jialu, Hochdorf

Abgesehen von ein paar Asiatischen Lampione und unauffälligen Holzschnitzereien, sieht das Restaurant von Aussen aus wie eine normale Beiz – sogar das Eichhof-Schild hängt standartmässig. Doch kaum öffnet man die Tür und setzt einen Fuss ins jialu wähnt man sich an einem anderen Ort. Der Eingang des Chinarestaurant ist ganz in Rot gehalten, diese Farbe steht im Reich der Mitte für Glück und Freude. An der Wand hängen kleine Bilder die Alltagssituationen aus China zeigen. Hier und dort steht eine kleine Statue. Freundlich wird man von der Gastgeberin Jen Ackermann-Liu in Empfang genommen. Sie hat Ihren Mann Lukas während seinem mehrjährigen Aufenthalt in China kennengelernt. Vor zwei Jahren entschieden sie sich das Restaurant von seinem Vater zu übernehmen und daraus ein authentisches Chinarestaurant mitten in Hochdorf zu machen.

Auch das Restaurant selber ist sehr geschmacksvoll eingerichtet. Witzig sind die paar Stühle mit sehr langen Rückenlehne die aussehen als hätte sich der Chinesische Schreiner die „riesen Europäer“ ein bissschen zu gross vorgestellt. Auch die modernen Bilder und die gemütliche Tischdekoration gefallen. Die oberen Fenster wurden im Chinesischen Stil mit Papier eingekleidet damit man nicht raus und rein sieht. Im unteren Bereich des Restaurants hat man einen Blick auf die viel befahrene Dorfstrasse. Da die Autoscheinwerfer direkt ins Fenster zünden, empfiehlt sich eher ein Tisch im oberen Bereich.

Seit der Eröffnung im Dezember 2009 hat sich einiges getan. So eröffnete man im letzten Sommer eine einfache Terrasse, verbannte die Qualmer vor die Tür, bietet für Gruppen ein privates Zimmer im ersten Stock und ist im Moment dran ein Gästezimmer einzurichten. Auch kulinarisch gab es einige Änderungen. So wurden auf der, für ein Chinarestaurant sehr kleinen Karte, immer mal wieder Gerichte getauscht, bei der Hausspezialität „Cola Poulet“ wurden die lästigen Knöche entfernt, den Kindern wird eine eigene Karte gereicht und vorallem hat es die Küche nun endlich geschafft die Gerichte so zu timen, dass sie zeitgleich beim Gast ankommen – oder zumindest fast. Hier wartete man zu Beginn geschlagene 10 Minuten bis die Beilagen serviert wurden.

Der Service selber ist ebenfalls sehr authentisch denn die meisten Mitarbeiterinnen verstehen eher schlecht Deutsch weil alle aus dem asiatischen Raum kommen. Die Damen sind aber sehr freundlich und hilfsbereit und machen das Sprachproblem allemal wett. Damit es beim Bestellen keine Missverständnisse gibt, kommt neuerdings die Chefin persönlich an den Tisch. Zur Vorspeise gibt es zum Beispiel eine Energiesuppe, Wasabisalat, Hausgemachte Frühlingsrollen, Dim-Sum und Pouletspiessli – weshalb das Fleisch aus Brasilien stammt verstehe ich nicht. Am besten bestellt man die jialu-Platte denn da kriegt man diverse Vorspeisen zum probieren. Die Frühlingsrollen bilden da sicher das Highlight. Aussen schön knusprig, innen fein vegetarisch gefüllt, so muss eine Frühlingsrolle schmecken.

Bei den Hauptgängen stehen12 verschiedene Gerichte zur Auswahl. Ein rotes Symbol kennzeichnet die scharfen Gerichte. So zum Beispiel das Kong Pao Huhn (diesmal aus der  Schweiz) – perfekt liegt es in einer rassigen Sauce mit Chilischoten. Die Ente ist knusprig gebraten, das Pfeffer Rind an einer Sichuansauce und der gelbe Fisch (Art?) an einer Gaumenfreundlichen Zitronensauce. Was auch nie fehlen darf sind die knackigen Feuer Krevetten an Chili und Ingwer – wow! Leider ist die Portion hier sehr knapp berechnet. Und noch ein Highlight: Ma La Aubergine gefüllt mit einer scharfen Hackfleischsauce – super fein! Für Gemüseliebhaber stehen auch noch eine Pilzpfanne oder saisonales Gemüse aus dem Wok zum bestellen auf der Karte.

Dazu bestellt man entweder weissen Reis oder wer es spezieller mag ordert zum Beispiel Reis in einer frischen Ananas. Wer die Süsse im Reis nicht mag bestellt die jialu Nudeln – mein persönliches Highlight. Die Nudeln schmecken fantastisch und man kann sie für einen Aufpreis auch mit Fleisch oder Fisch aufrüsten.

Für nicht Entscheidungsfreudige stehen auch zwei Menüs zur Verfügung (49.- bis 68.- Franken).

Auf jeden Fall ist es wichtig, dass man nicht zu wenig bestellt. Bei zwei Personen reichen zwei Hauptspeisen nicht. Drei Hauptspeisen und Reis oder Nudeln sollte man schon bestellen um nicht Gefahr zu laufen hungrig aus dem Restaurant zu gehen. Natürlich macht es am meisten Spass je mehr Leute am Essen teilnehmen. Denn die verschiedenen Hauptgerichte landen alle in der Mitte des Tischs und jeder darf von jedem Essen.

Die einzelnen Gerichte sind authentisch gekocht. In der Küche stehen neben Lukas Ackermann auch noch weitere Köche die im Gegensatz zu ihm aus Asien stammen – die Köche wissen also was sie da machen. Und es ist schön, dass auch ganze Enten in der Küche verarbeitet werden – die frische schmeckt man auf dem Teller.

Es gibt aber auch negatives zu berichten. Vorallem enttäuscht, dass nicht alles hausgemacht ist. Bei den Vorspeisen die Pouletspiessli, Dipp-Saucen und auch die Krevettenschwänze. Das grösste Manko ist aber auf jeden Fall die Desertkarte. Es passt einfach nicht ins restliche Bild – zu den frisch servierten Tees oder dem authentischen Besteck – wenn zum Dessert eine Mövenpick-Karte gereicht wird. Ab und zu findet man darauf zwar das selbstgemachte Grüntee-Eis doch das reicht nicht. Hier wäre es zwingend, dass man hier ein paar wenige hausgemachte Desserts anbieten würde. Vielleicht würden die Gäste dann am Abend auch ein bisschen länger verweilen.

Für mich ist das jialu trotzdem das zweitbeste Chinarestaurant der Zentralschweiz. Kulinarisch kommt es ans Min Kang Yuan in Küssnacht am Rigi nicht heran. Dort wird einfach alles Hausgemacht und das schmeckt man auch! Dafür hat man hier im jialu ein ruhigeres Erlebnis – denn man blättert nicht in einer 30 Seiten dicken Speisekarte bei der jedes Gericht mit einer Nummer gekennzeichnet ist. Nein, hier bekommt man das Menü auf einer schönen Holztafel aufgeklebt und auch sonst ist das Restaurant frei von China-Kitsch. Ich hoffe jetzt nur, dass die mitlerweile angehobenen Preise ihren Höchststand erreicht haben, dass das Restaurant weiterhin so gut besucht ist und ich somit noch oft in die Chinesische Oease mitten in Hochdorf eintauchen kann.

Die Bilder stammen von der jialu Homepage.

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