Delikatesse: Oona – Pure Swiss Alpine Caviar

Hoch über dem Eisenbahn-Basistunnel durch den Löschberg thronen die Schneegipfel des Doldenhornmassivs. Das Regen- und Schmelzwasser strömt durch die Kalkschichten des Bergs in die Tiefe und wird dabei durch den Gesteinsdruck erwärmt. Bei Frutigen tritt das klare, 20 Grad warme Wasser als Bergbach aus. Da das erhitzte Wasser entweder die einheimischen Fischbestände gefährden würde oder man es energieintensiv kühlen müsste,  kam man auf die Idee dieses nachhaltig und sinnvoll zu nutzen.

Man startete ein Projekt welches zum Ziel hatte den Wärmeüberschuss für die Zucht von Wärme liebenden Fische und Pflanzen zu verwenden. Aus dieser Idee entstand das Tropenhaus in Fruttigen welches Ende 2009 eröffnet wurde. Mittlerweile ist das Haus ein beliebtes Ausflugsziel in dem auch ein Restaurant betrieben wird.

Schon seit Beginn der Planungsphase hatte man eine Störzucht ins Auge gefasst. 2002 wurde ein Machbarkeitsstudie erstellt und bereits im 2005 kam der erste Stör in die Pilot- und Forschungsanlage für die Zucht. In Zusammenarbeit mit der Universität in Bern konnten die Haltungsbedingungen optimiert werden. Neuartige, tierfreundlichere Methoden für die Ermittlung des Geschlechts der Störe und für die Bestimmung der optimalen Kaviarreife wurden entwickelt.

Von den 27 verschiedenen Störarten die es weltweit gibt sind die meisten vom Aussterben bedroht. Ab dem nächsten Sommer werden alle Arten im Tropenhaus Frutigen vereint im Aquarium mit speziellem Sichtfenster zu sehen sein. Die Nachhaltigkeit und die artgerechte Tierhaltung sind zwei der wichtigsten Themen im Tropenhaus. Die Fische werden nicht nur mit konventionellem Futter ernährt, sondern mit Futter aus alternativen Eiweissen, die in Zusammenarbeit mit der regionalen Landwirtschaft produziert werden. Antibiotika, Medikamente und chemische Schädlingsbekämpfungsmittel werden nicht eingesetzt.

In den letzten beiden Jahren konnte man vom Sibirischen Stör bereits Fleisch an ausgewählte Restaurants in der Umgebung verkaufen. Seit diesem Winter gibt es nun zum ersten Mal Kaviar von den 30 Kilogramm schweren Fischen.

„Oona“ stammt aus dem keltischen und bedeutet „das Aussergewöhnliche“. Unter diesem Namen wird der erste Schweizer Kaviar vermarktet. In diesem Jahr werden 300 Kilogramm produziert. In der nahen Zukunft sollen die 60’000 Fische eine Jahesproduktion von drei Tonnen Kaviar sowie 18 Tonnen des Gräte freien Störfleisches geben.

„Oona“ ist in vier verschiedenen Qualitätsstufen erhältlich und wird direkt aus Fruttigen per Nachtexpress an die Kunden verschickt. In der mit Eis gekühlten Styroporform findet der Kunde eine sehr exklusive Verpackung. Der edle „Ice Cube“ ist aus massivem Glas und wird in der Glasi in Hergiswil hergestellt. Im inneren des Cubes findet man eine schwarze Plastikkugel in welcher der Kaviar gut verschlossen auf den Verzehr wartet. Die Verpackung begeisterte uns, bereits das öffnen das Pakets ist der edlen Delikatesse würdig.

Wir degustierten die N°103 und genossen diesen pur sowie in Verbindung mit frischen Jakobsmuscheln nach einem Rezept aus dem neuen Kochbuch von Peter Knogl aus dem Cheval Blanc in Basel (der Bericht zu seinem Kochbuch folgt). Der Kaviar ist sehr delikat und gehört zu den Besten die wir jemals essen durften. Auch zu wissen, dass dieser aus einer nachhaltigen Zucht stammt lässt einem diese schwarze Perlen noch genüsslicher geniessen.

Wir können den Kaviar wärmstens empfehlen und sind überzeugt, dass er auch dank der genialen Verpackung bei den Gästen einen sehr guten Eindruck machen wird. Den Kaviar kann man auf der eigens eingerichteten Homepage bestellen. Für 30 Gramm werden 130 Franken in Rechnung gestellt. Den „Ice Cube“ gibt es übrigens nur bei den 30 und 50 Gramm Varianten. Die grösseren Mengen haben darin keinen Platz und werden deshalb ohne das edle Glas – aber genauso gut gekühlt – geliefert.

Zur Homepage von Oona

Kochbuch: Schweizer Spitzenköche für Afrika

Falls ihr eine Woche vor Weihnachten immer noch verzweifelt auf der Suche nach einem passenden Geschenk seid dann könnt ihr jetzt aufatmen. Denn mit dem Kochbuch „Schweizer Spitzenköche für Afrika“ schenkt ihr nicht nur 60 spannende und einfach nachzukochende Rezepte sondern unterstützt gleichzeitig die charity Organisation „Mensch für Mensch“ von Karlheinz Böhm.

