Information: Guide Michelin Schweiz 2020

Heute wird in Lugano der Guide Michelin Schweiz 2020 vorgestellt. Wir berichten für euch ab ca. 17 Uhr live vor Ort auf unserem Facebook-Account. Wer die Show live verfolgen will, findet bei Michelin einen Stream. Die Übertragung startet um 17.45 Uhr. Wie gewohnt werdet ihr hier nach dem Event eine Übersicht mit allen neuen Sterne-Restaurants und denjenigen Adressen die einen oder mehrere Sterne verloren haben.

Da Vittorio – St. Moritz in St. Moritz

Als die Familie Cerea aus dem italienischen Brusaporto vor sieben Jahren im Hotel Carlton in St. Moritz ein Zweitrestaurant eröffnete, war dies in Gourmet-Kreisen ein grosses Ereignis. Schliesslich ist es nicht alltäglich, dass ein 3-Sterne-Restaurant mit einer Dependance in die Schweiz kommt. Das Konzept entpuppte sich rasch als Erfolg und was zu Beginn nur für ein paar Saisons geplant war, entwickelte sich zum langjährigen Engagement. Der Guide Michelin zückte bereits nach dem ersten Winter den Stern und Gault-Millau zeichnete das Restaurant zum „Aufsteiger des Jahres“ aus und gab 18 Punkte ins Engadin. Alle waren glücklich! Alle? Nein, wir nicht. Unser Besuch 2013 war eine grosse Enttäuschung. Seitdem überlegen wir uns bei jeder St. Moritz-Reise, ob wir eine Rückkehr ins Da Vittorio wagen sollten. Bis jetzt überwog jeweils die Skepsis.

Als wir die diesjährige Reise ins mondäne St. Moritz planten war aber klar, dass wir dem Da Vittorio – St. Moritz, wie es offiziell heisst, endlich eine zweite Chance geben müssen. In der Zwischenzeit sind schliesslich einige Jahre ins Land gezogen und die positiven Berichte reissen nicht ab. Also buchten wir in den letzten Tagen der Saison 18/19 einen Tisch im hochdotierten Gourmetrestaurant. Das Da Vittorio befindet sich im Parterre, gleich rechts nach dem Hoteleingang. Typisch italienisch, nehmen uns gleich mehrere gut gelaunte Ragazzi in Empfang. Das Interieur mit seinen auffallend bunten Sitzbezügen ist dasselbe geblieben. Auch die etwas schummrige Beleuchtung erkennen wir vom letzten Besuch. Anders ist zum Glück die Atmosphäre. Sassen wir beim letzten Besuch fast alleine in dem etwas verwinkelten und eher engen Restaurant, sind an diesem Samstagabend zum Saisonende fast alle Tische besetzt und die Stimmung gut.

Zur lebendigen Atmosphäre trägt auch das Service-Team bei. Allen voran Restaurant Manager Giulio Bernardi. Der sympathische Italiener ist nicht nur der Traum jeder Schwiegermutter, sondern auch ein hervorragender Gastgeber. Schön für Schweizer Gourmets: Bernardi verbringt den Sommer im Schwesterhotel Eden Roc in Ascona und betreut dort das neu besternte La Brezza. Bernardi führt uns an einen der circa 15 Tische. Dieser steht vis à vis von dem mit Süssigkeiten, Kartons und Schälchen überladenen Buffet. Die Bonbons und Bällchen aus Schokolade werden später beim Grande Finale ihren Auftritt haben.

Vom klassischen Champagner-Wagen bestellen wir ein Glas Brut Rosé von Laurent-Perrier und erhalten dazu als Snack einen italienischen Taco mit Branzi-Käse aus Bergamo (-/10). Die Petitesse gefällt dank dem geschmackvollen Taco aus verschiedenen gerösteten Kernen. Der angekündigte Branzi-Käse vermag indessen gegen das starke Aroma von Sesam & Co. keine Akzente setzen, wodurch das Ganze leider zu eindimensional wirkt.

