. Entsprechend wird dann der Preis nach unten angepasst.

Gleich zum Apéro wurden die ersten Schälchen aufgetragen und auf dem Tisch verteilt. So lagen vor uns drei „Luftkissen“ gefüllt mit Blauschimmelkäse (genial!), der luftgetrocknete Schinken ass man mit den Stäbchen – geschmacklich kommt er aber nicht an meinen Lieblingsrohschinken. Im einen der beiden Schälchen lagen kleine Tomaten in Süss Sauer Dressing – lecker, im Anderen waren die besten Mandeln die ich jemals gegessen habe. Diese wurden mit Olivenöl beträufelt, sie schmeckten ein wenig wie gebrannte Mandeln – himmlisch! Zu guter Letzt standen in der Mitte noch zwei Focaccia schnitten mit Schinkenfett – gut aber nichts besonderes.

OOOO
Geeiste Beurre Blanc – Caviar, Haselnussmilch & Malzbrot

Ein kleiner feiner Auftackt in das grosse Menü. Die einzelnen Elemente sind wunderbar aufeinander abgestimmt.

OOOO

Austern-Raviolo – Algen, Soja, Sesam & Yuzu

Unter der transparenten Geléeschicht findet man einen wunderbar intensiven asiatischen Gang. Ich als Fan der japanischen Küche hatte meine Freude am Zusammenspiel der einzelnen Geschmäcker. Der Hang zu „zu salzig“ bestand – den Yuzu-Geschmack war nicht auszumachen.

OOOO

Carabinero – Spinatspätzle & Trüffel aus Alba

Die kleine Crevette lag wohl mehrere Stunden in einem Sud – denn der Geschmack war sehr intensiv und schlicht wunderbar! Auch die Spätzli dazu waren super. Der weisse Albatrüffel steuerte noch eine zusätzliche Note bei und hatte ein feines Aroma.

OOOO

Tatar vom hessischen Ochsen – Gelierte Soubisse, Rote Rüben & Pommery Senf Ein besonderes Ess-Highlight

Optisch und geschmacklich das Highlight des Abends. Unvergesslich genial dieser Gang! Das Tatar lag auf Gänseleber, darunter gelierte Soubisse (Zwiebelsauce) – auf dem Ganzen thronte ein dünnes Käseröllchen welches ein „3-Minuten“-Wachtelei verbarg. Das Tatar und die Fois Gras waren wunderbar gewürzt, das Bisquit knusprig und das innen noch flüssie Wachteilei passte wie das Tüpfchen aufs I. Das Pommery-Senf Eis war noch eine zusätzliche schöne Komponente.

OOOO

Kaisergranat – Mandeln, Broccoli & Nussbutter

Das Highlight in diesem Gang lag ganz in der Mitte. Die Sauce war nicht nur im Teller tief sondern auch im Geschmack. Das zeugt von einem stundenlang, gar Tage, eingekochten Fond – herrlich! Zum Glück hat es auf dem Tisch noch Brot gehabt um ja keinen Tropfen zurück in die Küche zu geben. Der Kaisergranat schmeckte wie erwartet und die kleinen Broccoli und Mandeltupfer waren witzig. Einzig das kalte (!) Broccoli-Cous Cous passte geschmacklich nicht auf den Teller. Die intensive Fischsuppe neben dem Teller machte das Ganze wieder wett. Schade war hier die Optik auf dem Teller nicht schön!

O

Felsen Rotbarbe – Granny Smith, Meerrettich & Ziegenkäse

Ich liebe den Granny Smith und bin deshalb froh diesen Apfel oft in der Gastronomie als zusätzliche Geschmack anzutreffen. So passte der säuerliche Geschmack auch gut zum Fisch. Auch der Ziegenkäse ist ein schöner Akkord – hätte davor nicht gedacht, dass Käse zu Fisch passt, Amador hat aber auch hier alles im Griff.

O

St. Pierre – Ochsenmaul, Entenleber & BeefTea

Der St. Pierre Fisch gehört zu den besten Essfischen überhaupt. Der Rindsfond hat den Fisch schön unterstrichen. Die Ochsenzunge war die Krönung und schmeckte wunderbar. Das die Entenleberwürfel wunderbar zum Rest passten muss hier nicht erwähnt werden – das sind die Eigenschaften die Juan Amador auszeichnen.

O

Jacobsmuscheln – Kalbsbries, Perigord Trüffel, Bohnen & Williamsbirne

Für mich der schwächste Gang. Die Jakobsmuschel war zwar gut gebraten aber halt so wie es jeder kann. Auch das Kalbsbries gefiel mir nicht in der Sauce, es war zu feucht. Zu guter Letzt hatten auch die Trüffel zu wenig Aroma – der geschmacklich intensivere Albatrüffel hätte mehr gebracht.

O

Mieral-Taube – Auf Holzkohle gegart Eingelegte Aprikosen, BuchenPilze & Nougat

Endlich Fleisch – ich esse zwar sehr gerne Fisch und Meeresfrüchte, doch dem Menü hätte ein zusätzlicher Fleischgang auf jeden Fall gut getan. Aber nun zur Taube und den ersten Kontakt mit dem Vogel – über die Nase. Denn schon Minuten bevor das rosa Fleisch serviert wurde, verbreitete sich im Restaurant ein Geruch der von brennender Holzkohle stammte. Da wurden gleich Lagerfeuererinnerungen wach. Der schön angerichtete Teller wurde serviert. Die Taube war wunderbar zart (!) und super im Geschmack. Genau für meinen Gusto, denn ich bin kein Fan von dem ganz wildigen Tauben geschmack. Die Sauce war wieder sehr intensiv. Die Begleitung in Form der Pilze und Aprikose wunderbar. Der Schwamm war optisch toll dafür geschmacklich zu neutral. Hier wurde wieder wunderbar demonstriert wie man einzelne Komponente zusammenfügen kann und wie es dann ein Gesamtkunstwerk gibt – grosse Küche!