Das Projekt „Spitzenköche für Afrika“ wurde 2008 in Deutschland geboren. Damals wetteten Ralf Bos (Inhaber des Delikatessenversands BOS FOOD) und der „Jahrhundertkoch“ Eckart Witzigmann „gegen“ Böhm, dass sie zusammen mit anderen Spitzenköchen es schaffen werden 250’000 Euro zu erkochen. Die Wette ging gewonnen und mit dem Geld wurde in Äthiopien eine Schule für 600 Kinder gebaut. Fortan wurde die Aktion jährlich wiederholt.

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Die Sterneköchin Tanja Grandits (Stucki in Basel) ist eine grosse Bewunderin von Böhm und seinem unermüdlichen Engagement für die Ärmsten. Deshalb hat sie nun das Projekt „Spitzenköche für Afrika“ in der Schweiz initiiert und 19 Berufskollegen angefragt sie dabei zu unterstützen.

In Zusammenarbeit mit dem Aarauer AT Verlag entstand nun als erstes Projekt dieses 176 seitige Kochbuch. Darin stellen alle Köche jeweils drei ihrer Lieblingsgerichte vor – Gerichte die sie mit ihrer Kindheit verbinden oder Speisen die sie gerne für Freunde kochen. Der Reinerlös kommt dabei vollumfänglich der Stiftung „Mensch für Mensch“ und somit dem Projekt ABC 2015 zu gute – ein Projekt das Tausenden von Kindern in Äthiopien eine Schulbildung ermöglichen wird.

Die besagten Köche besitzen stolze 24 Michelin Sterne. Es sind neben Tanja Grandits* die Köche Armin Amrein *, Andreas Caminada ***, Philippe Chevrier **, Martin Dalsass, Claude Frôté *, Vreni Giger, Hans Peter Hussong **, André Jaeger *, Walter Klose *, Reto Lampart **, Jan Leimbach, Marcus G. Linder **, Peter Moser *, Markus Neff *, Heiko Nieder **, Arno Sgier *, Sandro Steingruber, Martin Surbeck * und Rico Zandonella **.


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Ein Kochbuch von Gourmetköchen fristet meistens ein Leben im Bücherregal statt auf dem Küchentisch. Das vorliegende Buch ist dabei anders. Die 20 Köche stellen nämlich fast ausschliesslich einfach nachzukochende Gerichte vor. Deshalb muss man keine seitenlangen Rezepte studieren sondern kann die Gerichte für den täglichen Gebrauch einsetzen.

Das Buch ist nach den 20 Köchen gegliedert. Dabei gibt es jeweils zwei Speisen und ein Dessert. Zu Beginn wird der jeweilige Koch in einem kurzen Interview vorgestellt. Dabei erfährt man was in seiner Küche nie fehlen darf und auch die Gründe die ihn zum Engagement für dieses Projekt bewegt hatten. Da jedoch fast immer dieselben Fragen gestellt werden wird dieser Teil spätestens beim fünften Koch langweilig. Aber auch abgesehen von den eher banalen Fragen ist die bunte Doppelseite die (einzige) Schwachstelle des Buches. Denn hier vermisst man stark ein schönes Portraitbild des jeweiligen Spitzenkochs. Stattdessen findet man auf den fast leeren Seiten lediglich eine verpixelte Unterschrift. Bei einem Nachfolgebuch liegt hier definitiv das grösste Verbesserungspotential.

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Nichts zu verbessern gibt es bei der Rezeptauswahl. Man findet viele tolle Gerichte. Vereinzelt sind auch etwas anspruchsvollere Rezepte dabei. Bis auf ein paar ganz wenige Ausnahmen (zum Beispiel die Ente von André Jaeger) findet man dabei auch alle Zutaten beim lokalen Händler. Ebenfalls ein grosses Lob gilt den schön abgelichteten Speisen. Man entdeckt fast auf jeder Doppelseite ein Gerichte das man unbedingt einmal nachkochen möchte.

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Fazit: Das Kochbuch „Schweizer Spitzenköche für Afrika“ ist ein ideales Weihnachtsgeschenk. Für einmal kann der Beschenkte nicht nur über die tollen Gerichte staunen sondern diese auch tatsächlich nachkochen. Dass man gleichzeitig mit dem Kauf ein wichtiges Projekt unterstützt macht gleich doppelt Freude. Für die 90 Rezepte auf 176 Seiten bezahlt man gerade einmal 39 Franken  – ein sehr fairer Preis.

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Schweizer Spitzenköche für Afrika
Erschienen im AT Verlag
Fotos Michael Wissing
176 Seiten
ISBN 978-3-03800-616-9
Preis 39.90 Franken

Mamma Leone, Luzern

Das ‚Ristorante Mamma Leone‘ besuchten wir bereits vor drei Jahren. Damals stieg man die Treppe in den ersten Stock hoch und fand dort ein schmuckes Restaurant mit verhältnismässig wenigen Tischen vor. Die aufgestellten Mitarbeiter servierten überdurchschnittlich gute italienische Gerichte und spitzenmässige Pizzen.