Nun reicht man uns die grossformatige Speisekarte. Darauf findet sich eine sehr schöne Auswahl an Gerichten. Neben neuen Kreationen finden wir auch Klassiker, welche im Haupthaus in Brusaporto serviert werden. Unser Blick fällt schnell auf das Menü „Carte Bianca“, welches in 7 oder 10 Gängen mit folgenden Worten angeboten wird: „Eine aussergewöhnliche Erfahrung. Lassen Sie sich überraschen und von unseren kreativen kulinarischen Ideen verführen.“ – Genau darauf haben wir heute Abend Lust. Da beim letzten Besuch die Weinbegleitung ihrem Namen keine Ehre machte, wollen wir zuerst von der grossen Weinkarte des Hotels eine Flasche bestellen. Doch auch hier motiviert uns Gastgeber Bernardi zu mehr Mut und verspricht eine aufs Menü abgestimmte Weinbegleitung. Wir vertrauen ihm und sollten später nicht enttäuscht werden.

 

Als Amuse Bouche wird uns auf einem Löffel langsam gebratener Schweinehals mit Rande (5/10) und eine frittierte Reis-Kugel mit Wachtel Ragout (-/10) serviert. Das Ragout ist super, gegen die Reiskugel ist das geschmorte Fleisch aber unter proportioniert, weshalb es geschmacklich untergeht. Ein schönes Geschmacksbild gibt es auf dem Löffel. Das Fleisch und die Rande ergänzen sich super. Weshalb Spitzenköche noch immer dieses geschmacklose Tapioka verarbeiten, entzieht sich indessen unserer Kenntnis.

 

Als Nächstes wird uns das hausgemachte Brot gereicht. Dieses schmeckt uns viel besser als beim ersten Besuch – obwohl es sich um die gleichen Sorten handelt. Die Brotsorten sind frischer und haben mehr Goût. Auch eine feine Zitronenbutter wird dazu serviert – wunderbar!

 

Gelbschwanzmakrelen-Tatar (9/10)

Mit dem ersten Gang des Menüs erfolgt auch gleich ein Paukenschlag. Das Gericht stellt den kompletten Besuch vor sechs Jahren in seinen Schatten. Der Fisch von ausgezeichneter Qualität wird von Kaviar unterstützt und von einer bemerkenswerten Fisch-Zitronen-Sauce begleitet, welche uns mit ihrer perfekt dosierten Säure in ihren Bann zieht. Abgerundet wird das elegant-meerige Gericht durch gepufften Buchweizen, der für eine knusprige Textur sorgt. Bissen für Bissen ist dies ein Hochgenuss und wir versinken förmlich im Teller.

 

 

Seebarsch-Sashimi mit knusprigem Quinoa und Miso (7/10)

Nein, vor uns liegt kein dünn aufgeschnittener Thunfisch. Dieser rare Fisch – wie auch Foie Gras – werden in der Tschuggen Gruppe aus Gründen der Nachhaltigkeit und des Tierwohls nicht serviert. Deshalb greift Küchenchef Stefano Bacchelli zum Seebarsch und zaubert daraus dieses Sashimi. Darunter befindet sich ein knackiger Salat. Ganz zuunterst sorgt diesmal gebratener Quinoa für die knusprige Textur und gibt leichte Röstaromen ab. Der Fisch ist mit einer süssen Miso beträufelt. Dies schmeckt zwar alles etwas plakativ und weniger elegant wie beim vorherigen Gericht, hat aber wiederum richtig viel Power und macht grossen Spass.

 

 

Shabu Shabu von sizilianischen Scampi (7/10)

Ein solch modernes Gericht haben wir hier nicht erwartet und vermuten, dass dies vom jungen Küchenchef Stefano Bacchelli komponiert wurde. Doch weit gefehlt. Shabu Shabu ist ein Signature-Dish im 150 Kilometer entfernten Haupthaus. Eine zentrale Rolle spielen die rohen Scampi aus Sizilien die uns mit ihrem Geschmack so richtig überzeugen. Stark auch die Harmonie der langsam schmelzenden Perlen die ein erfrischendes und leicht kühles Limetten-Gin-Aroma abgeben. Der Rosa Pfeffer sorgt für einen langen und würzigen Abgang. Ein Gericht, dass von Bissen zu Bissen noch mehr Spass macht.