O

Cabrales – Weisse Schokolade, Quitte & Kernöl

Ein genialer Übergang vom Hauptgang zu den Deserts. Der Cabrales-Käse stammt aus der gleichnamigen Spanischen Gemeinde, ist ein Mischkäse (Kuh- Schafs- und Ziegenkäse) mit Blauschimmel und wird in Höhlen gereift (danke Wikipedia). Schmecken tut er einfach wunderbar! Die Weisse Schokolade und die Quitte passten super dazu – genial.

O

Caprese – Joghurt Mozzarella, Tomate & Basilikum Nochmals ein Highlight vor den eigentlichen Desserts.

Caprese – also die Elemente Mozzarella, Tomate und Basilikum – die letzten Beide in Form von Pulver. Das Joghurt-Eis nahm man ein wenig auf den Löffel und tupfte die beiden Pulver drauf – lecker! Die Joghurt-Mozzarella-Kugel war ebenfalls super fein!

O

Cheesecake & Cookies „Nitro“

Noch ein klassisch molekularer Gang. Auf einem Tisch wurde ein Block Trockeneis angekarrt. Darauf spritze die Servicedame ein Cheesecakeschaum und steckte ein Cookie rein. Danach wendete sie eis auf die andere Seite. Nun war die Aussenhülle augenblicklich gefroren. Man nahm das Ganze schnell in den Mund und es löste sich durch die wärme augenblicklich wieder auf. Lustig!

O

Hommage an Paul Haeberlin – Weisser Pfirisch, geeister Rieslingsschaum & Pistazie

Ein würdiger Abschluss für ein tolles Menü. Dazu hat Amador ein Dessertklassiker von Paul Haeberlin (3 Michelin Sterne – verstarb im 2008) modernisiert. Nicht nur optisch sondern auch geschmacklich ein wunderbarer Schlusspunkt!

O

Zum Kaffee erreichte uns das Schlussbouquet: unten ein Ingwer-„Haribo“-Stängel sowie ein Erdbeer“granit“. Sobald man letzteren in den Mund nahm konnte man sich vom kleinen Basilikumstöckchen ein paar Blätter abschneiden und mit in den Mund stecken – witzig! Ebenso kombinierte man die falschen Erdbeeren mit den Lolli. Abschliessend warteten drei Macarons verzehrt zu werden (Schoko-Chili-Wasabi-Himbeer). Ein netter und bunter Abschluss, aber bestimmt nicht mehr auf dem vorherigen Niveau.

O

Wow, was für ein geniales Menü – klar auf 3 Sterne Niveau! Super innovativ ohne den Fokus auf das Wesentliche zu verlieren. Schlicht unglaublich, welche Geschmackskomponente sich miteinander kombinieren lassen. Wie bereits erwähnt hätte man meiner Meinung nach zwei Fischgänge durch Fleisch ersetzen müssen. Doch für den Rest gilt: Daumen hoch – ein super Gourmet-Erlebnis, sehr freundlicher und unkomplizierter Service, Raucherlounge im oberen Stock und eine der besten Weinbegleitungen – mit einigen exklusiven Amador-Abfüllungen. Die Weine wurden übrigens grosszügig Nachgeschenkt (für die kalten Speisen und Desserts gab es je einen Wein). Schade war Juan Amador an dem Abend nicht vor Ort, offiziell hiess es, dass er in Mannheim (zweit Restaurant) weilt, vielleicht war auch sein Geburtstag, einen Tag dovor, Schuld daran. Aber solange es seine Leute vor Ort so im Griff haben, ist es mir auch egal. Dennoch muss man ein bisschen aufpassen, denn Amador möchte in den nächsten Jahren weitere Restaurants eröffnen. So steht im Jahr 2011 ein Restaurant in Abu Dabi auf dem Programm. Hoffen wir, dass er sein Hauptgeschäft nicht vernachlässigt.

Die Rechnung: 516.50 € (Menü Komplett 209 / Ohne Taube 189) Weinbegleitung 76 € (7 Gläser)

Die Homepage ist schön gemacht – leider ohne Flash-Alternative. Man findet darauf auch schöne Bilder von Amador-Kreationen. Grosser Minuspunkt ist die Kategorie „Das aktuelle Menü“ denn das Menü darauf ist veraltet. Wenn man schon das Menü im Internet zeigt (was ich sehr wichtig finde!) dann sollte man unbedingt für die Aktualität sorgen.

Wichtig: zwei Fotos (Geeisste Beurre Blanc und Austern-Raviolo) habe ich von der Homepage von Sternefresser.de übernommen weil meine Bilder verschwommen waren. Da ich die anderen Gäste an den Nebentischen nicht stören möchte, verzichte ich beim Fotografieren auf einen Blitz; mit dem Nachteil, dass die Fotos zum Teil unschwarf werden.

Nachtrag: In der Zwischenzeit ist das Restaurant ‚Amador‘ von Langen nach Mannheim umgezogen. Hier zur Website.