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In der Zwischenzeit hat man das Restaurant ausgebaut und im Grundgeschoss eine zusätzliche Restaurationsfläche eingerichtet. Da wir das ‚Mamma Leone‘ an einem der letzten warmen Sommerabenden besuchten waren auch die vielen Tische draussen vor dem Restaurant aufgedeckt. Ob die geschätzte vervierfachung der Sitzplätze auswirkungen auf die Qualität hat?

Am Grundkonzept hat sich sonst nichts geändert. Man reicht den Gästen eine Speisekarte (die einzelnen Seiten stecken leider immer noch in schmuddeligen Plastikmäppchen) und ergänzt diese durch Spezialitäten welche man auf Schiefertafeln an der Wand präsentiert. Im Gegensatz zu früher steht nun bei jedem Gericht auch den zu zahlenden Preis. Das Angebot, sowohl auf der Karte als auch auf der Tafel, war sehr spannend obwohl uns die Spargeln aus Peru in dieser Jahreszeit schon sehr irritierten.

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Während man uns beim letzten Besuch zum Apéro eine kleine Pizza aufschnitt und in die Tischmitte stellte gab es Heuer gar nichts zum knabbern. Also starten wir direkt mit der Vorspeise.

Crêpe mit Artischockenfüllung, Crevetten und Tomaten [-/10]

Die Crevetten waren sehr knackig und frisch, der Rest konnte weniger überzeugen – zu fad und zu uninspiriert. Die Crêpe Füllung aus Artischocken war nicht sorgfältig genug zubereitet und hatte extrem viel Heu auf denen man herum kauen musste.

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Gnocchi mit Eierschwämme, Seeteufel und Majoran [-/10]

Da die Gnocchi die einzigen hausgemachten Pasta im Angebot waren, haben wir uns für diese entschieden. Das Gericht konnte leider ebenfalls nicht begeistern. Es war wiederum sehr fad und weit weg von einem Teller den man mit Begeisterung verschlingt. Zudem waren die Gnocchi viel zu trocken. Akzente konnte lediglich der gut zubereitete Seeteufel sowie das Pilzaroma setzen.

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Tiramisu [-/10]

Das Tiramisu ging in Ordnung vermochte aber die Gesamtleistung der heute gebotenen Kulinarik nicht wesentlich verbessern. Zumal ich diesen Dessertklassiker schon unzählige Male besser serviert bekommen habe.

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Fazit: Das ‚Mamma Leona‘ hat seine Seele (Qualität) für mehr Platz und Profit verkauft. Mit dem kleinen Restaurant das ich vor ein paar Jahren hier angetroffen habe hat dieses hier nicht mehr viel gemein. Der Service war zwar immer noch sehr aufgeschlossen hat aber ebenfalls an Qualität verloren. Es ging ja noch in Ordnung, dass der Service zwei Mal an unseren Tisch zurückkehrte weil er vergessen hatte welches Wasser wir soeben bestellt hatten. Aber die Vorspeise meiner Begleitung geschlagene fünf Minuten nach meiner zu servieren und beim Hauptgang zwei Mal (!) das falsche Gerichte zu servieren ist mehr als nervig.

Auch kulinarisch schmeckte man den Rückschritt. Das Servierte war knapp über dem Durchschnitt den man sonst bei einem Italiener antrifft. Zugutehalten muss man dem ‚Ristorante Mamma Leone‘ das die Preise sehr fair kalkuliert sind. Eine Pizza Margarita bekommt man für 15 Franken, Pizzen mit Fleisch kosten bis maximal 22 Franken. Einen Teller Pasta wird für ca. 22 Franken (auch kleinere Portionen erhältlich) angeboten.

In dieser Form ist das ‚Mama Leone‘ zum italienischen Einheitsbrei mutiert – so wie man ihn in einer Stadt wie Luzern unzählige Male antrifft.

Menü: Die umfangreiche (aber dennoch nicht zu grosse) à la carte Auswahl beinhaltet Salate, Vorspeisen, Pasta im Hauptgang sowie diverse Pizzen. Die Preise sind fair kalkuliert. Die Pasta Hauptgänge kosten ca. 22 Franken, die Pizzen zwischen 15 – 22 Franken. Diese Auswahl wird noch durch Spezialangebote auf der Schiefertafel ergänzt. Darauf standen drei Vorspeisen (je 22 Franken), zwei Pasta Hauptgänge (je 24 Franken) sowie ein Fleisch- und Fischhauptgang (je 44 Franken). Auch die sechs ausschliesslich (!) hausgemachten italienischen Desserts fand man darauf.

Online: Das ‚Mamma Leone‘ verfügt über keine Homepage.

Wertung: Gourmör / Gault-Millau

(Besucht im September 2011)