 

„Uovo all’uovo“ (9/10)

Nun wird uns ein weiterer Klassiker aus Brusaporto in einem Glas serviert. Das Innenleben ist vielschichtig. Ganz zuunterst ein angenehm süsses Apfelkompott und darüber Rührei und eine Schicht vom Wachtelei. On top finden wir ein Kartoffelschaum in dem sich ein paar Perlen vom Lachsrogen verstecken. Auf die luftige Masse kommt noch eine Nocke Beluga-Kaviar. Mit dem Perlmutt-Löffel stechen wir von oben nach unten und geniessen Löffel um Löffel von diesem angenehm warmen, schlorzigen, wohlduftenden und geschmacklich extrem vielschichtigen Elixier. Die Kombination aus Ei, Apfel und dem Aroma nach dem weiten Meer ist extrem beeindruckend.

 

Risotto mit Giarratana Zwiebeln (8/10)

Mit dem Risotto folgt ein italienischer Klassiker dessen wohliger Duft uns augenblicklich in die Nasen steigt. Schon nach der ersten Gabel ist klar, dass dies eines der besten Risotto ist, welches wir jemals gegessen haben. Die Körner sind perfekt gegart, der Geschmack von den geräucherten Giarratana-Zwiebeln ist betörend und das sämige Gericht sorgt für grossen Genuss. Die Garnelen aus San Remo, die neben dem Risotto liegen, bräuchte es indessen nicht. Zum einen schmecken diese weitaus weniger spannend als die Scampi im vorherigen Gericht zum anderen ist das Risotto Highlight genug.

 

 

Lammcarré (6/10)

Darauf folgt ein kleines Stück Lammcarré. Darüber eine Lamm-Pfeffer-Reduktion, die leider viel weniger Charakter hat, als es der Name verspricht – hier hätte man mutiger sein dürfen. Begleitet wird das Lamm von einem gut abgeschmecktem Rhabarber-Kompott und zweierlei Knollensellerie. Wobei der Sellerie-Würfel in Essig eingelegt wurde und dadurch eine tolle Säure aufweist. Jede Komponente auf dem Teller schmeckt gut, eine Symbiose entsteht zwischen ihnen aber leider nicht.

 

 

Casoncelli gefüllt mit Taleggio Käse (8/10)

Das nächste Gericht bringt das Menü aber gleich wieder auf die Siegerstrasse. Die hauchdünnen Casoncelli sind gefüllt mit einem würzigen Taleggio. Zerschneidet man die Pasta, läuft der Käse über den Teller und vermengt sich mit der herrlichen Mais-Sauce. Zusammen mit dem Trüffel und dem markanten Eigelb-Aroma ergibt sich dies ein weiteres ausgezeichnetes Gericht das förmlich ein Loblied auf die italienische Küche sing. Ausgezeichnet!

 

 

Gebratenem Steinbutt (7/10)

Der Steinbutt stammt aus dem Atlantik und wog 5,8 Kilogramm bevor er heute Abend in den Ofen wanderte. Die Haut und Gräten kamen in einen separaten Topf wo sie eingekocht wurden, damit man uns jetzt diese feine Sauce kredenzen kann. Der perfekt gegarte Fisch schmeckt ausgezeichnet. Die Sauce ist die perfekte Ergänzung. Dazu serviert man uns ein Topinambur-Püree, welches ein schönes Zwiebelaroma aufweist. Super auch die gebratene Artischocken nach jüdischer Art. Schon beim Zerschneiden ist das betörende Knusper-Geräusch zu hören. Im Gaumen kommen die schönen Röstaromen gut zur Geltung. Einzig die rohen Jakobsmuscheln-Würfel auf der Artischocke erhalten lediglich eine dekorative Aufgabe.

 

Das Beste von der Taube (7/10)

Im Hauptgang gibt es Taube. Der Vogel ist von top Qualität und auch sehr gut zubereitet. Die Brust ist himmlisch zart und verfügt über eine krosse Haut. Die ebenfalls gebratene Keule hat eine Brot-Kräuter-Marinade und ist entsprechend knusprig. Dazu kredenzt man uns eine sehr gute Trauben-Sauce mit einem süss-sauren-Twist. Auf dem zusätzlichen Teller gibt es noch Innereien. Wir finden unter anderem das Herz und die Leber des Vogels. Leider liegen diese unter einem etwas ausdruckslosen Petersilienschaum.

 

Kräuter Sorbet und Joghurt Schaum (8/10)

Dieses nach verschiedenen Kräutern schmeckende und wunderbar kühle Sorbet ist die absolut perfekte Erfrischung. Minze, Basilikum und Estragon bilden mit dem tollen Joghurt-Schaum eine richtig schöne Symbiose. Beeindruckend!

 

Apfel Tarte Tatin mit Vanilleeis (8/10)

Ein Dessert-Klassiker der hier wunderschön umgesetzt ist. Am Tisch wird die grosse Tarte Tatin vom Chef persönlich präsentiert und feierlich aufgeschnitten. Das Gebäck besteht aus unzähligen, Millimeter dünnen Apfelstreifen. Die Aussenseite der Tarte ist wundervoll karamellisiert. Der Boden ist himmlisch kross. Das Dessert ist anders als die meisten Tarte Tatin viel weniger süss – dies weil Chef Bacchelli auf einen Apfel mit viel Säure setzt. Dazu gibt es eine Nocke von sehr guter Vanille-Glace. In Summe ein himmlisches Dessert als Grande Finale. Die Tarte Tatin in dieser Form ist übrigens eine Erfindung von Küchenchef Stefano Bacchelli. Die Familie Cerea war beim Kontrollbesuch so begeistert, dass man das Dessert jetzt auch im Haupthaus in Italien serviert.

Petit-Fours (9/10)

Zum starken Espresso serviert man uns vier sensationelle Friandises und verschiedene süsse Snacks aus dem „Candy-Store“. Hier gibt es eine Handvoll Sorten zur Auswahl. In Brusaporto wird ein ganzer Wagen vorgefahren. Die verschiedenen Süssigkeiten werden in einer extra dazu gemieteten Manufaktur hergestellt. Dort entstehen auch die Panettoni. 50’000 Stk. werden jedes Jahr zur Weihnachtssaison verkauft. Wir erhalten ein Stück von der neusten Errungenschaft, eine Mischung mit Früchten und Schokolade – sehr gut. Zum Finale kommt auch noch der Chef an den Tisch und füllt frisch gebackene Cornetti mit Vanille-Crème – wir wähnen uns im Schlaraffenland.

 

 

 

Fazit: Zum Glück haben wir dem Da Vittorio – St. Moritz noch eine Chance gegeben. Mit dem Gebotenen vor sechs Jahren hatte dies heute überhaupt nichts zu tun. Wo beim letzten Mal schwere Purées den Teller dominierten, finden wir jetzt eine schmackhafte und wohlduftende italienische Küche auf top Niveau. Die Gerichte machen grossen Spass und auch das umfangreiche Menü ist bis am Ende ein grosser Genuss. Aber nicht nur die Pasta und Risotto begeistern, sondern auch die Qualität von Fisch und Krustentiere – dafür ist das Da Vittorio auch in Italien sehr berühmt. Und wenn am Schluss noch frisch gefüllte, warme Cornetti gereicht wurden, ist der Abend sowieso perfekt. So schmeckt Italien!

Die Erfolgsgeschichte Da Vittorio geht weiter. Im letzten Mai wurde die Filiale in Shanghai eröffnet. Dieses Jahr eröffnet eine Dependance in Macao.

Gastgeber in der Saison 18/19: Chef Stefano Bacchelli und Restaurantleiter Giulio Bernardi

 

Speisekarte: Auf der grossformatigen Speisekarte finden wir das Degustationsmenü „Carte Bianca“ in 10 Gängen (290 Franken) oder in der etwas kürzeren 7 Gänge-Variante (230 Franken). À la carte ist die Karte in jeweils ca. sechs Vorspeisen (75 – 155 CHF), Zwischengerichte (50 – 155 CHF), Hauptgerichte (85 – 190 CHF) und Desserts (35 – 45 CHF).

Wein: Bei der Weinkarte greift man auf die grosse Wein-Bibel des Hotels zurück und ergänzt diese noch um einige zusätzliche italienischen Flaschen. Eine Weinbegleitung wird gerne angeboten. Dabei werden die 10 Gerichte aber nicht jeweils mit einem anderen Wein begleitet, sondern man fasst jeweils 1 – 3 Gerichte mit einem Wein zusammen. Folgende Begleitung haben wir genossen:

Domaine Huet
Vouvray Sec „Le Haut Lieu“ 2017
Chenin Blanc

Robert Weil
Kiedricher Gräfenberg “Erstes Gewächs” trocken 2015
Riesling

Alois Lageder
„Löwengang“ 2014
Chardonnay

Vigneti Massa
„Derthona Sterpi“ 2014
Timorasso

Peter Wegelin
Maienfelder Blauburgunder Classic 2014
Pinot Noir

Tenuta S. Leonardo
„San Leonardo“ 2013
Cabernet Sauvignon, Carmenère, Merlot

Calvados 20 Ans Chateau du Breuil

S. Giusto a Rentennano
„Vin San Giusto“ 2008
Malvasia, Trebbiano

 

Zeit: Das Menü wurde in knapp 4 Stunden serviert.

Website: https://carlton-stmoritz.ch/de/restaurants/da-vittorio-st-moritz

 

Wertung: Gourmör  / Michelin / Gault-Millau

 

(Besucht im März 2019)

Carlton Hotel in St. Moritz

Es ist eisig kalt an diesem frühen Morgen im März. Ein letzter Kontrollblick in den Kofferraum lässt uns wissen, dass wir an alles gedacht haben. Nun geht es los in Richtung St. Moritz. Für die nächsten vier Tage meldet der Wetterbericht mehrheitlich gutes Wetter. Wir fahren deshalb früh los, weil wir noch vor dem Mittag auf den Pisten stehen wollen. Das 163 Pistenkilometer grosse Ski-Gebiet Corviglia gehört zu unseren liebsten Destinationen. Das Gebiet ist super erschlossen, hat geniale Pisten und für Gourmets gibt es einige grossartige Adressen, um sich am Mittag zu stärken.

Die Fahrt über den Julierpass ist beeindruckend. Die grossen Schneemassen glitzern in den ersten Sonnenstrahlen des Tages. Kaum in St. Moritz angekommen steigt die Vorfreude ins Unermessliche. Und als wir schliesslich vor dem imposanten Carlton Hotel vorfahren, wird uns richtig warm ums Herz. Es ist unglaublich schön wieder hier zu sein! Das Top-Hotel mit seinen 82 Suiten gehört zu den besten Adressen in den Alpen.

Majestätisch thront das Luxushotel über dem mondänen St. Moritz. Während wir noch staunen, werden wir vom Empfangs-Team herzlich willkommen geheissen. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite, entsprechend rasch wollen wir auf die Pisten. Das geht hier im Carlton sehr schnell. Während unser Gepäck verstaut wird und die Skiausrüstung in den grossen Skiraum wandert, können wir uns umziehen. Im Skiraum werden uns anschliessend vom freundlichen Mitarbeiter die Skischuhe gereicht, während das Carlton-Team bereits die Skier in den Shuttle-Bus einlädt. Zuvorkommend und äusserst komfortabel. Der Shuttle bringt uns dann in wenigen Minuten zur Standseilbahn-Station. Von dort geht es mit der Bahn ins Schneeparadies auf 2486 Meter über Meer.

Die Verhältnisse auf Corviglia sind perfekt. Wir geniessen die genialen Pisten – fahren unermüdlich hoch und runter. Wie schnell die Zeit vergeht, wird uns erst bewusst, als unsere Mägen zu knurren anfangen. Ein kurzer Anruf beim Carlton-Concierge und schon ist im el paradiso ein Tisch reserviert. Auch bei den anderen begehrten Gourmet-Hotspots lohnt es sich auf die Hilfe des Concierges zurückzugreifen – dank den guten Kontakten kriegt man auch bei guter Buchungslage oftmals noch einen Tisch.

Die letzte Talabfahrt des Tages ist immer etwas Spezielles und wir geniessen diese besonders. Nach einer langen Abfahrt unten im Tal angekommen, wartet bereits der Carlton-Shuttle. Nichts mit mühsamen Ski-Tragen – der Fahrer nimmt uns die Brätter ab und wir dürfen auf den bequemen Ledersesseln Platz nehmen. Nach einer kurzen Fahrt ins Hotel, geht es in unsere Kandinsky Junior Suite auf der 5. Etage. Diese Suite ist etwas ganz Besonderes. Sie ist dem russischen Maler gewidmet. Der Legende nach, hat Wassily Kandinsky in diesem Zimmer genächtigt und, weil er aus dem Traum gerissen kein Papier zur Hand hatte, die Wände bemalt. Heute müsste er dies nicht mehr tun. Passend zum Thema, steht eine Staffel bereit – falls ein Gast in einer nächtlichen Umwandelung seine künstlerische Ader ausleben möchte. Die Junior Suite bietet viel Platz und ist mit hochwertigen Materialen eingerichtet. Vom Balkon hat man einen wunderschönen Blick auf den St. Moritzersee und das umliegende Bergpanorama.

Bevor es heute Abend ins Romanoff geht, nehmen wir in der grossen Hotel-Bar einen Apéro. Die Stimmung hier ist wundervoll. Und seit unserem letzten Besuch wirkt der hohe Raum, dank den auf die Säulen gerichteten Lichter, noch imposanter. Noch immer werden die grossen Cheminées jeden Abend eingefeuert und am Nachmittag erhellen Piano-Klänge die Bar. Es ist ein schönes Gefühl in den massiven Ledersesseln zu sitzen und die Wärme des knisternden Feuers zu spüren.

Neben dem Restaurant Romanoff gibt es im Carlton mit dem Da Vittorio – St. Moritz auch ein Sternerestaurant der Familie Cerea, welche im italienischen Brusaporto ein 3-Sterne-Restaurant haben. Unser Bericht über das Da Vittorio – St. Moritz findet ihr hier.

Nach einem erholsamen Schlaf in dem äusserst bequemen Bett, geht es am Morgen zuerst zur Nespresso-Maschine im Zimmer. Kaum ist der letzte Tropfen in der Tasse, treten wir auf den kleinen Balkon. Von hier geniessen wir den wundervollen Blick auf St. Moritz. Leider aber auch auf den mit Wolken behangenen Himmel. Das schöne Wetter gönnt sich offenbar eine kleine Pause. Die schlechte Botschaft verdauen wir schnell. Wenn man in einem solch schönen Hotel wie dem Carlton ist, freut man sich regelrecht über einen Tag mit schlechtem Wetter. Denn so kann man sich genügend Zeit nehmen, um alles in dem schönen Haus zu entdecken und auch in die Spa-Welt einzutauchen.

Das Highlight des Spas ist der kleine Aussenpool den man schwimmend von innen erreicht. Dieser warme und sprudelnde Pool ist auch die erste Anlaufstelle an den restlichen Tagen, jeweils wenn wir die Talabfahrt beenden. Kaum im Hotel geht’s jeweils unter die Dusche und dann hier raus. Die Stimmung ist fantastisch, wenn man sieht wie die letzten Sonnenstrahlen die Bergwelt erhellen. Zudem ist es eine absolute Wohltat, wenn man seine müden Muskeln im warmen Wasser baden kann.

Auch am letzten Tag starten wir den Tag mit einem ausgiebigen Frühstück. Im Licht durchfluteten Restaurant Romanoff wird das gut sortierte Buffet aufgebaut. Die Auswahl ist gross. Natürlich darf eine Karte mit Eierspeisen nicht fehlen – besser lässt es sich ein Tag nicht starten.

Bevor es nach dem letzten Skitag nach Hause geht, trinken wir auf der traumhaften Carlton-Terrasse mit Blick auf St. Moritz einen heissen Tee. Wir geniessen noch einmal diesen magischen Ort und lassen die vergangenen Tage Revue passieren. Das Wochenende im wunderschönen Carlton werden wir niemals vergessen. Dies ist zum Grossteil dem wundervollen Gastgeber Philippe D. Clarinval und seinem starken Team zu verdanken. Ob im Restaurant, an der Bar, an der Reception oder im Ski-Shuttle – überall trifft man auf tolle Mitarbeiter, die den Aufenthalt zu etwas ganz Besonderem machen. Die Tage vergingen wie im Fluge. Dabei gäbe es im Carlton noch so viel mehr zu erleben. Zum Beispiel ein Afternoon-Tea bei Piano-Klängen. Oder einen Ausflug mit dem hauseigenen Outdoor-Butler der die besten Routen zum Wandern oder Skitouren kennt. Oder im Spa eine Nui Thai Massage. Doch dies wird eine andere Geschichte …

Carlton *****
Via Johannes Badrutt 11
7500 Sankt Moritz
Website


(Besucht im März 2019)

Der grossartige Gastgeber Philippe D. Clarinval ist seit 2017 Hoteldirektor des Carlton St. Moritz